ach ja, der Sinn des Lebens

Viktoria Burkert und Gerd Buurmann prÀsentieren:

„… ach ja, der Sinn des Lebens“ am Freitag, 24. April 2020 um 20h im inSide CafĂ©, Am Rinkenpfuhl 46 in Köln.

In ihrem zweiten abendfĂŒllenden Programm beantworten Stand-Up Comedian Gerd Buurmann und Liedermacherin Viktoria Burkert die wichtigsten Fragen ĂŒberhaupt:

Was ist der Sinn des Lebens? Wann wird aus Verliebtsein Liebe? Was machen wir hier eigentlich? Und warum hast du mich entfreundet?

In Comedy-Bits und vielen lustigen Liedern erkunden sie die Tiefen des menschlichen Lebens und Zusammenlebens, feiern das Absurde im AlltĂ€glichen und das AlltĂ€gliche im Außergewöhnlichen und geben darĂŒber hinaus auch noch einen humorvoll-intimen Einblick in ihre eigene langjĂ€hrige Beziehung.

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„Höpker und Buurmann haben Krach“ in DĂŒsseldorf

Gudrun Höpker und Gerd Buurmann verwandeln eheliche Streitereien aus Film, Fernsehen und Literatur in einen amĂŒsanten Theaterabend. Eine urkomische Reise in den innersten Kreis der Ehe.

Höpker und Buurmann liefern sich einen verbalen Schusswechsel. Das Publikum wird Zeuge, wie sich Adam mit Eva zankt, Kermit und Piggy streiten und wie Macbeth völlig unerwartet auf Inge Meysel trifft.

Do, 5. MĂ€rz um 20h im Takelgarn Theater auf der Philipp-Reis-Str. 10 in DĂŒsseldorf: „Höpker und Buurmann haben Krach“ – Eine humorvolle Reise durch die Geschichte der ehelichen Streitereien mit Texten von Shakespeare bis Tucholsky.

„Als eine Steigerung kaum noch möglich ist, gibt es dann auch noch „eine schrecklich nette Familie“ im Stil einer Inszenierung von Truffaut nebst Tanzeinlage von Pina Bausch. Dabei ĂŒberschlĂ€gt sich Gerd Buurmann im Sinne des Wortes, legt eine Performance hin, die eine außerordentlich körperliche Herausforderung ist. Grandios! Das Publikum tobt. Und das zurecht! Hier haben zwei Vollblut-Entertainer alles gegeben!“ (Helga Wissing, LippstĂ€dter Zeitung, 15. Dezember 2019)

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Der Nathan-Komplex in Köln

„Mit Humor und viel EinfĂŒhlungsvermögen versteht es Gerd Buurmann, die Dinge auf den Punkt zu bringen, den Menschen zu vermitteln, sie zum Denken anzuregen. Wir schĂ€tzen seine Arbeit, sein Engagement sehr.“ (Abraham Lehrer, VizeprĂ€sident des Zentralrats der Juden in Deutschland)

 

„Der Nathan-Komplex“ kommt nach Köln. Das Kammerspiel mit Vortrag findet am 25. MĂ€rz 2020 um 19 Uhr in der Kölner Innenstadt statt. Eine Anmeldung kann vorgenommen werden unter: Tal@jnf-kkl.de

Bei Anmeldung bekommen Sie den AuffĂŒhrungsort mitgeteilt. Kein Eintritt. Um eine Spende wird gebeten.

„VortrĂ€ge ĂŒber Antisemitismus haben Konjunktur. Gerd Buurmann macht es anders. Ebenso unverhofft wie kurzweilig erzĂ€hlt er mit glĂ€nzender schauspielerischer Leistung ĂŒber zweitausend Jahre Kulturgeschichte. Der Nathankomplex ist vieles. Er wehrt Fehlinterpretationen von Heine ab, lĂ€sst zweifeln, aber auch hoffen. Die Ă€ltere deutsche Sprache hĂ€lt fĂŒr Buurmann einen Begriff bereit: Gerd Buurmann ist geistreich. Man muss ihn sehen.“
(Lasse Stodollick, Deutsch-Israelische Gesellschaft, Bodensee-Region)

„Gerd Buurmann ist ein exzellenter Schauspieler, der es versteht, selbst alte, vielleicht sogar antiquierte Texte so zu prĂ€sentieren, dass man das Heutige erkennt und die zutiefst menschliche Figur des Dargestellten mitfĂŒhlt. DarĂŒber hinaus ist Buurmann aber auch ein scharfsinniger Beobachter des Homo Politicus. So erkennt er, wie tief in jedem westlichen Menschen der Antisemitismus steckt, ja geradezu stecken muss, und er erklĂ€rt dies so logisch und schlĂŒssig, dass es einen wunder nimmt, warum dieses Wissen nicht lĂ€ngst schon Allgemeinplatz ist. Das alles, klassische Texte, politische innere Erdbeben und logische Erkenntnis daraus prĂ€sentiert er noch dazu mit Humor und Leichtigkeit. So muss Herzensbildung, so muss Wahrheit sein.“
(Sandra Kreisler, Musikerin und KĂŒnstlerin)

„Rhetorisch gut strukturiert und mit Hilfe schauspielerischer Einlagen, schaffte Gerd Buurmann es, das komplizierte Thema Antisemitismus auf eine so eingĂ€ngige und anschauliche Art und Weise darzulegen, dass man in den Gesichtern seiner Zuhörer förmlich sehen konnte, wie sie von Buurmanns Worten zum Nachdenken angeregt wurden.“
(Marc Neugröschel, Hebrew University, Jerusalem)

„Gerd Buurmann konfrontiert das Publikum aber nicht nur mit triftigen Argumentationen und wenig bekannten Fakten, er zieht es auch emotional in seinen Bann, wenn er sich binnen Sekunden und ohne KostĂŒmwechsel in Shakespeares Shylock verwandelt und so die Zuschauer schmerzlich nah an einem jĂŒdischen Schicksal teilnehmen lĂ€sst.“
(Dr. Karl Thönnissen, Volkshochschule Aachen)

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„Femmage an Hedwig Dohm“ in Königslutter

Fr, 28. Februar 2020 um 19 Uhr im Kaiserdom in Königslutter: „Femmage an Hedwig Dohm“ – Eine unterhaltsame Lesung, Schauspiel und Vortrag mit Isabel Rohner, Nikola MĂŒller und Gerd Buurmann.

Der Feminismus lÀsst sich auf eine einfache Formel bringen, die Hedwig Dohm bereits im 19. Jahrhundert artikuliert hat:

“Die Menschenrechte haben kein Geschlecht!“

Der Feminismus ist nichts weiter als Ausdruck der Überzeugung, dass alle MĂ€nner und Frauen gleichberechtigt sind. Der Feminismus ist keine Ideologie, die Frauen oder MĂ€nner verĂ€ndern will, sondern kĂ€mpft dafĂŒr, dass jede Frau und jeder Mann in Freiheit und unter Garantie des Lebens das eigene GlĂŒck suchen darf, egal wie dieses GlĂŒck aussieht.

In Frankreich wird die französische Revolution am 14. Juli gefeiert. In den Vereinigten Staaten von Amerika wird die UnabhĂ€ngigkeit am 4. Juli gefeiert. Beide Revolutionen aber befreiten nicht die Frauen! Der Feminismus ist Ausdruck der Überzeugung, dass alle MĂ€nner und Frauen im Besitz der Menschenrechte sind und nicht nur MĂ€nner.

