Sachsen bestimmen, wer Muslim ist

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) ist die Landesrundfunkanstalt für das Land Sachsen-Anhalt sowie für die Freistaaten Sachsen und Thüringen. Am 5. Oktober 2019 erklärte die Redaktion von MDR AKTUELL:

„Islamisten sind keine Muslime (früher: Moslems). Islamisten nutzen den Islam nicht aus religiösen Gründen, sondern instrumentalisieren ihn für extremistisch-politische Zwecke.“

Jetzt bestimmen also Sachsen, was der wahre Islam ist.

Die deutliche Mehrheit aller Sachsen sind keine Muslime. Es ist nicht die Aufgabe von Nicht-Muslimen zu erklären, was der Islam bedeutet. Muslime müssen das tun!

Wenn im Namen des Islams ein Verbrechen begangen wird, dann braucht es keine Mitteldeutschen, die erklären, was der angeblich wahre Islam bedeutet, ganz so, als sei ein terroristischer Anschlag eine Einladung zum Islamunterricht. Nach religiös motivierten Anschlägen braucht es kritische Analysen, die nicht vor religiösen Gefühlen halt machen.

Wenn ein Terrorist bei der Tat „Allahu Akbar“ ruft, dann muss man das ernst nehmen. Religionen sind Ideologien, in die man hineingeboren wird. Die wenigsten Menschen suchen sich eine Religion aus. Sobald ein Mensch jedoch erwachsen ist, entscheidet er sich frei, ob und wie er in seinem Glauben weiter denken und handeln will.

Es gibt nicht wenige Muslime, die erklären, Islam bedeute Friede, aber es gibt auch Millionen Muslime, die haben sich zu der Überzeugung entschieden, einen Frieden könne es nur im Islam geben und alle, die nicht zum Islam gehören, dürfen um des lieben Friedens Willen verfolgt, unterdrückt und ermordet werden. Zur Zeit vereint keine andere Religion zur so viele Menschen hinter staatlich gefördertem Hass und Intoleranz wie der Islam. In allen Ländern, in denen Homosexualität mit dem Tod bestraft wird, wird dies von islamischen Regierungen vorgeschrieben.

Wenn uns Sachsen nun einreden wollen, Islamisten seien keine Muslime, dann stellen sie sich gegen all die muslimischen Staatsoberhäupter in jenen Ländern, in denen Homosexuelle getötet, Frauen unterdrückt und Juden verfolgt werden. Wissen etwa Sachsen besser was Islam bedeutet als Muslime in islamischen Staaten? Früher nannte man so eine Arroganz westlichen Imperialismus!

Mir ist egal, was der Islam bedeutet. Menschen können glauben, was sie wollen, solange sie mir nicht gefährlich werden. Leider höre ich jedoch immer wieder, dass jene, die Menschen Köpfe abschneiden, Frauen steinigen, Homosexuelle hängen und Juden schlachten, dabei den Namen Allahs rufen und erklären, alles im Namen des Islams zu tun. Nicht wenige Muslime weltweit feiern diese Taten und verteilen Süßigkeiten aus Begeisterung über diese Schändungen. Für jeden Menschen, der glaubt, Islam bedeute Friede, müssen diese Muslime, die im Namen Gottes Kriege führen und Menschen morden, schlimmer sein als alle, die den Koran verbrennen.

Der radikale Islam ist ein Problem innerhalb des Islams. Die menschenfeindlichen Interpretationen des Korans und die daraus resultierenden mörderischen Praktiken können daher nur von Muslimen selbst beendet werden. Es ist einzig und allein ihre Verantwortung. Es bringt rein gar nichts, zu sagen, das alles habe nichts mit dem Islam zu tun.

Wer Islamismus und Islam trennen möchte, kann auch gleich versuchen, Alkoholismus von Alkohol zu trennen. So wie ein Alkoholiker bereit sein muss, sein Problem zu erkennen, bevor ihm geholfen werden kann, so muss auch ein Islamist zunächst sein Problem erkennen.

Es wird Zeit, dass der Islam in Frage gestellt wird, wie einst das Christentum in Frage gestellt wurde. Das geht allerdings nur mit Aufklärung, Kritik, Spott und Hohn und sie muss von innen kommen! Was die Welt jetzt braucht sind Mohammed-Karikaturen von Muslimen, die die muslimische Welt in Frage stellen, so wie einst Voltaires Karikaturen die christliche Welt in Aufruhr versetzt haben. Wir brauchen geistige Hämmer, die den Islam zerschlagen, so wie Nietzsche einst auf das Christentum einschlug. Ist das islamophob? War die Aufklärung christophob?

