Bayerischer Rundfunk kritisiert Corona-Paranoia

„Wer die Apokalypse zur Basis seines Denkens macht, der schlägt Maßnahmen zu deren Verwirklichung vor.“

Dies erklärt Christoph Süß in der Sendung „quer“ vom Bayerischer Rundfunk. Über die Maßnahmen zur Eindämmung des Coranavirus sagt er:

„Kein Verkehr mehr, Flugzeuge bleiben am Boden, Züge fahren nicht, quasi Generalstreik, die Wirtschaft erlahmt, Krise“ und schon habe man „genau das, was man draußen halten will: das Desaster. Natürlich beteiligt sich auch der Asthmaanfall für Deutschland, kurz AfD, an der Paranoiaproduktion und rechte YouTuber kriegen sich vor lauter Endzeitpsychosen gar nicht mehr ein.“

Quer erklärt: Wer behauptet, der Coronavirus sei so gefährlich, dass Grenzen geschlossen, der Verkehr eingeschränkt und manche Berufe eingestellt werden müssen, sei ein rechter Verschwörungstheoretiker in Paranoiaproduktion mit Endzeitpychose.

Für alle, die sich nun wundern, weil diese Maßnahmen bundesweit von der CDU und SPD und in den Ländern von Grünen, der Partei Die Linke und von der FDP durchgesetzt wurden, sei gesagt, dass die Sendung am 30. Januar 2020 ausgestrahlt wurde, also ein paar Wochen vor dem Lockdown.

Schon ein paar Monate später ist dieser Beitrag sehr schlecht gealtert. Heute nämlich gelten jene, die das sagen, was Christoph Süß noch vor ein paar Wochen gesagt hat, als rechte Verschwörungstheoretiker. Ist Christoph Süß somit ein Aussteiger aus der rechtsextremen Szene? Hat am 30. Januar 2020 ein Verschwörungstheoretiker für einen öffentlich-rechtlichen Sender moderiert?

Ich möchte mal etwas vorschlagen: Wir nehmen einfach mal alle wirklich Abstand!

Wir sollten Abstand davon nehmen, uns ständig gegenseitig vorzuwerfen, unsachliche Irre mit Psychosen und bösen Absichten zu sein, nur weil wir unterschiedliche Sichtweisen im Umgang mit dem Virus haben. Ob wir die momentane Politik nun unterstützen, beklagen oder kritisieren, wir sollten aufhören, krampfhaft nach rechtsextremen oder linksextremen Spinnern zu suchen, die ähnliche Worte formulieren, nur um dann die andere Meinung in diese Ecke zu stellen und somit den Menschen, dessen Meinung wir nicht teilen, persönlich zu diskreditieren.

Wir allen schwimmen im unklaren Gewässer. Niemand weiß wirklich, was gerade richtig und geboten ist. Dennoch fällen wir in dieser Zeit der Ungewissheit für alle einschneidende Entscheidungen. Es gibt Expertinnen und Experten, aber immer nur in Teilbereichen. Ein Virologe ist kein Ökonom und eine Chaosforscherin ist keine Juristin. Niemand sieht das ganze Bild, geschweige denn vermag es, alles zu verstehen.

Gerade werden die massivsten Einschränkungen der Grundrechte seit 1949 in Westdeutschland und seit 1990 im vereinigten Deutschland exekutiert. Diese Maßnahmen werden auf der Basis von Vermutungen und Prognosen durchgeführt. Der Zweifel bleibt.

Natürlich ist eine solche Situation nicht leicht zu ertragen. Es ist verständlich, dass man versucht, auf andere Menschen herab zu schauen, wenn man ahnt oder weiß, dass man selbst nicht auf einem hohen moralischen Plateau steht und dennoch handeln muss. Dafür muss man aber nicht seine politischen Gegner in den Dreck treten, nur um ein wenig erhabener zu wirken.

