#CoronaKunst

Liebe Leserinnen und Leser,

Die momentane Situation rund um COVID-19 trifft freischaffende KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler mitten ins Mark. Daher habe ich eine persönliche Bitte an Sie.

Auf alle selbststĂ€ndig arbeitenden KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler kommen jetzt harte Zeiten zu. Das in vielen FĂ€llen eh schon am Existenzminimum gefĂŒhrte Leben wird durch die AusfĂ€lle im Theaterbereich auf eine harte Probe gestellt.

Kunst und die Arbeit von kunstschaffenden Menschen ist wertvoll.

Aufgrund des Virus werden Sie in den nĂ€chsten Tagen weniger ausgehen und vermutlich kein Theater besuchen. Sie wĂŒrden mich sehr glĂŒcklich machen, wenn Sie die so freigewordene Zeit nutzen, um im Internet zu schauen, ob Sie dort Kontakt zu einem KĂŒnstler oder einer KĂŒnstlerin ihrer Vorliebe aufnehmen können.

Wenn es eine Dichterin, einen Musiker, eine Kabarettistin, einen Stand-Up-Comedian, eine Schauspielerin, einen TĂ€nzer, eine Slam Poetin oder irgendeine andere Person gibt, deren Kunst sie wertschĂ€tzen, weil die Kunst etwas bei Ihnen bewegt hat und sei es auch nur ein Lachen oder eine TrĂ€ne gewesen, dann kontaktieren Sie diesen Menschen und bitten ihn um die Möglichkeit, ihm einen kleinen Beitrag zu ĂŒberweisen.

Wen es auch nur 10,- Euro sind, oder vielleicht 20,-, 50,- oder 100,- Euro, diese Geste wird unglaublich viel bewegen. Die Kunst ist eh schon ein hartes Brot, aber die kommenden finanziellen AusfĂ€lle werden viele freie KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler vor große Herausforderungen stellen.

Wenn Sie immer schon mal Danke sagen wollte fĂŒr die Kunst, die sie bewegt hat, so ist jetzt der richtige Augenblick gekommen.

Ich bin auch KĂŒnstler. Selbst wenn ich nur von einem Menschen angeschrieben werde, der mir etwas Geld ĂŒberweisen möchte, so wird mir damit schon geholfen sein. In Zeiten der Ungewissheit ist schon ein kleines Pflaster der Zuversicht und SolidaritĂ€t sehr wirksam.

UnterstĂŒtzen Sie einen KĂŒnstler oder eine eine KĂŒnstlerin Ihrer Wahl.

Sollten Sie diese Aktion unterstĂŒtzen, teilen Sie diesen Text gerne mit dem Hashtag #CoronaKunst

Sollten Sie eine KĂŒnstlerin oder ein KĂŒnstler sein, der oder die etwas Hilfe gebrauchen kann, nutzen Sie diesen Hashtag: #CoronaKĂŒnstler oder #CoronaKĂŒnstlerin

So weiß jeder, dass Sie von dieser Aktion wissen und muss Sie nur noch fragen, wie auf auf welches Konto er oder sie die Überweisung tĂ€tigen soll. Es ist keine Schande, um Hilfe zu bitten, wenn Sie gebraucht wird.

Lassen Sie diese Aktion ein Virus fĂŒr die Kunst und fĂŒr das Leben werden.

#CoronaKunst soll sich grĂ¶ĂŸtmöglich verbreiten, damit es so viel Hilfe wie möglich geben kann.

Lassen Sie sich infizieren von der Hilfsbereitschaft.

Alles Liebe und bleiben Sie gesund,
Gerd Buurmann

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Kunst gegen Bares 2020

Auch im Jahr 2020 wird die Kunst gegen Bares wieder jeden Montag stattfinden, außer in der Zeit, da die Theater geschlossen bleiben mĂŒssen aufgrund von COVID-19.

Kunst gegen Bares mit Hildegart Scholten und Gerd Buurmann
jeden Montag um 20 Uhr
im ARTheater, EhrenfeldgĂŒrtel 127 in Köln

Die Show in der Kunst und Kapital aufeinander treffen.

KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler prĂ€sentieren auf der BĂŒhne des ARTheaters ihre Talente – vom Schauspielmonolog zum KabarettbrĂŒller, von eigenen Gedichten bis zur Eier-Jonglage im Kopfstand – eigentlich eine typische Offene BĂŒhne Show. Kunst gegen Bares ist die Muppet Show, nur mit Menschen statt Schweinen, Fröschen, Hunden und BĂ€ren. Alles nach dem Motto von Onkel Kermit: “Nimm, was Du hast und flieg damit!“

Das Besondere ist zudem die Form, wie die Kunst entlöhnt wird. Das Publikum entscheidet selbst, wieviel Bares die jeweilige Kunst wert ist. Vor jeder KĂŒnstlerin und vor jedem KĂŒnstler steht ein eigenes Sparschwein, in das nach GutdĂŒnken Geld geworfen werden kann. Bei der Kunst Gegen Bares trifft Kunst auf Kapital, und alles ohne ZwischenhĂ€ndler! Hier ist das Publikum Chef!

Es gibt genau sieben Regeln fĂŒr die Kunst gegen Bares:

1. Zuschauer und KĂŒnstler kommen den selben Weg und sitzen zusammen im Publikum.

2. Die KĂŒnstler werden von der Moderation aus dem Publikum auf die BĂŒhne geholt.

3. Die PrĂ€sentationszeit muss fĂŒr alle KĂŒnstler gleich beschrĂ€nkt sein.

4. Jeder KĂŒnstler erhĂ€lt nach der PrĂ€sentation ein Sparschwein.

5. Das Publikum wird aufgefordert, die erlebte Kunst durch Geldeinwurf in die jeweiligen Sparschweine zu honorieren.

6. Das Geld in den Sparschweinen geht zu 100% an die KĂŒnstler.

7. Der KĂŒnstler oder die KĂŒnstlerin mit dem meisten Geld wird zum „Kapitalistenschwein des Abends“ gekĂŒrt.

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UnterstĂŒtzen Sie Gerd Buurmann

Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, in meiner Arbeit als Autor, KĂŒnstler oder Betreiber von „Tapfer im Nirgendwo“ unterstĂŒtzen wollen, ĂŒberweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto.

Die Kontodaten erhalten Sie von mir via Mail oder Telefon. Kontaktieren Sie mich einfach:

gerdbuurmann@hotmail.de
016098520957

Alles Liebe
und Danke fĂŒr Ihre UnterstĂŒtzung,
Gerd Buurmann

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Der Witz ist ein VerrĂ€ter!

Bei Humor hört der Spaß auf.

Wenn zwei Menschen nicht den gleichen Sinn von Humor haben, stehen sie sich so unversöhnlich gegenĂŒber wie Menschen, die an unterschiedliche Götter glauben. So wie Fundamentalisten einander vorwerfen, nicht an den richtigen Gott zu glauben, werfen sich Menschen mit unterschiedlichen Humorvorstellungen vor, einen schlechten oder gleich gar keinen Humor zu haben. Humor und Religionen sind wie FĂŒrze: Man glaubt, nur die der Anderen stinken.

Es gibt Menschen, die haben Humor und Ironie und dann gibt es jene, die bevorzugen den Spott mit Gesinnungsgarantie. Sie verlangen nach dem Scherzkeks, der ein Feindbild zum Auslachen erwĂ€hlt. Sie wollen eine Horde sein und gemeinsam schenkelklopfend auslachen. Sie brauchen ein Feindbild. FĂŒr sie ist das Lachen ein ZĂ€hnezeigen. Sie wollen mit ihren Witzen vernichten. Nicht selten findet sich diese Form des vernichtenden Spotts im Karneval und Kabarett.

