Die Kunst gegen Bares ist wieder da!

Die Kunst gegen Bares in Köln ist endlich zurück. Jeden Montag um 19:30 Uhr im ARTheater, Ehrenfeldgürtel 127.

Der Eintritt zur Show beträgt 9,- Euro. Für den Einlass ist ein Nachweis einer Impfung, Genesung oder eines aktuellen negativen Tests notwendig.

Kunst gegen Bares

Künstlerinnen und Künstler präsentieren auf der Bühne des ARTheaters ihre Talente – vom Schauspielmonolog zum Kabarettbrüller, von eigenen Gedichten bis zur Eier-Jonglage im Kopfstand – eigentlich eine typische Offene Bühne Show. Kunst gegen Bares ist die Muppet Show, nur mit Menschen statt Schweinen, Fröschen, Hunden und Bären. Alles nach dem Motto von Onkel Kermit: “Nimm, was Du hast und flieg damit!“

Das Besondere ist zudem die Form, wie die Kunst entlöhnt wird. Das Publikum entscheidet selbst, wieviel Bares die jeweilige Kunst wert ist. Vor jeder Künstlerin und vor jedem Künstler steht ein eigenes Sparschwein, in das nach Gutdünken Geld geworfen werden kann. Bei der Kunst Gegen Bares trifft Kunst auf Kapital, und alles ohne Zwischenhändler! Hier ist das Publikum Chef!

Es gibt genau sieben Regeln für die Kunst gegen Bares:

1. Zuschauer und Künstler kommen den selben Weg und sitzen zusammen im Publikum.

2. Die Künstler werden von der Moderation aus dem Publikum auf die Bühne geholt.

3. Die Präsentationszeit muss für alle Künstler gleich beschränkt sein.

4. Jeder Künstler erhält nach der Präsentation ein Sparschwein.

5. Das Publikum wird aufgefordert, die erlebte Kunst durch Geldeinwurf in die jeweiligen Sparschweine zu honorieren.

6. Das Geld in den Sparschweinen geht zu 100 % an die Künstler.

7. Der Künstler oder die Künstlerin mit dem meisten Geld wird zum „Kapitalistenschwein des Abends“ gekürt.

Unterstützt vom Kulturamt der Stadt Köln.

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Schalom und Alaaf

Die Stadtführung „Schalom und Alaaf“ von und mit Gerd Buurmann ist wieder als Präsenzführung möglich!

Gerd Buurmann geht mit Ihnen durch die Kölner Altstadt und erzählt dabei spannende, humorvolle und stets informative Geschichten über das jüdische Köln.

Senden Sie gerne eine Reservierung unter Angabe des gewünschten Termins, sowie Ihres Namens und einer Kontaktnummer per Mail an: gerdbuurmann@hotmail.de oder rufen Sie an unter: 0160 985 20 957

„Schalom und Alaaf“
Ein Spaziergang durch das jüdische Köln
mit Gerd Buurmann

Termine: Sa, 4. September 2021 um 16h

Treffpunkt: Am Fastnachtsbrunnen auf dem Gülichplatz 1-3

Der Eintritt beträgt 15,- Euro.

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„Totalausfall“ mit Gerd Buurmann

Am 22. Juli 2021 präsentiere ich meinen „Totalausfall“. Ich freue mich über einen regen Kartenvorverkauf, gerade in diesen ungewissen Zeiten. Karten gibt es hier.

„Totalausfall“
von und mit Gerd Buurmann
am Donnerstag, 22. Juli 2021 um 20 Uhr
im Atelier-Theater, Roonstr. 78 in Köln

Gerd Buurmann, 1976 im Emsland geboren, nimmt das Publikum mit auf eine urkomische Reise durch das eigenes Leben. „Totalausfall“ fällt dabei total aus dem Rahmen. Ist es Kabarett, Comedy oder Schauspiel? Es ist alles. Aber vor allen ist es großartige Unterhaltung und herrlich komisch.

„Gerd Buurmann ist einer der vielseitigsten Künstler in Köln.“ (Kölnische Rundschau)

„Gerd Buurmann wagte und meisterte zugleich den Spagat zwischen Anspruch und Nonsens, zwischen banal und fatal.“(Siegener Zeitung)

„Laut, fröhlich und ein bisschen gewöhnlich.“ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung)

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„Höpker und Buurmann haben Krach“

Meine liebreizende Kollegin Gudrun Höpker und ich haben wieder Krach. Wir spielen unser wunderbares Stück spielen: „Höpker und Buurmann haben Krach“.

Am Sonntag, 24. Oktober 2021 um 18 Uhr im Atelier auf der Roonstraße 78. Für Karten hier klicken.

Gudrun Höpker und Gerd Buurmann verwandeln eheliche Streitereien aus Film, Fernsehen und Literatur in einen amüsanten Theaterabend. Eine urkomische Reise in den innersten Kreis der Ehe.

Höpker und Buurmann liefern sich einen verbalen Schusswechsel. Das Publikum wird Zeuge, wie sich Adam mit Eva zankt, Kermit und Piggy streiten und wie Macbeth völlig unerwartet auf Inge Meysel trifft.

„Als eine Steigerung kaum noch möglich ist, gibt es dann auch noch „eine schrecklich nette Familie“ im Stil einer Inszenierung von Truffaut nebst Tanzeinlage von Pina Bausch. Dabei überschlägt sich Gerd Buurmann im Sinne des Wortes, legt eine Performance hin, die eine außerordentlich körperliche Herausforderung ist. Grandios! Das Publikum tobt. Und das zurecht! Hier haben zwei Vollblut-Entertainer alles gegeben!“ (Helga Wissing, Lippstädter Zeitung, 15. Dezember 2019)

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Endlich wieder Theater in Köln!

Gerd Buurmann präsentiert im Juni 2021 ein ganz besonderes Freilufttheater in der Kölner Altstadt:

„Ich weiß nicht was soll es bedeuten“ von Heinrich Heine. Ein Theaterspaziergang an Originalschauplätzen!

Im Jahr 1843 besuchte Heinrich Heine das letzte Mal Köln. Über seinen Besuch in der Domstadt hat er viele mal lustige, mal ernste und mal romantische Verse verfasst.

Gerd Buurmann geht mit Ihnen durch die Kölner Altstadt und lädt Sie ein, dabei zu sein, wenn sich Heinrich Heine im Dom mit den Heiligen Drei Königen streitet und am Rhein den alten Vater Rhein tröstet. Heinrich Heine erzählt viel über den Rheinwein, über Deutschland und was er am liebsten mit den abendländischen Königen machen würde; und der Kölner Dombauverein bekommt natürlich auch sein Fett weg.

„Zu Köllen kam ich spätabends an, da hörte ich rauschen den Rheinfluss“, mit diesen Worten von Heinrich Heine beginnt das einzigartige Freiluftheater am Reiterdenkmal auf dem Heumarkt und endet am Kölner Dom.

„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ von Heinrich Heine.

Termine:
Mittwoch, 23. Juni 2021 um 20 Uhr
Freitag, 25. Juni 2021 um 20 Uhr

Treffpunkt: Reiterdenkmal auf dem Heumarkt in Köln

Der Eintritt beträgt 15 Euro.

Senden Sie gerne eine Reservierung per SMS an: 016098520957 oder per Mail an: gerdbuurmann@hotmail.de

Ihre Daten werden nach einem Monat gelöscht. Sie dienen lediglich einer eventuell notwendig werdenden Rückverfolgbarkeit.

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Töpfe im Nirgendwo

Am Sonntag, 4. Juli 2021 um 18 Uhr geht es los „Töpfe im Nirgendwo“ – Der Kunst-Talk aus der Küche mit Viktoria Burkert und Gerd Buurmann.

Seit dem Jahr 2000 verbringen Viktoria Burkert und Gerd Buurmann ihr Leben miteinander. Sie machen Kunst, erleben sie gemeinsam und reden darüber. In den entscheidenden Themen der Weltliteratur sind sie sich einig, zum Beispiel: „Marvel ist besser als DC“, „Der Film Inception ist überbewertet“ und „Kant ist lustiger als Hegel“.

Ab Sonntag machen Sie es öffentlich und live aus ihrer Küche, immer mit dabei, ein Gast. Der erste Termin ist: Sonntag, 4. Juli um 18 Uhr. Zu Gast sind Patricia Fanroth und Markus Schimpp.