Verschwörungstheoretiker hat es immer gegeben. Schon vor Corona habe ich mich mit Leuten auseinander gesetzt, die erklären, die Anschläge vom 11. September 2001 seien eine Verschwörung oder die an die magische Kraft von Globuli glauben. Einige meiner besten Freunde sind religiös. Es ist sehr leicht, sie als Verschwörungstheoretiker zu diffamieren, denn was anderes ist Gott, wenn nicht eine absolute Verschwörung, der wir alle ausgeliefert sind?

Statt diese Menschen zu diffamieren, habe ich mich entweder mit ihnen auseinandergesetzt, wenn ich sie mochte, sie ignoriert, wenn sie mir egal waren oder sie kritisiert, wenn ich sie nicht ignorieren konnte. Manchmal habe ich sogar etwas von ihnen gelernt. Sogar das berühmte blinde Huhn findet mal ein Korn und die Wahrheit bleibt die Wahrheit, auch wenn ein Affe sie formuliert.

Verschwörungstheoretiker gab es immer. Warum also werden sie ausgerechnet jetzt in den Fokus gerückt?

Mich interessiert viel weniger, wie Verschwörungstheoretiker ticken, sondern viel mehr, warum gerade alle über sie reden. Ich vermute, es liegt daran, dass jene, die gerade Verschwörungstheoretiker in den Fokus stellen, ganz so, als habe es sie vorher nicht gegeben oder als hätte sich die Anzahl dieser Individuen auf magische Weiss in den letzten Tagen vervielfacht, alle selbst sehr unsicher sind und daher neidisch sind auf jene, die fest davon überzeugt sind, eine Antwort zu haben. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass sie es nicht ertragen, selber keine bis wenig Ahnung haben, dennoch Entscheidungen fällen und mit den Konsequenzen leben müssen und daher (vermeintlich) dumme Menschen brauchen, auf die sie herunter blicken können, um sich selbst etwas erhabener zu fühlen.

Wer sich selbst nicht sicher ist, braucht die Kranken, Dummen, Irren und Wahnsinnigen, um sich selbst als normal zu fühlen.

Dabei sind es in der Geschichte des Widerstands oft die Irren, Wahnsinnig und Kriminellen, die den Mut hatten, gegen ein unterdrückendes Regime aufzubegehren, da sie aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung sowieso mit der herrschenden Situation im Konflikt standen.

Ich mache mir daher keine Sorgen, wenn wahnsinnige Menschen von einer Verschwörung phantasieren, in der ein paar Milliardäre angeblich versuchen, Computerchips in die Menschen zu pflanzen, um so die Welt zu unterwerfen. Ich mache mir aber Sorgen, wenn diese Irren die Einzigen sind, die neben all dem wahnsinnigen Unfug, den sie von sich geben, das wahre Korn finden und ansprechen. Ich mache mir Sorgen, wenn jede berechtige Kritik in die Ecke des Wahns gerückt wird.

Sachlichkeit bedeutet, sich nicht auf die Unsachlichkeit des Gegenübers zu stürzen, sondern den sachlichen Kern in jeder Aussage zu extrahieren, um sich, im selbstkritischen Bewusstsein einer gewissen Unsachlichkeit im eigenen Denken, auf die Sache zu fokussieren, die von beiden Seiten als wahr erkannt werden kann.

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23 Antworten zu Bayerischer Rundfunk kritisiert Corona-Paranoia

  1. caesar schreibt:

    Verschwörungstheoretiker ,das sind Leute ,die das wiederholen was Frau Merkel in Davos im Januar in aller Öffentlichkeit gesagt hat :“Die Große Transformation wird kommen ,sie ist alternativlos auch wenn viele Menschen sehr negativ betroffen sein werden.“