Frauen waren in Europa noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts nicht im Besitz der Menschenrechte. Sie durften in Frankreich und den USA nicht wÀhlen, im Gegensatz zu ehemaligen mÀnnlichen Sklaven. Die Tore der höheren Bildung waren ihnen verschlossen und ökonomisch wurden sie brutal ausgebeutet.

Frauen waren Sklaven.

Noch heute werden Frauen an vielen Orten der Welt brutal unterdrĂŒckt. Sie werden gesteinigt und in GefĂ€ngnisse gesperrt. Einige sind aus Stein, andere aus Stoff.

Was Frauen erleben und erleben mussten, aber auch was sie erkĂ€mpft und erreicht haben, nĂ€mlich die Freiheit fĂŒr sich und alle Menschen, stellt alles davor Dagewesene in den Schatten. Der Feminismus hat mehr Menschen befreit als die französische Revolution oder die amerikanische Revolution, die lediglich weniger als die HĂ€lfte der Bevölkerung befreit hatten.

WĂ€ren die Heldinnen der feministischen Revolution MĂ€nner gewesen, stĂŒnden heute ĂŒberall Statuen dieser Helden herum, Jungs und MĂ€dchen könnten aus dem Stand ein paar Namen von Feministinnen nennen und sie wĂŒrden sich stolz als Suffragetten verkleiden. Die Schriftstellerin Rebecca West sagte einst:

„Ich selbst habe es nie geschafft, genau herauszufinden, was Feminismus ist. Ich weiß nur, dass ich immer dann als Feministin bezeichnet werde, wenn ich GefĂŒhle zum Ausdruck bringe, die mich von einer Fußmatte unterscheiden.“

Das Wort „Feminist“ ist ein Kompliment.

Nennt mich einen Feministen! Es macht mich stolz, Feminist genannt zu werden, denn Marie le Jars de Gournay war eine Feministin. Im Jahr 1622 veröffentlichte sie das Werk „Über die Gleichheit“ und argumentiert dort, dass alle Menschen ungeachtet der Herkunft und des Geschlechts vernunftsbegabte Wesen sind und daher gleich an Rechten und Pflichten:

„Genau genommen ist das menschliche Wesen ĂŒbrigens weder mĂ€nnlich noch weiblich: das unterschiedliche Geschlecht ist nicht dazu da, einen Unterschied in der AusprĂ€gung herauszubilden, sondern es dient lediglich der Fortpflanzung. Das einzige wesenhafte Merkmal besteht in der vernunftbegabten Seele. Und wenn es erlaubt ist, beilĂ€ufig einen kleinen Scherz zu machen, dann wĂ€re hier wohl jene anzĂŒgliche Bemerkung nicht unpassend, die besagt: nichts Ă€hnelt dem Kater auf einer Fensterbank mehr als – die Katze. Der Mensch wurde sowohl als Mann wie Frau geschaffen. MĂ€nner und Frauen sind eins.“

Hundert Jahre spÀter widersprach der Humanist Rousseau dieser Auffassung und erklÀrte statt der feministischen Menschenrechte die humanistischen MÀnnerrechte. Die französische Philosophin Olympe de Gouges kritisierte den Sexismus ihrer Zeit mit deutlichen Worten:

„Die Sturmglocke der Vernunft ist im ganzen Universum zu hören; erkennt eure Rechte! Das gewaltige Reich der Natur ist nicht mehr umlagert von Vorurteilen, Fanatismus, Aberglaube und LĂŒgen. Die Fackel der Wahrheit hat alle Wolken der Dummheit und Anmaßung zerstreut. Der versklavte Mann hat zwar seine KrĂ€fte vervielfacht, aber er hat der eurigen bedurft, um seine Ketten zu sprengen. Kaum in Freiheit versetzt, ist er nun selbst ungerecht geworden gegen seine GefĂ€hrtin. O Frauen! Frauen, wann wird eure Verblendung ein Ende haben? Was sind denn die Vorteile, die euch aus der Revolution erwachsen sind? Ihr werdet noch mehr verachtet, noch offener verhöhnt.“

Im 17. Jahrhundert erklĂ€rte Marie les Jars de Gournay die Gleichheit von MĂ€nnern und Frauen, aber im 18. Jahrhundert erklĂ€rten die MĂ€nner der Französischen Revolution kurzerhand nur die MĂ€nner- und BĂŒrgerrechte. Oft werden diese MĂ€nner- und Herrenrechte fĂ€lschlicherweise als Menschen- und BĂŒrgerrechte ĂŒbersetzt, obwohl Frauen dezidiert nicht mit „des hommes“ gemeint waren, was Oylmpe de Gouges in ihrer Antwort „Die ErklĂ€rung der Rechte der Frau und BĂŒrgerin“ deutlich kritisierte.

„FĂŒrchtet ihr, dass unsere französischen Gesetzgeber – Richter ĂŒber jene Moral, die sich lange Zeit in der Politik eingenistet hat, nun aber ĂŒberlebt ist – es euch wiederholen: „Frauen, was habt ihr mit uns gemein?“ „Alles“, werdet ihr zu entgegnen haben. Und wenn sie sich in ihrer SchwĂ€che darauf versteifen, mit ihren eigenen Prinzipien in Widerspruch zu geraten, dann setzt beherzt die Macht der Vernunft ihren eitlen Anmaßungen entgegen, euch ĂŒberlegen zu sein (
) Die Frau hat das Recht das Schafott zu besteigen; sie muss gleichermassen das Recht haben, die TribĂŒne zu besteigen!“

Zu keiner Zeit war die Hauptströmung des Feminismus von dem Gedanken geprĂ€gt, MĂ€nner seien den Frauen untergeordnet. Dem Humanismus jedoch hingen nicht selten fĂŒhrende Philosophen an, die Frauen den MĂ€nnern unterstellten. Es sind daher die Humanisten, die sich fragen sollten, ob der Humanismus etwas ehrenwertes ist, nicht die Feministinnen!

Feministinnen kĂ€mpften stets fĂŒr die Gleichberechtigung aller Menschen. Die fĂŒhrenden Köpfe im Kampf gegen die Sklaverei waren nicht selten Frauen: Aphra Behn (17. Jahrhundert), Mary Wollstonecraft (18. Jahrhundert), Mathilde Franziska Anneke (19. Jahrhundert).

WĂ€hrend Olympe de Gouges fĂŒr die Menschenrechte stritt und das Recht eines jeden Menschen auf einen fairen Prozeß verteidigte, erklĂ€rten die mĂ€nnlichen Sieger der Revolution den Terror. Obwohl Olympe de Gouges eine blĂŒhende Republikanerin war und in dem König einen Feind der Demokratie sah, kĂ€mpfte sie fĂŒr einen fairen Prozeß des Königs, weil fĂŒr sie Menschenrechte unverĂ€ußerlich waren, selbst fĂŒr die grĂ¶ĂŸten Feinde. FĂŒr Olympe de Gouges sollte die Vernunft herrschen. Die Sieger der Revolution sahen das anders. Am 17. Januar 1794 erklĂ€rte Maximilien Robespierre den Sieg der „Natur“ ĂŒber die Vernunft:

„Wenn man vorschlĂ€gt, Ludwig XVI. den Prozeß zu machen, so stellt man die Revolution in Frage. Kann er gerichtet werden, so kann er freigesprochen werden, kann er freigesprochen werden, so kann er unschuldig sein. Ist er aber unschuldig, was wird aus der Revolution? (…) Wie könnte der Tyrann den gesellschaftlichen Pakt fĂŒr sich anrufen? Er hat ihn vernichtet! Welche Gesetze sind an seine Stelle getreten? Die Gesetze der Natur: das Volkswohl.“

Olympe de Gouges jedoch verteidigte die Gesetze der Vernunft und landete dafĂŒr auf dem Schafott. Am 3. November 1793 wurde sie hingerichtet. Ihr Vergehen: Sie hatte sich den „Gesetzen der Natur“ widersetzt. Sie wusste warum.

