Gregor Gysi und der Ruf der Juden

Der Bundestagsabgeordnete Gregor Gysi (Die Linke) hĂ€ngt dem Irrglauben an, Juden könnten durch ihr Verhalten Judenhass mindern. Damit offenbart er, das Wesen des Judenhass‘ nicht verstanden zu haben.

Auf Twitter schreibt Gregor Gysi: „Der Ruf von Israel wird bei Realisierung der AnnexionsplĂ€ne weltweit deutlich negativer. Das trifft auch ĂŒberall JĂŒdinnen und Juden. Weder sie noch Israel werden dadurch sicherer, im Gegenteil.“

Dieser Kommentar ist vollkommen meschugge!

Egal, was Juden tun oder lassen, Judenhasser hassen Juden. Sie hassen Juden, weil sie leben. Es gibt nichts, was Juden tun können, um diesen ressentimentgeladenen Ruf zu verbessern. Juden können sich lediglich vor diesem Ruf schĂŒtzen und sich gegen die daraus entstehenden Gewalttaten wehren. Genau diese Wehrhaftigkeit der Juden mögen Judenhasser nicht und kritisieren sie.

Der Konflikt im Nahen Osten eskaliert, weil Juden sich wehren. Eine Situation eskaliert immer erst dann fĂŒr beide Seiten, wenn sich die eine Seite dagegen wehrt, von der anderen Seite ausgerottet zu werden. Deeskalation heißt fĂŒr Israel, aufhören, sich zu verteidigen, aufhören zu sein, aufhören, Gebiete zu befreien, von denen aus sie angegriffen werden. Eskalation heißt, gegen die Vernichtung zu kĂ€mpfen. Eskalation heißt zu leben.

Solange der Konflikt eskaliert, existiert Israel. Solange Israel existiert, können Juden sich verteidigen. Solange Juden sich verteidigen können, leben sie. Wenn dadurch der Ruf von Juden leidet, bin ich mir sicher, dass Juden mit diesem schlechten Ruf leben können. Schließlich bin auch ich lieber ungeliebt und lebendig als beliebt und tot.

Es gibt allerdings einen Weg, wie die Eskalation zu verhindern ist: Der Hass auf Israel muss ein Ende haben.

Warum also kĂŒmmert sich Gregor Gysi nicht lieber um die Menschen, die hassen, als sich um den Ruf derer zu sorgen, die gehasst werden?

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DefĂ€kiere auf Political Correctness!

Da Facebook mit der originalen Überschrift dieses Artikels ein Problem hat, prĂ€sentiert Tapfer im Nirgendwo hier eine nicht vulgĂ€re Version.

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Mein Kollege und Freund ÖzgĂŒr Cebe hat mich in seinem Vlog zitiert. Ich möchte ihm antworten.

Lieber ÖzgĂŒr,

erst einmal vielen Dank, dass Du aus meinem Artikel „Ein radikales PlĂ€doyer fĂŒr Meinungsfreiheit“ zitiert hast. Wie Du Dir denken kannst, habe ich einige kritische Anmerkungen. Du sagst: „Wenn es meine Absicht ist, eine Minderheit herabzusetzen, wie es die Rassisten tun, dann ist die Intention keine gute.“

Neonazis sind in Deutschland zur Zeit eine Minderheit. Du setzt sie in Deinem Video herab. SelbstverstÀndlich hast Du das Recht dazu. Ist Deine Intention jetzt etwa keine gute? Wenn Du Deine eigene Philosophie zugrunde legst, dann nicht.

Meinungsfreiheit schließt auch die Hassrede mit ein. Es ist die exakte Definition von Meinungsfreiheit, dass auch falsche Meinungen geĂ€ußert werden dĂŒrfen. WĂŒrden alle immer nur das Richtige sagen, brĂ€uchte es keine Meinungsfreiheit. Es gibt auch kein Zuviel an Meinungsfreiheit. Entweder gibt es Meinungsfreiheit oder es gibt sie nicht. So einfach ist das!

Jeder Mensch hasst irgendwas. Wem ist daher geholfen, wenn die Artikulation des Hasses verboten wird?

Aus Worten werden Taten. Das stimmt. Aber Worte mĂŒssen nicht gesprochen werden, um zu Taten zu werden. Es reicht, wenn sie gedacht werden. Daher bringt es gar nichts, Taten dadurch verhindern zu wollen, dass man die Artikulation der Worte verbietet. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Wer die Artikulation von gewissen Worten verbietet, verhindert dadurch nicht, dass die Worte zu Taten werden. Er verhindert jedoch, dass die Tat rechtzeitig erkannt und gebannt werden kann. Meinungsfreiheit ist ein prĂ€ventiver Schutzmechanismus. Meinungsfreiheit nutzt dem Gehassten immer mehr als dem Hassenden.

Andere Meinungen auszuklammern, ist so effektiv wie das kleine Kind, das sich die HĂ€nde vor die Augen hĂ€lt und glaubt, so sei die Gefahr verschwunden. Internetseiten zu löschen, im Glauben, man wĂŒrde dadurch etwas verhindern, ist so produktiv, wie BĂŒcher zu verbrennen.

Lieber ÖzgĂŒr,

Du sagst: „Political Correctness bedeutet fĂŒr mich Anstand, Respekt und Höflichkeit.“

Das hast Du sehr schön gesagt. Anstand, Respekt und Höflichkeit, wer kann schon dagegen sein? Weißt Du, was noch sehr schön klingt? Das hier:

„Militaristische und revanchistische Propaganda in jeder Form, Kriegshetze und Bekundung von Glaubens-, Rassen- und Völkerhass werden als Verbrechen geahndet.“

Klingt gut, oder? Wer kann da schon widersprechen? Wer ist schon ein Freund von Kriegshetze und Rassismus? Es ist doch gut, wenn all das verboten ist. Es gibt nur ein Problem: Der zitierte Absatz fand sich an fĂŒnfter Stelle des sechsten Artikels der Verfassung der DDR. Es war genau dieser Absatz, mit dem Kritikerinnen und Kritiker des Regimes in Knast und Folter gesperrt wurden.

So verfĂŒhrerisch der Absatz klingt, die Antwort auf die Artikulation von extremen Positionen darf nicht ein staatliches Verbot sein. Wie Du bin ich fĂŒr Anstand, Respekt und Höflichkeit. Es ist unschön, ĂŒber andere Menschen schlecht zu reden. Aber nicht alle Menschen ticken so wie Du und ich.

Dennoch möchte ich einem Staat nicht die Macht geben, ĂŒber die Sprache zu regieren. Der Staat ist nĂ€mlich bewaffnet. Das letzte Mittel jeder staatlichen Forderung ist die Gewalt. Am logischen Ende jeder staatlichen Forderung befindet sich die Waffe.

Ich finde den Gedanken unertrĂ€glich, dass der Staat mit gezogener Waffe einem Menschen befehlen darf, was er sagen soll oder wozu er zu schweigen. Ich finde diesen Gedanken deshalb unertrĂ€glich, weil ich weiß, dass in einer Demokratie immer auch mal mein politischer Gegner an die Macht kommt. Daher beurteile ich jedes Gesetz nach diesem Prinzip: Kann ich bei diesem Gesetz wollen, dass meine politischen Gegner an die Macht kommen? Wenn ich das nicht kann, stimmt etwas mit dem Gesetz nicht.

Lieber ÖzgĂŒr,

Du sagst: „Aber das merkwĂŒrdige ist, dass Rassisten, Rechte und Populisten sich selbst nicht als solche wahrnehmen.“

Das liegt manchmal daran, dass sie keine Rassisten, Rechte oder Populisten sind, sondern zu solchen Unmenschen erklÀrt wurden. Die haben lediglich eine andere Meinung. Nicht jeder ist das, wozu Du ihn erklÀrst.

