Lieder von Viktoria Burkert

Meine wunderbare Frau, Viktoria Burkert, hat bisher vier Lieder auf Tapfer im Nirgendwo vorgestellt.

„Die Ballade von Herrn Gruber“

„Hetero“

„Alles verloren“

„Party im BĂŒro“

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Schreiben Sie als Verwendungszweck gerne „Viktoria“.

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Aethervox Ehrenfeld mit Gerd Buurmann

Jeden Donnerstag erscheint eine Folge des Podcasts Aethervox Ehrenfeld von Christian Schneider. Jeden Donnerstag heißt es: „Gossip, Rants und ‎Lebenshilfe. Aus Köln.“

Hier gibt es alle frei verfĂŒgbaren Folgen mit Gerd Buurmann:

Am 1. Oktober 2020 erschien Folge 334 mit Gerd Buurmann: FOLGE 334 – Neusprech

Am 6. August 2020 erschien Folge 326 mit Gerd Buurmann: FOLGE 326 – Hofnarr

Am 11. Juni 2020 erschien Folge 318 mit Gerd Buurmann: FOLGE 318 – Legion

Am 16. April 2020 erschien Folge 310 mit Gerd Buurmann: FOLGE 310 – Androhung von Gewalt

Am 28. MĂ€rz 2019 erschien Folge 255 mit Gerd Buurmann: FOLGE 255 – Golan Heights

Am 7. April 2016 erschien Folge 92 mit Gerd Buurmann: FOLGE 92 – Tapfer im Nirgendwo

Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, in meiner Arbeit als Autor, KĂŒnstler oder Betreiber von „Tapfer im Nirgendwo“ unterstĂŒtzen wollen, ĂŒberweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto oder nutzen Sie PayPal.

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Kunst gegen Bares 2020

Gerd Buurmann prÀsentiert:

Kunst gegen Bares mit Hildegart Scholten und Gerd Buurmann
jeden Montag um 20 Uhr
im ARTheater, EhrenfeldgĂŒrtel 127 in Köln

Die Show in der Kunst und Kapital aufeinander treffen.

Die neuen Corona-Vorschriften zwingen uns, das ARTheater fĂŒr den Monat November zu schließen. Obwohl die Kunst gegen Bares und das ARTheater alle Hygienevorschriften vorbildlich eingehalten haben und es zu keiner Infektion bei unseren Veranstaltungen kam, ist es uns wie allen anderen Theatern des Landes untersagt, die BĂŒhne zu öffnen. Daher fallen alle AuffĂŒhrungen im November 2020 aus.

KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler prĂ€sentieren auf der BĂŒhne des ARTheaters ihre Talente – vom Schauspielmonolog zum KabarettbrĂŒller, von eigenen Gedichten bis zur Eier-Jonglage im Kopfstand – eigentlich eine typische Offene BĂŒhne Show. Kunst gegen Bares ist die Muppet Show, nur mit Menschen statt Schweinen, Fröschen, Hunden und BĂ€ren. Alles nach dem Motto von Onkel Kermit: “Nimm, was Du hast und flieg damit!“

Das Besondere ist zudem die Form, wie die Kunst entlöhnt wird. Das Publikum entscheidet selbst, wieviel Bares die jeweilige Kunst wert ist. Vor jeder KĂŒnstlerin und vor jedem KĂŒnstler steht ein eigenes Sparschwein, in das nach GutdĂŒnken Geld geworfen werden kann. Bei der Kunst Gegen Bares trifft Kunst auf Kapital, und alles ohne ZwischenhĂ€ndler! Hier ist das Publikum Chef!

Es gibt genau sieben Regeln fĂŒr die Kunst gegen Bares:

1. Zuschauer und KĂŒnstler kommen den selben Weg und sitzen zusammen im Publikum.

2. Die KĂŒnstler werden von der Moderation aus dem Publikum auf die BĂŒhne geholt.

3. Die PrĂ€sentationszeit muss fĂŒr alle KĂŒnstler gleich beschrĂ€nkt sein.

4. Jeder KĂŒnstler erhĂ€lt nach der PrĂ€sentation ein Sparschwein.

5. Das Publikum wird aufgefordert, die erlebte Kunst durch Geldeinwurf in die jeweiligen Sparschweine zu honorieren.

6. Das Geld in den Sparschweinen geht zu 100% an die KĂŒnstler.

7. Der KĂŒnstler oder die KĂŒnstlerin mit dem meisten Geld wird zum „Kapitalistenschwein des Abends“ gekĂŒrt.

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UnterstĂŒtzen Sie Gerd Buurmann

Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, in meiner Arbeit als Autor, KĂŒnstler, Blogger, Comedian, Schauspieler oder Meinungsmacher unterstĂŒtzen wollen, ĂŒberweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl via PayPal.

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Wenn Sie finden, ein Text oder ein Kunstwerk von mir hat sie so wach gemacht wie eine Tasse Kaffee oder so munter wie ein Glas Bier, dann geben Sie gerne 2,- Euro.

NatĂŒrlich können Sie meine Werke auch wie Champagner oder einen edlen Rotwein behandeln, aber zögern Sie nicht, auch einfach mal nur den Preis einer Dose Cola zu ĂŒberweisen. Als Pfand bekommen sie prickelnde Texte zurĂŒck. Versprochen.

Im Jahr 2020 wurden mir bisher (Stand: 8. Oktober 2020) ĂŒber PayPal 1272,20 Euro ĂŒberwiesen. DafĂŒr bedanke ich mich bei allen Leserinnen und Lesern, die mich unterstĂŒtzt haben.

Sollten Sie kein PayPal-Konto besitzen, ĂŒberweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto. Meine Kontodaten erhalten Sie von mir via Mail oder Telefon. Kontaktieren Sie mich einfach:

gerdbuurmann@hotmail.de
016098520957

Alles Liebe
und Danke fĂŒr Ihre UnterstĂŒtzung,
Gerd Buurmann

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Der Witz ist ein VerrĂ€ter!

Bei Humor hört der Spaß auf.

Wenn zwei Menschen nicht den gleichen Sinn von Humor haben, stehen sie sich so unversöhnlich gegenĂŒber wie Menschen, die an unterschiedliche Götter glauben. So wie Fundamentalisten einander vorwerfen, nicht an den richtigen Gott zu glauben, werfen sich Menschen mit unterschiedlichen Humorvorstellungen vor, einen schlechten oder gleich gar keinen Humor zu haben. Humor und Religionen sind wie FĂŒrze: Man glaubt, nur die der Anderen stinken.

Es gibt Menschen, die haben Humor und Ironie und dann gibt es jene, die bevorzugen den Spott mit Gesinnungsgarantie. Sie verlangen nach dem Scherzkeks, der ein Feindbild zum Auslachen erwĂ€hlt. Sie wollen eine Horde sein und gemeinsam schenkelklopfend auslachen. Sie brauchen ein Feindbild. FĂŒr sie ist das Lachen ein ZĂ€hnezeigen. Sie wollen mit ihren Witzen vernichten. Nicht selten findet sich diese Form des vernichtenden Spotts im Karneval und Kabarett.

Mitlachen statt Auslachen ist die Kunst.

Alle Menschen haben Meinungen, das ist nichts besonderes, aber nicht alle haben ein feines GespĂŒr fĂŒr Humor oder ein ausgeprĂ€gtes Gehör fĂŒr Harmonie. Alle Menschen haben Überzeugungen, aber nicht alle sind Komponisten oder Humoristen. Wenn ich wĂ€hlen muss zwischen Ideologie und Witz, wĂ€hle ich den Witz, denn eine Überzeugung hat jeder, Sinn fĂŒr Humor jedoch nicht. Das gilt fĂŒr jeden kunstschaffenden Menschen: Mach, was Dich besonders macht. Eine Meinung hat jeder. Das macht auch Dich nicht besonders. Deine Kunst macht Dich besonders!

Es gibt Komiker, die zeigen mit dem Finger auf andere und es gibt Komiker, die zeigen mit dem Finger auf sich.

Jeder Mensch gibt Grund zu lachen, denn Menschen haben Ideologien, Religionen und Überzeugungen und die sind immer auch saukomisch. Es ist absolut berechtigt, darĂŒber Witze zu machen! Wenn jemand glaubt, ich beleidigte ihn, nur weil ich ĂŒber den Koran, das Evangelium, ein Manifest, Marx, Mohammed oder Jesus lache, dann soll er sich beleidigt fĂŒhlen. Wer glaubt, ich verachte ihn, nur weil ich Witze ĂŒber seinen Glauben mache, verwechselt sich mit seinen Überzeugungen. Der Mensch ist mehr als die Summe seiner Ideen!