Wenn die MĂ€chtigen krank werden, wollen sie nicht, dass die Natur herrscht, sondern sie verlangen nach der Vernunft des Arztes. Wenn ihnen Unrecht widerfĂ€hrt, wollen sie nicht, dass die Natur herrscht, sondern sie rufen nach der Vernunft des Richters. Wenn Menschen aber andere Menschen unterdrĂŒcken wollen, dann holen sie schnell die Natur aus der Kiste. Dann gibt es auf einmal die Natur der Frau, die Natur des Juden oder die Natur des Schwarzen und die MĂ€chtigen tun so, als wĂŒssten sie genau, was die Natur will, ganz so als hĂ€tten sie erst letzten Sonntag mit Mutter Natur Kaffee getrunken. Hedwig Dohm jedoch argumentierte:

„Wie der Mensch sich seinen Gott nach seinem Ebenbild schafft, so legt ein jeder seine Anschauungen der Natur in den Mund. Eine Byzantinerin ist die Natur, redet dem, der gerade die Macht hat, zu Munde, oder gibt wenigstens immer die Antwort, die der Fragende erwartet. Was ist natĂŒrlich, was unnatĂŒrlich? Die meisten geistigen Errungenschaften sind EinbrĂŒche in vermeintliche Naturgesetze. Das scheinen die Antifeministen selbst zu bestĂ€tigen, wenn sie sagen: „Wir mĂŒssen auf der Änderung dieser verkehrten Welt bestehen.“ Recht haben sie. Wir bestehen ja auch darauf. Nur wollen sie, dass die Welt wieder so werde, wie sie einstmal war, wir aber wollen, dass sie werde, wie sie noch niemals war. Und sage nicht, es muss so sein, weil es niemals anders war. Unmöglichkeiten sind AusflĂŒchte steriler Gehirne. Schaffe Möglichkeiten!“

Es ist völlig irrelevant, was die Natur will, wenn sie ĂŒberhaupt was will. Die meisten Menschen heute wĂŒrden gar nicht leben, ginge es nach der Natur.

Wenn es nach der Natur ginge, wÀre ich schon lÀngst tot!

WĂŒrden Sie etwa noch leben? Hatten Sie schon mal eine Operation? Tragen Sie ein Brille? Haben Sie eine schwere Grippe ĂŒberstanden? Nutzen Sie moderne Technik? Dann sind Sie wider der Natur noch hier. Die Natur hĂ€tte Sie lĂ€ngst entsorgt!

Viele Menschen glauben, Natur sei das Naherholungsgebiet am Stadtrand. Die WĂ€lder in Deutschland sind aber keine Natur. Sie sind Kultur. Sie werden von der Vernunft der Mitglieder des Forst- und GrĂŒnflĂ€chenamts gut verwaltet. Natur ist kein gepflegter Wald und keine gemĂ€hte Wiese. Natur ist, wo der Mensch Beute ist!

Die Natur hat keine Absicht. Sobald der Natur Absichten und Moral unterstellt wird oder sobald der Natur ein Schöpfer gegeben wird, haben wir es mit einer Religion zu tun und Religion ist Kultur.

Gut und böse sind Kategorien der Vernunft. Die Vernunft versucht zwar, Natur wissenschaftlich zu verstehen, aber alles, was Vernunft hat, weiß oder mindestens ahnt, dass Moral in der Natur nicht zu finden ist.

Die Moral war lange Zeit ein Diktat der Götter. In der heutigen Zeit, da der Glaube an Gott vielerorts verschwunden ist, flĂŒchten nicht wenige, die religiös heimatlos geworden sind, in den Schoß der Natur und ernennen die Natur zu ihrem Gott. So wie sich die Menschen einst Gott nach ihrem Bilde schufen, so legen sie heute der Natur ihre Ansichten in den Mund! FĂŒr die Einen regelt Gott, was gut und was böse ist, fĂŒr die Anderen die Natur.

Ob man nun aber gottesfĂŒrchtig oder naturfĂŒrchtig ist, das Sagen haben jene, die glaubhaft machen können, Erleuchtete zu sein, die vorgeben, den direkten Draht nach oben zu haben. Sie wissen angeblich genau, was Gott oder die Natur will. Sie behaupten, es vernommen zu haben und erklĂ€ren, den wahren Weg zu kennen. Sie sind die Propheten, die Guten! Und sie benehmen sich so!

Um gute Dinge zu vollfĂŒhren, braucht es jedoch keinen Gott. Gott stört bei guten Taten nicht, hilft höchstens dabei. Böse Taten jedoch brauchen einen Gott, nĂ€mlich den festen Glauben daran, die abscheulichen Taten im Namen eines höheren Sinns und Zwecks zu begehen. Gotteskrieger kĂ€mpfen fĂŒr den lieben Gott und NaturglĂ€ubige fĂŒr die liebe Natur.

Die Natur ist aber nicht lieb. Sie ist auch nicht böse. Die Natur ist indifferent und kennt keine Moral. Sie ist!

Gut und böse sind Kategorien der Vernunft. Der Mensch muss sie selbst definieren, verteidigen und leben. HĂ€tte der Mensch alles Neue verdammt, weil es 5000 Jahre vorher anders gemacht wurde, sĂ€ĂŸe er heute noch als stĂ€ndige Beute in einer Höhle und wĂŒrde noch vor dem 30. Lebensjahr verrecken.

Es waren kluge Philosophen wie die Feministinnen, die ihre Vernunft genutzt haben, um sich zu emanzipieren und sich zu befreien von den Ketten, die uns vermeintlich von der Natur angelegt wurden. Es ist daher eine Frage des Stolzes, Feminist zu sein. Hedwig Dohm sagte:

„Mehr Stolz, Ihr Frauen, der Stolze kann missfallen, aber man verachtet ihn nicht. Nur auf den Nacken der sich beugt, tritt der Fuß des vermeintlichen Herrn!“

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Kunst gegen Bares 2020

Auch im Jahr 2020 wird die Kunst gegen Bares wieder jeden Montag stattfinden, außer natĂŒrlich Rosenmontag, wir sind ja in Köln.

Kunst gegen Bares mit Hildegart Scholten und Gerd Buurmann
jeden Montag um 20 Uhr
im ARTheater, EhrenfeldgĂŒrtel 127 in Köln

Die Show in der Kunst und Kapital aufeinander treffen.

KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler prĂ€sentieren auf der BĂŒhne des ARTheaters ihre Talente – vom Schauspielmonolog zum KabarettbrĂŒller, von eigenen Gedichten bis zur Eier-Jonglage im Kopfstand – eigentlich eine typische Offene BĂŒhne Show. Kunst gegen Bares ist die Muppet Show, nur mit Menschen statt Schweinen, Fröschen, Hunden und BĂ€ren. Alles nach dem Motto von Onkel Kermit: “Nimm, was Du hast und flieg damit!“

Das Besondere ist zudem die Form, wie die Kunst entlöhnt wird. Das Publikum entscheidet selbst, wieviel Bares die jeweilige Kunst wert ist. Vor jeder KĂŒnstlerin und vor jedem KĂŒnstler steht ein eigenes Sparschwein, in das nach GutdĂŒnken Geld geworfen werden kann. Bei der Kunst Gegen Bares trifft Kunst auf Kapital, und alles ohne ZwischenhĂ€ndler! Hier ist das Publikum Chef!