FĂŒr die Schergen der DDR zum Beispiel waren Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Schmidt Faschisten. In der DDR wurden Menschen in GefĂ€ngnisse gesteckt und gefoltert, weil sie zu Rechten, Faschisten und westlichen Populisten erklĂ€rt wurden. Um Gewalt gegen Menschen rechtfertigen zu können, mĂŒssen sie zunĂ€chst entmenschlicht werden. Diese Entmenschlichung findet statt, wenn Menschen in eine böse politische Ecke gedrĂ€ngt werden, obwohl sie sich dort selbst nicht sehen.

Wer erklĂ€rt, ein Mensch wĂŒrde Gewalt ausĂŒben, weil er spricht, möchte damit nur die tatsĂ€chliche Gewalt rechtfertigen, mit der er zum Schweigen gebracht werden soll.

Die Nazis wurden damals von den Deutschen nicht verhindert. Das nagt heute an der Seele vieler Deutschen, die stolz darauf sind, nicht stolz zu sein. Sie wollen beweisen, dass sie selbst niemals auf die Nazis reingefallen wĂ€ren. Um das jedoch zu beweisen, brauchen sie Nazis. Deshalb sehen sie ĂŒberall Nazis und wo es keine gibt, schaffen sie einfach welche. Sie brauchen Nazis, um ĂŒber achtzig Jahre zu spĂ€t die NSDAP zu verhindern. Darum jazzen sie ihre politischen Gegner zu Nazis hoch und skandalisieren jedes unbedachte Wort. Es gibt in Deutschland eine Lust nach Nazis, eine Todessehnsucht nach der DĂ€mmerung der Demokratie, um endlich beweisen zu können, dieses Mal auf der richtigen Seite zu stehen.

Es ist immer Vorsicht geboten, wenn sich eine Gruppe von Menschen gegen ein Feindbild formiert, möge das Feindbild auch noch so schlecht sein. Sehr schnell entsteht in solchen Gruppen nĂ€mlich eine Dynamik, die dafĂŒr sorgt, dass jede abweichende Meinung zum Verrat erklĂ€rt wird. â€žWer nicht fĂŒr uns ist, ist gegen uns“, ist die Rhetorik dieser neuen Patrioten und die Aufforderung zur Distanzierung ihr Mittel der UnterdrĂŒckung.

Lieber ÖzgĂŒr,

ich plĂ€diere fĂŒr mehr Gelassenheit. Das Problem ist nicht die Meinungsfreiheit von Hassenden, sondern der Wille der Hassenden, die Meinungsfreiheit mit Gewalt abzuschaffen. Gedanken verschwinden nicht, nur weil sie nicht mehr gesprochen werden. Der Mensch, der in den Augen eines anderen Menschen ein Schwein ist, bleibt fĂŒr ihn ein Schwein, auch wenn er es nicht mehr sagen darf. Das Messer in der Hose eines Mannes verschwindet nicht, wenn ihm der Mund verboten wird!

Eine der ersten Aktionen der Nazis, nachdem sie die Macht dazu bekommen hatten, bestand darin, Meinungen zu kriminalisieren und Kunst zu verbieten. Deshalb ist ein Staat, der Zensur ĂŒbt, immer schlimmer als ein Arschloch, das menschenfeindliche Scheiße redet.

Ich finde, wir sollten viel weniger Angst vor den Worten der Arschlöcher haben. Aber vor allem finde ich: DefÀkiere auf Political Correctness!

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Veröffentlicht unter Liberalismus | 8 Kommentare

Scheiß auf Political Correctness!

Mein Kollege und Freund ÖzgĂŒr Cebe hat mich in seinem Vlog „Scheiß auf political correctness?!“ zitiert. Ich möchte ihm antworten.

Lieber ÖzgĂŒr,

erst einmal vielen Dank, dass Du aus meinem Artikel „Ein radikales PlĂ€doyer fĂŒr Meinungsfreiheit“ zitiert hast. Wie Du Dir denken kannst, habe ich einige kritische Anmerkungen. Du sagst: „Wenn es meine Absicht ist, eine Minderheit herabzusetzen, wie es die Rassisten tun, dann ist die Intention keine gute.“

Neonazis sind in Deutschland zur Zeit eine Minderheit. Du setzt sie in Deinem Video herab. SelbstverstÀndlich hast Du das Recht dazu. Ist Deine Intention jetzt etwa keine gute? Wenn Du Deine eigene Philosophie zugrunde legst, dann nicht.

Meinungsfreiheit schließt auch die Hassrede mit ein. Es ist die exakte Definition von Meinungsfreiheit, dass auch falsche Meinungen geĂ€ußert werden dĂŒrfen. WĂŒrden alle immer nur das Richtige sagen, brĂ€uchte es keine Meinungsfreiheit. Es gibt auch kein Zuviel an Meinungsfreiheit. Entweder gibt es Meinungsfreiheit oder es gibt sie nicht. So einfach ist das!

Jeder Mensch hasst irgendwas. Wem ist daher geholfen, wenn die Artikulation des Hasses verboten wird?

Aus Worten werden Taten. Das stimmt. Aber Worte mĂŒssen nicht gesprochen werden, um zu Taten zu werden. Es reicht, wenn sie gedacht werden. Daher bringt es gar nichts, Taten dadurch verhindern zu wollen, dass man die Artikulation der Worte verbietet. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Wer die Artikulation von gewissen Worten verbietet, verhindert dadurch nicht, dass die Worte zu Taten werden. Er verhindert jedoch, dass die Tat rechtzeitig erkannt und gebannt werden kann. Meinungsfreiheit ist ein prĂ€ventiver Schutzmechanismus. Meinungsfreiheit nutzt dem Gehassten immer mehr als dem Hassenden.

Andere Meinungen auszuklammern, ist so effektiv wie das kleine Kind, das sich die HĂ€nde vor die Augen hĂ€lt und glaubt, so sei die Gefahr verschwunden. Internetseiten zu löschen, im Glauben, man wĂŒrde dadurch etwas verhindern, ist so produktiv, wie BĂŒcher zu verbrennen.

Lieber ÖzgĂŒr,

Du sagst: „Political Correctness bedeutet fĂŒr mich Anstand, Respekt und Höflichkeit.“

Das hast Du sehr schön gesagt. Anstand, Respekt und Höflichkeit, wer kann schon dagegen sein? Weißt Du, was noch sehr schön klingt? Das hier:

„Militaristische und revanchistische Propaganda in jeder Form, Kriegshetze und Bekundung von Glaubens-, Rassen- und Völkerhass werden als Verbrechen geahndet.“

Klingt gut, oder? Wer kann da schon widersprechen? Wer ist schon ein Freund von Kriegshetze und Rassismus? Es ist doch gut, wenn all das verboten ist. Es gibt nur ein Problem: Der zitierte Absatz fand sich an fĂŒnfter Stelle des sechsten Artikels der Verfassung der DDR. Es war genau dieser Absatz, mit dem Kritikerinnen und Kritiker des Regimes in Knast und Folter gesperrt wurden.

So verfĂŒhrerisch der Absatz klingt, die Antwort auf die Artikulation von extremen Positionen darf nicht ein staatliches Verbot sein. Wie Du bin ich fĂŒr Anstand, Respekt und Höflichkeit. Es ist unschön, ĂŒber andere Menschen schlecht zu reden. Aber nicht alle Menschen ticken so wie Du und ich.

Dennoch möchte ich einem Staat nicht die Macht geben, ĂŒber die Sprache zu regieren. Der Staat ist nĂ€mlich bewaffnet. Das letzte Mittel jeder staatlichen Forderung ist die Gewalt. Am logischen Ende jeder staatlichen Forderung befindet sich die Waffe.

