Honest Abe

In der TV-Debatte mit Mike Pence behauptete Kamala Harris folgendes:

„Im Jahr 1864 stand Abraham Lincoln zur Wiederwahl. Es waren 27 Tage vor der Wahl, als ein Sitz am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten offen wurde. Abraham Lincolns Partei war nicht nur für das Weiße Haus, sondern auch für den Senat verantwortlich. Aber der ehrliche Abe sagte: „Das ist nicht das Richtige. Das amerikanische Volk hat es verdient, die Entscheidung darüber zu treffen, wer der nächste Präsident der Vereinigten Staaten sein wird, und dann kann diese Person auswählen, wer am höchsten Gericht des Landes den Rest seines Lebens dienen wird.“

“In 1864 Abraham Lincoln was up for reelection. And it was 27 days before the election. And a seat became open on the United States Supreme Court. Abraham Lincoln’s party was in charge not only of the White House but the Senate. But Honest Abe said, ‘It’s not the right thing to do. The American people deserve to make the decision about who will be the next president of the United States, and then that person will be able to select who will serve for a life time on the highest court of the land.”

Diese Behauptung stimmt so nicht!

Am 12. Oktober 1864 starb der Oberste Richter Roger B. Taney im Alter von 87 Jahren. Damit wurde sein Sitz vier Wochen vor den Präsidentschaftswahlen mitten im Bürgerkrieg frei.

Tatsächlich nominierte Lincoln den Nachfolger nicht sofort, sondern wartete bis nach der Wahl. Der Grund jedoch ist nicht der, den Kamala Harris behauptet.

Lincoln konnte den offenen Sitz am Obersten Gerichtshofs gar nicht vor der Wahl besetzen, da sich der Kongress seit dem 4. Juli des Jahres in einer Pause befand und erst am 5. Dezember wieder zusammen traf. Lincoln hatte schlicht keine Gelegenheit, einen Nachfolger zu benennen und diese Person vor der Präsidentschaftswahl vom 8. November 1864 vom Senat bestätigen zu lassen.

Zudem befand sich der republikanische Präsident Lincoln mitten in einem Bürgerkrieg gegen die rebellischen konföderierten Staaten unter der Präsidentschaft des Demokraten Jefferson Davis. Während die Republikaner für eine Abschaffung der Sklaverei kämpften, verteidigten die Demokraten die Sklaverei.

Lincoln versuchte, die Unterstützung von Demokraten zu finden, um so die Teilung des Landes zu beenden. Er erklärte daher einen Demokraten aus den Südstaaten zu seinem Vizepräsidenten. Sein Name war Andrew Johnson.

Dieser politische Schachzug löste verständlicherweise einige Tumulte aus. Unter anderem verließ Finanzminister Salmon P. Chase aufgrund dieser Entscheidung das Kabinett Lincolns. Chase war ein sehr bekannter und beliebter Republikaner und hatte selbst Interesse am Präsidentschaftsamt. Lincoln konnte daher einen Konkurrenten wie Chase im Wahlkampf nicht gebrauchen.

Daher ist es sehr interessant, dass Lincoln nach der Wahl eben diesen Chase umgehend als seinen Kandidaten für das Oberste Gericht an den Senat schickte. Es kann angenommen werden, dass Lincoln seinen innerparteilichen Konkurrenten Chase dadurch auf seine Seite zog, dass er ihm garantierte, ihn als Obersten Richter vorzuschlagen.

Chase wurde bestätigt und war bis zu seinem Tod im Jahr 1873 Oberster Richter der Vereinigten Staaten.

Honest Abe hat nicht gesagt: „Das ist nicht das Richtige. Das amerikanische Volk hat es verdient, die Entscheidung darüber zu treffen, wer der nächste Präsident der Vereinigten Staaten sein wird, und dann kann diese Person auswählen, wer am höchsten Gericht des Landes den Rest seines Lebens dienen wird.“

Das hat Kamala Harris schlicht erfunden.

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Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke („Gehirne am Strand“), sowie Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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5 Antworten zu Honest Abe

  1. philantrop schreibt:

    Nur mal so; das ist der Mann, für den Sie hier unermüdlich Wahlkampf betreiben: https://www.latimes.com/politics/story/2020-10-05/trump-debate-white-supremacy-racehorse-theory

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Sie sind wie ein Verschwörungstheoretiker, der ungefragt und mannigfaltig mit Links zu beweisen versucht, dass er die Welt erkannt hat. Seien Sie gewiss, ich bin gut informiert und folge keiner Verschwörungstheorie, auch nicht, wenn Trump zur großen Verschwörung hochgejazzt wird.

    • Nestor Machno schreibt:

      Oh, duerfen deutsche Staatsbuerger jetzt auch den amerikanischen Praesidenten waehlen? Wo kann ich mich registrieren?

  2. bm98600 schreibt:

    Kamala wirkt auch sonst nicht gerade glaubwürdig

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