Theater in Zeiten von Corona – Gerd Buurmann lĂ€dt ein!

Erleben Sie Theater in Form eines Stadtspaziergangs.

Erleben Sie in diesen schweren Zeiten wieder etwas Theater, gute Literatur und lernen dabei Köln neu kennen. Gehen Sie mit Gerd Buurmann auf einen dramatischen und komödiantischen Spaziergang durch Köln.

Gerd Buurmann prÀsentiert:
„Köln – Ein FrĂŒhlingsmĂ€rchen“
Ein Theater-Spaziergang durch Köln
mit Texten von Heinrich Heine

Termine: Samstag, 15. August und Sonntag, 16. August jeweils um 13h und um 16h.

AUSVERKAUFT: Samstag 29. August um 15h.

Sonntag 13. September um 13h und 16h.

Treffpunkt: Kreuzblume vor dem Kölner Dom, Kardinal-Höffner-Platz 1

Kontakt per Telefon: 0160 985 20 957 / Kontakt per Mail: gerdbuurmann@hotmail.de

Gerd Buurmann geht mit Ihnen unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln durch Köln und prĂ€sentiert dabei an OriginalschauplĂ€tzen Texte von Heinrich Heine. Sie erleben, wie sich Heine mit den heiligen drei Königen am Kölner Dom prĂŒgelt, wie er mit Vater Rhein redet und was er sonst noch so alles in Köln erlebt und gegessen hat. Dazu erfahren Sie noch eine Menge spannende Geschichten ĂŒber die Stadt.

Preis: 20,- Euro pro Person.

(Bilder: Ruth Wennemar)

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Aethervox Ehrenfeld mit Gerd Buurmann

Jeden Donnerstag erscheint eine Folge des Podcasts Aethervox Ehrenfeld von Christian Schneider. Jeden Donnerstag heißt es: â€žGossip, Rants und ‎Lebenshilfe. Aus Köln.“

Hier gibt es alle frei verfĂŒgbaren Folgen mit Gerd Buurmann:

Am 6. August 2020 erschien Folge 326 mit Gerd Buurmann: FOLGE 326 – Hofnarr

Am 11. Juni 2020 erschien Folge 318 mit Gerd Buurmann: FOLGE 318 – Legion

Am 16. April 2020 erschien Folge 310 mit Gerd Buurmann: FOLGE 310 – Androhung von Gewalt

Am 28. MĂ€rz 2019 erschien Folge 255 mit Gerd Buurmann: FOLGE 255 – Golan Heights

Am 7. April 2016 erschien Folge 92 mit Gerd Buurmann: FOLGE 92 – Tapfer im Nirgendwo

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#CoronaKunst

Liebe Leserinnen und Leser,

Die momentane Situation rund um COVID-19 trifft freischaffende KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler mitten ins Mark. Daher habe ich eine persönliche Bitte an Sie.

Auf alle selbststĂ€ndig arbeitenden KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler kommen jetzt harte Zeiten zu. Das in vielen FĂ€llen eh schon am Existenzminimum gefĂŒhrte Leben wird durch die AusfĂ€lle im Theaterbereich auf eine harte Probe gestellt.

Kunst und die Arbeit von kunstschaffenden Menschen ist wertvoll.

Aufgrund des Virus werden Sie in den nĂ€chsten Tagen weniger ausgehen und vermutlich kein Theater besuchen. Sie wĂŒrden mich sehr glĂŒcklich machen, wenn Sie die so freigewordene Zeit nutzen, um im Internet zu schauen, ob Sie dort Kontakt zu einem KĂŒnstler oder einer KĂŒnstlerin ihrer Vorliebe aufnehmen können.

Wenn es eine Dichterin, einen Musiker, eine Kabarettistin, einen Stand-Up-Comedian, eine Schauspielerin, einen TĂ€nzer, eine Slam Poetin oder irgendeine andere Person gibt, deren Kunst sie wertschĂ€tzen, weil die Kunst etwas bei Ihnen bewegt hat und sei es auch nur ein Lachen oder eine TrĂ€ne gewesen, dann kontaktieren Sie diesen Menschen und bitten ihn um die Möglichkeit, ihm einen kleinen Beitrag zu ĂŒberweisen.

Wen es auch nur 10,- Euro sind, oder vielleicht 20,-, 50,- oder 100,- Euro, diese Geste wird unglaublich viel bewegen. Die Kunst ist eh schon ein hartes Brot, aber die kommenden finanziellen AusfĂ€lle werden viele freie KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler vor große Herausforderungen stellen.

Wenn Sie immer schon mal Danke sagen wollte fĂŒr die Kunst, die sie bewegt hat, so ist jetzt der richtige Augenblick gekommen.

Ich bin auch KĂŒnstler. Selbst wenn ich nur von einem Menschen angeschrieben werde, der mir etwas Geld ĂŒberweisen möchte, so wird mir damit schon geholfen sein. In Zeiten der Ungewissheit ist schon ein kleines Pflaster der Zuversicht und SolidaritĂ€t sehr wirksam.

UnterstĂŒtzen Sie einen KĂŒnstler oder eine eine KĂŒnstlerin Ihrer Wahl.

Sollten Sie diese Aktion unterstĂŒtzen, teilen Sie diesen Text gerne mit dem Hashtag #CoronaKunst

Sollten Sie eine KĂŒnstlerin oder ein KĂŒnstler sein, der oder die etwas Hilfe gebrauchen kann, nutzen Sie diesen Hashtag: #CoronaKĂŒnstler oder #CoronaKĂŒnstlerin

So weiß jeder, dass Sie von dieser Aktion wissen und muss Sie nur noch fragen, wie auf auf welches Konto er oder sie die Überweisung tĂ€tigen soll. Es ist keine Schande, um Hilfe zu bitten, wenn Sie gebraucht wird.

Lassen Sie diese Aktion ein Virus fĂŒr die Kunst und fĂŒr das Leben werden.

#CoronaKunst soll sich grĂ¶ĂŸtmöglich verbreiten, damit es so viel Hilfe wie möglich geben kann.

Lassen Sie sich infizieren von der Hilfsbereitschaft.

Alles Liebe und bleiben Sie gesund,
Gerd Buurmann

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Kunst gegen Bares 2020

Gerd Buurmann prÀsentiert:

Kunst gegen Bares mit Hildegart Scholten und Gerd Buurmann
jeden Montag um 20 Uhr
im ARTheater, EhrenfeldgĂŒrtel 127 in Köln

Die Show in der Kunst und Kapital aufeinander treffen.

KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler prĂ€sentieren auf der BĂŒhne des ARTheaters ihre Talente – vom Schauspielmonolog zum KabarettbrĂŒller, von eigenen Gedichten bis zur Eier-Jonglage im Kopfstand – eigentlich eine typische Offene BĂŒhne Show. Kunst gegen Bares ist die Muppet Show, nur mit Menschen statt Schweinen, Fröschen, Hunden und BĂ€ren. Alles nach dem Motto von Onkel Kermit: “Nimm, was Du hast und flieg damit!“

Das Besondere ist zudem die Form, wie die Kunst entlöhnt wird. Das Publikum entscheidet selbst, wieviel Bares die jeweilige Kunst wert ist. Vor jeder KĂŒnstlerin und vor jedem KĂŒnstler steht ein eigenes Sparschwein, in das nach GutdĂŒnken Geld geworfen werden kann. Bei der Kunst Gegen Bares trifft Kunst auf Kapital, und alles ohne ZwischenhĂ€ndler! Hier ist das Publikum Chef!

Es gibt genau sieben Regeln fĂŒr die Kunst gegen Bares:

1. Zuschauer und KĂŒnstler kommen den selben Weg und sitzen zusammen im Publikum.

2. Die KĂŒnstler werden von der Moderation aus dem Publikum auf die BĂŒhne geholt.

3. Die PrĂ€sentationszeit muss fĂŒr alle KĂŒnstler gleich beschrĂ€nkt sein.

4. Jeder KĂŒnstler erhĂ€lt nach der PrĂ€sentation ein Sparschwein.

5. Das Publikum wird aufgefordert, die erlebte Kunst durch Geldeinwurf in die jeweiligen Sparschweine zu honorieren.

6. Das Geld in den Sparschweinen geht zu 100% an die KĂŒnstler.

7. Der KĂŒnstler oder die KĂŒnstlerin mit dem meisten Geld wird zum „Kapitalistenschwein des Abends“ gekĂŒrt.

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UnterstĂŒtzen Sie Gerd Buurmann

Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, in meiner Arbeit als Autor, KĂŒnstler, Comedian, Schauspieler und Meinungsmacher unterstĂŒtzen wollen, ĂŒberweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto oder nutzen Sie PayPal.

https://www.paypal.me/gerdbuurmann

Meine Kontodaten erhalten Sie von mir via Mail oder Telefon. Kontaktieren Sie mich einfach:

gerdbuurmann@hotmail.de
016098520957

Alles Liebe
und Danke fĂŒr Ihre UnterstĂŒtzung,
Gerd Buurmann

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Der Witz ist ein VerrĂ€ter!

Bei Humor hört der Spaß auf.

Wenn zwei Menschen nicht den gleichen Sinn von Humor haben, stehen sie sich so unversöhnlich gegenĂŒber wie Menschen, die an unterschiedliche Götter glauben. So wie Fundamentalisten einander vorwerfen, nicht an den richtigen Gott zu glauben, werfen sich Menschen mit unterschiedlichen Humorvorstellungen vor, einen schlechten oder gleich gar keinen Humor zu haben. Humor und Religionen sind wie FĂŒrze: Man glaubt, nur die der Anderen stinken.

Es gibt Menschen, die haben Humor und Ironie und dann gibt es jene, die bevorzugen den Spott mit Gesinnungsgarantie. Sie verlangen nach dem Scherzkeks, der ein Feindbild zum Auslachen erwĂ€hlt. Sie wollen eine Horde sein und gemeinsam schenkelklopfend auslachen. Sie brauchen ein Feindbild. FĂŒr sie ist das Lachen ein ZĂ€hnezeigen. Sie wollen mit ihren Witzen vernichten. Nicht selten findet sich diese Form des vernichtenden Spotts im Karneval und Kabarett.

Mitlachen statt Auslachen ist die Kunst.

Alle Menschen haben Meinungen, das ist nichts besonderes, aber nicht alle haben ein feines GespĂŒr fĂŒr Humor oder ein ausgeprĂ€gtes Gehör fĂŒr Harmonie. Alle Menschen haben Überzeugungen, aber nicht alle sind Komponisten oder Humoristen. Wenn ich wĂ€hlen muss zwischen Ideologie und Witz, wĂ€hle ich den Witz, denn eine Überzeugung hat jeder, Sinn fĂŒr Humor jedoch nicht. Das gilt fĂŒr jeden kunstschaffenden Menschen: Mach, was Dich besonders macht. Eine Meinung hat jeder. Das macht auch Dich nicht besonders. Deine Kunst macht Dich besonders!

Es gibt Komiker, die zeigen mit dem Finger auf andere und es gibt Komiker, die zeigen mit dem Finger auf sich.

Jeder Mensch gibt Grund zu lachen, denn Menschen haben Ideologien, Religionen und Überzeugungen und die sind immer auch saukomisch. Es ist absolut berechtigt, darĂŒber Witze zu machen! Wenn jemand glaubt, ich beleidigte ihn, nur weil ich ĂŒber den Koran, das Evangelium, ein Manifest, Marx, Mohammed oder Jesus lache, dann soll er sich beleidigt fĂŒhlen. Wer glaubt, ich verachte ihn, nur weil ich Witze ĂŒber seinen Glauben mache, verwechselt sich mit seinen Überzeugungen. Der Mensch ist mehr als die Summe seiner Ideen!