Es gibt genau sieben Regeln fĂŒr die Kunst gegen Bares:

1. Zuschauer und KĂŒnstler kommen den selben Weg und sitzen zusammen im Publikum.

2. Die KĂŒnstler werden von der Moderation aus dem Publikum auf die BĂŒhne geholt.

3. Die PrĂ€sentationszeit muss fĂŒr alle KĂŒnstler gleich beschrĂ€nkt sein.

4. Jeder KĂŒnstler erhĂ€lt nach der PrĂ€sentation ein Sparschwein.

5. Das Publikum wird aufgefordert, die erlebte Kunst durch Geldeinwurf in die jeweiligen Sparschweine zu honorieren.

6. Das Geld in den Sparschweinen geht zu 100% an die KĂŒnstler.

7. Der KĂŒnstler oder die KĂŒnstlerin mit dem meisten Geld wird zum „Kapitalistenschwein des Abends“ gekĂŒrt.

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Schalom und Alaaf

„Schalom und Alaaf“
Eine FĂŒhrung durch das jĂŒdische Köln
mit Gerd Buurmann.

NĂ€chster Termin:

So, 29. MĂ€rz 2020 um 13 Uhr

Treffpunkt: Auf dem GĂŒlichplatz am Haus Neuerburg bei Farina, GĂŒlichplatz 1–3


Anmeldung: gerdbuurmann@hotmail.de oder 016098520957
Preis: 11,- Euro

Erstmals wird jĂŒdisches Leben in Köln im Jahre 321 schriftlich erwĂ€hnt. Seit dem ist sehr viel passiert in der Stadt am Rhein.

Welcher jĂŒdische Komponist aus Köln wird jeden Tag vom Glockenspiel des Kölner Rathausturms gespielt?

Welcher jĂŒdische Bankier aus Köln fĂŒhrte im Jahr 1824 den Rosenmontagszug als Prinzessin Venetia an?

Welcher jĂŒdische Dichter aus DĂŒsseldorf stritt sich im Traum mit den Heiligen Drei Königen im Kölner Dom?

Wenn Sie die Antworten zu diesen und noch vielen weiteren Fragen erhalten wollen, dann begleiten Sie Gerd Buurmann auf seiner humorvollen Reise durch das jĂŒdische Köln.

Es gibt viel zu entdecken!

„Mit Humor und viel EinfĂŒhlungsvermögen versteht es Gerd Buurmann, die Dinge auf den Punkt zu bringen, den Menschen zu vermitteln, sie zum Denken anzuregen. Wir schĂ€tzen seine Arbeit, sein Engagement sehr.“ (Abraham Lehrer, VizeprĂ€sident des Zentralrats der Juden in Deutschland)

„Heute Macbeth, morgen Jago, ĂŒbermorgen Kermit, der Frosch. Gerd Buurmann (1976 im Emsland geboren) ist einer der vielseitigsten KĂŒnstler in Köln.“ (Barbro Schuchardt von der Kölnischen Rundschau)

Die FĂŒhrung dauert 2 Stunden.

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UnterstĂŒtzen Sie Gerd Buurmann

Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, in meiner Arbeit als Autor, KĂŒnstler oder Betreiber von „Tapfer im Nirgendwo“ unterstĂŒtzen wollen, ĂŒberweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto.

Die Kontodaten erhalten Sie von mir via Mail oder Telefon. Kontaktieren Sie mich einfach:

gerdbuurmann@hotmail.de
016098520957

Alles Liebe
und Danke fĂŒr Ihre UnterstĂŒtzung,
Gerd Buurmann

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Der Witz ist ein VerrĂ€ter!

Bei Humor hört der Spaß auf.

Wenn zwei Menschen nicht den gleichen Sinn von Humor haben, stehen sie sich so unversöhnlich gegenĂŒber wie Menschen, die an unterschiedliche Götter glauben. So wie Fundamentalisten einander vorwerfen, nicht an den richtigen Gott zu glauben, werfen sich Menschen mit unterschiedlichen Humorvorstellungen vor, einen schlechten oder gleich gar keinen Humor zu haben. Humor und Religionen sind wie FĂŒrze: Man glaubt, nur die der Anderen stinken.

Es gibt Menschen, die haben Witz, Humor und Ironie und dann gibt es jene, die bevorzugen Kabarett mit Gesinnungsgarantie. Sie verlangen nach dem Scherzkeks, der ein Feindbild zum Auslachen erwÀhlt. Sie wollen auslachen, nicht mitlachen. Sie brauchen ein Feindbild.

Mitlachen statt Auslachen ist die Kunst.

Alle Menschen haben Meinungen, das ist nichts besonderes, aber nicht alle haben ein feines GespĂŒr fĂŒr Humor oder ein ausgeprĂ€gtes Gehör fĂŒr Harmonie. Alle Menschen haben Überzeugungen, aber nicht alle sind Komponisten oder Humoristen. Wenn ich wĂ€hlen muss zwischen Ideologie und Witz, wĂ€hle ich den Witz, denn eine Überzeugung hat jeder, Sinn fĂŒr Humor jedoch nicht. Das gilt fĂŒr jeden kunstschaffenden Menschen: Mach, was Dich besonders macht. Eine Meinung hat jeder. Das macht auch Dich nicht besonders. Deine Kunst macht Dich besonders!

Es gibt Komiker, die zeigen mit dem Finger auf andere und es gibt Komiker, die zeigen mit dem Finger auf sich.

Jeder Mensch gibt Grund zu lachen, denn Menschen haben Ideologien, Religionen und Überzeugungen und die sind immer auch saukomisch. Es ist absolut berechtigt, darĂŒber Witze zu machen! Wenn jemand glaubt, ich beleidigte ihn, nur weil ich ĂŒber den Koran, das Evangelium, ein Manifest, Marx, Mohammed oder Jesus lache, dann soll er sich beleidigt fĂŒhlen. Wer glaubt, ich verachte ihn, nur weil ich Witze ĂŒber seinen Glauben mache, verwechselt sich mit seinen Überzeugungen. Der Mensch ist mehr als die Summe seiner Ideen!

Lachen ist keine freiwillige Sache.

Ein Mensch hört nicht einen Witz, sortiert ihn in seine Schubladen ein und entscheidet dann, ob er lacht. Wenn ein Witz gut ist, muss man lachen. Man kann gar nicht anders. Die Frage „Darf man darĂŒber lachen?“ ist daher absurd. Man lacht, weil man lachen muss! Man kann sich hinterher zwar schĂ€men, gelacht zu haben, so wie man sich schĂ€mt, in aller Öffentlichkeit eine Erektion bekommen zu haben, aber die Scham hilft nicht weiter. Das Lachen lĂ€sst sich nicht unterdrĂŒcken. Man kann höchstens hinterher lĂŒgen und sagen, man habe das ĂŒberhaupt nicht komisch gefunden, so wie manche ihre SexualitĂ€t verleugnen.

Das Lachen ist vom Willen entkoppelt wie die Lust.

Wenn jemand einen Witz macht, ĂŒber den man nicht lachen kann, dann lohnt es sich, die Ohren zu öffnen. Wenn nĂ€mlich andere lachen, dann wird es deren erogenen Lachmuskeln offenkundig stimuliert haben. Welches Recht haben wir, diesen Menschen das Lachen zu verbieten? Der Humor der Anderern ist keine krankhafte Perversion. Man muss den Humor nicht teilen, aber fĂŒr jede humoristische Spielart gibt es eine Zielgruppe.

Lachen ist Urlaub vom Leid. Lachen hilft, mit Dingen fertig zu werden und nicht zu verzweifeln.