Wer zuschauen möchte, hat zwei Perspektiven zur Auswahl. Ihr könnt entweder aus der Sicht von Viktorias Instagram-Profil oder aus der Sicht von Gerds YouTube-Kanal zuschauen. Schaltet Euch einfach am Sonntag um 18 Uhr dazu:

Viktoria auf Instagram

Gerd auf YouTube

Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, in meiner Arbeit als Autor, Künstler oder Betreiber von „Tapfer im Nirgendwo“ unterstützen wollen, überweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto oder nutzen Sie PayPal.

https://www.paypal.me/gerdbuurmann

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Unterstützen Sie Gerd Buurmann

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Wenn Sie finden, ein Text oder ein Kunstwerk von mir hat sie so wach gemacht wie eine Tasse Kaffee oder so munter wie ein Glas Bier, dann geben Sie gerne 2,- Euro.

Natürlich können Sie meine Werke auch wie Champagner oder einen edlen Rotwein behandeln, aber zögern Sie nicht, auch einfach mal nur den Preis einer Dose Cola zu überweisen. Als Pfand bekommen sie prickelnde Texte zurück. Versprochen.

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Sollten Sie kein PayPal-Konto besitzen, überweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto. Meine Kontodaten erhalten Sie von mir via Mail oder Telefon. Kontaktieren Sie mich einfach:

gerdbuurmann@hotmail.de
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Alles Liebe
und Danke für Ihre Unterstützung,
Gerd Buurmann

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CDU-Plakat in Köln verunstaltet: „Erschossen für Deutschland“

Unbekannte haben in Köln ein Plakat der CDU an der viel frequentierten Universitätsstraße verunstaltet. Aus dem CDU-Wahlkampfspruch „Entschlossen für Deutschland“ machten sie: „Erschossen für Deutschland“

Nun steht in Köln ein großes Plakat mit dem Bild des Kanzlerkandidaten Armin Laschet und dem Spruch: „Erschossen für Deutschland“

Das Foto wurde am 19. September 2021 um 11:38 Uhr gemacht.

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Ich als alter, weißer Mann

Als im November 1918 Frauen in Deutschland das Wahlrecht erhielten, das ihnen so lange mit brutaler Gewalt vorenthalten wurde, bekamen sie dieses Recht nicht unter der Vorgabe, dass sie fürderhin nur gewisse Parteien wählen dürfen. Sie erhielten das selbstverständliche Menschenrecht der Demokratie, sich bedingungslos für jede Partei entscheiden zu dürfen.

Man muss sich nicht benehmen, um im Besitz der Menschenrechte zu sein. Die Menschenrechte gelten ausnahmslos für alle und immer.

Hätten Frauen in Deutschland im Jahre 1918 das Wahlrecht nicht erhalten, so wären alle Frauen unschuldig gewesen an den Entscheidungen der kommenden Wahlen. Im Besitz des Wahlrechts jedoch wurden sie verantwortlich. Nicht wenige Frauen sollten sich für eine faschistische Partei entscheiden. Durch das Wahlrecht wurden Frauen verantwortlich für die Nazis.

Eine NSDAP oder eine Partei, die auch nur in die Nähe einer solchen Partei kommt, gibt es heute nicht im Deutschen Bundestag und dennoch hält es der Zentralrat der Juden in Deutschland und einige andere jüdische Organisationen für angebracht, einen Aufruf jüdischer Organisationen und Verbände zur Bundestagswahl 2021 herauszugeben, in der erklärt wird, die Jüdinnen und Juden in Deutschland seien sich in einig in der “Überzeugung, dass die AfD eine Gefahr für unser Land ist.“ Vor einigen Jahren wurde bereits in einer gemeinsamen Erklärung betont: „Die AfD ist keine Alternative für Juden“.

Auch ich kenne eine Menge Gründe, warum man die AfD nicht wählen sollte. Ich bediene mich dabei jedoch nicht der Aussage: „Ich als alter, weißer Mann sage, dass man die AfD nicht wählen sollte.“

Der Aussage, die AfD sei keine Partei, die Juden wählen sollten, wohnt ein antisemitischer Moment inne. Was spricht dagegen, den Satz so zu formulieren: “Die AfD ist keine Partei, die man wählen sollte.”

Meine politischen Ansichten formuliere ich aus meinem persönlichen Denken heraus. Natürlich wird dieses Denken auch durch meine Erfahrungen beeinflusst und diese Erfahrungen sind verbunden mit meiner Hautfarbe, meinem Geschlecht und dem Glauben, in dem ich erzogen wurde. Es gibt Situationen der Angst und der Unterdrückung, die ich als weißer Mann nicht kenne. Ich kenne nicht die spezielle Angst von Frauen, nachts allein im Parkhaus zu sein. Ich weiß nicht, wie es ist, aufgrund meiner Hautfarbe für minderwertig gehalten zu werden.

Ich weiß aber auch, dass alle Menschen in der Lage sind, sich von ihren Einflüssen und Prägungen zu emanzipieren. Sie können all die geistigen Ablagerungen der Vergangenheiten hinterfragen und sich die eigenen Ängste und Privilegien bewusst machen, um zu einer Entscheidung zu gelangen, für die man dann unabhängig vom Aussehen und der Herkunft die ganz persönliche Verantwortung übernehmen muss. Diese persönliche Verantwortung kann niemand nehmen, kein Vorbild, keine Heldin, keine Partei, kein religiöser Führer und auch nicht der Zentralrat der Juden.

Juden müssen sich nicht benehmen, um nicht diskriminiert zu werden.

Juden haben genauso das Recht wie jeder andere Mensch, sich für das Eine oder für das Andere zu entscheiden. Juden dürfen sich anständig oder unanständig benehmen, ohne dass sie dabei auf eine Gruppenzugehörigkeit reduziert werden, aus der sich ergeben soll, dass sie gewisse Dinge als Juden einfach nicht machen dürfen.

Als alter, weißer Mann kann ich jede Partei wählen. Niemand wird deshalb meine Identität infrage stellen. Egal ob ich die Linke, die AfD, die Grünen, die SPD, die CDU, die FDP oder irgendeine andere Partei wähle, ich wähle eine Partei nicht, weil ich weiß bin oder männlich oder alt, sondern weil ich darüber nachgedacht habe. Nachdenken können alle volljährigen Menschen und zwar aller Geschlechter, Hautfarben und Religionen. Die Vernunft ist menschlich und die Freiheit ist kein Privileg des alten, weißen Mannes.

Die individuellen Entscheidungen hängen vom Charakter ab. Jeder Mensch ist frei und hat die Möglichkeit, das größte Arschloch oder der größte Held zu werden.

Wer Juden für etwas verurteilt, was er bei allen anderen durchgehen lässt, ist ein Antisemit.

Wer Schwarze für etwas verurteilt, was er bei allen anderen durchgehen lässt, ist ein Rassist.

Wer Frauen für etwas verurteilt, was er bei allen anderen durchgehen lässt, ist ein Sexist.

Bei der Bundestagswahl 2021 dürfen Juden wählen, was die wollen, so wie Juden schon oft Parteien gewählt haben, die nicht immer ganz frei von antisemitischen Tendenzen waren.

Juden haben eine SPD gewählt, obwohl Sigmar Gabriel offen mit den Judenhasser Mahmoud Abbas sympathisiertet und Israel als Apartheidsstaat diffamiert hat, obwohl der Bundeskanzlerkandidat Martin Schulz eine antisemitische Rede als „inspirierend“ bezeichnet hat, obwohl Heiko Maas als Außenminister kaum eine Möglichkeit auslässt, um Israel unter Freunden zu kritisieren.

Juden haben die FDP gewählt, obwohl in den Fünfziger Jahren der sehr nationalistisch eingestellte Landesverband Nordrhein-Westfalen viele ehemalige Nationalsozialisten unter dem Namen „Naumann-Kreis“ mit offenen Armen aufnahm, um die Wählerbasis nach rechts zu erweitern und obwohl Jürgen Möllemann im Jahr 2002 ein Faltblatt mit antisemitischen Klischees herausgebracht hatte.

Juden haben die Grünen gewählt, obwohl Hans-Christian Ströbele im Jahr 1991, nachdem in Israel irakische Scud-Raketen eingeschlagen waren, erklärt hatte, dieser Angriff sei „die logische, fast zwingende Konsequenz der israelischen Politik den Palästinensern und den arabischen Staaten gegenüber.“

Juden haben die Linke gewählt, obwohl dort manchmal Flugblätter mit antisemitischer Hetze verbreitet werden und Annegret Groth israelische Blockaden bricht, um die Feinde Israels, die erklären, alle Juden der Welt vernichten zu wollen, mit Hilfsgütern zu versorgen.