Mitlachen statt Auslachen ist die Kunst.

Alle Menschen haben Meinungen, das ist nichts besonderes, aber nicht alle haben ein feines GespĂŒr fĂŒr Humor oder ein ausgeprĂ€gtes Gehör fĂŒr Harmonie. Alle Menschen haben Überzeugungen, aber nicht alle sind Komponisten oder Humoristen. Wenn ich wĂ€hlen muss zwischen Ideologie und Witz, wĂ€hle ich den Witz, denn eine Überzeugung hat jeder, Sinn fĂŒr Humor jedoch nicht. Das gilt fĂŒr jeden kunstschaffenden Menschen: Mach, was Dich besonders macht. Eine Meinung hat jeder. Das macht auch Dich nicht besonders. Deine Kunst macht Dich besonders!

Es gibt Komiker, die zeigen mit dem Finger auf andere und es gibt Komiker, die zeigen mit dem Finger auf sich.

Jeder Mensch gibt Grund zu lachen, denn Menschen haben Ideologien, Religionen und Überzeugungen und die sind immer auch saukomisch. Es ist absolut berechtigt, darĂŒber Witze zu machen! Wenn jemand glaubt, ich beleidigte ihn, nur weil ich ĂŒber den Koran, das Evangelium, ein Manifest, Marx, Mohammed oder Jesus lache, dann soll er sich beleidigt fĂŒhlen. Wer glaubt, ich verachte ihn, nur weil ich Witze ĂŒber seinen Glauben mache, verwechselt sich mit seinen Überzeugungen. Der Mensch ist mehr als die Summe seiner Ideen!

Lachen ist keine freiwillige Sache.

Ein Mensch hört nicht einen Witz, sortiert ihn in seine Schubladen ein und entscheidet dann, ob er lacht. Wenn ein Witz gut ist, muss man lachen. Man kann gar nicht anders. Die Frage „Darf man darĂŒber lachen?“ ist daher absurd. Man lacht, weil man lachen muss! Man kann sich hinterher zwar schĂ€men, gelacht zu haben, so wie man sich schĂ€mt, in aller Öffentlichkeit eine Erektion bekommen zu haben, aber die Scham hilft nicht weiter. Das Lachen lĂ€sst sich nicht unterdrĂŒcken. Man kann höchstens hinterher lĂŒgen und sagen, man habe das ĂŒberhaupt nicht komisch gefunden, so wie manche ihre SexualitĂ€t verleugnen.

Das Lachen ist vom Willen entkoppelt wie die Lust.

Wenn jemand einen Witz macht, ĂŒber den man nicht lachen kann, dann lohnt es sich, die Ohren zu öffnen. Wenn nĂ€mlich andere lachen, dann wird es deren erogenen Lachmuskeln offenkundig stimuliert haben. Welches Recht haben wir, diesen Menschen das Lachen zu verbieten? Der Humor der Anderern ist keine krankhafte Perversion. Man muss den Humor nicht teilen, aber fĂŒr jede humoristische Spielart gibt es eine Zielgruppe.

Lachen ist Urlaub vom Leid. Lachen hilft, mit Dingen fertig zu werden und nicht zu verzweifeln.

Ein Comedian sucht nicht nach der universellen Wahrheit, sondern nach dem einzigartigen Lacher. Diese Suche ist stets auch ein Tanz am Abgrund des guten Geschmacks und jeder Comedian stolpert mal oder fliegt gehörig auf die Schnauze. Humor lebt von wilden Gedanken, von GrenzĂŒberschreitung und Unangepasstheit. Wer auf einer BĂŒhne ist und fĂŒr den Witz steht, betreibt Hochleistungssport. Die BĂŒhne ist stets Ausnahmezustand.

Dem Humor freien Lauf zu lassen, ermöglicht dem GegenĂŒber einen tiefen Blick in die eigene Seele, vor allem in die unbewussten Flecken dieser Seele und jede Seele hat Flecken. Schon oft habe ich mich durch mein Lachen verraten.

Der Witz ist ein VerrÀter!

Darum gehört der Witz auch zu den ersten Dingen, die Diktaturen verbieten.

Lachen ist gefÀhrlich!

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Ein radikales PlĂ€doyer fĂŒr Meinungsfreiheit

„Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafĂŒr einsetzen, dass Du es sagen darfst.“

Dieser Satz wird oft fĂ€lschlicherweise Voltaire zugeschrieben. Er stammt jedoch von Evelyn Beatrice Hall (1868 – 1956). Sie war eine englische Schriftstellerin und verwendete den Satz in ihrer im Jahr 1903 erschienen Biografie „The Life of Voltaire“ als Illustration der Philosophie von Voltaire! Die Behauptung, der Satz stamme von Voltaire, ist somit falsch, aber durch die Meinungsfreiheit geschĂŒtzt!

Oft höre ich, Meinungsfreiheit schließe keine Hassreden und Falschaussagen ein, aber genau das tut sie. Es ist die exakte Definition von Meinungsfreiheit, dass auch falsche Meinungen geĂ€ußert werden dĂŒrfen!

Es gibt kein Zuviel an Meinungsfreiheit. Entweder gibt es Meinungsfreiheit oder es gibt sie nicht. So einfach ist das!

Es gibt jedoch ein Zuviel an Angst und ein Zuviel an Beleidigtsein. Gegen Meinungen, die schmerzen, mögen sie nun schmerzen, weil sie wahr sind oder weil sie unwahr sind, hilft nur die Gegenrede als zivilisierte Form der Verteidigung.

Eine Beleidigung, die in die Richtung eines Menschen gefeuert wird, beleidigt den Menschen nur, wenn er die Beleidigung in seinem Kopf annimmt. Eine Faust oder eine Kugel jedoch, die in die Richtung eines Menschen abgefeuert wird, verletzt oder durchlöchert den Kopf unabhÀngig von der Haltung des Menschen. Wer eine Beleidigung nicht hört, lebt. Wer eine Kugel nicht hört, stirbt. Das ist der Unterschied!

Wer glaubt, ein Mensch sei eine Gefahr, weil er spricht, glaubt auch, eine Frau sei eine Gefahr, wenn sie ohne Verschleierung aus dem Haus geht.

Die Zensur ist fĂŒr die Redefreiheit das, was der Schleier fĂŒr die Rechte der Frau ist. Jede Frau darf selbst entscheiden, ob sie einen Schleier tragen möchte, so wie jeder Mensch selbst entscheiden darf, ob und zu was er oder sie schweigen will. Es darf keinen Zwang geben, weder fĂŒr den Schleier noch fĂŒr den Mantel des Schweigens!

Meinungsfreiheit gilt auch fĂŒr die Hassrede! Sonst mĂŒsste der Koran schon lĂ€ngst verboten worden sein, denn da stehen einige deutliche Aufrufe zur Gewalt drin.

Stellen Sie sich einfach mal vor, Sie sehen in eine Kneipe einen Mann mit einem Hakenkreuz am Revers. Sie wĂŒrden denken: „Oh, ein Nazi, dem gebe ich kein Bier aus.“ Jetzt stellen Sie sich aber mal vor, er trĂŒge dieses Hakenkreuz nicht, weil es verboten wĂ€re. Sie wĂŒrden sich vielleicht hinsetzen, sich vorstellen und er wĂŒrde Sie nicht mit „Heil Hitler“ begrĂŒĂŸen, weil das unter Hassrede fĂ€llt. Sie wĂŒrden ein wenig plaudern, dabei das ein oder andere Bier trinken, vielleicht sogar ein Bier ausgeben, bis das GesprĂ€ch auf ein Thema fĂ€llt, bei dem Sie plötzlich merken: „Scheiße, ein Nazi!“ Dann aber ist es zu spĂ€t. Sie haben ihm bereits ein Bier ausgegeben. Alles nur, weil ein Verbot des Hakenkreuzes und des Sagens von „Heil Hitler“ Sie daran gehindert hat, den Mann sofort als das zu erkennen, was er ist.