Lachen ist keine freiwillige Sache.

Ein Mensch hört nicht einen Witz, sortiert ihn in seine Schubladen ein und entscheidet dann, ob er lacht. Wenn ein Witz gut ist, muss man lachen. Man kann gar nicht anders. Die Frage „Darf man darĂŒber lachen?“ ist daher absurd. Man lacht, weil man lachen muss! Man kann sich hinterher zwar schĂ€men, gelacht zu haben, so wie man sich schĂ€mt, in aller Öffentlichkeit eine Erektion bekommen zu haben, aber die Scham hilft nicht weiter. Das Lachen lĂ€sst sich nicht unterdrĂŒcken. Man kann höchstens hinterher lĂŒgen und sagen, man habe das ĂŒberhaupt nicht komisch gefunden, so wie manche ihre SexualitĂ€t verleugnen.

Das Lachen ist vom Willen entkoppelt wie die Lust.

Wenn jemand einen Witz macht, ĂŒber den man nicht lachen kann, dann lohnt es sich, die Ohren zu öffnen. Wenn nĂ€mlich andere lachen, dann wird es deren erogenen Lachmuskeln offenkundig stimuliert haben. Welches Recht haben wir, diesen Menschen das Lachen zu verbieten? Der Humor der Anderern ist keine krankhafte Perversion. Man muss den Humor nicht teilen, aber fĂŒr jede humoristische Spielart gibt es eine Zielgruppe.

Lachen ist Urlaub vom Leid. Lachen hilft, mit Dingen fertig zu werden und nicht zu verzweifeln.

Ein Comedian sucht nicht nach der universellen Wahrheit, sondern nach dem einzigartigen Lacher. Diese Suche ist stets auch ein Tanz am Abgrund des guten Geschmacks und jeder Comedian stolpert mal oder fliegt gehörig auf die Schnauze. Humor lebt von wilden Gedanken, von GrenzĂŒberschreitung und Unangepasstheit. Wer auf einer BĂŒhne ist und fĂŒr den Witz steht, betreibt Hochleistungssport. Die BĂŒhne ist stets Ausnahmezustand.

Dem Humor freien Lauf zu lassen, ermöglicht dem GegenĂŒber einen tiefen Blick in die eigene Seele, vor allem in die unbewussten Flecken dieser Seele und jede Seele hat Flecken. Schon oft habe ich mich durch mein Lachen verraten.

Der Witz ist ein VerrÀter!

Darum gehört der Witz auch zu den ersten Dingen, die Diktaturen verbieten.

Lachen ist gefÀhrlich!

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Ein radikales PlĂ€doyer fĂŒr Meinungsfreiheit

„Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafĂŒr einsetzen, dass Du es sagen darfst.“

Dieser Satz wird oft fĂ€lschlicherweise Voltaire zugeschrieben. Er stammt jedoch von Evelyn Beatrice Hall (1868 – 1956). Sie war eine englische Schriftstellerin und verwendete den Satz in ihrer im Jahr 1903 erschienen Biografie „The Life of Voltaire“ als Illustration der Philosophie von Voltaire. Die Behauptung, der Satz stamme von Voltaire, ist somit falsch, aber durch die Meinungsfreiheit geschĂŒtzt.

Oft höre ich, Meinungsfreiheit schließe keine Hassreden und Falschaussagen ein, aber genau das tut sie. Es ist die exakte Definition von Meinungsfreiheit, dass auch falsche Meinungen geĂ€ußert werden dĂŒrfen.

Es gibt kein Zuviel an Meinungsfreiheit. Entweder gibt es Meinungsfreiheit oder es gibt sie nicht. So einfach ist das!

Es gibt jedoch ein Zuviel an Angst und ein Zuviel an Beleidigtsein. Gegen Meinungen, die schmerzen, mögen sie nun schmerzen, weil sie wahr sind oder weil sie unwahr sind, hilft nur die Gegenrede als zivilisierte Form der Verteidigung.

Eine Beleidigung, die in die Richtung eines Menschen gefeuert wird, beleidigt den Menschen nur, wenn er die Beleidigung in seinem Kopf annimmt. Eine Faust oder eine Kugel jedoch, die in die Richtung eines Menschen abgefeuert wird, verletzt oder durchlöchert den Kopf unabhÀngig von der Haltung des Menschen. Wer eine Beleidigung nicht hört, lebt. Wer eine Kugel nicht hört, stirbt. Das ist der Unterschied.

Wer glaubt, ein Mensch sei eine Gefahr, weil er spricht, glaubt auch, eine Frau sei eine Gefahr, wenn sie ohne Verschleierung aus dem Haus geht.

Die Zensur ist fĂŒr die Redefreiheit das, was der Schleier fĂŒr die Rechte der Frau ist. Jede Frau darf selbst entscheiden, ob sie einen Schleier tragen möchte, so wie jeder Mensch selbst entscheiden darf, ob und zu was er oder sie schweigen will. Es darf keinen Zwang geben, weder fĂŒr den Schleier noch fĂŒr den Mantel des Schweigens.

Meinungsfreiheit gilt auch fĂŒr die Hassrede! Sonst mĂŒsste der Koran schon lĂ€ngst verboten worden sein, denn da stehen einige deutliche Aufrufe zur Gewalt drin.

Stellen Sie sich einfach mal vor, Sie sehen in eine Kneipe einen Mann mit einem Hakenkreuz am Revers. Sie wĂŒrden denken: „Oh, ein Nazi, dem gebe ich kein Bier aus.“ Jetzt stellen Sie sich aber mal vor, er trĂŒge dieses Hakenkreuz nicht, weil es verboten wĂ€re. Sie wĂŒrden sich vielleicht hinsetzen, sich vorstellen und er wĂŒrde Sie nicht mit „Heil Hitler“ begrĂŒĂŸen, weil das unter Hassrede fĂ€llt. Sie wĂŒrden ein wenig plaudern, dabei das ein oder andere Bier trinken, vielleicht sogar ein Bier ausgeben, bis das GesprĂ€ch auf ein Thema fĂ€llt, bei dem Sie plötzlich merken: „Scheiße, ein Nazi!“ Dann aber ist es zu spĂ€t. Sie haben ihm bereits ein Bier ausgegeben. Alles nur, weil ein Verbot des Hakenkreuzes und des Sagens von „Heil Hitler“ Sie daran gehindert hat, den Mann sofort als das zu erkennen, was er ist.

Ich möchte wissen, wie jemand drauf ist, bevor er zur Tat schreitet.

Meinungsfreiheit ist ein prĂ€ventiver Schutzmechanismus. Nur durch die Artikulation der Gedanken lerne ich das Innere eines Menschen kennen und kann so rechtzeitig entscheiden, ob ich mich vor ihm schĂŒtzen sollte oder von ihm lernen kann. Meinungsfreiheit nutzt dem Gehassten immer mehr als dem Hassenden.

Wenn es Leuten schlecht geht, flĂŒchten sie. Manche flĂŒchten in andere LĂ€nder, andere flĂŒchten in Ideologien. Einige LĂ€nder und Ideologien sind gut, andere weniger. Wer das Äußern einer Meinung verbietet, sorgt lediglich dafĂŒr, dass die Meinung nur noch gedacht wird. Aber nur weil ich jemanden nicht mehr höre, heißt das nicht, dass er die Sache nicht mehr denkt. Die Meinung wird lediglich erst sichtbar, wenn sie sich zu einer Handlung entwickelt hat. Dann aber ist es oft zu spĂ€t.

Andere Meinungen auszuklammern, ist so effektiv wie das kleine Kind, das sich die HĂ€nde vor die Augen hĂ€lt und glaubt, so sei die Gefahr verschwunden. Internetseiten zu löschen, im Glauben, man wĂŒrde dadurch etwas verhindern, ist so produktiv, wie BĂŒcher zu verbrennen!

Es gibt Menschen, die sind so frei von jedem Zweifel und so sicher, auf der richtigen Seite des Lebens zu stehen, dass sie Gewalt rechtfertigen oder billigend in Kauf nehmen, um ihre Gewissheit zu manifestieren. Jeder Mensch lÀuft Gefahr, in das Schussfeld dieser Selbstgerechtigkeit zu geraten.

„Wehret den AnfĂ€ngen“ brĂŒllen diese gerechten Putztruppen und meinen damit doch nur die AnfĂ€nge einer Zukunft, die sie aus ihrer Angst konstruieren. Aus Angst nehmen sie andere Menschen als Geisel ihrer Vermutung. Diese Angst ist die Wurzel des totalitĂ€ren Denkens, die Gewalt ĂŒber Gedanken als PrĂ€ventivschlag ermöglicht.