Lachen ist keine freiwillige Sache.

Ein Mensch hört nicht einen Witz, sortiert ihn in seine Schubladen ein und entscheidet dann, ob er lacht. Wenn ein Witz gut ist, muss man lachen. Man kann gar nicht anders. Die Frage „Darf man darĂŒber lachen?“ ist daher absurd. Man lacht, weil man lachen muss! Man kann sich hinterher zwar schĂ€men, gelacht zu haben, so wie man sich schĂ€mt, in aller Öffentlichkeit eine Erektion bekommen zu haben, aber die Scham hilft nicht weiter. Das Lachen lĂ€sst sich nicht unterdrĂŒcken. Man kann höchstens hinterher lĂŒgen und sagen, man habe das ĂŒberhaupt nicht komisch gefunden, so wie manche ihre SexualitĂ€t verleugnen.

Das Lachen ist vom Willen entkoppelt wie die Lust.

Wenn jemand einen Witz macht, ĂŒber den man nicht lachen kann, dann lohnt es sich, die Ohren zu öffnen. Wenn nĂ€mlich andere lachen, dann wird es deren erogenen Lachmuskeln offenkundig stimuliert haben. Welches Recht haben wir, diesen Menschen das Lachen zu verbieten? Der Humor der Anderern ist keine krankhafte Perversion. Man muss den Humor nicht teilen, aber fĂŒr jede humoristische Spielart gibt es eine Zielgruppe.

Lachen ist Urlaub vom Leid. Lachen hilft, mit Dingen fertig zu werden und nicht zu verzweifeln.

Ein Comedian sucht nicht nach der universellen Wahrheit, sondern nach dem einzigartigen Lacher. Diese Suche ist stets auch ein Tanz am Abgrund des guten Geschmacks und jeder Comedian stolpert mal oder fliegt gehörig auf die Schnauze. Humor lebt von wilden Gedanken, von GrenzĂŒberschreitung und Unangepasstheit. Wer auf einer BĂŒhne ist und fĂŒr den Witz steht, betreibt Hochleistungssport. Die BĂŒhne ist stets Ausnahmezustand.

Dem Humor freien Lauf zu lassen, ermöglicht dem GegenĂŒber einen tiefen Blick in die eigene Seele, vor allem in die unbewussten Flecken dieser Seele und jede Seele hat Flecken. Schon oft habe ich mich durch mein Lachen verraten.

Der Witz ist ein VerrÀter!

Darum gehört der Witz auch zu den ersten Dingen, die Diktaturen verbieten.

Lachen ist gefÀhrlich!

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Ein radikales PlĂ€doyer fĂŒr Meinungsfreiheit

„Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafĂŒr einsetzen, dass Du es sagen darfst.“

Dieser Satz wird oft fĂ€lschlicherweise Voltaire zugeschrieben. Er stammt jedoch von Evelyn Beatrice Hall (1868 – 1956). Sie war eine englische Schriftstellerin und verwendete den Satz in ihrer im Jahr 1903 erschienen Biografie „The Life of Voltaire“ als Illustration der Philosophie von Voltaire. Die Behauptung, der Satz stamme von Voltaire, ist somit falsch, aber durch die Meinungsfreiheit geschĂŒtzt.

Oft höre ich, Meinungsfreiheit schließe keine Hassreden und Falschaussagen ein, aber genau das tut sie. Es ist die exakte Definition von Meinungsfreiheit, dass auch falsche Meinungen geĂ€ußert werden dĂŒrfen.

Es gibt kein Zuviel an Meinungsfreiheit. Entweder gibt es Meinungsfreiheit oder es gibt sie nicht. So einfach ist das!

Es gibt jedoch ein Zuviel an Angst und ein Zuviel an Beleidigtsein. Gegen Meinungen, die schmerzen, mögen sie nun schmerzen, weil sie wahr sind oder weil sie unwahr sind, hilft nur die Gegenrede als zivilisierte Form der Verteidigung.

Eine Beleidigung, die in die Richtung eines Menschen gefeuert wird, beleidigt den Menschen nur, wenn er die Beleidigung in seinem Kopf annimmt. Eine Faust oder eine Kugel jedoch, die in die Richtung eines Menschen abgefeuert wird, verletzt oder durchlöchert den Kopf unabhÀngig von der Haltung des Menschen. Wer eine Beleidigung nicht hört, lebt. Wer eine Kugel nicht hört, stirbt. Das ist der Unterschied.

Wer glaubt, ein Mensch sei eine Gefahr, weil er spricht, glaubt auch, eine Frau sei eine Gefahr, wenn sie ohne Verschleierung aus dem Haus geht.

Die Zensur ist fĂŒr die Redefreiheit das, was der Schleier fĂŒr die Rechte der Frau ist. Jede Frau darf selbst entscheiden, ob sie einen Schleier tragen möchte, so wie jeder Mensch selbst entscheiden darf, ob und zu was er oder sie schweigen will. Es darf keinen Zwang geben, weder fĂŒr den Schleier noch fĂŒr den Mantel des Schweigens.

Meinungsfreiheit gilt auch fĂŒr die Hassrede! Sonst mĂŒsste der Koran schon lĂ€ngst verboten worden sein, denn da stehen einige deutliche Aufrufe zur Gewalt drin.

Stellen Sie sich einfach mal vor, Sie sehen in eine Kneipe einen Mann mit einem Hakenkreuz am Revers. Sie wĂŒrden denken: „Oh, ein Nazi, dem gebe ich kein Bier aus.“ Jetzt stellen Sie sich aber mal vor, er trĂŒge dieses Hakenkreuz nicht, weil es verboten wĂ€re. Sie wĂŒrden sich vielleicht hinsetzen, sich vorstellen und er wĂŒrde Sie nicht mit „Heil Hitler“ begrĂŒĂŸen, weil das unter Hassrede fĂ€llt. Sie wĂŒrden ein wenig plaudern, dabei das ein oder andere Bier trinken, vielleicht sogar ein Bier ausgeben, bis das GesprĂ€ch auf ein Thema fĂ€llt, bei dem Sie plötzlich merken: „Scheiße, ein Nazi!“ Dann aber ist es zu spĂ€t. Sie haben ihm bereits ein Bier ausgegeben. Alles nur, weil ein Verbot des Hakenkreuzes und des Sagens von „Heil Hitler“ Sie daran gehindert hat, den Mann sofort als das zu erkennen, was er ist.

Ich möchte wissen, wie jemand drauf ist, bevor er zur Tat schreitet.

Meinungsfreiheit ist ein prĂ€ventiver Schutzmechanismus. Nur durch die Artikulation der Gedanken lerne ich das Innere eines Menschen kennen und kann so rechtzeitig entscheiden, ob ich mich vor ihm schĂŒtzen sollte oder von ihm lernen kann. Meinungsfreiheit nutzt dem Gehassten immer mehr als dem Hassenden.

Wenn es Leuten schlecht geht, flĂŒchten sie. Manche flĂŒchten in andere LĂ€nder, andere flĂŒchten in Ideologien. Einige LĂ€nder und Ideologien sind gut, andere weniger. Wer das Äußern einer Meinung verbietet, sorgt lediglich dafĂŒr, dass die Meinung nur noch gedacht wird. Aber nur weil ich jemanden nicht mehr höre, heißt das nicht, dass er die Sache nicht mehr denkt. Die Meinung wird lediglich erst sichtbar, wenn sie sich zu einer Handlung entwickelt hat. Dann aber ist es oft zu spĂ€t.

Andere Meinungen auszuklammern, ist so effektiv wie das kleine Kind, das sich die HĂ€nde vor die Augen hĂ€lt und glaubt, so sei die Gefahr verschwunden. Internetseiten zu löschen, im Glauben, man wĂŒrde dadurch etwas verhindern, ist so produktiv, wie BĂŒcher zu verbrennen!

Es gibt Menschen, die sind so frei von jedem Zweifel und so sicher, auf der richtigen Seite des Lebens zu stehen, dass sie Gewalt rechtfertigen oder billigend in Kauf nehmen, um ihre Gewissheit zu manifestieren. Jeder Mensch lÀuft Gefahr, in das Schussfeld dieser Selbstgerechtigkeit zu geraten.

„Wehret den AnfĂ€ngen“ brĂŒllen diese gerechten Putztruppen und meinen damit doch nur die AnfĂ€nge einer Zukunft, die sie aus ihrer Angst konstruieren. Aus Angst nehmen sie andere Menschen als Geisel ihrer Vermutung. Diese Angst ist die Wurzel des totalitĂ€ren Denkens, die Gewalt ĂŒber Gedanken als PrĂ€ventivschlag ermöglicht.

Das Verbieten von Meinungen ist stets ein PrĂ€ventivschlag! Kann so ein PrĂ€ventivschlag gerechtfertigt sein? Bei der Verleihung des Böll-Preises sagte Herta MĂŒller einst:

„Wenn Hassparolen spazieren gehen, dann geht auch irgendwann ein Messer spazieren.“

Wer mit diesem Satz Meinungen verbieten möchte, muss auch fĂŒr ein Verbot des Korans plĂ€dieren, denn unzĂ€hlige Terroristen sind mit den Parolen des Korans spazieren gegangen, bevor sie zum Messer griffen.

Messer gehen jedoch nicht spazieren, weil vorher Parolen spazierten, sondern weil jene, die die Parolen grölen, die Messer bereits in ihren Hosen haben, um sie in genau dem Moment herauszuholen, da sie in der Lage sind, die Parolen der Anderen zum Schweigen zu bringen. Und die Menschen gleich mit. Das Problem ist nicht die Meinungsfreiheit, sondern der Wille der Hassenden, die Meinungsfreiheit mit Gewalt abzuschaffen. Gedanken verschwinden nicht, nur weil sie nicht mehr gesprochen werden.

Aus Worten werden Taten. Das stimmt. Aber Worte mĂŒssen nicht gesprochen werden, um zu Taten zu werden. Es reicht, wenn sie gedacht werden. Daher bringt es gar nichts, Taten dadurch verhindern zu wollen, dass man die Artikulation der Worte verbietet. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Wer die Artikulation von gewissen Worten verbietet, verhindert dadurch nicht, dass die Worte zu Taten werden. Er verhindert jedoch, dass die Tat rechtzeitig erkannt und gebannt werden kann.

Nur wer die brutalen Gedanken hört, kann sich wehren. Das Verbieten von Worten bringt rein gar nichts! Der Mensch, der in den Augen eines anderen Menschen ein Schwein ist, bleibt fĂŒr ihn ein Schwein, auch wenn er es nicht mehr sagen darf und auch das Messer in der Hose verschwindet nicht, wenn einem der Mund verboten wird.

Worte können zu Taten werden. Gerade deshalb mĂŒssen die Worte artikuliert werden dĂŒrfen.

Das Problem in der Zeit des Nationalsozialismus war nicht, dass „Der StĂŒrmer“ zu erwerben war, sondern die Tatsache, dass sich die Nationalsozialisten zunĂ€chst die persönliche und spĂ€ter auch die staatliche Gewalt nahmen, andere Meinungen und Zeitungen zu verbieten, die ohne Probleme die Ideologie der NSDAP hĂ€tten entlarven können.

Die Nationalsozialisten nutzen nicht die Meinungsfreiheit, um das Messer zu ziehen, sondern sie zogen die Messer, um die Meinungsfreiheit zu attackieren!