Ich möchte wissen, wie jemand drauf ist, bevor er zur Tat schreitet!

Meinungsfreiheit ist ein prĂ€ventiver Schutzmechanismus. Nur durch die Artikulation der Gedanken lerne ich das Innere eines Menschen kennen und kann so rechtzeitig entscheiden, ob ich mich vor ihm schĂŒtzen sollte oder von ihm lernen kann. Meinungsfreiheit nutzt dem Gehassten immer mehr als dem Hassenden!

Wenn es Leuten schlecht geht, flĂŒchten sie. Manche flĂŒchten in andere LĂ€nder, andere flĂŒchten in Ideologien. Einige LĂ€nder und Ideologien sind gut, andere weniger. Wer das Äußern einer Meinung verbietet, sorgt lediglich dafĂŒr, dass die Meinung nur noch gedacht wird! Aber nur weil ich jemanden nicht mehr höre, heißt das nicht, dass er die Sache nicht mehr denkt. Die Meinung wird lediglich erst sichtbar, wenn sie sich zu einer Handlung entwickelt hat. Dann aber ist es oft zu spĂ€t!

Andere Meinungen ausklammern ist so effektiv wie das kleine Kind, das sich die HĂ€nde vor die Augen hĂ€lt und glaubt, so sei die Gefahr verschwunden. Internetseiten zu löschen, im Glauben, man wĂŒrde dadurch etwas verhindern, ist so produktiv, wie BĂŒcher zu verbrennen!

Es gibt Menschen, die sind so frei von jedem Zweifel und so sicher, auf der richtigen Seite des Lebens zu stehen, dass sie Gewalt rechtfertigen oder billigend in Kauf nehmen, um ihre Gewissheit zu manifestieren. Jeder Mensch lÀuft Gefahr, in das Schussfeld dieser Selbstgerechtigkeit zu geraten.

„Wehret den AnfĂ€ngen“ brĂŒllen diese gerechten Putztruppen und meinen damit doch nur die AnfĂ€nge einer Zukunft, die sie aus ihrer Angst konstruieren. Aus Angst nehmen sie andere Menschen als Geisel ihrer Vermutung. Diese Angst ist die Wurzel des totalitĂ€ren Denkens, die Gewalt ĂŒber Gedanken als PrĂ€ventivschlag ermöglicht.

Das Verbieten von Meinungen ist stets ein PrĂ€ventivschlag! Kann so ein PrĂ€ventivschlag gerechtfertigt sein? Bei der Verleihung des Böll-Preises sagte Herta MĂŒller einst:

„Wenn Hassparolen spazieren gehen, dann geht auch irgendwann ein Messer spazieren.“

Wer mit diesem Satz Meinungen verbieten möchte, muss auch fĂŒr ein Verbot des Korans plĂ€dieren, denn unzĂ€hlige Terroristen sind mit den Parolen des Korans spazieren gegangen, bevor sie zum Messer griffen.

Messer gehen jedoch nicht spazieren, weil vorher Parolen spazierten, sondern weil jene, die die Parolen grölen, die Messer bereits in ihren Hosen haben, um sie in genau dem Moment herauszuholen, da sie in der Lage sind, die Parolen der Anderen zum Schweigen zu bringen! Und die Menschen gleich mit. Das Problem ist nicht die Meinungsfreiheit, sondern der Wille der Hassenden, die Meinungsfreiheit mit Gewalt abzuschaffen. Gedanken verschwinden nicht, nur weil sie nicht mehr gesprochen werden.

Aus Worten werden Taten. Das stimmt. Aber Worte mĂŒssen nicht gesprochen werden, um zu Taten zu werden. Es reicht, wenn sie gedacht werden. Daher bringt es gar nichts, Taten dadurch verhindern zu wollen, dass man die Artikulation der Worte verbietet. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Wer die Artikulation von gewissen Worten verbietet, verhindert dadurch nicht, dass die Worte zu Taten werden. Er verhindert jedoch, dass die Tat rechtzeitig erkannt und gebannt werden kann.

Nur wer die brutalen Gedanken hört, kann sich wehren. Das Verbieten von Worten bringt rein gar nichts! Der Mensch, der in den Augen eines anderen Menschen ein Schwein ist, bleibt fĂŒr ihn ein Schwein, auch wenn er es nicht mehr sagen darf und auch das Messer in der Hose verschwindet nicht, wenn einem der Mund verboten wird!

Worte können zu Taten werden. Gerade deshalb mĂŒssen die Worte artikuliert werden dĂŒrfen.

Das Problem in der Zeit des Nationalsozialismus war nicht, dass „Der StĂŒrmer“ zu erwerben war, sondern die Tatsache, dass sich die Nationalsozialisten zunĂ€chst die persönliche und spĂ€ter auch die staatliche Gewalt nahmen, andere Meinungen und Zeitungen zu verbieten, die ohne Probleme die Ideologie der NSDAP hĂ€tten entlarven können.

Die Nationalsozialisten nutzen nicht die Meinungsfreiheit, um das Messer zu ziehen, sondern sie zogen die Messer, um die Meinungsfreiheit zu attackieren!

Nichts fĂŒrchten jene, die Unrecht haben, mehr als die Meinungsfreiheit! Darum erklĂ€rten auch die Nationalsozialisten in ihrem 25-Punkte-Program unter Punkt 23:

„Wir fordern den gesetzlichen Kampf gegen die bewußte politische LĂŒge und ihre Verbreitung durch die Presse. Um die Schaffung einer deutschen Presse zu ermöglichen, fordern wir, Zeitungen, die gegen das Gemeinwohl verstoßen, sind zu verbieten. Wir fordern den gesetzlichen Kampf gegen eine Kunst- und Literaturrichtung, die einen zersetzenden Einfluß auf unser Volksleben ausĂŒbt und die Schließung von Veranstaltungen, die gegen vorstehende Forderungen verstoßen.“

Aufgrund des „Gemeinwohls“, Meinungen kriminalisieren, Veranstaltungen schließen, BĂŒcher verbieten und Zeitungen abschaffen. Das ist die Gedankenwelt der Nazis. Sie lĂ€sst sich so zusammenfassen: „Wenn die LĂŒge spazieren geht, geht irgendwann auch die Zersetzung spazieren.“

Da trinke ich lieber englischen Tee mit Evelyn Beatrice Hall als diesen deutschen Muckefuck.

***

Ich hatte nicht immer diese radikale Haltung zur Meinungsfreiheit. Die Haltung kam mit der Erfahrung. Wenn Sie mein persönlicher Weg zur radikalen Meinungsfreiheit interessiert, lesen Sie auch: „Der Artikel 5 Club“

(Foto: Maxi Gstettenbauer)

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Wozu sind wir bereit?

Welche Opfer sind wir bereit, in dieser Krise zu geben?
Welche Opfer erwarten wir von anderen?
Wozu sind wir bereit, andere zu zwingen?
Welche Mittel sind wir bereit, anzuwenden?
Wieviel Angst haben wir?

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Ich brauche kurz Eure Hilfe

YouTube hat kĂŒrzlich die Mindestanforderungen fĂŒr die Nutzung von YouTube Live auf MobilgerĂ€ten erhöht. Damit ich ĂŒber MobilgerĂ€te live streamen kann, muss mein Kanal jetzt mindestens 1.000 Abonnenten haben.

