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Boykott Israels ist nicht besser als „Kauft nicht bei Juden“ – Kulturellem Antisemitismus entgegentreten

Heute tritt Netta Barzilai in Köln im Club Bahnhof Ehrenfeld auf.

Netta repräsentiert das multikulturelle und in jeglicher Hinsicht diverse Israel, in dem alle Israelis frei leben und sich artikulieren können, unabhängig von Ethnien, Geschlechtergrenzen, religiösen Vorbehalten und sexuellen Vorlieben.

BDS Bonn ruft hingegen zum Boykott des Konzertes auf, markiert die Position Nettas als „Pinkwashing“, also als die Indienstnahme von Homosexualität als propagandistische Waffe des israelischen Staates.

Schlimmer noch: BDS bringt die künstlerische Position Nettas in den Zusammenhang von „Apartheid“, „Besatzung“ und „Siedlerkolonialismus“ in einen Zusammenhang.

Die Vorwürfe entbehren im Hinblick auf ihre Person und auf die zugrundliegenden Fakten jeglicher Grundlage. BDS Bonn bestreitet mit dem Boykottaufruf die Freiheit der Kunst.

Wir stehen für die Freiheit der Kunst ein.

Der kulturelle Boykott Israels, die kulturelle Aussonderung von Musikerinnen und Musikern, die Zurückweisung von künstlerischer Individualität und von künstlerischem Ausdruck lösen keines der Probleme im Nahen Osten.

Politische Diskussionen müssen politisch geführt werden, nicht auf dem Rücken von Künstlerinnen und Künstlern.

Netta steht für den universalistischen Anspruch Israels, für die israelische Demokratie und für die Freiheit des künstlerischen Ausdrucks.

Fight Antisemitism – Fight BDS!

Der Vorstand der DIG AG Köln

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Warum ich ein Feminist bin

Nachdem die ehemalige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kristina Schröder, für die Welt erklärt hat, warum sie keine Feministin ist, erkläre ich nun für Tapfer im Nirgendwo, warum ich ein Feminist bin.

Der Feminismus lässt sich auf eine einfache Formel bringen, die Hedwig Dohm bereits im 19. Jahrhundert definiert hat: “Die Menschenrechte haben kein Geschlecht!“

Der Feminismus ist nichts weiter als Ausdruck der Überzeugung, dass alle Männer und Frauen gleichberechtigt sind und das keine Entscheidung des eigenen Lebensstils dazu führen darf, dass ein Mensch seiner Menschenrechte beraubt wird. Der Feminismus ist keine Ideologie, die Frauen oder Männer verändern will, sondern kämpft lediglich dafür, dass jede Frau und jeder Mann in Freiheit und unter Garantie des Lebens das eigene Glück suchen darf, egal wie dieses Glück aussieht.

Die Aufklärung beginnt mit der Gewissheit, dass alle Menschen in ihren Rechten gleich geschaffen sind. In Frankreich wird die französische Revolution am 14. Juli gefeiert. In den Vereinigten Staaten von Amerika wird die Unabhängigkeit am 4. Juli gefeiert. Beide Revolutionen aber befreiten nicht die Frauen!

Der Feminismus ist Ausdruck der Überzeugung, dass alle Männer und Frauen im Besitz der Menschenrechte sind und nicht nur Männer. Ich kann nicht verstehen, wie Kristina Schröder da sagen kann, sie sei keine Feministin.

Frauen waren in Europa noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts nicht im Besitz der Menschenrechte. Sie durften in Frankreich und den USA nicht wählen, obwohl bereits ehemalige männliche Sklaven das Wahlrecht hatten. Die Tore der höheren Bildung waren ihnen verschlossen und ökonomisch wurden sie brutal ausgebeutet.

Frauen waren Sklaven.

Noch heute werden Frauen an vielen Orten der Welt brutal unterdrückt. Sie werden gesteinigt und in Gefängnisse gesperrt. Einige sind aus Stein, andere aus Stoff.

Was Frauen erleben und erleben mussten, aber auch was sie erkämpft und erreicht haben, nämlich die Freiheit für sich und alle Menschen, stellt alles davor Dagewesene in den Schatten. Der Feminismus hat mehr Menschen befreit als die französische Revolution oder die amerikanische Revolution, die lediglich weniger als die Hälfte der Bevölkerung befreit hatten.

Wären die Heldinnen der feministischen Revolution Männer gewesen, stünden heute überall Statuen dieser Helden herum, Jungs und Mädchen könnten aus dem Stand ein paar Namen von Feministinnen nennen und sie würden sich stolz als Suffragetten verkleiden. Die Schriftstellerin Rebecca West sagte einst:

„Ich selbst habe es nie geschafft, genau herauszufinden, was Feminismus ist. Ich weiß nur, dass ich immer dann als Feministin bezeichnet werde, wenn ich Gefühle zum Ausdruck bringe, die mich von einer Fußmatte unterscheiden.“

Das Wort „Feminist“ ist ein Kompliment.

Nennt mich einen Feministen! Es macht mich stolz, Feminist genannt zu werden, denn Marie le Jars de Gournay war eine Feministin. Im Jahr 1622 veröffentlichte sie das Werk „Über die Gleichheit“ und argumentiert dort, dass alle Menschen ungeachtet der Herkunft und des Geschlechts vernunftsbegabte Wesen sind und daher gleich an Rechten und Pflichten:

„Genau genommen ist das menschliche Wesen übrigens weder männlich noch weiblich: das unterschiedliche Geschlecht ist nicht dazu da, einen Unterschied in der Ausprägung herauszubilden, sondern es dient lediglich der Fortpflanzung. Das einzige wesenhafte Merkmal besteht in der vernunftbegabten Seele. Und wenn es erlaubt ist, beiläufig einen kleinen Scherz zu machen, dann wäre hier wohl jene anzügliche Bemerkung nicht unpassend, die besagt: nichts ähnelt dem Kater auf einer Fensterbank mehr als – die Katze. Der Mensch wurde sowohl als Mann wie Frau geschaffen. Männer und Frauen sind eins.“

Hundert Jahre später widersprach der Humanist Rousseau dieser Auffassung und erklärte statt der feministischen Menschenrechte die humanistischen Männerrechte. Die französische Philosophin Olympe de Gouges kritisierte den Sexismus ihrer Zeit mit deutlichen Worten:

„Die Sturmglocke der Vernunft ist im ganzen Universum zu hören; erkennt eure Rechte! Das gewaltige Reich der Natur ist nicht mehr umlagert von Vorurteilen, Fanatismus, Aberglaube und Lügen. Die Fackel der Wahrheit hat alle Wolken der Dummheit und Anmaßung zerstreut. Der versklavte Mann hat zwar seine Kräfte vervielfacht, aber er hat der eurigen bedurft, um seine Ketten zu sprengen. Kaum in Freiheit versetzt, ist er nun selbst ungerecht geworden gegen seine Gefährtin. O Frauen! Frauen, wann wird eure Verblendung ein Ende haben? Was sind denn die Vorteile, die euch aus der Revolution erwachsen sind? Ihr werdet noch mehr verachtet, noch offener verhöhnt.“

Im 17. Jahrhundert erklärte Marie les Jars de Gournay die Gleichheit von Männern und Frauen, aber im 18. Jahrhundert erklärten die Männer der Französischen Revolution kurzerhand nur die Männer- und Bürgerrechte. Oft werden diese Männer- und Herrenrechte fälschlicherweise als Menschen- und Bürgerrechte übersetzt, obwohl Frauen dezidiert nicht mit „des hommes“ gemeint waren, was Oylmpe de Gouges in ihrer Antwort „Die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ deutlich kritisierte.

