Der italienische Patient

Mit Entsetzen nehmen wir die Nachricht zur Kenntnis, dass in italienischen Krankenhäusern aufgrund von Alter darüber entschieden wird, wem geholfen werden kann.

In Deutschland ist man darum bemüht, alles dafür zu tun, dass solch grausame Entscheidungen bei uns nicht gefällt werden müssen. Dabei werden ebenso grausame Entscheidungen in Deutschland bereits gefällt und zwar täglich.

In Italien geschieht es, dass wenn ein 70-Jähriger und ein 40-Jähriger dringende Pflege benötigen, dem 70-jährigen Patienten nicht geholfen wird, da nicht genügend Mittel vorhanden sind. Das der alte und der junge Mensch beide Italiener sind, zählt nicht mehr.

In Deutschland ist nicht das Alter der Grund der Diskriminierung, es ist die Nationalität.

Obwohl Italien gerade dringend Hilfe braucht, weil zur Zeit in Italien die meisten Menschen weltweit an dem Coronavirus sterben, wird der Nation von Deutschland aus nicht geholfen, weil die Mittel für potentielle deutsche Patienten gebraucht werden.

Italien ist der 70-jährige und Deutschland der 40-jährige Patient. Das beide Europäer sind, zählt nicht mehr.

Wir sind in der Grausamkeit der Pandemie längst angelangt.

„Aber die Mittel werden hier gebraucht! Wir müssen doch jetzt schauen, dass den Menschen, die hier leben, geholfen wird. Ich finde den Vergleich schwierig, gerade jetzt in dieser schweren Zeit. Ich glaube, wir sind das letzte Land, das Hilfe verweigert. Nur dieses Mal geht es einfach nicht.“

Ja, das stimmt. Das ist allerdings genau der Grund, warum jetzt auch manch einem alten Patienten nicht mehr geholfen werden kann. Es ist die Grausamkeit der Pandemie.

Wir müssen alles dafür tun, dass diese Grausamkeit aufhört.

Netzfund: „Von europäischer Solidarität war in den vergangenen Wochen wenig bis nichts zu spüren. In der Corona-Ansprache der Bundeskanzlerin fiel das Wort Europa am Mittwoch kein einziges Mal. Wie nah, darf man fragen, sind sich denn die angeblich so dicken Freunde Deutschland und Frankreich im Angesicht einer existenziellen Bedrohung? Wie nah sind sich Deutsche und Italiener, wenn es um mehr geht als um die Planung des Toskanaurlaubs? Was bleibt von der Italienliebe, wenn der Nachbar wirklich Hilfe braucht? Die Italiener werden jedenfalls so schnell nicht vergessen, dass von den deutschen und französischen Nachbarn wenig bis keine Hilfe kam, als das Coronavirus bei ihnen längst wütete.“

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Eine Antwort zu Der italienische Patient

  1. mactheneck schreibt:

    Wie nah? So nah wie ihre Sprachen.

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