Münster und die Angst vor Gewalt

Für September 2020 hatten der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Universität Münster und das Junge Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) einen Vortrag über die anti-israelische Kampagne BDS geplant. Drohbriefe sorgten jedoch für eine Absage der Veranstaltung.

Der Vortrag hätte eigentlich in einer Lokalität auf der Warendorfer Straße in Münster stattfinden sollen, aber deren Betreiber stornierten ihre Raumzusage, da sie „durch den Ton und Inhalt von Zuschriften“, die sie erhalten hatten, eine Gefährdung der Veranstaltungsteilnehmer nicht ausschließen konnten. Zudem wäre bei etwaigen Gegendemonstrationen die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln nicht zu gewährleisten gewesen: „Ein Sicherheitskonzept war nicht umsetzbar.“

Die DIG Münster erklärt, sie seien „schockiert über das Ausmaß an Druck“, der auf die Lokalität ausgeübt worden sei.

Der Ausmaß des Drucks ist nicht neu. Am 27. Oktober 2016 zum Beispiel wurden ein Gastredner aus Israel und sein Publikum aus der University College London entfernt, da die Polizei nicht mehr für ihre Sicherheit garantieren konnte.

Rund fünfundzwanzig Studentinnen und Studenten hatten sich gemeinsam mit ihrem Dozenten Hen Mazzig in einem kleinen Raum eingeschlossen, während sich draußen ein gewalttätiger Mob formierte. Eine Studentin beschrieb die Situation wie folgt:

„Es gab viel Geschrei und viele schlugen gegen die Türen. Wir alle hatten Angst, aber wir versuchten uns, auf den Vortrag zu konzentrieren. Es war wahnsinnig. Trotz der Schläge von draußen sprach Hen weiter von Frieden. Das war wirklich sehr schön, denn wir waren vereint und sangen das Lied der Hoffnung trotz des Lärms von draußen.“

Der Dozent Hen Mazzig, der als Beauftragter für humanitäre Angelegenheiten eingeladen war, erklärte später: „Ich bin überrascht, dass sie ausgerechnet meine Botschaft des Friedens und der Koexistenz anvisiert haben. Es war wirklich schwer, über den ganzen Lärm zu sprechen.“

Hen Mazzig ist Jude, Israeli und schwul. Das sind drei Eigenschaften, die sowohl von der Hamas als auch der Fatah verfolgt werden. Die Verantwortlichen der palästinensischen Bewegung machen keinen Hehl daraus, dass „Free, Free Palestine“ nichts anderes bedeutet als: Tötet die Juden, vernichtet Israel und richtet die Homosexuellen hin. Die Demonstranten rufen somit: „From the river to the sea Palestine will be free of jews, Israelis and gays!“

Schon zwei Mal musste die Veranstaltung von Hen Mazzig im Vorfeld abgesagt werden, da die Sicherheit nicht gewährleistet werden konnte. Am 27. Oktober 2016 schließlich fand die Veranstaltung statt. Sie endete jedoch in einem gewalttätigen Chaos.

Als es einigen im Mob gelang, ein Fenster gewaltsam zu öffnen, war der Polizei klar, dass die Gewalt explodierte. Da jedoch nur rund 20 Polizeibeamte anwesend waren und der judenhassende Mob zu groß war, konnte nicht gegen den Mob vorgegangen werden. Stattdessen wurden die 25 Angegriffenen aus der Universität entfernt. Hen Mazzig beschreibt die Situation wie folgt:

„Nach einem Gespräch mit der Polizei wurde ich von der Polizei weggeführt. Mir wurde gesagt, ich solle so schnell wie möglich laufen. Ich hatte mehr Angst als bei meinem IDF-Dienst.“

Als Hen Mazzig mit den Studierenden die Universität verlassen musste, waren sie gezwungen durch eine lange Gasse von hasserfüllten Menschen zu gehen, die auf sie einbrüllten. Immer wieder schlugen die Worte „Schämt Euch“ auf sie ein.

Später schrieb Hen Mazzig auf Twitter: „Der Campus war eine Kriegszone und die Straßen sind der sichere Ort. Ich bin raus. Mein Gott.“

Eine solche Kriegszone befürchteten die Betreiber des Lokals in Münster – und das nicht ohne Grunde. Tapfer im Nirgendwo präsentiert eine kleine Auswahl von Aufnahmen, die allesamt zeigen, wie Menschen niedergeschrien, bedroht oder aus Hörsälen vertrieben werden, nur weil sie eine pro-israelische Haltung haben oder einfach nur Juden sind.