Das Verbieten von Meinungen ist stets ein PrĂ€ventivschlag! Kann so ein PrĂ€ventivschlag gerechtfertigt sein? Bei der Verleihung des Böll-Preises sagte Herta MĂŒller einst:

„Wenn Hassparolen spazieren gehen, dann geht auch irgendwann ein Messer spazieren.“

Wer mit diesem Satz Meinungen verbieten möchte, muss auch fĂŒr ein Verbot des Korans plĂ€dieren, denn unzĂ€hlige Terroristen sind mit den Parolen des Korans spazieren gegangen, bevor sie zum Messer griffen.

Messer gehen jedoch nicht spazieren, weil vorher Parolen spazierten, sondern weil jene, die die Parolen grölen, die Messer bereits in ihren Hosen haben, um sie in genau dem Moment herauszuholen, da sie in der Lage sind, die Parolen der Anderen zum Schweigen zu bringen. Und die Menschen gleich mit. Das Problem ist nicht die Meinungsfreiheit, sondern der Wille der Hassenden, die Meinungsfreiheit mit Gewalt abzuschaffen. Gedanken verschwinden nicht, nur weil sie nicht mehr gesprochen werden.

Aus Worten werden Taten. Das stimmt. Aber Worte mĂŒssen nicht gesprochen werden, um zu Taten zu werden. Es reicht, wenn sie gedacht werden. Daher bringt es gar nichts, Taten dadurch verhindern zu wollen, dass man die Artikulation der Worte verbietet. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Wer die Artikulation von gewissen Worten verbietet, verhindert dadurch nicht, dass die Worte zu Taten werden. Er verhindert jedoch, dass die Tat rechtzeitig erkannt und gebannt werden kann.

Nur wer die brutalen Gedanken hört, kann sich wehren. Das Verbieten von Worten bringt rein gar nichts! Der Mensch, der in den Augen eines anderen Menschen ein Schwein ist, bleibt fĂŒr ihn ein Schwein, auch wenn er es nicht mehr sagen darf und auch das Messer in der Hose verschwindet nicht, wenn einem der Mund verboten wird.

Worte können zu Taten werden. Gerade deshalb mĂŒssen die Worte artikuliert werden dĂŒrfen.

Das Problem in der Zeit des Nationalsozialismus war nicht, dass „Der StĂŒrmer“ zu erwerben war, sondern die Tatsache, dass sich die Nationalsozialisten zunĂ€chst die persönliche und spĂ€ter auch die staatliche Gewalt nahmen, andere Meinungen und Zeitungen zu verbieten, die ohne Probleme die Ideologie der NSDAP hĂ€tten entlarven können.

Die Nationalsozialisten nutzen nicht die Meinungsfreiheit, um das Messer zu ziehen, sondern sie zogen die Messer, um die Meinungsfreiheit zu attackieren!

Nichts fĂŒrchten jene, die Unrecht haben, mehr als die Meinungsfreiheit! Darum erklĂ€rten auch die Nationalsozialisten in ihrem 25-Punkte-Program unter Punkt 23:

„Wir fordern den gesetzlichen Kampf gegen die bewußte politische LĂŒge und ihre Verbreitung durch die Presse. Um die Schaffung einer deutschen Presse zu ermöglichen, fordern wir, Zeitungen, die gegen das Gemeinwohl verstoßen, sind zu verbieten. Wir fordern den gesetzlichen Kampf gegen eine Kunst- und Literaturrichtung, die einen zersetzenden Einfluß auf unser Volksleben ausĂŒbt und die Schließung von Veranstaltungen, die gegen vorstehende Forderungen verstoßen.“

Aufgrund des „Gemeinwohls“, Meinungen kriminalisieren, Veranstaltungen schließen, BĂŒcher verbieten und Zeitungen abschaffen. Das ist die Gedankenwelt der Nazis. Sie lĂ€sst sich so zusammenfassen: „Wenn die LĂŒge spazieren geht, geht irgendwann auch die Zersetzung spazieren.“

Da trinke ich lieber englischen Tee mit Evelyn Beatrice Hall als diesen deutschen Muckefuck.

***

Ich hatte nicht immer diese radikale Haltung zur Meinungsfreiheit. Die Haltung kam mit der Erfahrung. Wenn Sie mein persönlicher Weg zur radikalen Meinungsfreiheit interessiert, lesen Sie auch: „Der Artikel 5 Club“

(Foto: Maxi Gstettenbauer)

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„FĂŒrchtet Euch nicht!“

Ich wĂŒnsche allen, die es feiern, ein frohes neues Kirchenjahr und einen gesegneten Advent.

(Foto: Tom Wolff, aus einer Zeit vor Corona)
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Kay Ray macht Witze ĂŒber den Islam und wird gefeuert

„Damit beenden wir unsere Zusammenarbeit.“

Mit diesen Worten endet ein Brief des Hamburger Schmidt Theater an den Kabarettisten und Entertainer Kay Ray. Viele Jahre hatte Kay Ray an dem Theater gespielt, aber dann kam der Abend, an dem er diese Worte in seiner Late-Night sprach:

„Wir leben in einem Land, in dem Böhmermann beinahe in den Knast sollte und Helene Fischer mit Preisen ĂŒberhĂ€uft wird. Das gehört doch umgekehrt. Nein, eigentlich gehören beide in den Knast.

Gut, wie kann Herr Böhmermann auch schreiben, dass Erdogan eine Ziege fickt. Das geht natĂŒrlich nicht, vor allem nicht, wo wir genau wissen, dass alle TĂŒrken meine Mutter ficken. Was denn? Machen sie mal einen TĂŒrken wĂŒtend, dann sagt der: „Ich ficke Deine Mutter!“ Die große Frage lautet: Warum wollen die eigentlich alle meine Mutter ficken? Die ist noch gut in Schuss. Sie ist aber 84.

Nun ist meine Mutter ja meine Mutter. Ich bin wie sie. Deshalb hĂ€tte sie große Lust, sich von einer Horde TĂŒrken durchraspeln zu lassen. Sie hat aber keine Zeit. Sie sitzt auf dem Fernseher und guckt Sofa.

Ich hoffe, wir haben Muslime hier im Publikum. Das beweist: Ihr habt Humor und das ist mir eine große Freude. Bedenkt bitte: Wir dĂŒrfen in diesem Land ĂŒber Euch, Euren Gott und Eure Religion lachen. DafĂŒr bekommt Ihr auch unser Weihnachtsgeld.

Ich mache Witze ĂŒber alle Religionen. Wie nennt man die Vagina eine Nonne? Christstollen!“

In einem Brief an Kay Ray erklĂ€rt das Schmidt Theater, aufgrund dieser Worte hĂ€tten sich einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Theaters derart beleidigt gefĂŒhlt, dass die Theaterleitung die Zusammenarbeit mit ihm beenden mĂŒsse, um sie kein weiteres Mal in eine Situation zu bringen, „in welcher sie sich wĂ€hrend der Arbeitszeit belĂ€stigt und beleidigt fĂŒhlen.“

In einer Stellungnahme konkretisiert Kay Ray den Grund fĂŒr die Beendigung der Zusammenarbeit:

„Eine KĂŒndigung seitens des Schmidt Theaters aufgrund einer Beschwerde, nicht etwa des Publikums, sondern seitens junger Kellnerinnen und Kellner muslimischen Glaubens, ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht der freien Kunst in diesem Land, es ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die sich seit langer Zeit tolerant gegenĂŒber jedweder Religion auf St. Pauli Ă€ußern.“

Kay Ray macht Witze ĂŒber alle Religionen, aber nur eine Religion kostete ihm den Job.

Kay Ray sagt ĂŒber den Leiter des Schmidt Theater:

Corny Littmann galt nie als angepasst. Er wurde zu Beginn seiner Karriere bewundert fĂŒr seine Aktionen, die sich oft gegen die Zensur des Bayrischen Rundfunks richteten, der seine legendĂ€re Schmidt Mitternachtsshow nicht live, sondern zeitversetzt am nĂ€chsten Tag sendete, um unerwĂŒnschte Passagen herausschneiden zu können.“

Anfang der 90er Jahre blendete sich der Bayrische Rundfunk aus einer Mitternachtsshow aus, als Corny Littmann ein Plakat der Deutschen Aidshilfe in die Kamera hielt. In der nĂ€chsten Show trug Littmann dieses Motiv auf seinem T-Shirt und erklĂ€rte, kokett in Kamera lĂ€chelnd: „Ich bin gespannt, wie der Bayrische Rundfunk jetzt den Moderator herausschneidet.“

Zu dieser legendÀren Aktion erklÀrt Kay Ray:

„Ein intellektueller Terrorakt wider der spießigen Moral und der Dauerempörung beleidigter TugendwĂ€chter aus lĂ€ngst vergangenen Tagen.