Juden haben die AfD gewählt, obwohl Alexander Gauland die Zeit des Nationalsozialismus als „Vogelschiss“ verharmlost hat.

Jeder Mensch, unabhängig von Hautfarbe und Geschlecht, hat das Recht, sich für das Eine oder für das Andere zu entscheiden. Jeder Mensch darf sich anständig oder unanständig benehmen, ohne dabei auf eine Gruppenzugehörigkeit reduziert zu werden.

Wer sagt, eine Frau, eine Jüdin oder ein schwarzer Mensch müsse auf eine ganz gewisse Art und Weise denken oder wählen, wer glaubt, es gäbe Themen, bei denen alle Juden, Frauen oder People of Color die gleiche Meinung haben, ist ein Sexist, Antisemit und Rassist.

Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, in meiner Arbeit als Autor, Künstler oder Betreiber von „Tapfer im Nirgendwo“ unterstützen wollen, überweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto oder nutzen Sie PayPal.

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„Ich werde Dich sehen, wenn Du dort ankommst.“

Am 11. September 2001 rief Brian Sweeney seine Frau Julie Sweeney-Roth aus dem Flugzeug United Flight 175 an und hinterließ ihr eine Voicemail. Ein paar Momente später wurde die Maschine von Terroristen in das World Trade Center geflogen. Die Nachricht von Brian Sweeney lautete:

„Jules, hier ist Brian. Hör zu, ich bin in einem Flugzeug, das entführt wurde. Wenn die Dinge nicht gut laufen und es sieht nicht gut aus, möchte ich nur, dass Du weißt, dass ich Dich absolut liebe. Ich möchte, dass Du Gutes tust. Hab gute Zeiten. Dasselbe gilt für meine Eltern und alle. Ich hab Dich einfach total lieb und ich werde Dich sehen, wenn Du dort ankommst.“

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Wo warst Du am 11. September 2001?

Leserinnen und Leser von Tapfer im Nirgendwo erzählen, wo sie am 11. September 2001 waren und was sie getan haben. Wenn auch Du Deine Erinnerung teilen möchtest, schreibe sie in die Kommentarspalte unter diesem Artikel und die Beschreibung wird in den Artikel eingefügt.

(Bild: Robert)

Ich saß am Rechner im Büro. Im Radio kam eine Kurzmeldung, dass ein Flugzeug ins WTC gestürzt sei, genaueres später. Dann bin ich ins Internet und habe nachgeschaut. Es war aber noch wenig los. Später schaute ich eine Reportage von einem Radioreporter des WDR, der von seinem Hotelzimmer aus die Tower sehen konnte. Während der Reportage flog das zweite Flugzeug in den anderen Turm. Ab da war der Arbeitsalltag vergessen. In der Behörde, unterwegs im Zug und auch zuhause, überall wurde diskutiert. Es herrschte Erschütterung. Den Tag werde ich nicht vergessen.

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In der Beratungsstelle in Bergkamen saß ich mit Kollegen zusammen, als der Jahrespraktikant hereinstürzte und was von Flugzeugen im WTC faselte. Im Fernseher sahen wir dann ungläubig die rauchenden Türme.

***

Ich war im Einkaufszentrum, als vor einem TV-Händler im Untergeschoss eine Menschenmenge stehen blieb und durchs Fenster ungläubig auf die Monitore starrte. Da ich wenig Zeit hatte und auf Grund der Menge auf den Monitoren zunächst auch gar nichts erkennen konnte, ging ich weiter und sah, wie auch ein paar andere Händler ihre Geräte Richtung Fenster drehten (n-tv statt MTV) oder das Radio auf Nachrichten umstellten oder die Dauermusik zumindest leise, bekam erst da mit, was passiert war. Ich erinnere mich daran, weil das ganze Einkaufszentrum, sonst sehr lebhaft, nach und nach sehr still wurde, verlangsamt, während den Menschen eine Mischung aus Unglaube und Entsetzen im Gesicht stand. Ein paar Jugendliche feixten und fielen in dieser angespannten, verhaltenen Stille noch unangenehmer auf, sie verstummten sehr schnell von alleine wieder. Über den Tag hat wohl jeder jede freie Minute genutzt, um Nachrichten zu sehen und das Geschehene, Unfassbare, Ungreifbare irgendwie doch zu begreifen. Was gar nicht gelingen konnte. Tatsächlich gab es im Wesentlichen nur noch dieses eine Thema, alles andere wurde nebensächlich.

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Ich war unterwegs zum Zahnarzt, dann kam auf dem Infoscreen in der Kölner U-Bahn die Nachricht, dass ein Flugzeug in ein Hochhaus geflogen ist, da war noch nicht von einem Terroranschlag die Rede. Als ich zuhause war, kamen nur diese Bilder im Fernsehen und die Sender konnten sie noch nicht richtig zuordnen und haben ersucht etwas zu kommentieren, aber es gelang nicht so richtig. Dann habe ich den ganzen Abend bei RTL gesehen, wie Peter Kloeppel versucht hat, zu berichten. Ich fand ihn sehr beeindruckend. Das hat sich etwas wie lautes Nachdenken angehört.

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Ich war in meinem Buchladen, jemand kam mit einem tragbaren Fernseher hereingestürzt und rief, „wo ist eine Steckdose“. Wir sahen fassungslos die Türme rauchen und einstürzen. Ein im Laden anwesender Freund versuchte, sofort einen Cousin zu erreichen, von dem er annahm, er könnte gerade in einem der Gebäude sein. Tags darauf wurde mir von Schülern erzählt, viele muslimische Mädchen in deren Klassen hätten entsetzt erzählt, wie die Familien die Nacht gefeiert hätten. Wenige Tage später wurde geleugnet, dass irgendwer gefeiert habe und dass ein Anschlag stattgefunden habe. Die Zeitdauer vom Ereignis bis zur Leugnung war von dreißig Jahren auf drei Tage geschrumpft.

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Ich kam gerade zurück vom Zahnarzt. Die Meldung kam im Radio und meine (damalige) Freundin schickte mir eine SMS mit dem schlichten (aber wahren) Inhalt: “Es gibt Krieg.”

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Habe für meine Tochter den Dachboden ausgebaut, bis sie hinaufstürzte und rief, “da ist ein Flugzeug in ein Haus geflogen”. Ich, ja und, kann doch mal passieren und arbeitete weiter. Nach einer Zeit lief sie wieder zu mir rauf und schrie “noch ein Flugzeug in ein Haus geflogen”. Ich versuchte, sie zu beruhigen und sagte, dass das wohl ein Blödsinn sei, ging allerdings jetzt neugierig, in der Hoffnung, meine Tochter wieder eines besseren zu belehren, die Treppen runter. Vor dem TV der Schock, auf vielen Kanälen immer das Gleiche! Bin wie eine Leiche dagesessen und konnte nur weinen. Ein Reporter hielt zu diesem Zeitpunkt es sogar für möglich, dass es deutsche Terroristen sein könnten, da kam bei mir die Panik hoch und die Angst und nicht schon wieder …! Danach holte ich meinen Sohn vom Kindergarten ab, dort war alles ruhig, Mütter quatschten miteinander, ich erzählte das Geschehen (damals mußte man mit 20.000 Toten rechnen), eine der Mütter sagte darauf “ja, ja, so sind die Amis“, da entstaute sich einiges bei mir, … war nicht nett, aber so effektiv, dass ich wieder mal weniger Bekannte hatte. Danach kam ich ca. drei Tage nicht mehr vom Fernseher weg, einfach kaputt.

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Ich war gerade in New York City in der Uni angekommen und habe das durch Kommilitonen erfahren. Von der Straße aus konnten wir die 5th Ave hinunter die beiden Tower brennen sehen. Die Atmosphäre war ziemlich erschreckend und unsicher, weil es Gerüchte von weiteren Terroranschlägen gab.