Nichts fĂŒrchten jene, die Unrecht haben, mehr als die Meinungsfreiheit! Darum erklĂ€rten auch die Nationalsozialisten in ihrem 25-Punkte-Program unter Punkt 23:

„Wir fordern den gesetzlichen Kampf gegen die bewußte politische LĂŒge und ihre Verbreitung durch die Presse. Um die Schaffung einer deutschen Presse zu ermöglichen, fordern wir, Zeitungen, die gegen das Gemeinwohl verstoßen, sind zu verbieten. Wir fordern den gesetzlichen Kampf gegen eine Kunst- und Literaturrichtung, die einen zersetzenden Einfluß auf unser Volksleben ausĂŒbt und die Schließung von Veranstaltungen, die gegen vorstehende Forderungen verstoßen.“

Aufgrund des „Gemeinwohls“, Meinungen kriminalisieren, Veranstaltungen schließen, BĂŒcher verbieten und Zeitungen abschaffen. Das ist die Gedankenwelt der Nazis. Sie lĂ€sst sich so zusammenfassen: „Wenn die LĂŒge spazieren geht, geht irgendwann auch die Zersetzung spazieren.“

Da trinke ich lieber englischen Tee mit Evelyn Beatrice Hall als diesen deutschen Muckefuck.

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Ich hatte nicht immer diese radikale Haltung zur Meinungsfreiheit. Die Haltung kam mit der Erfahrung. Wenn Sie mein persönlicher Weg zur radikalen Meinungsfreiheit interessiert, lesen Sie auch: „Der Artikel 5 Club“

(Foto: Maxi Gstettenbauer)

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Lisa Eckhart und die Angst vor Gewalt

Die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart wurde von der Leitung des „Harbour Front Literaturfestival“ in Hamburg ausgeladen, da angeblich der Schutz des Publikums und der auftretenden KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler nicht gewĂ€hrleistet werden konnte. Geplant war der Auftritt im „Nochtspeicher“, aber das Lokal hat erklĂ€rt, dass es bei einer Lesung der KĂŒnstlerin im „bekanntlich höchst linken Viertel“ zu Protesten kommen könnte und diese möglicherweise sogar „eskalieren“ könnten:

„Es ist unseres Erachtens sinnlos, eine Veranstaltung anzusetzen, bei der klar ist, dass sie gesprengt werden wird, und sogar Sach- und PersonenschĂ€den wahrscheinlich sind. Wir haben in den letzten Tagen bereits aus der Nachbarschaft gehört, dass sich der Protest schon formiert“

Gewalt als Mittel zur UnterdrĂŒckung von Worten und Kunst ist die Vorgehensweise von Faschisten.

Wenn ein Mob ĂŒber die AusĂŒbung von Grundrechten entscheidet, ist höchste Alarmbereitschaft angesagt. Ein Mob definiert sich durch Ausgrenzung. In so einem Klima werden Menschen mit anderen Meinungen schnell zu „Abweichlern“ und „VerrĂ€tern“ erklĂ€rt. Ein Mob debattiert nicht. Ein Mob skandiert.

„Wer nicht fĂŒr uns ist, ist gegen uns“, ist die Rhetorik des Mobs und die Aufforderung zur Distanzierung ihr Mittel der UnterdrĂŒckung.

„Wehret den AnfĂ€ngen“ brĂŒllen die gerechten Putztruppen und meinen damit doch nur die AnfĂ€nge einer Zukunft, die sie aus ihrer eigenen Angst heraus konstruieren. Aus dieser Angst nehmen sie andere Menschen als Geisel ihrer BefĂŒrchtung. Diese Angst ist die Wurzel des totalitĂ€ren Denkens. Sie ermöglicht Gewalt ĂŒber Gedanken als PrĂ€ventivschlag.

Lisa Eckhart wird Rassismus und Antisemitismus vorgeworfen. Sie ist aber keine Rassistin und Antisemitin. Sie ist eine Satirikerin in einer Welt voller Rassismus und Antisemitismus und sie versucht, in dieser Welt weder den Verstand, noch den Humor zu verlieren. FĂŒr Lisa Eckhart ist klar, dass sich der Wert des Menschen nicht anhand seines Aussehens, seiner Herkunft und seines Geschlechts bemessen lĂ€sst.

Was hat Lisa Eckhart also getan, um einen Mob gegen sich aufzubringen? Sie hat eine Kunstfigur erschaffen, die sich brutal ehrlich und entwaffnend direkt mit der Gesellschaft und ihren Normen und Werten auseinandersetzt und dabei mit sprachlicher Brillanz sowohl verstört, als auch irritiert, aber vor allem zum Lachen bringt. Besonders ĂŒbel wird ihr dieser Auftritt genommen bei der WDR-Sendung „Mitternachtsspitzen“ genommen:

Man muss schon sehr böswillig sein, um hier nicht die ironische Distanz zu erkennen. Warum wird Lisa Eckhart hier dennoch Hass unterstellt? Weil sie sich politisch nicht vereinnahmen lÀsst. Sie weigert sich nicht nur, in linke oder rechte Schubladen einsortiert zu werden, sie spottet sogar in alle Richtungen und nimmt von rechts bis links alle Menschen ins Visier.

Der Mob aber lĂ€sst keine Kritik zu. Ein Mob hat kein Erbarmen. Ein Mob will nicht verstehen. Ein Mob will ĂŒberrollen.

Der Mob erklĂ€rt, Worte seien Gewalt, nur um dadurch selbst tatsĂ€chliche physische Gewalt rechtfertigen zu können. Der Mob erklĂ€rt jeden Kritiker zu einer Gefahr, gegen den auch Gewalt angewendet werden darf. Es ist schließlich Notwehr. Diese Gewalt wurde nun gegen Lisa Eckhart angewandt. Die Festivalleitung hat vor dieser Gewalt kapituliert. Sie hat vor Faschisten gekuscht.

Bei Humor hört der Spaß eben auf. Wenn jemand nicht den gleichen Sinn von Humor hat, ist er so unversöhnlich wie ein Mensch, der an einen anderen Gott glaubt. So wie ein Fundamentalist bemĂ€ngelt, dass man nicht an den richtigen Gott glaubt, wirft einem ein Menschen mit einer unterschiedlichen Humorvorstellungen vor, einen schlechten oder gleich gar keinen Humor zu haben. Humor ist wie Religion ein Furz: Man glaubt, nur der des Anderen stinkt.

Jede Aussage hat verschiedene Interpretationsmöglichkeiten. Diese Möglichkeiten können sich sogar radikal voneinander unterscheiden. Es ist daher immer schwierig, Menschen danach zu beurteilen, wie man ihre Aussagen verstanden hat.

Lisa Eckhart wird nicht bedroht, weil sie Hetze betreibt, sondern weil ihr Hetze unterstellt wird.

Oder glaubt irgendwer wirklich, Lisa trĂ€gt privat nur T4-Shirts, schneidert sich im dunklen Keller ihre Kleider, summt dabei das Horst-Wessel-Lied und denkt darĂŒber nach, wie sie am besten gegen Juden hetzen kann?

Lisa Eckhart ist eine Satirikerin und stets auf der Suche nach dem Witz, ĂŒberall, auch dort wo es weh tun kann. Lachen ist Urlaub. Lachen hilft, mit Dingen fertig zu werden, die uns bedrĂŒcken und daran nicht zu verzweifeln.

Alles, was ein Satiriker sagt, ist der steten Suche nach dem Witz geschuldet, nicht der Suche nach einer universellen Wahrheit oder gar einer Ideologie. Ein Satiriker will, dass die Menschen lachen, ĂŒber sich, ĂŒber die eigenen SchwĂ€chen, aber auch ĂŒber die eigenen schlechten Seiten. Manchmal ist ein Witz faul, aber das gehört dazu. Ein Ei muss erst aufgeschlagen werden, um sicher zu wissen, ob der Inhalt faul ist.

Es ist menschlich, Angst zu haben. Angst vor dem Fremden ist Teil unserer Überlebensstrategie. Humor gibt uns die Möglichkeit, mit unseren Ängsten in BerĂŒhrung zu kommen und uns damit auseinanderzusetzen. Der Humor hilft, statt mit Zorn und Verachtung mit einem Lachen auf die eigenen SchwĂ€chen und schlechten Seiten zu reagieren. Es ist gut, wenn wir gemeinsam ĂŒber unsere SchwĂ€chen lachen!

Man kann sich nach dem Lachen zwar schĂ€men, gelacht zu haben, so wie man sich dafĂŒr schĂ€mt, in aller Öffentlichkeit eine Erektion bekommen zu haben, aber die Scham lĂ€sst die Erektion ebensowenig verschwinden wie das Lachen. Das Lachen lĂ€sst sich nicht unterdrĂŒcken. Man kann höchstens hinterher lĂŒgen und behaupten, das ĂŒberhaupt nicht komisch gefunden zu haben, so wie andere Menschen ihre SexualitĂ€t verleugnen, aber das Lachen ist wie die Lust vom Willen entkoppelt.

Dem Humor freien Lauf zu lassen, ermöglicht dem GegenĂŒber einen tiefen Blick in die eigene Seele, vor allem in die unbewussten Flecken dieser Seele und jede Seele hat Flecken.

Humor ist gefÀhrlich. Darum gehört der Witz auch stets zu den ersten Dingen, die Faschisten bekÀmpfen. Jetzt ist es wieder in Hamburg geschehen.

Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, in meiner Arbeit als Autor, KĂŒnstler oder Betreiber von â€žTapfer im Nirgendwo“ unterstĂŒtzen wollen, ĂŒberweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto oder nutzen Sie PayPal.

https://www.paypal.me/gerdbuurmann

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Glanz statt Hetze

Die Kölner OberbĂŒrgermeisterin, Henriette Reker, ruft die Kölner Bevölkerung auf, bei der Aktion „Glanz statt Hetze“ teilzunehmen.

Vom 11. bis zum 17. August 2020 sollen Kölner BĂŒrgerinnen und BĂŒrger die sogenannten Stolpersteine putzen. Die „Stolpersteine“ sind ein Projekt des KĂŒnstlers Gunter Demnig, das im Jahr 1992 begann. Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

FĂŒr die Organisatoren der Aktion „Glanz gegen Hetze“ ist das Putzen der Stolpersteine, „nicht nur ein Akt des Gedenkens, sondern eine Aktion, die politisch ausgerichtet ist. Es ist ein Zeichen gegen die sich verstĂ€rkenden rechten Tendenzen in unserer Gesellschaft. Gerade nach Halle und Hanau ist es wichtig, dass wir alle aktiv werden. Immer glĂ€nzende Stolpersteine sollen ein deutlich sichtbares Zeichen gegen Hetze, Hass, Rassismus, Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus sein und durch ihren Glanz allen zeigen, dass braunes Gedankengut in unserer Nachbarschaft, in Köln und anderswo keinen Platz hat.“

So sehr ich die Intention dieser SÀtze verstehe, so unwohl wird mir, wenn ich den Wortlaut höre.

Es gibt keinen Glanz im Holocaust!

Es ist wichtig, gegen Hetze, Hass, Rassismus, Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zu streiten. DafĂŒr braucht es aber keine glĂ€nzende Erinnerung an den Holocaust.

Wenn ich das Wort „Glanz“ höre, denke ich sofort an die deutsche Nationalhymne: „Einigkeit und Recht und Freiheit fĂŒr das deutsche Vaterland! Danach lasst uns alle streben, brĂŒderlich mit Herz und Hand! Einigkeit und Recht und Freiheit sind des GlĂŒckes Unterpfand: BlĂŒh im Glanze“ der toten Juden.