Der Islam muss ebenso heftig durch den Reißwolf der Aufklärung gedreht werden wie das Christentum.

Aufklärung tut weh. Wer jedoch glaubt, er müsse Muslime vor diesen Schmerzen schützen, erklärt damit, Muslime seien schwächer, dümmer oder unfähiger mit Kritik umzugehen als Christen. Wer Muslime schützen möchte vor Kritik, erklärt sie zu geistigen Mündeln, die intellektuell unfähig sind, mit Kritik umzugehen. Das ist jedoch purer Rassismus!

So wie Sachsen für ihre Politik verantworlich sind, sind Muslime für den Islam verantwortlich. Der Satz „Islamisten sind keine Muslime“ ist daher so dämlich wie diese Sätze:

„Nazis waren keine Deutsche.“
„Kreuzritter waren keine Christen.“
„Alkoholiker sind keine Trinker.“

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23 Antworten zu Sachsen bestimmen, wer Muslim ist

  1. A.Bundy schreibt:

    Gerd und seine Sachsophobie. Muss man nicht verstehen.
    Und wer ist eigentlich „uns“? Für wen glaubst du zu sprechen? Für die „Guten“, die „Anständigen“, die „Helldeutschen“?
    Aber viel wichtiger, hättest du das gleiche auch über die Nordrhein-Westfalen geschrieben, wenn der WDR diesen Stuss verzapft hätte? Fragen über Fragen …

  2. Mike schreibt:

    Der zur Zeit stärkste Hammer, der den Islam besser zu kennen scheint als jeder andere, ist Christian Prince. Ich kann nur wärmstens seine Youtube Videos empfehlen. Genial, wie er den Islam Gelehrten Dr Rohi von der Al Azhar Universität (der islamischen Eliteschmiede) intellektuell filetiert.

  3. Michaela Lusru schreibt:

    So wie Sachsen für ihre Politik verantworlich sind, sind Muslime für den Islam verantwortlich. Der Satz „Islamisten sind keine Muslime“ ist daher so dämlich wie diese Sätze:
    „Nazis waren keine Deutsche.“
    „Kreuzritter waren keine Christen.“
    „Alkoholiker sind keine Trinker.“ <

    Oh jeh, auf welches Diskussionsniveau begeben wir uns hier: Gleichstellungen, die niemand ernsthaft macht(e) werden als Excample für krude Sachsen-Phobie versucht zu benutzen ohne dass auch nur annähernd ein zu begrüssender Ansatz der „inneren Aufklärung“ in „der“ Gruppe damit befördert wird – Dilletantismus der Argumentation.
    So sehr ich begrüsse, wenn Muslime (und auch Christen, Juden und viele andere) sich gegenseitig beobachten und „ordnen“ wollen / sollten, so sehr lehne ich jeden Anflug von Sippenhaft dabei ab: „die“ Muslime, „die“ Juden, „die“ Christen usw. – wie auch „die“ Sachsen ! – gibt es bekanntlich nicht, da alle grossen sozialen Gruppen nie homogen sind, also nie mit einer (1) Meinung auftreten, das weder wollen noch sollten, wie mancher das gern (allerdings auch fälschlicher weise) in Erinnerung an Fussballmannschaften unterstellen möchte – wie das hier sowohl mir „den“ Sachsen wie mit „den“ Muslimen gemacht wird.
    Das ist argumentativer Dilletantismus oder verschwiemeltes leichtfertigtes bzw. böswilliges faking, weil Situationen argumentativ als Tatsachen unterstellt werden, die es real nicht gibt sondern nur zum Zweck der Pseudo-Erzeugung eines bestimmten erwünschten Eindruckes zur Meinungsmache bei anderen benutzt wird.
    Auf diesem blog gab es schon weit differenziertere und brilliant ausgeführte Argumentationen anstelle solcher plumpen an thüringischen AfD-Jargon erinnernde Ansichten, die es nicht nötig hatten, mit derartigen verallgemeinernden Pauschalisierungen das Gruppenbashing, besser die Sippenhaftung als gängiges erlaubtes Modell vorauszusetzen.
    Weder sind also „die“ Sachsen noch „die“ Muslime für „ihre“ Politik verantwortlich, noch macht es Sinn, das so zu fordern, und zwar so, wie es keinen Sinn macht, von „den“ Alkoholikern zu fordern, für „ihr“ Verhalten geradezustehen …, gelle?
    Merke:
    Es gibt weder „die“ Sachsen, noch „die“, noch …, sondern nur „welche“ oder „etliche davon“, und schon kommt ein völlig anderer Text, der mehr über den Autor als über die Sachsen oder Muslime erzählt heraus …
    Es sei denn, das soll eben vermieden werden …