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Ich habe damals in Xiamen (Südchina) gelebt. Ich stand wie jeden Morgen am Schulbus, als mein kanadischer Kollege dazu kam und sagte: „In New York ist etwas fürchterliches passiert – ein Flugzeug ist in einen Tower des World Trade Centers geflogen.“ Zu dem Zeitpunkt wusste er noch nicht, dass es nicht nur ein Flugzeug war. Das wurde uns erst klar, als wir in der Schule ankamen und das ganze Ausmaß erfuhren. Wir hatten viele amerikanische Schüler und Lehrer an der Schule. Es war schwer, die Kinder zu beruhigen und professionell zu reagieren, weil man selber voller Entsetzen war, ob der Bilder, die im Fernsehen liefen.

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Ich war gerade in meiner ehemaligen Firma angekommen, um den Abschied einer Kollegin zu feiern, als die Sekretärin, weiß wie die Wand, auf mich zukam und mir sagte, dass gerade ein Flugzeug in einen der Türme des World Trade Centers geflogen sei. Wir gingen dann zusammen in den Konferenzraum, um den Fernseher einzuschalten und nach und nach kamen die anderen Kollegen/innen dazu und wir schauten uns völlig entsetzt die Bilder an, ungläubig und sprachlos. Wir sahen dann noch, wie das zweite Flugzeug in den nächsten Turm flog und waren danach alle wie gelähmt. Keiner sagt mehr etwas, wir saßen nur da und einige fingen an zu weinen. Für uns alle waren diese Momente sehr unwirklich und wir haben lange gebraucht, um uns wirklich klar zu machen, dass dieses furchtbare Unglück wirklich geschehen ist.

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Ich war arbeiten. Wie immer lief das Radio. Die halbstündigen Nachrichten wurden auch wie immer damals nur mit einem Ohr wahrgenommen. Ich wusste schon seit einer Stunde, dass ein Flugzeug ins WTC gefolgen war, als meine Chefin aus ihrem Büro kam und mich bat, das Radio lauter zu machen. Wir hörten gemeinsam erneut die Nachricht aus New York. Die Bilder der einstürzenden Türme sah ich erst abends. Erst nach und nach ging mir die Dramatik der Situation auf, denn seit der ersten Radiomeldung war meine Vorstellung durch eine bestimmte Assoziation geprägt. Meine Vorstellungen waren irgendwie überlagert von Bildern von Matthias Rust und der winzigen Cesna auf dem Roten Platz. Daher verstand ich erst spät am 11. September das Ausmaß der Katastrophe.

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Ich kam gerade vom Einkaufen und hörte im Autoradio auf NDR-Info die Nachricht von einem Flugzeugunglück in New York. Ich schaltete durch alle Radiosender und alle hatten das Programm unterbrochen, da anscheinend doch mehr dahintersteckte, als ein Flugzeugunglück. Auf “Project 89.0 Digital” lief “Fire Water Burn” von der Bloodhound Gang: “The roof, the roof, the roof is on fire…”

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Ich bin, glaube ich, zum Kunden gefahren. Im Auto habe ich gehört, dass in New York zwei Flugzeuge – so wörtlich “ein großes und ein kleines” – mit dem Wolkenkratzer kollidiert waren. Da ich circa zwei Kilometer von unserem Office wohnte und genug Zeit hatte, bin ich nach Hause gekommen und habe den Fernseher eigeschaltet. Dann konnte ich schon nicht mehr weg. Ich habe Kolelgen im Office und den Kunden angerufen. Und ich habe mit ein paar Freunden über Internet gechattet.

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Ich war Schule schwänzend mit einem Teller Kellogs zu Hause auf der Couch. Ich zappte durchs Programm, als ich bei EuroNews ein brennendes Gebäude sah. Nach und nach setzte sich das Puzzle zusammen und ich war mit meinen zarten vierzehn Jahren in einer Mischung aus Betroffenheit und Sensationsgeilheit. Gleich am nächsten Tag versuchte uns der Vater eines Freundes davon zu überzeugen, dass die Freimaurer dahinter stecken würden. Mir kam das damals so lächerlich und abwegig vor, dass ich mich fragte, wie überhaupt irgendein Mensch so einen Mist glauben konnte. Diese Einstellung hat sich bis heute nicht geändert.

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Ich ging spazieren und wollte mir in einer Galerie Bilder ansehen. Den Galeristen kannte ich persönlich. Er saß in seinem Laden und sah fern. Ganz aufgeregt holte er mich hinein, als er mich vor dem Schaufenster sah und bat mich, Platz zu nehmen. Erst gingen wir beide von einem furchtbaren Unfall aus. Nachdem ein zweites Flugzeug in den zweiten Turm raste, kam sofort der Verdacht hoch, es wäre ein Anschlag. Wir waren fassungslos. Der Galerist noch mehr als ich. Er hatte zu diesem Zeitpunkt Verwandte in New York. Diesen ist nichts passiert, wie ich später erfuhr.

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Ich war bei einem Kunden, Software installierend, ohne Zugriff aufs Internet. Ich wurde von meiner späteren Ehefrau durch halbstündliche Anrufe unterrichtet, die ihrerseits bereits gleich nach der ersten Kollision von einem Kollegen aus den USA angerufen worden war. Danach war ich bei einem unendlich lange währenden Arbeitsessen mit Kunden auf glühenden Kohlen gesessen. Schließlich bin ich nach Hause geeilt und nicht mehr vom Fernseher gewichen.

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Ich war an diesem Tag mit einer bezaubernden jungen Dame unterwegs. Wir küssten viel. Ich wollte mehr. Sie nicht. Dann ließ sie mich mit meinen Träumen allein und fuhr weg in ihrem VW Golf. Ich war traurig. Dann rief jemand an und sagte: Schalt den Fernseher ein! Und dann der Schock.

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Ich war Urlaub in Belgien am Meer, campen. Meine Eltern haben im Radio die Nachrichten gehört und wir sind sofort nach Hause gefahren. SOFORT. Vier Stunden später waren die Grenzen dicht. Zuhause schaltete ich den Fernseher an. Die Bilder der einstürzenden Gebäude und der Verletzten haben dazu geführt, dass ich die nächsten vier Jahre nur unter Aufsicht Fernsehen durfte. Ich war damals fünf Jahre alt.

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Ich fuhr gerade von meiner Arbeit heim und hörte von den brennenden und einstürzenden Twin Towers auf WDR-EINSLIVE zwischen Christina Aguilera und Britney Spears. Da ich zwei Jahre zuvor ebenfalls im Sommer noch auf der Aussichtsplatform des World Trade Centers gestanden hatte, konnte ich mir bereits in der Vorstellung ausmalen, was das bedeutet. Was mich am meisten verstörte, war die auch angesichts größter Katastrophe um Coolness und Lässigkeit bemühte Stimme des Radiomoderators.

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Ich war auf dem Haus meiner Studentenverbindung und einer von den Jungs kam rein und sagte, dass ein Flugzeug in einen der Türme des WTC geflogen sei, und ich dachte spontan zunächst an ein Sportflugzeug.

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An 9/11 lebte ich in Miami und machte frueh morgens das TV an … und dachte, es ist ein Schwarzenegger Film … die Stadt wurde still.

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Ich war in Arcachon auf einer Frankreichreise, als meine Tochter simste: „sofort einen TV suchen, es ist ein Flugzeuf ins World Trade Center geflogen!“ Dann in jedem Bistro und Hotel diese Bilder.

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Ich weiß genau, wo ich war. Ich war auf Station 6 in der Kurklinik, in der ich meinen Zivi gemacht habe. Dort gab es eine kleine Ecke zwischen Station 6 und 7 mit ein paar Sitzgelegenheiten und einem Fernseher oben an der Wand. Ein Zivikollege von mir kam angerannt, lachend und hat gerufen: „Das musst du sehen.“ Also bin ich mitgegangen in der Erwartung, dass einer der anderen Zivis irgendeinen Mist gebaut hat. Statdessen liefen im Fernseher die Bilder die jeder kennt. Er hat gelacht und gesagt, ich werds nie vergessen und zitiere: „Endlich kriegen die Amis eins auf den Sack.“ Ich hab erst nicht verstanden, was da im Fernseher läuft und hab es für einen Film gehalten. Dann hab ich verstanden und habe den Kollegen danach nie wieder mit den selben Augen sehen können wie vorher.

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Ich war in den südafrikanischen Drakensbergen unterwegs, es fing an, dunkel zu werden und ich hatte noch keine Unterkunft. Endlich fand ich eine Pension, bezog erleichtert mein Zimmer und stellte den Fernseher an. Zunächst hielt ich die Bilder aus New York für einen Spielfilm im Stil von „Stirb langsam“, aber mir wurde schnell die grausame Wahrheit klar.

