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Heines Spitzen

Ein großer Teil des Gedichtepos „Deutschland. Ein Wintermärchen“ von Heinrich Heine spielt in Köln. Der Schauspieler und Autor Gerd Buurmann präsentiert die Verse des Dichters und gibt einen historischen Einblick auf die Geschichten, die in dem Epos erzählt werden. Heinrich Heine erklärt zum Beispiel, warum der Bau des Kölner Doms so lange gedauert hat und was es mit dem Rheinwein auf sich hat. Zudem wird die Bedeutung der Texte von Heinrich Heine für die heute Zeit durchleuchtet und es werden Verbindungen zu aktuellen politischen Ereignissen hergestellt. Dabei erweist sich Heine als ein scharfer, komischer und nicht selten polemischer Geist, der auch für das 21. Jahrhundert noch einige Spitzen bereithält.

Heinrich Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen“
Szenischer Vortrag von Gerd Buurmann
an Sonntag, 24. Februar 2019 um 11 Uhr im Café Libresso auf der Fleischmengergasse 29 in Köln
Eintritt: 6,- Euro

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Die ARD schafft Bewusstsein

„Framing Manual“ – So heißt eine 89-seitige Abhandlung aus dem Jahr 2017, die von der ARD in Auftrag gegeben wurde, um das Image der öffentlich-rechtlichen aufzupolieren. In dieser Abhandlung erklärt die Linguistin Elisabeth Wehling, wie man die Sprache nutzen kann, um positive Assoziationen für die eigene Seite zu wecken, während die andere Seite moralisch diffamiert wird. Fakten seien zwar selbstverständlich wichtig, aber ebenso wichtig sei ein bewusstes Einordnen der Fakten, denn, so betont Elisabeth Wehling: „Sprache schafft Bewusstsein“.

Wie dieses Bewusstsein geschaffen werden kann, zeigt Wehling, indem sie nahelegt, dass den Begriffen der Gegnerinnen und Gegner des Zwangs zum Rundfunkbeitrags eigene Sprachkreationen entgegengesetzt werden können. Während die Gegner von „Staatsfunk“, „Zwangssteuer“ und „Lügenpresse“ reden, könnten die Befürworter statt „Privatsender“ den Ausdruck „medienkapitalistische Heuschrecken“ nutzen.

Wehling rät davon ab, den zum Zahlen gezwungen Menschen als „Konsumenten“ zu bezeichnen, da er dadurch zuviel Emanzipation zugesprochen bekommt, Konsumenten haben schließlich Rechte:

„Wenn Mitbürger nun von der ARD als „Konsumenten“ angesprochen werden, vom „Consumer Value“ lesen oder davon, über eine „Flatrate“ in Form der mo­natlichen „Beitragszahlung“ Zugang zu vielen „Angeboten“ zu bekommen, dann bringt man sie unwillentlich dazu, in einem Frame zu denken, der die moralischen Prämissen eines gemeinsamen, freien Rundfunks ARD nicht nur nicht nachvollziehbar, sondern zugleich Handlungen und Forderungen der ARD im­plizit als unrecht und unfair begreifbar macht.“

Wehling rät auch dringend davon ab, folgendes zu sagen: „Der Bürger bezahlt für ein Angebot der ARD“. Eine solche Wortwahl wecke falsche Ansprüche bei dem Konsumenten, der keiner sein darf:

„Wir „bezahlen“ also nicht für die „Angebote“ der ARD. Sondern, wir ermöglichen uns einen gemeinsamen, freien Rundfunk ARD.“

Richtig unpassend findet Wehling die Bezeichnung „öffentlich­-rechtlicher Rundfunk“:

„Der Fachbegriff hat wenig Verbindung zum echten Leben, denn er wird in der alltäglichen Sprache – zumindest für den Otto Normalbürger – fast ausschließlich für die ARD und das ZDF genutzt. Durch den Begriff wird Distanz geschaffen zwischen Bürgern und ARD (…) Wer will, dass die Mitbürger den Wert und die Legitimation der ARD klarer erkennen oder sich wieder in Erinnerung rufen, spricht deshalb besser von unserem gemeinsamen, freien Rundfunk ARD über den wir uns freien Zugang zu einer exzellenten medialen Infrastruktur auf höchstem inhaltlichen und technischen Niveau.“

Wehling weiß, wovon sie redet. Im Jahr 2016 erschien ihr Buch „Politisches Framing: Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht“. Ein Jahr später gab die ARD rund 120.000 Euro aus, um sich erklären zu lassen, wie man der Nation am besten einredet, dass der Zwang zum Rundfunkbeitrag notwendig ist, nämlich indem man die Gegner dieser Abgabe einfach diskreditiert.

Da ich ein Gegner des Zwangs zum Rundfunkbeitrag bin, gehöre auch ich zu der Gruppe jener Menschen, die diffamiert gehören. Da auch ich 120.000 Euro gut gebrauchen kann, präsentiere ich einfach mal eine Selbstdiffamierung, vielleicht bekomme ich ja was dafür:

Gerd Buurmann ist ein Schmuddelkind!

Schmuddelkinder sind ärmer als die Elite. Ihr Umgangston ist rauer als in den guten Stuben. Ich bin ein Schmuddelkind.

Mein Blog heißt Tapfer im Nirgendwo. Ich habe nicht so viel Geld wie das ZDF. Der Ton auf meinem Blog ist nachweislich gossenhafter als bei der WDR Lokalzeit. Das heißt aber nicht, dass ich nicht mit der selben Hingabe am Werk bin, wie meine öffentlich-rechtlichen Kolleginnen und Kollegen. Sie sind nicht mehr oder weniger objektiv als ich. Wir alle sind Menschen mit Meinungen und Einstellungen. Es gibt allerdings einen Unterschied: Ich zwinge niemanden, meine Werke zu kaufen. Die ARD schon!

