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„kölner applaus 2019“ – Halbfinale am 26.9.

Am 26. September 2019 um 20:15 Uhr ist es soweit: Im Senftöpfchen Theater findet unter der Moderation von Gerd Buurmann und Gudrun Höpker das Halbfinale des neuen Bühnenkunstpreis‘ von Viertakt statt.

Sechs außergewöhnliche Bühnenacts treten miteinander an:

Nisse Barfuß – musikalischer Performancekünstler, der so liebevoll Grenzen überschreitet, dass ihm die Herzen der Zuschauer zufliegen.

Bye Bye – ein mitreißendes, poetisches Liedermacherduo, mit Witz und Improvisation begeistern sie das Publikum.

Duo Diagonal – ein perfektes Paar für Slapstick und Comedy. Sie verbinden Können mit durchgedrehter Komik, mit wenig Worten, aber vollem Körpereinsatz.

Jakob Mayer – Musiker und Künstler. Wenn er in seinen farbverschmierten Jogginghosen auf die Bühne schlurft, ahnt man noch nicht, was in ihm steckt, aber dann …

CoRemy – unglaublich vielseitige Musikerin. Sie ist verliebt in ihren Gynäkologen, schreddert Küken und nimmt auch sonst kein Blatt vor den Mund.

Roland Pfennigstorf – mehr als ein Clown. Mit seinen liebevollen, schelmischen Ideen und perfekter Körperbeherrschung bezaubert er das Publikum.

Gemeinsam mit dem Atelier Theater, Bürgerhaus Stollwerck, Senftöpfchen und der Comedia bildet der Verein Viertakt im Jahr 2019 ein noch nie dagewesenes Netzwerk in Köln, bei dem sich vier unterschiedliche Gastspiel-Theater solidarisch zusammenschließen, um die Bühnenkunst in all ihren Spielarten zu fördern.

Im Jahr 2018 haben sich über hundert Künstlerinnen und Künstler unterschiedlichster Genres beworben. Unter der künstlerischen Leitung von Joseph Vicaire wählte der Verein die 24 vielversprechendsten Bühnen-Acts aus, die in insgesamt 8 Shows ihre Kunst präsentierten.

Gewinner des ersten Viertakt-applaus 2018 war der Acapella-Improvisationsmeister an der Loop-Station, Dad’s Phonkey.

Moderiert werden alle Viertakt Shows von Gudrun Höpker (selbst Solokünstlerin und langjährige WDR Moderatorin) und Gerd Buurmann (Solokünstler, Blogger und Gründer der Kunst gegen Bares).

Beim Finale, das im Rahmen des Köln Comedy Festivals in der Comedia stattfindet, küren dann die Zuschauer den kölner applaus-Sieger. Neben dem Preisgeld für die drei Finalisten (1. Preis: 4000 Euro, 2.Preis: 3000 Euro, 3. Preis: 2000 Euro), werden auch in diesem Jahr zusätzlich drei mit jeweils 750 Euro dotierte Jurypreise vergeben.

Der Verein wird durch Spenden finanziert und von ehrenamtlich tätigen Menschen getragen. Viertakt hat es sich zur Aufgabe gemacht, den vielfältigen Querschnitt künstlerischer Ausdrucksformen der Kleinkunst zu bewahren. Viertakt unterstützt und fördert Künstlerinnen und Künstler, die besonders sind und einen eigenen Weg gehen.

Weitere Infos unter: www.viertakt-ev.de

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Legion heiße ich!

„Legion heiße ich; denn wir sind unser viele.“

So stellt sich der Teufel im fünften Kapitel des Buchs Markus im Evangelium vor. Das Böse hat die Form der Masse.

Das Böse ist dort, wo sich der Mensch einer kollektiven Ideologie unterwirft, wo das Individuum in einem Mob verschmilzt und sich in der Legion der Vielen auflöst.