Ein Comedian sucht nicht nach der universellen Wahrheit, sondern nach dem einzigartigen Lacher. Diese Suche ist stets auch ein Tanz am Abgrund des guten Geschmacks und jeder Comedian stolpert mal oder fliegt gehörig auf die Schnauze. Humor lebt von wilden Gedanken, von GrenzĂŒberschreitung und Unangepasstheit. Wer auf einer BĂŒhne ist und fĂŒr den Witz steht, betreibt Hochleistungssport. Die BĂŒhne ist stets Ausnahmezustand.

Dem Humor freien Lauf zu lassen, ermöglicht dem GegenĂŒber einen tiefen Blick in die eigene Seele, vor allem in die unbewussten Flecken dieser Seele und jede Seele hat Flecken. Schon oft habe ich mich durch mein Lachen verraten.

Der Witz ist ein VerrÀter!

Darum gehört der Witz auch zu den ersten Dingen, die Diktaturen verbieten.

Lachen ist gefÀhrlich!

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Ein radikales PlĂ€doyer fĂŒr Meinungsfreiheit

„Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafĂŒr einsetzen, dass Du es sagen darfst.“

Dieser Satz wird oft fĂ€lschlicherweise Voltaire zugeschrieben. Er stammt jedoch von Evelyn Beatrice Hall (1868 – 1956). Sie war eine englische Schriftstellerin und verwendete den Satz in ihrer im Jahr 1903 erschienen Biografie „The Life of Voltaire“ als Illustration der Philosophie von Voltaire! Die Behauptung, der Satz stamme von Voltaire, ist somit falsch, aber durch die Meinungsfreiheit geschĂŒtzt!

Oft höre ich, Meinungsfreiheit schließe keine Hassreden und Falschaussagen ein, aber genau das tut sie. Es ist die exakte Definition von Meinungsfreiheit, dass auch falsche Meinungen geĂ€ußert werden dĂŒrfen!

Es gibt kein Zuviel an Meinungsfreiheit. Entweder gibt es Meinungsfreiheit oder es gibt sie nicht. So einfach ist das!

Es gibt jedoch ein Zuviel an Angst und ein Zuviel an Beleidigtsein. Gegen Meinungen, die schmerzen, mögen sie nun schmerzen, weil sie wahr sind oder weil sie unwahr sind, hilft nur die Gegenrede als zivilisierte Form der Verteidigung.

Eine Beleidigung, die in die Richtung eines Menschen gefeuert wird, beleidigt den Menschen nur, wenn er die Beleidigung in seinem Kopf annimmt. Eine Faust oder eine Kugel jedoch, die in die Richtung eines Menschen abgefeuert wird, verletzt oder durchlöchert den Kopf unabhÀngig von der Haltung des Menschen. Wer eine Beleidigung nicht hört, lebt. Wer eine Kugel nicht hört, stirbt. Das ist der Unterschied!

Wer glaubt, ein Mensch sei eine Gefahr, weil er spricht, glaubt auch, eine Frau sei eine Gefahr, wenn sie ohne Verschleierung aus dem Haus geht.

Die Zensur ist fĂŒr die Redefreiheit das, was der Schleier fĂŒr die Rechte der Frau ist. Jede Frau darf selbst entscheiden, ob sie einen Schleier tragen möchte, so wie jeder Mensch selbst entscheiden darf, ob und zu was er oder sie schweigen will. Es darf keinen Zwang geben, weder fĂŒr den Schleier noch fĂŒr den Mantel des Schweigens!

Meinungsfreiheit gilt auch fĂŒr die Hassrede! Sonst mĂŒsste der Koran schon lĂ€ngst verboten worden sein, denn da stehen einige deutliche Aufrufe zur Gewalt drin.

Stellen Sie sich einfach mal vor, Sie sehen in eine Kneipe einen Mann mit einem Hakenkreuz am Revers. Sie wĂŒrden denken: „Oh, ein Nazi, dem gebe ich kein Bier aus.“ Jetzt stellen Sie sich aber mal vor, er trĂŒge dieses Hakenkreuz nicht, weil es verboten wĂ€re. Sie wĂŒrden sich vielleicht hinsetzen, sich vorstellen und er wĂŒrde Sie nicht mit „Heil Hitler“ begrĂŒĂŸen, weil das unter Hassrede fĂ€llt. Sie wĂŒrden ein wenig plaudern, dabei das ein oder andere Bier trinken, vielleicht sogar ein Bier ausgeben, bis das GesprĂ€ch auf ein Thema fĂ€llt, bei dem Sie plötzlich merken: „Scheiße, ein Nazi!“ Dann aber ist es zu spĂ€t. Sie haben ihm bereits ein Bier ausgegeben. Alles nur, weil ein Verbot des Hakenkreuzes und des Sagens von „Heil Hitler“ Sie daran gehindert hat, den Mann sofort als das zu erkennen, was er ist.

Ich möchte wissen, wie jemand drauf ist, bevor er zur Tat schreitet!

Zuhören ist ein prĂ€ventiver Schutzmechanismus. Nur so lerne ich das Innere eines Menschen kennen und kann rechtzeitig entscheiden, ob ich mich vor ihm schĂŒtzen oder von ihm lernen sollte. Meinungsfreiheit nutzt dem Gehassten immer mehr als dem Hassenden!

Wenn es Leuten schlecht geht, flĂŒchten sie. Manche flĂŒchten in andere LĂ€nder, andere flĂŒchten in Ideologien. Einige LĂ€nder und Ideologien sind gut, andere weniger. Wer das Äußern einer Meinung verbietet, sorgt lediglich dafĂŒr, dass die Meinung nur noch gedacht wird! Aber nur weil ich jemanden nicht mehr höre, heißt das nicht, dass er die Sache nicht mehr denkt. Die Meinung wird lediglich erst sichtbar, wenn sie sich zu einer Handlung entwickelt hat. Dann aber ist es oft zu spĂ€t!

Andere Meinungen ausklammern ist so effektiv wie das kleine Kind, das sich die HĂ€nde vor die Augen hĂ€lt und glaubt, so sei die Gefahr verschwunden. Internetseiten zu löschen, im Glauben, man wĂŒrde dadurch etwas verhindern, ist so produktiv, wie BĂŒcher zu verbrennen!

Es gibt Menschen, die sind so frei von jedem Zweifel und so sicher, auf der richtigen Seite des Lebens zu stehen, dass sie Gewalt rechtfertigen oder billigend in Kauf nehmen, um ihre Gewissheit zu manifestieren. Jeder Mensch lÀuft Gefahr, in das Schussfeld dieser Selbstgerechtigkeit zu geraten.

„Wehret den AnfĂ€ngen“ brĂŒllen diese gerechten Putztruppen und meinen damit doch nur die AnfĂ€nge einer Zukunft, die sie aus ihrer Angst konstruieren. Aus Angst nehmen sie andere Menschen als Geisel ihrer Vermutung. Diese Angst ist die Wurzel des totalitĂ€ren Denkens, die Gewalt ĂŒber Gedanken als PrĂ€ventivschlag ermöglicht.

Das Verbieten von Meinungen ist stets ein PrĂ€ventivschlag! Kann so ein PrĂ€ventivschlag gerechtfertigt sein? Bei der Verleihung des Böll-Preises sagte Herta MĂŒller einst:

„Wenn Hassparolen spazieren gehen, dann geht auch irgendwann ein Messer spazieren.“

Wer mit diesem Satz Meinungen verbieten möchte, muss auch fĂŒr ein Verbot des Korans plĂ€dieren, denn unzĂ€hlige Terroristen sind mit den Parolen des Korans spazieren gegangen, bevor sie zum Messer griffen.