Ich finde den Gedanken unertrĂ€glich, dass der Staat mit gezogener Waffe einem Menschen befehlen darf, was er sagen soll oder wozu er zu schweigen. Ich finde diesen Gedanken deshalb unertrĂ€glich, weil ich weiß, dass in einer Demokratie immer auch mal mein politischer Gegner an die Macht kommt. Daher beurteile ich jedes Gesetz nach diesem Prinzip: Kann ich bei diesem Gesetz wollen, dass meine politischen Gegner an die Macht kommen? Wenn ich das nicht kann, stimmt etwas mit dem Gesetz nicht.

Lieber ÖzgĂŒr,

Du sagst: „Aber das merkwĂŒrdige ist, dass Rassisten, Rechte und Populisten sich selbst nicht als solche wahrnehmen.“

Das liegt manchmal daran, dass sie keine Rassisten, Rechte oder Populisten sind, sondern zu solchen Unmenschen erklÀrt wurden. Die haben lediglich eine andere Meinung. Nicht jeder ist das, wozu Du ihn erklÀrst.

FĂŒr die Schergen der DDR zum Beispiel waren Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Schmidt Faschisten. In der DDR wurden Menschen in GefĂ€ngnisse gesteckt und gefoltert, weil sie zu Rechten, Faschisten und westlichen Populisten erklĂ€rt wurden. Um Gewalt gegen Menschen rechtfertigen zu können, mĂŒssen sie zunĂ€chst entmenschlicht werden. Diese Entmenschlichung findet statt, wenn Menschen in eine böse politische Ecke gedrĂ€ngt werden, obwohl sie sich dort selbst nicht sehen.

Wer erklĂ€rt, ein Mensch wĂŒrde Gewalt ausĂŒben, weil er spricht, möchte damit nur die tatsĂ€chliche Gewalt rechtfertigen, mit der er zum Schweigen gebracht werden soll.

Die Nazis wurden damals von den Deutschen nicht verhindert. Das nagt heute an der Seele vieler Deutschen, die stolz darauf sind, nicht stolz zu sein. Sie wollen beweisen, dass sie selbst niemals auf die Nazis reingefallen wĂ€ren. Um das jedoch zu beweisen, brauchen sie Nazis. Deshalb sehen sie ĂŒberall Nazis und wo es keine gibt, schaffen sie einfach welche. Sie brauchen Nazis, um ĂŒber achtzig Jahre zu spĂ€t die NSDAP zu verhindern. Darum jazzen sie ihre politischen Gegner zu Nazis hoch und skandalisieren jedes unbedachte Wort. Es gibt in Deutschland eine Lust nach Nazis, eine Todessehnsucht nach der DĂ€mmerung der Demokratie, um endlich beweisen zu können, dieses Mal auf der richtigen Seite zu stehen.

Es ist immer Vorsicht geboten, wenn sich eine Gruppe von Menschen gegen ein Feindbild formiert, möge das Feindbild auch noch so schlecht sein. Sehr schnell entsteht in solchen Gruppen nĂ€mlich eine Dynamik, die dafĂŒr sorgt, dass jede abweichende Meinung zum Verrat erklĂ€rt wird. â€žWer nicht fĂŒr uns ist, ist gegen uns“, ist die Rhetorik dieser neuen Patrioten und die Aufforderung zur Distanzierung ihr Mittel der UnterdrĂŒckung.

Lieber ÖzgĂŒr,

ich plĂ€diere fĂŒr mehr Gelassenheit. Das Problem ist nicht die Meinungsfreiheit von Hassenden, sondern der Wille der Hassenden, die Meinungsfreiheit mit Gewalt abzuschaffen. Gedanken verschwinden nicht, nur weil sie nicht mehr gesprochen werden. Der Mensch, der in den Augen eines anderen Menschen ein Schwein ist, bleibt fĂŒr ihn ein Schwein, auch wenn er es nicht mehr sagen darf. Das Messer in der Hose eines Mannes verschwindet nicht, wenn ihm der Mund verboten wird!

Eine der ersten Aktionen der Nazis, nachdem sie die Macht dazu bekommen hatten, bestand darin, Meinungen zu kriminalisieren und Kunst zu verbieten. Deshalb ist ein Staat, der Zensur ĂŒbt, immer schlimmer als ein Arschloch, das menschenfeindliche Scheiße redet.

Ich finde, wir sollten viel weniger Angst vor den Worten der Arschlöcher haben. Aber vor allem finde ich: Scheiß auf Political Correctness!

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Annexion? FĂŒr mich ist es eine Befreiung!

Jeder Quadratmeter im Nahen Osten, in dem das Gesetz Israels gilt, ist ein gewonnener Quadratmeter.

Unter dem israelischen Gesetz kann ich jeder Religion angehören, die Regierung kritisieren, unabhĂ€ngig von meinem Geschlecht frei meine Meinung sagen und werde ich fĂŒr homosexuelle Handlungen nicht verfolgt.

Ich bin fĂŒr Israel, nicht weil ich glaube, irgendwer habe irgendwo zuerst seinen Fuß in den Sand gesetzt, oder irgendein Gott habe irgendeinen bĂ€rtigen Mann zum Kaffeeklatsch eingeladen, um dabei die Welt aufzuteilen. Ich bin fĂŒr Israel, weil es das einzige Land im Nahen Osten ist, in dem Frauen und MĂ€nner gleichberechtigt sind, HomosexualitĂ€t staatlich anerkannt ist, die Meinung, Kunst und Wissenschaft frei sind, keine Religion diskriminiert wird und Juden weder besser noch schlechter sein mĂŒssen als alle andere Menschen.

Warum soll ich es kritisieren, wenn es im Nahen Osten bald mehr Orte gibt, wo ich, so wie ich bin, ohne Angst vor Verfolgung leben kann?

Der Ort muss nicht nur Israel sein. Statt Israel zu kritisieren und stĂ€ndig nur voller Hass und Neid auf den kleinen jĂŒdischen Staat zu blicken, könnten sich die Nachbarn auch ein Beispiel an Israel nehmen und etwas fĂŒr das eigene Volk lernen.

Jedes Land, das Frieden schließt mit mir, mit AndersglĂ€ubigen, Kritikerinnen, Komikern, Homosexuellen und vor allem mit Israel, findet meine UnterstĂŒtzung. Der Ort kann meinetwegen sogar PalĂ€stina heißen. Ich werde die Fahne gerne zu den KlĂ€ngen der freien Musikerinnen und Musiker des Landes schwenken.

Diese friedliche und respektvolle Absicht gibt es bei den Feinden Israels jedoch zur Zeit nicht. Daher feiere ich jeden gewonnen Quadratmeter im Nahen Osten, wo das Gesetz Israels Anwendung findet. Manche nennen es Annexion. Ich nenne es Befreiung!

Ich bin nÀmlich auf der Seite des Landes, das mich nicht verfolgt und Menschen nicht aufgrund ihres Lebensstils tötet. Nennt mich ruhig egoistisch, aber Menschenrechte nehme ich persönlich.

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Gemeinsamer Brief an alle Nahostexperten

Wir, die UnterstĂŒtzerinnen und UnterstĂŒtzer dieses Briefs, teilen ernsthafte Bedenken ĂŒber jene Parlamentarierinnen und Parlamentarier aus ganz Europa, die sich in den sogenannten israelisch-palĂ€stinensischen Konflikt einmischen. Wir sind zutiefst besorgt ĂŒber all die PrĂ€zedenzfĂ€lle, die sie durch ihre Einmischungen schaffen und dadurch einen möglichen Frieden verhindern.

Die angesprochenen Parlamentarierinnen und Parlamentarier torpedieren teilweise sein Jahrzehnten eine Lösung des Konflikts, indem sie sich fĂŒr eine Zwei-Staaten-Regelung einsetzen, die von großen Teilen der arabischen Welt abgelehnt wird. Sie erklĂ€ren immer wieder selbstgerecht, im Einklang mit dem Völkerrecht und mit einschlĂ€gigen Resolutionen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zu stehen. Bedauerlicherweise erklĂ€ren sie jedoch nicht, was dieser Einklang bedeutet.