Um zu zeigen, wie man als Schmuddelkind behandelt wird, berichte ich einfach mal über eine typische Situation, in die ich geriet, nachdem ich es gewagt hatte, dem WDR Fake News vorzuwerfen.

Kurz nach der Demonstration „Nicht mit uns! Muslime und Freunde gegen Gewalt und Terror“ auf dem Kölner Heumarkt am 17. Juni 2017 schrieb ich unter dem Titel „Ohne Worte“:

„Heute fand in Köln die Demonstration der Muslime gegen islamischen Terror statt. Erwartet wurden 10.000 Menschen. Es kamen weniger als 1.000!“

Die Zahl hatte ich ermittelt, da ich selbst vor Ort gewesen war Die Tagesschau sprach jedoch von über 2.000 Menschen und der WDR sah sogar über 3.000 Menschen.

Ich stellte daraufhin in meinem Artikel „Handwerkliche Mängel“ die Frage:

„Wer zählt da eigentlich bei der ARD? Donald Trump? Ich finde das Erfinden von Menschenmassen und „alternative Fakten“ bei Donald Trump ebenso albern wie bei Lamya Kaddor. Darf ich ab sofort auch 7,50 Euro Rundfunkgebühren monatlich bezahlen und behaupten, es wären 17,50 Euro gewesen?“

Daraufhin erhielt ich einige geschmacklose Vorwürfe wie diese:

„Herr B., die AfD hat bestimmt noch einige Mitarbeiterposten für Sie frei – oder auch die Neonazi-Vereinigung „Identitäre Bewegung“ für Marktschreier wie Sie. Na, Interesse?“

„Polizeiangaben sind um 3.500. Du hättest auch ordentlich recherchieren können. Aber offenbar ist Dir Propaganda wichtiger.“

Die Polizei hatte eine solche Angabe nie gemacht. Die Veranstalter hatten lediglich behauptet, die Polizei hätte das gesagt. Als ich daher erwiderte, ich sei vor Ort gewesen und könne belegen, dass die Zahl falsch sei, kam die Antwort:

„Tja, ich wohne ein paar hundert Kilometer weg und muß mich auf offizielle Zahlen verlassen.“

Die offiziellen Zahlen kamen vom WDR und von der Tagesschau. Sie waren falsch, sorgten aber dafür, dass meine Aussagen als Lügen, Propaganda und Neonazigerede bezeichnet wurden. Das passiert, wenn öffentlich-rechtliche Medien unsauber arbeiten, aber die Zahlung erzwingen mit der Behauptung, nur so könnten Sie objektiv sein und Fehler vermeiden.

So funktioniert Framing!

Als Schmuddelkind hat man es schwer, gegen die angeblich sauberen Männer und Frauen zu bestehen und ihren Schmutz zu kritisieren. Dabei sind diese Männer und Frauen gar nicht sauberer. Sie sind nur extremer parfümiert und zwar mit Düften, die finanziert wurden von allen Menschen, die eine Nase haben und aufgrund dieser Nase zu der Entrichtung von Gebühren gezwungen werden, angeblich, damit es weniger stinkt. In Wirklichkeit aber geben die sauberen Männer und Frauen viel Geld aus, um sich erklären zu lassen, wie man es durch Sprache schafft, dass der Gegner stinkt. Sprache schafft Bewusstsein und Gestank. Mit dem Zweiten riecht man besser.

Ich bin ein Gegner der Zwangsabgabe. Ob ich stinke oder nicht, soll jeder Leser und jede Leserin selbst entscheiden. Daher empfehle ich meinen Artikel:

Fünf Gründe, warum der Zwang zum Rundfunkbeitrag falsch ist

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BDS-Bewegung bekämpfen – keinen Raum für Antisemitismus an der Universität zu Köln!

Das Studierendenparlament hat in seiner Sitzung vom 30.10.2018 den folgenden Antrag beschlossen:

Die Organe der Studierendenschaft der Universität zu Köln bekämpfen die antisemitische BDS-Kampagne (Boycott, Divestment and Sanctions) gegen den jüdischen Staat Israel mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln. Mitgliedschaften in BDS-Organen, finanzielle Zuwendungen an oder Kooperationen mit BDS-Funktionär*innen werden ausgeschlossen. Diese sollen an der Universität zu Köln keine Bühne geboten bekommen. Das Studierendenparlament und der AStA wirken auf die Verhinderung BDS propagierender Veranstaltungen an der Universität zu Köln hin.

Der AStA wird aufgefordert sich gegenüber der Universität für ein Verbot von Veranstaltungen an der Universität einzusetzen, die dem BDS nahestehen, oder auf andere Weise versuchen, den Staat Israel zu delegitimieren. Er wird außerdem aufgefordert, die Begründung dieses Antrages zu veröffentlichen.

Das Studierendenparlament verurteilt auch den auf den Staat Israel bezogenen Antisemitismus in jeglicher Form. Es versteht sich als solidarisch mit dem Staat Israel, was somit auch bedeutet, dass dessen Recht auf Existenz und Selbstverteidigung außer Frage steht.

Der Senat der Universität zu Köln wird ebenfalls dazu aufgefordert, sich klar gegen jegliche Form von Antisemitismus zu positionieren. Dieser Antrag wird ihm zur Abstimmung und Beschlussfassung vorgelegt.