Nein! Tote Juden glÀnzen nicht. Nein! Deutschland ist nicht besser geworden durch die Vergangenheit und auch nicht durch die deutsche Art der BewÀltigung dieser Vergangenheit. Nein! Deutschland hat nichts aus der Vergangenheit gelernt. Deutschland darf nÀmlich nichts aus dem Massenmord lernen, weil es nichts gutes aus dem Holocaust gibt.

Es gibt keine gute Erinnerung an das Böse.

Es gibt nichts aus dem Holocaust zu lernen. Was soll es denn auch aus dem Holocaust zu lernen geben? Dass Menschen zu grausamen Ungeheuerlichkeiten in der Lage sind? Dass man Menschen nicht millionenfach vergast? Dass Juden auch Menschen sind? Dass man lieb zueinander sein sollte, egal wie man aussieht? Dass man sich wehren darf, wenn man verfolgt wird? Dass man Menschen, die andere Menschen vergasen, den Krieg erklĂ€rt? Dass man wahnsinnige Menschen mit allen Mitteln entwaffnet? All das kann man auch ohne Holocaust wissen! Der Holocaust ist keine Nachhilfe fĂŒr moralisch Sitzengebliebene, sondern schlicht ein unvergessbares und unverzeihliches Verbrechen, aus dem es nichts zu lernen gibt. Unter keinen UmstĂ€nden versprĂŒht die Erinnerung an den Horror irgendeinen „Glanz“.

Das jĂŒdische Leben kann glĂ€nzen, nicht das jĂŒdische Leid.

In Deutschland findet Judentum fast nur noch in Gedenkstunden statt. In Schulen taucht das Judentum deutlich öfter im Geschichtsunterricht auf, als im Philosophie-, Ethik-, Religions- oder Gesellschaftskundeunterricht. Juden sind Gespenster von damals. Sie werden als Opfer der Vergangenen bewÀltigt und immer dann aus der Schublade geholt, wenn sie benötigt werden.

JĂŒdische Gemeinden werden oft und gerne kontaktiert, wenn ein Zeichen gegen Hass, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gesetzt werden soll, aber erstaunlich selten, um einfach nur zu feiern oder grundlos glĂŒcklich zu sein. Die toten Juden werden poliert und auf Hochglanz gebracht. FĂŒr die lebendigen Juden bleibt da kaum noch Zeit.

In vielen deutschen StĂ€dten gibt es mittlerweile mehr Stolpersteine als lebendige Juden. Eine deutliche Mehrheit aller Deutschen trifft im Alltag öfter auf tote Juden als auf lebendige. Die Mehrheit der deutschen SchĂŒler war in KZ-GedenkstĂ€tten und weiß, wo in ihrer Nachbarschaft Stolpersteine liegen, aber sie haben keine jĂŒdischen Freunde.

Was wĂŒrden Sie ĂŒber Ihre Nachbarn denken, wenn sie immer wieder zu Beerdigungen und Trauerfeiern kommen, aber nie zu Geburtstagen und Feiertagen?

Im August 2020 sollen die Stolpersteine auf Hochglanz poliert werden. Dabei erfahren wir auf diesen Steinen nicht, was diese Juden erreicht haben oder wen sie geliebt und worĂŒber sie sich gefreut haben. Wir erfahren lediglich, wann, wo und wie sie ermordet wurden. Wer Menschen auf ihren Status als Opfer reduziert, erwartet irgendwann auch von ihnen, Opfer zu sein. Der Schritt, sie zu Opfern zu machen, ist dann nicht mehr weit.

Solange in Deutschland die toten Juden mehr glÀnzen als die lebendigen, werden es Juden in diesem Land schwer haben.

Die Toten, denen wir gedenken, sind nicht mehr unter uns, um uns zu sagen, ob ihnen die Form des Gedenkens gefĂ€llt oder ob sie es gar als unwĂŒrdig erachten. Eine Instrumentalisierung der Toten fĂŒr eigene Interessen und GefĂŒhligkeiten ist unmoralisch.

Wenn wir sagen, wir dĂŒrfen nicht vergessen, mĂŒssen wir an die Nachfahren und Verwandten der Opfer denken, also an jene, die nicht vergessen können, weil das Unvergessliche und Unverzeihliche Teil ihres Lebens ist. Sobald wir gedenken, weil wir gedenken wollen und nicht, weil wir nicht vergessen können, ist es unsere Pflicht, aufgrund des puren Vorhandenseins unseres Interesses, gedenken zu wollen, Bescheidenheit zu ĂŒben gegenĂŒber jenen, die nicht vergessen können. Ein Begriff wie „Glanz“ ist daher in diesem Zusammenhang vollkommen unangemessen.

Juden können den Holocaust nicht vergessen. Er ist brutaler Teil der eigenen Familiengeschichte. Damit umzugehen, ist schon schwer genug. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind unertrĂ€glich. Warum aber muss dafĂŒr immer wieder zwanghaft die Erinnerung an den Holocaust aufpoliert werden?

Statt jĂŒdische Organisationen nur zu kontaktieren, um gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ein Zeichen zu setzen, wie wĂ€re es damit, jĂŒdische Organisationen die kommenden Jahre vermehrt zu kontaktieren, um das lebendige Judentum zu feiern und zum GlĂ€nzen zu bringen? JĂŒdischen Organisationen brauchen keine Dramaturgen aus der Politik, die erklĂ€ren, wie NĂ€chstenliebe funktioniert. Juden brauchen mehr Nachbarn, die das Leben feiern und helfen, dass das jĂŒdische Leben glĂ€nzen und sicher gedeihen kann.

Wie wÀre es daher damit, vom 11. bis zum 17. August 2020 nicht nur tote Juden zu polieren, sondern lebendigen Juden etwas zu schenken?

Gehen Sie auf die Homepage einer jĂŒdischen Gemeinde oder einer jĂŒdischen Organisation, suchen Sie nach einem Spendenkonto und ĂŒberweisen Sie einen Betrag Ihrer Wahl, am besten mit dem Verwendungszweck: „Das jĂŒdische Volk lebt!“

Das ist wahrer Glanz statt Hetze.

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Es wird kein Antisemitismus gegen tote Juden geduldet!

Eine Bestandsaufnahme von Simone Schermann.

Es wird kein Antisemitismus gegen tote Juden geduldet, dafĂŒr aber Judenhass gegen die Lebenden hofiert, denn der Deutschen liebstes Kind ist die Familie Stolperstein.

Es fĂ€llt Antisemiten heute nicht mehr so leicht, Juden als Religionsgemeinschaft oder als Volk zu hassen, daher hassen sie nun den jĂŒdischen Staat. Das geht immer als akzeptable Israelkritik durch.

Wer Israel kritisiert, muss keinen Protest des Stadtparlaments fĂŒrchten, keinen Aufschrei der AnstĂ€ndigen aus den Fraktionen, kein GebrĂŒll bei den notorischen Mahnern, die sonst so gerne jegliche Form des Antisemitismus brandmarken, kein Aufschrei gegen Judenhass und kein ĂŒbliches „Wehret den AnfĂ€ngen“.

Wenn es gegen Israel geht, ist die Creme de la Creme der eifrigen Stolperstein-FĂŒhrer still, ebenso die feine Auslese der Ergriffenheitsmafia, die Hautevolee der Betroffenheitschickeria und des ewig ritualisierten Gedenktheaters. Die handverlesene, vornehme Gesellschaft, die sich alljĂ€hrlich am 9. November zum gemeinsamen Rendezvous trifft und sich in ihrer ewigen Betroffenheit aalt, die BetroffenheitsfunktionĂ€re schweigen, wenn Israel unter Freunden an den Pranger gestellt wird.

Am 9. November treffen sich sĂ€mtliche Hobbyjudaisten, Friedensstifter und Konvertiten im Gedenken an tote Juden. FĂŒr die lebenden Juden bleibt da keine RestkapazitĂ€t mehr.

Heute rufen Israelkritiker dazu auf, die Stimme zu erheben gegen eine „organisierte israelische Regierungslobby in Deutschland, die legitime Kritik an israelische Regierungspolitik systematisch und erfolgreich zu unterbinden schafft.“

Das war ein Originalzitat eines typischen Israelkritikers. Hier haben wir die gute, alte, ewig funktionstĂŒchtige Verschwörungstheorie einer einflussreichen und Deutschland umspannenden jĂŒdischen „israelischen Regierungslobby“. Das ist alter Judenhass im neuen Kleid.

Antizionismus ist gleichzusetzen mit Antisemitismus, eine Feststellung, der auch Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schwarz-Friesel, die Leiterin des Fachgebietes Allgemeine Linguistik an der Technische UniversitĂ€t Berlin beipflichtet. Wenn man wissen möchte, warum der Judenhass sich „in der Mitte der Gesellschaft“ so wohl fĂŒhlt und sich ausbreitet wie ein Virus, dann ist hier die Antwort darauf gegeben.

Statt den israelbezogenen Judenhass zu untersuchen, finden lieber dutzende Gedenkveranstaltungen statt. Von FunktionĂ€ren der entsprechenden Gilden werden mit vor Betroffenheit zitternder Stimme Namen von Deportierten und Ermordeten vorgelesen, wĂ€hrend Hetzjagden auf Juden in Deutschlands Straßen tatsĂ€chlich passieren, Rabbiner wirklich geschlagen und bespuckt und jĂŒdische SchĂŒler wieder aus deutschen Schulen vertrieben werden.

Über die Jahrzehnte hat sich ein „WohlfĂŒhljudentum der toten Juden“ herausgebildet. Die Instrumentalisierung dieser toten Juden, die sich dagegen nicht mehr wehren können, ist in vollem Gange. Die Manege ist frei und jeder, der auf den Gedenkveranstaltungen den Namen eines Deportierten vorlesen darf, kann mit dem wohligen GefĂŒhl nach Hause gehen, etwas sensationell Gutes getan zu haben, natĂŒrlich fĂŒr tote Juden.

Die Rollen im Gedenktheater sind wohl verteilt. Schlecht konvertierte Juden haben an diesen Tagen endlich die Chance, sich fast als Juden zu fĂŒhlen, fĂŒr einen Augenblick. Wenn der ungenĂŒgend konvertierte Deutsche, der natĂŒrlich der bessere Jude ist, die Gelegenheit am 9. November am Schopfe packt, um endlich zu fĂŒhlen wie ein Jid, dann muss er sich dazu der Toten bemĂ€chtigen. FĂŒr einen kurzen Moment befĂŒllen die Namen der Toten das leere GefĂ€ĂŸ, den Konvertiten. Endlich, ja endlich können sie in die Haut eines toten Juden schlĂŒpfen, denn da ist der deutsche Konvertit beim Gedenkzirkus gnadenlos unerbittlich und scheut vor keiner Geschmacklosigkeit zurĂŒck, um zu zeigen, dass er und nur er heute der wahre Jude ist. Und der wahre Jude kritisiert Israel! 

Es ist ein psychopathologisches Gedenkimperium, das alljĂ€hrlich erbarmungslos zuschlĂ€gt. Es zeigt sich, dass es in Deutschland sogar gefĂ€hrlich ist, ein toter Jude zu sein. Denn auch als toter Jude hat man gefĂ€lligst seiner Position nachzukommen und den Konvertiten und sonstigen FunktionĂ€ren zu ihrer wahren Berechtigung zu verhelfen. Als SteigbĂŒgelhalter, als Kulisse in einem miesen GeschĂ€ft, thatÂŽs it. So werden Namen gehaucht vorgelesen, mit dem Beisatz, dass sie â€žwie Kerzen aus der Dunkelheit herausleuchten“ und das â€žTyrannei und Verfolgung das Leid unseres Volkes“ sei.

Nun, mein Volk findet man einerseits in der Datenbank von Yad Vashem. Der Rest meiner geliebten Familie lebt in Israel.