Es ist unmöglich, mit einem Menschen zu reden, der von einer Ideologie besessen ist, möge die Ideologie nun gut oder böse sein. Die Dynamik des Mobs ist immer gefährlich, vor allem, wenn der Mob in der Gewissheit der moralischen Überlegenheit daherkommt. Dabei ist es irrelevant, was das Ziel des heiligen Zorns ist, denn nichts rechtfertigt eine Schreckensherrschaft, weder Tugend noch gute Absichten.

Wenn Menschen, die sonst wenig gemeinsam haben, sich in der gemeinsamen Herabwürdigung von anderen Personen vereinen, wenn der Hass auf andere identitätsstiftend wird, dann ist es immer gefährlich. Dabei ist es irrelavant, wer oder was der Andere ist und ob er gut oder böse ist.

Ein Dagegen ist kein guter Treibstoff für die Masse. Daher gilt für mich: Ich bin nicht gegen eine Partei, sondern für eine Partei. Ich bin nicht gegen eine Religion, sondern für eine Gleichberechtigung aller Religionen und vor allem für das Recht, alle Religionen gleichermaßen verarschen zu dürfen. Ich muss nicht erklären, gegen irgendetwas zu sein, denn sobald ich mich nur klar und deutlich für etwas positioniere und erkläre, wofür ich bin, lebe, liebe und kämpfe, wird es schon genug Menschen geben, die von sich aus erklären werden, dass sie gegen mich sind. Sie werden ihrerseits Mauern hochziehen, um mich auszugrenzen. Warum soll ich ihnen dabei helfen?

Warum soll ich meine Kraft vergeuden und Mauern bauen, die eh gebaut werden?

Ich distanziere mich nicht! Ich nähere mich. Ich sage eher, was ich mag und nicht so sehr, was ich hasse. Ich bewege mich frei. Wer ein paar Schritte mit mir gehen möchte, ist herzlich eingeladen.

Ich muss nicht ausgrenzen, denn wenn ich sage, wofür ich bin, werde ich automatisch ausgrenzt. Es werden die übelsten Dinge über mich verbreitet, sobald ich erkläre, wofür ich bin, statt mich zu distanzieren. Wer den Hass der Legion nicht teilt, wird selbst zum Opfer des Hasses. Das Wort dafür ist Hexenjagd.

Eine Hexenjagd ist immer schlecht, egal ob die Gejagte eine Hexe ist oder nicht!

Ein Mob definiert sich mehr durch Ausgrenzung als durch Bekenntnisse und wenn der gemeinsame Nenner die Ausgrenzung ist, dann entsteht dort schnell eine Eigendynamik, in der Menschen mit anderen Meinungen zu „Abweichlern“ und „Verrätern“ erklärt werden. In einer solchen Gruppe wird nicht debattiert sondern diktiert und jeder Millimeter in die falsche Richtung unter tosendem Applaus sanktioniert.

„Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“, ist die Rhetorik der Legion und die Aufforderung zur Distanzierung ihr Mittel der Unterdrückung.

„Wehret den Anfängen“ brüllen die gerechten Putztruppen und meinen damit doch nur die Anfänge einer Zukunft, die sie aus ihrer eigenen Angst hinter Mauern konstruieren. Aus dieser Angst nehmen sie andere Menschen als Geisel ihrer Befürchtung. Diese Angst ist die Wurzel des totalitären Denkens. Sie ermöglicht Gewalt über Gedanken als Präventivschlag.

Der Mob lässt andere Meinungen nicht zu und erklärt stattdessen, Worte seien Gewalt, nur um so dann selbst tatsächliche physische Gewalt gegen die Anderen rechtfertigen zu können. Der Mob erklärt jeden Abweichler und jeden Kritiker zu einer Gefahr, gegen die auch Gewalt angewendet werden darf. Es ist schließlich Notwehr.

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9/11, Sawsan Chebli und ihr Glaube

„An 9/11 wurde mein Glaube, der bis dahin private Angelegenheit war, zum Gegenstand öffentlichen Interesses. Muslimische Kinder mussten sich an Schulen erklären. Von heute auf morgen wurden wir zu Islamexperten. Soziale Probleme wurden muslimisiert. All das wirkt bis heute nach.“

Das schrieb Sawsan Chebli am 11. September 2019.