Begründung

Antisemitismus ist auch im Jahr 2018 ein Thema mit schockierender Aktualität. Kippa tragende Personen werden in deutschen Städten auf offener Straße angegriffen. Dieser Zustand darf niemals akzeptiert werden und gerade deshalb muss ihm immer wieder mit Empörung und Widerstand begegnet werden. Allerdings beginnt Antisemitismus nicht erst dann, wenn vermeintlich als Jüd*innen identifizierte Personen auf offener Straße körperlich angegriffen, Synagogen attackiert oder jüdische Friedhöfe geschändet werden. Antisemitismus ist eine wahnhafte Imagination, in der eine Bevölkerungsgruppe als verantwortlich für alle Übel der Vergesellschaftung deklariert wird.

Der moderne Antisemitismus richtet sich nicht selten insbesondere gegen den Staat Israel. Regelmäßig wird von verschiedenen Seiten versucht, die Existenz des Staates Israel zu delegitimieren, angefangen dabei, dass die Staatsgründung bereits “unrechtmäßig” gewesen sei, gefolgt von der Darstellung, Israel sei der autoritäre und rassistische Staat schlechthin, bis hin zu Behauptungen, welche Israel als einen “Apartheidstaat” verunglimpfen. Dabei ist gerade Israel die einzige noch funktionierende Demokratie im Nahen Osten. Völlig außer Acht gelassen wird von solchen selbsternannten “Kritiker*innen” ebenfalls, dass Israel der einzige Staat ist, dessen Existenz offen von Vernichtungsdrohungen anderer Länder im Nahen Osten real gefährdet ist. Darüber hinaus wird auch die historische Situation und Prekarität der Lebensbedingungen von Jüd*innen nicht berücksichtigt. Jüd*innen werden seit Jahrhunderten weltweit verfolgt und als “Sündenböcke” für die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Probleme verantwortlich gemacht. Die millionenfache systematische Ermordung der Jüd*innen durch die Nazis in Europa und das lange Wegschauen der übrigen Staaten der sogenannten Weltgemeinschaft haben gezeigt, dass das Leben der Jüd*innen in keinem der existierenden Staaten gesichert ist. Umso verheerender ist es, dass Jüd*innen heute gerade dort am stärksten bedroht werden, wo sie sich am sichersten wähnten – in Israel. Wenn es um Israel geht, sind auch Doppelstandards oft auf der Tagesordnung. In vielen politischen, gesellschaftlichen und insbesondere medialen Kontexten wird der Staat Israel häufig anders beurteilt oder behandelt als andere Staaten.

Boycott, Divestment and Sanctions (abgekürzt BDS) ist eine transnationale politische Kampagne, die den Staat Israel wirtschaftlich, kulturell und politisch isolieren will und sich dabei diverser antisemitischer Stereotype bedient. Die Umsetzung dieser Kampagnenziele – wie auch die damit zusammenhängende Forderung, Israel solle allen Palästinensern, das heißt nicht nur jenen, welche aus dem Land ausgezogen sind, sondern auch all ihren Nachkommen eine „Rückkehr“ ermöglichen -, würde jedoch die faktische Auflösung des Staates Israel – und somit des weltweit einzig souveränen Ortes für die Sicherheit jüdischen Lebens bedeuten. Der ideologisch motivierte und auf die Delegitimierung Israels ausgerichtete Geschichtsrevisionismus und die Zusammenhangsverkürzungen der BDS-Bewegung müssen als solche klar benannt und verurteilt werden. Jegliche Zusammenarbeit mit BDS ist daher strikt abzulehnen. Das Studierendenparlament sowie der AStA unterstützen BDS nicht; weder in Form von Mitgliedschaften, noch dadurch, BDS-Funktionär*innen eine Bühne an Hochschulen zu bieten. Das Studierendenparlament und der AStA wirken daher auf die Verhinderung BDS propagierender Veranstaltungen an Hochschulen hin.

Die BDS-Bewegung versucht auch in Köln, antiisraelischen Antisemitismus im akademischen und kulturellen Bereich salonfähig zu machen. Gelegenheiten dazu hatte sie bereits in prominentester Form: Vor zwei Jahren erhielt die Forscherin und BDS-Ikone Judith Butler die Kölner Albertus-Magnus-Professur. Die Universität nahm die daran vorgebrachte Kritik des AStA allerdings schulterzuckend und relativierend zur Kenntnis und unterließ eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Vorwürfen. Dabei war schon 2011 mit Noam Chomsky eine der globalen BDS-Leitfiguren an der Universität zu Köln auf die gleiche Professur berufen worden. Der Musiker Roger Waters, der auf seinen Konzerten gerne mal unter dem Vorwand der Kritik an Israels Siedlungspolitik Plastikschweine zerstören lässt, die unter anderem einen Davidstern und Dollarzeichen tragen, machte sich 2018 auf einem Kölner Konzert über dahingehende Proteste lustig. Er verhöhnte namentlich Malca Goldstein-Wolf, die eine Petition gegen die Übertragung seines Konzerts beim WDR startete – und Erfolg hatte. Der Rat der Stadt Köln erkannte die Dringlichkeit an, mit der Antisemitismus im Kölner Raum bekämpft werden muss und verabschiedete am 5.7.2018 fraktionsübergreifend einen entsprechenden Antrag.

Auch wir als Studierendenparlament verurteilen daher insbesondere auch den auf Israel bezogenen Antisemitismus in jeglicher Form. Das Studierendenparlament versteht sich als solidarisch mit Israel, was bedeutet, dass dessen Recht auf Existenz und Selbstverteidigung außer Frage steht.

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„Ich bin eine Art Trüffelschwein“

Ein Interview mit Malca Goldstein-Wolf. Erstmals erschienen auf Englisch in The Berlin Spectator.