Da bin ich leider noch weit entfernt von. Aber ich wĂŒrde gerne live streamen und habe nur MobilgerĂ€te. Daher:

Wenn Ihr möchtet, könnt Ihr bei meinem Kanal auf YouTube bitte den „Abonnieren“-Knopf drĂŒcken und vielleicht sogar noch Freundinnen und Freunde bitten, dies zu tun?

Das wÀre wunderbar.

Sobald ich bei 1000 Abonnenten bin, werde ich live streamen.

Danke.

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Ein 1. April, der kein Scherz war

Am Samstag, 1. April 1933, begann um 10 Uhr der Boykott von jĂŒdischen GeschĂ€ften. Überall in deutschen StĂ€dten standen uniformierte und teils auch bewaffnete SA-, HJ- und Stahlhelm-Posten vor jĂŒdischen GeschĂ€ften, Banken, Arztpraxen und Anwaltskanzleien und hinderten etwaige Kunden daran, diese zu betreten. Schilder, Plakate und Parolen forderten: „Deutsche! Wehrt euch! Kauft nicht bei Juden! – Die Juden sind unser UnglĂŒck! – Meidet jĂŒdische Ärzte! – Geht nicht zu jĂŒdischen RechtsanwĂ€lten!“

Auch heute noch ist diese MentalitÀt aktiv. Tapfer im Nirgendwo prÀsentiert daher ein paar Artikel zum aktuellen Judenboykott, der sich geschickt als Israelboykott tarnt.

In Israel sind Muslime und Juden Nachbarn. Sie lachen, leben, essen, weinen und streiten zusammen. Sie leben miteinander und teilen sich die selbe Heimat. Sie sind gemeinsam in Treue verbunden mit den BĂ€umen, FlĂŒssen, Bergen, Meeren, Seen, StĂ€dten, Dörfern und WĂŒsten ihrer Heimat, die sie oft in ihre Gebete einschließen. Sie sind eine Familie! Manche sind entfernte Verwandte, andere wiederum frisch nah Vertraute. All diese Menschen werden von der weltweit agierenden Kampagne des Hasses BDS diskriminiert. Der Name BDS steht fĂŒr „Boycott, Divestment and Sanctions“. BDS wendet sich gegen ganz Israel und kulturell gegen alles, was israelisch ist. Die Politik von BDS lĂ€sst sich auf diese Formeln bringen:

„Kauft nicht bei Israelis!“
„Israel ist unser UnglĂŒck!“
„Kein Dialog mit Israel!“

Mit einer Person, die man boykottiert und mit der man nicht redet, kann man keinen Frieden schließen. BDS will keinen Frieden! (BDS- Eine Kampagne des Hasses)

Warum boykottierst Du das Land, das mich leben lÀsst, wie ich bin und nicht viel mehr all die LÀnder, in denen ich verfolgt werde, weil ich so bin, wie ich bin? (Warum boykottierst Du Israel?)

In Bonn marschierten drei in weißen SchutzanzĂŒgen gekleidete Trupps in das GeschĂ€ft Galeria Kaufhof und nahmen dort die Produkte ganz genau unter die Lupe. In ihren HĂ€nden hielten sie Formulare auf denen zu lesen war: „Deutsche Zivilgesellschaft – Inspektion der Produkte israelischer Unternehmen“. Auf den Zetteln standen die Namen diverser israelischer Unternehmen mit Angabe der Herkunft und dem Barcode, sowie einer Spalte mit dem Vermerk „Verdacht“. In dieser Spalte galt es fĂŒr die willigen Vollstrecker einzutragen, ob die Waren in dem GeschĂ€ft gefunden wurden. Die deutschen Zivilinspektoren gingen mit einer geradezu gespenstigen bĂŒrokratischen Genauigkeit vor. (Deutschlands willige Vollstecker)

Am 28. November 2015 liefen sechs in gespestigem Weiß gekleidete willige Vollstrecker ĂŒber den Weihnachtsmarkt von Bremen auf der Suche nach jĂŒdischen Produkten. Auf ihren KostĂŒmen stand:

Inspektion
Kennzeichnungspflicht
von Waren aus den illegalen
israelischen Siedlungen

Der Weihnachtsmarkt in Bremen erinnert (wie alle WeihnachtsmĂ€rkte der Welt) an ein jĂŒdisches Paar, das vor gut zweitausend Jahren einen Jungen in einer Krippe in Bethlehem zur Welt gebracht hat. Bethlehem wird heute von der sogenannten palĂ€stinensischen Autonomiebehörde verwaltet. Heute wĂ€ren Maria und Josef daher fĂŒr viele Menschen nichts weiter als illegale jĂŒdische Siedler, die dort nichts zu suchen haben und Jesus wĂ€re ein illegaler Siedlerjunge und wĂŒrde keine Sympathien bekommen. Die Vereinten Nationen wĂŒrden vermutlich Resolutionen gegen Maria und Josef verhĂ€ngen und deutsche Dichter wĂŒrden Jesus kritisieren, weil es gesagt werden muss und man das ja wohl noch sagen darf! (Die willigen Vollstrecker von Bremen)

Jede Stadt, die eine Partnerstadt in Israel hat, jeder Veranstalter, der mit Israelis kooperiert und jeder Mensch, der mit israelischen Partnern zusammenarbeitet, muss einfach nur folgendes erklĂ€ren: „Gerne nehmen wir Ihren Wunsch an und beenden jede Zusammenarbeit mit Ihnen. Sie wollen Israel boykottieren und wir sind durch Zusammenarbeit mit Israel ein Teil dessen, das sie boykottieren! Wir akzeptieren Ihren Wunsch, uns zu boykottieren und stellen Ihnen daher unsere RĂ€ume, BĂŒhnen und Orte nicht zur VerfĂŒgung.“ (Eine Antwort auf BDS)

Liebe Emma,
Liebe Caryl,

das StĂŒck, das das Habima Ensemble aus Tel Aviv in Israel Ende Mai beim Festival im Globe Theatre zeigen möchte und das Sie von der englischen BĂŒhne vertreiben wollen, ist „Der Kaufmann von Venedig“ von William Shakespeare! Es ist ein StĂŒck ĂŒber einen Juden, der aus Venedig vertrieben wird, weil er nicht besser sein kann und will als alle Christen der Stadt. Sie wollen jetzt Juden von der BĂŒhne des Globe Theatre vertreiben, weil das Land, aus dem sie kommen, nicht besser ist als alle anderen LĂ€nder auch. Gerade Menschen wie Sie sollten sich dieses StĂŒck ansehen! (Die Vertreibung des Juden von der englischen BĂŒhne)

Menschen, die vor einem McDonald’s Thesen ĂŒber den Status von Hawai in ein Megaphon brĂŒllen und dabei eine illegale Besatzung der Inselgruppe durch die Amerikaner anprangern, sind Spinner! Menschen, die vor einem chinesischen Restaurant lauthals „Freiheit fĂŒr Tibet“ skandieren, sind Spinner! Menschen, die vor einem persischen Restaurant gegen den Iran demonstrieren und aufgrund der Politik im Iran zum Boykott des Restaurants aufrufen, sind Spinner! Selbiges gilt fĂŒr alle Menschen, die glauben, vor jĂŒdischen Restaurants oder GeschĂ€ften Politik gegen Israel betreiben zu mĂŒssen. Es sind Spinner!

Immer mal wieder wird zum Boykott Israels aufgerufen und dabei ein dĂ€monisierendes Bild von dem Land gezeichnet. Stellen wir uns mal vor, Deutschland wĂŒrde so behandelt wie Israel. Ein Boykottaufruf sĂ€he wie folgt aus: Boykott Deutschland!

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Acoustic Night Online

Ein Video von Viktoria Burkert.