Das kleine Land Israel wird seit seiner GrĂŒndung immer wieder mit Raketen angegriffen, abgefeuert von militanten Gruppen, Terrororganisationen und hasserfĂŒllten Regierungen, deren erklĂ€rtes Ziel es ist, Israel auszulöschen und das jĂŒdische Volk zu vernichten. Manche LĂ€nder finanzieren diese Gruppen, Organisationen und Regierungen. Keines dieser LĂ€nder wird von den Vereinten Nationen so kritisiert wie Israel. Der sogenannte Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen hat Israel stattdessen öfter verurteilt als alle anderen LĂ€nder der Welt zusammen.

Die Vereinten Nationen haben das Land Israel öfter in Resolutionen verurteilt als Afghanistan, Ägypten, Albanien, Algerien, Andorra, Angola, Antarktis, Antigua und Barbuda, Äquatorialguinea, Argentinien, Armenien, Aserbaidschan, Äthiopien, Australien, Bahamas, Bahrain, Bangladesch, Barbados, Belgien, Belize, Benin, Bhutan, Bolivien, Bosnien und Herzegowina, Botsuana, Brasilien, Brunei, Bulgarien, Burkina Faso, Birma, Burundi, Chile, China, Cookinseln, Costa Rica, DĂ€nemark, Deutschland, Dominica, Dominikanische Republik, Dschibuti, Ecuador, ElfenbeinkĂŒste, El Salvador, Eritrea, Estland, Falklandinseln, Fidschi, Finnland, Föderierte Staaten von Mikronesien, Frankreich, Französisch Guayana, Gabun, Gambia, Georgien, Ghana, Grenada, Griechenland, Großbritannien, Guatemala, Guinea, Guinea-Bissau, Guyana, Haiti, Honduras, Indien, Indonesien, Irak, Iran, Irland, Island, Italien, Jamaika, Japan, Jemen, Jordanien, Kambodscha, Kamerun, Kanada, Kap Verde, Kasachstan, Katar, Kenia, Kirgisistan, Kiribati, Kolumbien, Komoren, Kongo, Kosovo, Kroatien, Kuba, Kuwait, Laos, Lesotho, Lettland, Libanon, Liberia, Libyen, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Madagaskar, Malawi, Malaysia, Malediven, Mali, Malta, Marokko, Marshallinseln, Mauretanien, Mauritius, Mazedonien, Mexiko, Mikronesien, Moldawien, Monaco, Mongolei, Montenegro, Mosambik, Myanmar, Namibia, Nauru, Nepal, Neuseeland, Nicaragua, Niederlande, Niger, Nigeria, Nordkorea, Nordzypern, Norwegen, Oman, Österreich, Pakistan, Palau, Panama, Papua-Neuguinea, Paraguay, Peru, Philippinen, Polen, Portugal, Ruanda, RumĂ€nien, Russland, Saint Kitts und Nevis, Saint Lucia, Saint Vincent und die Grenadinen, Salomonen, Sambia, Samoa, San Marino, SĂŁo TomĂ© und PrĂ­ncipe, Saudi-Arabien, Senegal, Serbien, Seychellen, Sierra Leone, Singapur, Simbabwe, Slowakei, Slowenien, Somalia, Spanien, Sri Lanka, SĂŒdafrika, Sudan, SĂŒdsudan, SĂŒdkorea, Surinam, Svalbard, Swasiland, Schweden, Schweiz, Syrien, Tadschikistan, Taiwan, Tansania, Thailand, Timor-Leste, Togo, Tonga, Trinidad und Tobago, Tschad, Tschechien, Tunesien, TĂŒrkei, Turkmenistan, Tuvalu, Uganda, Ukraine, Ungarn, Uruguay, Usbekistan, Vanuatu, Vatikan, Venezuela, Vereinigte Arabische Emirate, Vereinigtes Königreich, Vereinigte Staaten von Amerika, Vietnam, Weißrussland, Westsahara, Zentralafrikanische Republik und Zypern zusammen.

DafĂŒr gibt es nur zwei mögliche ErklĂ€rungen: Entweder ist Israel ein Staat, böser, abartiger und verdammenswerter als alle anderen LĂ€nder der Welt zusammen oder die Vereinten Nationen haben ein Problem mit dem jĂŒdischen Staat.

Viele Abgeordnete in Europa unterstĂŒtzen diese international vereinbarten Parameter und Prinzipien und fördern damit effektiv die dauerhafte Aggression gegen Israel und geben den Feinden grĂŒnes Licht fĂŒr ihren Hass. Dies ist fĂŒr die Aussichten auf einen israelisch-arabischen Frieden fatal. Es wird daher Zeit, die grundlegendsten Normen internationaler Beziehungen einschließlich der Charta der Vereinten Nationen in Frage zu stellen.

Wir sind zutiefst besorgt ĂŒber die Auswirkungen der Worte und Taten mancher Parlamentarierinnen und Palamentarier auf das Leben von Israelis und Arabern sowie ĂŒber ihr destabilisierendes Potential in einer Region vor der HaustĂŒr Europas. Diese Besorgnis ist in einer Zeit, in der die Welt mit der COVID-19-Pandemie, dem grĂ¶ĂŸten kollektiven Notstand seit Jahrzehnten, kĂ€mpft, nicht weniger schwerwiegend. Zu den Parlamentarierinnen und Parlamentariern aus Deutschland, die den Frieden mit ihren Besserwissereien und Torheiten am meisten gefĂ€hrden, gehören:

Luise Amtsberg, GrĂŒne; Rasmus Andresen, GrĂŒne; Ulrike Bahr, SPD; Margarete Bause, GrĂŒne: Dietmar Bartsch, Die Linke; Franziska Brantner, GrĂŒne; Leni Breymeier, SPD; Agniesza Brugger, GrĂŒne; Karl-Heinz Brunner, SPD; Birke Buill-Bischoff, Die Linke; Udo Bullmann, SPD; Delara Burkhardt, SPD; Reinhart BĂŒtikofer, GrĂŒne; Dieter Dehm, Die Linke; Özdem Demirel, GrĂŒne; Yasmin Fahimi, SPD; Sylvia Gabelmann, Die Linke; Kai Gehring, GrĂŒne; Stefan Gelbhaar, GrĂŒne; Sven Giegold, GrĂŒne; Katrin Göring-Eckardt, GrĂŒne; Erhard Grundl, GrĂŒne; Gregor Gysi, Die Linke; Robert Habeck, GrĂŒne; Anja Hajduk, GrĂŒne; Heike HĂ€nsel, Die Linke; Gabriela Heinrich, SPD; Anton Hofreiter, GrĂŒne; Andrej Hunko, Die Linke; Dieter Janecek, GrĂŒne; Ulla Jelpke, Die Linke; Achim Kessler, Die Linke; Katja Keul, GrĂŒne; Katja Kipping, Die Linke; Cansel Kiziltepe, SPD; Sylvia Kotting-Uhl, GrĂŒne; Sven Lehmann, GrĂŒne; Sabine Leidig, Die Linke; Stefan Liebich, Die Linke; Tobias Lindner, GrĂŒne; Erik Marquardt, GrĂŒne; Christoph Matschie, SPD; Martina Michels, GrĂŒne, Falko Mohrs, SPD; Niema Movassat, Die Linke; Claudia MĂŒller, GrĂŒne; Zaklin Nastic, Die Linke; Ingrid Nestle, GrĂŒne; Hannah Neumann, GrĂŒne; Cem Özdemir, GrĂŒne; Aydan Özoguz, SPD; Tobias PflĂŒger, Die Linke; Bernd Riexinger, Die Linke; Clauda Roth, GrĂŒne; Margit Stumpp, GrĂŒne; JĂŒrgen Trittin, GrĂŒne; Sahra Wagenknecht, Die Linke; Gerhard Zickenheiner, GrĂŒne; Sabine Zimmermann, Die Linke.

