Anja Reschke hat recht

„Diese fixe Idee der neutralen Berichterstattung halte ich für absurd. Natürlich geht jeder Journalist mit seinem persönlichen Paket, seinen Erfahrungen, seinen Einstellungen an einen Bericht ran.“

Das hat NDR-Journalistin Anja Reschke gesagt und sie hat recht! Wann jedoch zieht sie daraus die nötigen Konsequenzen?

Da die neutrale Berichterstattung eine „fixe Idee“ ist, darf der Staat nicht eine Einstellung bevorzugen. Der Staat muss als Hüter der Grundrechte aller auftreten. Der Staat darf keine Sender bevorzugen. Zur Zeit jedoch nutzt der Staat sein Gewaltmonopol, um ein paar auserwählten Sendern das Privileg zu geben, mit Gewalt alle Bürgerinnen und Bürger des Landes zu zwingen, ihre Programme zu finanzieren.

Jede Nachricht ist auch Meinung, allein schon deshalb, weil vorher entschieden wurde, über dieses Ereignis zu berichten, während andere Ereignisse unter den Tisch gefallen sind. Es ist zudem Meinung, weil darüber entschieden wurde, wer zu diesem Thema reden darf. Kein Staat darf bestimmen, welche Zeitungen wahrhaft objektiv sind. Ein Staat darf seine Bürgerinnen und Bürger nicht zwingen, gewisse Medien zu abonnieren.

Stellen wir uns nur mal vor, der Staat würde bestimmen, dass jeder Bürger verpflichtet wird, eine gewisse Zeitung zu kaufen. Er muss sie zwar nicht lesen, aber dennoch kaufen. Stellen Sie sich vor, der Staat gäbe acht Großbäckereien das Recht, von jedem Bürger und von jeder Bürgerin zehn Euro im Monat einzuziehen, damit die Versorgung von Brot sichergestellt ist. Unvorstellbar? Wenn es um Fernsehen geht, macht der Staat genau das.

In Deutschland wird eine Bürgerin gezwungen, eine Sendung zu finanzieren, selbst wenn sie die Sendung inakzeptabel sexistisch findet. Jeder Bürger wird gezwungen, eine Sendung zu finanzieren, selbst wenn er sie für unerträglich rassistisch hält. In Deutschland kann jeder Mensch sagen, „dieses rassistische Buch kaufe ich nicht“ oder „diese sexistische Zeitung bezahle ich nicht“, aber bei öffentlich-rechtlichen Sendungen, hat niemand dieses Recht.

Jeder Sender darf veröffentlichen, was er will, aber jeder Mensch darf auch entscheiden, ob er dafür zahlen möchte.

Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten produzieren diverse politische Magazine und Satiresendungen. In manchen Sendungen werden gewöhnliche Bürgerinnen und Bürger kritisiert, vorgeführt, veralbert und manchmal sogar beleidigt. Das alles ist kein Problem. Auch auf privaten Sendern und in anderen Medien wird sowas gemacht. Dort werden die kritisierten, vorgeführten, veralberten und manchmal sogar beleidigten Menschen jedoch nicht dazu gezwungen, für diese Beleidigungen auch noch zu bezahlen.

Jede Sendung darf mit jedem Menschen hart ins Gericht gehen, aber jeder Sender sollte den Anstand haben, die in die Mangel genommene Person nicht auch noch dazu zu zwingen, für diese Behandlung zu bezahlen.

Die öffentlich-rechtlichen Sender zwingen angegangene Menschen dazu, die mediale Waffe zu finanzieren, mit der sie konfrontiert werden. Zu fürchten haben diese Sender nichts, denn die konfrontierte Person verfügt gar nicht über die medialen Mittel, sich effektiv verteidigen zu können. Der Sender ist stärker. Dafür sorgt der Staat. Der Rundfunkbeitrag finanziert die Angreifer, nicht die Angegriffenen.

Wenn ich ein freies Unternehmen nicht mag, muss ich dort nicht einsteigen, wenn ich ein Produkt nicht mag, muss ich es nicht kaufen; an die Gesetze des Staates jedoch muss ich mich halten. Am logischen Ende jeder staatlichen Forderung befindet sich die Waffe.

Warum wird den Menschen in Deutschland mit Waffengewalt vorgeschrieben, welche Fernsehsender sie zu finanzieren haben? Was ist das für eine „fixe Idee“? Ich plädiere für mehr staatlichen Pazifismus in dieser Angelegenheit. Vielleicht erlebe ich noch den Tag, da Anja Reschke von der Gewalt ablässt.

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Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke, Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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