Da die Acoustic Night im CafĂ© Duddel Köln am 28. MĂ€rz 2020 nicht stattfinden konnte, haben wir ein Video fĂŒr Euch gezaubert, quasi als virtuelle Acoustic Night: Ingesamt haben sich 34 (!) Liedermacher*innen, Singer/Songwriter, Duos und Bands beteiligt und jeweils einen selbstgeschriebenen Song fĂŒr Euch aufgenommen!

Entstanden ist ein knapp 100 Minuten langes Video, das die Vielfalt, KreativitÀt und Lebendigkeit der Kölner Singer/Songwriter-Szene wunderbar einfÀngt.

Genießt ihre Musik und supportet diese wunderbaren Menschen mit Likes, Feedback, CD-KĂ€ufen, Spenden, Buchungen! In der Beschreibung zum Video findet Ihr alle Namen plus Links zu Social Media und Webseiten. Bis bald wieder live bei der Acoustic Night im CafĂ© Duddel!

Mit dabei waren: Yclism, MintgrĂŒn, Vincent Heinen, Rochel vs. Dr. Pun, CJ, Viktoria Korte, Volker PrĂŒfer, Pure Imagination, Cassy Carrington und Nico Grund, Mags Musician, Ingo van Thiel, Christian Surrey, Shari Litt, Rabbits On Trees, Lisa und Stefan, Rost und Knochen, Joe Bennick, Deray Barboros, Christian Gottschalk, Florian Liermann, Mel Friedrichs, Nora Beisel, Alessandro, Dascha, Julie and me, Iris Lamoyette, Michael & The Philosophers, Joshua Tell, Lea Tunes, Wandering Souls, Gina ÉtĂ©, Angelica Summer, Marcrelen Dose, Jens Eike KrĂŒger.

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Das Hass-Tattoo der Kirche

Stellen Sie sich einen Mann vor, der einige Zeit seines Lebens ein ĂŒberzeugter Neo-Nazi war und sich in der Zeit einige TĂ€towierungen des Hasses auf seinen Körper gestochen lassen hat. In spĂ€teren Jahren erkennt dieser Mann nun, dass er in jungen Jahren absolut auf dem falschen Weg war. Er steigt daher aus der Neo-Nazi-Szene aus und gibt viel Geld aus, um die Beleidigungen von seinem Körper entfernen zu lassen.

Was wĂŒrden Sie sagen, wenn der Mann trotz seiner Abkehr vom Hass weiterhin seine hasserfĂŒllten und beleidigenden Tattoos behalten wĂŒrde, obwohl nicht alle unter der Kleidung versteckt sind, sondern einige sogar offen sichtbar sind? WĂŒrden es Ihnen leicht fallen, diese Tattoos zu tolerieren? WĂŒrden Sie das Argument zĂ€hlen lassen, der Mann wolle damit nur reumĂŒtig zu seiner hasserfĂŒllten Vergangenheit stehen? Einige christliche Kirchen machen genau das!

Mache Kirchen in Europa zeigen immer noch sogenannte „JudensĂ€ue“. Das Bild der „Judensau“, das Juden verhöhnen, ausgrenzen und demĂŒtigen soll, findet sich unter anderem als Schnitzarbeit im ChorgestĂŒhl des Erfurter Doms, aber auch in Stein gemeißelt an den Domen von Magdeburg, Regensburg und Uppsala, sowie an der Kathedrale von Metz, an St. Sebald in NĂŒrnberg und an der Stadtkirche der Lutherstadt Wittenberg.

Im Kölner Dom findet sich eine „Judensau“ sowohl im fĂŒr die Öffentlichkeit nicht zugĂ€nglichen ChorgestĂŒhls, als auch fĂŒr jeden, der sich vom Rhein aus dem Kölner Dom nĂ€hert, gut sichtbar als Wasserspeier an der Spitze der Außenfassade des Chors. Warum die „Judensau“ immer noch dort hĂ€ngt, erklĂ€rt der Vorsitzende der Kölnischen Gesellschaft fĂŒr Christlich-JĂŒdische Zusammenarbeit, Prof. JĂŒrgen Wilhelm, wie folgt: „Es geht darum, diese Darstellung im historischen Kontext zu erklĂ€ren und zu problematisieren, dass Antijudaismus Teil der christlichen Kirche ist. (…) BilderstĂŒrmerei ist keine Antwort.“

Der Vergleich mit der BilderstĂŒrmerei ist schwerwiegend. War die Zerstörung von Nazisymbolen nach dem Zweiten Weltkrieg etwa auch BilderstĂŒrmerei oder hĂ€tte man die Symbole erhalten lassen sollen, um die Nachwelt zu mahnen?

NatĂŒrlich darf die teilweise brutale Geschichte des Christentums nicht verleugnet werden, aber dafĂŒr muss die „Judensau“ nicht am Kölner Dom bleiben. Ein Museum ist ein weitaus geeigneter Ort fĂŒr so eine Skulptur. Einige behaupten jedoch, der Kölner Dom sei auch ein Museum und darum könne die Skulptur auch dort verbleiben.

Am 23. MĂ€rz 2020 hatte ich aufgrund der erschreckenden Nachrichten rund um den Coronavirus das BedĂŒrfnis, in eine Kirche zu gehen, um dort zu beten. Als Kölner entschied ich mich fĂŒr den Kölner Dom. Als ich am Dom ankam, sah ich, dass der Kölner Dom nur noch zum Gebet betreten werden durfte. Als SehenswĂŒrdigkeit und als Museum war der Kölner Dom geschlossen.

Ich zĂŒndete im Kölner Dom ein paar Kerzen an. Dabei kamen mir allerdings die judenfeindlichen Beleidigungen in den Sinn, die immer noch am und im Kölner Dom zu finden sind, da ich meine Freundinnen und Freunde in meine Gedanken einschloss und darunter auch ein paar Juden waren. Ich dachte an meine jĂŒdischen Freunde in einem GebĂ€ude, an dem an einigen Stellen erklĂ€rt wird, Juden seien schmutzige und widerliche Wesen. Es fĂŒhlte sich nicht gut an.

Es fĂŒhlte sich ein wenig so an, als sĂ€ĂŸe ich in einer evangelischen BĂŒcherei, die Martin Luthers Buch „Von den Juden und ihre LĂŒgen“ an schlimmster Stelle geöffnet kommentarlos im Schaufenster liegen hat. Es ist ein völlig nachvollziehbarer Akt, die BĂŒcher des Hasses aus den eigenen Schaufenstern zu entfernen und zum Studium der Geschichte in die Archive zu legen.

Es ist nicht schlimm, wenn jemand „Mein Kampf“ im Regal hat. Wenn das Buch aber in der Vitrine liegt, werde ich stutzig.

Der Kölner Dom ist nicht immer als Museum oder als SehenswĂŒrdigkeit geöffnet, aber immer ein Ort der lebendigen Kirche. Das an diesem Körper immer noch die alten Zeichen aus einer Zeit der Hasses zu sehen sind, schmerzt mich.

Wenn die Kirche keine Leiche ist, die man so beerdigt, wie man sie vorgefunden hat, sondern wenn sie lebendig ist, dann muss sie sich lösen von dem Hass, den sie einst verbreitet hat und die Dokumente des Hasses an einen separaten Ort geben, wo sich jede Person, die sich dafĂŒr interessiert, ĂŒber die Geschichte des Christentums informieren kann.

Der Neo-Nazi, der seine TĂ€towierungen entfernt, weil er erkannt hat, dass sie falsch sind, leugnet damit auch nicht seine Vergangenheit. Mit der Entfernung macht er jedoch klar, dass er den Rest seines Lebens nicht damit verbringen will, judenfeindliche Beleidigungen in die Welt zu tragen.