  2. Erwin Rosskopf schreibt:

    Sorry, Hr. Buurmann, aber das ist mir zu allgemein gehalten. Abgesehen davon, daß der Hr. Süß und das, was er so von Zeit zu Zeit von sich gibt, nun wirklich nicht wichtig ist:
    „Diese Maßnahmen werden auf der Basis von Vermutungen und Prognosen durchgeführt. Der Zweifel bleibt.“..
    Widerspruch! Die Zustände in Bergamo waren Tatsachen, keine Vermutungen. Daß wir solche Zustände (und ähnliche wie in Spanien, in Brasilien, in England, im Trump-Land) dank des Lockdown in Deutschland genau nicht haben, sondern – bisher – wesentlich besser durch die Krise kamen, ist ebenso eine Tatsache und keine Vermutung. Daß Deutschland diesen medizinischen und epidemologischen Erfolg wirtschaftlich teuer erkauft hat: wären die wirtschaftlichen Folgen wirklich kleiner ohne Lockdown? Glaubt denn irgendjemand im Ernst, daß die deutsche Gesellschaft Zustände wie in Italien etc. ausgehalten hätte? Ich nicht. Ich mag mir die Folgen – auch die wirtschaftlichen! – gar nicht vorstellen.
    Zu Ihrer Toleranz gegenüber Verschwörungstheoretikern: zum politischen Widerstand gehört vielleicht doch ein bisschen mehr als Schreib-und Stammtisch-Geschwafel: nämlich Engagement bis hin zum Einsatz der persönlichen Gesundheit, sogar des Lebens. Ein ganz kurzer Blick nach Hongkong möge genügen. Ihren Versuch der Gleichsetzung finde ich – bei allem Respekt – schon sehr daneben. Aber auch hier gilt: die Herrschaften von der Verschwörungsfront sind nicht so wichtig; die bilden ja nur das Fussvolk, gewissermassen die Infanterie derjenigen, für die sie zur Verfolgung ihrer politischen Agenda nützlich sind. Das sind die eigentlich Gefährlichen; auf sie wäre das Augenmerk zu richten.

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Wir wissen nicht ohne Zweifel, ob ohne Lockdown italienische Verhältnisse gekommen wären. Diesen Fakt behaupten Sie einfach. Der deutsche Lockdown und die Art des Corona-Verlaufs kann eine Scheinkorrelation sein. Vielleicht waren in Italien und Spanien andere Gegebenheiten ausschlaggebend. Der Zweifel bleibt. Aber ein wenig neidisch bin ich auf Ihre Gewissheit. Dass Sie meinen Zweifel daneben finden, nehme ich zur Kenntnis.

      • Erwin Rosskopf schreibt:

        Sie können – das ist Ihr gutes Recht – auch Zweifel daran haben, daß 2+2 gleich 4 ist; sei’s drum. Ich finde i.Ü. nicht Ihren Zweifel daneben, sondern Ihren Versuch der Gleichsetzung von Verschwörungstheoretikern mit Widerstandskämpfern. Ich kann es auch anders formulieren: dieser Versuch ist ganz einfach geschmacklos.

        • tapferimnirgendwo schreibt:

          2+2=4 Zweifelsfrei / Korrelation Lockdown Verlauf nicht zweifelsfrei

          • Anonymous schreibt:

            “ Korrelation Lockdown Verlauf nicht zweifelsfrei “
            Ich denke das die Empirie aus der Korrelation eine Kausalität macht.
            Den Ländern denen man eine seriöse Erhebung unterstellen kann, sind die Länder mit Lock-down Maßnahmen von deutlich weniger Erkrankten und Todesfällen betroffen.
            Ein Beispiel: Schweden: ca. 10 Mio Einwohner, 28.600 Erkrankte, 3.500 Tote

          • tapferimnirgendwo schreibt:

            Der Zeitraum ist wichtig. Die Konsequenzen vom Lockdown gilt es noch zu berechnen.

          • HM schreibt:

            G.B. “ Korrelation Lockdown Verlauf nicht zweifelsfrei “

            Ich denke das die Empirie aus der Korrelation eine Kausalität macht.
            Den Ländern, denen man eine seriöse Erhebung unterstellen kann, sind die Länder mit Lock-down Maßnahmen von deutlich weniger Erkrankten und Todesfällen betroffen.
            Ein Beispiel: Schweden: ca. 10 Mio Einwohner, 28.600 Erkrankte, 3.500 Tote
            Detschland, ca. 82 Mio Einwohner, 174.000 Erkrankte, 7.800 Tote
            Stand gestern

          • HM schreibt:

            ..noch drastischer sind die Zahlen in den USA.verglichen mit Deutschland.
            4 mal mehr an Bevölkerung, 8 mal mehr Infizierte, 11 mal mehr Tote….