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Ich habe den Tag als Reserveoffizier bei einer Wehrübung bei Magdeburg erlebt. Plötzlich kam ein Hauptmann zu mir, ziemlich blass, und sagte mir: „Das musst Du Dir anschauen.“ Im Nachbarraum stand ein Fernseher. Als ich den Raum betrat, sah ich genau in dem Augenblick, wie die zweite Maschine in den anderen Tower raste. Mir war speiübel und ich brauchte einige Zeit, um zu realisieren, was meine Augen nicht glauben konnten. Den Einsturz der Gebäude erlebte ich wie in Zeitlupe. Wir waren alle geschockt. Die Übung lief noch bis Freitag weiter und ich erinnere mich noch an die fortwährend gedrückte Stimmung. Die Nächte waren unruhig und ich fragte mich, wie alles weitergehen soll. Irgendwann in der Woche trat der Bundeskanzler Schröder vor die Presse und verkündete den Bündnisfall. Für uns als Reservisten hätte das bedeuten können, dass wir alle im Dienst verblieben wären. Dennoch war die Übung am Freitag beendet und ich beeilte mich, nach Hause zu fahren. Ich erinnere mich, dass ich meinen Sohn vom dem Kindergarten abholte, noch in Uniform und die erschreckten Gesichter einiger Erzieher bemerkte. Eine Erzieherin kam auf mich zu und umarmte mich wortlos. Es war sehr bewegend.

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Ich saß im Büro vor meinem Rechner, als ein Mitarbeiter eintrat und berichtete, er habe da auf einer Dienstfahrt gerade eine seltsame Meldung im Autoradio gehört, in New York habe sich ein Flugzeugabsturz ereignet, das Flugzeug sei in einen Wolkenkratzer gestürzt. Sofort begann ich, im Internet zu recherchieren, die anderen Mitarbeiter versammelten sich hinter mir und starrten gebannt auf den Bildschirm. Je mehr wir erfuhren, desto größer wurde das Entsetzen. Diesen Tag werde ich niemals vergessen, ebenso wie den Tag, als das Attentat auf die israelische Olympiamannschaft stattfand.

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Ich war im Fitnesscenter auf dem Laufband. Als das zweite Flugzeug ins WTC flog, fiel ich fast vom Band.

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In der U-Bahn in Hamburg auf dem Weg zur Uni-Bibliothek habe ich davon erfahren – ich weiss nicht mehr, wie; die Leute im Abteil haben irgendwie darüber geredet. Dann habe ich mich in der Bibliothek sofort an einen Rechner mit Internetzugang gesetzt.

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Ich war auf einem Parkplatz der A7 zwischen Kassel und Würzburg. Von der ersten Meldung im Radio bis zum Abend war es ein Horrortrip, wie man es sich nie hätte ausdenken können.

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Ich war auf der Arbeit bei einer amerikanischen Firma in Deutschland. Ich habe dann nach Feierabend vor der Glotze gehangen, wie alle anderen auch. Am nächsten Tag glich die Firma einem Hochsicherheitsgebiet. Wir konnten wegen der Personal- und Sicherheits-Überprüfungen diesen Tag nicht mehr produktiv tätig sein.

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Zum Glück war ich wieder in Dresden. Eine Woche davor war ich in New York.

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Ich war in Wien und machte ein Praktikum in der Uniklinik. Die Oberärztin der Station erzählte, dass in New York ein Flugzeug ins WTC geflogen sei. Danach lief der Tag eher normal weiter. Es war die Zeit, bevor jeder ein Smartphone hatte und überall Computer standen. Als ich nachmittags aus dem Krankenhaus kam, merkte man eine Unruhe in der Stadt. Vor den Regierungsgebäuden am Ballhausplatz waren Schützenpanzer aufgefahren, ebenso vor der Synagoge. Abends im Studentenwohnheim habe ich im Gemeinschaftsraum dann im Fernsehen alles gesehen.

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Wir waren in einem Ferienhaus in der Nähe von Den Helder. Meine Freundin kam vom Einkauf und sagte: „Mach mal den Fernseher an, in New York ist ein Flugzeug in ein Gebäude gestürzt.“ In dem Moment, als wir den Fernseher anmachten, flog das zweite Flugzeug in den Turm. Da war klar, dass es kein Unfall war.

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Ich war auf der IAA in Frankfurt für meinen damaligen Arbeitgeber. Wir hatten einen Stand. Niemand hat wirklich begriffen, was passiert ist. Kollegen hatten einen Internetanschluss, der völlig überlastet war. Wir haben tröpfchenweise Informationen erhalten und überlegt, ob wir das Gebäude besser verlassen sollten, möglicherweise wäre auch der Messeturm ein Ziel. Alltag wird Geschichte. So sehe ich das heute. Allein deshalb erinnere ich mich noch an diesen Tag.

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Ich hatte nach der Schule ein Fußballspiel, Kreispokalspiel der D-Junioren gegen die SpVgg. Marl. In der Kabine unterhielten sich einige der Anderen über ein Computerspiel o.Ä. Wir gewannen 2:1, freuten uns und dann fuhr ich nach Hause. Dort stellte ich fest, dass es in dem Gespräch in der Kabine mitnichten um ein Computerspiel ging. Den Rest des Abends verbrachte ich mit meinen Eltern vor dem Fernseher

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Ich habe Kunden in Köln besucht. Sie waren Deutsche mit Vorfahren aus den Philippinen. Als ich ins Haus kam, lief der Fernseher. Der Mann des Hauses sagte mir: „Der dritte Weltkrieg hat begonnen.“

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Mehr so viel mehr

Tapfer im Nirgendwo präsentiert „Mehr so viel mehr“ von Viktoria Burkert.

Der Obdachlose am Zülpicher Platz sagt, er kontrolliert das Wetter, er heißt Jürgen und hatte mal alles, Job, Familie, trotzdem geht es ihm jetzt besser, sagt er. Sein Hund heißt Whiskey und er fragt nach einem Euro für Whiskey, und lächelt ohne Zähne und wünscht ohne Vorwurf einen schönen Tag.

Nachts vorm Café, die Straße dampft vom Sommerregen, es war schön, die Musik, die Menschen, niemand war dagegen, dass man lebt. Wir stehn noch zusammen, du weichst einem schweren Tropfen aus, und sagst: hoffentlich hab ich diese Nacht keine Angst, und dann tanzt du nach Haus.

Vielleicht sind’s diese Nächte, in denen alles so einfach ist, in denen dir klar wird, alles was du suchst, ist längst da! In denen du spürst, dass dein Weglaufen vergebens war, denn alles, was wahr war, ist noch wahr.

Und wer lacht, hat meistens Wunden, und wer singt, kann meistens singen,
und wer nicht singen kann und es trotzdem tut, hat Mut! Wer die Töne nicht trifft, weiß zumindest, dass es Töne gibt, und mehr so viel mehr als die Stille und das Schweigen und die Lügen.

Und wer fühlt, was wirklich ist, fühlt sofort, dass es weh tut, denn was schön ist und weh tut ist wahr. Ich bin sicher nicht für immer da,
aber jetzt gerade ganz bestimmt, und jetzt auch noch und zumindest solange dieses Lied erklingt.

Simone wurde wieder verlassen und kauft sich drei Kilo Erdnusseis, sie sagt, das hilft zwar nicht gegen die Einsamkeit, aber für heute Nacht reicht’s. Sie gibt Jürgen zwei Euro für Whiskey und grinst, ach, wir sind mehr so viel mehr als das, was man uns nimmt.

Nachts am großen Fluss, die Brücke bebt, die Möwen schrein, es war schön wie ein Anfang schön ist, und hey, so schön kann’s immer wieder sein. Du sagtest, schau in den Himmel, ich glaube, gleich geht der große Regen los,
und zum Glück haben wir weder Schirme noch ein Zuhause und ich lass dich nicht los.

Vielleicht sind’s diese Nächte, in denen alles wieder möglich ist, in denen du nass bist und glücklich und froh, dass es dich hier noch gibt, weil das Leben dich mehr liebt, als du das Leben immer lieben konntest und das ist völlig okay.