Täglich kommt es in Deutschland zu antisemitischen Zwischenfällen. Die Tendenz steigt. Jüdische Restaurantbesitzer erhalten Morddrohungen, jüdische Schüler werden beschimpft, Kippa-Träger angegriffen. Woher kommt der alarmierende Anstieg antisemitischer Zwischenfälle?

Malca Goldstein-Wolf: Antisemitismus gab es in Deutschland immer schon, allerdings wurde der Judenhass nicht so öffentlich aggressiv ausgelebt. Dies hängt wohl damit zusammen, dass viele Muslime Antisemitismus bereits mit der Muttermilch aufgenommen haben und sie diesen Hass unverblümt ins Land kotzen. Ich spreche hierbei nicht nur von den Menschen, die wir kürzlich aufgenommen haben, auch Deutsch-Türken, von Erdogan angeheizt, sprechen vor allem im Netz eine deutliche, judenfeindliche Sprache. Wenn man diese Hetze liest, wundert einen der Übergang zu tätlichen Angriffen nicht mehr wirklich.

In Mode gekommen ist auch sogenannte „Israelkritik“ die in Wahrheit nur als kostümierter Antisemitismus bezeichnet werden kann. Die Boykott-Bewegung BDS hält nun in Deutschland Einzug, dämonisiert die einzige Demokratie in der Region, Israel, als Apartheidstaat und infiltriert die Bürger, in dem sie mit Schildern vor Geschäften stehen, keine israelischen Produkte zu kaufen. Schlimme Erinnerung an das „Kauft nicht bei Juden“ in der Nazizeit werden wach. Hier müsste die Politik stärker Einfluss nehmen.

In der Politik wird derweil an einigen Stellen grenzwertiges bis skandalöses Verhalten registriert. Fangen wir mit Lokalpolitik an. Das jüngste Beispiel: Die Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen, Jutta Steinruck, ein SPD-Mitglied, hat am Montag einen Anti-BDS-Antrag der Partei Liberal-Konservative Reformer von der Tagesordnung einer Stadtratssitzung gestrichen. Ist sowas immer gleich mit Antisemitismus zu erklären?

Malca Goldstein-Wolf: Wer sich, wie es die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Jutta Steinbruck oder der Bergisch Gladbacher Bürgermeister Lutz Urbach, scheinheilig hinter Bürokratie versteckt und Antisemitismus in seiner Stadt verleugnet, der interessiert sich bestenfalls nicht für jüdisches Leben in Deutschland, der schützt Juden nicht, obgleich ein Beschluss gegen den antisemitischen BDS ein leichtes wäre. Manchmal möchte man die Gesinnung solcher Politiker, die leidenschaftlich gerne tote Holocaust-Opfer betrauern, sich für Lebende aber nicht einsetzen, lieber nicht kennen.

Was die große Politik angeht, gibt es sehr widersprüchliche Aspekte. Kanzlerin Merkel sprich von Staatsräson, wenn es um die Unterstützung Israels geht. Außenminister Maas reiste sofort nach seiner Ernennung nach Yad Vashem. Andererseits scheint Berlin besser zu wissen, welche Iran-Politik Israel hilft, als Israel selbst. Woher kommt dies wohl?

Malca Goldstein-Wolf: Was hat Außenminister Maas, der selbstredend wegen Auschwitz in die Politik gegangen ist, denn aus der Geschichte gelernt? Staatstragend und werbewirksam auf Holocaust-Gedenkveranstaltungen zu schwadronieren, während man Juden gleichzeitig seinen Feinden ausliefert, ist beschämend. Mein Vertrauen als Jüdin in eine Regierung, die auch die absurdeste UN-Resolution gegen Israel durchwinkt, ist angeschlagen und so manchem Politiker würde ich am Shoa Gedenktag am liebsten Redeverbot erteilen.

Es gibt noch einen Punkt, der unter den wenigen Juden in Deutschland und anderen Bürgern heftig kritisiert wird. Es geht um das Abstimmungsverhalten der Bundesrepublik bei den Vereinten Nationen. Wie passt dieses mit der Staatsräson zusammen?

Malca Goldstein-Wolf: Der Begriff „Deutsche Staatsräson“ verkommt in Anbetracht dessen, dass unsere Regierung Israels Todfeind, das Mörderregime Iran, nicht nur mit dem Iranabkommen, sondern jetzt auch mit Instex, unterstützt und indirekt palästinensischen Terror und die Renten für Judenmörder finanziert, zu einer Farce.

Wie kommt es übrigens, dass Berlin weiterhin Millionen an die Palästinensische Autonomiebehörde überweist, obwohl diese offen zugibt, dass sie den Familien von „Märtyrern“, also Judenmördern Terrorgehälter zahlt. Ist dies erklärbar?

Malca Goldstein-Wolf: Dass die Hilfsgelder, die aus Deutschland fliessen, nicht bei den bedürftigen Menschen in den palästinensischen Gebieten ankommen, sollte inzwischen jedem denkenden Politiker klar sein. Im Gegenteil, mit diesen Geldern werden judenfeindliche Schulbücher subventioniert, korrupte Palästinenser-Führer und vor allem Terror. Es ist schlichtweg Irrsinn, dieses System nicht zu durchbrechen und es kann mit Logik auch nicht begründet werden, weshalb unsere Regierung den Juden und auch dem deutschen Steuerzahler gegenüber so verantwortungslos umgeht.

Noch immer haben wir nicht alle Punkte behandelt, die nicht nur unter Juden für Unmut sorgen. Es gibt deutsche Medien, die tendenziell einseitig berichten, wenn es um Israel geht. Der Terror wird oft ignoriert, während Israels Reaktion darauf mit relativ eindeutigen Schlagzeilen an den Pranger gestellt wird. Warum ist Israel das einzige Land, das sich offenbar nicht gegen Terror verteidigen darf?