Nach der gestrigen Mail an mich bezĂŒglich beleidigter Mitarbeiter und der spĂ€ter hinzugekommenen Info, jene beleidigten Mitarbeiter seien muslimische Kellnerinnen und Kellner, die sich ĂŒber meine „islamfeindlichen“ Witze beschwert haben, bin ich verunsichert.

Ich habe mich frĂŒher auf der BĂŒhne des Theaters ausgezogen, ganz nackt. Ich habe lustige Tierfiguren mit meinem Penis gemacht. Was wĂŒrden heute die muslimischen Kellner wohl dazu sagen? Vormals waren alle amĂŒsiert, vom Kellner bis zur Putzfrau, egal welchen Geschlechts und welcher Religion und welcher Herkunft. Adieu liebes Schmidt Theater. Heute, ja heute bist Du der Bayerische Rundfunk.“

Heute ist das Schmidt Theater der Bayrische Rundfunk. Zudem ist das Schmidt Theater rassistisch.

WĂ€hrend das Schmidt Theater bei Christen oder Amerikanern allgemein davon ausgeht, dass hier die Mehrheit mit harscher Kritik und sogar mit Beleidigungen des eigenen Glaubens oder des eigenen Landes leben kann, tut es beim Islam und TĂŒrken so, als mĂŒsste aus Sorge um die GefĂŒhle beleidigter LeberwĂŒrste hinter der Theke die beißende Freiheit des Spotts aufgegeben werden. Das jedoch ist die Logik der Fanatiker und Rassisten.

Wer Muslimen nicht das selbe zumuten will wie Christen, wer nach EinschrĂ€nkungen der Meinungs- und Kunstfreiheit ruft, weil Araber angeblich nicht ertragen können, was Amerikaner selbstverstĂ€ndlich ertragen, wer in TĂŒrken nur Menschen erkennt, die gar nicht anders können, als beleidigt zu sein, wenn der Islam verarscht wird, wer einen KĂŒnstler, der Witze ĂŒber alle Religionen macht, nur feuert, wenn er Witze ĂŒber eine bestimmte Religion macht, ist ein Rassist.

Das Recht auf Spott ist ein Menschenrecht, vor allem, wenn sich der Hohn gegen Herrschende richtet.

Mit ĂŒber 1,6 Milliarden Muslimen auf der Welt und mit diversen LĂ€ndern, die nach der Scharia leben, ist der Islam eine der mĂ€chtigsten Ideologien der Welt. Der Islam herrscht, auch in der TĂŒrkei. Diesen Herrscher mit beißendem Spott zu kritisieren, vor allem in Anbetracht der brutalen und unmenschlichen Verbrechen, die im Namen dieser Religion zum Teil von Staats wegen begangen werden, ist aufklĂ€rerische Pflicht. Kay Ray kommt dieser aufklĂ€rerischen Pflicht nach. Das Schmidt Theater jedoch stellt sich gegen diese AufklĂ€rung.

In den letzten Jahren wurden Karikaturisten von fanatischen Muslimen ermordet, weil sie sich ĂŒber den Islam lustig gemacht hatten. Komiker geraten in Lebensgefahr, wenn sie Witze ĂŒber Mohamed machen. Einem Lehrer in Frankreich wurde der Kopf abgeschnitten, weil er in der Schule eine lustige Zeichnung von Mohamed gezeigt hatte, um damit das Prinzip der Meinungsfreiheit zu verdeutlichen. Sein Name war Samuel Paty.

Menschen werden abgeschlachtet, weil sie Witze ĂŒber den Islam machen. Kay Ray macht Witze ĂŒber alle Religionen, aber nur Witze ĂŒber eine bestimmte Religion bringen ihn in Lebensgefahr. Und was macht das Schmidt Theater? Es fĂ€llt seinem KĂŒnstler in den RĂŒcken. Das ist an Feigheit kaum noch zu ĂŒberbieten.

Der Islam verdient einen Mindesthohn! Kay Ray ist bereit, ihn zu zahlen. Das Schmidt Theater aber hofiert die beleidigten TugendwÀchter.

Bevor Samuel Paty ermordet und geköpft wurde, weil er eine Zeichnung von Mohamed gezeigt hatte, waren viele Kolleginnen und Kollegen der Schule ĂŒber ihn hergefallen. Sie hatten ihn kritisiert, weil er es gewagt hatte, den Islam zu kritisieren. Sie warfen dem Lehrer vor, den Islam beleidigt zu haben. Sie wollten nicht, dass sich Muslime durch den Lehrer belĂ€stigt und beleidigt fĂŒhlen. Jetzt ist der Lehrer tot. Ein beleidigter TugendwĂ€chter hatte zum Messer gegriffen.

(Foto: Andreas Elsner)

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Kunst ist doch kein Streichelzoo

Ein lyrisches Lebenszeichen aus dem Teil-Lockdown von Simon Slomma.

Ey jo, ich hocke nur in meiner Wohnung, war Jahrelang auf Ochsentour. Jetzt ist das verboten. FrĂŒher jeden Abend live in nem kleinen Laden, wĂ€hrend alle anderen gerade ihren Feierabend haben. Ja und das haben wir uns so ausgesucht. Es ist ein schmaler Grad zwischen ausgebuht und ausgebucht.

Zugegeben, nicht jeder mit ner Stagetime muss deshalb ungefragt seine Meinung in die Welt schreien. Und es schwingen sich halt oft jene zu Reden auf, die die BĂŒhne nur missbrauchen fĂŒr nen funky Lebenslauf, die nebenbei noch tausend Asse in ihrem Ärmel haben, reden von Kultur erhalten. Ihr könnt mich mal gerne haben!

Studier doch einfach weiter deine Lehramts-Scheiße, aber mach hier nicht auf die Leiden des jungen Werthers. Weißte, leg dir ruhig n Banner aufs Profil-Bild, aber halt die FĂŒĂŸe bitte mal mit Keep it real still.

Ich hab nie gewusst, was ich von meinem Leben will. Hat man mich gefragt, was willst du werden, wurde ich sehr, sehr still. Dann verirrte ich mich in nen Proberaum und von diesem Tag an hat ich einen großen Traum.

Ich hab nie gewusst, was ich aus meinem Leben mache, nur, dass das egal ist, sollt ichs mal in diese Szene schaffen. Ja, ich weiß, das klingt pathetisch, aber schweigen bleibt vergeblich.

Aber klar, du kommst nicht weit durch Distinktion alleine. Macht ihr einfach eure Scheiße weiter, ja und ich mach meine. Und bei den Leuten mit ner großen Reichweite ist es nun mal grĂ¶ĂŸtenteils eher auch bloß Neid, weißte.

NatĂŒrlich, man macht es fĂŒr sich selber, aber das Essen muss den GĂ€sten schmecken und nicht dem Kellner. Tu doch nicht so, als wĂ€r das Ausbleiben eines Hypes ein Anzeichen dafĂŒr, Du verkaufst keinem deinen Geist, nein, es hat auch niemand n Gebot gemacht.

Ja ja, da sitzen sie mal wieder reich und fett am Logenplatz. Ja, ist bitter, vor allem dann im Nachgeschmack. Lern lieber was Ordentliches. Hör auf, was dein Vater sagt. Es gibt keine verhinderten Genies und jeder kriegt das Publikum, das er und sie verdient. FĂŒr fĂŒnf Euro monatlich erzĂ€hle ich euch Geschichten, aber niemand hat die Absicht, eine Paywall zu errichten.

Ich hab nie gewusst, was ich von meinem Leben will. Hat man mich gefragt, was willst du werden, wurde ich sehr, sehr still. Dann verirrte ich mich in nen Proberaum und von diesem Tag an hat ich einen großen Traum.

Ich hab nie gewusst, was ich aus meinem Leben mache, nur, dass das egal ist, sollt ichs mal in diese Szene schaffen. Ja, ich weiß, das klingt pathetisch, aber schweigen bleibt vergeblich. Ein Leben ohne Kunst, nein, nein, das geht nicht.