Und wer lacht, hat meistens Wunden, und wer singt, kann meistens singen,
und wer nicht singen kann und es trotzdem tut, hat Mut. Wer die Melodie vergeigt, schafft vielleicht nichts, was gleich bleibt, aber versuchen und scheitern gehörn am Anfang und überhaupt dazu.

Und wer fühlt, was wirklich ist, fühlt sofort, dass es weh tut, denn was schön ist und weh tut ist wahr. Du bist sicher nicht für immer da,
aber jetzt gerade ganz bestimmt, und jetzt auch noch und zumindest solange dieses Lied erklingt.

Und wer lacht, hat meistens Wunden, und wer singt, kann meistens singen,
und wer nicht singen kann und es trotzdem tut, hat Mut. Wer das Tempo übertreibt, weiß vielleicht mehr über Zeit wie jemand, der perfekt im Tempo bleiben kann, denn die Momente, in denen dein Herz schneller schlägt als sonst, auf die kommt es vielleicht an.


Musik und Text: Viktoria Burkert * Arrangement: Markus Schimpp * Produktion: Gerd Buurmann * Copyright: Viktoria Burkert

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(TINVB)

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Was existierte vor Israel?

Bevor Israel im Jahr 1948 die Unabhängigkeit erklärte, gab es für die Region ein britisches Mandat.

Vor dem britischen Mandat herrschte dort das Osmanische Reich.

Vor dem Osmanischen Reich regierten dort mameluckische Dynastien.

Vor den Mamelucken existierte dort das kurdischstämmige Ayyubidenreich.

Vor dem Ayyubidenreich herrschte dort das fränkische und christliche Königreich Jerusalem.

Vor dem Königreich Jerusalem herrschten dort der arabischstämmig Familienclan der Umayyaden und das Kalifat der Fatimiden.

Vor den Umayyaden und Fatimiden gab es das Byzantinische Reich.

Vor dem Byzantinischen Reich herrschte dort die persische Dynastie der Sassaniden.

Vor dem Sassanidenreich herrschte bereits das Byzantinische Reich.

Vor dem Byzantinischen Reich herrschte dort das Römische Reich.

Vor dem Römischen Reich regierten dort die israelitischen Hasmonäer.

Vor dem hasmonäischen Staat gab es die griechischen Seleukiden.

Vor dem Seleukidenreich herrschte das Alexanderreich.

Vor Alexander dem Großen herrschte dort das Perserreich.

Vor dem Persischen Reich herrschte das Neubabylonische Reich.

Vor dem Neubabylonischen Reich gab es dort das Königreich Juda und das Königreich Israel.

Vor dem Königreich Israel herrschten dort die Zwölf Stämme Israels.

Vor den zwölf Stämmen gab es dort einen Fünf-Städte-Bund der Philister.

Davor waren die Städte unter der Verwaltung des Alten Ägypten.

Unter der Verwaltung des Alten Ägypten lebten dort die Kanaaniter, die ältesten bekannten sesshaften Einwohner der Region.

Was es in dem ganzen Gebiet bisher noch niemals gab, ist ein unabhängiges Palästina.

Was ist überhaupt Palästina?

Eine der ältesten schriftlichen Nachweis des Wortes „Palästina“ findet sich bei dem antiken griechischen Geschichtsschreiber und Völkerkundler Herodot. Im 5. Jahrhundert vor moderner Zeitrechnung benannte er das Gebiet „Syria palaistinē“ und zwar in Anlehnung an das Volk der Philister, das da einst gelebt hatte.

Wer waren die Philister?

Die Philister lebten in dem oben erwähnten Fünf-Städte-Bund, der heute auch öfters als „Palästina“ bezeichnet wird. Der Fünf-Städte-Bund bestand aus den Städten Aschdod und Aschkelon, die sich heute in dem Staat Israel befinden, der verschwundenen Stadt Gat, die sich auf dem Hügel Tell es-Safi befunden haben soll, der ebenso verschwundenen Stadt Ekron, auf dessen Gebiet sich heute der Kibbuz Revadim befindet und Gaza im heutigen Gazastreifen, der Teil der Palästinensischen Autonomiegebiete ist.

Die Philister waren Seevölker. Wie sich diese Völker selber nannten, ist nicht gewiss. Wir wissen jedoch, wie sie genannt wurden, nämlich von den Hebräern. In den biblischen Texten werden sie auf hebräisch פְלִשְתִּים (pelischtim) genannt, was auf deutsch als „Philister“ übersetzt wurde. Aus der Bibel kennen wir auch den berühmtesten Philister der Welt: Goliat. Über ihn berichtet das Buch Samuel:

„Da trat aus dem Heer der Philister ein einzelner Soldat heraus: Goliat aus der Stadt Gat. Er war über drei Meter groß. Gerüstet war er mit einem Helm, einem schweren Schuppenpanzer und mit Beinschienen, alles aus Bronze. Dazu hatte er sich noch eine bronzene Lanze auf den Rücken geschnallt. Sein Brustpanzer wog sechzig Kilogramm, sein Speer war so dick wie ein kleiner Baum, und allein die Eisenspitze des Speeres war über sieben Kilogramm schwer.“

Der Begriff „Palästina“ hat mit dem Wort „Philister“ somit einen hebräischen Ursprung.

Als im Jahr 135 das Jüdische Volk vom Römischen Reich zerschlagen wurde, nachdem der jüdische Tempel bereits im Jahr 70 zerstört worden war, entschlossen sich die Römer, das Gebiet neu zu benennen. Um jeglichen Anspruch des Jüdischen Volks auf das Gebiet zu negieren, benannten sie es nach dem Volk, das in der Bibel gegen das Königreich Israels gekämpft hatte. Zu der Zeit gab es das Volk der Philister jedoch schon lange nicht mehr.

Der Begriff Palästina ist somit lediglich eine Gebietsbeschreibung und keine Volksbeschreibung. Es gibt keine palästinensische Sprache und keine unabhängige palästinensische Kultur, dafür aber eine Menge Menschen verschiedenster Glaubensrichtungen und Nationalitäten, die in dem Gebiet lebten und leben, das Palästina genannt wird. Der mit Abstand größte Teil Palästinas liegt im heutigen Jordanien.

Weitere Gebiete Palästinas sind die Golanhöhen, der Gazastreifen, das Westjordanland und Gebiete von Ägypten und Saudi-Arabien. Nur ein sehr kleiner Teil Palästinas befindet sich in Israel, aber alle, die in dem Gebiet Palästina leben, mögen es nun Jordanier, Israelis, Araber, Juden, Christen oder Moslems sein, sind Palästinenser.

Nach dem 1. Weltkrieg und durch den Untergang des Osmanischen Reiches wurde der überwiegende Teil des Gebiets Palästina herrschaftslos. Ab 1922 verwaltete der Völkerbund das Gebiet. Alle Menschen, die zwischen 1923-1948 im britischen Mandat Palästina geboren wurden, bekamen damals „Palästina“ in ihre Pässe gestempelt. Wenn man damals allerdings Araber als Palästinenser bezeichnete, waren sie beleidigt und erklärten: „Wir sind keine Palästinenser. Wir sind Araber. Juden sind die Palästinenser!“

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff „Palästinenser“ als Synonym für „Jude“ benutzt. In den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts gab es in Jerusalem ein sogenanntes palästinensisches Orchester. Es bestand ausnahmslos aus Juden. Die Fahne der Region Palästina sah damals so aus:

Das Palästinensische Volk, so wie es heute mehrheitlich verstanden wird, entstand in den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Der PLO-Führer Zuheir Mohsen erklärte im März 1977 in einem Interview mit der niederländischen Zeitung Trouw:

„Das palästinensische Volk existiert nicht. Die Schaffung eines palästinensischen Staates ist nur ein Mittel, um unseren Kampf gegen den Staat Israel für unsere arabische Einheit fortzusetzen. In Wirklichkeit gibt es heute keinen Unterschied mehr zwischen Jordaniern, Palästinensern, Syrern und Libanesen. Nur aus politischen und taktischen Gründen sprechen wir heute von der Existenz eines palästinensischen Volkes, denn die arabischen nationalen Interessen verlangen, dass wir die Existenz eines eigenen palästinensischen Volkes als Gegenpol zum Zionismus postulieren (…) Aus taktischen Gründen kann Jordanien, ein souveräner Staat mit definierten Grenzen, keine Forderungen auf Haifa und Jaffa aufstellen, während ich als Palästinenser zweifellos Haifa, Jaffa, Beer-Sheva und Jerusalem fordern kann. Doch in dem Moment, in dem wir unser Recht auf ganz Palästina zurückfordern, werden wir nicht eine Minute warten, Palästina und Jordanien zu vereinen.“

Nach dieser Definition ist das palästinensische Volk lediglich eine Erfindung, um Israel zu zerstören. Dieses Palästina ist nur eine Massenvernichtungswaffe, die gegen Israel geschaffen wurde, um das jüdische Volk zu diffamieren, Israel zu dämonisieren und dem Judenhass eine neue Ausdrucksform zu geben.