    • Georg B. Mrozek schreibt:

      @Michaela Lusru Sie scheinen die Ironie Buurmanns nicht zu verstehen, wenn er von DEN Sachsen ausgerechnet in diesem Zusammenhang schreibt. Ich finde das urkomisch und muss immer noch darüber grinsen.

      • tapferimnirgendwo schreibt:

        Danke. Ich hatte schon an der allgemeinen Humorfähigkeit gezweifelt.

        • Michaela Lusru schreibt:

          Aber aber Gerd Buurmann, > hatte schon an „die“ allgemeine Humorfähigkeit gezweifelt <

          Schon wieder die gleiche gedankliche und sprachliche Panne, inhaltlich (beabsichtigt?) oder grammatikalisch, egal, es ist der gleiche untaugliche Hebel und fast nicht einmal humorig, noch weniger ironietauglich, passt also voll zu meinem Kommentar
          Nur wozu?
          Kennt ihr beide „Sing mei Sachse sing …“ – sicher doch, Gerd als FachMann

      • Michaela Lusru schreibt:

        Hi Georg B. Mrozek / Gerd Buurmann, nun muss ich aber auch grinsen:
        Offensichtlich versteht ihr nur eigene Ironie, was die Notwendigkeit meines Kommentars unterstreicht …
        Mal neu durchlesen und nachdenken, vor allem über Vergleichbarkeiten von Gruppenphänomenen, von solchen der Realität und denen der angedichteten (weil selbst erwünschten), und nicht nur bei („den“) Sachsen, gelle?
        Oder Aha …

  4. ceterum censeo schreibt:

    Das sind keine Sachsen, das ist mit Raubgut gemästetes AgitPropgesindel.
    Der normale Sachse weiß, wie jeder andere Mensch auch, der in diesen Zeiten noch nicht verblödet ist, daß nicht jeder Moslem ein Terrorist ist,aber…usw.usf.bla bla.
    Hat ja auch den Juden und der Welt unheimlich viel geholfen, daß seinerzeit nicht jeder Deutsche ein Nazi, und nicht jeder Nazi ein Mörder war.
    Vielleicht ist Sippenhaft ja die ultimative Notwehr und Überlebensstrategie?

  5. Bernd L. Mueller schreibt:

    Stimme – wieder mal – zu, diese Pauschalierung mit falscher Begriffserklärung ist dämlich. Natürlich waren Nazis – leider – Deutsche und wir leiden als Nachkommen noch heute darunter.

    Sonst : In Paris wurde das mit den treuen Muslimen garade entsetzlich mittels Morden geklärt. Wann hört das auf ?

  6. anti3anti schreibt:

    Sachsen sind keine Ossis.

  7. Georg B. Mrozek schreibt:

    Bravo! Applaus! Bin zu 100 Prozent deiner Meinung. Kann sie noch um einen Aspekt „verbeispielisieren“, nämlich die ewige und elende Behauptung westlicher Medien, der „militärische Arm der Hamas“ habe mal wieder diesen oder jenen Anschlag in Israel verübt. Da werten die dummen Journalisten ähnlich. Ich sage bewusst dumm, denn niemand würde auf die Idee kommen, die „SA“ oder die „SS“ als militärischen Arm von Hitlers Nazis zu bezeichnen. Genauso wenig würde jemand behaupten, sie hätten nichts mit den Nazis zu tun oder sie seien keine wahren Nazis gewesen. Wie du sagst: Religion ist eine Ideologie, ihr einziger Unterschied zu modernen Ideologien ist der, dass sie zu Zeiten begründet worden sind, zu denen man noch keine begrifflichen Unterschiede gemacht hatte.