Malca Goldstein-Wolf: Was die Medienberichterstattung betrifft, so ist das ein entscheidendes Thema im Kampf gegen Antisemitismus. Journalisten, die ihrer sozialen Verantwortung nicht gerecht werden, Fakten entweder weglassen oder verfälschen schüren Hass auf Israel und auch auf in Deutschland lebende Juden, die in gewissen Kreisen gerne für israelische Politik zur Rechenschaft gezogen werden. Wenn in den Medien von fünfzig toten Palästinensern gesprochen und dabei nicht erwähnt wird, dass es sich grösstenteils um Mitglieder der Terrororganisation Hamas handelt, kann diese Berichterstattung als nicht nur einseitig, sondern auch israelfeindlich bezeichnet werden. Ob die Journalisten uninformiert sind und fahrlässig berichten oder schlichtweg ebenfalls Probleme mit Juden haben, ist sicherlich von Fall zu Fall unterschiedlich. Ich bin sehr dankbar, dass es hierzulande den Axel Springer Verlag gibt, für uns Juden, ein Licht in in der dunklen Medienlandschaft.

Aber gibt es nicht auch Lichtblicke und Anzeichen dafür, dass die Gefahr, die von Antisemitismus ausgeht, ernst genommen wird? Immerhin hat die Bundesregierung mit Felix Klein einen Koordinator gegen Antisemitismus ernannt. Hilft dies?

Malca Goldstein-Wolf: Inwieweit Dr. Felix Klein, den ich persönlich kenne und schätze, tatsächlich Einfluß nehmen kann, währenddessen unser Bundespräsident sich posthum vor des Judenmörders Arafat verneigt und damit ein unsägliches Zeichen setzt, weiss ich nicht. Was ich aber weiss ist, dass Herr Klein seine Aufgabe beherzt angeht und mit seinen begrenzten Möglichkeiten sein Bestes gibt, um in diesem Kampf gegen Windmühlen Erfolge zu erzielen.

Hinzu kommt, dass es in Deutschland Entscheider zu geben scheint, die sich überzeugen lassen. Tom Buhrow hat auf Ihr Betreiben hin eine Kooperation des WDR mit Roger Waters beendet. Ist dies ermutigend?

Malca Goldstein-Wolf: Als pro-jüdische Aktivistin bin ich eine Art Trüffelschwein, immerzu auf der Suche nach anständigen Menschen in Schlüsselpositionen, die nicht nur reden, sondern auch tun. Menschen, denen es nicht nur um Pöstchen-Sicherung geht, sondern um demokratische Werte. Die Geradlinigkeit, mit der Tom Buhrow gehandelt hat, war für mich beeindruckend. Der WDR Intendant hat nicht nur die richtigen Worte gefunden, er hat auch entsprechend gehandelt. Menschen wie Tom Buhrow sind meine Aufladestation.

Auch scheint der Frankfurter Oberbürgermeister zu verstehen, warum die BDS-Bewegung bekämpft werden muss. Ist er Teil einer Minderheit unter deutschen Lokalpolitikern?

Malca Goldstein-Wolf: In Frankfurt erlebe ich den Bürgermeister Uwe Becker als federführend im Kampf gegen Antisemitismus. Er stellt sich klar auf gegen den BDS, engagiert sich seit so vielen Jahren in dieser Sache, gibt nie auf. So jemand ist nicht nur Politiker, so jemanden bezeichnen wir Juden als „mentsh“, ein Vorbild für Anstand und Menschlichkeit.

Wie sehen Sie die generelle Situation in Deutschland? Die AfD breitet sich aus, Judenhass ist offenbar salonfähig geworden. Könne sich Juden auf den Staat und die demokratische Mehrheit verlassen?

Malca Goldstein-Wolf: Judenhass hat so viele Gesichter, es gibt ihn von links, von rechts, aus der Mitte. Dafür, wie es andere Parteien uns gerne verkaufen wollen, trägt keineswegs die AfD die Alleinschuld. Gerade in der SPD macht mir das Verhalten mancher Politiker aus der Führungsriege mindestens genauso viel Angst. Immerhin sieht Parteichefin Andrea Nahles sogar Gemeinsamkeiten zwischen der SPD und der Fatah. Da helfen keine Ablenkungsmanöver, wir müssen jede Form von Judenhass laut und deutlich benennen und angehen. Und wer kein Opfer sein möchte und sich (wie ich) nicht vorbehaltlos auf die Regierung verlassen möchte, der muss selbst aktiv werden. Es ist nicht unmöglich, Menschen wachzurütteln und Dinge zu bewegen, Angst sollte für Juden in Deutschland keine Option sein. Mein Vorbild sind die Menschen in Israel, ohne deren Mut gäbe es den jüdischen Staat nicht mehr.

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Gerade-wir-als-Deutsche-Deutsche

Der Gerade-wir-als-Deutsche-Deutsche (Gewaldedeu) ist selten stolz auf sein Land, es sei denn, wenn er kritisieren kann, dann blüht er auf und holt dabei voller Stolz seine deutsche Vergangenheit heraus. Der Gewaldedeu sagt, die deutsche Geschichte sei einzigartig, so einzigartig, dass auch er nun einzigartig ist.

Der Gewaldedeu setzt sich mit seiner deutschen Vergangenheit auseinander. Jedes Jahr ein bisschen mehr. Heute sitzt er so weit auseinander von der deutschen Vergangenheit, dass er stolz darauf ist, nicht stolz darauf zu sein, Deutscher zu sein. Er denkt, „Ach, wären doch nur alle so wie ich“. Moralisch sieht sich der Gewaldedeu an der Spitze der Nationen. Wer ihm widerspricht, ist ein Nazi. Besonders gerne bezeichnet der Gewaldedeu Menschen als Nazis, die aus Ländern kommen, die Deutschland einst von den Nazis befreit haben. Der amerikanische Präsident zum Beispiel steht für den gemeinen Gewaldedeu stets unter Naziverdacht. Zudem tendiert der Gewaldedeu dazu, unliebsame Eigenschaften am Gegenüber als „typisch deutsch“ zu bezeichnen.

