„Typisch jüdisch“

Am 27. März 2019 erschien folgender Kommentar auf Facebook:

Wenn irgendwo, irgendwer schreibt, was „typisch jüdisch“ sein soll, um mit diesem Begriff andere Menschen abzuwerten, erwartet man von einem Landesbeauftragten gegen Antisemitismus eigentlich, dass er seine Stimme erhebt und sagt, dass die Einteilung „typisch jüdisch“, egal ob sie nun positiv oder negativ gemeint ist, eher problematisch ist, vor allem wenn sie dazu genutzt wird, Urteile über prominente Juden wie Henryk M. Broder abzugeben. Nicht so der Beauftragte der Landesregierung Baden-Württemberg gegen Antisemitismus. Sein Name ist Michael Blume. Ihm gefällt das.

Wie konnte es dazu kommen?

Im März 2019 sah sich Malca Goldstein-Wolf massiver Anfeindungen ausgesetzt. Ausgelöst wurden diese Anfeindungen durch einen Artikel von Michael Blume.

Am 16. März 2019 veröffentlichte er einen Artikel unter dem Titel: „Eichmann, Breivik, Spencer und der Terrorangriff von Christchurch – Der Ethnonationalismus als Verbindung aus Antisemitismus und Rassismus“. In diesem Artikel schreibt Blume:

„Online-Hass und wirre Verschwörungsmythen sind längst Netz-Alltag. Ich spreche ja mit vielen und kann sagen: Praktisch alle Personen des öffentlichen Lebens werden inzwischen durch um Bedeutung bettelnde Trolle, Verschwörungsverkünder, aber auch bezahlte Desinformanten und Fake-Accounts belagert.“

Als Beispiel für diesen Hass führt Blume Malca Goldstein-Wolf an und behauptet, sie „twittert unter dem Hashtag #michaelblume auch gleich eine angebliche Verbindung „zur #Muslimbruderschaft“.

Diese Behauptung ist zwar nicht durch Fakten gedeckt, das hindert Blume jedoch nicht daran, im Verlaufe des Artikels auf Adolf Eichmann und andere Massenmörder zu sprechen zu kommen. Der Beauftragte Baden-Württembergs gegen Antisemitismus benutzt eine Jüdin, die für ihren Kampf gegen Antisemitismus bekannt ist, als einleitendes Beispiel für einen Artikel, der mit dem Mann überschrieben ist, der als Nationalsozialist den Massenmord an Millionen Juden organisiert hat. Auf die öffentliche Nachfrage, warum er ausgerechnet Malca Goldstein-Wolf als einleitendes Negativbeispiel für Massenmörder nimmt, erwiderte er ebenfalls öffentlich, sie habe einen „unsäglichen, rassistischen Muslimbrüder-Verschwörungstweet gegen meine Familie & mich“ verfasst.

Diese Aussage ist falsch. In dem von Blume angesprochenen Tweet hat Goldstein-Wolf nichts über seine Familie geäußert und auch keine Verschwörung behauptet. Auf diese Fehler hingewiesen, wurde ich von Blume blockiert. Er kommentierte jedoch wohlwollend einige Personen, die sich aufmachten, in der Öffentlichkeit zu behaupten, Malca Goldstein-Wolf sei keine Jüdin. Öffentlich wurde von Goldstein-Wolf gefordert, sie solle doch beweisen, überhaupt Jüdin zu sein. Sie wurde als „Lügnerin“ und „Kostümjüdin“ tituliert.

Es dauerte nicht lange, da bekam auch ich Mails, ich solle doch nachweisen, dass Malca Goldstein-Wolf Jüdin sei oder sonst meinen Artikel zurückziehen. Es entstand eine wahre Hetzjagd, die an die rassistische Kampagne erinnert, die einst gegen Barack Obama gefahren wurde, als er aufgefordert wurde, er solle doch seine Geburtsurkunde zeigen, um zu beweisen, dass er überhaupt Amerikaner ist.

Wäre ich ein deutscher Beauftragter gegen Antisemitismus und ein Artikel von mir hätte dazu geführt, dass eine solche Kontroverse entbrannt, ich sähe es als meine Aufgabe an, die Situation zu deeskalieren, selbst wenn ich fest davon überzeugt wäre, im Recht zu sein. Der Antisemitismus-Beauftragte des Landes Baden-Württemberg jedoch hat einen Artikel verfasst, in dem er eine Jüdin diffamiert, die sich daraufhin wehrt, was zu einer Hetzjagd gegen diese Jüdin führt. All dies passierte im Umfeld von Purim.

Purim ist ein freudvolles Fest, das an die Errettung des jüdischen Volkes aus drohender Gefahr in Persien erinnert. Nach dem Buch Ester versuchte Haman, der höchste Regierungsbeamte des persischen Königs, die gesamten Juden im Perserreich an einem Tag zu ermorden. Königin Ester jedoch führte die Rettung herbei, weil sie stolz für sich und ihr jüdisches Volk eintrat.

Aber selbst wenn Goldstein-Wolf keine Jüdin wäre, so wären die Taten von Michael Blume dennoch inakzeptabel. Goldstein-Wolf kämpft gegen Antisemitismus. Sie wurde und wird als Jüdin immer wieder diffamiert. Es ist eigentlich die Aufgabe von Michael Blume, als Beauftragter des Landes Baden-Württemberg für Antisemitismus sich schützend vor eine solche Frau zu stellen, statt sie in eine belastende Situation zu stürzen.

Jede Religion kann sich glücklich schätzen, so jemanden wie Malca Goldstein-Wolf unter sich zu haben.

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