„Fürchtet ihr, dass unsere französischen Gesetzgeber – Richter über jene Moral, die sich lange Zeit in der Politik eingenistet hat, nun aber überlebt ist – es euch wiederholen: „Frauen, was habt ihr mit uns gemein?“ „Alles“, werdet ihr zu entgegnen haben. Und wenn sie sich in ihrer Schwäche darauf versteifen, mit ihren eigenen Prinzipien in Widerspruch zu geraten, dann setzt beherzt die Macht der Vernunft ihren eitlen Anmaßungen entgegen, euch überlegen zu sein (…) Die Frau hat das Recht das Schafott zu besteigen; sie muss gleichermassen das Recht haben, die Tribüne zu besteigen!“

Zu keiner Zeit war die Hauptströmung des Feminismus von dem Gedanken geprägt, Männer seien den Frauen untergeordnet. Dem Humanismus jedoch hingen nicht selten führende Philosophen an, die Frauen den Männern unterstellten. Es sind daher die Humanisten, die sich fragen sollten, ob der Humanismus etwas ehrenwertes ist, nicht die Feministinnen!

Feministinnen kämpften stets für die Gleichberechtigung aller Menschen. Die führenden Köpfe im Kampf gegen die Sklaverei waren nicht selten Frauen: Aphra Behn (17. Jahrhundert), Mary Wollstonecraft (18. Jahrhundert), Mathilde Franziska Anneke (19. Jahrhundert).

Während Olympe de Gouges für die Menschenrechte stritt und das Recht eines jeden Menschen auf einen fairen Prozeß verteidigte, erklärten die männlichen Sieger der Revolution den Terror. Obwohl Olympe de Gouges eine blühende Republikanerin war und in dem König einen Feind der Demokratie sah, kämpfte sie für einen fairen Prozeß des Königs, weil für sie Menschenrechte unveräußerlich waren, selbst für die größten Feinde. Für Olympe de Gouges sollte die Vernunft herrschen. Die Sieger der Revolution sahen das anders. Am 17. Januar 1794 erklärte Maximilien Robespierre den Sieg der „Natur“ über die Vernunft:

„Wenn man vorschlägt, Ludwig XVI. den Prozeß zu machen, so stellt man die Revolution in Frage. Kann er gerichtet werden, so kann er freigesprochen werden, kann er freigesprochen werden, so kann er unschuldig sein. Ist er aber unschuldig, was wird aus der Revolution? (…) Wie könnte der Tyrann den gesellschaftlichen Pakt für sich anrufen? Er hat ihn vernichtet! Welche Gesetze sind an seine Stelle getreten? Die Gesetze der Natur: das Volkswohl.“

Olympe de Gouges jedoch verteidigte die Gesetze der Vernunft und landete dafür auf dem Schafott. Am 3. November 1793 wurde sie hingerichtet. Ihr Vergehen: Sie hatte sich den „Gesetzen der Natur“ widersetzt. Sie wusste warum.

Wenn die Mächtigen krank werden, wollen sie nicht, dass die Natur herrscht, sondern sie verlangen nach der Vernunft des Arztes. Wenn ihnen Unrecht widerfährt, wollen sie nicht, dass die Natur herrscht, sondern sie rufen nach der Vernunft des Richters. Wenn Menschen aber andere Menschen unterdrücken wollen, dann holen sie schnell die Natur aus der Kiste. Dann gibt es auf einmal die Natur der Frau, die Natur des Juden oder die Natur des Schwarzen und die Mächtigen tun so, als wüssten sie genau, was die Natur will, ganz so als hätten sie erst letzten Sonntag mit Mutter Natur Kaffee getrunken. Hedwig Dohm jedoch argumentierte:

„Wie der Mensch sich seinen Gott nach seinem Ebenbild schafft, so legt ein jeder seine Anschauungen der Natur in den Mund. Eine Byzantinerin ist die Natur, redet dem, der gerade die Macht hat, zu Munde, oder gibt wenigstens immer die Antwort, die der Fragende erwartet. Was ist natürlich, was unnatürlich? Die meisten geistigen Errungenschaften sind Einbrüche in vermeintliche Naturgesetze. Das scheinen die Antifeministen selbst zu bestätigen, wenn sie sagen: „Wir müssen auf der Änderung dieser verkehrten Welt bestehen.“ Recht haben sie. Wir bestehen ja auch darauf. Nur wollen sie, dass die Welt wieder so werde, wie sie einstmal war, wir aber wollen, dass sie werde, wie sie noch niemals war. Und sage nicht, es muss so sein, weil es niemals anders war. Unmöglichkeiten sind Ausflüchte steriler Gehirne. Schaffe Möglichkeiten!“

Es ist völlig irrelevant, was die Natur will, wenn sie überhaupt was will. Die meisten Menschen heute würden gar nicht leben, ginge es nach der Natur.

Wenn es nach der Natur ginge, wäre ich schon längst tot!

Würden Sie etwa noch leben? Hatten Sie schon mal eine Operation? Tragen Sie ein Brille? Haben Sie eine schwere Grippe überstanden? Nutzen Sie moderne Technik? Dann sind Sie wider der Natur noch hier. Die Natur hätte Sie längst entsorgt!

Viele Menschen glauben, Natur sei das Naherholungsgebiet am Stadtrand. Die Wälder in Deutschland sind aber keine Natur. Sie sind Kultur. Sie werden von der Vernunft der Mitglieder des Forst- und Grünflächenamts gut verwaltet. Natur ist nicht gepflegter Wald und gemähte Wiese. Natur ist, wo der Mensch Beute ist!

Die Natur hat keine Absicht. Sobald der Natur Absichten und Moral unterstellt wird oder sobald der Natur ein Schöpfer gegeben wird, haben wir es mit einer Religion zu tun und Religion ist Kultur.

Gut und böse sind Kategorien der Vernunft. Die Vernunft versucht zwar, Natur wissenschaftlich zu verstehen, aber alles, was Vernunft hat, weiß oder mindestens ahnt, dass Moral in der Natur nicht zu finden ist.

Die Moral war lange Zeit ein Diktat der Götter. In der heutigen Zeit, da der Glaube an Gott vielerorts verschwunden ist, flüchten nicht wenige, die religiös heimatlos geworden sind, in den Schoß der Natur und ernennen die Natur zu ihrem Gott. So wie sich die Menschen einst Gott nach ihrem Bilde schufen, so legen sie heute der Natur ihre Ansichten in den Mund! Für die Einen regelt Gott, was gut und was böse ist, für die Anderen die Natur.

Ob man nun aber gottesfürchtig oder naturfürchtig ist, das Sagen haben jene, die glaubhaft machen können, Erleuchtete zu sein, die vorgeben, den direkten Draht nach oben zu haben. Sie wissen angeblich genau, was Gott oder die Natur will. Sie behaupten, es vernommen zu haben und erklären, den wahren Weg zu kennen. Sie sind die Propheten, die Guten! Und sie benehmen sich so!

Um gute Dinge zu vollführen, braucht es jedoch keinen Gott. Gott stört bei guten Taten nicht, hilft höchstens dabei. Böse Taten jedoch brauchen einen Gott, nämlich den festen Glauben daran, die abscheulichen Taten im Namen eines höheren Sinns und Zwecks zu begehen. Gotteskrieger kämpfen für den lieben Gott und Naturgläubige für die liebe Natur.

Die Natur ist aber nicht lieb. Sie ist auch nicht böse. Die Natur ist indifferent und kennt keine Moral. Sie ist!

Gut und böse sind Kategorien der Vernunft. Der Mensch muss sie selbst definieren, verteidigen und leben. Hätte der Mensch alles Neue verdammt, weil es 5000 Jahre vorher anders gemacht wurde, säße er heute noch als ständige Beute in einer Höhle und würde noch vor dem 30. Lebensjahr verrecken.