Es ist purer Hass auf Israel, der diese Definition von Palästina zulässt. Es ist zudem uralter Hass auf das Jüdische Volk, der es möglich macht, das Leute heute ernsthaft den Blödsinn behaupten und glauben können, die heutigen Palästinenser, die von den israelfeindlichen Partei Fatah und der Hamas regiert werden, hätten irgendeine historische oder kulturelle Beziehung zu den biblischen Philistern.

Dieses aus Hass erfundene palästinensische Volk ist nichts weiter als ein gegen Israel aufgebauter Riese. Es ist jedoch ein Riese, der auf einem so historisch wackeligen Boden gestellt wurde, dass schon eine einfache Steinschleuder ausreicht, um diesen Humbug umzustürzen.

„Im Laufen nahm David einen Stein aus seiner Tasche, legte ihn in die Steinschleuder und schleuderte ihn mit aller Wucht gegen den Feind. Der Stein traf Goliat am Kopf und bohrte sich tief in seine Stirn. Sofort fiel der Riese zu Boden auf sein Gesicht. So überwältigte David den mächtigen Philister mit einer einfachen Steinschleuder und einem Kieselstein.“

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„Ich bin kein Militärtyp“

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Joe Biden und der Präsident von Afghanistan, Ashraf Ghani, haben am 23. Juli 2021 telefoniert. Das Gespräch zeigt, Ghani warnte Biden vor einer möglichen, baldigen Übernahme des Landes durch die Taliban und Biden empfahl Ghani nachdrücklich eine stärkere Ermächtigung des Militärs. Tapfer im Nirgendwo hat Auszüge aus diesem Gespräch übersetzt.

BIDEN: Herr Präsident, Joe Biden.

GHANI: Natürlich, Herr Präsident, es ist eine Freude, Ihre Stimme zu hören.

BIDEN: Wissen Sie, ich bin etwas zu spät, aber ich meine es aufrichtig. Hey, sehen Sie, ich möchte klarstellen, dass ich kein militärischer Typ bin, genauso wenig wie Sie, aber ich habe mich mit unseren Leuten vom Pentagon und mit unseren nationalen Sicherheitsleuten getroffen, wie Sie es mit unseren und Ihren getan haben, und wie Sie wissen, dass muss ich Ihnen nicht sagen, es gibt, glaube ich, auf der ganzen Welt und in Teilen Afghanistans, die Wahrnehmung, dass es nicht gut läuft im Kampf gegen die Taliban. Und es besteht die Notwendigkeit, ob es nun wahr ist oder nicht, die Notwendigkeit, ein anderes Bild zu schaffen.

(…)

BIDEN: Wenn Sie Bismillah (Verteidigungsminister von Afghanistan, Bismillah Khan Mohammadi) ermächtigen, eine Strategie auszuführen, die sich auf wichtige Teile der Bevölkerungszentren konzentriert, aber ich kein Militärtyp, daher sage ich Ihnen nicht, wie dieser Plan genau aussehen sollte, aber Sie werden nicht nur mehr Hilfe bekommen, sondern auch eine Wahrnehmung, die sich in Bezug darauf ändern wird, wie, ähm, (… unklar), unsere Verbündeten und Leute hier in den Staaten und an anderen Orten denken, was sie tun.

Sie haben eindeutig das beste Militär. Sie haben dreihunderttausend gut bewaffnete Kräfte gegenüber siebzig- bis achtzigtausend und sie sind eindeutig in der Lage, gut zu kämpfen. Wir werden weiterhin Unterstützung aus der Luft leisten, wenn wir wissen, was der Plan ist und was wir tun. Und das bis Ende August. Wer weiß, was danach noch passiert.

Wir werden auch weiterhin sicherstellen, dass Ihre Luftwaffe in der Lage ist, weiterhin zu fliegen und Luftunterstützung zu leisten. Darüber hinaus werden wir weiterhin hart kämpfen, diplomatisch, politisch, wirtschaftlich, um sicherzustellen, dass Ihre Regierung nicht nur überlebt, sondern auch erhalten bleibt und wächst. Denn es liegt eindeutig im Interesse des afghanischen Volkes, dass Sie erfolgreich sind und führen. Und obwohl ich weiß, dass es einerseits anmaßend ist, Ihnen solche Dinge so direkt zu sagen, ich kenne Sie schon lange und ich finde, Sie sind ein brillanter und ehrenhafter Mann.

Aber ich denke tatsächlich, ich weiß nicht, ob Sie sich darüber bewusst sind, wie sehr die Wahrnehmung auf der ganzen Welt ist, dass dies nach einem verlorenen Unterfangen aussieht, was es nicht ist, was es nicht unbedingt ist, aber so ist die Schlussfolgerung: Ich bitte Sie zu überlegen, ob Sie alle zusammenbringen, von Dostum (ehemaliger Vizepräsident Abdul Rashid Dostum) bis Karzai (ehemaliger Präsident Hamid Karzai) und allen dazwischen, wenn Sie stehen und die von Ihnen zusammengestellte Strategie unterstützen und dann einen Kämpfer aufstellen. Sie kennen einen Militärtypen: Khan (Verteidigungsminister Bismillah Khan Mohammadi) kann für die Umsetzung dieser Strategie verantwortlich sein. Das wird die Wahrnehmung verändern. Das wird meiner Meinung nach sehr viel ändern.

(…)

GHANI: Herr Präsident, wir stehen vor einer umfassenden Invasion, die sich zusammensetzt aus der Taliban, mit voller logistischer Unterstützung und Planung aus Pakistan, mindestens zehn- bis fünfzehntausend internationalen Terroristen, überwiegend Pakistanern. Dieser Dimension muss Rechnung getragen werden.

Zweitens ist die Unterstützung aus der Luft entscheidend, und wenn ich eine Bitte formulieren darf, Sie wären sehr großzügig, wenn Ihre Unterstützung, besonders unserer Luftwaffe, frühzeitig erfolgen könnte, denn was wir im Moment brauchen, wir haben uns sehr stark auf die Luftwaffe verlassen. Wir haben uns darauf konzentriert, dass wir es sehr zu schätzen wissen, sollte es möglich sein, die Unterstützung vorzuziehen.

Und drittens, was das Verfahren für den Rest der Hilfe anbelangt, so ist beispielsweise der Militärlohn über ein Jahrzehnt lang nicht erhöht. Wir müssen einige Anstalten machen, um alle zusammenzubringen. Wenn Sie also den nationalen Sicherheitsberater oder das Pentagon beauftragen könnten, jeden, von dem Sie wünschen, dass er mit uns an den Details arbeiten möchten, also an unseren Erwartungen insbesondere in Bezug auf Ihre Unterstützung durch die Luft. Es gibt Vereinbarungen mit den Taliban, von denen (…) bisher nicht wussten. Wegen Ihrer Luftwaffe war sie bei Angriffen äußerst vorsichtig.

Und der letzte Punkt, ich habe gerade noch einmal mit Dr. Abdullah gesprochen. Er ist zu Verhandlungen mit den Taliban gegangen. Die Taliban haben kein Interesse gezeigt. Wir können nur Frieden finden, wenn wir die militärische Lage neu ausbalancieren. Und ich kann Ihnen versichern (…)

BIDEN: (Überschneidungen im Gespräch)

GHANI: Und ich kann Ihnen versichern, ich war in vier von unseren wichtigsten Städten. Ich bin ständig mit dem Vizepräsidenten und anderen unterwegs, wir werden uns sammeln können. Ihre Unterstützungszusage trägt wesentlich dazu bei, dass wir wirklich ernsthaft mobilisieren können. Der städtische Widerstand, Herr Präsident, war außergewöhnlich, es gibt Städte, die fünfundfünfzig Tage lang belagert wurden und die sich nicht ergeben haben. Nochmals vielen Dank und ich bin immer nur einen Anruf entfernt. Das ist es, was ein Freund einem Freund erzählt, also glauben Sie bitte nie, dass Sie sich aufdrängen.