Messer gehen jedoch nicht spazieren, weil vorher Parolen spazierten, sondern weil jene, die die Parolen grölen, die Messer bereits in ihren Hosen haben, um sie in genau dem Moment herauszuholen, da sie in der Lage sind, die Parolen der Anderen zum Schweigen zu bringen! Und die Menschen gleich mit. Das Problem ist nicht die Meinungsfreiheit, sondern der Wille der Hassenden, die Meinungsfreiheit mit Gewalt abzuschaffen. Gedanken verschwinden nicht, nur weil sie nicht mehr gesprochen werden.

Aus Worten werden Taten. Das stimmt. Aber Worte mĂŒssen nicht gesprochen werden, um zu Taten zu werden. Es reicht, wenn sie gedacht werden. Daher bringt es gar nichts, Taten dadurch verhindern zu wollen, dass man die Artikulation der Worte verbietet. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Wer die Artikulation von gewissen Worten verbietet, verhindert dadurch nicht, dass die Worte zu Taten werden. Er verhindert jedoch, dass die Tat rechtzeitig erkannt und gebannt werden kann.

Nur wer die brutalen Gedanken hört, kann sich wehren. Das Verbieten von Worten bringt rein gar nichts! Der Mensch, der in den Augen eines anderen Menschen ein Schwein ist, bleibt fĂŒr ihn ein Schwein, auch wenn er es nicht mehr sagen darf und auch das Messer in der Hose verschwindet nicht, wenn einem der Mund verboten wird!

Worte können zu Taten werden. Gerade deshalb mĂŒssen die Worte artikuliert werden dĂŒrfen.

Das Problem in der Zeit des Nationalsozialismus war nicht, dass „Der StĂŒrmer“ zu erwerben war, sondern die Tatsache, dass sich die Nationalsozialisten zunĂ€chst die persönliche und spĂ€ter auch die staatliche Gewalt nahmen, andere Meinungen und Zeitungen zu verbieten, die ohne Probleme die Ideologie der NSDAP hĂ€tten entlarven können.

Die Nationalsozialisten nutzen nicht die Meinungsfreiheit, um das Messer zu ziehen, sondern sie zogen die Messer, um die Meinungsfreiheit zu attackieren!

Nichts fĂŒrchten jene, die Unrecht haben, mehr als die Meinungsfreiheit! Darum erklĂ€rten auch die Nationalsozialisten in ihrem 25-Punkte-Program unter Punkt 23:

„Wir fordern den gesetzlichen Kampf gegen die bewußte politische LĂŒge und ihre Verbreitung durch die Presse. Um die Schaffung einer deutschen Presse zu ermöglichen, fordern wir, Zeitungen, die gegen das Gemeinwohl verstoßen, sind zu verbieten. Wir fordern den gesetzlichen Kampf gegen eine Kunst- und Literaturrichtung, die einen zersetzenden Einfluß auf unser Volksleben ausĂŒbt und die Schließung von Veranstaltungen, die gegen vorstehende Forderungen verstoßen.“

Aufgrund des „Gemeinwohls“, Meinungen kriminalisieren, Veranstaltungen schließen, BĂŒcher verbieten und Zeitungen abschaffen. Das ist die Gedankenwelt der Nazis. Sie lĂ€sst sich so zusammenfassen: „Wenn die LĂŒge spazieren geht, geht irgendwann auch die Zersetzung spazieren.“

Da trinke ich lieber englischen Tee mit Evelyn Beatrice Hall als diesen deutschen Muckefuck.

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Ich hatte nicht immer diese radikale Haltung zur Meinungsfreiheit. Die Haltung kam mit der Erfahrung. Wenn Sie mein persönlicher Weg zur radikalen Meinungsfreiheit interessiert, lesen Sie auch: „Der Artikel 5 Club“

(Foto: Maxi Gstettenbauer)

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#JeSuisMila

Mila Oriol ist ein selbstbewusstes und stolzes 16-jÀhriges MÀdchen aus Frankreich. Auf Instagram hat sie einige Videos veröffentlicht. Nicht alle können mit ihrem Selbstbewusstsein etwas anfangen.

Nachdem ein Mann sie als „dreckige Lesbe“ beleidigt hatte, weil ihm ihre offen erklĂ€rte HomosexualitĂ€t nicht gefiel und er seine Abneigung mit seiner muslimischen Religion gerechtfertigt hatte, erklĂ€rte Mila: „Ich verabscheue die Religion. Der Islam ist eine Religion des Hasses. Eure Religion ist Scheiße!“

Diese Aussage wurde dem 16-jÀhrigen MÀdchen zum VerhÀngnis. Nach ihrer Verteidigung wurde der jungen Frau von diversen MÀnnern mit Mord und Vergewaltigung gedroht. Die Drohungen wurden so gefÀhrlich, dass sie einige Zeit nicht mehr zur Schule gehen konnte und unter Polizeischutz gestellt werden musste.

Mila Oriol hat nichts anderes getan, als „Nein!“ zum Islam zu sagen und Nein heißt Nein!

Was Mila Oriol ĂŒber den Islam gesagt hat, haben auch schon erwachsene MĂ€nner ĂŒber das Christentum geschrieben. Die Wortwahl dieser MĂ€nner war teilweise nicht weniger drastisch als die Worte der jungen Frau.

Im Jahr 1927 zum Beispiel erschien das Werk „Warum ich kein Christ bin“ von Bertrand Russel. Er schrieb „mit vollster Überzeugung, dass die in ihren Kirchen organisierte christliche Religion der Hauptfeind des moralischen Fortschrittes in der Welt war und ist.”

Heinrich Böll schrieb, der deutsche Katholizismus sei “mies bis dreckig, in seinen Methoden dumm bis dreist.”

Albert Camus schrieb: “Unmoralisch ist das Christentum.”

Alle drei MĂ€nner bekamen einen Literaturnobelpreis. Was bekommt Mila Oriol? Mord- und Vergewaltigungsdrohungen!

Rassismus ist die Verurteilung eines Menschen aufgrund seiner Herkunft. Die Beurteilung eines Menschen aufgrund seiner Überzeugungen und Bekenntnisse jedoch nennt sich Kritik. Kritik ist kein Rassismus. Kritik war und ist der Motor der AufklĂ€rung!

Mila Oriol ist eine Stimme der AufklÀrung, eine teilweise vulgÀre, aber nichtsdestotrotz eine Stimme der AufklÀrung.

Wenn eine Religion nicht mehr kritisiert und beleidigt werden darf, wird sie totalitĂ€r. Das Recht auf Blasphemie sorgt dafĂŒr, dass Religionen menschlich bleiben. Wer sagt, der Soldat Mohammed, der vor eineinhalb Jahrtausenden gelebt hat, dĂŒrfe nicht karikiert werden, jedoch schweigt, wenn ein BĂ€cker aus Mekka hingerichtet wird, weil er Allah beleidigt hat, ist ein fundamentalistischer Fanatiker und hat jeden vulgĂ€ren Spott verdient. Ein Moslem, der den Koran wörtlich nimmt und sein Leben nach einem mordenden Feldherren aus der Mitte des ersten Jahrtausends ausrichtet, darf sich nicht wundern, wenn er verarscht wird.

Wer glaubt, ich verachte ihn, nur weil ich seinen Glauben kritisiere, verwechselt sich mit seinen Überzeugungen. Der Mensch aber ist mehr als die Summe seiner Ideen.