Musiker werden in der Royal Albert Hall in London niedergebrüllt, weil sie Israelis sind:

Ein Mensch wieder an einer Universität niedergebrüllt, weil er ein Israeli ist:

Ein Mann wird an einer Universität niedergebrüllt, weil er Israeli ist:

Ein Mann beleidigt einen Menschen und brüllt ihn an, weil er Israeli ist:

Ein Konzert wird gestört, weil die Musiker Israelis sind:

An der Universität von Chicago wird ein Politiker niedergebrüllt, weil er Israeli ist:

Auch in Washington wurde er niedergebrüllt:

Israelis werden niedergebrüllt und beleidigt:

Unter „Allahu Akbar“-Rufen wird der Künstler Lars Vilks attackiert, mit der Begründung, er arbeite für „die Zionisten“:

Judenhass auf Berliner Straßen, ab Minute 0:45 richtig widerwärtig:

Ab Minute 2:57 wird gerufen: „Tod den Juden. Adolf Hitler!“:

Für Juden und Israelis sind Universitäten, Konzertsäle, Vortragsräume und Straßen in Europa zu Kriegszonen geworden. Manchmal werden sie sogar von der Polizei entfernt, weil sie nicht mehr für ihre Sicherheit garantieren kann.

In Münster wurde mit der Androhung von Gewalt ein Vortrag der Deutsch-Israelischen Gesellschaft verhindert. Die Angst vor einem Mob hat somit in Münster über die Ausübung von Grundrechten entschieden. Ein Mob debattiert nicht. Ein Mob skandiert und grenzt aus. Und immer wieder sind es Juden oder deren Freundinnen und Freunde, die ausgegrenzt werden.

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Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke („Gehirne am Strand“), sowie Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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10 Antworten zu Münster und die Angst vor Gewalt

  1. Leopard schreibt:

    Ich bin auch bereits früher mit diesem Israel-Hass der Linken begegnet, und habe mich deshalb von ihnen früh und rasch abgewandt. Ich habe ihn auch nie verstanden. Vielleicht ist es das, was mich immer wieder zu dieser Seite hier treibt…Ich denke, man will von links unbedingt jemanden, der sich als „unterdrückt“ ausgibt und den man auch so wahrnimmt unterstützen, und wendet sich dann gegen die Gegenseite – im Nahostkonflikt mit aller Wut. Dabei blendet man dann aus oder will nicht wahrhaben, dass man den Falschen auf den Leim geht. Mittlerweile scheint das ein regelrechtes Ritual geworden zu sein, ähnlich den „2 Minuten Hass“ in George Orwell’s „1984“. Ich habe da auch mal eine „Friedens“aktivistin erlebt, die eifrig gegen Israel demonstrierte, den Konflikt für unlösbar hielt und für die Palästinenser „alles“ Land zurückforderte…

  2. Doris Heilbut schreibt:

    Angesichts der laufenden Annäherungen verschiedener arabischer und muslimischer Staaten an Israel wäre es interessant zu denken, wie sich all diese Idioten „free Palestine“ und BDS an eine Situation anpassen würden, wo auch die Palästinenser zur Einsicht kommen, dass sie mit und nicht gegen Israel arbeiten müssen.

  3. deingruenerdaumen schreibt:

    Auch ich erlebte einmal die Störung einer Veranstaltung, bei der ein Film über die Situation von Palästinensern in den von Israel verwalteten Gebieten vorgeführt wurde. Diesmal waren es israelfreundliche Sozialdemokraten aus Linz. Die Situation eskalierte sodass der Verantwortliche von Pax Christi Österreich, Meinrad Schneckenreiter die Veranstaltung auflösen musste. Zutiefst undemokratisch, so ein Verhalten, egal welcher Couleur die Störenfriede sind. Hintergrund ist wohl der ungelöste schwelende Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. Insofern finde ich <Ihre Bezeichnung: „Niedergeschrien nur weil sie Israeli sind“ nicht korrekt. Sie standen für den Staat Israel. Was aber nicht das undemokratische Verhalten der Störenden entschuldigt. Es zeugt von einer Unfähigkeit, sich gewaltlos zu artikulieren und die gegnerische Seite hören zu können. Krieg in Kleinem sage ich. Gott sei Dank gibt es konstruktive Initiativen, wie den West Östlichen Diwan von Daniel Barenboim oder die Initiative von Amos Oz (deren Namen ich nicht mehr weiß). Mir scheint, hier kann man wohl die höheren Mächte um Hilfe bitten, wir allein schaffen es nicht. Liebe Grüße

    • Ben schreibt:

      Wer sich selbst den Namen Lügenpresse gibt ist ganz bestimmt ein ganz normaler Mensch der darunter leidet niedergebrüllt zu werden nur weil er nicht links genug ist.

  4. Bernd L. Mueller schreibt:

    …….ist nicht nur traurig das hier so zu lesen , macht wütend. Von Münster – ehemals durch und durch kath. Stadt mit furchtbarer Vergangenheit von 33 – 45 – bis London – City die im gleichen Zeitraum Zuflucht war für jüd. Deutsche Bürger/innen.

    Deutsche Studenten und Anhänger im blinden Hass – Modus 2020 , unglaublich, unwürdig und die Bürgerschaft pennt klaglos wieder.

  5. philantrop schreibt:

    Ich bin sprachlos. Nichts kann solche Auswüchse rechtfertigen. Wo kommt all dieser Hass her?

  6. Anne Zielisch schreibt:

    Um welche Londoner Uni handelt es sich? Gruß Anne Zielisch

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