    Wer erinnert sich eigentlich noch an die 1980er Jahre in Deutschland, als die Medien überhaupt keine Probleme damit hatten, Scientology mit der Nazi-Ideologie gleichzusetzen? Jede noch so winzige Einzelheit wurde als Indiz dafür gewertet und jeder Aussteiger wurde medial herumgereicht. Der Islam hingegen besitzt merkwürdigerweise bei den kritischen Medien Narrenfreiheit.

    Die Aufklärung im Islam muss von innen kommen, ja, so ist es, wie du sagst. Einzelne Kritiker sind zwar vorhanden, doch die breite Masse der Gläubigen lehnt sie ab. Die christliche Aufklärung gelang nur, da genug Unterstützung in der Bevölkerung vorhanden war. Sie fehlt in der islamischen Bevölkerung. Und weswegen? Weil die Menschen bewusst unwissend und ungebildet gehalten werden. Deswegen ist es richtig, wenn jemand sagt, verglichen mit dem Christentum, stünde der Islam immer noch in vormittelalterlichen Zeiten fest. Das werden die von der Zentrale geframten sächsischen Medien nicht ändern, aber vielleicht ist das auch gar nicht deren Ziel, sondern sie betreiben nichts weiteres als platte Relativierung im Sinne des Islams: Verdummung der Bevölkerung in einem höheren Auftrag oder so.

    • Georg B. Mrozek schreibt:

      Ach, fällt mir gerade ein: wenn ich einen Menschen erschieße, sollte nicht ich dafür bestraft werden, denn ich wäre es in Wahrheit gar nicht gewesen, sondern nur mein militärischer Finger am Abzug. Und der Revolver ist bekanntlich eh der Revolver des Friedens, er heißt ja auch „Peacemaker“. Alles eine Sache des Framings.

    • Michaela Lusru schreibt:

      sicher, sicher @Georg B. Mrozek , nur woher hatten doch „die“ Christen gleich „ihr Wissen“, „ihre Bildung“?
      Etwa aus der kulturell-religiösen Toleranz und Prosperität der alten (ersten) islamischen Gesellschaft, die dem „Westen“ die Bildung, das Wissen der alten Griechen, Orientalen und Asiaten erst zugänglich machten und für die Übersetzungen wie die wiederverwendbaren Speicherungen sorgten?
      Und nein, Georg B. Mrozek, „der Islam immer noch in vormittelalterlichen Zeiten“ wäre daher äusserst begrüssenswert und nicht etwa etwas Übles, wie Sie hier suggerieren,

      Aber wie wir sehen, können auch der tolerantesten und gebildetsten Gesellschaft diese progressiven aufgeklärten Attribute verlustig gehen, wenn wir mal die alte osmanische moslemisch geprägte Gesellschaft mit den meisten heutigen sich als moslemisch verstandenen Gesellschaften vergleichen.
      Oder umgekehrt: Eine verstockte „westliche“ christlich dominierte Gesellschaft sich (bedingt) erfolgreich massenhaft Fragen der Aufklärung stellen kann, auch wenn es jeweils Jahrhunderte dauerte.

      Ja, wir kleinlichen Erdenleutchen sollten das einmal in der historischen Dimension betrachten, die für solche gesellschaftlichen Um-Wandlungen (nicht -Wälzungen) erforderlich sind, auch wenn heute viel dafür spricht, dass es nicht unbedingt wieder Jahrhunderte sein müssten

      • Georg B. Mrozek schreibt:

        Oh, @Michaela Lusru, wahrscheinlich reden wir aneinander vorbei, was hier meine Mitschuld ist, da ein Kommentar auf einen Artikel wiederum nur eines Aspekts der Aufklärung nicht den gesamten Inhalt berücksichtigen kann. Es geht hier nicht um die gesellschaftlich-kulturelle Aufklärung Europas, bei der man durchaus über den Einfluss des „alten Islams“ streiten kann, sondern viel eher um die Religionskritik, die zwar in jeder Religion vorhanden ist, doch deren Kraft letztlich allein von der Zustimmung der Gläubigen abhängig ist. Die Bevölkerung führt ein Gemeinwesen zu revolutionären Änderungen, nicht die Vordenker und Theoretiker. Glauben Sie mir, im Mittelalter war es der Bevölkerung egal, welches Wissen der Antike bereits vorhanden war. Das erstarkende Bürgertum nutzte dieses Wissen allein, um gegen die Machtstellung des Klerus vorgehen zu können – oder aus der gegenteiligen Sichtweise, um eigene Macht zu erlangen. Wie zu allen Zeiten führen Revolutionen viele Kilometer entlang auf parallelen Gleisen: zum einen dem der Machteroberung und zum anderen jenes der Befreiung aus der Knechtschaft.