Es waren kluge Philosophen wie die Feministinnen, die ihre Vernunft genutzt haben, um sich zu emanzipieren und sich zu befreien von den Ketten, die uns vermeintlich von der Natur angelegt wurden. Es ist daher eine Frage des Stolzes, Feminist zu sein. Hedwig Dohm sagte:

„Mehr Stolz, Ihr Frauen, der Stolze kann missfallen, aber man verachtet ihn nicht. Nur auf den Nacken der sich beugt, tritt der Fuß des vermeintlichen Herrn!“

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Rassistische Demo in Köln

Für Sonntag, den 18. November 2018 um 17:30 Uhr, hat die antisemitische Kampagne des Hasses BDS ein Protest vor dem Club Bahnhof Ehrenfeld in Köln angekündigt, da dort die Gewinnerin des Eurovision Song Contest 2018 auftreten wird.

Die Gewinnerin des Eurovision Song Contest 2018 ist Netta Barzilai. Die BDS-Gruppe Bonn mag Netta Barzilai nicht. Der Grund ist so schlicht wie unfassbar: Weil sie Israelin ist. In der Ankündigung zu der Demonstration vor dem Ort ihres Auftritts heißt es, Netta Barzilai sei eine „Botschafterin für israelische Besatzung und Apartheid“, die „ihre Musik gerne in die Hände der rechtsextremen israelischen Regierung“ lege. Zudem wird Netta Barzilais Unterstützung der LGBTQ-Gemeinschaft und von Pride Events in Israel kritisiert.

Aus dem ganzen Aufruf trieft der Hass. Ich kann nur hoffen, dass Köln diesen Hass nicht hinnehmen wird und sich klar dagegen positionieren wird.

Der Name BDS steht für „Boycott, Divestment and Sanctions“. BDS wendet sich gegen ganz Israel und kulturell gegen alles, was israelisch ist. Die Politik von BDS lässt sich auf diese Formeln bringen:

„Kauft nicht bei Israelis!“
„Israel ist unser Unglück!“
„Kein Dialog mit Israel!“

Mit einer Person, die man boykottiert und mit der man nicht redet, kann man keinen Frieden schließen. BDS will keinen Frieden!

In Israel leben über 1,6 Millionen Muslime, die friedlich mit über sechs Millionen Juden zusammenleben. BDS ruft zum Boykott all dieser Menschen auf.

In Israel sind Muslime die Nachbarn von Juden. Sie sind ihre Arbeitskollegen, Lehrerinnen, Anwälte, Richterinnen, Abgeordnete, Polizisten, Feuerwehrmänner, Soldatinnen, Köche, Sexualpartner und vieles, vieles mehr. Sie lachen, leben, essen, weinen und streiten zusammen. Sie leben miteinander und teilen sich die selbe Heimat. Sie sind gemeinsam in Treue verbunden mit den Bäumen, Flüssen, Bergen, Meeren, Seen, Städten, Dörfern und Wüsten ihrer Heimat, die sie oft in ihre Gebete einschließen. Sie sind eine Familie! Manche sind entfernte Verwandte, andere wiederum frisch nah Vertraute. All diese Menschen werden von der weltweit agierenden Kampagne des Hasses BDS diskriminiert.

Auch alle israelischen Muslime, die in Frieden, Nachbarschaft, Gleichberechtigung, Toleranz und Respekt mit Juden leben, sind Ziele der Diskrimierung von BDS. Die Kampagne fordert dazu auf, diese Muslime zu boykottieren und zu bestrafen (sanktionieren), sowie jede Form der Unterstützung mit diesen Muslimen zu kappen (Divestment). BDS fordert dazu auf, Muslime, die friedlich mit Juden zusammenleben, so zu behandeln, wie Juden von Judenhassern behandelt werden.

Die Gründungscharta der Hamas fordert die Vernichtung des ganzen jüdischen Volkes (Artikel 7) und die Zerstörung Israels (Artikel 13). Minister der Hamas rufen zur Vernichtung aller Juden auf, die sie öffentlich, auf Plätzen, in Moscheen und im Fernsehen, als Ungeziefer und Bakterien bezeichnen, deren Kehlen durchgeschnitten und Familien ermordet gehören. BDS richtet sich ganz bewusst nicht gegen diesen Hass.

BDS richtet sich gegen das Land, das beschlossen hat, staatliche Krankenhäuser mit Gebetsräumen für alle Religionen ausstatten zu lassen, nachdem ein Muslim erfolgreich beim Obersten Justizgerichtshof des Landes geklagt hatte, weil er vor einer Klinik in Tel Aviv im Freien beten musste. Juden im Gaza-Streifen, in Algerien, Saudi-Arabien, Jordanien und Libyen haben keinen eigenen Gebetsraum in Krankenhäusern, sie haben nicht mal eine Aufenthaltserlaubnis dort. In diesen Regionen ist es verboten, Jude zu sein. Die Länder sind allesamt „judenrein“! Das ist Apartheid!

BDS richtet sich ausschließlich gegen das Land, in dem die damals 19-jährige Araberin aus der nördlichen Hafenstadt Akko, Lina Mahul, die israelische Ausgabe von „The Voice“ gewann. BDS richtet sich aber nicht gegen das Gebiet, in dem Mohammed Assaf die arabische Version von DSDS (Arab Idol) mit einem Lied gewann, in dem er hoffnungsfroh über das Ende Israels sang.

Im israelischen Fernsehen wurde vor einiger Zeit ein Test mit versteckter Kamera unternommen, um zu schauen, wie die Menschen in Israel auf Diskriminierung reagieren. Ein Tankstellenverkäufer, weigerte sich, Araber zu bedienen. Die Gäste reagierten wie folgt:

Gegen diese Menschen richtet sich BDS und somit gegen das einzige Land im Nahen Osten, in dem 1,694,000 Muslime sicher in einer Demokratie leben, die es ihnen erlaubt, schwul oder lesbisch zu sein. Sie haben die gleichen Rechte, wie alle anderen Bürgerinnen und Bürger des Landes, unabhängig von ihrem Geschlecht und ihrer Hautfarbe.

Ein Judenhasser kritisiert an Juden Dinge, die er bei Nicht-Juden durchgehen lässt. BDS tut genau das. BDS schweigt zu sämtlichen barbarischen Unmenschlichkeiten der Welt, kritisiert aber Israel, weil das Land nicht perfekt ist. Für BDS muss Israel übermenschlich sein, um existieren zu dürfen. Für den Rest der Menschheit reicht es, menschlich zu sein. Ein israelischer Politiker wird bereits verteufelt, wenn er kein Heiliger ist. Ein arabischer Politiker jedoch wird schon zum Heiligen erklärt, wenn er kein Teufel ist.

Israel ist nicht perfekt, aber es gibt kein Land, das es bei vergleichbarer Gefahr besser macht. BDS reicht das nicht. Nur ein perfekter Jude ist ein guter Jude und nur die guten Juden dürfen bleiben! Das ist die Kampagne des Hasses, für die BDS steht und die am Sonntag in Köln gegen die Gewinnerin des Eurovision Song Contest mobil machen will, weil sie Israelin ist. Das ist Rassismus!

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Der israelische Verteidigungsminister erklärt seinen Rücktritt

Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman hat seinen Rücktritt erklärt. Wer ist dieser Mann?

Avigdor Lieberman ist Gründer der Partei „Unser Haus Israel“ und ist unbestritten ein Hardliner. In einem Land, das von seinen Nachbarn vernichtet werden soll, ist es nicht ungewöhnlich, eine harte Linie zu entwickeln. Die regierende Partei im Gazastreifen fordert in ihrer Gründungscharta die Vernichtung aller Juden weltweit (Artikel 7) und wirft regelmäßig Raketen auf Israel ab, in der Hoffnung, so viele Menschen wie möglich zu töten. Die Fatah wiederum preist in der sogenannten Palästinensischen Autonomie auf Feierlichkeiten den Völkermord an Juden, während Straßen und Plätze nach Judenmörder benannt und Familien von Terroristen fürstlich belohnt werden. Da würde ich auch hart drauf reagieren.