Live spielen ist am geilsten. Kein Stream kann das leisten. Es sind und bleiben Geistershows, aber wir wollen auch kein Mitleid; Kunst ist doch kein Streichelzoo.

Hast du gute Leute in deinem Umfeld, dann wĂ€r es echt uncool, wenn du darĂŒber den Mund hĂ€ltst. Bitte erzĂ€hl es einfach weiter; du darfst drĂŒber sprechen, ey wir sind hier nicht beim Fight Club.

Und die Großen machen‘s auch nicht besser. Biggie Smalls und 2pac wĂ€r‘n heut Soundcloudrapper. Jeder braucht n Shuttle aus‘m Jugendhaus, doch kommst du in mein Atelier, dann zieh bitte die Schuhe aus.

Ich mache Mukke, seit ich eine Stimme habe und ich werd nicht aufhören, bis sie mich aus meinem Zimmer tragen. Will sagen, schön, wenn ihr dabei seid. Ich werd sowieso auf BĂŒhnen gehen, bis dass der Tod uns scheidet.

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(TINSIMS)

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JĂŒdischer Friedhof in Haren geschĂ€ndet

Haren (Ems) ist eine kleine Gemeinde im Emsland in Niedersachsen. Es ist der Ort, wo ich geboren wurde und wo ich bis zu meinem 18. Lebensjahr gelebt habe. In Haren gibt es einen kleinen jĂŒdischen Friedhof.

Dieser Friedhof erinnert an die Zeit, da es noch eine jĂŒdische Gemeinde mit einer Synagoge in Haren gab. Diese Zeit jedoch ist lange vorbei.

Im November des Jahres 1938 wurde die Harener Synagoge zerstört und in der folgenden Zeit die jĂŒdische Gemeinde der Stadt ausgelöscht. Nur wenigen JĂŒdinnen und Juden gelang die Flucht.

Im November des Jahres 2020 wurde bekannt, dass in einem bislang nicht nĂ€her einzugrenzenden Tatzeitraum mehrere Grabsteine auf dem jĂŒdischen Friedhof durch das Einritzen von mehreren Hakenkreuzen geschĂ€ndet wurden. Einige BeschĂ€digungen könnten nach Bewertung der Spuren an den GrabmĂ€hlern bereits mehrere Monate alt sein. Der polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen ĂŒbernommen.

An dem Ort, wo einst die Harener Synagoge stand, steht heute eine evangelische Kirche. Davor steht ein Mahnmal, das an die Namen der vertriebenen und ermordeten JĂŒdinnen und Juden der Stadt erinnert.

Es war in den frĂŒhen Morgenstunden des 10. November 1938 als die Synagoge in Haren niedergebrannt wurde. Rudel Möllering war damals ein kleiner Junge. Zum fĂŒnfzigsten Jahrestag des Pogroms berichtete er fĂŒr die Meppener Tagespost, wie er frĂŒh morgens zur Toilette ging und dabei das Feuer entdeckte:

„Im Dunkeln kam ich zur Toilette, machte die TĂŒr auf und sah durch das Fenster ein irres Licht. Feuer. Faszination und Beklemmung. Alles dunkel draußen und dann dieses Feuer. Zehn Minuten. Zwanzig Minuten. Ein groteskes Schauspiel. Nichts störte die Flammen.

Über die Zeit danach sagte Rudel Möllering:

„Wie ein Traum schien der Brand ausgelöscht. Ich hatte alles miterlebt und konnte nun nichts sagen. Ich war nicht stolz oder betroffen oder voller Angst und Unsicherheit. Das Ungeheuerliche war nur nicht einzuordnen. Es war, als wenn ein Schweigen sich breitmachen wĂŒrde. Es gibt Dinge, ĂŒber die redet man nicht.“

GĂŒnter war ein jĂŒdischer Junge in Haren, dessen Vater fĂŒr seine Verdienste im Großen Krieg mit dem Ehrenkreuz Zweiter Klasse ausgezeichnet worden war. Ein ehemaliger Klassenkamerad von ihm berichtete in den achtziger Jahren fĂŒr die SchĂŒlerzeitung „Judenpogrom 1938 in Haren“ der Realschule Haren:

„Wir gingen jeden Morgen zusammen zur Schule. Er wurde im Kaufe der Zeit immer stiller und ich fragte ihn, was los sei. Er aber wollte nichts erzĂ€hlen. UngefĂ€hr gegen Ende des Jahres 1937 kam es öfter vor, dass man bei den Juden auf der langen Straße, dort gab es drei verschiedene jĂŒdische Metzgereien, die Schaufensterscheiben eingeworfen hatte. Mein Klassenkamerad wurde dann natĂŒrlich oft gefragt, wer denn die Scheiben wohl eingeschlagen hatte, er sagte jedoch stĂ€ndig, dass er nichts wisse. Ich bemerkte nur, wie er immer stiller und stiller wurde. Wenn einem jĂŒdischen GeschĂ€ftsmann eine Scheibe eingeworfen wurde, war es sehr schwer die zu ersetzen, da ihnen kein Glas verkauft werden durfte.“

Eine BrĂŒcke ĂŒber die Ems fĂŒhrt nach Haren. Vor dieser BrĂŒcke stand einst eine alte, dicke Eiche. Irgendwann hing ein großes Schild an dieser Eiche: „JUDEN SIND IN DIESEM ORTE UNERWÜNSCHT!“

Sehr schnell folgten auch Schilder in den Harener GeschĂ€ften: „JUDEN WERDEN IN DIESEM GESCHÄFT NICHT MEHR BEDIENT!

Es gab zwar einige GeschÀftsleute, die die Auslagen so in ihre Schaufenster platzierten und stapelten, dass man die Schilder nicht lesen konnte, aber es war eine Minderheit.

GĂŒnter war zehn, als die Synagoge in Haren niedergebrannt wurde. Er erfuhr davon, als er in der Schule war. Sein Schultag begann mit zwei Stunden Sport auf dem Schulhof. Plötzlich rief ein SchĂŒler: „Herr Lehrer, da brennt es!“ Die SchĂŒler blickten in die Richtung, wo Qualm ĂŒber die DĂ€cher zu sehen war. Ein SchĂŒler fragte erstaunt, warum denn kein Brandhorn zu hören sei und der Lehrer erwiderte: „Da wird auch wohl kein Brandhorn gehen!“

Als GĂŒnter fragte, warum denn kein Brandhorn zu hören sei, fuhr ihn der Lehrer an: „Ja, Du JudenlĂŒmmel, was meinst Du wohl, was da passiert? Euern Tempel brennen sie ab!“

Was an der Synagoge geschah, beschrieb eine Zeitzeugin so:

„Am Morgen hielt ein kleiner Laster aus der Stadt Meppen vor der Synagoge in Haren. Junge SA-MĂ€nner sprangen ab, um mehrere Strohballen in die Synagoge zu schleppen. Sie zĂŒndeten diese dann mit Fackeln an. Da das Feuer aber nicht brennen wollte, zerschlugen sie alle Fenster und TĂŒren, damit der Rauch besser abziehen konnte.“

Vor der Synagoge lag die Tora im Dreck. MĂ€nner hatten darauf uriniert. Ein anderer Zeitzeuge berichtete fĂŒr die SchĂŒlerzeitung „Judenpogrom 1938 in Haren“:

„Als ich in die jetzige Werftstraße einbog, sah ich die Synagoge brennen, man warf immer wieder kleine Dosen mit Benzin hinein. Das Dach war schon eingestĂŒrzt. Es war mit Schiefer bedeckt gewesen. Die EingangstĂŒr war herausgerissen. Es waren MĂ€nner in SA-Uniform dort und ich habe viele erkannt. Unter anderem stand ein Beamter in Dienstuniform dabei, den ich kannte. Er fragte mich: „Was willst Du denn hier?“ „Ich will mir das mal ansehen“, sagte ich. Darauf sagte er zu mir: „Geh mal da hinten hin. Da mĂŒssen sie knĂŒppeln, die JudenlĂŒmmel, die Libanontiroler!“

Mehrere Juden wurden mit Fußtritten und GenickschlĂ€gen immer wieder in Richtung der Synagoge getreten. Sie wurden gezwungen, die WĂ€nde der qualmenden Synagoge niederzureißen. Sie hatten ihre Hemden abgerissen und um ihre HĂ€nde gebunden. Ein Ă€lterer Jude hatte kein Fleisch mehr an seinen HĂ€nden. Es war nur noch Blut zu sehen. Sein Name war Jakob Jakobs. Er war der Opa von GĂŒnter.