Mila Oriol hat unsere vollste UnterstĂŒtzung verdient. Wer bewusst zu Mila schweigt, verrĂ€t die AufklĂ€rung und steht in der Feigheit jener, die einst neben den Scheiterhaufen standen und zuschauten wie die Menschen verbrannt wurden, die es gewagt hatten, das Christentum zu kritisieren und zu beleidigen.

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NSDAP-Parteizugehörigkeit ist kein Grund fĂŒr Weg-Umbenennung

MĂŒnster – Vor einiger Zeit veröffentlichte ich einen Artikel ĂŒber einige Menschen, nach denen in Deutschland Straßen benannt sind. In dem Artikel schrieb ich, was diese geehrten Persönlichkeiten so alles gesagt und getan hatten. Bei manchen Worten und Taten, verschlug es mir die Sprache.

Georg Enders las meinen Artikel und schrieb daraufhin eine Brief an den OberbĂŒrgermeister der Stadt MĂŒnster, Markus Lewe und fragte, warum es in MĂŒnster einen Heinrich-Lersch-Weg gibt.

Lersch war Mitglied der NSDAP. Sein Spruch „Deutschland muss leben, und wenn wir sterben mĂŒssen!“ wurde 1935 ein Motto der Nationalsozialisten. Lersch hielt VortrĂ€ge vor der Hitlerjugend und vor anderen nationalsozialistischen Organisationen. Am 19. August 1934 unterzeichnete er einen Aufruf der Kulturschaffenden anlĂ€sslich der sogenannten Volksbefragung zur Vereinigung des Amtes des Reichskanzlers und ReichsprĂ€sidenten in der Person von Adolf Hitler und schwur Hitler öffentlich „treueste Gefolgschaft“.

Markus Lewe antwortete Georg Enders und erklĂ€rte in einem Brief, er sĂ€he fĂŒr eine Umbenennung „momentan keine Veranslassung“, da er ĂŒber bessere Informationen verfĂŒge. In seinem Schreiben betont er: „Diese Argumente stammen nicht aus Wikipedia, sondern sind ausnahmslos mit wissenschaftlichen Standars aus den Originalquellen ermittelt worden.“

Aus Briefen gehe zum Beispiel hervor, „dass Lersch es fĂŒr nötig hielt, sich mit dem neuen Regime anzufreunden, um die persönliche Existenz zu sichern.“ Na, wenn das kein Grund ist, der NSDAP beizutreten. Ein Briefpartner soll sogar gewusst haben, dass Lersch auf das, „was der Nationalsozialismus in den ersten Jahren als „Volksgemeinschaft“ anbot, hereingefallen ist.“ Ach so, dann ist Lersch also eigentlich ein Opfer der Nazis. Der Arme!

Kein Wunder, dass sich diese Informationen nicht auf Wikipedia finden. Briefe in denen irgendwelche Menschen erklĂ€ren, Mitglieder der NSDAP, die VortrĂ€ge vor Nazis hielten und sogar ein sogenanntes „Gelöbnis treuester Gefolgschaft“ gegenĂŒber Adolf Hitler abgaben, seien eigentlich nur arme Opfer, die auf die Nazis „hereingefallen“ seien, haben natĂŒrlich einen ganz eigenen wissenschaftlichen Wert. Da kann Wikipedia nicht mithalten.

Lewe betont zudem, dass es im Todesjahr von Lersch, 1936, Probleme gab, dem Verstorbenen ein EhrenbegrĂ€bnis zu geben. Lersch hatte sich wohl etwas zu sehr auf das Wort „Sozialismus“ in „Nationalsozialismus“ fokussiert und war daher in den Verdacht „kommunistischer Gesinnung“ gekommen. Ein Ehrengrab gab ihm die nationalsozialistische FĂŒhrung jedoch letztendlich doch.

Der OberbĂŒrgermeister von MĂŒnster stellt fest, zwar seien „durch weitere intensivierte Quellen Recherche eine NSDAP-Mitgliedschaft Heinrich Lerch nachgewiesen“, aber: „Die Parteizugehörigkeit alleine stellte kein Kriterium fĂŒr eine Umbenennung dar, sondern die Frage, ob eine Person als „aktive StĂŒtze“ des NS-Regimes anzusehen ist.“

Wenn eine Parteizugehörigkeit bei der NSDAP nicht ausschließt, in MĂŒnster einen Weg zu Ehren benannt zu bekommen, so schlage ich folgenden Kompromiss vor:

Sehr geehrter OberbĂŒrgmeister von MĂŒnster,

benennen Sie den Heinrich-Lersch-Weg einfach in Oskar-Schindler-Weg um. Nach Oskar Schindler ist in MĂŒnster noch keine Straße benannt. Sollte die Stadt MĂŒnster dieser Umbenennung zustimmen, so bin ich zufrieden und Sie haben immer noch einen Weg, der nach einem Mitglied der NSDAP benannt ist.

Einverstanden?

 

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Die Amis haben keine Kultur!

Als ich die Super Bowl Begegnung des Jahres 2020 zwischen den San Francisco 49ers und den Kansas City Chiefs schaute, dachte ich lange Zeit, Kansas City lĂ€ge in Kansas. Das stimmt zwar, denn Kansas City ist die drittgrĂ¶ĂŸte Stadt in Kansas, allerdings gehören die Kansas City Chiefs weder zu Kansas City in Kansas, noch zu Kansas City in Oregon oder Kansas City in Tennessee, sondern zu der grĂ¶ĂŸten Stadt in Missouri, die sich genau an der Grenze zu Kansas befindet, nĂ€mlich Kansas City.

Im Norden Missouris befindet sich Iowa. Dort fand ein Tag nach dem Super Bowl Spiel, das die Chiefs mit 20:31 fĂŒr sich entschieden, eine wichtige Vorwahl der Demokraten zur PrĂ€sidentschaftswahl statt. Als das ZDF Nachrichtenmagazin heute darĂŒber berichtete, wurde folgende Karte eingeblendet.

Bei dem gelb unterlegten Staat handelt es sich nicht um Iowa, sondern um Colorado. Rechts davon ist Kansas und rechts davon Missouri. Über Missouri wiederum ist Iowa und somit richtig weit weg von Colorado, was das ZDF jedoch zu Iowa erklĂ€rte.

„Die Amis haben keine Kultur. Sie wissen noch nicht einmal wo Belgien liegt!“

Haben Sie diesen oder einen Ă€hnlichen Ausspruch schon mal gehört? Bestimmt, denn er hat ĂŒberall in Deutschland Konjunktur, dabei ist er nichts weiter als ein arrogantes Vorurteil.

Die Vereinigten Staten von Amerika haben mehr MedizinnobelpreistrĂ€ger hervorgebracht als alle anderen LĂ€nder der Welt zusammen. Kein Land hat mehr PhysiknobelpreistrĂ€ger hervorgebracht als die USA und das Land hat sogar doppelt so viele WirtschaftsnobelpreistrĂ€ger als alle anderen LĂ€nder der Welt zusammen. Auch bei dem Friedensnobelpreis liegt die USA auf Platz 1. Nur bei dem Literaturnobelpreis befinden sich die USA hinter Frankreich und dem Vereinigten Königreich auf Platz 3. Wenigstens etwas. Die USA an der Spitze aller Rubriken, das könnte Europa nun wirklich nicht ertragen, denn schließlich sind die USA ja ohne Kultur und Bildung.