Im Mai saß ich im Urlaub auf meinem Tuches in Tel Aviv, in einem der herrlichen Restaurants. Ein wahrlich unvergesslicher Abend, an den ich heute noch zurĂŒckdenke. Wunderbare Menschen, schlendern auf dem Greek Market, handgefertigtes schauen und auch kaufen bis Mitternacht. Eine griechische Band spielte und dann das herrliche Essen. Zur gleichen Zeit, ich erfuhr das erst spĂ€ter, verteidigte meine kleine Nichte, im Alter von zwanzig Jahren, die Grenzen Israels. Ich habe leise in mich hineingeweint, vor Scham. Ich war nie in der Armee. Ich weiß nichts darĂŒber, wie sich meine Cousine fĂŒhlt, deren Tochter in der Armee ist. Nichts ĂŒber ihre Ängste, Nacht fĂŒr Nacht, Tag fĂŒr Tag. Ich kann nur versuchen, das nachzufĂŒhlen. Das ist es, was uns Juden ausmacht: Dieser stĂ€ndige, auch innere, Kampf.

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(TINSIS)

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Freiheit und Sicherheit


Vor einigen Monaten, kurz bevor die Corona-Krise ausbrach, war ich mit einer Familie im Urlaub und erlebte, wie unterschiedlich die beiden Eltern darauf reagierten, als ihre Tochter auf einen hohen Baum kletterte. Ein Elternteil ermutigte die Tochter, noch höher zu klettern, wÀhrend das andere Elternteil forderte, das Kind möge sofort vom Baum runterkommen, denn es sei doch alles viel zu gefÀhrlich.

So wie die Tochter fĂŒhle ich mich gerade in der Corona-Zeit. Die einen fordern mehr Mut und Freiheit und die anderen mehr FĂŒrsorge und Sicherheit. Ich aber sitze auf dem Baum und weiß nicht, wem ich es recht machen soll.

Das Elternteil, das das Kind auffordert, vom Baum herunter zu klettern, hat recht. Es ist gefĂ€hrlich, auf BĂ€ume zu klettern. Die Grenze von Mut zu Übermut ist jedoch fließend. Wer fĂ€llt, kann sich schwer verletzen und sogar sterben.

Das andere Elternteil hat aber auch recht. Das Leben ist gefĂ€hrlich und wir Menschen zeichnen uns dadurch aus, neugierig zu sein. Der Mensch ist ein Abenteurer. Wer sich nichts zutraut, verpasst das Leben. Die Grenze von Vorsicht zur Feigheit ist ebenfalls fließend.

Sicherheit und Freiheit rufen mir unterschiedliche Dinge zu. Sicherheit macht mir ein schlechtes Gewissen, mahnt, ich gefĂ€hrde mit meinem Verhalten auch andere und brĂŒllt, wenn was passiert, dann hĂ€tte ich Schuld. Freiheit wiederum appelliert an meine Verantwortung und an meine Vernunft, die ich selbststĂ€ndig nutzen solle und fordert, ich solle mehr Mut haben.

Am letzten Wochenende war ich in Deutschland, Belgien, Frankreich und in den Niederlanden unterwegs. Überall gab es verschiedene Corona-Regelungen. Manche LĂ€nder hören mehr auf Sicherheit, andere mehr auf Freiheit. Ich möchte mir kein Urteil darĂŒber anmaßen, wer mehr recht hat. Ich bin nur ein Mensch im Baum.

Ich habe allerdings keine Lust darauf, mich in einen mit VorwĂŒrfen und Unterstellungen operierenden Streit zwischen Freiheit und Sicherheit hineinziehen zu lassen. Nichts ist schlimmer als Mama und Papa, die sich in Anwesenheit ihrer Kinder darĂŒber streiten, wer das bessere Elternteil ist.

Ich bin außerdem kein Kind mehr. Daher wĂŒnsche ich mir in Zukunft von allen Menschen, die unter meinem Baum vorbeikommen, mögen es nun Personen aus der Politik, dem Journalismus oder der Wissenschaft sein: Hört auf, mich anzubrĂŒllen. Haltet Abstand. Nehmt Abstand davon, mich mit Zwang, Druck und Strafen erziehen zu wollen. Vertraut mir.

Das Leben ist gefÀhrlich, aber es will gelebt werden und nicht nur verwaltet.

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Arte und die Tradition

Im August 2020 sendete arte eine Wiederholung des Berichts „Die Siedler der Westbank“ von Shimon Dotan. In der AnkĂŒndigung heißt es:

„Der israelisch-palĂ€stinensische Konflikt sorgt seit jeher fĂŒr Spannung im gesamten Nahen Osten. Die jĂŒdischen Gemeinschaften im Westjordanland spielen hier eine entscheidende Rolle: In der Region, wo traditionell keine Juden lebten, ließen sich nach dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 Hunderttausende Siedler nieder, die mit ihren unterschiedlichen Abstammungen, Sichtweisen, Ideologien und sozioökonomischen Milieus die ganze Bandbreite der israelischen Bevölkerung widerspiegeln.“

Arte behauptet, in der Region, die hier Westjordanland genannt wird, hĂ€tten „traditionell keine Juden“ gelebt. Schauen wir uns die Gegend mal etwas genauer an.

Die Region, die arte als Westjordanland bezeichnet, wird auch JudĂ€a und Samaria genannt. Diese Bezeichnungen gehen auf die Bibel zurĂŒck. JudĂ€a bedeutet „Land der Juden“.

In der Region befindet sich die Stadt Bethlehem. Dort befindet sich eine Kirche an der Stelle, wo ein Jude geboren worden sein soll. Sein Name ist Jesus.

In der Region befindet sich ebenfalls die Stadt Hebron. Am dortigen Stadtrand befindet sich das Grab der Patriarchen, wo Abraham und Sara, Isaak und Rebekka, sowie Jakob und Lea bestattet worden sein sollen. Alle sechs Persönlichkeiten waren JĂŒdinnen und Juden. In Hebron soll König David 1011 Jahre vor dem Juden, der in Bethlehem geboren wurde, zum König des jĂŒdischen Volks gesalbt worden sein.

Was also hat es mit der von arte so bezeichneten Tradition auf sich, dass dort keine Juden lebten?

Als im Jahr 1517 die Juden in Hebron ihr LaubhĂŒttenfest feierten, fĂŒhrte der Stellvertreter des osmanischen Sultans und Herrscher von Jerusalem, Murat Bey ein Massaker an den dort feiernden Juden durch und plĂŒnderte sie aus. Nur wenigen gelang die Flucht.

Im Jahr 1929 wurde in Hebron ein Massaker an Juden verĂŒbt, bei dem siebenundsechzig Juden ermordet und zahlreiche verletzt wurden. Ein Teil der jĂŒdischen Gemeinde floh daraufhin nach Jerusalem.

Im April 1936 kam es erneut zu Unruhen gegen Juden. Am 23. April wurden daher alle Juden der Stadt von den Briten evakuiert. Seit dem war die Stadt judenrein.

Das ist also die Tradition, von der arte spricht. Arte nennt es Tradition; ich nenne es Judenverfolgung.

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S.U.C.K. – Stand Up Comedy Köln

Gerd Buurmann prÀsentiert:

„S.U.C.K. – Stand Up Comedy Köln“
am 7. August 2020
um 20 Uhr
im Café inSide, Am Rinkenpfuhl 46 in Köln

GĂ€ste: Vera Deckers, Jamie Wierzbicki und Jana Sadyk

Reservierung per SMS: 016098520957
Reservierung per Mail: info@inside-cafe.com

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Der deutsche Siegfried und der Drache des Antisemitismus-Vorwurfs

Über sechzig besorgte BĂŒrgerinnen und BĂŒrger haben einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel unterzeichnet.

Sie sind jedoch nicht besorgt, dass Mahmud Abbas in der palĂ€stinensischen Autonomie seit dem 9. Januar 2009 ohne demokratische Legitimation regiert, dass dort Korruption herrscht, Menschen mit kritischen und abweichenden Meinungen verfolgt werden, HomosexualitĂ€t strafbar ist, in SchulbĂŒchern der Hass auf Israel und Juden gelehrt wird, Terroristen und deren Angehörige mit hohen GehĂ€ltern und Renten gefördert werden und dafĂŒr die Infrastruktur und der Aufbau einer Verwaltung vernachlĂ€ssigt wird. Ihre Sorge gilt vielmehr „dem inflationĂ€ren, sachlich unbegrĂŒndeten und gesetzlich unfundierten Gebrauch des Antisemitismus-Begriffs, der auf die UnterdrĂŒckung legitimer Kritik an der israelischen Regierungspolitik zielt.“

Ein Unterzeichner des Briefs ist Dr. Wolfgang Benz. In seinem Buch „Streitfall Antisemitismus – Anspruch auf Deutungsmacht und politische Interessen“ stellt er die Frage: „Wann ĂŒberschreitet berechtigte Kritik an der Politik Israels gegenĂŒber den PalĂ€stinensern die Grenzen und ist Judenfeindschaft?“

Nichts ist einfacher als die Beantwortung dieser Frage. Berechtigte Kritik an Israel ĂŒberschreitet nie die Grenzen zur Judenfeindschaft. Berechtigte Kritik ist, wie der Begriff selbst sagt, berechtigt. Lediglich unberechtigte Kritik an Israel kann judenfeindlich sein, nĂ€mlich dann, wenn in der Kritik Israel dĂ€monisiert wird, dem Staat Israel seine Legitimation abgesprochen wird und Juden fĂŒr etwas kritisiert werden, was bei allen anderen Menschen toleriert wird. In dem Brief heißt es: „Unsere Sorge ist besonders groß da, wo diese Tendenz mit politischer und finanzieller UnterstĂŒtzung des Antisemitismusbeauftragten gefördert wird.“

Als Beispiel, welches „menschenverachtende Ausmaß solche AktivitĂ€ten annehmen“ kann, wird in dem Brief das Buch „Der neu-deutsche Antisemit“ von Arye Sharuz Shalicar genannt, weil der Autor dort Dr. Reiner Bernstein kritisiert und ihn als Antisemiten bezeichnet. Wer ist dieser Reiner Bernstein?

Reiner Bernstein ist ein deutscher Historiker und Publizist, der zu dem Thema „Centralverein deutscher StaatsbĂŒrger jĂŒdischen Glaubens“ promoviert hat. Seitdem hat er zahlreiche BĂŒcher und AufsĂ€tze zum Thema Nahostkonflikt veröffentlicht. Von 1969 bis 1970 war er Redakteur beim SaarlĂ€ndischen Rundfunk und von 1971 bis 1977 war Leiter der BundesgeschĂ€ftsstelle der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Bonn. Allerdings verließ er die Deutsch-Israelische Gesellschaft im Jahr 1977, da er merkte, dass er dort Israel nicht so sehr kritisieren konnte, wie er wollte.