BIDEN: Nein, hören Sie mal, ich danke Ihnen. Sehen Sie, Luftnahunterstützung funktioniert nur, wenn es eine militärische Strategie vor Ort gibt, die Sie unterstützen können.

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Übersetzung von Gerd Buurmann. Das Original findet sich hier. Wenn Sie einen besseren Vorschlag für eine Übersetzung haben oder wenn Sie finden, dass ich an einer Stelle nicht genau übersetzt habe, senden Sie mir gerne Ihre Verbesserung an: gerdbuurmann@hotmail.de

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„Unsere Brüder, die Taliban“

„Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um mit unseren Brüdern, den Taliban, zu sprechen. Wir fordern Sie auf, für die sichere Ausreise jeder Person in Afghanistan aus dem Land zu sorgen.“

Die Frau, die die Taliban „unsere Brüder“ nennt, heißt Maryam Monsef und ist Mitglied im Unterhaus von Kanada.

Raten Sie mal, welchen Ministerinnenposten sie in Kanada hat. Sie kommen nicht drauf. Ich sage es Ihnen: Am 10. Januar 2017 wurde sie als Ministerin für Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter vereidigt. Seit 2019 ist sie zudem Ministerin für Ländliche Wirtschaftsentwicklung.

Wer hätte gedacht, dass die Taliban die Brüder der kanadischen Ministerin für Frauen ist.

Also, wenn die Taliban was kann, dann Geschlechter gleich stellen, aber so richtig gleich. Alle Männer lassen sich gleich einen Bart wachsen und alle Frauen werden gleich in die Burka gesteckt. Wer sich weigert, wird gleichgestellt und zwar an die Wand.

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Hohle Floskeln der Betroffenheit reichen nicht mehr aus

Ein Artikel von C.J. aus Köln.

Gerd Buurmann fragt in seinem Artikel über einen judenfeindlichen Angriff in Köln vom 20. August 2021, bei dem ein achtzehn Jahre junger Mann von ungefähr zehn Menschen umringt, beleidigt und geschlagen wurde, so dass sein Jochbein brach:

„Was hat die jungen Menschen so sehr vergiftet? Wo kommt ihr Judenhass her? Was hat dafür gesorgt, daß sie einen Menschen aus einer Gruppe heraus zusammenschlagen konnten?“

Als Antwort würde ich mal blind darauf tippen, dass hier keine Rechtsradikalen gewütet haben. Die Polizei hat zwar keine Einzelheiten über die Täter veröffentlicht, aber ich wette, wären es rechtsextreme Jugendliche, sähen wir schon längst die Versuche, politisches Kapital daraus zu schlagen.

Hohle Floskeln der Betroffenheit reichen schon lange nicht mehr aus.

Ich werde zunehmend wütender wenn ich lese, dass jüdische Bürger bereits darüber nachdenken, dieses Land zu verlassen, weil sie sich nicht mehr sicher fühlen und nicht mehr auf die Straße trauen. Wohin soll das alles noch führen und wie weit will unsere Politik und die sie leider blauäugig stützende Bevölkerung, die sich in ihrer eingebideten Toleranz und Offenheit suhlt, diese Zustände noch treiben? Muss es erst zu Straßenschlachten wie in Frankreich oder Schweden kommen?

Hätte ich privat die Mittel und die Möglichkeit, würde ich mittlerweile auch so schnell wie möglich meine Koffer packen und das Weite suchen.

Die Einzelheiten kommen mir in diesem Zusammenhang nur allzu vertraut vor. Es handelt sich um eine „Gruppe von zehn jungen Männern“ und das Opfer wurde „antisemitisch beleidigt“. Aus der Neuen Zürcher Zeitung habe ich jetzt erfahren, ein Sprecher habe der NZZ gesagt: „Dabei handelt es sich um einen Deutschen und einen Deutschtürken.“

Die oberste Devise scheint zu lauten: Nur nicht den großen Elefanten beachten, der mitten im Raum steht. Man umgeht das immer größer werdende Problem geflissentlich. Es ist wie beim undichten Dach: Irgendwann sind die Balken durchgefault und das Haus stürzt ein. Leugnen und Wegsehen hilft hier nicht weiter. Das Problem bleibt und fällt einem früher oder später umso schmerzhafter auf die Füße.

Man kann auch einem Alkoholiker nur dann helfen, wenn er bereit ist zu erkennen, dass er ein Problem mit dem Alkohol hat. Vorher bringt es nichts. Die standardisierte Antwort von Frau Reker ist leider auch nur allzu typisch und beispielhaft für unsere politische Klasse. Aber bei weitem nicht nur für sie.

Den einen Tag tönen sie „Toleranz und Offenheit“, den nächsten Tag dann „Tiefes Bedauern und Anteilnahme“, wenn solche Straftaten passieren. Natürlich darf dann auch der Spruch nicht fehlen, dass man mit aller gebotenen Härte gegen die Täter vorgehen wird.

Die beiden festgenommenen „mutmaßlichen“ Prügel-Bubis, vermutlich psychisch gestört und Einzelfälle, wenn nichts mehr hilft, sind schon wieder auf freiem Fuß, wie ich lese. Passt doch genau ins Bild von Härte und Entschlossenheit. Morgen wird es wieder tönen: „Toleranz und Offenheit“. Dass das alles nicht zusammenpasst, sei’s drum. Hauptsache, es hört sich toll an und man bekommt allseits Beifall.

Auf welchen Rücken die Probleme abgeladen werden und mit welchen Opfern das erkauft wird, spielt anscheinend nicht die geringste Rolle mehr.

Nein, die politisch Verantwortlichen tun nicht nur nichts dagegen, sie befördern und vergrößern das Problem mit jedem weiteren Tag, an dem sie in Amt und Würden sind; und das ohne die geringste Ahnung, wie sie aus dem Karussell wieder aussteigen wollen.

Wir hatten vor achtzig Jahren die Barbarei schon einmal hier. Anscheinend hat dieses Land daraus nicht viel gelernt. Will man dorthin wirklich zurück? Der Eindruck drängt sich auf, denn man tut wirklich alles dafür. Leider ist der große Kölner Ralph Giordano nicht mehr unter uns. Seine mahnende Stimme wäre heute nötiger denn je.

„Was hat die jungen Menschen so sehr vergiftet ? Wo kommt ihr Judenhass her? Was hat dafür gesorgt, daß sie einen Menschen aus einer Gruppe heraus zusammenschlagen konnten?“

Ich möchte eine Antwort wagen und tippe mal darauf, dass hier ein Blick in gewisse nicht kleine Ecken der Umma sehr schnell weiterhelfen würde.

Bitte entschuldigen Sie die Härte meiner Worte, aber ich bin so wütend und verzweifle immer mehr an diesen ganzen Zuständen. Die Zerstörung ist in vollem Gange. Ich bin Jahrgang 1966 und kenne noch andere Zeiten. Die Väter und Mütter unseres Grundgesetzes drehen sich nicht nur in ihren Gräbern um, sie rotieren.

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(TINAY)

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Judenfeindlicher Angriff in Köln

Am Schabbat, 20. August 2021 wurde in Köln gegen 23:30 Uhr ein 18-jähriger Mann, der eine Kippa trug, durch einen judenfeindlichen Angriff schwer verletzt.

Nach Angaben der Polizei wurde dem jungen Mann in einem Park am Kaiser-Wilhelm-Ring von einer Gruppe, bestehend aus ungefähr zehn jungen Männern, die Kippa vom Kopf gerissen. Laut Angaben wurde das Opfer antisemitisch beleidigt, geschlagen und getreten. Bei dem Angriff wurde ihm ein Gesichtsknochen gebrochen. Zwei mutmaßliche Täter im Alter von 18 und 19 Jahren konnten aufgrund von Aufnahmen einer Videoüberwachung festgenommen werden. „Dabei handelt es sich um einen Deutschen und einen Deutschtürken“, sagte ein Sprecher der Kölner Polizei. Weitere Details zu den Verdächtigten nannte die Polizei nicht.

Die Verdächtigten wurden vernommen und dann wieder freigelassen.

Was hat die jungen Menschen so sehr vergiftet? Wo kommt ihr Judenhass her? Was hat dafür gesorgt, dass sie einen Menschen aus einer Gruppe heraus zusammenschlagen konnten?

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