Avigdor Lieberman reagiert mit seinen Rücktritt auf Israels Zustimmung zu einer Waffenruhe mit der Hamas. Die Waffenruhe sei eine „Kapitulation vor dem Terror“ und fügt hinzu: „Wir kaufen uns Ruhe für eine kurze Zeit und schaden dabei der nationalen Sicherheit.“

Jeder Jude, der sich der erklärten Massenmordabsicht der Hamas entgegenstemmt, ist ein Hardliner – und das ist auch gut so! Wohin ein sofort Umgang mit diesen Mördern führt, zeigt die Geschichte.

Es gibt weder in der Hamas noch in der Fatah einen einzigen Politiker, der so gemäßigt ist wie Avigdor Lieberman. Im Vergleich zu der Hamas und der Fatah ist Lieberman ein Friedensengel. Gäbe es in der Regierung der palästinensischen Autonomie auch nur einen Mann wie Avigdor Lieberman, der Frieden wäre übermorgen da! Ein Beispiel:

Im Jahr 2001 gestand Lieberman, einem zwölfjährigen Jungen, der seinen Sohn angegriffen hatte, ins Gesicht geschlagen zu haben. Der Vorfall ereignete sich 1999 in der israelischen Siedlung Nodkim. Nachdem sein Sohn ihm von dem Angriff erzählt hatte, spürte Lieberman dem Jungen auf und schlug ihn. Er wurde wegen tätlichen Angriffs und Drohung schuldig gesprochen. Das ist Israel! Terroristen, die Juden niederstechen, Eltern vor ihren Kindern abschlachten und auf Straßen und in Synagogen Massaker veranstalten, werden in der Palästinensischen Autonomie nicht verurteilt, sondern als Helden gefeiert. Das ist der Unterschied!

Das Problem vieler selbsternannter Nahostexperten, auch bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten, besteht darin, dass sie bereits jauchzen, wenn ein Politiker in Gaza kein Hitler ist, sie aber garstig einen jüdischen Politiker in Israel in Grund und Boden kritisieren, wenn er kein Nathan der Weise ist.

Vor einiger Zeit habe ich Bekanntschaft mit einem rheinischen Lokalpolitiker gemacht, der ein typisches Beispiel der Gattung Nahostexperte ist. Sein Name ist Frieder Wolf. Er ist der Leiter des Kölner Büros für „Internationale Angelegenheiten“. Ja, Köln leistet sich einen eigenen Kölschen Außenminister. Frieder Wolf gibt an, sich für den christlich-jüdischen Dialog einzusetzen und besonders, so betont er, liege ihm der Frieden im Nahen Osten am Herzen.

Wie schön. Ein Beamter einer Stadt, in der es über 600 Jahre gedauert hat, einen Dom zu bauen, wo Kirchtürme wegsacken, Stadtarchive einstürzen und über Silvester stundenlang ein rechtsfreier Raum entstand, weil die Polizei nicht in der Lage war, die Grundrechte seiner Bürgerinnen zu garantieren, diese Stadt mit Baustellen an jeder Ecke möchte vom Rhein aus den Nahen Osten befrieden.

Der Regisseur und Autor Tuvia Tenenbom besuchte jüngst den kölschen Außenminister in seinem Büro, nachdem er sich als Mann vorgestellt hatte, der seine Aufgabe darin sähe, Juden zu retten. “Ein Judenretter”, dachte sich Tuvia und entschied: “Ich möchte sehen, wie das Büro eines städtisch angestellten Judenretters in Köln aussieht.”

Tuvia ging also ins Büro von Frieder Wolf und war überrascht über das Bild, das er prominent platziert im Büro des kölschen Außenministers vorfand: Frieder Wolf zusammen mit Mahmud Abbas von der Fatah, der im Juli 2013 diese Worte zu überwiegend ägyptischen Journalisten sprach:

“In einer endgültigen Lösung können wir nicht mal die Existenz eines einzelnen Israelis in unserem Land sehen, seien es nun Zivilisten oder Soldaten.”

Das erste Mal fiel mir der Kölsche Außenminister auf, als er in einer Diskussion zu einem Vortrag mit dem Titel “Wo Israel ist und wo Palästina? Der lange Weg zu einer Zwei-Staaten-Lösung aus israelischer Sicht” nicht vor einem Israel-Nazideutschland-Vergleich zurückschreckte und keinen Mucks von sich gab, als die Veranstaltung mit der Aussage einer jungen Frau endete, die ernsthaft anmerkte, dass sie angesichts des Verhaltens Israels den Hass gegen Juden und Israelis verstehen könne. In einer späteren Mail fragte ich ihn, wie es möglich sein kann, Friedensgespräche mit der Hamas zu fordern, im Wissen, dass die Hamas laut Artikel 7 der Hamas Charta alle Juden vernichten möchte und ein Minister der Hamas folgendes öffentlich erklärt:

„Juden sind fremdartige Bakterien, sie sind Mikroben ohne Beispiel auf dieser Welt. Möge Gott das schmutzige Volk der Juden vernichten, denn sie haben keine Religion und kein Gewissen! Ich verurteile jeden, der glaubt, eine normale Beziehung mit Juden sei möglich, jeden, der sich mit Juden zusammensetzt, jeden, der glaubt, Juden seien Menschen! Juden sind keine Menschen, sie sind kein Volk. Sie haben keine Religion, kein Gewissen, keine moralischen Werte!“

Darauf erwiderte der Kölsche Außenminister vom offiziellen Mailaccount der Stadt Köln aus, dass sich „Ekelhaftigkeiten“ auf beiden Seiten finden lassen:

„Gegenseitiges Misstrauen ist ein Teil des ungelösten Konflikts. Die Mehrheit der Israelis befürchtet, dass die Palästinenser und Araber alle Juden ins Meer treiben wollen, und die Mehrheit der Palästinenser befürchtet, dass aus Israel mehr und mehr Groß-Israel und die Westbank dem Stadt Israel einverleibt wird.“

Wenn ein Nahostexperten spricht, kann es richtig heiter werden. Nahostexperte Wolf zum Beispiel sagt, Israelis „befürchten“ nur, dass Palästinenser und Araber alle Juden ins Meer treiben wollen. Es klingt fast so als seien paranoiden Juden für ihn das Problem und nicht der Minister der Hamas, der genau diesen Vernichtungswunsch im Fernsehen erklärt hat oder der Mufti Muhammad Hussein, der von Mahmud Abbas persönlich zum “geistigen Führer der palästinensischen Autonomie” ernannt wurde und am Tag der 47-Jahr-Feier der Fatah folgende Worte in die jubelnde Menge sprach:

„Die Stunde der Auferstehung wird nicht kommen, solange wir die Juden nicht vernichtet haben. Die Juden werden sich hinter Steinen und Bäumen verstecken. Dann werden die Steine und Bäume zu uns rufen: ‚Oh Moslem, Diener Allahs, da versteckt sich ein Jude hinter mir, komm und töte ihn.'“

Der Kölsche Außenminister ist sich sicher, „Ekelhaftigen“ gibt es auf beiden Seiten:

„Äußerungen radikaler Siedler stehen denen von Hamas nicht nach. Beide sind ekelhaft und verabscheuungswürdig.“

Das ist der typische Taschenspielertrick selbsternannter Nahostexperten. Sie vergleichen politische Führungspersonen und religiöse Autoritäten auf der arabischen Seite mit radikalen Privatpersonen auf der israelischen Seite. Der Kölsche Außenminister führt aus:

„Ich verurteile Hasstiraden, Rassismus und ganz besonders Antisemitismus. Aber ich verurteile Rassismus auf beiden Seiten. Und das, was radikale Kräfte auf israelischer Seite äußern und bisweilen auch tun (siehe die wiederholten Übergriffe fanatisierter jüdischer Siedler gegen Palästinenser) ist ebenfalls blanker Rassismus. Wer nicht beides thematisiert, ergreift einseitig Partei. Das geschieht häufig in der Politik. Führt aber in die Sackgasse, in der der Nahe Osten seit Jahrzehnten steckt. Da mache ich nicht mit.“

Der Kölsche Außenminister behauptet zwar, ganz besonders den Antisemitismus zu verurteilen, als ich ihn aber mit blankem Judenhass auf arabischer Seite konfrontierte, da verurteilte er nicht sofort laut vernehmlich, sondern verwies auf angeblich ebenfalls gleichwertige „Ekelhaftigkeiten“ auf israelischer Seite. Das ist kein Verurteilen, das ist Relativieren und Verharmlosen!