Um Israel besser kritisieren zu können, grĂŒndete er den „Deutsch-israelischen Arbeitskreis fĂŒr Frieden im Nahen Osten“. Von 2007 bis 2011 war er Vorsitzender der „Initiative Stolpersteine fĂŒr MĂŒnchen e.V.“ Zudem wirkt er mit seiner Frau Judith als Vertreter der israelisch-palĂ€stinensischen Genfer Initiative in Deutschland. Diese ist auch Mitglied der „JĂŒdisch-PalĂ€stinensischen Dialoggruppe MĂŒnchen“, die die Kampagne Boycott, Divestment and Sanctions (BDS) mit folgenden Worten unterstĂŒtzt:

„Und ja, wir haben uns im Kontext unseres politischen Handelns dafĂŒr entschieden, den Aufruf der palĂ€stinensischen Zivilgesellschaft zum Boykott Israels, zum Investitionsabzug aus Israel und zu Sanktionen gegenĂŒber Israel mitzutragen.“ 

Was fĂŒr eine deutsche Biografie. Immer wieder wird Reiner Bernstein von Israelkritikern eingeladen. In der Evangelischen Stadtakademie Bochum sprach er von einer „Weisung“, die ein Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Israel ihm gegenĂŒber mal mit dem Begriff „wissenden Unbefangenheit“ zum Ausdruck gebracht haben soll:

„Wir wissen um die Shoa. Wir wissen um die deutschen Verbrechen. Wir wissen, dass wir daraus die Lektion fĂŒr die Gegenwart und Zukunft ziehen mĂŒssen. Aber wir wissen auch und bitte, denkt Ihr Deutschen daran, wenn Ihr nach Israel kommt, so viel Unbefangenheit mitzubringen, dass ihr unsere Politik kritisch begleitet.“

Dieser Leitsatz sei ihm im GedĂ€chtnis geblieben: „Das Wort von der unwissenden Unbefangenheit und sich gegen jede Manipulation hier und dort der Shoa zur Wehr zu setzen, der Manipulation zu politischen Zwecken, die nicht die unseren sein können, wenn es um das Wohl des deutschen als auch des israelischen Gemeinwesens geht.“

Diesen Gedanken muss man erst einmal fertig bringen. Die Deutschen mĂŒssen sich gegen die Manipulation des Holocausts zur Wehr setzen. Reiner Bernstein behauptet, die Israelis wĂŒrden mit ihrem Erinnern Politik machen und erklĂ€rt somit den Holocaust zu einer Waffe der Israelis. Der deutsche Siegfried hat sechs Millionen Menschen in seinen Feueröfen zusammengeschmolzen, um daraus ein Schwert fĂŒr die Juden zu schmieden. Reiner Bernstein aber leistet Widerstand und ruft trotzig etwas, das so klingt wie: Zu den Waffen Deutsche, wehrt Euch!

Diesen Reiner Bernstein hat Arye Sharuz Shalicar gewagt zu kritisieren. In dem Brief wird er dafĂŒr als „menschenverachtend“ bezeichnet. Es ist schon spannend, dass jene, die behaupten, man könne Israel nicht kritisieren, selbst alles dafĂŒr tun, dass Kritik an Israelkritik unterbunden wird, indem sie ganz wichtig die Bundeskanzlerin kontaktieren, in der Hoffnung, dadurch diesem Treiben ein Ende zu setzen.

In dem Brief wird ganz im Stile von Reiner Bernstein behauptet, manchen Juden wĂŒrden den Antisemitismus instrumentalisieren: „Wo kritischer Dialog notwendiger denn je ist, schafft die missbrĂ€uchliche Verwendung des Antisemitismusvorwurfs zunehmend auch in Deutschland eine Stimmung der Brandmarkung, EinschĂŒchterung und Angst.“

Die Tatsache, dass Juden alle Formen des Antisemitismus‘ kritisieren, weil sie Opfer eben aller Formen des Judenhass‘ werden können, wird in dem Brief zu einer bösen Absicht gewisser Juden erklĂ€rt. Sie holen den Antisemitismus-Vorwurf wie eine Waffe hervor, kalt, berechnend und emotionslos, um damit eine Stimmung der „Brandmarkung, EinschĂŒchterung und Angst“ zu schĂŒren. In dem Brief heißt es: „In dieser AtmosphĂ€re wundert es nicht, dass das Berliner Kammergericht Bernsteins Klage gegen seine Verleumdung zurĂŒckgewiesen hat.“

Mit diesen Worten wird insinuiert, gewisse Juden hĂ€tten die deutschen Gerichte fest in ihren HĂ€nden. Deutsche Institutionen kuschen vor ihnen, weil sie Angst und Schrecken mit dem Antisemitismus-Vorwurf verbreiten. FĂŒr mich ist das lupenreiner Antisemitismus.

Israel zu kritisieren, ist nicht antisemitisch, aber zu behaupten, Juden hÀtten die Macht, aus dem Antisemitismus nicht nur Profit zu schlagen, sondern damit sogar unabhÀngige Gerichte in Deutschland in die Knie zu zwingen, ist zutiefst antisemitisch.

Antisemiten sind Wahnsinnige, die die Welt so sehen, wie sie sie sehen wollen. In Deutschland wird Israel kritisiert wie kein anderes Land. Israel wird stets und ĂŒberall nach allen Regeln der Doppelmoral, Delegitimierung und DĂ€monisierung kritisiert. Der Glaube an die Schwierigkeit, Israel zu kritisieren, ist eine Wahnvorstellung. Es ist Antisemitismus!

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Die Kinderfresser von Bern und Köln

In Bern steht der sogenannte Kindlifresser-Brunnen. Dieser Brunnen zeigt einen monströsen Menschen, der ein kleines nacktes Kind verschlingt. In seinem umgehÀngten Sack hat er noch weitere Kinder, die er fressen will. Der Kinderfresser hat einen nach oben verlaufenden Spitzhut auf. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Judenhut, den Juden im Mittelalter tragen mussten, um sich als Juden kenntlich zu machen. Bei dem Kinderfresser handelt es sich somit um einen Juden.

Die hier dargestellte Grausamkeit gehört zu den vielen judenfeindlichen Ritualmordlegenden, die im spĂ€ten Mittelalter ĂŒber Juden verbreitet wurden, um Gewalt gegen sie zu rechtfertigen und ihre Verfolgung und Vertreibung voranzutreiben. Juden wurden satanischer Verbrechen beschuldigt, um sie wie den Teufel austreiben zu können. Zu den LĂŒgen gehörten Hostienfrevel, Brunnenvergiftung und Ritualmorde, oft verbunden mit KindesentfĂŒhrungen. Aufgrund dieser LĂŒgen wurden im Mittelalter viele Juden vernichtet, auch in Bern.

Als in der Mitte des 19. Jahrhunderts der Brunnen restauriert wurde, berichtete die Berner Presse, der Brunnen erinnere an ein Ereignis, als „die Juden in dieser Stadt ein Christkind langsam zu Tode marterten – kreuzigten, woraufhin sie vom Rat von Bern verbrannt worden seien“.

Heute ist der Stadt Bern diese Geschichte peinlich, so peinlich, dass sie heute nicht mehr LĂŒgen ĂŒber Juden verbreitet, dafĂŒr aber LĂŒgen ĂŒber den Brunnen. Bei StadtfĂŒhrungen wird die Figur gerne als „humorvolle Fastnachtsfigur und Kinderschreckfigur“ verharmlost oder behauptet, es handele sich bei der abgebildeten Person um die Darstellung des römischen Gottes Saturn, der mit dem griechischen Titan Kronos identifiziert wird. Saturn ist der Gott des Ackerbaus und wird daher in traditionellen Darstellungen mit Sichel oder Sense dargestellt. Auch Kronos Erkennungszeichen ist eine Sichel. Dieses Erkennungszeichen fehlt bei dem Kindlifresser-Brunnen.

Der Brunnen ist ein Zeugnis des Judenhass in Bern und geht auf einen Ritualmordvorwurf von 1294 zurĂŒck. Den Juden der Stadt wurde damals vorgeworfen, einen Jungen mit dem Namen Rudolf ermordet zu haben. Aufgrund des GerĂŒchts kam es zu einem Pogrom, bei dem die Juden der Stadt ĂŒberfallen und ausgeplĂŒndert wurden. Bei dieser Gelegenheit kam es zu einer erzwungen Tilgung aller Schulden bei jĂŒdischen Geldgebern und die Obrigkeit fĂ€llte einen Entscheid, mit dem die Juden fĂŒr immer aus der Stadt vertrieben werden sollten.

In spÀterer Zeiten wurde Rudolf von Bern teilweise als MÀrtyrer und Heiliger verehrt. Im offiziellen Heiligenkalender wird sein Namenstag mit dem 17. April angegeben.

Die Geschichte von Rudolf von Bern trĂ€gt die ZĂŒge von Werner von Oberwesel. Sein Namenstag war der 19. April. Werner war ein junger Tagelöhner, der Opfer von jĂŒdischen Ritualmördern geworden sein soll. In Bacharach am Rhein wurde fĂŒr ihn ab 1289 eine „Werner“-Kapelle ausgebaut. Seine Verehrung fĂŒhrte zu einer Menge aufhetzerischen Legenden, die besonders im Rheinland verbreitet wurden. Auf den angeblichen gemeinschaftlichen jĂŒdischen Mord folgte eine Pogromwelle, die auch Köln heimsuchte. Wie Bern wurden auch in Köln irgendwann alle Juden vertrieben. Im Jahr 1424 durfte kein Jude mehr in Köln leben.

Im Jahr 1963 wurde Werner zwar aus dem Heiligenverzeichnis gestrichen, das bedeutet aber nicht, dass danach nicht weiterhin kinderfressende Juden in Köln dargestellt wurden.

Von 2004 bis 2015 stand vor dem Kölner Dom eine Dauerausstellung, wo in zunehmend verzerrender und einseitiger Art gegen den Staat Israel polemisiert wurde. Es wurde unter anderem behauptet, das israelische Volk wĂŒrde schon seit Jahrhunderten die Welt erpressen. Im Jahr 2010 wurde gegen die Installation Strafanzeige wegen des Verdachts auf Volksverhetzung gestellt, da dort eine Karikatur gezeigt wurde, auf der ein Jude zu sehen war, der ein Kind isst und sein Blut trinkt.

Die Kölner Staatsanwaltschaft erhob jedoch keine Anklage mit der BegrĂŒndung, die Karikatur sei nicht antisemitisch, da die dargestellte Person auf der Karikatur nicht als Jude erkennbar sei, weil er keine „Krummnase“ habe. Klingt unglaublich, ist aber so. In der BegrĂŒndung (Aktenzeichen 121 Js 105/11) steht:

„Es ermangelt der Abbildung einer tauglichen ErklĂ€rung, die geeignet wĂ€re, den Anforderungen an die tatbestandlichen Voraussetzungen zu genĂŒgen. Dem in die Plakataktion eigebetteten Bild mĂŒsste ein ErklĂ€rungsgehalt beizumessen sein, der eindeutig und unmissverstĂ€ndlich und damit zweifelsfrei einen solchen strafrechtlich relevanten Inhalt vermittelt. (…) Typisch fĂŒr antijĂŒdische Bilddarstellungen zu allen Zeiten ist die Verwendung von bestimmten anatomischen Stereotypen, die den Juden schlechthin charakterisieren sollen. Dabei werden insbesondere Gesichtsmerkmale ĂŒberzeichnet, um den Juden als hĂ€sslich, unansehnlich und rassisch minderwertig erscheinen zu lassen (jĂŒdische „Krummnase“, etc.) Einer solchen Bildsprache wird sich vorliegend nicht bedient.“

Mit anderen Worten: Da die abgebildete Person keine Krummnase hat, kann sie nicht als Jude erkannt werden und darum liegt kein Antisemitismus vor.

Vielleicht sollte sich Bern juristischen Rat aus Köln holen. Beiden StĂ€dten ist ihre judenfeindliche Geschichte schließlich so peinlich, dass sie vor keiner noch so albernen ErklĂ€rung zurĂŒckschrecken.

In Köln feiert man Karneval. In Bern feiert man Fasnacht. Ich habe lange Zeit nicht verstanden, was der Unterschied zwischen Karneval und Fasching ist, aber ich glaube, jetzt habe ich es raus: Leute die Karneval feiern, nennt man Karnevalisten.