Je Ă€lter ich werde, je mehr staune ich ĂŒber die menschliche VirtuositĂ€t im ErtrĂ€umen, Erdichten und freien Erfinden von ZustĂ€nden und VerhĂ€ltnissen, die nicht existieren. Ich staune ĂŒber die unverfrorene Dreistigkeit im Ableugnen und Hinwegsehen, Tatsachen gegenĂŒber, die offen vor aller Welt liegen. Dass die USA keine Kultur haben, gehört zu den Erlogenheiten, die ĂŒberall in Deutschland Kurs haben. Und doch bedarf es hier nicht einmal eines tieferen Nachdenkens, ein flĂŒchtiges Hineinblicken in unsere Gesellschaft genĂŒgt, um zu erkennen, dass im Großen und Ganzen die USA unsere Kultur beflĂŒgeln und bestimmen. Unsere Kinos werden von amerikanischen Filme bestimmt, in unserem Fernsehen sind amerikanische Serien die grĂ¶ĂŸten Erfolge und amerikanische Musik bestimmt unsere Moden und unser Trends. Ob Stand Up, Poetry Slam oder Open Mike, so gut wie jede deutsche Dichterin und jeder deutsche Denker, wurde von den USA beeinflusst und spricht die Sprache, in der die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika geschrieben wurde.

„Die Amis wissen nicht einmal, was die Hauptstadt von DĂ€nemark ist oder wie der PrĂ€sident von Frankreich heißt.“

Mal ganz angesehen davon, dass ich nicht einmal mit Sicherheit sagen kann, ob die meisten Deutschen diese beiden Fragen beantworten können, offenbart diese Aussage nur die eigene Selbstherrlichkeit. Warum soll ein Amerikaner mit afrikanischer Herkunft die Hauptstadt von Deutschland kennen? Wissen denn die meisten EuropĂ€er, wie die HauptstĂ€dte der ElfenbeinkĂŒste, Togo oder Nigeria heißen? Warum muss ein Amerikaner mit asiatischer Herkunft wissen, wie die deutsche Kanzlerin heißt? Kann denn jeder Deutsche den Namen des chinesischen Staatsoberhaupts nennen?

Die USA sind das kulturell vielfÀltigste Land der Welt. Nirgendwo sonst auf der Welt kommen die Menschen aller Kulturen so selbstverstÀndlich zusammen und schaffen gemeinsam diese atemberaubende Multikultur, die zum Vorbild aller Kunstschaffenden weltweit wurde. Im 20. Jahrhundert revolutionierten die USA die Kultur mit Jazz, Blues und HipHop, mit Hollywood und Pop Art.

Die besten UniversitÀten der Welt liegen, nimmt man nun die Ergebnisse des QS World University Rankings oder des Shanghai Rankings, in den USA. Deutschland ist im oberen Bereich dieser Hochschulrankings gar nicht vertreten.

Wenn jemand in Europa sagt, die Amerikaner hĂ€tten keine Bildung, dann kritisiert er damit in Wirklichkeit nur jene Amerikaner, die die Frechheit besitzen, Europa nicht fĂŒr den Mittelpunkt der Welt zu halten. Das aber ist pure SelbstĂŒberschĂ€tzung und Selbstherrlichkeit. Interessanterweise sind SelbstĂŒberschĂ€tzung und Selbstherrlichkeit genau die Eigenschaften, die den Amerikanern gerne von europĂ€ischer Seite attestiert werden.

Zwei Weltkriege erschĂŒtterten Europa. Sie konnten erst durch das Eingreifen Amerikas beendet werden. Deutschland stĂŒrzte die Welt im Zweiten Weltkrieg in eine bis dahin ungeahnte Katastrophe. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es Amerikaner, die Deutschen in sogenannten Amerika-HĂ€usern Demokratie beibrachten. Wenn man all das weiß, wirkt die deutsche Arroganz gegenĂŒber den USA mehr als nur befremdlich.

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Das ist nicht okay, Jan!

Ich bin dafĂŒr, dass jemand, der unter 50 Jahre alt ist und dessen beide Eltern nicht in Deutschland geboren worden sind, die nĂ€chste deutsche Bundeskanzlerin wird.ïżŒ

Das schrieb Jan Böhmermann auf Twitter. Unter dem Tweet sammelten sich schnell die verschiedensten Kommentare. Manche schlugen sogar ein paar Kandidatinnen vor. Benedikt Brechtken zum Beispiel schlug Ivanka Trump vor und zeigte damit auf ironische Weise, dass am Ende nicht Geschlecht und Herkunft ĂŒber den Charakten eines Menschen entscheiden, sondern Worte und Taten.

Benedikt Brechtken ist Vorsitzender der Jungen Liberalen fĂŒr den Kreis Recklinghausen. Er ist ein Verfechter liberaler Werte und erklĂ€rter Gegner aller rassistischen und sexistischen Diskurse. Neben Brechtgen kommentierten auch Menschen den Tweet von Jan Böhmermann, die nicht die Werte von dem jungem Liberalen teilen. Einer davon heißt Martin Sellner. Er ist Sprecher der rechtsextremen IdentitĂ€ren Bewegung Österreich.

Sellner und Brechtken sind ideologisch meilenweit voneinander entfernt. Jan Böhmermann aber schrieb auf Twitter:

Es dauert im Netz knapp 12 Stunden, bis rechtsextreme Empörungstrigger von der FDP Recklinghausen bis zu den Kernfaschos der IdentitÀren Bewegung durchgereicht werden. Wie schnell, anonym und einfach lÀuft es andersherum? Und wie oft ist das in den letzten 5 Jahren geschehen?

Jan Böhmermann brachte einen jungen Mann, der fĂŒr liberale und demokratische Werte streitet, in schĂ€digender Weise mit einer rechtsextremen Ideologie in Verbindung und insinuierte so eine ideologische Verbindung.

Benedikt Brechtken spricht sich auf Twitter offen gegen rechtsextreme Tendenzen aus und kĂ€mpft gegen antisemitische Strukturen in der deutschen Politik. Ausgerechnet diesem jungem Politiker unterstellt Jan Böhmermann eine politische NĂ€he zu einem, wie er sagt „Kernfascho“.

Das ist nicht okay, Jan!

In der Politik geht es um Macht. Die Frage nach dem Umgang mit Macht ist daher ein notwendiges moralisches Thema fĂŒr jeden politischen Menschen. Mediale Reichweite ist Macht. Je mehr Reichweite ein Mensch hat, umso mĂ€chtiger ist er. Wer die Macht hat, Teil des Sprachrohrs der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zu sein, bekommt dadurch extrem viel Reichweite.

Durch das ZDF hĂ€lt Jan Böhmermann ein Megaphon in der Hand, dem er den grĂ¶ĂŸten Teil seiner ĂŒber zwei Millionen Follower auf Twitter verdankt. Wer so eine Macht inne hat, kann damit anderen Menschen empfindlich schaden. Diese Macht zu missbrauchen, ist fĂŒr Menschen, die etwas in der Gesellschaft bewegen oder verĂ€ndern wollen, so verfĂŒhrerisch wie unmoralisch.

Jan Böhmermann hat diese Macht missbraucht und einen jungen Politiker, der sich gegen Hass und Hetze stellt, in ein schĂ€digendes Spottlicht gestellt, auf das ĂŒber zwei Millionen Menschen blicken.

Ich spĂŒre, dass Jan Böhmermann ein Mann ist, dem Anstand und Fairness viel bedeuten. Darum gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass er sein Megaphon nutzt, um seinen Missbrauch wiedergutzumachen und vor allem, um öffentlich bei Benedikt Brechtken um Entschuldigung zu bitten.

Sollte ich mit meinem GespĂŒr daneben liegen, sollte das ZDF darĂŒber nachdenken, dem Jan das Megaphon wegzunehmen.

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