Es ist so, als verwiese ein Mann, der um eine Stellungnahme zu dem Judenhass von Goebbels befragt wird, auf den Umstand, dass es auch unter Juden Kriminelle gäbe, um dann etwas von „graduellen Unterschieden“ zu faseln. Wenn man mit blankem Judenhass konfrontiert wird, muss man nicht Übergriffe jüdischer Siedler thematisieren, denn das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun! Antisemitismus ist unabhängig vom Verhalten von Juden. Ich zitiere einen arabischen Prediger:

„Überließen uns die Juden Palästina, würden wir dann beginnen, sie zu lieben? Natürlich nicht! Wir werden sie niemals lieben. Absolut nicht! (…) Dein Glaube bezüglich der Juden soll sein, erstens, dass sie Ungläubige sind und zweitens, dass sie Feinde sind! Und sie sind nicht nur Feinde, weil sie Palästina besetzt halten. Sie wären auch unsere Feinde, wenn sie niemals irgendetwas besetzt hätten!“

Für die meisten Nahostexperten reicht es, wenn sich Palästinenser menschlich verhalten. Israelis aber müssen Heilige sein. Genau diese Haltung, von Juden mehr zu verlangen als vom Rest der Welt, ist klassischer Judenhass. Der Kölsche Außenminister verlangt von Israel nicht nur, es besser zu machen als alle andere, Israel muss perfekt sein, schließlich ist Israel der Jude unter den Staaten.

„Graduelle Unterschiede“ nennt es der Kölsche Außenminister. Ich nenne es Judenhass. Wer Juden etwas übel nimmt, das er Nichtjuden nicht übelnimmt, ist ein Antisemit.

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Die besten feministischen Texte – Tapfer im Nirgendwo

Am 12. November 1918 erging der Aufruf vom Rat der Volksbeauftragten an das Deutsche Volk, dass alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht für alle mindestens zwanzig Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen seien. Dieser Tag ist die Geburtsstunde des Frauenwahlrechts in Deutschland. Darum präsentiert Tapfer im Nirgendwo heute die besten feministischen Texte von Gerd Buurmann:

Ärzte in Grenzen – 14. August 2010:

Tankred Stöbe, der Präsident des deutschen Zweigs der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ hat in einem Gespräch über das Engagement seines Hilfswerk in den Überschwemmungsgebieten im islamischen Pakistan gesagt, es sei selbstverständlich, dass seine Kolleginnen in Pakistan Kopftücher trügen, um auch von der Bevölkerung akzeptiert zu werden. Zudem würden Frauen in Pakistan nur von Ärztinnen behandelt. Der Respekt vor der Kultur gehe sogar soweit, dass eine Frau gar nicht behandelt werde, so dies der Ehemann wünscht.

Frauenparkplätze – 28. September 2011

Warum diskutieren wir eigentlich das Für und Wider der Frauenquote, wenn es doch Gesellschaften auf der Welt gibt, in denen nur die Männerquote herrscht? Solange ich in einer Welt lebe, in der Frauen das Wirken in gewissen Bereichen verboten wird, ist nicht die Existenz der Frauenquote (50% den Männern) das Problem, sondern die Existenz der Männerquote (100% den Männern).

An die Frauen des arabischen Frühlings – 2. Februar 2012

„Frauen der Arabischen Revolution, hier beginnt die Verhüllung des Grausigen durch wohl klingende Worte, wie wir sie aus allen Gewaltregimen kennen. Sie reden von schnellen Prozessen, aber meinen den kurzen Prozeß! Sie reden von Tugend, aber meinen das Schafott! Sie reden von Demokratie, aber meinen den Terror. Auf die Französische Revolution folgte eine Schreckensherrschaft wie auf die Iranische Revolution Ende des 20. Jahrhunderts die Islamische Diktatur folgte. Robespierre verpackte seine Grausamkeiten in schöne Worte. Die Schreckensherrschaften Eurer Revolution süßen ihre Grausamkeiten mit der Natur und Allah. Sie verhüllen Ihre Absichten, so wie sie Euch unter Stoff zu verhüllen suchen.“

Ein olympischer Vorschlag – 29. Juli 1012

Selbst wenn es nur eine Frau gibt, die besser sein kann als der beste Mann, so hat sie dennoch das Recht, gegen Männer anzutreten und, statt auf ihre vermeintliche Natur reduziert, auf ihr offensichtliches Talent konzentriert zu werden. Wenn Frauen wirklich nicht so gute Leistung bringen können sollen wie Männer, dann gibt es keinen Grund, dass gemeinsame Kräftemessen zu verbieten. Etwas das nicht gebrochen werden kann, braucht nicht verboten werden. Nur Machbares wird verboten! Keiner Frau darf es verboten werden, gegen Männer anzutreten.“

Es geht um die Quote – 18. April 2013

„Die überwiegende Mehrheit der Männer in Spitzenpositionen scheint sich damit abgefunden zu haben, dass sie ihre Stellung allein ihrem Geschlecht verdanken. Ich finde eine solche Haltung mehr als unmännlich. Diese Männerquote ist eine Infragestellung der Qualifaktionen des Mannes schlechthin. Daher muss diese Quote einfach weg!“ 

Frauen unerwünscht – 7. Juni 2013

„Für eine gewisse Menschengruppe gibt es in Deutschland überall No-Go-Areas: Frauen! In jeder Stadt gibt es Parks, Straßen, Viertel, wo eine Frau, die dort alleine spazieren geht, Ängste verspürt, die ich als Mann nicht kenne. Übergriffe gegen Frauen passieren täglich und reichen von Beleidigungen über Missbrauch bis Vergewaltigung und Mord. Was manchen Menschen in Deutschland an Hass entgegengebracht wird wegen ihrer Hautfarbe kennt jede Frau. Bei ihr ist es nur das Geschlecht.

Menschenrechte nicht für Frauen – 19. Juni 2013

Man mag mich für radikal halten, aber ein Kandidat, der als gemäßigt bezeichnet wird, sollte doch bitte nicht über 50 Prozent des erwachsenen Volkes elementare Menschenrechte verweigern. Ein Kandidat, der das Wort „Reform“ verdient, muss allen Menschen Menschenrechte garantieren. Auch für JournalistInnen sollte diese Sprachregelung gelten.