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„Streitfall Antisemitismus“

In dem Buch „Streitfall Antisemitismus – Anspruch auf Deutungsmacht und politische Interessen“ herausgegeben im Jahr 2020 von Wolfgang Benz versuchen sich mehrere Autorinnen und Autoren an der Beantwortung der selbstgestellten Frage: „Wann ĂŒberschreitet berechtigte Kritik an der Politik Israels gegenĂŒber den PalĂ€stinensern die Grenzen und ist Judenfeindschaft?“

Tapfer im Nirgendwo gibt ganz kurz und bĂŒndig eine klare Antwort auf diese Frage: Berechtigte Kritik an Israel ĂŒberschreitet nie die Grenzen zur Judenfeindschaft!

Berechtigte Kritik ist, wie der Begriff selbst sagt, berechtigt. Lediglich unberechtigte Kritik an Israel kann judenfeindlich sein, nĂ€mlich dann wenn in der Kritik Israel dĂ€monisiert wird, dem Staat Israel seine Legitimation abgesprochen wird und Juden fĂŒr etwas kritisiert werden, was bei allen anderen Menschen toleriert wird.

Wolfgang Benz ist nicht in der Lage, die Frage kurz und bĂŒndig zu beantworten. Stattdessen zĂŒndet er in seinem Buch gemeinsam mit einigen anderen Leuten diverse Nebelkerzen, in deren Dampf dann nicht selten Judenhass verharmlost wird.

Da sich das Buch „Streitfall Antisemitismus“ mit vielen Themen beschĂ€ftigt, die auch auf Tapfer im Nirgendwo angesprochen wurden, lasse ich mich auf eine lĂ€ngere Debatte mit der im Buch gestellten Frage ein und werde dabei auf diverse Artikel von mir verweisen, in denen ich bereits manch eine Behauptung gerade gerĂŒckt habe, die Wolfgang Benz in seinem Buch wieder aufstellt. Er behauptet zum Beispiel, die politische Bewegung BDS sei in ihrer Intention nicht judenfeindlich. Stimmt das?

Der Name BDS steht fĂŒr „Boycott, Divestment and Sanctions“. BDS wendet sich somit gegen ganz Israel und kulturell gegen alles, was israelisch ist. Die Politik von BDS lĂ€sst sich auf diese zwei Formeln bringen: „Kauft nicht bei Israelis“ und „Kein Dialog mit Israel“. Mit einer Person, die man boykottiert und mit der man nicht redet, kann man keinen Frieden schließen. BDS will keinen Frieden! Weitere Informationen finden Sie in dem Artikel „BDS – Eine Kampagne des Hasses“.

Wolfgang Benz erklĂ€rt, die Kampagne BDS werde zu Unrecht kritisiert und der Weg zu diesem Unrecht sei geebnet worden von sinistren MĂ€chten, die die „seriösen Anstalten, WDR und Arte“ durch ein Skandalisieren dazu gezwungen hĂ€tten, Unwahrheiten zu verbreiten, was die öffentlich-rechtlichen Anstalten dann auch getan hĂ€tten. Wolfgang Benz kommt zu dem Schluss: „Aber eine betrĂ€chtliche Zahl von BĂŒrgern sieht sich wohl in der Haltung bestĂ€tigt,Von allem, was mit Juden zu tun hat, die Finger zu lassen, weil man sich verbrennen könnte.“

Stimmt das?

Bei der von Wolfgang Benz kritisierten Dokumentation handelt es sich um den Film „AuserwĂ€hlt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ von Joachim Schroeder und Sophie Hafner. Die Dokumentation beschĂ€ftigt sich mit dem Judenhass Europas, wie er sich in den frĂŒhen Zeiten des Christentums verfestigt hat, durch Luther brutalisiert und durch Philosophen, Schriftsteller und Komponisten in Europa gerechtfertigt wurde und schließlich von den Nazis zur industriellen Massenvernichtung von Menschen gemacht wurde. Den Fokus richtet die Dokumentation auf den mörderischen Judenhass des 21. Jahrhunderts in Europa und kommt zu einem erschreckenden Ergebnis: Der Judenhass wurde von Europa in die arabische Welt exportiert, um dann mörderisch nach Europa zurĂŒckzukehren und zwar in Form einer brutalen und durch europĂ€ische und christliche Organisationen finanzierten „Kritik“ an Israel, die sogar vor Verfolgung und Mord nicht mehr zurĂŒckschreckt. Weitere Information finden Sie in dem Artikel „Ein beispielloser Skandal“.

Wolfgang Benz erklĂ€rt, ein Anlass fĂŒr sein Buch sei eine Aufregung gewesen, die sich erhob, „als die SĂŒddeutsche Zeitung eine Karikatur des israelischen Premiers veröffentlichte, die ihn in der Freude ĂŒber den Sieg der israelischen SĂ€ngerin Netta beim European Song Contest zeigt.“

Als begeisterter Zuschauer der Veranstaltung möchte ich zunĂ€chst einmal richtigstellen, dass sie nicht European Song Contest heißt, sondern Eurovision Song Contest. Ich zitiere zudem aus einem Brief an den Zeichner, der mit folgenden Worten beginnt:

„Sehr geehrter Herr Hanitzsch,

ich möchte Sie fragen, was genau Sie mit der Karikatur von Netanyahu mit Bombe in der Hand und KostĂŒm der ESCGewinnerin Netta ausdrĂŒcken wollten?

Ist es, dass sich nur in Deutschland die RegierungsfĂŒhrung berufen fĂŒhlen darf, einer Gewinnerin beim Song Contest zu gratulieren (wie seinerzeit Merkel bei Meyer-Landrut) und in Israel hat man demĂŒtig zu schweigen, weil das schickt sich nicht fĂŒr ein Volk, das nicht gemocht wird?

Ist es, dass Israel sich nicht freuen sollte, dass es bei einem bunten, oberflĂ€chlichen Wettbewerb siegte, weil ja gerade wieder mal Kriegszeiten und existenzielle Bedrohung ausbrechen, und sich Freude da nicht gehört, schon gar nicht fĂŒr Juden?“

Weitere Informationen zu der Karikatur finden Sie in dem Artikel „SĂŒddeutsche Zeitung druckt antisemitische Karikatur“.

Wolfgang Benz fĂŒhrt ebenfalls die Kritik an Achille Mbembe als Grund fĂŒr das Herausgeben seines Buchs an. Was es mit dieser berechtigen Kritik auf sich hat, können Sie in dem Artikel „Von wegen Ruinenhaufen“ nachlesen.

Es ist schon abenteuerlich, Wolfgang Benz fragt in seinem Buch, ob „berechtigte Kritik“ an Israel judenfeindlich sein könne, nur um dann selbst sĂ€mtliche berechtigte Kritik an Israelkritikern in eine böse Ecke zu stellen. Nach der LektĂŒre des Buches ist eins klar: Kritik an Israel ist möglich, Kritik an Israelkritikern jedoch nicht.

Kommen wir nun zu einigen Aussagen anderer Autorinnen und Autoren in dem Buch.

Shimon Stein und Moshe Zimmermann gehen völlig zurecht auf den Judenhass des Mörders in Halle ein, der versucht hatte, in eine Synagoge einzudringen, um dort ein Blutbad anzurichten. Sie bemĂ€ngeln allerdings eine „Schieflage“, die darin bestehen soll, dass der rechtsextreme Judenhass verharmlost werde, wĂ€hrend der Judenhass aus islamischer Ecke und von linker Seite aufgebauscht werde.

Dies ist eine sehr gewagte These, vor allem wenn man bedenkt, dass die beiden Autoren den zweifelsfrei vorhandenen Antisemitismus bei der AfD massiv kritisiert, zu den antisemitischen AusfĂ€llen in den anderen Parteien jedoch auffallend laut schweigen. Ebenso halten sie sich zu dem Hass aus islamischer Seite auffallend bedeckt. Es ist daher geboten, ebenfalls den Artikel „Der Judenhass ist heute“ vom 27. Januar 2019 zu lesen.

Shimon Stein und Moshe Zimmermann erwĂ€hnen ebenfalls die Statistik ĂŒber antisemitische Straftaten, die belegen soll, das Problem komme zum grĂ¶ĂŸten Teil von rechts. Tapfer im Nirgendwo veröffentliche im November 2017 in dem Artikel „Fakten zu den Statistiken antisemitischer Straftaten“ ein paar wichtige AuszĂŒge aus dem „Bericht des UnabhĂ€ngigen Expertenkreises Antisemitismus“ des 18. Deutschen Bundestags vom 7. April 2017 (Drucksache 18/11970), um zu zeigen, dass der grĂ¶ĂŸte Teil judenfeindlicher Straftaten nicht dem rechtsradikalen Spektrum zugeordnet werden kann, sondern aus Ermangelung besseren Wissens schlicht zugeordnet wurde. In dem Bericht steht:

„Fremdenfeindliche und antisemitische Straftaten werden grundsĂ€tzlich immer dann dem PhĂ€nomenbereich PMK-Rechts zugeordnet, wenn keine weiteren Spezifika erkennbar sind (z. B. nur der Schriftzug »Juden raus«) und zu denen keine TatverdĂ€chtigen bekannt geworden sind. Damit entsteht möglicherweise ein nach rechts verzerrtes Bild ĂŒber die Tatmotivation und den TĂ€terkreis.“

Hakenkreuze und andere Symbole werden nicht nur von rechts verwendet. Sie werden auch ganz bewusst im Krieg gegen Israel verwendet, wie Sie in dem Artikel „PalĂ€stina unterm Hakenkreuz“ nachlesen können. Auch in Deutschland werden Hakenkreuze von Nazis mit islamischer Motivation benutzt, wie Sie in diesem Artikel nachlesen können: „Zu Aachen schmieren Nazis“.

In dem Antisemitismusbericht wird am Ende betont: „Zusammenfassend lĂ€sst sich konstatieren, dass die PMK-Statistik eine Reihe teils behebbarer, teils reduzierbarer, teils aber auch nicht zu Ă€ndernder SchwĂ€chen aufweist, so dass sie nur begrenzt zur Beurteilung der Verbreitung von Antisemitismus und entsprechenden TĂ€tergruppen geeignet ist.“

Damit ist die von Shimon Stein und Moshe Zimmermann behauptete „Schieflage“ nur schwer zu halten, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass trotz des widerwĂ€rtigen Anschlags auf die Synagoge in Halle im Herbst 2019 die ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit aller judenfeindlich motivierten Morde an Juden im 21. Jahrhundert von erklĂ€rten Muslimen verĂŒbt wurden. Weitere Informationen dazu finden Sie in dem Artikel „Die Mörder sind unter uns“.

Daniel Cil Brecher geht in seinem Artikel unter anderem auf Martin Walser und seiner behaupteten „Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwĂ€rtigen Zwecken“ ein. Zu diesem Thema sei der Artikel „Die Ausschwitzkeule und wie sie entdeckt wurde“ empfohlen.

Menschen, die erklĂ€ren, Juden wĂŒrden den Holocaust fĂŒr eigene Vorteile nutzen, behaupten damit im Grunde, der deutsche Siegfried habe sechs Millionen Menschen in seinen Feueröfen zusammengeschmolzen, um daraus ein Schwert fĂŒr die Juden zu schmieden. Die Tatsache, dass ein Verbrechen wie der Holocaust nicht einfach so vergessen werden kann, ist fĂŒr sie keine zwingende Logik, sondern eine böse Absicht der Juden. GefĂŒhle, Ängste, Traumata, all das besitzt der Jude in ihren Augen nicht. Sie behaupten, Juden wĂŒrden sich nicht an den Holocaust erinnern, weil sie ihn nicht vergessen können, sondern weil sie ihn nicht vergessen wollen und die Erinnerung an ihn wie eine Waffe hervorholen, kalt, berechnend und emotionslos. Leider verbringt auch Daniel Cil Brecher viel Zeit damit, eine Menge Juden zu benennen, die seiner Meinung nach den Holocaust instrumentalisieren.