Nein, Frau Chebli, am 11. September 2001 wurden tausende Menschen ermordet. Von heute auf morgen wurden Männer Witwer und Kinder Waisen. Eltern verloren ihre Söhne und Töchter und Frauen ihre besten Freundinnen. Es wurde unendlich viel gelitten von Menschen allen Glaubens. Der Schmerz war unerträglich. All das wirkt bis heute nach.

Am 17. September 2001, keine Woche nach dem Massenmord hielt der damalige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, George W. Bush, diese Rede in einer Moschee:

„Ich danke Ihnen allen sehr für Ihre Gastfreundschaft. Wir haben eine weit reichende Diskussionen geführt, über die Angelegenheit, die gerade auf der Hand liegt. Wie die guten Leute, die gerade um mich herum stehen, war das amerikanische Volk empört über die letzten Angriffe. Und empört waren auch die Muslime auf der ganzen Welt. Amerikaner und ihre muslimischen Freunde und Bürger, steuerzahlende Bürger, sowie Muslime in anderen Ländern sind entsetzt und können nicht glauben, was wir auf unseren Fernsehbildschirmen sehen mussten.

Diese Gewalttaten an unschuldigen Menschen verletzen die grundlegenden Lehren des islamischen Glaubens. Und es ist wichtig für meine amerikanischen Mitbürger, das zu verstehen.

Lassen Sie mich aus dem Koran zitieren, auch wenn die englische Übersetzung nicht so eloquent ist wie das arabische Original: „Und dann war das Ende derer, die Übles begingen, das schlimmste, dass sie die Zeichen Allahs verwarfen und über sie zu spotten pflegten.“

Das Gesicht des Terrors ist nicht der wahre Glaube des Islams. Das ist nicht, worum es im Islam geht. Islam ist Frieden. Diese Terroristen stellen keinen Frieden dar. Sie repräsentieren das Böse und den Krieg.

Wenn wir an den Islam denken, denken wir an einen Glauben, der eine Milliarde Menschen auf der ganzen Welt Trost spendet. Milliarden von Menschen finden darin Trost und Zuversicht und Frieden. Und danach, Brüder und Schwestern, sehnt sich jeder menschliche Rasse, jede!

Amerika zählt Millionen von Muslimen zu seinen Bürgern, und Muslime leisten einen unglaublich wertvollen Beitrag für unser Land. Muslime sind Ärzte, Rechtsanwälte, Rechtsprofessoren, Angehörige des Militärs, Unternehmer, Kaufleute, Mütter und Väter. Und sie müssen mit Respekt behandelt werden! Gerade in unserer Wut und unseren Gefühlen, müssen wir uns gegenseitig mit Respekt behandeln.

Frauen mit Kopftüchern müssen sich wohl fühlen, wenn sie ihre Häuser verlassen. Mütter mit Kopftüchern dürfen in den USA nicht eingeschüchtert werden. Das ist nicht das Amerika, das ich kenne. Das ist nicht das Amerika, das ich schätze.

Mir wurde gesagt, dass einige jetzt Angst verspüren; einige trauen sich nicht mehr, Einkäufe für ihre Familien zu besorgen; einige trauen sich nicht mehr raus in den Alltag aus Angst, weil sie ein Kopftuch tragen und fürchten, angegangen zu werden. Das wird Amerika aber nicht zulassen!

Diejenigen, die glauben, unsere Mitbürger einschüchtern und sie in ihrer Wut angehen zu können, repräsentieren nicht das Beste von Amerika, sondern das Schlechteste der Menschheit und sie sollten sich für dieses Verhalten schämen!