Der Gewaldedeu hat in seiner Schulzeit jeden 9. November mit seinem Schulchor vor dem Gedenkstein in seiner Heimat gesungen, der an die Synagoge erinnert, die 1938 von den Nazis niedergebrannt wurde. Er verlegt liebend gerne Stolpersteine für ermordete Juden und trampelt irgendwann darauf herum. Er organisiert Ausflüge nach Dachau und Theresienstadt und hat den Soundtrack von “Schindlers Liste” im Schrank stehen. Der Gewaldedeu liebt Klezmer!

Für einen Gewaldedeu sind Juden nichts weiter als Geister der Vergangenheit. Sie tauchen bei ihm fast ausschließlich in Gedenkstunden auf. In seiner Schulzeit hat er das Judentum überwiegend im Geschichtsunterricht kennengelernt, nicht so sehr in den Unterrichtsfächern Philosophie, Ethik, Religion und Gesellschaftskunde.

In den USA steht jüdisches Theater für spritzige, humorvolle Dialoge im Stil von Woody Allen und Neil Simon. Wenn aber ein Gewaldedeu sagt, „Heute gehen wir in ein jüdisches Theaterstück“, dann macht er dabei ein ernstes Gesicht und denkt an Anne Frank, Auschwitz und den Holocaust. Juden sind für einen Gewaldedeu die Toten von damals, nicht die Lebenden von heute.

Der Gewaldedeu fühlt sich persönlich schuldig für den Holocaust, ganz so, als habe er die Verbrechen mit eigener Hand begangen. Wenn er einen Juden trifft, dann schwingt stets auch ein schlechtes Gewissen mit. Der Gewaldedeu sieht sich als Schuldner. Ein Schuldner braucht jedoch einen Gläubiger und für den Gewaldedeu ist das natürlich der Jude. Juden lösen somit bei einem Gewaldedeu unweigerlich ein schlechtes Gewissen aus und tief in seinem Inneren wird ein Gewaldedeu Juden Auschwitz niemals verzeihen.

Dafür geraten Gewaldedeus ganz aus dem Häuschen, wenn sie zeigen können, dass ihre Gläubiger auch nicht besser sind als sie. Gewaldedeus lieben es, Juden zu kritisieren, besonders wenn sie in Israel leben. Der Gewaldedeu hat schließlich aus der Vergangenheit gelernt, nämlich dass die Juden in Israel die Nazis von heute sind, was der Gewaldedeu nun wirklich überhaupt nicht verstehen kann, denn eigentlich müssten es die Juden doch besser wissen, schließlich hatten sie den gleichen Lehrmeister wie sie, nämlich die deutsche Geschichte. Nichts sagt ein Gewaldedeu lieber als: „Das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen!“

Das größte Denkmal des Gewaldedeus ist das Holocaust Mahnmal in Berlin. Altkanzler Gerhard Schröder sagte einst dazu, es sei ein Ort, „wo man gerne hingeht“. Der Historiker Eberhard Jäckel brachte es sogar fertig, zu sagen: „Es gibt Länder in Europa, die uns um dieses Denkmal beneiden.“ Zwei Gewaldedeus, die stolz sind auf ihre Vergangenheitsbewältigung, die es ohne die Vergangenheit natürlich nicht gäbe. Sie haben etwas aus dem Holocaust gelernt.

Es gibt jedoch nichts aus dem Holocaust zu lernen! Was soll es denn schon aus dem Holocaust zu lernen geben? Dass Menschen zu grausamen Ungeheuerlichkeiten in der Lage sind? Dass man Menschen nicht millionenfach vergast? Dass Juden auch Menschen sind? Dass man lieb zueinander sein sollte? Dass man sich wehren darf, wenn man verfolgt wird? Dass man Menschen, die andere Menschen vergasen, den Krieg erklärt? Dass man wahnsinnige Menschen mit allen Mitteln entwaffnet? All das kann man auch ohne Holocaust wissen! Der Holocaust ist keine Nachhilfe für moralisch Sitzengebliebene, sondern schlicht ein unvergessbares und unverzeihliches Verbrechen, aus dem es nichts zu lernen gibt!

Die Gewaldedeus aber machen den Holocaust zu einem moralischen Anschauungsunterricht. Zu irgendetwas muss Auschwitz ja gut gewesen sein. Und die Gewaldedeus haben was gelernt. Sie haben gelernt, Israel zu kritisieren und zwar mit letzter Tinte. Sie haben gelernt, sämtliche Opfer mit den Juden von damals zu vergleichen.

Hartz IV ist die Fortsetzung der Menschenvernichtung des III. Reiches.”

Wir Blankenfelder leben wie im KZ. Werden von zwei Seiten vergast + verlärmt, dank Platzek & Co.”

Was der Staat Israel heute mit den Palästinensern macht, ist im Prinzip auch nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten Reich mit den Juden gemacht haben.“

Zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen lässt, dann unter anderem Hitler und Stalin, die Millionen Menschen vernichten ließen, und heute, in unserer Zeit, werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht.“

In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken. In der Weltwirtschaftskrise von 1929 hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager.“

Schauen wir uns die Lebensbedingungen im Gaza-Streifen einmal an: Das ähnelt immer mehr einem riesigen Konzentrationslager“

Es war falsch, Juden zu töten. Genauso FALSCH ist es, dass jedes Jahr (allein in Deutschland) über 1.000.000.000 Tiere für die Fleischindustrie getötet werden.”