Küssen verboten – 16. Dezember 2013

„Die Prinzessin hat den Frosch nicht geküsst! Sie hat den Frosch an die Wand geworfen! Eine Frau muss nämlich nie und nimmer und unter keinen Umständen mit jemandem ins Bett, wenn sie nicht will. Ein Widerling ändert sich nicht, wenn man ihn küsst. Ein Widerling gehört an die Wand geklatscht!“

Gegen die Natur – 24. November 2014

„Recep Tayyip Erdogan hält die Gleichberechtigung von Mann und Frau für keine gute Idee. Er sagt: Man kann Frauen und Männer nicht gleichstellen. Das ist gegen die Natur!“

Schlag Sie! – 14. Februar 2015

„Die Jungs nehmen das Mädchen nicht ernst! Sie haben schlicht keinen Respekt und keine Furcht vor Martina, weil sie ein Mädchen ist! Männer, die Frauen nicht schlagen, weil sie Frauen sind, tendieren eher dazu, Frauen zu schlagen! Die Abneigung dieser Männer, Frauen zu schlagen, entspringt lediglich ihrem verqueren Bild von Frauen als Objekt, als schönes Etwas, das man nicht einfach so ohne Grund kaputt machen darf. Was aber, wenn ein Mann plötzlich Gründe sieht?“ 

Wie lange noch? – 13. April 2015

Fünfzig Jahre liegen somit zwischen dem ersten schwarzen Mann, der in Amerika wählen durfte und der ersten Frau, die in Amerika wählen durfte. Frauen wurden in den USA deutlich länger ihrer Rechte beraubt als schwarze Männer.

Die ungehaltene Rede – 6. Februar 2016

„Oft bin ich für meinen Ausspruch mit der Armlänge gescholten worden. Jetzt aber weiß ich, wie wir das Problem mit der Gewalt gegen Frauen am besten lösen können. Wir machen es einfach wie die Roten Funken und lassen keine Frauen rein! Wo keine Frauen, da auch kein Angriff auf Frauen!

Bauer wird Frau – 10. Februar 2016

„Der Bauer im Kölner Dreigestirn soll fürderhin von einer Frau dargestellt werden. Das ist Emanzipation, wie man sie von Köln erwartet und ist eine würdige und überfällige Anerkennung der Frauen in der Geschichte Kölns!“

4 Stunden und 38 Minuten – 11 März 2016

„In der schwedischen Stadt Östersund rät die Polizei Frauen, nach Einbruch der Dunkelheit nicht alleine auf die Straße zu gehen, um nicht von einer „Welle der Gewalt gegen Frauen“ erfasst zu werden. Am 21. Dezember wird die Sonne in Östersund um 9:40 Uhr aufgehen und um 14:18 Uhr schon wieder untergehen. Das sind also nur 4 Stunden und 38 Minuten, in denen die Frauen von Östersund relativ sicher sind.“

Frauenhass beim Frauenmarsch – 5. Februar 2017

Ayaan Hirsi Ali ist eine amerikanische Politikwissenschaftlerin und Feministin somalischer Herkunft. Sie ist eine der bekanntesten Kritikerinnen des Islams. Im Alter von fünf Jahren wurde ihre Vagina auf Veranlassung ihrer Großmutter verstümmelt. Knapp vierzig Jahre nach dieser Barbarei wurde am 8. März 2011 der Wunsch ausgesprochen, ihre ganze Vagina möge entfernt werden.“

Verfickt nochmal, ich hab‘ Respekt vor Pilz – 13. April 2017

Ich kann gar nicht in Worte fassen, was für einen Respekt ich vor Pilz habe. Ich kannte diese Frau bis gestern nicht. Das hat sich jetzt geändert. Aber massiv! An alle, die wie ich mit Worten arbeiten, mögt Ihr nun Slam Poeten, Stand up Comedians, Rapperinnen, Schriftsteller oder Dichterinnen sein: Diese Frau killt uns alle!

Gedanken zum Kopftuch – 9. August 2017

Es gibt viele Gründe, ein Kopftuch zu tragen. Bei gewissen Wetterlagen zum Beispiel kann ein Kopftuch sehr hilfreich sein. Es ist nicht wichtig, was auf dem Kopf ist, sondern was in dem Kopf ist. Wenn sich aber eine Frau verhüllt und dies mit einem unsichtbaren Freund begründet, der einem männlichen Feldherren vor eineinhalb Jahrtausenden gesagt haben soll, wie sich Frauen von heute anzuziehen haben, dann ist meiner bescheidenen Meinung nach noch viel Platz in diesem Kopf frei.

Ohne Frauen für Deutschland – 11. Oktober 2017

Ohne Frauen für Deutschland! Eine patriotische Geschlechtertrennung! Das ist mal ein klares und bedingungsloses Bekenntnis für Deutschlands Grundwerte. Bravourös! Lediglich ein feierliches Verbrennen des Grundgesetzes wäre ein noch deutlicheres Zeichen gewesen!

#metoo – 17. Oktober 2017

„Oft werde ich gefragt, woher ich die Zeit und Kraft nehme, über all die Dinge zu sprechen, die hier auf Tapfer im Nirgendwo Thema sind. Die Antwort ist ganz einfach: Es bedarf deutlich mehr Zeit und Kraft, um zu schweigen!

Ein kleines Rätsel – 14. März 2018

Ich als Mann kann nicht nachempfinden, was es bedeutet, in einer Sprache denken zu müssen, die mich ständig vor Identitätskrisen stellt. 

Die Wa(h)re Frau – 19. Mai 2018

„Es gibt nur einen Weg heraus aus diesem Dilemma. Bedingungslose Emanzipation der Frau! Eine Frau im Westen darf so natürlich ein Kopftuch tragen, wie eine Frau in der islamischen Welt sagen können muss: „Fick Dich Mohamed, ich zieh mich an, wie es mir gefällt. Dein islamischer Scheiß geht mir am Arsch vorbei!“ Und ja, jede Frau darf so reden!“

Sexistische Terroranschläge – 15. Juni 2018

„Zu der größten Opfergruppe religiöser Extremisten gehören Frauen. Immer wieder werden Frauen Opfer religiöser Extremisten, so wie Ausländer Opfer von Rassisten werden. Es wird Zeit, dass wir Morde an Frauen, die von Menschen begangen werden, die glauben, dadurch einer religiös definierten Ehre zu genügen, als das bezeichnen, was sie sind: Sexistische Terroranschläge!“

Runter damit, heute tue ich, was ich will! – 5. August 2018

„Im 18. und 19. Jahrhundert skandierten Frauen an Wieverfastelovend, dem letzten Donnerstag vor Aschermittwoch, um genau zwölf Uhr mittags auf dem Alter Markt den Schlachtruf „Mötzenbestot“, was in etwa soviel bedeutete wie: „Runter damit, heute tue ich, was ich will.“ Dabei rissen sie sich ihre Bedeckungen vom Kopf. Der Brauch rührt daher, dass am Rhein noch bis ins 19. Jahrhundert für Frauen ein Zwang zur Kopfbedeckung bestand.

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„Mehr Stolz, Ihr Frauen! Der Stolze kann missfallen, aber man verachtet ihn nicht. Nur auf den Nacken, der sich beugt, tritt der Fuß des vermeintlichen Herrn.“ (Hedwig Dohm)

Am 11. Februar 2006 standen Isabel Rohner, Nikola Müller und ich erstmals mit unserem Programm „Mehr Stolz, Ihr Frauen!“ auf einer Bühne. Es war das Theater La Carina von Burkhard Schmiester in Köln. Das Programm ist eine Mischung aus Lesung, Kabarett und Show, in dem die wunderbare Hedwig Dohm geehrt und gefeiert wird.