Wir fordern diese Parlamentarierinnen und Parlamentarier auf, sich entschlossen aus dem Konflikt rauszuhalten.

Europa hat den internationalen Akteuren in diesem Konflikt nicht zu erklĂ€ren, wie sie sich zu verhalten haben und welche Lösung sie zu finden haben. Vor allem aber haben europĂ€ische Vertreterinnen und Vertreter zu akzeptieren, dass es nicht unangefochten vonstattengehen kann, dass die Hamas in ihrer GrĂŒndungscharta die Vernichtung Israels fordert und die Fatah großzĂŒgige Renten an Terroristen ausschĂŒttet, die Juden ermordet haben. Da die Fatah von Geldern der EuropĂ€ischen Union unterstĂŒtzt wird, werden diese Terroristen indirekt auch von Europa finanziert.

Wir kritisieren dies voll und ganz: Die gewaltsame Rhetorik zur Vernichtung Israels und des jĂŒdischen Volks hat im Jahr 2020 keinen Platz und muss entsprechende Konsequenzen haben. Die stetige Unterlassung einer angemessenen Reaktion ermutigt immer mehr arabische Politiker, grundlegende Prinzipien des Menschenrechts zu missachten.

Khaled Meshall, Vorsitzender der Hamas, sagte am 3. Februar 2006: „Bevor Israel stirbt muss es gedemĂŒtigt und erniedrigt werden!“

Der ehemalige libanesischen Minister, Wiam Wahhab erklĂ€rte am 4. Juli 2010 auf Al-Jadid/New TV: „Ich unterstĂŒtze Deutschland in der Politik und Brasilien im Sport. Ich mag die Art wie Brasilien Fußball spielt, aber ich mag die Deutschen, weil sie die Juden hassen und sie verbrannt haben.“

Abdallah Jarbu, stellvertretender Minister fĂŒr religiöse Stiftungen der Hamas, sagte am 28. Februar 2010: „Juden sind fremdartige Bakterien, sie sind Mikroben ohne Beispiel auf dieser Welt. Möge Gott das schmutzige Volk der Juden vernichten, denn sie haben keine Religion und kein Gewissen! Ich verurteile jeden, der glaubt, eine normale Beziehung mit Juden sei möglich, jeden, der sich mit Juden zusammensetzt, jeden, der glaubt, Juden seien Menschen! Juden sind keine Menschen, sie sind kein Volk. Sie haben keine Religion, kein Gewissen, keine moralischen Werte!“

Der Kleriker Muhammed Salah „Abu Rajab“ hielt am 9. Oktober 2015 folgende Predigt in der Al-Abrar Moschee in Rafah: „Unsere erste Phase soll lauten: Stecht die Juden ab! Sie haben keine Chance! Die zweite Phase soll lauten: Wir werden die Juden nicht mehr vertreiben! Wir werden sie allesamt abstechen und abschlachten!“

Mahmud Abbas von der Fatah erklĂ€rt: „In einer endgĂŒltigen Lösung können wir nicht mal die Existenz eines einzelnen Israelis in unserem Land sehen, seien es nun Zivilisten oder Soldaten.“

Am Tag der 47-Jahr-Feier der Fatah sprach Mufti Muhammad Hussein, den Abbas persönlich zum “geistigen FĂŒhrer der palĂ€stinensischen Autonomie” ernannt hat, folgende Worte in die jubelnde Menge: „Die Stunde der Auferstehung wird nicht kommen, solange wir die Juden nicht vernichtet haben.“

Wenn Judenhass zur Regel wird, dann mĂŒssen diese Regeln gebrochen werden.

Wir haben ein starkes Interesse daran und die Verantwortung dafĂŒr, Strukturen, die die Diskriminierung, Verfolgung und Vernichtung von Juden regeln, zu bekĂ€mpfen. Eine dauerhafte Lösung des Konflikts muss dem Menschenrecht gerecht werden und Gleichberechtigung garantieren. Dies wird Juden jedoch bisher verwehrt.

Schon einmal hat Europa versagt, als Juden von Deutschen vernichtet wurden. Europa hat geschwiegen, weggeschaut und teilweise am Morden teilgenommen. Europa verfĂŒgt daher weder ĂŒber die diplomatischen Instrumente noch ĂŒber die moralische Berechtigung, um ein gerechtes Ziel in dem Konflikt des Nahen Ostens zu fördern.

Im Nahen Osten leben Araber, Israelis, Muslime, Juden, Drusen und PalĂ€stinenser. Sie sind einander Nachbarn, Arbeitskollegen, Lehrerinnen, AnwĂ€lte, Richterinnen, Abgeordnete, Polizisten, FeuerwehrmĂ€nner, Soldatinnen, Köche, Sexualpartner und vieles, vieles mehr. Sie lachen, leben, essen, weinen und streiten zusammen. Sie leben miteinander und teilen sich die selbe Heimat. Sie sind gemeinsam in Treue verbunden mit den BĂ€umen, FlĂŒssen, Bergen, Meeren, Seen, StĂ€dten, Dörfern und WĂŒsten ihrer Heimat, die sie oft in ihre Gebete einschließen. Sie sind eine Familie! Manche sind entfernte Verwandte, andere wiederum frisch nah Vertraute. All diese Menschen sind mit Vernunft versehen, verantwortlich fĂŒr ihr Handeln und in der Lage, einen Frieden zu schließen.

Wir kritisieren alle europĂ€ischen Parlamentarierinnen und Parlamentarier, die durch ihre Einmischung von außen einen Friedensprozess torpedieren. Sie hetzen die beiden Seiten gegeneinander auf, indem sie die grausamen Taten der arabischen Seite verharmlosen oder verschweigen und die Taten der israelischen Seite dĂ€monisieren. Das Problem vieler selbsternannter Nahostexperten besteht darin, dass sie bereits jauchzen, wenn ein Politiker in Gaza kein Hitler ist, sie aber garstig einen jĂŒdischen Politiker in Israel in Grund und Boden stampfen, wenn er kein Nathan der Weise ist.

Wir fordern diese Parlamentarierinnen und Parlamentarier daher auf, dem Frieden zu dienen, indem sie sich zurĂŒcknehmen und sich aus dem Konflikt heraushalten.

Wir, das sind alle Menschen, die diesen Artikel öffentlich mit folgenden Worten teilen: Durch das Teilen dieses Artikels erklĂ€re ich, diesen gemeinsamen Brief zu unterstĂŒtzen.

Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, in meiner Arbeit als Autor, KĂŒnstler oder Betreiber von „Tapfer im Nirgendwo“ unterstĂŒtzen wollen, ĂŒberweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto oder nutzen Sie PayPal.

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Gerd Buurmann in Lingen

Seit etwas ĂŒber hundert Jahren haben Frauen in Deutschland das aktive und passive Wahlrecht. Eine der Pionierinnen und zugleich eine wunderbar witzige und innovative Autorin war Hedwig Dohm (1831 – 1919). Ihre Texte haben bis heute nichts von ihrer Frische und AktualitĂ€t verloren. Dohms Markenzeichen sind Witz und Ironie. Mit bekannten Zeitgenossen von Friedrich Nietzsche bis Georg Groddeck liefert sie sich in ihren Texten wahre Wortgefechte. Ihre Texte sind wie gemacht fĂŒr BĂŒhne.

Daher haben Nikola MĂŒller, Isabel Rohner und Gerd Buurmann im Jahr 2006 das Hedwig Dohm Trio gegrĂŒndet. Spannend, informativ und dabei höchst unterhaltsam stellen die drei Dohms Leben und Werk vor und geben dem Publikum Einblicke in die Geschichte der Frauenbewegungen.