Dies ist ein großartiges Land. Es ist ein großes Land, denn wir teilen die gleichen Werte von Respekt und Würde und Menschlichkeit. Und es ist mir eine Ehre, mit geistigen Führer zusammen zu sein, die auf die gleiche Weise fühlen wie ich. Sie sind empört. Sie sind traurig. Sie lieben Amerika genauso wie ich.

Ich möchte mich bei Ihnen allen bedanken, dass Sie mir die Möglichkeit gegeben haben, hier zu reden. Und Gott segne uns alle!“

Obwohl die Mörder vom 11. September 2001 ihre Taten in der Überzeugung begingen, damit im Namen des Islams zu handeln, muslimisierte der amerikanische Präsident das Problem nicht! Er rief stattdessen zum Frieden mit dem Islam und zur Zuversicht auf.

Sawsan Chebli behauptet, das eigentliche Opfer des 11. Septembers sei der Islam, nur weil neben allen Appellen zum friedlichen Miteinander, der Islam auch in die Verantwortung genommen wurde.

Natürlich waren die Terroristen in aller erster Linie brutale Mörder, aber es kann nicht ignoriert werden, dass sie sich selber als Muslime bezeichneten; sogar als wahre Muslime, berechtigt, für den Islam zu morden. Es war die Religion von Sawsan Chebli, die genutzt wurde, das Morden zu rechtfertigen. Für jeden Menschen, der glaubt, Islam bedeute Friede, müssen die Muslime, die im Namen Gottes Kriege führen und Menschen morden, schlimmer sein als alle, die den Islam beleidigen.

Ich bin Christ. Ich kenne die dunkele Zeit des Christentums, als Andersgläubige verfolgt wurden. Ich bin Deutscher. In kenne die Zeit des Nationalsozialismus als Juden vernichtet und ihre Synagogen angezündet wurden. Es gab zwar zu allen Zeiten stets auch anständige Christen und gute Deutsche, aber von 1933 bis 1945 gaben die Nazis den Ton an. Und die Nazis waren Deutsche!

Jedes mal, wenn irgendwo auf der Welt irgendjemand den Islam kritisiert, Mohammed verballhornt oder einen albernen Film über Muslime dreht, ist der Aufschrei in der islamischen Welt groß und Muslime gehen auf die Barrikaden. Wenn Islamisten die Menschlichkeit mit ihren Taten schänden und sich dabei auf Allah berufen, muss der Aufschrei um das Vielfache lauter sein!

Cheblis Problem sollten nicht die Kritiker und Spotter des Islams sein. Ihr Problem sollte jeder sein, der sich Muslim nennt und im Namen seines Gottes Hass sät und Gewalt ausübt. So wie die Nazis einst das Problem der Deutschen waren, so sind Islamisten heute das Problem des Islams!

Wer sagt, am 11. September 2001 wäre der Islam Opfer geworden, kann in der selben Logik auch behaupten, am 9. November 1938 wäre Deutschland das eigentliche Opfer gewesen.

Frau Chebli ist wie ein männlicher Politiker, der sich nach einer Vergewaltigung um das öffentliche Bild von Männern sorgt.

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Ein Brief an die Ossis

Liebe Ossis,

eigentlich krass, dass die Kategorien Ossi und Wessi immer noch Bedeutung haben.

Vor ein paar Jahren habe ich einen Witz über den Osten Deutschlands gemacht, für den ich mich heute schäme. Ich weiß nicht mehr genau, was mich damals zu dem Witz hat hinreißen lassen, vielleicht war es das Ergebnis einer Wahl in Ostdeutschland oder irgendeine unappetitliche Entwicklung bei einer Demonstration in Dresden, aber ich dachte, es sei komisch, den Menschen in Ostdeutschland eine Flutkatastrophe zu wünschen. Ich schrieb damals: „River Elbe do it again!“

Heute schalte ich den Fernseher ein und sehe überall Gewaltphantasien gegen Euch. Auf NightWash Live erklärte Maria Clara Groppler:

„Man macht einfach etwas Zitronensaft auf die Avocados und dann werden die nicht braun. Deswegen mein Vorschlag: Wir nehmen einfach Löschflugzeuge, füllen die mit Zitronensaft und lassen sie über Chemnitz fliegen. Und wenn das nicht funktioniert: Napalm!“

Und auf ZDFneo erklärte Jan Böhmermann:

„In Sachsen stimmten über 24 Prozent aller Wählerinnen und Wähler für die AfD. Das Einzige, was dieses Bundesland jetzt noch retten kann, ist eine Koalition aus Roter Armee und Royal Air Force.“

Da ich Mitglied im Artikel 5 Club bin, verteidige ich das Recht jedes Komikers und jeder Komikerin, sich über alles lustig zu machen, auch wenn es geschmacklos ist. Ich halte auch nichts davon, von Comedians eine Entschuldigung zu fordern. Es ist nicht leicht, lustig zu sein. Wer auf der Suche nach dem Lachen ist, stolpert ab und zu. Manchmal fliegt er sogar auf die Schnauze. Humor ist stets ein Tanz am Rand des guten Geschmacks. Dieser Tanz ist jedoch wichtig, denn er wird zur Freiheit getanzt.

Wer glaubt, ein Mensch sei eine Gefahr, weil er einen Witz macht, glaubt auch, eine Frau sei eine Gefahr, wenn sie ohne Verschleierung aus dem Haus geht. Jan Böhmermann und Maria Clara Groppler trauen sich, humoristisch die Hosen runter zu lassen. Sie konfrontieren uns mit ihrer humoristisch dunklen Seite.

Mit ihren Witze haben mich Groppler und Böhmermann an meinen Elbe-Spruch erinnert und ich stelle fest: Heute stehe ich nicht mehr dahinter.

Ich stelle mir vor, jemand würde einen solchen Witz über Polen oder Ungarn machen. Ich kann mir trotz manch einer unappetitlichen Regierung in diesen Ländern nicht vorstellen, dass eine solche Gewaltphantasie gegen ein ganzes Volk gesendet werden würde. Es wird zwar von ARD bis ZDF gegen Politiker und Parteien der genannten Länder sogar mit übelsten Beleidigungen gewitzelt, was vollkommen akzeptabel ist, aber eine Hetze gegen das ganze Volk ist nicht denkbar.

Warum ist das im Falle der Sachsen anders? Niemals würden wir Napalm gegen Muslime fordern, trotz des Islamischen Staates. Niemals würden wir mit Bomben über Budapest witzeln, trotz Viktor Orbán.

Ich weiß nicht, was besonders Westdeutschland immer wieder dazu hinreißen lässt, Euch in einer Art zu behandeln, wie wir es bei keiner anderen Gruppe zulassen würden. Ich vermute allerdings, dass die Komiker im Westen nur deshalb so reden, weil sie vergessen haben, was sie Euch zu verdanken haben. Daher möchte ich jetzt ein paar längst überfällige Worte des Dankes an Euch richten.

Vor dreißig Jahren habt Ihr unserem gemeinsamen Land geschenkt, was es so lange hat vermissen lassen und das dennoch so wichtig ist für eine friedliche und prosperierende Nation. Ihr habt uns geschenkt, was für Amerikaner und Franzosen seit über zwei Jahrhunderten eine Selbstverständlichkeit ist. Ihr habt uns eine Revolution der Freiheit geschenkt.

Jede Nation, die sich weder völkisch oder rassistisch definiert, sondern die sich als Hüterin der Aufklärung versteht, braucht einen Moment, wo Menschen sich zusammengefunden haben, nicht weil sie die gleiche Hautfarbe haben oder an den selben Gott glauben, sondern weil sie frei sein wollen. Diesen Moment habt Ihr uns geschenkt.