Das Programm entwickelte sich schnell zu einem wahren Erfolgsformat. Mittlerweile touren wir ununterbrochen durch ganz Deutschland. Die Presse schreibt:

„Wenn das Nummerngirl ein Mann ist: Emanzipatorische Literatur muss keineswegs staubtrocken und klagend sein, sie kann vor Humor und Ironie nur so triefen. Nikola Müller, Isabel Rohner und Gerd Buurmann lasen unter dem Titel „Mehr Stolz, ihr Frauen!“ aus Texten von Hedwig Dohm, die bereits 1873 das Stimmrecht für Frauen forderte – und für die völlige rechtliche, soziale und ökonomische Gleichberechtigung der Geschlechter eintrat.“ (Pinneberger Tageblatt)

„Nikola Müller und Isabel Rohner, die Herausgeberinnen des Buchs „Hedwig Dohm – Ausgewählte Texte“, zelebrieren mit dem Schauspieler Gerd Buurmann die intellektuellen Spitzen einer großen Denkerin.“ (Hamburger Abendblatt)

„In einer hervorragend inszenierten und zum Teil irrsinnig komischen Lesung gab das Dohm-Trio (…) Kostproben der Dohm’schen Texte zum Besten. Das Trio erntete immer wieder Szenenapplaus – der einerseits den großartigen polemischen Textpassagen Hedwig Dohms galt, andererseits aber auch der beeindruckenden Vortragsweise.“ (Kreiszeitung Wesermarsch)

„Nikola Müller, Isabel Rohner und Schauspieler Gerd Buurmann setzten das Leben der Querdenkerin in Szene. Von einer „trockenen Geschichtsstunde“ konnte hier aber keinesfalls die Rede sein. Besonders der oft polemische Schreibstil von Hedwig Dohm wurde in den szenischen Einlagen des fröhlichen Trios deutlich.“ (WAZ)

„Leidenschaftlich bieten Buurmann, Müller und Rohner mit ihrer Femmage ein wunderbares „Best of“ der Dohm dar. Zitate und Ausschnitte der Dohmschen Werke, mal mit Biographischem unterbaut, mal mit Historischem, werden mal leise, mal laut in Szene gesetzt, mal präsentieren sich die drei im Stile eines literarischen Terzetts, bei dem Buurmann die Herausgeberinnen charmant befragt, mal echauffiert sich Buurmann in der Rolle eines Antifeministen im Gespräch mit der Dohm.“ (Neon)

„Gelungener Feldzug für eine Visionärin.“ (Nordwestzeitung)

„Mit dem Schauspieler Gerd Buurmann touren die beiden Expertinnen mit ihrer geistreichen «Femmage» durch die Lande, um der 1831 geborenen Großmutter von Thomas-Mann-Gattin Katja 90 Jahre nach ihrem Tod zur Wiederentdeckung zu verhelfen. Wirksamstes Mittel: Dohms eigene Essays, Feuilletons und Romane, die den Antifeminismus der bürgerlichen Gesellschaft im 19. und frühen 20. Jahrhundert mit spitzester Feder – und teilweise auch selbstironisch – aufs Korn nehmen.“ (Frankfurter Neue Presse)

Die nächsten Termine finden Sie hier: TERMINE

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Heute feiern wir 100 Jahre Demokratie

Am 12. November 1918 erging folgender Aufruf an das Deutsche Volk vom Rat der Volksbeauftragten:

“Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen.“

Dieser Tag ist die Geburtsstunde des Frauenwahlrechts und somit der Beginn der Demokratie in Deutschland. Von einer Demokratie kann schließlich nicht gesprochen werden, wenn über die Hälfte der Bevölkerung nicht wählen darf.

Am 30. November 1918 trat das Reichswahlgesetz mit dem allgemeinen aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen in Kraft. Am 19. Januar 1919 konnten Frauen daraufhin zum ersten Mal in Deutschland wählen und gewählt werden.

Der Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter ist eine der größten Revolutionen, die die Menschheit je erlebt hat. Es ist eine Revolution, die es ermöglicht hat, dass die ganze Bevölkerung die Grundrechte erhielt, die uns heute selbstverständlicher Teil unserer Demokratie scheinen. Die Frauen und Männer, die für dieses Recht gekämpft haben, waren Heldinnen und Helden, die nicht selten staatlicher Repression und sogar politischer Verfolgung ausgesetzt waren.

Die Aufklärung beginnt mit der Gewissheit, dass alle Menschen in ihren Rechten gleich geschaffen sind. Die großartige Schriftstellerin Hedwig Dohm, die ihr Leben lang für das Frauenwahlrecht gekämpft hatte und am 19. Januar 1919 in hohen Jahren und kurz vor ihrem Tod das erste Mal wählen durfte, hat es auf folgende einfache Formel gebracht:

“Die Menschenrechte haben kein Geschlecht!“

In Frankreich wird die französische Revolution am 14. Juli gefeiert. In den Vereinigten Staaten von Amerika wird die Unabhängigkeit am 4. Juli gefeiert. Die Reformation des Christentums wird am 31. Oktober gefeiert. Die feministische Revolution in Deutschland sollte ebenfalls einen Feiertag bekommen!

Frauen waren in Europa noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts nicht im Besitz der Menschenrechte. Sie durften in Frankreich und den USA nicht wählen, obwohl bereits ehemalige männliche Sklaven das Wahlrecht hatten. Die Tore der höheren Bildung waren ihnen verschlossen und ökonomisch wurden sie brutal ausgebeutet.

Frauen waren Sklaven.

Noch heute werden Frauen an vielen Orten der Welt brutal unterdrückt. Sie werden gesteinigt und in Gefängnisse gesperrt. Einige sind aus Stein, andere aus Stoff.

Was Frauen erleben und erleben mussten, aber auch was sie erkämpft und erreicht haben, nämlich die Freiheit für sich und alle Menschen, stellt alles davor Dagewesene in den Schatten. Die Revolution der Frauen hat mehr Menschen befreit als die französische Revolution oder die amerikanische Revolution, die lediglich weniger als die Hälfte der Bevölkerung befreit hatten.

Wären die Heldinnen der feministischen Revolution Männer gewesen, stünden heute überall Statuen dieser Helden herum, Jungs und Mädchen könnten aus dem Stand ein paar Namen der Revolution nennen und sie würden sich stolz als Suffragetten verkleiden. Die Schriftstellerin Rebecca West sagte einst:

„Ich selbst habe es nie geschafft, genau herauszufinden, was Feminismus ist. Ich weiß nur, dass ich immer dann als Feministin bezeichnet werde, wenn ich Gefühle zum Ausdruck bringe, die mich von einer Fußmatte unterscheiden.“

Das Wort „Feminist“ ist ein Kompliment.

Nennt mich einen Feministen! Es macht mich stolz, Feminist genannt zu werden, denn Marie le Jars de Gournay war eine Feministin. Im Jahr 1622 veröffentlichte sie das Werk „Über die Gleichheit“ und argumentiert dort, dass alle Menschen ungeachtet der Herkunft und des Geschlechts vernunftsbegabte Wesen sind und daher gleich an Rechten und Pflichten:

„Genau genommen ist das menschliche Wesen übrigens weder männlich noch weiblich: das unterschiedliche Geschlecht ist nicht dazu da, einen Unterschied in der Ausprägung herauszubilden, sondern es dient lediglich der Fortpflanzung. Das einzige wesenhafte Merkmal besteht in der vernunftbegabten Seele. Und wenn es erlaubt ist, beiläufig einen kleinen Scherz zu machen, dann wäre hier wohl jene anzügliche Bemerkung nicht unpassend, die besagt: nichts ähnelt dem Kater auf einer Fensterbank mehr als – die Katze. Der Mensch wurde sowohl als Mann wie Frau geschaffen. Männer und Frauen sind eins.“

Hundert Jahre später widersprach der Humanist Rousseau dieser Auffassung und erklärte statt der feministischen Menschenrechte Gournays die humanistischen Männerrechte. Zu keiner Zeit war die Hauptströmung des Feminismus von dem Gedanken geprägt, Männer seien den Frauen untergeordnet. Dem Humanismus jedoch hingen nicht selten führende Philosophen an, die Frauen den Männern unterstellten. Es sind daher die Humanisten, die sich schämen sollten, nicht die Feministinnen!

Feministinnen kämpften stets für die Gleichberechtigung aller Menschen. Die führenden Köpfe im Kampf gegen die Sklaverei waren nicht selten Frauen: Aphra Behn (17. Jahrhundert, England), Olympe de Gouges (18. Jahrhundert, Frankreich), Mathilde Franziska Anneke (19. Jahrhundert, USA). Die Amerikanische Revolution und die Englische Revolution befreiten jeweils nur Männer. Die Suffragettenbewegung jedoch befreite im 20. Jahrhundert alle Menschen und ist somit die erfolgreichste Revolution der Menschenheitsgeschichte, deutlich erfolgreicher als die Französische Revolution, die im Terror endete und Frauen ihre Rechte absprach.