„Mehr Stolz, Ihr Frauen“ – Eine Femmage an Hedwig Dohm am 11. September 2020 um 19:30 Uhr im Theaterfoyer An der Wilhelmshöhe am Willy-Brand-Ring 44 in Lingen.

Beitrag fĂŒr Teilnehmerinnen und Teilnehmer: 15,- Euro (12,50 Euro mit kfd Ausweis)

Voranmeldung bis zum 1. September 2020 bei Ute Remling-Lachnit, Sekretariat Frauenseelsorge BĂŒro Lingen und Kath. Erwachsenenbildung Emsland-SĂŒd per E-Mail: u.remling-lachnit@bistum-os.de oder per Telefon: 0591 6102-251

Die Presse schreibt:

„Wenn das Nummerngirl ein Mann ist: Emanzipatorische Literatur muss keineswegs staubtrocken und klagend sein, sie kann vor Humor und Ironie nur so triefen. Nikola MĂŒller, Isabel Rohner und Gerd Buurmann lasen unter dem Titel „Mehr Stolz, ihr Frauen!“ aus Texten von Hedwig Dohm, die bereits 1873 das Stimmrecht fĂŒr Frauen forderte – und fĂŒr die völlige rechtliche, soziale und ökonomische Gleichberechtigung der Geschlechter eintrat.“ (Pinneberger Tageblatt)

„Nikola MĂŒller und Isabel Rohner, die Herausgeberinnen des Buchs „Hedwig Dohm – AusgewĂ€hlte Texte“, zelebrieren mit dem Schauspieler Gerd Buurmann die intellektuellen Spitzen einer großen Denkerin.“ (Hamburger Abendblatt)

„In einer hervorragend inszenierten und zum Teil irrsinnig komischen Lesung gab das Dohm-Trio (
) Kostproben der Dohm’schen Texte zum Besten. Das Trio erntete immer wieder Szenenapplaus – der einerseits den großartigen polemischen Textpassagen Hedwig Dohms galt, andererseits aber auch der beeindruckenden Vortragsweise.“ (Kreiszeitung Wesermarsch)

„Nikola MĂŒller, Isabel Rohner und Schauspieler Gerd Buurmann setzten das Leben der Querdenkerin in Szene. Von einer „trockenen Geschichtsstunde“ konnte hier aber keinesfalls die Rede sein. Besonders der oft polemische Schreibstil von Hedwig Dohm wurde in den szenischen Einlagen des fröhlichen Trios deutlich.“ (WAZ)

„Leidenschaftlich bieten Buurmann, MĂŒller und Rohner mit ihrer Femmage ein wunderbares „Best of“ der Dohm dar. Zitate und Ausschnitte der Dohmschen Werke, mal mit Biographischem unterbaut, mal mit Historischem, werden mal leise, mal laut in Szene gesetzt, mal prĂ€sentieren sich die drei im Stile eines literarischen Terzetts, bei dem Buurmann die Herausgeberinnen charmant befragt, mal echauffiert sich Buurmann in der Rolle eines Antifeministen im GesprĂ€ch mit der Dohm.“ (Neon)

„Mit dem Schauspieler Gerd Buurmann touren die beiden Expertinnen mit ihrer geistreichen «Femmage» durch die Lande, um der 1831 geborenen Großmutter von Thomas-Mann-Gattin Katja 90 Jahre nach ihrem Tod zur Wiederentdeckung zu verhelfen. Wirksamstes Mittel: Dohms eigene Essays, Feuilletons und Romane, die den Antifeminismus der bĂŒrgerlichen Gesellschaft im 19. und frĂŒhen 20. Jahrhundert mit spitzester Feder – und teilweise auch selbstironisch – aufs Korn nehmen.“ (Frankfurter Neue Presse)

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BOING mit Gerd Buurmann

Auf Facebook haben Manuel Wolff und Gerd Buurmann sich im Streit entfreundet, aber hier im Podcast schaffen sie es, sich lange zu unterhalten, ohne sich die Köppe einzuschlagen. Es geht darum, wie Barbra Streisand Gerds Leben verĂ€ndert hat. Und Alf. Und die Golden Girls. Und „Hallo, Spencer“. Und Hella von Sinnen. Soll heißen, da ist viel KlĂ€rungsbedarf und es ist nicht verwunderlich, dass die Episode eine der lĂ€ngsten Folgen bisher ist, mit dem sich selbst als flamboyant bezeichnenden Hansdampf in allen Gassen.

Der BOING Podcast – Folge 8 mit Gerd Buurmann

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The Obscure Raven Song

On many streets of the world’s cities the past is croaking its “obscure raven song” (Heinrich Heine). By torchlight, stupid things, reflecting the most ignorant medieval times, are being said. A narrow-minded mob, which whines much about love and belief, but whose love is nothing other than hatred and whose belief consists solely of irrationality, and which, in its ignorance, knows of nothing better to do than to topple statues.

The young people who are destroying and torching reliques of the past remind me of those German students who met at the Wartburg in 1817. On October 18th of that year, about five hundred students and a few professors met for a protest rally against reactionary politics. During the Wartburg festival, objects belonging to the authorities were destroyed and even books were burned. As the books of the German-Jewish publicist Saul Ascher were burning, protesters chanted: „Woe to the Jews, who hold dear their Judaism, but mock our national German identity!“

The spirit of 1817 and the spirit of 2020 are similar in nature. Young people recognize only enemies in their political opponents, from whom they feel victimized. Their indignation increases with their convictions. They are dead certain that they are first and only generation which finally sees through it all. They are the self-defined good guys. All the countless generations before them who have strived to give meaning, value and significance to their lives, experiencing both successes and defeats, are now judged wrong. They are so wrong that the symbols of their former existences must be destroyed. Those who criticize the destruction are labeled as reactionary and evil, and face massive defamation. Writers who criticise some of the movement’s excesses or follies are banned from major internet platforms.

Critics are being silenced in 2020. As in 1817, today some protesters who destroy symbols enter into an ominous alliance with those activists who were and are extremely critical of Jews, and particularly of Israel, vehemently and unforgivingly.

A sad climax was reached when youth, who believed that they belonged to a movement that would create a brave new world, tossed books into the fire during a protest in May 1933, planned and staged by German student organizations in Berlin and in many other cities.

Heinrich Heine‘s books and many others were burned. Heine who witnessed the book burning at the Wartburg protest, said: „That was but a prelude; where they burn books, they will ultimately burn people also.”

The sentence is from Heine’s tragedy „Almansor“, set in 15th century Spain. The sentence is spoken by the Muslim, Hassan. It refers to a burning of the Koran that took place during the conquest of Spanish Granada by Christian knights under the inquisitory cardinal Mateo Ximenes de Cisneros.

Hassan: „To those fighters once I had joined in the mountains, the cold sneer, fled with flaming heart. Just as the snow up there, never do the embers in our breast disappear; as those mountains never move, so never wavered our faithfulness; and how often we rolled down from those mountains as crushing stone boulders, from those heights to the Christian people in the valley; and when they died gasping, as distant whimpering mourning bells, and fear chants dully, the sound was a sweetness in our ears.“

Almansor: „We heard that the terrible Ximenes, at the market place of Granada – my tongue freezes in my mouth – threw the Quran into a flaming pyre!“

Hassan: „That was but a prelude; where they burn books, they will ultimately burn people also.“

A man, who criticizes book burning, slaughtered people. For Hassan burning a copy of the Quran is a mortal sin, but the killing of Christians resonates „sweetness in his ears“.

Within this context, Heinrich Heine’s sentence takes on a very special meaning. On the one hand, Heine criticizes the act of burning books, but on the other hand he also makes clear the double standard with which a person condemns the burning of books as a crime, but calls the killing of human beings as lustfully beautiful. A country in which burning books is forbidden, but killing people is not, has quite different problems.

I would rather live in a country where the symbols of the state and books may be burned, but hardly anyone does so, than in a country where the oppressed long to burn the symbols of oppression, but are not allowed to do so.