In den Jahren 1988/89 gingt Ihr auf die Straßen, um zu demonstrieren. Ihr tatet dies unter Einsatz Eures Lebens. Niemand wusste, wie die Staatsmacht reagieren würde. Ihr gingt jedoch nicht auf die Straße, weil Ihr physisch gehungert habt, Ihr gingt auf die Straßen, weil Euch nach Freiheit hungerte. Ihr wolltet sagen können, was Ihr wollt, auch wenn es den Mächtigen nicht gefällt, Ihr wolltet reisen können, wohin Ihr wollt; Ihr wolltet schlicht und ergreifend Freiheit und diesen Ruf der Freiheit verbandet Ihr mit dem Spruch: „Wir sind das Volk!“

Diese Revolution war der Beginn der Nation, die seit dem 3. Oktober 1990 als Deutschland bekannt ist.

Heute ist Deutschland eine Nation, die wie alle aufgeklärten Nationen von der Idee der Freiheit und von den Prinzipien der Menschenrechte beseelt ist. Deutschland ist ein Land, in dem sich politische Gegnerinnen und Gegner die Klinke der Macht in die Hand geben, weil niemand Angst haben muss, wenn der politische Gegner an die Schalthebel der Macht kommt. Deutschland wird nicht mehr von der Angst vor dem Anderen gelenkt, sondern von einer Verfassung getragen, in der jeder dem Anderen ein anderes sein kann.

Liebe Ossis,

Dank Eures Kampfes wurde das Grundgesetz der BRD mit seinen Grund- und Menschenrechten eine Art Verfassung für Deutschland. Dank Eurer Revolution unterzeichneten die USA, Frankreich, Großbritannien und die Sowjetunion mit dem Osten und dem Westen Deutschlands den Friedensvertrag nach dem Zweiten Weltkrieg, der als Zwei-plus-Vier-Vertrag in die Geschichte eingegangen ist.

Seit dem 3. Oktober 1990 ist Deutschland eine Nation, der man so sehr ver- und misstrauen kann wie jeder anderen verfassten Nation auch. Deutschland ist ein Land, in dem ich gerne lebe und in dem ich zu besonderen Anlässen sogar gerne die Fahne schwinge.

Liebe Ossis,

Ihr habt das möglich gemacht!

Daher verspreche ich Euch, egal wie sehr mich auch manch eine Wahl in Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern aufregt und wie sehr ich manch eine Demonstration in Dresden oder Leipzig mit Sorge beobachte, ich werde Euch niemals mehr als Kollektiv verhöhnen. Dafür bin ich Euch viel zu dankbar.

Mir ist klar, Euch als Kollektiv danken, ist zwar nur die andere Seite der Verhöhnung des Kollektivs, da aber letzteres bereits mit voller Wucht im westlichen Mainstream angekommen ist, gestatte ich mir hier die positive Gegenkonstruktion.

Ich weiß, selbst wenn Ihr wütend seid, sogar so wütend, dass Ihr Euch im Ton vergreift oder eine Partei wählt, die im Westen nicht ganz zu hoch steigt, wie bei Euch, möge die Partei nun sehr links oder sehr rechts stehen, Ihr werdet Euch niemals mehr von einer Regierung versklaven lassen. Nur auf den Nacken, der sich beugt, tritt der Fuß des vermeintlichen Herrn.

Ihr habt mir gezeigt, dass wir vor keiner Partei Angst haben müssen, wenn wir nur auf unsere Verfassung vertrauen. Jede Partei, die nicht von den Organen verboten wurde, die die Verfassung dafür vorsieht, kann mal in Regierungsverantwortung kommen, denn am Ende gilt: „Wir sind das Volk!“

Wir haben eine Verfassung und diese Verfassung ehrt die Würde des Einzelnen und verteidigt die Freiheit. Nur, wer nicht an unser Grundgesetzt glaubt, kann Angst haben vor einer Partei, die in Sachsen gewählt wurde. Egal, wie gewählt wird, am Ende steht die Verfassung. Sie erlaubt es, dass jede Partei mal an die Macht kommt, auch der politische Gegner. Wer davor Angst hat, vertraut der Verfassung nicht.