Aber selbst wenn der ehemalige Neo-Nazi die Tattoos des Hasses nicht entfernt, was mĂŒsste man davon halten, wenn er die Tattoos restaurieren wĂŒrde, damit sie erhalten bleiben? SpĂ€testens dann wĂŒrde ich wieder stutzig werden.

UmwelteinflĂŒsse hĂ€tten manch eine „Judensau“ schon lĂ€ngst von so manch einer Kirche entfernt, aber einige Gemeinden wirken aktiv gegen die Verwitterung. Auch die „Judensau“ in Köln wurde restauriert. Mittlerweile sorgt sogar eine grĂŒne Metallhalterung dafĂŒr, dass die „Judensau“ nicht vom Kölner Dom fallen kann. Wer sich soviel MĂŒhe gibt, will, dass die Beleidigung erhalten bleibt. Wer trotzt vieler zum Teil natĂŒrlicher EinflĂŒsse von außen, die diesem Hass schon lĂ€ngst ein Ende gesetzt hĂ€tte, den Hass aufrecht erhĂ€lt, entscheidet sich bewusst dafĂŒr, dass die Beleidigung weiterhin artikuliert.

Die „Judenssau“ an der Außenfassade des Kölner Doms ist kein bloßes historisches Zeugnis mehr, sondern eine bewusste Aussage, die heute immer noch tĂ€glich durch die Entscheidung der Restaurierung getĂ€tigt wird. Eine restaurierte und mit einer neuen Halterung am Kölner Dom befestigte „Judensau“ ist kein Teil der Geschichte mehr, sondern ein in der Gegenwart durch eigene Anstrengungen unternommener Akt der Beleidigung.

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Verantwortung und Freiheit

Bild: Antonio Ruiz Tamayo

Aufgrund des Anstiegs der Zahl der Corona-FĂ€lle und jener, die an Covid-19 gestorben sind, wurden scharfe AusgangsbeschrĂ€nkungen von der Regierung erlassen und mehrere Berufe mit einem einstweiliges Berufsverbot belegt, um so die Ausbreitung des Virus einzudĂ€mmen. In Anbetracht dieser weitreichenden Maßnahmen ist es notwendig, folgendes festzustellen:

Uns werden gerade keine Freiheitsrechte genommen, sondern wir gewĂ€hren unseren gewĂ€hlten Vertreterinnen und Vertretern gerade lediglich EinschrĂ€nkungen in unsere Freiheitsrechte fĂŒr eine gewisse Zeit des Notstands und der Krise. Diese Unterscheidung ist wichtig, damit jene, die auch nur im geringsten daran denken, diese GewĂ€hrleistung zu missbrauchen, die vollste Kraft unseres Widerstands zu spĂŒren bekommen.

Freiheit wird nicht gewÀhrt. Kein Staat oder irgendein anderes weltliches Gebilde kann Freiheit gewÀhren. Der Mensch trÀgt die Freiheit in sich. Der Mensch ist Mensch, weil er frei ist. Die menschliche Freiheit kann lediglich eingeschrÀnkt werden, entweder weil ein Mensch freiwillig diese EinschrÀnkung zulÀsst oder weil er mit Gewalt dazu gezwungen wird.

FĂŒr die gewalttĂ€tige EinschrĂ€nkung der Freiheit braucht es gute GrĂŒnde, weil es den Menschen ausmacht, frei zu sein.

Freiheit bedeutet, nicht willenlos Befehle und Anordnungen einer externen Macht ausfĂŒhren zu mĂŒssen, wie eine Maschine, die programmiert wurde, sondern sich zu der Welt, in der man sich befindet, in moralisch bewertender Zuwendung zu verhalten und somit das eigene, aber auch das Handeln fremder Personen in richtig, falsch, gut und böse einzuteilen. Der Mensch ist sich selbst stets Rechenschaft schuldig und somit gewissermaßen zur Freiheit verurteilt.

Wer kennt sie nicht, die Bisse des Gewissen, die besonders dann spĂŒrbar werden, wenn man alleine ist und wenn keine großen Ablenkungen die Gedanken zerstreuen. Das Coronavirus hat uns zurĂŒck in unsere Höhlen geworfen. Die Straßen sind ruhig, die AmĂŒsiermeilen geschlossen und keine bunten Lichter laden zum VergnĂŒgen.

In unseren Höhlen werden wir erst einmal ungewohnt aktiv. Einige applaudieren aus ihren Fenstern den Helferinnen und Helfern in der Krise zu, andere singen Lieder des Muts und der Hoffnung von ihren Balkonen und wieder andere kommunizieren ĂŒber moderne Medien mit Freundinnen und Freunden, mit Verwandten und Bekannten.

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Menschen kĂŒmmern sich um andere Menschen. Der Mensch ist sogar in der Lage, sich fĂŒr andere Wesen zu opfern. Es gehört zum Wesen des Menschen, sich in Freiheit opfern zu können. Ein Opfer kann jedoch nicht nur freiwillig erbracht werden. Es gibt auch erzwungene Opfer. Die Geschichte ist voll von Menschen, die gegen ihren Willen geopfert wurden. Auch jetzt wird von vielen Menschen ein Opfer verlangt.

Der Mensch möchte gebraucht werden und seiner Existenz einen Sinn geben. Er sucht nach einer Aufgabe im Leben und möchte Verantwortung ĂŒbernehmen. Aber nur ein freier Mensch kann Verantwortung ĂŒbernehmen. Wer nicht frei ist, kann sich nicht verantworten fĂŒr eine Tat, auf dessen AusfĂŒhrung er keinen Einfluß hatte. Wie also verhalten wir uns in Zeiten wie diesen, da ein gefĂ€hrlicher Virus grenzenlos wĂŒtet, wĂ€hrend wir in abgesteckten Höhlen hocken?

Können wir darauf hoffen, dass sich freie Menschen dazu entscheiden, zum Wohle alter, schwacher und kranker Menschen ihre wirtschaftliche Existenz aufs Spiel setzen und sogar Maßnahmen ergreifen, die im schlimmsten Fall zu schweren Depressionen und seelischen Störungen fĂŒhren können? Welcher Zwang ist in Anbetracht dieser globalen Gefahr gerechtfertigt? Welche Strafen dĂŒrfen angewandt werden?

Ich bin von Beruf BĂŒhnenkĂŒnstler. Zusammen mit vielen Kolleginnen und Kollegen ĂŒbernehmen wir gerade gemeinsam mit Menschen aus anderen Berufsgruppen Verantwortung zur EinschrĂ€nkung der Ausbreitung des Virus. Wir nehmen dafĂŒr sogar Einbußen in Kauf, die die eigene Existenz gefĂ€hrden.