Juliane Wetzel ist es vorbehalten, folgenden großartigen Satz ins Buch reingeschrieben zu haben: „Das Schimpfwort ‚Du Jude‘ kann, muss aber keine antisemitische Konnotation haben. Es kann als Provokation eingesetzt werden und/oder es wird synonym zu ‚Du Opfer’ verwendet.“

Diesen Satz muss man erst einmal wirken lassen. Das Wort Jude als Schimpfwort zu benutzen, muss laut Juliane Wetzel nicht unbedingt eine antisemitische Konnotation haben. Ja, was denn sonst?

Als BegrĂŒndung fĂŒr ihre haarstrĂ€ubende These fĂŒhrt Wetzel an, Juden wĂŒrden in der Schule, im Elternhaus und im Internet ausschließlich als Opfer dargestellt und daher sei in diesem Kontext die Beleidigung nicht unbedingt judenfeindlich.

Es ist schon recht zynisch, dass diese Aussage von Frau Wetzel in einem Artikel getĂ€tigt wird, der direkt auf dem Artikel von Daniel Cil Brecher folgt, in dem insinuiert wurde, manche Juden wĂŒrden durch das Erinnern an den Holocaust zu TĂ€tern werden. Außerdem entspricht die Aussage nicht der Wahrheit, denn im Internet werden Juden nicht nur als Opfer dargestellt, sondern immer wieder als blutrĂŒnstige TĂ€ter.

An Berliner Schulen wurden im Jahr 2018 in einundzwanzig Bezirken siebenundzwanzig Lehrerinnen und Lehrer vom American Jewish Committee interviewt. Das Ergebnis war erschreckend: Antisemitische und islamistische Einstellungen ist in Schulen allgegenwĂ€rtig. Lehrer berichten von SchĂŒlern, die folgende Aussagen tĂ€tigen: „Ja, der Hitler, der hat halt leider nicht alle umgebracht.“

Die Studie des American Jewish Committee erschien einige Monate nachdem an einer Berliner Schule ein 14-jĂ€hriger SchĂŒler ĂŒber einen langen Zeitraum hinweg gemobbt wurde, weil er Jude war! Der Junge wurde geschubst, getreten, geschlagen, gewĂŒrgt und bedroht, wĂ€hrend andere SchĂŒler zugeschaut und gelacht haben. Im Dezember 2017 berichtete Tapfer im Nirgendwo von einem jĂŒdischen Abiturienten, der von seinen MitschĂŒlerinnen und MitschĂŒlern bedroht wurde.

Übergriffe wie diese, sind keine Ausnahmen mehr an deutschen Schulen. Der Hass verbreitet sich rasant. Die Kinder und Jugendlichen, die in Deutschland zum Hass auf Juden erzogen werden, schauen im Internet und im Fernsehen arabische Sendungen. Dort ruft das lustige Hamas-HĂ€schen Assud die Kinder zum Krieg gegen Juden auf. Zu seinem Hobby gehört es, Juden zu töten. Die Hamas Maus wiederum stachelt Kinder zum Hass gegen Juden auf und lĂ€sst sie Lieder ĂŒber die heldenhafte Tat des Judenmords singen. Weitere Informationen dazu finden Sie in dem Artikel „Kindersoldaten an deutschen Schulen“.

Ich muss bei Juliane Wetzels aberwitziger Behauptung, es sei nicht unbedingt judenfeindlich, das Wort „Jude“ als Beleidigung zu benutzen, an das milde Urteil des Amtsgerichts in Wuppertal gegen drei junge MĂ€nner denken, die im Sommer 2014 einen Brandanschlag auf die Synagoge in Wuppertal verĂŒbt hatten. Das Amtsgericht begrĂŒndete das niedrige Strafmaß damals mit der Feststellung, es gĂ€be „keine Anhaltspunkte fĂŒr eine antisemitische Tat“, da die AttentĂ€ter erklĂ€rt hatten, damit die Aufmerksamkeit auf den Gaza-Konflikt gelenkt haben zu wollen. In einem solchen Kontext ist ein versuchter Brandanschlag auf eine Synagoge wohl nur eine Einladung zum interreligiösen Dialog. FĂŒr weitere Informationen lesen Sie „Keine Anhaltspunkte fĂŒr eine antisemitische Tat“.

Nach Juliane Wetzel meldet sich wieder Wolfgang Benz zu Wort und berichtet ĂŒber den Mörder in Hanau, der bei einem Anschlag am 19. Februar 2020 neun Menschen mit Migrationshintergrund ermordet hatte und spĂ€ter noch seine Mutter und sich selbst tötete.

Der Mörder war eine wahnsinniger Rassist, der davon phantasierte, die deutsche „Rasse“ sei allen anderen Menschen ĂŒberlegen. Er erklĂ€rte, arabische, islamische und jĂŒdische LĂ€nder mĂŒssten „komplett vernichten werden“ und Geheimdienste in Amerika wĂŒrden in unterirdischen Verließen „den Teufel selbst“ anbeten. Er behauptet: „Sie missbrauchen, foltern und töten kleine Kinder in unglaublicher Menge.“

Zudem war der Mörder fest davon ĂŒberzeugt, Geheimdienste hĂ€tten versucht, mit ihm Kontakt aufzunehmen, unter anderem ĂŒber den Film „Kuck mal, wer da spricht“. All diese Wahnvorstellungen können nachgelesen werden in dem Artikel „Hanau war keine Schießerei“.

Es fĂ€llt auf, dass Wolfgang Benz ĂŒber die massiven Wahnvorstellungen des Mörders schweigt. Warum? Liegt es vielleicht daran, dass Benz in seinem Buch den Mörder in eine Ecke mit der AfD stellt und dies nur möglich ist, wenn er nicht erwĂ€hnt, dass der Mörder in seinem rassistischen Traktat kein einziges Mal eine PrĂ€ferenz zu einer politischen Partei erklĂ€rt, dafĂŒr aber die Fernsehserie „Prison Break“ und JĂŒrgen Klinsmann?

Bei der LektĂŒre des Buchs „Streitfall Antisemitismus“ fĂ€llt auf, dass durch Auslassen die Wahrheit verschwiegen wird. Es verwundert daher nicht, dass Wolfgang Benz in seinem Buch ĂŒber Antisemitismus erklĂ€rt, es gĂ€be in 21. Jahrhundert eine Muslimfeindschaft, die mit der Judenfeindschaft des 19. Jahrhunderts vergleichbar sei. Diese Behauptung ist in meinen Augen eine radikale VerkĂŒrzung des brutalen PhĂ€nomens Judenhass. Als ErklĂ€rung Verweise ich auf meine Artikel „Was ist Antisemitismus“ und „Sind die Muslime die neuen Juden?“.

Der Journalist Alan Posener wird in dem Buch von Daniel Bax dafĂŒr kritisiert, dass er eine Konferenz unter dem Titel „Living with Islamophobia“ in der Akademie des JĂŒdischen Museums in Berlin kritisiert hatte. Laut Bax habe es an dem „JĂŒdischen Museum insgesamt“ kaum Kritik gegeben. Sie sei höchstens „hinter vorgehaltener Hand oder in den Weiten des Internets, in marginalen Blogs, geĂ€ußert“ worden. Bax erklĂ€rt: „Eine Ausnahme bildete allein der Journalist Alan Posener, der schon etwas frĂŒher den ersten Stein warf.“

Was fĂŒr eine interessante Wortwahl, eine Kritik an eine Konferenz im JĂŒdischen Museum ist fĂŒr Bax bereits das rhetorische Werfen eines Steins. Dabei ist Poseners Kritik harmlos gegenĂŒber seiner eigenen Kritik an der aktuellen Regierung in Israel. Wer möchte da noch behaupten, Kritik an Israel sei nur schwer zu formulieren? Ach ja, der Herausgeber des Buchs, fĂŒr das Bax schreibt und in dem er ĂŒber Volker Beck behauptet, er sei ein „unermĂŒdlicher Anwalt offizieller israelischer Interessen“. Er bezeichnet Volker Beck zudem als „GewĂ€hrsmann fĂŒr diese fragwĂŒrdigen VorwĂŒrfe“ von Alan Posener. Alles nur weil Volker Beck ein Freund Israels ist. Dabei kritisiert Beck wie Bax die aktuelle Regierung von Israel. Es ist also problemlos möglich. FĂŒr weitere Informationen lesen Sie „Man muss Israel kritisieren“.

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Gedenkbrunnen in Köln geschĂ€ndet

Am zweiten Wochenende im Juli 2020 demonstrierten in Köln ĂŒberwiegend junge Menschen unter dem Motto „Tiere bluten fĂŒr menschliche Gier“. Dabei wurde das Wasser in mehreren Kölner Brunnen mit roter Farbe gefĂ€rbt. Betroffen waren unter anderem der Petrusbrunnen vor dem Kölner Dom, die DomfontĂ€ne auf dem Roncalliplatz und der Fischweiberbrunnen am historischen Fischmarkt.

Die Polizei ermittelt wegen SachbeschÀdigung.

Bei der Verunreinigung handelt es sich juristisch um Verunreinigung. Neben der juristischen Bewertung dieser Angelegenheit muss aber auch der Anstand in ErwÀgungen gezogen werden, denn zu den geschÀndeten Brunnen in Köln gehört auch der Löwenbrunnen.

Der mit dem „Löwen von Juda“ geschmĂŒckte Brunnen auf dem Erich-Klibansky–Platz erinnert an 1100 ermordete jĂŒdische Kinder aus Köln und Umgebung, deren Namen auf den das Brunnenbecken einfassenden Bronzeplatten verzeichnet sind.

An dem Löwenbrunnen befindet sich der Lern- und Gedenkort Jawne, an dem man unter anderem etwas ĂŒber den Mann erfahren kann, nachdem der Platz benannt ist.

Erich Klibansky war Leiter und Lehrer des jĂŒdischen Reformrealgymnasium Jawne in Köln. Ihm gelang es, 130 der ihm anvertrauten SchĂŒlerinnen und SchĂŒler zu retten, indem er fĂŒr sie im Jahr 1938 eine Flucht nach Großbritannien organisierte. Eins der damals entkommenen Kinder, Hermann Gurfinkel, schuf im Jahr 1997 den Löwenbrunnen.

Erich Klibansky und seine gesamte Familie wurden am 20. Juli 1942 deportiert und vier Tage spĂ€ter in einem WaldstĂŒck in der NĂ€he von Minsk an vorbereiteten Gruben erschossen. Das Andenken dieses Mannes, seiner Familie und und das Andenken 1100 ermordeter Kinder wurde im Juli 2020 in Köln geschĂ€ndet.

In einer „ErklĂ€rung zur SchĂ€ndung der GedenkstĂ€tte Löwenbrunnen am Erich-Klibansky-Platz in Köln“ steht:

„Mitglieder und Vorstand des Arbeitskreises Lern- und Gedenkort Jawne sind schockiert ĂŒber die SchĂ€ndung des Brunnens. Wir können uns keine Argumentation vorstellen, die diese SchĂ€ndung erklĂ€rt, und wir wollen es auch nicht. Es ist einfach nur zum Kotzen.“

Nachtrag: Mittlerweile gibt es eine Stellungnahme von Verantwortlichen der Demonstration:

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