Kein Jude in diesem Land musste jemals solche seelischen Qualen erleiden wie ich.”

Der letzte Satz stammt übrigens von der Gewaldedeuin Sedika Weingärtner. Sie meinte damit das schlechte Betriebsklima in ihrem Büro! Für Gewaldedeus ist Leid ein sehr subjektiver Begriff und nicht wenige von ihnen erleben einen ganz privaten Holocaust! Der Trend geht mittlerweile sogar schon zum Zweitholocaust. Für Gewaldedeus sind Muslime, Hartz-IV-Empfänger und Tiere die Juden von heute, niemals aber sind Juden für sie die Juden von heute. Wenn schon, dann sind Juden die Nazis von heute und auf diese Erkenntnis ist ein echter Gewaldedeu stolz. Für den Gewaldedeu gilt:

Früher gab es für Juden in Deutschland eine besondere Behandlung. Heute hat Deutschland gegenüber Juden eine besondere Verantwortung. Genau diese immer wieder betonte Besonderheit der Gerade-wir-als-Deutsche-Deutsche gegenüber Juden ist ein Teil des Problems.

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Lieber tot als lebendig?

Ein Beitrag von Malca Goldstein-Wolf.

Sobald sich in Deutschland der Holocaust-Gedenktag nähert, fühlt sich alles, was Rang und Namen hat, berufen, in ein rührenden Trauergesang einzustimmen. Auch wenn sich der Bundespräsident zuvor mit einem Kranz posthum vor dem Grab des Judenmörders Arafat verneigt hat, lässt er es sich nicht nehmen, staatstragend den toten Juden im Bundestag zu gedenken. Da möchte ihm Parteikollege, Außenminister Heiko Maas, natürlich in nichts nachstehen und gedenkt der Shoa Opfer in rührendem Wortgeschwall gleich auf allen Kanälen. Er ist schließlich wegen Auschwitz in die Politik gegangen.

Offensichtlich hat Maas im Geschichtsunterricht irgendetwas falsch verstanden. Wie sonst kann es sein, dass er schon am nächsten Tag mit Stolz geschwellter Brust die Unterstützung von Israels Todfeind, dem Mörderregime Iran, mit der Gründung von Instex verkündet. Tote Juden betrauern und die Lebenden den Judenhassern zum Fraß vorwerfen. Was will man auch von einer Regierung erwarten, die indirekt und wohlwissend, palästinensischen Terror samt Renten für die Judenmörder, finanziert?

Welch ein Lichtblick, als sich die Bundesregierung dann entschied, die Boykottbewegung gegen Israel, die BDS-Kampagne, klar und deutlich als antisemitisch einzustufen. BDS versucht in Deutschland immer weiter Fuß zu fassen. Sein Ziel ist der wirtschaftliche, politische und kulturelle Boykott Israels. Ihr scheinheilig als „Israelkritik“ kostümierter Judenhass basiert auf profanen Lügen. So dämonisieren sie den jüdischen Staat, die einzige Demokratie im Nahen Osten, als „Apartheidstaat“. Sogar der ehemalige Außenminister Sigmar Gabriel ließ sich zu dieser Dämonisierung hinreißen.

BDS schreckt nicht einmal davor zurück, mit Schildern vor deutschen Geschäften zu stehen, um die Kunden abzuhalten, israelische Produkte zu kaufen. Diese Vorgehensweise erinnert an das bekannte „Kauft nicht bei Juden“ während der Nazizeit.

Auch der extra eingesetzte Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Dr. Felix Klein, führt einen beherzten Kampf gegen BDS. Dumm nur, dass dieses wichtige Signal von den meisten Bürgermeistern bundesdeutscher Städte beflissentlich ignoriert wird. Frankfurts Bürgermeister Uwe Becker jedoch zeigt, wie es geht, in seiner Stadt haben die Antisemiten vom BDS keine Chance, öffentliche Gebäude werden ihnen nicht zur Verfügung gestellt, wie aber sieht es in anderen Städten aus?

Bergisch Gladbachs Bürgermeister Lutz Urbach hat sich mit seinem Besuch in Auschwitz und Yad Vashem vorsorglich selbst einen Persilschein ausgestellt. In der kleinen Stadt am Rhein hat der Bürgermeister dem israelischen Partnerschaftsverein Ganey Tikvah die Zusammenarbeit wegen dessen politischer Arbeit, dem öffentlichen Kampf gegen Antisemitismus, aufgekündigt. Ihnen wurde angeraten, sich um Kultur und Folklore zu kümmern, unbequeme Themen passen schließlich nicht in so einen „Friede, Freude, Eierkuchen“-Verein.

Als ein antisemitischer Leserbrief eines Mitgliedes des palästinensischen Partnerschaftsverein Beit Jala im Kölner Stadt Anzeiger abgedruckt wurde, bat dessen Chefredakteur später um Entschuldigung für den Abdruck. Bürgermeister Urbach bezog keine Stellung, auch nicht zu den Vorträgen von einschlägig bekannten „Israelkritikern“ wie Rainer Stuhlmann, die den jüdischen Staat gerne als „Apartheidregime“ diffamieren, und auf Einladung des Beit Jala Vereins ihr Gift versprühen. Im Angesicht dieser Doppelzüngigkeit wundert es dann auch nicht, dass ein Entschluss gegen BDS von der Stadt Bergisch Gladbach abgelehnt wurde.