Olympe de Gouges lebte während der Französischen Revolution. Sie stellte die Vernunft in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung und und widersprach dem Terror:

„Die Sturmglocke der Vernunft ist im ganzen Universum zu hören; erkennt eure Rechte! Das gewaltige Reich der Natur ist nicht mehr umlagert von Vorurteilen, Fanatismus, Aberglaube und Lügen. Die Fackel der Wahrheit hat alle Wolken der Dummheit und Anmaßung zerstreut. Der versklavte Mann hat zwar seine Kräfte vervielfacht, aber er hat der eurigen bedurft, um seine Ketten zu sprengen. Kaum in Freiheit versetzt, ist er nun selbst ungerecht geworden gegen seine Gefährtin. O Frauen! Frauen, wann wird eure Verblendung ein Ende haben? Was sind denn die Vorteile, die euch aus der Revolution erwachsen sind? Ihr werdet noch mehr verachtet, noch offener verhöhnt.“

Erklärte noch im 17. Jahrhundert die Philosophin Marie les Jars de Gournay die Gleichheit von Männern und Frauen (1622), erklärten die Sieger der Französischen Revolution kurzerhand die Männer- und Bürgerrechte (1789), oft fälschlicherweise als Menschen- und Bürgerrechte übersetzt, obwohl Frauen dezidiert nicht mit „des hommes“ gemeint waren, was Oylmpe de Gouges in ihrer Antwort „Die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ auch offen kritisierte.

„Fürchtet ihr, dass unsere französischen Gesetzgeber – Richter über jene Moral, die sich lange Zeit in der Politik eingenistet hat, nun aber überlebt ist – es euch wiederholen: „Frauen, was habt ihr mit uns gemein?“ „Alles“, werdet ihr zu entgegnen haben. Und wenn sie sich in ihrer Schwäche darauf versteifen, mit ihren eigenen Prinzipien in Widerspruch zu geraten, dann setzt beherzt die Macht der Vernunft ihren eitlen Anmaßungen entgegen, euch überlegen zu sein (…) Die Frau hat das Recht das Schafott zu besteigen; sie muss gleichermassen das Recht haben, die Tribüne zu besteigen!“

Während Olympe de Gouges für die Menschenrechte stritt und das Recht eines jeden Menschen auf einen fairen Prozeß verteidigte, erklärten die männlichen Sieger der Revolution den Terror. Obwohl Olympe de Gouges eine blühende Republikanerin war und in dem König einen Feind der Demokratie sah, kämpfte sie für einen fairen Prozeß des Königs, weil für sie Menschenrechte unveräußerlich waren, selbst für die größten Feinde. Für Olympe de Gouges sollte die Vernunft herrschen. Die Sieger der Revolution sahen das anders. Am 17. Januar 1794 erklärte Maximilien Robespierre den Sieg der „Natur“ über die Vernunft:

„Wenn man vorschlägt, Ludwig XVI. den Prozeß zu machen, so stellt man die Revolution in Frage. Kann er gerichtet werden, so kann er freigesprochen werden, kann er freigesprochen werden, so kann er unschuldig sein. Ist er aber unschuldig, was wird aus der Revolution? (…) Wie könnte der Tyrann den gesellschaftlichen Pakt für sich anrufen? Er hat ihn vernichtet! Welche Gesetze sind an seine Stelle getreten? Die Gesetze der Natur: das Volkswohl.“

Olympe de Gouges jedoch verteidigte die Gesetze der Vernunft und landete dafür auf dem Schafott. Am 3. November 1793 wurde sie hingerichtet. Ihr Vergehen: Sie hatte sich den „Gesetzen der Natur“ widersetzt. Sie wusste warum. Wenn die Mächtigen krank werden, wollen sie nicht, dass die Natur herrscht, sondern sie verlangen nach der Vernunft des Arztes, wenn ihnen Unrecht widerfährt, wollen sie nicht, dass die Natur herrscht, sondern sie rufen nach der Vernunft des Richters, wenn sie aber unterdrücken wollen, dann holen sie schnell die Natur aus der Kiste und dann gibt es auf einmal die Natur der Frau, des Juden oder des Schwarzen und die Mächtigen tun so, als wüssten sie genau, was die Natur will, ganz so als hätten sie erst letzten Sonntag mit Mutter Natur Kaffee getrunken. Hedwig Dohm jedoch argumentierte:

„Wie der Mensch sich seinen Gott nach seinem Ebenbild schafft, so legt ein jeder seine Anschauungen der Natur in den Mund. Eine Byzantinerin ist die Natur, redet dem, der gerade die Macht hat, zu Munde, oder gibt wenigstens immer die Antwort, die der Fragende erwartet. Was ist natürlich, was unnatürlich? Die meisten geistigen Errungenschaften sind Einbrüche in vermeintliche Naturgesetze. Das scheinen die Antifeministen selbst zu bestätigen, wenn sie sagen: „Wir müssen auf der Änderung dieser verkehrten Welt bestehen.“ Recht haben sie. Wir bestehen ja auch darauf. Nur wollen sie, dass die Welt wieder so werde, wie sie einstmal war, wir aber wollen, dass sie werde, wie sie noch niemals war. Und sage nicht, es muss so sein, weil es niemals anders war. Unmöglichkeiten sind Ausflüchte steriler Gehirne. Schaffe Möglichkeiten!“

Hedwig Dohm sagte:

„Mehr Stolz, Ihr Frauen, der Stolze kann missfallen, aber man verachtet ihn nicht. Nur auf den Nacken der sich beugt, tritt der Fuß des vermeintlichen Herrn!“

Die Namen:

Harriet Tubman
Marie de Gournay
Hrotsvit
Olympe de Gouges
Aphra Behn
Rosa Parks
Ada Lovelace
Hedwig Dohm
Adelheid von Burgund
Hildegard von Bingen
Marie Curie
Aspasia

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Der 11. November 2018 ist nicht nur Karneval

Als ich vor einigen Jahren vor dem Kölner Karneval flüchtete, fuhr ich mit meiner Frau und unserem Hund durch die Normandie im Norden Frankreichs. Wir kamen an einer Vielzahl Soldatendenkmäler vorbei.

In Frankreich ist die Erinnerung an die Brutalität des Großen Krieges von 1914 bis 1918, der später als 1. Weltkrieg bezeichnet wurde, weil ein zweiter folgen sollte, allgegenwärtig. Sowohl in Frankreich als auch im Vereinigten Königreich, in den USA, in Kanada, Belgien, Australien, Neuseeland und vielen weiteren Ländern wird am 11. November an den Krieg und die Opfer gedacht.

Am Ende des Ersten Weltkrieges legte der Waffenstillstand von Compiègne fest, dass alle Kriegshandlungen am „Elften Tag des elften Monats um elf Uhr“ enden sollten. Diesem Ereignis wird in vielen Ländern alljährlich am 11. November als Veteranentag gedacht. In einigen Ländern werden in Erinnerung an den Waffenstillstand sogar zwei Schweigeminuten gehalten.

In Deutschland wird der 11. November anders begangen. Am Elften im Elften um Elf Uhr Elf beginnt in vielen närrischen Hochburgen Deutschlands der Karneval. Im Jahr 2018 wird der 11. November jedoch auch für das Ende des 1. Weltkrieges vor exakt hundert Jahren stehen. Auch wenn der Karneval eine freudige und ausgelassene Angelegenheit ist, sollten selbst die närrischen Gebiete Deutschland an diesem Tag auch den Opfern des Großen Kriegs gedenken.

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