But, I have one condition. The things you destroy must belong to you. Anyone may burn my books, but he must buy them first. Anyone who topples statues, plunders businesses and torches other people’s property is a criminal like those Nazis who stormed into synagogues to burn the books there.

The state must protect the right to own books, but must not be allowed to determine what may be done with a book. It makes no difference between a state inviting people to burn books or prohibiting the burning of books. Such a state would rather imprison people than allow the books of its own political ideology be burned.

People can work creatively, journalistically and scientifically without fear of state paternalism only if the constitution guarantees freedom of opinion, freedom of the press and freedom of art. This freedom also includes the right to burn books without fear of state sanctions. I therefore take the liberty – and I am sure that I am not even betraying Heinrich Heine in the slightest – by adding a clause to his famous sentence:

„That was but a prelude; where they burn books, they will ultimately burn people also; and where it’s forbidden to burn books, people will also be burned“

But there is a great difference in what is happening these past few weeks. No one has the right to destroy other people’s property. This is absolutely not the obscure raven song of 1817, but rather the brutal destructive fury of 1933.

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Translation: William Wires

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Rabengesang 2.0

Auf einigen Straßen der Welt krĂ€chzt zur Zeit die Vergangenheit ihren obskuren Rabengesang. Bei Fackellicht werden Dummheiten gesagt und getan, die des blödsinnigsten Mittelalters wĂŒrdig sind. Ein beschrĂ€nkter Mob, der viel von Liebe und Glaube greint, dessen Liebe aber nichts anders ist als Hass auf fremde Gedanken und dessen Glaube nur in der Unvernunft besteht und der in seiner Unwissenheit nichts Besseres zu erfinden weiß, als Statuen zu stĂŒrzen und sie zu verbrennen oder zu versenken.

Mich erinnern die jungen Menschen, die heute Bilder der Vergangenheit stĂŒrzen, verbrennen und versenken, an jene deutsche Studenten, die sich im Jahr 1817 auf der Wartburg trafen. Am 18. Oktober des Jahres trafen sich ungefĂ€hr fĂŒnfhundert Studenten und ein paar Professoren zu einer Protestkundgebung gegen reaktionĂ€re Politik und Kleinstaaterei. Bei dem sogenannten Wartburgfest wurden obrigkeitsstaatliche GegenstĂ€nde zerstört und sogar BĂŒcher verbrannt. Die BĂŒcher des deutsch-jĂŒdischen Publizisten Saul Ascher wurden mit dem Ruf verbrannt: „Wehe ĂŒber die Juden, so da festhalten an ihrem Judentum und wollen unser Volkstum und Deutschtum spotten und schmĂ€hen!“

Der Geist von 1817 und der Geist von 2020 sind in ihrem Wesen verwandt. Es sind junge Menschen, die in ihren politischen Gegnern nur noch Feinde erkennen können, als dessen Opfer sie sich betrachten. Sie sind grenzenlos von sich selbst und ihrem Leid ergriffen. Sie sind felsenfest davon ĂŒberzeugt, dass sie die erste Generation sind, die alles verstanden hat. Sie sind die Guten. All die unzĂ€hligen Generationen, die vor ihnen versucht haben, ihren Leben Sinn, Wert und Bedeutung zu geben und dabei sowohl Erfolge als auch Niederlagen erlebten, hatten Unrecht und zwar so sehr, dass die Symbole zur Erinnerung der Vergangenheit zerstört werden mĂŒssen. Wer Kritik anmeldet ist reaktionĂ€r, böse und steht dem Guten im Weg.

Wer auch nur im mindesten etwas gegen diese Bewegung oder ĂŒberhaupt gegen manch eine dort entstehende LĂ€cherlichkeit schreibt, kann sich auf massive Diffamierung gefasst machen. Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die manche AuswĂŒchse der Bewegung kritisieren, werden im Jahr 2020 von großen marktbestimmenden Plattformen verbannt. So war es im Jahr 1817 ebenfalls. Heinrich Heine berichtet vom Wartburgfest:

„Ich erinnere mich bei dieser Gelegenheit, dass man ganz ernsthaft debattierte, ob man einen gewissen Berliner Schriftsteller, der sich im ersten Bande seines Werkes gegen die Turnkunst ausgesprochen hatte, bereits auf die erwĂ€hnte Proskriptionsliste setzen dĂŒrfe: denn der letzte Band seines Buches sei noch nicht erschienen, und in diesem letzten Bande könne der Autor vielleicht Dinge sagen, die den inkriminierten Äußerungen des ersten Bandes eine ganz andere Bedeutung erteilen.“

Auch im Jahr 2020 werden Kritikerinnen und Kritiker zum Schweigen gebracht. Wie im Jahr 1817 gehen auch heute einige Student*Innen, die staatliche Symbole stĂŒrzen, eine unheilvolle Verbindung mit jenen Aktivisten ein, die besonders bei Juden außerordentlich kritisch sind und daher besonders vehement und unversöhnlich Israel kritisieren.

Einen traurigen Höhepunkt erreichte eine Jugend, die glaubte, einer Bewegung anzugehören, die eine schöne neue Welt schaffen wird, im Mai des Jahres 1933 als bei einer von der Deutschen Studentenschaft geplanten und inszenierten Aktion am Berliner Opernplatz und in vielen weiteren StĂ€dten BĂŒcher ins Feuer geworfen wurden, unter anderem von Heinrich Heine.

Von Heinrich Heine, der die BĂŒcherverbrennung beim Wartburgfest 1817 miterlebte, stammt der Satz: „Das war ein Vorspiel nur, dort wo man BĂŒcher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.”

Der Satz stammt aus Heines Tragödie “Almansor“. Sie spielt im 15. Jahrhundert in Spanien. Der Satz wird von dem Moslem Hassan gesprochen. Er nimmt damit Bezug auf eine Verbrennung des Korans, die wĂ€hrend der Eroberung des spanischen Granadas durch christliche Ritter unter dem inquisitorischen Kardinal Mateo Ximenes de Cisneros stattgefunden hat.

Hassan: So stĂŒrzten wir von jenen Höhen oft zermalmend, auf das Christenvolk im Tal; und wenn sie sterbend röchelten, die Buben, wenn ferne wimmerten die Trauerglocken, und AngstgesĂ€nge dumpf dazwischen schollen, dann klang’s in unsre Ohren sĂŒĂŸ wie Wollust.

Almansor: Wir hörten, dass der furchtbare Ximenes, inmitten auf dem Markte, zu Granada – Mir starrt die Zung im Munde – den Koran in eines Scheiterhaufens Flamme warf!

Hassan: Das war ein Vorspiel nur, dort wo man BĂŒcher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen. 

Der Mann, der das Verbrennen des Korans kritisiert, hat selbst unzĂ€hige Christen geschlachtet. WĂ€hrend fĂŒr ihn das Verbrennen des Korans eine TodsĂŒnde ist, klingt die Tötung von Christen in seinen „Ohren sĂŒĂŸ wie Wollust.“

Im Wissen um diesen Kontext bekommt Heinrich Heines Satz eine ganz besondere Bedeutung. Auf der einen Seite kritisiert Heine den Akt der BĂŒcherverbrennung, aber auf der anderen Seite macht er auch die Doppelmoral deutlich, mit der ein Mensch zwar das Verbrennen von BĂŒchern als Verbrechen verdammt, aber das Töten von Menschen als wolllĂŒstig schön bezeichnet. Ein Land, in dem das Verbrennen von BĂŒchern verboten ist, das Töten von Menschen jedoch nicht, hat ganz andere Probleme.