Bei diesen Angst, Stress und Sorge auslösenden Kraftanstrengungen kommt es unweigerlich auch mal vor, dass ein derart gestresster Menschen mal fragt, ob diese Maßnahmen ĂŒberhaupt notwendig sind und wann sie enden. Ein Theaterkollege von mir, der sich massiv fĂŒr andere Mensch einsetzt, leitete mir am Tag 8 der BeschrĂ€nkungen eine Mail weiter, die er erhalten hatte, nachdem er öffentlich ein paar kritische Fragen zu dem aktuellen Umgang der Regierung mit der Viruskrise gestellt hatte. Die Mail las sich so, als hĂ€tte er mit seinen Fragen des Teufels höchstpersönliche Botschaft des Hasses in die Welt trompetet:

„Nur ein Depp kann jetzt mit solch dĂ€mlichen Fragen kommen. Wer jetzt noch meint, sich nicht an die Vorgaben halten zu mĂŒssen und damit unser aller Gesundheit und Leben gefĂ€hrdet, gehört in den Knast. Wenn der Knast zu voll ist, dann soll er mit einer Fußfessel in die eigene Wohnung eingesperrt werden und jedes mal, wenn er die Wohnung verlĂ€sst glich 1000 Euro Strafe. Ihr weinerlichen Idioten. Eure Freiheit? Heult doch! Wer immer noch nicht kapiert, dass solche EinschrĂ€nkungen uns allen zu Gute kommen, der wird es nie begreifen und gehört weggesperrt.“

Mal ganz angesehen davon, dass dem Autor dieser Zeilen offensichtlich nicht klar ist, dass ĂŒberfĂŒllte KnĂ€ste nicht gerade hilfreich sind im Kampf gegen eine Virusepedemie, es sei denn, die KnĂ€ste werden komplett von der Außenwelt abgeschnitten und die Insassen ihrem Schicksal ĂŒberlassen, zeigen diese Zeilen, warum gerade in Zeiten der Pest die Hexenjagd, Judenverfolgung und Inquisition Hochkonjunktur hatte. Wer Angst hat vor einem Feind, den er nicht sehen kann, sucht sich Feinde, die er sehen kann, um sich an ihnen abzureagieren. Es ist daher grob fahrlĂ€ssig, wenn dieser Durst nach Schuldigen von einer Regierung durch hastig aus dem Hut gezauberte politische Strafanordnungen bedient wird.

Am 24. MĂ€rz 2020 veröffentlichte die Landesregierung NRW einen Straf- und Bußgeldkatalog zur Umsetzung eines Kontaktverbots, das sie vorher erlassen hatte. Dieser Strafkatalog ist völlig kontraproduktiv.

Mit dem Erlass des Kontaktverbots bekamen die Exekutivorgane die Befugnis, öffentliche Versammlungen und andere potentielle Gefahrenherde aufzulösen. Diese temporÀre BemÀchtigung ist sinnvoll. Es ist jedoch nicht hilfreich, die Menschen, die sich nicht daran halten zu bestrafen.

Wir befinden uns in hoch sensiblen Zeiten. Es gibt Menschen die erkranken, manche sterben. Einige vereinsamen, andere kommen vor Angst und Sorge fast um. Die Situation ist nur sehr schwer zu ertragen.

Manche verlassen daher ihre Wohnungen, treffen Freunde und brechen die Regeln, weil sie es einfach nicht mehr aushalten, weil ihnen die Decke auf dem Kopf fĂ€llt oder weil sie einem familiĂ€ren Streit aus dem Weg gehen mĂŒssen. Es ist vollkommen akzeptabel, diesen Menschen eine klare Ansage zu machen, wenn sie sich nicht an die Notfallregeln halten.

Eine Regierung aber, die meint, jetzt wĂ€re die passende Zeit, einen Bußgeldkatalog zu erstellen, um Menschen zu bestrafen, die sich in diesen ungewöhnlichen und schweren Zeiten in eigenen schwachen Momenten nicht an den politischen Plan halten können oder wollen, zeigt damit nur die eigenen Mangel an Empathie und vor allem die UnfĂ€higkeit, PrioritĂ€ten zu setzen. Jetzt sollte nicht bestraft werden; jetzt sollte geholfen werden.

Jetzt ist keine Zeit fĂŒr eine harte Hand des Staates, der Menschen schuldig spricht. Wir leben in einer Zeit, in der Menschen Angst haben, krank zu werden und zu sterben, wenn sie sich anderen Menschen nĂ€hern. Wenn der andere Mensch allein schon durch seine pure NĂ€he oder Existenz zur Gefahr wird, wenn er entfernt werden muss aus dem eigenen nĂ€heren Umkreis, dann braucht es mehr VerstĂ€ndnis und weniger Verurteilung.

Ja, die momentanen EinschrĂ€nkungen sind sinnvoll. Nicht umsonst setze ich sie gerade zusammen mit vielen anderen BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern um, die auch nicht wissen, ob sie dadurch ihren bisherigen Lebensentwurf völlig ĂŒber den Haufen werfen. Wir alle sind besorgt und wollen mehr Sicherheit. Der Tod der Freiheit kam jedoch immer mit dem Ruf nach mehr Sicherheit. Daher sollten wir ein paar Dinge bedenken.

Die Verfassung wurde fĂŒr Zeiten der Krise geschrieben, nicht fĂŒr glĂŒckliche Tage.

Das Worte Krise stammt aus dem Griechischen und bedeutet ursprĂŒnglich Meinung, Beurteilung und Entscheidung. Die Krise ist somit der Urzustand einer Demokratie. In einer Demokratie wird stets gestritten, getrennt und zugespitzt, bis schließlich eine Entscheidung errungen wird, die dann allerdings wieder Ausgangspunkt vieler neuer Debatten wird. Eine Gesellschaft, in der die Krise der Urzustand ist, braucht eine Verfassung, die auf der einen Seite gewisse Rechte und Prinzipien garantiert, weil sie unverĂ€ußerliche sind und auf der anderen Seite bei allen ĂŒbrigen Entscheidungen dafĂŒr sorgt, dass es eine Gewaltenteilung gibt, bei der mĂ€chtige Personen unter einer mindestens ebenso mĂ€chtigen Kontrolle unabhĂ€ngiger Instanzen stehen. An der Verfassung sollte daher nur in Ruhe geschraubt werden.

Es ist besonders beunruhigende, wenn in schwerwiegenden Krisen und in unruhigen Zeiten darĂŒber nachgedacht wird, Grundrechte einzuschrĂ€nken. In der Phoenix Runde vom 20. MĂ€rz 2020 zum Beispiel erklĂ€rte der Digitalexperte der ARD, Jörg Schieb, gerade in dieser ungewissen Zeit mĂŒsse ĂŒber weitere Möglichkeiten der Zensur nachgedacht werden. Er fĂŒhrte aus: „Zensur ist gar nicht so böse und schlecht wie manche immer glauben.“

Schieb argumentierte, da die deutschen Gesetze bereits Volksverhetzung und gewisse Formen der Pornografie unter Strafe stellen, könne man der Zensur durchaus auch etwas gutes abgewinnen und erklĂ€rte, Zensur sei nicht nur etwas, „dass uns was nimmt“, sondern Zensur sei auch etwas, „dass uns was gibt“.

Der PrĂ€sident der Berliner Ärztekammer, GĂŒnther Jonitz, erklĂ€rte in der selben Runde: „Im 19. Jahrhundert war sauberes Wasser die wichtigste Ressource fĂŒr Gesundheit. Im 21. Jahrhundert ist sauberes Wissen die wichtigste Ressource.“

Ich hörte diese Worte und dachte mir: Was bitte ist dreckiges Wissen? Wer soll die Macht bekommen, Wissen zu reinigen und vor allem, welche Mittel zur Reinigung der Gedanken sind geboten? Mir kamen sofort wieder Assoziationen zu den Pestepidemien in Europa in den Sinn. Damals wurde auch jeder verurteilt, der es wagte, die Reinheit des herrschendes Wissens zu beflecken. Die Kirche zögerte nicht, alles zu zensieren, was in den Augen der HĂŒter des guten und wahren Wissens Schuld an der Pest war. Es war zudem die Zeit, in der SĂŒndenböcke dafĂŒr verantwortlich gemacht wurden, die Pest verbreitet zu haben, indem sie das Wasser in Brunnen vergiftet hĂ€tten.