          • HM schreibt:

            „Der Zeitraum ist wichtig. Die Konsequenzen vom Lockdown gilt es noch zu berechnen.“

            Mir ist nicht klar was Sie berechnen wollen?

          • tapferimnirgendwo schreibt:

            Das wird sich Ihnen noch zeigen.

          • HM schreibt:

            Gute Güte Buurmann, welch kryptische Antwort. So einen ausgeprägten Diskussions willen besitzen sie scheinbar doch nicht.

          • tapferimnirgendwo schreibt:

            Alles ist gesagt von meiner Seite

          • HM schreibt:

            So richtig klar scheinen sie sich auch nicht darüber zu sein wo sie eigentlich mit ihrer Argumentation hinwollen

          • tapferimnirgendwo schreibt:

            Natürlich nicht. Wer ist diesen Zeiten Klarheit für sich reklamiert, lügt.

        • HM schreibt:

          Ich spreche nicht vom vollumfänglichen verstehen eines Problems und dessen Lösung, wer wollte das im „Coronaproblem“ schon für sich beanspruchen, sondern dem darstellen des persönlichen Verständnisses.
          Und Ihre Antworten hier im Kommentarbereich, lieber Buurmann, nennt man in Köln, glaube ich `herumeiern´.

  3. lusrumichaela schreibt:

    Bingo, Gerd Buurmann:
    „Wer sich selbst nicht sicher ist, braucht die Kranken, Dummen, Irren und Wahnsinnigen, um sich selbst als normal zu fühlen.“, z.B. alle Anderstickenden als angebliche „Verschwörungstheoretiker“ in der fälschlichen und so trügerischen Annahme, mit solch einem Diffamierungsanwurf gegen solche Personen wäre man sie los, hätte man sie in den Orkus des Bösen gespült …
    was mitnichten so läuft.
    Gerd, dir ist hier wieder mal eine STANDARD-Aufräumung von Belanglosigkeitstheoretikern (das Gegenstück echter (!) Verschwörungstheoretiker) gelungen, unterstreiche jeden Gedanken, jede deiner Feststellungen und Schlussfolgerungen – was wohl bei mir nicht so oft geläufig ist.
    Dafür nehme ich dir auch das fake-H in Buurmann in einem anderen Kommentar von mir weg.

  4. Fritz Gessler schreibt:

    das schlimmste ist nicht einmal die reprise der süss’schen sendung auf den kopf gestellt (heute schwadroniert er sicher exakt 180° gegen seine auftragsmenung von damals:)) – sondern, dass die beiden kommentatoren hier (wohl intelligente und aufmerksame leser) nicht einmal den springenden punkt des blog-eintrages bemerken: das DATUM der sendung :))
    corona geht wirklich allen auf’s hirn: amnesie als erstes symptom davon.

  5. HM schreibt:

    Nun ja, lieber Buurmann, der Moderator gibt hier seine persönliche Ansicht zum Besten.
    Falsch oder richtig, radikal oder besonnen, so ist es eben.
    So wie beim Moderator bei bestimmt Reizen der verschwörungstheoretische Vorwurf, vielleicht reflexartig ausgepackt wird, haben andere einen Antisemitismusvorwurfsreflex.
    Aber jeder hat eben auch sein Publikum, das die jeweils vorgetragene Ansicht beklatscht.

  6. Nestor Machno schreibt:

    Wieder ein Super-Artikel und passt nicht nur zur Corona – Krise. Beim Zitat „Wer die Apokalypse zur Basis seines Denkens macht, der schlägt Maßnahmen zu deren Verwirklichung vor.“ dachte ich zuerst, aha, hier geht es um das Klima – Gedoens. Aber nein! Es geht um doppelte Massstaebe.

    Trotzdem bleibt doch die Frage: Warum waren keine Zionisten im World Trade Center, als Covid – 19 ausbrach?

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