Ich habe Vertrauen und es wurde durch Euch erstritten und bekräftigt. Dafür sage ich: Danke!

Alles Liebe,
Gerd Buurmann, ein Wessi

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Tischtennisplatten

Eine Erinnerung von Viktoria Burkert für alle, die eine Jugend hatten, aber besonders für jene, die zwischen 1988 und 1994 jugendlich waren. Die Melodie dazu finden Sie hier.

Zerrissene Jeans und jede Woche eine neue Haarfarbe. Grün ging gar nicht, aber blau, das sah gut aus und das wächst ja raus. Weißte noch Susanne? Die musste um 18 Uhr zu Hause sein. Susanne sagte zu allem: Amen und Ja. Wir sagten zu allem: Nein (auch zu Susanne). Die Stadt in der Nacht, eine erste Zigarette auf dem Spielplatz, wir kickten Coladosen gegen die Wand, Jugend ohne Zukunft, Welt ohne Dosenpfand.

Wir lagen auf Tischtennisplatten und sahen in den Wolken nur Wolken, das wär‘ jetzt ein Problem, aber früher war das schön.

Das Leben ist kein Kampf, das Leben ist Lachen und Alf zitiern, Sommerferien und Wassereis, auf ’ne frisch gestrichne Wand ein paar Sprüche schmiern. Tage im Wald, ein Skateboard und aufgeschlagene Knie, in deinem Keller wohnte Pennywise, wir werden ihn besiegen, wir wussten schon wie, aber erstmal mit ein paar Groschen zum Kaugummiautomaten an der Ecke, warmer Regen und Erdbeergeschmack, man weiß halt nur was man hat, wenn man es hat.

Wir lagen auf Tischtennisplatten und sahen in den Wolken nur Wolken, das wär‘ jetzt ein Problem, aber früher war das schön.

Wir konnten alle Lieder von Meat Loaf mitsingen, auch die ganz langen. Das musste erstmal bringen, zwölf Minuten ’n einziger Song. When everything’s right, nothing is wrong. Leere Zimmer, die Poster aus der Bravo längst im Altpapier, die Freundschaftsbändchen fielen von alleine ab, am Bahnbann ein Graffiti – Wir waren hier. Ein erstes Tattoo und Jahre später immer noch wissen: Niemand konnte was wir wirklich sind zerstörn. Spul mal zurück, ich will das Lied nochmal hörn.

Wir lagen auf Tischtennisplatten und sahen in den Wolken nur Wolken, das wär‘ jetzt ein Problem, aber früher war das schön.

Es ist wirklich vorbei, doch wir waren da. Objects in rear view mirror may appear closer than they are.

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Die Ballade von Herrn Gruber

Eine Ballade von Viktoria Burkert. Die Melodie dazu finden Sie hier.

Herr Gruber wollte nur Brötchen holen gehn, da fiel er in ein Loch. Das Loch war ziemlich tief, Herr Gruber war sehr klein, jetzt sitzt er hier allein und denkt sich – och.

Er wollte die Brötchen mit Butter beschmiern und dann kamen Käse und Wurst. Das wird jetzt nicht passiern, denkt Herr Gruber in dem Loch, doch wer weiß, vielleicht ist das hier ja ne Chance.

Denn vielleicht ist es irgendwie besser, wenn nicht jeden Tag dasselbe passiert, wenn du nicht weißt, was kommt, wenn du keine Pläne hast, wenn du lebst, verwegen und bekloppt.

Vielleicht ist es irgendwie schöner, wenn die Zukunft wirklich Zukunft ist, wenn du in den Spiegel schaust und denkst: Ich mag dich richtig gern, weil du lachst und deine Träume lebst.

Herr Gruber in dem Loch denkt an sich als Kind, er wollte so gerne zur See, viele fremde Länder sehn und echte Abenteuer leben, doch niemand sagte: Trau dich, Gruber, geh!

Er fand einen Job bei ner Versicherung und blieb dann einfach da, sitzt seit vierundvierzig Jahren in demselben Büro – kneif mich, das ist doch jetzt nicht wahr!