        Ob mit oder ohne dem antiken Wissen, die Befreiung aus den Dogmen der Kirche war angesichts des Elends und des perspektivlosen Daseins der mittelalterlichen Bevölkerung zwangsläufig. Es ist irrelevant, ob das Wissen der alten Griechen wiederentdeckt wurde oder neu entdeckt hätte werden können, Naturwissenschaften sind universal, eben anders als die Geisteswissenschaft, und die Aufklärung war vor allen Dingen eine der Ratio. Doch gleichgültig, welcher Weg beschritten wird, entscheidend ist die Unterstützung der Bevölkerung. Das sehen Sie ja heute: Aufklärer im Islam sind vorhanden, ihr Wissen ändert aber nichts, erst die Revolution der Massen stürzt die Mächtigen.

        Sie haben aber absolut recht, auch ich drücke mich in meinem Kommentar falsch aus, denn statt des Begriffs der Aufklärung sollte man vielleicht besser den der Emanzipation benutzen. Religionsemanzipation. Damit wird viel klarer, was eigentlich gemeint ist.

        • Michaela Lusru schreibt:

          Nun neige ich ja dazu, hier dem @Georg B. Mrozek voll zu zu stimmen, da ich das meiste eigentlich nicht anders sehe, auch was seine neu hinzugefügten Aspekte (Bevölkerung und „Wissen“, Bildung …) betrifft.
          Besonders der Hinweis, für wen zu dieser Zeit Bildung und Wissen aus der Hand der Osmanen von Nutzen und daher fast allein wesentlich waren: Das aufstrebende Bürgertum …
          Nur war / ist es nicht immer so, dass nur ein begrenzter Teil einer menschlichen Population die Möglichkeit und Fähigkeit der Verwendung von Bildung und Wissen erwerben und anwenden konnte und sich hernach allein dadurch dieser Kreis stetig vergrösserte bis er in heutiger Zeit (dank dieses Bürgertums seinerzeit) fast alle Teile der Gruppen umfasst / umfassen kann?
          Insofern würde ich mal die Begrenzung des Wissenserwerbs seinerzeit auf aufstrebendes (weil vorgebildetes) Bürgertum niemals derart gering bewerten, wie das leider trotz vieler richtiger Argumente anderer Art in Ihrem Kommentar der Fall ist.
          Die Grundzüge dessen, was damals von den Osmanen bzw. ihrer Lebensart in „den Westen“ geschwappt wurde, bilden noch heute das Gerüst unserer Kultur, allein die Schrift, die Zahlen, die philosophischen Ergüsse der Altvorderen Griechen(und anderer) haben wir in der Erschliessung und Bewahrung dem Osmanismus zu verdanken, und das sollten wir auch tun: danken, bewusst.
          Ob diese Zusammenhänge und das damalige Weltbild dieser Osmanen in den meisten heutigen moslemisch geprägten Gesellschaften allerdings noch bekannt ist, viruell wirken kann, wage ich zu bezweifeln – wo, so nehme ich an, wir uns beide wieder recht deutlich treffen.
          Daher ist das auch für mich keine Frage von Religionsemanzipation sondern ausschliesslich eine der ideologischen Emanzipation, da es bei den meisten hierzu relevanten Erscheinungen keinesfalls um nur vorgeschobene Religionszustände handelt sondern um ausschliesslich machtorientierte ideologische Barrieren, die, zugegeben, allerdings auch Religion schreddern oder missbrauchen, welche auch immer.

          • Georg B. Mrozek schreibt:

            „… für mich keine Frage von Religionsemanzipation sondern ausschliesslich eine der ideologischen Emanzipation, da es bei den meisten hierzu relevanten Erscheinungen keinesfalls um nur vorgeschobene Religionszustände handelt sondern um ausschliesslich machtorientierte ideologische“

            Das findet vollumfänglich und fundamental meine Zustimmung. Es ist des Pudels Kern gewissermaßen. Wenngleich ich in der Funktionalität keinen Unterschied sehe zwischen Religion und Ideologie. Beides ist wie Butter und Margarine, zwar nicht völlig identisch, so ist es dem quietschenden Türscharnier aber egal, womit es beträufelt wird. Macht, Religion, Ideologie – gehört alles zur Familie der fettigen Substanzen.