Bis in den Nachmittag hinein wurden die Juden gezwungen, die WĂ€nde der ausgebrannten Synagoge niederzureißen. Gegen drei Uhr nachmittags kamen SA-MĂ€nner mit einem Wagen angefahren. Ein SA-Mann hatte einen Topf mit einem Kaktus in der Hand. Er ging auf einen Juden zu und zwang ihn, den Kaktus auf den Kopf zu setzen und dort festzuhalten. Rudel Möllinger war Zeuge dieser Erniedrigung:

„In der Kirche wurde ĂŒber böse Juden geredet, aber das waren fĂŒr mich andere gewesen. Das Bild vom Juden mit dem Kaktus hatte alles verĂ€ndert. Die beiden alten Juden gingen langsam vom Platz vor der zerstörten Synagoge auf die Schulstraße. Zwei SA-MĂ€nner folgten den beiden mit etwas Abstand, dann kam das Auto mit den beiden anderen. Und dann kamen wir, eine Horde schweigender Kinder, eine Prozession. Alle Kinder gingen mit, die grĂ¶ĂŸeren fassten die kleinen an die Hand. Ich hatte keine Gedanken wĂ€hrend des Weges. Es ging mir nichts durch den Kopf. Ich sah immer nur den alten Juden mit dem Kaktus auf dem Kopf.“

Sie gingen zu den HĂ€usern der Juden, um dort alles kurz und klein zu schlagen. Eine Zeitzeugin berichtete:

„Sie zerschnitten die Betten und zerstörten die ganze Inneneinrichtung. Dies wiederholten sie bei drei und vier anderen jĂŒdischen Familien.“

Überall warfen die SA-MĂ€nner die Blumentöpfe von den FensterbĂ€nken und zwangen Juden, diese Blumentöpfe aufzusetzen. Innerhalb weniger Tage danach wurden alle jĂŒdischen BĂŒrgerinnen und BĂŒrger Harens abgeholt und ermordet, darunter Levy, Erich, Regine, Leopold und Lotte Sternberg, sowie Sara, Isaak und Iwan Frank. Ebenfalls vertrieben wurden Gottfried Frank, Sally, Bela und Minna de Vries.

Auch GĂŒnter wurde mit seinen Eltern Ivan Jakobs und Minna Jakobs (geb. Sternberg) und seiner Schwester vertrieben. Seine Familie wurde vergast. Er selbst ĂŒberlebte das Lager in Bergen-Belsen und wanderte spĂ€ter in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo er sich in Denver niederließ. Zu einer ehemaligen Schulkameradin sagte er spĂ€ter: „Hunderttausend Meilen sind zu wenig zwischen mir und Deutschland.“

An all diese Namen erinnert das Mahnmal, das an der Stelle der ehemaligen Synagoge steht. Heute steht dort eine evangelische Kirche. Sie trĂ€gt den Namen Martin Luther Haus. Dies hat zur Folge, dass heute direkt ĂŒber den Namen der ermordeten Juden der Stadt der Name Martin Luther steht.

Haren (Ems) ist eine mehrheitlich katholische Gemeinde. Die evangelische Gemeinde ist eine Minderheit.

Ob es eine gute Idee war, auf dem Platz der ehemaligen Synagoge ein evangelisches Haus zu errichten, mag dahingestellt sein. Es ist jetzt so. Es lĂ€sst sich nicht mehr Ă€ndern. Was sich jedoch Ă€ndern lĂ€sst, ist der Name des Hauses. So wichtig Martin Luther fĂŒr die evangelische Kirche auch sein mag, so klar ist es auch, dass er vor fĂŒnfhundert Jahren exakt das gefordert hatte, was am Morgen des 10. Novembers 1938 in Haren geschah. In seinem „Handbuch ĂŒber die Judenfrage“ forderte Martin Luther:

„Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde ĂŒberhĂ€ufe und beschĂŒtte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich 
“

Beim NĂŒrnberger Prozess erklĂ€rte der nationalsozialistische Publizist Julius Streicher:

„Antisemitische Presseerzeugnisse gab es in Deutschland durch Jahrhunderte. Es wurde bei mir zum Beispiel ein Buch beschlagnahmt von Dr. Martin Luther. Dr. Martin Luther sĂ€ĂŸe heute sicher an meiner Stelle auf der Anklagebank. In dem Buch ‚Die Juden und ihre LĂŒgen‘ schreibt Dr. Martin Luther, die Juden seien ein SchlangengezĂŒcht, man solle ihre Synagogen niederbrennen, man soll sie vernichten.“

Julius Streicher hatte Recht damit. In seiner Abhandlung â€žĂœber die JĂŒden und ihre LĂŒgen“ erklĂ€rte Martin Luther:

„Die Juden sind ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles UnglĂŒck gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen.“

Dass nun ausgerechnet dieser Name ĂŒber die Namen der jĂŒdischen Opfer der Stadt Haren prankt, darf als durchaus geschmacklos bezeichnet werden, wenigstens aber als geschichtsvergessen.

Es wundert mich, dass diese Geschmacklosigkeit noch niemandem aufgefallen ist. Dann aber wird mir klar, dass auch die Hakenkreuze auf den Grabsteinen des jĂŒdischen Friedhofs in Haren vermutlich schon vor lĂ€ngerer Zeit dort eingeritzt wurden.

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Weltoffenheit und Vielfalt an der Kölner UniversitĂ€t

Heute ging ich an einer Baustelle auf dem Campus der UniversitÀt zu Köln vorbei und entdeckte dort ein Plakat aus dem Jahr 2019, auf dem dazu eingeladen wurde, hundert Jahre Neue UniversitÀt zu Köln zu feiern.

Auf dem Plakat steht: „Feiern Sie mit uns 100 Jahre Wissenstradition, Vielfalt, Weltoffenheit und Denkergeist der ganzen Stadt.“

Die Neue UniversitĂ€t zu Köln feierte im Jahr 2019 hundert Jahre Wissenstradition, Vielfalt, Weltoffenheit und Denkergeist von 1919 bis 2019. In diese Zeit fallen auch die Jahre des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945. In dieser Zeit wurden sĂ€mtliche jĂŒdischen Professoren, Studentinnen und Studenten von der UniversitĂ€t vertrieben. Stattdessen wurde die Verwirklichung des FĂŒhrerprinzips als Lernziel der UniversitĂ€t ausgerufen. Sieht so Kölner Vielfalt und Weltoffenheit aus?

Vom Plakat verwirrt ging ich sofort nach Hause und informierte mich ein wenig ĂŒber die Kölner UniversitĂ€t.

Im Jahr 1388 wurde in Köln unter dem Namen Universitas Studii Coloniensis erstmals eine UniversitĂ€t in der Stadt gegrĂŒndet. Sie zĂ€hlte lange Zeit zu den Ă€ltesten UniversitĂ€ten in Europa. Im Jahr 1798 wurde sie allerdings geschlossen, als Köln von den Franzosen besetzt wurde.

Im Jahr 1919 grĂŒndete sich dann die Neue UniversitĂ€t zu Köln. Ein Hauptgrund fĂŒr die NeugrĂŒndung einer UniversitĂ€t in Köln bestand darin, dass nach dem Ersten Weltkrieg die deutsche Kaiser-Wilhelms-UniversitĂ€t in Straßburg geschlossen wurde und daher stattdessen eine neue UniversitĂ€t in Köln gegrĂŒndet wurde, um so die „deutsche Position am Rhein stĂ€rken“.

Bei der Ansprache im GĂŒrzenich am 12. Juni 1919 aus Anlass der Eröffnungsfeierlichkeiten der UniversitĂ€t sprach der damalige OberbĂŒrgermeister der Stadt Köln, Konrad Adenauer, exakt 205 Tage nach der Kapitulation Deutschlands:

„Große Vergangenheit verpflichtet! Sie verpflichtet zum Streben nach gleich großer Zu­kunft! – Zukunft! Wie ein schwarzer Schatten fĂ€llt das Wort auf unsere Festesfreude. Haben wir noch eine Zukunft? Dunkel liegt sie vor unseren Blicken, Dunkel ist die Zukunft dieser Stadt, dunkel die Zukunft dieses Volkes: Die deutsche Macht ist gebro­chen; der Feind steht im Lande; ein Frieden soll uns aufgezwungen werden, der uns versklavt; im Innern des Landes wandert der Geist der Zwietracht und des Aufruhrs, der Geist des Spartakus und Bolschewismus umher. Dunkel und schwarz liegt die Zukunft vor uns. Trotzdem – wir brauchen nicht zu verzagen – wir haben eine Zukunft, wir glauben an das deutsche Volk: es wird genesen von dieser Krankheit, es wird gelĂ€utert hervorgehen aus diesem Fegefeuer; voll Kraft und Gesundheit wird es seinen Platz unter den Völkern des Erdballes wieder einnehmen. An dem Werke der Genesung unseres Volkes mitzuarbeiten, das ist die nĂ€chste hohe Aufgabe der UniversitĂ€t Köln. Das Werk der inneren LĂ€uterung soll sie fördern, in Gemeinschaft mit ihren Schwestern, durch Pflege der wahren Wissenschaft und Weisheit, der wahren Freiheit und Gesittung.“

Am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg mit der Kapitulation Deutschlands. In vielen LÀnder ist der 11. November daher ein Gedenktag. Sowohl in Frankreich als auch im Vereinigten Königreich, in den USA, in Kanada, Belgien, Australien, Neuseeland und vielen weiteren LÀndern wird am 11. November an den Krieg und die Opfer gedacht. In einigen LÀndern werden in Erinnerung an den Waffenstillstand zwei Schweigeminuten gehalten.