Denn vielleicht ist es irgendwie besser, wenn nicht jeden Tag dasselbe passiert, wenn du nicht weißt, was kommt, wenn du keine Pläne hast, wenn du lebst, verwegen und bekloppt.

Vielleicht ist es irgendwie schöner, wenn die Zukunft wirklich Zukunft ist, wenn du in den Spiegel schaust und denkst: Ich mag dich richtig gern, weil du lachst und deine Träume lebst.

Herr Gruber in dem Loch denkt: Ich muss hier raus, aus dem Loch, dem Job, der Stadt, muss endlich mal was wagen, ich hab nicht mehr so viel Zeit, bin jetzt bereit für das, was man so macht,

wenn man endlich einmal lebt und sich nicht nur treiben lässt, Problem ist jetzt nur das Loch. Herr Gruber stellt sich hin und schreit mit aller Kraft: Hallo, ich bin hier unten, hört mich doch!

Frau Meier aus dem Blumenladen hört Grubers Schrei und alarmiert die Feuerwehr, sie holen Gruber raus und Gruber freut sich sehr, er flüstert ihr ins Ohr: Jetzt sind wir frei.

Denn vielleicht ist es irgendwie besser, wenn du nichts mehr zu verlieren hast, wenn alles, was du brauchst, in einen Koffer passt, und selbst den Koffer stellst du irgendwo mal ab.

Vielleicht ist es irgendwie schöner, wenn dein Zuhause nur die Menschen sind, die neuen, die du triffst, die alten, die du liebst, das Einzige, was unvergänglich ist.

Herrn Gruber haben sie hier nie mehr gesehn und auch Frau Meier gab den Blumenladen auf, sie kauften sich ein Schiff, sagt man, und fahren jetzt um die Welt, bis die Welt um sie zusammenfällt.

Das Loch, in das Herr Gruber damals fiel, wurde als sehr gefährlich eingestuft, man schüttete es zu, es ist jetzt wirklich weg, nur ein Haufen Dreck erinnert an sein Lied:

Vielleicht ist es irgendwie besser, wenn nicht jeden Tag dasselbe passiert, wenn du nicht weißt, was kommt, wenn du keine Pläne hast, wenn du lebst, verwegen und bekloppt.

Vielleicht ist es irgendwie schöner, wenn dein Zuhause nur die Menschen sind, die neuen, die du triffst, die alten, die du liebst, das Einzige, was unvergänglich ist.

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“Schmerz plus Zeit“

Ein musikalisch-humoristischer Abend mit Christian Gottschalk und Viktoria Burkert.

Ich habe die Premiere gesehen und bin begeistert. Viktoria und Christian entwickeln mit ihrer je eigenen Kunst des Liedermachens einen einzigartigen Kosmos des Humors. Wer die 80er kennt, wird den Abend lieben; wer Alf lustig findet, wird lachen; wer weiß, was Plot Points sind, wird auf seine Kosten kommen und wer weiß, was Schmerz ist, wird an diesem Abend viel Trost tanken. Alle anderen werden eine neue Welt entdecken und sich vielleicht schockverlieben.

Im Ankündigungstext heißt es:

Wir singen Lieder über enttäuschende Drogenerfahrungen, die Generation ohne Buchstaben, Liebe, über das Erwachsenwerden, Reihenhäuser, suizidale Paarhufer und Pommes. Christian präsentiert zudem den weltweit einzigen Protestsong gegen den zweiten Plotpoint in Drehbüchern. Der Abend heißt so, weil Humor Schmerz plus Zeit ist und wir finden, das passt zu unseren Liedern.

„Schmerz plus Zeit“
am Samstag, 07. September 2019
um 20 Uhr
im INSTITUT FÜR THERAPIE UND REMMIDEMMI auf der Düsseldorfer Straße 2 in 51063 Köln-Mülheim.

Einlass: 19 Uhr.
Eintritt: 10 Euro.

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