Wenn eine besonders heftige Krise die Gesellschaft erschĂŒttert, dann ist die Verfassung nicht etwas, das man mal kurz zur Seite legen sollte. Gerade in stĂŒrmischen Zeiten ist die Verfassung der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger ein Dokument, auf das die Regierenden besonders sorgsam zu achten haben. Die jetzige Situation ist nicht dafĂŒr geeignet, grundlegende neue Gesetze zu erlassen. Stattdessen mĂŒssen die Regierenden mit dem arbeiten, was sie vom das Volk als Verfassung auferlegt bekommen haben.

WĂ€re ich ein mit politischer Macht ausgestatteter Politiker in dieser Situation, ich wĂŒrde auch zu dem Entschluss gelangen, dass die Situation nur zu meistern ist, indem Regelungen erlassen werden, die verfassungsrechtlich bedenklich sind und grundlegende Rechte der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger einschrĂ€nken. Ich wĂŒrde daher erklĂ€ren:

„Mir ist klar, dass diese Regelung massiv in die Grundrechte aller BĂŒrgerinnen und BĂŒrger eingreift. Ich sehe allerdings leider keinen anderen Weg, diese Situation zu meistern, als eben diesen Notstand auszurufen. Da diese Situation jedoch die Existenz vieler BĂŒrgerinnen und BĂŒrger zerstören wird, werde auch ich mit meiner politischen Existenz das notwendige Opfer erbringen. Aus freiem Willen ĂŒbernehme ich die volle politische Verantwortung fĂŒr diese Taten und erklĂ€re, dass ich an dem Tag, da dieses Land wieder zur NormalitĂ€t zurĂŒckgekehrt ist, von allen meinen politischen Ämtern zurĂŒcktreten werde. Ich werde danach keine weitere politische Karriere mehr anstreben.“

Das wĂŒrde ich sagen, weil ich ein BĂŒhnenkĂŒnstler bin und die Worte nach einem Monolog aus einem TheaterstĂŒck klingen. Ich finde tatsĂ€chlich, dass jene, die in fĂŒhrenden Positionen der Macht gerade große Opfer von den BĂŒrgerinnen und BĂŒrger abverlangen, selber auch ein Opfer bringen sollten; ich weiß aber auch, dass dies vermutlich nur ein frommer Gedanke von mir bleiben wird. Es ist schließlich leichter, Opfer zu fordern, statt selbst zu geben und Politiker sind auch nur Menschen. Es wird vermutlich sogar so sein, dass ein MinisterprĂ€sident, der heute die Grundrechte von deutschen BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern so einschrĂ€nkt hat, wie es vorher noch nie in der bundesrepublikanischen Geschichte vorgekommen ist, der nĂ€chste Kanzler wird. Eine freie Wahl wird darĂŒber entscheiden.

Ich werde keinem Menschen meine Stimme geben können, der die Verfassung kurzzeitig ausgehebelt hat, selbst wenn diese Entscheidung alternativlos war. WÀre ich ein MinisterprÀsident, mir wÀre klar, dass selbst wenn meine Politik des Notstands dieses Land vor schlimmerem bewahrt hat, wir die Zeit danach nicht mit einem Mann starten können, der kurzzeitig die Grundrechte abgeschafft hat. Aber dies sind wieder nur die moralischen Prinzipien eines Theatermenschen und vermutlich der Grund, warum ich kein Politiker bin.

Es ist gerade gewiss nicht leicht, ein Politiker zu sein, aber es ist gerade auch nicht leicht, ein BĂŒhnenkĂŒnstler zu sein.

Ich wĂŒnsche allen Politikerinnen und Politikern eine glĂŒckliche Hand im Kampf gegen den Virus. Es ist keine leichte Aufgabe, die sie zu meistern haben. Hart ist die Situation aber fĂŒr alle anderen BĂŒrgerinnen und BĂŒrger auch. Ich unterstĂŒtze im vollen Bewusstsein meiner Verantwortung die beschlossenen Maßnahmen der Regierung, aber ich habe folgende Bitte: Bestraft uns BĂŒrgerinnen und BĂŒrger bitte nicht, wenn wir diese Regeln manchmal brechen und vor allem, lasst uns wenigsten frei reden, auch wenn dabei mal dummes Zeug rauskommt.

Es gibt ein Wort, das mit dem Begriff Krise verwandt ist und den gleichen Wortstamm hat. Das Wort heißt Kritik. Nicht immer ist Kritik angemessen. Manchmal ist sie hart, manchmal unberechtigt, manchmal einfĂ€ltig, dumm und falsch. Es gibt intelligente und dumme Personen. Menschen sind unterschiedlich. Manche regeln ihr Leben nach mathematischen Formeln, andere nach Bauernregeln. Es gibt Menschen, die glauben an Gott, andere umarmen BĂ€ume, wieder andere nennen den Zweifel ihren besten VerbĂŒndeten. Sie alle aber tragen die Freiheit in sich und ordnen die Welt auf ihre Weise. Zudem haben alle Menschen die FĂ€higkeit, sich gegenseitig zu verstĂ€ndigen und sich zu einem gewissen Teil in die Situation des GegenĂŒbers hineinversetzen zu können.

NatĂŒrlich lamentieren Menschen, wenn ihnen etwas genommen wird. Es ist vollkommen verstĂ€ndlich, dass in Ausnahmesituation auch mal dumme oder schmutzige Gedanke den Weg aus den MĂŒndern jener finden, denen grade der Boden unter den FĂŒĂŸen weggezogen wurde, die um ihre pure Existenz bangen und die nicht wissen, ob sie wirtschaftlich oder beziehungstechnisch heil aus der Situation herauskommen. Die Menschen heute bangen zudem um ihre Gesundheit. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat selbst gesagt, dies sei „die grĂ¶ĂŸte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg“.

Die Menschen, die mit voller Wucht von dieser Herausforderung getroffen werden, sollte man weder bestrafen noch ihnen das Recht nehmen, auch mal schmutzig zu reden oder schmutziges Wissen zu teilen. Ihnen sollte man stattdessen die Möglichkeit geben, sich so frei wie möglich fĂŒr die Verantwortung entscheiden zu können. DafĂŒr mĂŒssen sie aber auch Fehler machen dĂŒrfen, auch in der Krise. Daher sollte der eifrig erstellte Bußgeldkatalog schnell wieder verschwinden.

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Corona-Tagebuch

Dokumentarisches Theaterprojekt

Ein Aufruf vom 25. MĂ€rz 2020 von theaterausglas

Wir leben in einer sehr ungewöhnlichen Zeit, eine Zeit der globalen Krise, wie wir sie bisher noch nie erlebt haben. Viele von uns sind verunsichert und Ă€ngstlich, denn niemand weiß, wie sich die gegenwĂ€rtige Krise entwickeln wird.

Aber es ist auch eine Zeit, in der wir zusammenhalten, uns neu begegnen und unsere Erfahrungen und Erlebnisse miteinander teilen. Wir wollen euren persönlichen Geschichten, euren Gedanken und GefĂŒhlen einen Raum geben und zwar im Rahmen eines dokumentarischen Theaterprojekts. 

Sendet uns gerne kurze oder lĂ€ngere Texte zu, in denen ihr berichtet, wie es euch gerade aktuell geht, was sich bisher in eurem Leben verĂ€ndert habt, welche Sorgen ihr euch macht, wie ihr ganz persönlich mit dieser Situation umgeht. 

Mit euren persönlichen Stimmen kreieren wir ein TheaterstĂŒck, das wir unmittelbar nach der Krise auf die BĂŒhne bringen werden. 

Schickt eure Texte an: v.burkert@gmx.de

SelbstverstÀndlich werden eure Einsendungen vertraulich und unter Wahrung eurer PrivatsphÀre behandelt.



theaterausglas ist eine freies Theater- und Musical-Ensemble aus Köln bestehend aus Joseph Vicaire, Viktoria Burkert und Gerd Buurmann.

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