In Teilen Deutschlands jedoch und in Köln besonders ist der 11.11. Karneval. Daher hat sich der 11. November in Deutschland als Gedenktag nicht durchgesetzt. Am 11.11. wird in Köln gelacht, getanzt, gefeiert und gesoffen.

Mit dem Feiern kennt sich Köln aus, darum wurde im Jahr 2019 auch mit diesen Worten zum JubilĂ€um geladen: „Feiern Sie mit uns 100 Jahre Wissenstradition, Vielfalt, Weltoffenheit und Denkergeist der ganzen Stadt.“

Dass am 11. November der Gedenktag fĂŒr die Opfern des Ersten Weltkriegs zugunsten des Kölner Karnevals ignoriert wird, hat sich ja mittlerweile als Tradition durchgesetzt, dass die Neue UniversitĂ€t zu Köln jedoch im Jahr 2019 eine KontinuitĂ€t behauptete und aus purer Feierlaune heraus erklĂ€rte, an der Kölner UniversitĂ€t habe im Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 Weltoffenheit und Vielfalt geherrscht, dass macht mich dann doch sprachlos.

Im Jahr 1919 war Konrad Adenauer nicht sprachlos. Er erklÀrte:

„Aber darĂŒber hinaus fĂ€llt der UniversitĂ€t Köln noch eine besondere Aufgabe zu. Wie auch der Friedensvertrag aussehen mag, hier am Rhein, an der alten Völkerstraße, werden wĂ€hrend der nĂ€chsten Jahrzehnte die deutsche Kultur und die Kulturen der westlichen Demokratien zusammenstoßen. Wenn ihre Versöhnung nicht gelingt, wenn die europĂ€ischen Völker nicht lernen, ĂŒber der berechtigten Wahrung ihrer Eigenart das aller europĂ€ischen Kultur Gemeinsame zu erkennen und zu pflegen, wenn es nicht gelingt, durch kulturelle AnnĂ€herung die Völker wieder zu einigen, wenn auf diesem Wege nicht einem neuen Kriege unter den europĂ€ischen Völkern vorgebeugt wird, dann ist Europas Vormacht in der Welt dauernd verloren. Das hohe Werk dauernder Völkerver­söhnung und Völkergemeinschaft zum Heile Europas zu fördern, sei die besondere Aufgabe der UniversitĂ€t Köln, der UniversitĂ€t in der westlichsten deutschen Großstadt, die mitten in den Aufeinanderprall der verschiedenen Kulturen hineingestellt ist. Deutsches Wesen soll die UniversitĂ€t Köln den deutschen StĂ€mmen am Rhein erhalten; wahre deutsche Art soll sie auch dem Ausland zeigen und vermitteln und von diesem, in beide Teile förderndem Austausch, das Gute seiner Kultur empfangen und dem deutschen Volke zufĂŒhren. Vor allem aber soll sie das Wesensverwandte aller europĂ€ischen Kultur zeigen; sie soll zeigen, dass zwischen allen europĂ€ischen Völkern schließlich doch viel mehr des Gemeinsamen als des Trennenden ist. Dem wirklichen Völkerbunde, dem Fortschritte der Völker zu einer höheren Stufe der Entwicklung zu dienen, sei ihr heiliger Beruf!“

Mit diesen Worten betonte Konrad Adenauer im Jahre 1919 das, was hundert Jahre spÀter als Wissenstradition und Denkergeist gefeiert werden sollte. Allerdings scheiterte die Kölner UniversitÀt in den Jahren des Nationalsozialismus an genau dieser von Adenauer erklÀrten Aufgabe.

Es gab im Rahmen des JubilĂ€ums zwar durchaus ein paar Programme, die sich mit der Geschichte der UniversitĂ€t in der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzten, da aber am Ende fĂŒr das JubilĂ€um ein Karnevalsmotto als publikumswirksamer Werbespruch gewĂ€hlt wurde, bei dem getrommelt wurde, dass auch von 1933 bis 1945 an der Neuen UniversitĂ€t zu Köln Wissenstradition, Vielfalt, Weltoffenheit und Denkergeist herrschten, dĂŒrfen diese Programme als akademische PflichtĂŒbung ohne tatsĂ€chliche Auswirkungen angesehen werden.

Von 1933 bis 1945 war weder das deutsche Wesen noch die Neue UniversitÀt zu Köln geprÀgt von Weltoffenheit und Vielfalt. So sehr ich die Lust auf ausgelassene Feierlichkeiten im Rahmen von runden JubilÀen verstehen kann, aber dieses Plakat ist blanker Geschichtsrevisionismus.

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Dann entfreunde ich Dich!

Gestern fragte mich eine Freundin, wie sie damit umgehen solle, dass eine Freundin von ihr auf Facebook geschrieben hatte, man solle sie doch bitte entfreunden, wenn man einer gewissen politischen Partei nahe steht.

WĂŒrde eine Freundin von mir sowas posten, ich wĂŒrde ihrer Bitte sofort nachkommen und mich entfreunden. Dabei ist es irrelevant, ob ich dieser Partei tatsĂ€chlich nahe stehe. Ich möchte schlicht nicht mit einer Person befreundet sein, fĂŒr die es akzeptabel ist, mich moralisch zu erpressen.

Ich habe Freundinnen und Freunde verschiedenster politischer Gesinnungen. Ich bin mit Menschen befreundet, die links und rechts wĂ€hlen. Sowohl WĂ€hler der Partei Die Linke als auch WĂ€hlerinnen der AfD zĂ€hle ich zu meinen Freundinnen und Freunden. Keine der beiden Parteien habe ich jemals gewĂ€hlt. Ich habe Freunde, die nenne ich aus Liebe und Respekte Freund*innen, andere wiederum verfassen Texte gegen das sogenannte „Gendergaga“.

Ich liebe meine Freunde. Wenn sie Parteien wÀhlen, die ich verabscheue, mache ich mir immer wieder klar, dass ich diese Parteien aufgrund meiner eigenen Perspektive und meiner persönlichen Gewichtung von Themen verabscheue.

Wenn eine Freundin, die ich sehr schÀtze, eine mir völlig fremde Partei wÀhlt, mache ich mir immer klar, dass sie eine Person ist, die ich liebe und achte. Offenkundig scheint sie in der Partei etwas Gutes zu erkennen, das ich nicht erkennen kann, weil ich zu sehr gegen diese Partei eingenommen bin. Irgendetwas Gutes aber muss an dieser Partei sein, denn meine Freundin wÀhlt sie und meine Freundin ist gut. Sie ist nicht dumm, ignorant, verblendet oder böse; sie ist gut.

Ich kann meine Freundin somit offen fragen, warum sie die Partei wĂ€hlt und ihr dann zuhören, ohne sie belehren zu wollen oder ich rede einfach ĂŒber andere Dinge mit ihr. Wir sind schließlich befreundet und werden gewiss noch eine Menge anderer Themen haben als Politik.

Freunde sind dazu da, um mit ihnen ein Teil des Lebens zu teilen und dabei vielleicht sogar etwas zu lernen. Sie sind nicht dazu da, dass ich sie mir gleich und unterwĂŒrfig mache. Es ist großartig, wenn Freunde eine andere Meinung haben. So kann mit ich in Zuneigung erkennen, dass der Gegner kein Feind sein muss, sondern Freund sein kann.