      • Don Giovanni schreibt:

        Liebe Frau Lusru,
        auch wenn es sich hier um ein Diskussionsforum handelt, sollte man doch etwas differenzierter schreiben. Ich beschränke mich auf einen Aspekt: Natürlich war dem abendländischen Mittelalter die antike Philosophie bekannt. Was Avicenna (Ibn Siena) und Averrhoes (Ibn Rushd, also derjenige, nachdem in Berlin eine liberale Moschee benannt ist) getan hatten, war, das Organon des Aristoteles derart zu kommentieren (das Organon war natürlich auch im Abendland bekannt, schließlich war Altgriechisch ja jedem Philosophen und Theologen geläufig). Was vor allem Ibn Rushd herausgearbeitet hatte, was das, was man dann im Abendland die „Lehre von der doppelten Wahrheit“ nannte, also eine Wahrheit neben der von Gott offenbarten durch logisches Schließen zu gewinnende Wahrheit. Dass dies der Kirche natürlich nicht gefiel, liegt auf der Hand, übrigens schickten sich auch die Sachwalter des Islam, – wie ihre abendländischen Brüder, – an diese Lehre zu bekämpfen. Es waren also arabische Philosophen, die trotz des islamischen Dogmas einer nur von Allah offenbarten einzigen Wahrheit diese Lehre formulierten, und es waren abendländische Philosophen (u. a. die Scholastiker), die diese Lehre trotz Anfeindungen durch die christliche Kirche, aufnahmen, weiter ausbauten,bis Wilhelm von Okham den almmählichen Bruch mit den Glaubensgewissheiten des mittelalterlichen pythagoreisch-platonischen Weltbildes einleitete. Nochmals: Es war nicht „der“ Islam, sondern es waren arabische – von ihren eigenen Religionsvertretern angefeindete – Philosophen, die für die reine Logik als als Hilfsmittel für Erkenntnis eine erste Bresche schlugen.

        • Michaela Lusru schreibt:

          Aber natürlich, @ Don Giovanni, volle Zustimmung: Arabische Eliten waren das, die dem Westen in Sachen Wissen, Bildung und Kultur (samt Technik!) „zur Hand gingen“, z.B. bei Emanzipation von Dogmen irgendwelcher Konstantinopler, die sich bekanntlich irgendwann kraft kaiserlicher Wassersuppe urplötzlich die alleinigen Christen nannten.

          Nur wie das Leben halt so spielt:
          Genau diese Araber, die Sie anführen, waren zu Ihrer Zeit halt auch die nennenswerten Eliten des Islam, des osmanischen.
          Oder haben Sie andere Aussagen zur Hand, zu welcher religiösen Gesellschaft diese gebildeten Araber wohl seinerzeit zu zählen sind, denn sie liessen zwar Christen und Juden aller Art und andere teilhaben – aber waren selber keine, da im Gesellschaftswesen des Osmanismus tief verankert, und das war eben – Islam, nicht beachtet?

          • Don Giovanni schreibt:

            Liebe M. Lusru,
            Sie scheinen etwas ignoriert zu haben, nämlich den Punkt, dass die Lehre der doppelten Wahrheit weder islamisch noch christlich war. Das Abendland war auch nicht byzantinisch, und die erwähnten Arabischen Philosophen keine Osmanen, da zu dieser Zeit noch kein das komplette Morgenland einschl Spanien umfassendes osmanisches Reich existierte (wir reden vom 11. bis 14. JH). Die großen morgenländischen Philosophen lebten zwar in einer islamisch geprägten Gesellschaft. Es war aber nicht die islamische Religion, die sie u. a. zu den erwähnten Kommentaren trieb, sondern einfach nur Wissensdurst. Ihre abendländischen Kollegen haben diese Lehre(n) auch aus Wissensdurst und nicht aus gelebtem katholischen (nicht byzantinischen) Christentum weiterentwickelt. Al Farabi, Al Kindi Ibn Rushd (Averrhoes), Ibn Siena (Avicenna) entwickelten ihre Erkenntnisse nicht wegen, sondern triotz des Islam als die bei ihnen herrschende Religion, und sie xistierten nur weiter, weil weltliche morgenländische Herrscher sich eine gewisse Freiheit gegenüber der Religion des wahren und einzigen Glaubens bewahrt hatten. Ebenso im Abendland: Thomas, Albertus Magnus, Duns Scotus, Ockham etc. entwickelten ihre Lehren trotz der christlichen Restriktionen, da auch hier zuweilen weltliche Herrscher die schützende Hand über sie hielten, weil sie auch die Macht der Kirchenfürsten zu begrenzen trachteten.
            Die Religionen und ihre Vertreter haben jedenfalls nicht viel zur Weiterentwicklung der Philosophie und anderer Wissenschaften beigetragen.
            Merkwürdig Ihr Gedanke, die bunte Vielfalt morgenländischer Staatsformen in das osmanische Grau tauchen zu wollen. Klingt ein wenig nach erdogangeprägter Osmanenreichnostalgie, der man die Pein über die Schmach von 1918/19 noch ansieht.

          • Michaela Lusru schreibt:

            @Don Giovanni
            Irgendwie reden wir das Gleiche meinend reichlich aneinander vorbei, wenn:

            „Sie scheinen etwas ignoriert zu haben, nämlich den Punkt, dass die Lehre der doppelten Wahrheit weder islamisch noch christlich war.“
            Das hatte auch niemand so behauptet, weil gar nichtr erwähnt, aber so ist es.
            und:
            „Das Abendland war auch nicht byzantinisch“ – was ebenfalls niemand behauptete, jedenfalls nicht hier.
            und:
            “ die erwähnten Arabischen Philosophen keine Osmanen, da zu dieser Zeit noch kein das komplette Morgenland einschl Spanien umfassendes osmanisches Reich existierte (wir reden vom 11. bis 14. JH).“
            Das ist zwar so korrekt, wurde jedoch weder besteritten noch anders dargestellt, auch nicht anders gemeint.
            und:
            “ Die großen morgenländischen Philosophen lebten zwar in einer islamisch geprägten Gesellschaft. Es war aber nicht die islamische Religion, die sie u. a. zu den erwähnten Kommentaren trieb, sondern einfach nur Wissensdurst.“
            Wie wunderbar Sie meinen Kommentar erläuternd diesen weiter ausführend ergänzen, wird doch so meine Behauptung „Freizügigkeit und Toleranz der / in der osmanischen Gesellschaft (!!! – nicht: Religion!) bestens bestätigt, was der Kern meines Kommentars war und ist. Diese GESELLSCHAFT prosperierte seinerzeit aufgrund der toleranten Teilhabe aller Denk- und Glaubensrichtungen und nicht trotzdem, nicht wie in den heutigen meisten moslemisch dominierten ideologisch enttolerierten Gesellschaften.
            Womit wir (offensichtlich wohl beiderseits) beim eigentlichen Übel angekommen wären.

  8. „Es bringt rein gar nichts, zu sagen, das alles habe nichts mit dem Islam zu tun.“
    Leider bringt es eine ganze Menge: Die unheilbare Islamophilie und die im doppelten Sinne grenzenlose „Willkommenskultur“ können (und sollen) sich im Westen weiter ausbreiten. Läuft:
    http://tinyurl.com/yyrc4tyv
    +
    https://tinyurl.com/y2xvo8ks
    Übrigens: Islam heißt nicht Frieden, sondern Unterwerfung. Frieden heißt auf Arabisch Salam.

  9. caruso schreibt:

    Jedes Wort stimmt. Ist wahr. Nicht nur ich sehe es genau so. Zum Glück gibt es noch etliche. Leider immer noch zu wenige. Doch habe ich den Eindruck, ihre Anzahl wächst, wenn auch viel zu langsam für meinen „Geschmack“. Hauptsache: es wächst. Und wie froh ich wäre, wenn Muslime beginnen würden umzudenken. Es gibt ja solche, auch wenn noch zu wenige, vor allem in Anbetracht ihrer Zahl. Es könnte eine so viel bessere Welt entstehen!… Träumen darf man doch… oder?
    lg und einen schönen Sonntag noch
    caruso
    die urzeitliche Hexe

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