Offener Brief von Gerd Buurmann an den Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt

Sehr geehrter Reiner Erich Haseloff,

In Calbe steht die St.-Stephani-Kirche. An der Kirche befindet sich eine sogenannte „Judensau“.

„Judensäue“ sind eindeutige und obszöne Beleidigungen, die in deutlicher Bildsprache zeigen, für wie dreckig und widerwärtig Juden erachtet werden. Der „Judensau“ von Calbe mangelt es nicht an Deutlichkeit. Sie zeigt einen Juden, der, (bitte entschuldigen Sie meine deutlichen Worte, aber sie beschreiben genau das, was zu sehen ist), das Arschloch eines Schweins leckt.

Diese brutale Beleidigung wurde nun von der Kirche in einem einstimmigen Beschluss entfernt. Die Denkmalschutz-Behörde verlangt jedoch, dass der mittelalterliche Originalzustand der Kirche wieder hergestellt wird und die „Judensau“ wieder an der Außenfassade angebracht wird. Da stellt sich mir die Frage: Steht Judenhass in Deutschland unter Denkmalschutz?

Die Gemeinde in Calbe erklärt, die „Judensau“ sei „nicht mehr die Botschaft, die wir als Christen in die Welt geben wollen“, aber eine deutsche Behörde zwingt sie dazu, den Hass weiterhin in die Welt zu tragen.

Die St.-Stephani-Kirche ist zwar auch ein Wahrzeichen und ein Denkmal, aber in aller erster Linie ist sie eine lebendige Kirche. Dass dieser lebendige Körper von einem deutschen Amt gezwungen wird, die alten Zeichen des Hasses weiterhin zu tragen, ist ein Skandal.

Die St.-Stephani-Kirche ist keine Leiche, die man so beerdigt, wie man sie vorgefunden hat, sondern lebendig und daher berechtigt, sich von dem Hass zu lösen, den sie einst verbreitet hat. Das Dokument des Hasses kann problemlos an einem separaten Ort ausgestellt werden, wo sich jede Person, die sich dafür interessiert, über die Geschichte des Christentums informieren kann.

Die Gemeinde in Calbe hat ein Recht auf Reue, Buße und Umkehr. Die Einsicht, einen falschen Weg eingeschlagen zu haben und die stets vorhandene Hoffnung auf Vergebung ist Kern des christlichen Glaubens. Kein deutsches Amt darf einem Christen dieses Recht nehmen und darauf bestehen, dass der Christ weiterhin Judenhass verbreitet.

Wie erklären Sie es, dass ein Amt Ihres Landes Christen unter dem Deckmantel des Denkmalschutzes zwingt, in einer Kirche zu beten, die Judenhass verbreiten muss?

Mit freundlichen Grüßen,

Gerd Buurmann

Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke („Gehirne am Strand“), sowie Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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