Jetzt höre ich manch einen sagen: „Und was ist mit der NPD?“ Darauf kann ich nur sagen: Ich habe keine Freunde, die die NPD wĂ€hlen. Ich habe auch keine Freunde die Nazis sind, keine Freundinnen die Stalinistinnen und keine Freund*innen die schwulenhĂ€ngende Islamisten sind. Meine Freundinnen und Freunde sind anstĂ€ndige Menschen.

Menschen, die ihre Freundschaften davon abhĂ€ngig machen, wie man zu den Coronamaßnahmen steht oder zu der aktuellen deutschen, amerikanischen, russischen, israelischen oder tĂŒrkischen Regierung, sind keine Freunde. Sie können keine Freunde sein, da sie ihre Ideologien ĂŒber ihre menschlichen Zuneigungen stellen.

Politik ist nicht das Leben. Politik ist nur ein winzig kleiner Teil des Lebens.

Wenn Dich Freunde nur kontaktieren, um wieder etwas zu Deiner politischen Ansicht loszuwerden, wenn sie stets und stĂ€ndig versuchen, Dich zu bekehren und zu belehren, wenn sie Dich schon lange nicht mehr gefragt haben, wie es Dir geht, aber dafĂŒr umso öfter, was Du denn zu dieser und dieser Verfehlung „Deiner Partei“ sagst und wenn diese „Freunde“ dann auch noch öffentlich verkĂŒnden, was sie von Menschen wie Dir halten, dann glaube ihnen!

Wenn sie Dich bitten, Dich zu entfreunden, tue ihnen diesen letzten Gefallen und zwar als echten Freundschaftsbeweis.

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Gerd Buurmann im November

Ich bin ein Theatermensch. Da ich im traurigen Monat November des Jahres 2020 meinen Beruf nicht ausĂŒben darf, melde ich mich in dieser Zeit via YouTube nahezu tĂ€glich um 21 Uhr aus meiner Wohnung in Köln zu Wort, um meinen Blick auf die Welt und die Ereignisse zu werfen.

Mein radikal subjektiver Blick kommt dabei aus meiner Position heraus, die ich seit Jahren wie folgt definiere: Tapfer im Nirgendwo.

Klickt einfach tÀglich um 21 Uhr auf meine YouTube-Seite.

https://www.youtube.com/user/buurmann

Aufzeichnungen vergangener Live Streams:

21. November 2020

20. November 2020

19. November 2020

17. November 2020

16. November 2020

15. November 2020

12. November 2020

11. November 2020

10. November 2020

9. November 2020

8. November 2020

7. November 2020

6. November 2020

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Die Disco in Dir!

Eine Rezension von Ralf Rotterdam.


Gestern veröffentlichte Kylie Minogue ihr 15. Studioalbum „Disco“. So manch einer wird sich jetzt fragen: Disco? Ausgerechnet jetzt? Die Antwortet lautet klar und deutlich: Ja! Gerade jetzt!

Nach dem eher reflektierten und Country-inspirierten „Golden“ aus dem Jahr 2018 haut Kylie jetzt auf die Zwölf. Im Lockdown nahm sie im selbst zusammengezimmerten Heimstudio ein Album auf, das im Grunde banaler nicht sein könnte.

Und darin liegt die Schönheit dieser Platte.

Hier wird nichts hinterfragt. Hier wird nur die Sehnsucht gefeiert, die Sehnsucht nach NĂ€he, nach Liebe, nach Sex, nach Bewegung und Freiheit. 70er Handclaps, 80er Synths und 2000er Funk verpackt in einem aktuellen Produktionsgewand haben die Kraft, die UmstĂ€nde der Welt fĂŒr eine dreiviertel Stunde vergessen zu lassen.

Damit bleibt die KĂŒnstlerin sich treu. Sie war nie sehr politisch, sie war selten besonders tiefsinnig, aber sie hat immer in andere Welten entfĂŒhrt und uns dabei verfĂŒhrt.

Kylie nimmt uns mit auf ihrem Ritt ins Studio 54 – irgendwo zwischen Earth, Wind & Fire, Jamiroquai, Donna Summer und Daft Punk. Sie besingt dabei schöne Körper, sexy Moves und lange NĂ€chte auf ausgetretenen TanzflĂ€chen und man möchte ihr in diese mittlerweile utopische Welt folgen.

Anspieltipps: das groovige „Miss a thing“, das wilde „Monday Blues“, das melancholische „Dance Floor Darling“ & das Abba-lastige „Last Chance“

***

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„Ende von uns“

Im Jahr 2020 hĂ€tte ich deutlich öfter auf BĂŒhnen gestanden, aber ein kleines Virus hat uns allen einen Strich durch unsere Rechnungen gemacht.

Das Jahr 2020 startete fĂŒr mich mit einer UrauffĂŒhrung des Einakters „Ende von uns“ von Viktoria Burkert in der Inszenierung von Joseph Vicaire im Rahmen des fĂŒnfzehnminuten Festival an der StudiobĂŒhne Köln.

Im April 2020 hĂ€tte der Monolog eigentlich Teil eines abendfĂŒllenden Programms sein sollen, aber daraus wurde dann nichts.

Da dieser Monolog bedingt durch Corona zur Zeit nicht auf einer BĂŒhne stattfinden kann, haben die Autorin, der Regisseur und ich beschlossen, diesen Monolog, obwohl er fĂŒr eine BĂŒhne geschrieben wurde, in einer fĂŒr die Kamera reduzierter Weise zu filmen.

Herausgekommen ist ein kleiner filmischer Monolog, den Sie, da Sie gerade ebenfalls nicht in ein Theater gehen können, zu Hause anschauen können. Hier ist er:

„Ende von uns“ mit Gerd Buurmann * Text: Viktoria Burkert * Kamera/Licht/Ton/Schnitt: Dominik Schumacher * Drehort: Spix * Regie/Schnitt: Joseph Vicaire

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Eine harte Probe

Ein wichtiger Beitrag in dieser Zeit von Malca Goldstein-Wolf.

Dieser Tage werden offenbar auch Freundschaften auf eine harte Probe gestellt.

Der Mangel an Differenzierung sorgt dafĂŒr, dass bestimmte Themen wie „Trump“ oder „Corona“ zu pawlovschen Reflexen fĂŒhren, die nicht selten mit virtuellen Beißwunden enden.

Unterschiedliche Meinungen werden nicht demokratisch toleriert, man wird sich spinnefeind.

Auch ein Entfreunden, wenn es denn tatsÀchlich sein muss, findet nicht leise statt, man droht Entfreundung öffentlich an und zelebriert seine Wut gerne auf dem silbernen Tablett sozialer Netzwerke.

Schade eigentlich, denn gerade in Freundschaften sollte ein respektvoller Umgang mit unterschiedlichen Sichtweisen selbstverstÀndlich sein.

TotalitÀre Denkmuster sind nicht nur undemokratisch, sie sind auch kein Zeichen von Zuneigung.

Wenn nicht alles Fake war, geht es auch anders.

Meine Freundin Rona und ich, wir schĂ€tzen und mögen uns sehr. Unsere politischen Ansichten sind auf unterschiedlichen Biografien begrĂŒndet. Beide vertreten wir Ă€hnliche Werte, wir gewichten unsere PrioritĂ€ten nur anders, unser Fokus richtet sich unterschiedlich aus. Rona favorisiert Biden; mein Wunschkandidat wĂ€re Trump.

Wir kennen die jeweiligen GrĂŒnde des anderen und haben uns stillschweigend dafĂŒr entschieden, Posts beim jeweils anderen, die unserer persönlichen Meinung widersprechen, zu ignorieren. Einen Battle wollen wir uns nicht liefern, den anderen provozieren oder gar Schadenfreude bekunden, kommt fĂŒr uns nicht in Frage.

Wir achten und respektieren den anderen so wie er ist und so wie er denkt.

Das Wissen, dass jemand mit einer anderen Meinung nicht zwangslÀufig ein schlechter Mensch oder gar ein Feind ist, lÀsst einen freundschaftlichen Umgang trotz aller Kontroversen problemlos zu.

Ich wĂŒnschte mir, wir alle könnten so erwachsen miteinander umgehen, denn weder Trump, noch Biden oder Corona sind es wert, Menschen zu verlieren, die uns wichtig sind.

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(TINMGW)

Nachtrag der Autorin: Wenn jemandem von Euch mein Artikel bei Tapfer im Nirgendwo gefallen hat, wĂŒrde ich mich freuen, wenn Ihr eine Kleinigkeit spenden wĂŒrdet. Das Geld geht nicht an mich, sondern wohlverdient an unseren Gerd Buurmann, der in diesen fĂŒr KĂŒnstler harte Corona-Zeiten keine Auftritte hat.

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