Die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) wollte es gar nicht erst zu einem Beschluss kommen lassen. Vorsorglich strich sie den Anti-BDS-Antrag der LKR-Fraktion (Liberal-Konservative Reformer) einfach von der Tagesordnung der Stadtratssitzung! Mit der fadenscheinigen Begründung, es gäbe keinen konkreten Anlass, (Ludwigshafen scheint eine antisemitismusfreie Zone zu sein) und bei dem Antrag handele es sich um einen sogenannten „Gesinnungsantrag“, der somit nicht statthaft sei, hat Steinruck, (ohne die Fraktion der LKR zu informieren), den Antrag unter den Tisch fallen lassen.

Andreas Hofmeister, Fraktionsvize der LKR in Ludwigshafen (Rhein), hatte den Antrag in Anlehnung an den Mannheimer Anti-BDS-Beschluss fristgemäß eingereicht und um fraktionsübergreifende Unterstützung gebeten. Das Resultat war eindeutig: Der Antrag einer demokratisch gewählten Fraktion wurde entgegen der Satzung der Gemeindeordnung von den anderen „demokratischen“ Fraktionen in den Mülleimer entsorgt und konnte und sollte wohl auch nicht im Stadtrat behandelt und darüber abgestimmt werden. Wessen Geistes Kind OB Steinruck ist, will man gar nicht wissen.

In Göttingen wird Judenhass nicht nur nicht bekämpft, dort wird er sogar öffentlich geschürt. Der Göttinger Friedenspreis der Dr. Roland Röhl Stiftung soll, kein Witz, an die antisemitische BDS Organisation „Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost“, vergeben werden. Göttingen, eine deutsche Stadt, in der Judenhasser sogar ausgezeichnet werden. Man kann sich nur noch wundern.

Irgendjemand sollte zum nächsten Holocaust Gedenktag einen Antrag auf Redeverbot für Heuchler stellen.

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Lesen Sie zu dem Thema auch die Rede von Gerd Buurmann im Rahmen der Gedenkstunde am 9. November 2014 im Foyer des Dortmunder Opernhaus‘ zur Pogromnacht.

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Kein deutsches Geld für sogenannte „Märtyrer“

In den frühen Morgenstunden des 7. Februar 2019 wurde die 19-jährige Jüdin Ori Ansbacher bestialisch geschunden und ermordet. Ihre unbekleidete Leiche wurde in einem Waldstück bei Jerusalem gefunden. Laut Angaben des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet handelt es sich bei dem Verbrechen um einen nationalistisch motivierten Anschlag. Ein 29‐jähriger Mann aus Hebron wurde festgenommen und soll die Tat gestanden haben. Der vermeintliche Täter saß bereits zweimal wegen Waffenbesitz für mehrere Monate im Gefängnis. Außerdem habe er mehrfach betont, dass er „ein Märtyrer“ werden wolle.

Es „lohnt“ sich, ein Märtyrer zu werden. Allein im Jahr 2018 zahlte die Palästinensische Autonomiebehörde über 290 Millionen Euro an Terroristen und deren Familien und Angehörige aus. Dafür wurden extra sogenannte “Märtyrer-Fonds” eingerichtet.

Diese 290 Millionen Euro fehlen selbstverständlich an anderer Stelle. Der deutsche Bundesaußenminister, Heiko Maas, kündigte daher im August 2018 in einem Schreiben an seine Kolleginnen und Kollegen der Europäischen Union die „Bereitstellung weiterer Mittel in substanzieller Höhe“ an und fügte hinzu, da dies nicht ausreiche, um das aktuelle Defizit auf palästinensischer Seite auszugleichen, auch die Europäische Union weitere Anstrengungen unternehmen solle.

Diese Aufforderung des deutschen Bundesaußenministers ist schlicht ein Skandal. Eigentlich müsste die deutsche Politik dafür Sorge tragen, dass kein deutsches Geld dafür verwendet wird, Terroristen, die Juden ermorden oder deren Familien und Angehörige zu finanzieren. Bei seinem Amtsantritt als Bundesaußenminister erklärte Heiko Maas im März 2018:

„Ich bin nicht – bei allem Respekt – wegen Willy Brandt in die Politik gegangen. Ich bin auch nicht wegen der Friedensbewegung oder der ökologischen Frage in die Politik gegangen. Ich bin wegen Auschwitz in die Politik gegangen. Und deshalb ist auch dieser Teil unserer Arbeit mir ganz besonders wichtig.“

Kein halbes Jahr später forderte er die Aufstockung von Geldern zum Stopfen von finanziellen Löchern, die entstanden sind, weil Judenmörder und deren Angehörige für ihre Taten bezahlt werden.

Das Geld für Hilfsgüter fehlt, weil es in Judenmord investiert wird. Wenn diese finanziellen Löcher nun mit deutschem Geld gestopft werden, dann subventioniert Deutschland den organisierten Mord an Juden.

Wenn Heiko Maas es mit seinen Worten ernst meint, muss er dafür Sorge tragen, dass die finanzielle Unterstützung an palästinensische Organisationen um genau die Summe reduziert wird, die in die sogenannten „Märtyer-Fonds“ fließt. Solange das nicht passiert, fließen deutsche Gelder über Umwegen aber deutlich in den organisierten Judenmord.

Die Mutter der 19-jährigen Ori Ansbacher, die im Februar 2019 ermordet wurde, sagte nach dem Mord:

„Ori war voller Zuversicht. Sie hatte Vertrauen in die Welt, bis eine bösartige Macht kam und sie von uns nahm. Sie war eine reine Seele, innerlich und äußerlich schön.“

Die bösartige Macht, die in dem Wald in der Nähe von Jerusalem wütete, wurde durch Umwege auch von Geldern aus Deutschland finanziert. Und der deutsche Außenminister sagt, er sei wegen Auschwitz in die Politik gegangen.

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