Ich lebe lieber in einem Land, in dem die Symbole des Staates und BĂŒcher verbrannt werden dĂŒrfen, es aber kaum jemand macht, als in einem Land, in dem sich die UnterdrĂŒckten danach sehnen, die Symbole der UnterdrĂŒckung zu verbrennen, es aber nicht dĂŒrfen. Ich habe aber eine Bedingung. Die Dinge, die zerstört werden, mĂŒssen den Zerstörern gehören. Jeder Mensch darf meine BĂŒcher verbrennen, er soll sie dafĂŒr jedoch kaufen.

Wer jedoch Statuen stĂŒrzt, GeschĂ€fte plĂŒndert und fremdes Eigentum abfackelt, ist ein Verbrecher wie jene Nazis, die in Synagogen stĂŒrmten, um die dortigen BĂŒcher zu verbrennen.

Der Staat muss das Recht der Menschen schĂŒtzen, BĂŒcher zu besitzen. Er darf sich jedoch nicht anmaßen, darĂŒber zu befehlen, was ein Mensch mit seinem Buch zu machen hat. Dabei ist es ganz egal, ob der Staat nun zur BĂŒcherverbrennung lĂ€dt oder das Verbrennen von BĂŒchern verbietet. Ein solcher Staat schafft eher Menschen ab, als dass er es zulĂ€sst, dass die BĂŒcher seiner Ideologie verbrannt werden.

Es gibt nur dann die Möglichkeit, ohne Furcht vor staatlicher Bevormundung kreativ, journalistisch und wissenschaftlich arbeiten zu können, wenn die Verfassung Meinungs-, Presse-, und Kunstfreiheit garantiert. Zu dieser Freiheit gehört es auch, dass BĂŒcher verbrannt werden dĂŒrfen, ohne staatliche Sanktionen befĂŒrchten zu mĂŒssen. Ich erlaube mir daher, und ich bin mir sicher, Heinrich Heine damit nicht einmal im Ansatz zu verraten, seinen berĂŒhmt geworden Satz, um einen Nebensatz zu erweitern:

„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man BĂŒcher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen; aber dort wo das Verbrennen von BĂŒchern verboten ist, da werden Menschen verbrannt.”

Niemand hat das Recht, fremdes Eigentum zu zerstören. Daher ist das, was heute im Jahr 2020 passiert, nicht mehr nur der obskure Rabengesang von 1817, sondern die brutale Zerstörungswut von 1933.

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Ich gebe es zu, mich plagen Bauchschmerzen!

Ein Beitrag von Malca Goldstein-Wolf.

Als politischer Mensch empfinde ich das Wahlrecht nicht nur als Geschenk, sondern als verantwortungsvolle Pflicht. Nicht zu wĂ€hlen, kĂ€me mir eigentlich nicht in den Sinn, gĂ€be es da nicht noch den tiefen Bezug von mir als JĂŒdin zu Israel, meiner Lebensversicherung im Fall der FĂ€lle. Im Angesicht des Antrags, den der Bundestag gegen die angeblichen „AnnexionsplĂ€ne“ Israels stellt, wird mir ganz schwindelig.

Dass auf das von der SPD gefĂŒhrte „AuswĂ€rtige Amt“, dessen fĂŒhrender Minister, „wegen Auschwitz“ in die Politik gegangen ist und das jede noch so absurde Resolution gegen Israel in den Vereinten Nationen absegnet, Israels Todfeind, den Iran, mit allen KrĂ€ften subventioniert und indirekt sogar palĂ€stinensische Terrorrenten finanziert, kein Verlass ist, ist schon seit lĂ€ngerer Zeit klar. Von der SPD erwarte ich als JĂŒdin wahrlich keine UnterstĂŒtzung. Die SPD, so ist anzunehmen, wird den Antrag aus tiefster Überzeugung, unterstĂŒtzen.

Dass die CDU, unter der Kanzlerin, die den Begriff „Deutsche StaatsrĂ€son“ geprĂ€gt hat, die aber die israelfeindliche Aussenpolitik nicht nur nicht stoppt, sondern offenbar unterstĂŒtzt, zeigt, dass auch diese Partei kein verlĂ€sslicher Hafen fĂŒr mich ist. Es ist davon auszugehen, dass auch die CDU den israelfeindlichen Antrag unterzeichnet.

Eine Partei, deren hohe FunktionĂ€re wie zum Beispiel Renate KĂŒnast, israelische Produkte aus den „besetzten Gebieten“, vermutlich zur Freude der Boykottbewegung gegen Israel, brandmarken möchte und deren Parteifreund Omid Nouripour trotz AufklĂ€rung und Aufforderung die „Deutsch-PalĂ€stinensische-Gesellschaft“, die genau dieser Boykott-Bewegung (BDS) nahesteht, nicht verlassen möchte, spricht BĂ€nde. Vermutlich werden auch Die GrĂŒnen den Antrag leidenschaftlich gerne unterzeichnen.

Die Linke, bei der Antisemitismus in grossen Teilen tief manifestiert ist, kann fĂŒr mich gar kein Thema sein.

Und auch wenn die AfD, wovon auszugehen ist, sich dem Antrag widersetzen wird, ist eine Partei, in der Gestalten wie Höcke auf breite Zustimmung treffen und der vom Parteivorsitzenden sogar als „Politiker der Mitte“ bezeichnet wird, keine wĂ€hlbare Alternative fĂŒr mich.

In meiner Arbeit als Aktivistin gegen Juden- und Israelhass erfahre ich aus den Reihen der FDP die zuverlĂ€ssigste UnterstĂŒtzung. Politiker wie Frank MĂŒller-Rosentritt und Bijan Djir-Sarai leisten im Kampf gegen die unsĂ€glichen UN-Resolutionen, gegen die Terrororganisation Hisbollah und gegen die antisemitische BDS-Bewegung vorbildliche Arbeit. Wenn jetzt ausgerechnet die FDP diesen Antrag, wie Der SPIEGEL kĂŒrzlich berichtete, mittrĂ€gt, bricht mir mein politisches Herz, verliere ich den Glauben an die Israel-SolidaritĂ€t dieser Partei und weiß tatsĂ€chlich nicht mehr, wen ich dann noch wĂ€hlen soll.

Dieser Antrag ist ein Lackmustest fĂŒr Aufrichtigkeit, Anstand und Mut.

Verstehen wir uns bitte nicht falsch. Es gibt keine 100% israelfreundliche Partei, ĂŒberall befinden sich schwarze Schafe. Es gilt das kleinste Übel herauszuarbeiten, israelfeindliche Politik kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, so eine Partei kann ich nicht wĂ€hlen. Und ja, selbstverstĂ€ndlich kann man israelische Politik kritisieren. Wenn man sich aber, mit Hinblick auf die deutsche Geschichte, nur auf den jĂŒdischen Staat konzentriert, tatsĂ€chliche Unrechtsstaaten wie den Iran nicht zum Gegenstand eines medienwirksamen Antrag im Bundestag macht, sondern das Mullah-Regime sogar finanziell unterstĂŒtzt, hinterlĂ€sst das einen bitteren Beigeschmack, vor allem dann, wenn schon die Bezeichnung des Antrags im Bundestag nicht den Tatsachen entspricht.

Die Bezeichnung „Annexion“ ist schlichtweg falsch, weil es 1967 und auch heute keinen „Staat PalĂ€stina“ gab und gibt. Daher kann Israel das Gebiet dieses „anderen Staates“ nicht annektieren und tut dies auch nicht. Bewusst lassen deutsche Politiker die Historie der Gebiete „JudÀÀ“ (man beachte den Namen) und „Samaria“ und deren jĂŒdische Bevölkerung seit tausenden von Jahren ausser Acht. Wer das Wort „Annexion“ in diesem Zusammenhang wĂ€hlt, betreibt Propaganda. Und selbst wenn diese politische Entscheidung Israels, die SouverĂ€nitĂ€t seiner Gebiete zu planen, aus deutscher Sicht nicht klug ist, ist es eine innerpolitische Entscheidung Israels, deren Konsequenzen Israelis tragen. Deutsche Bevormundung ist fehl am Platze.

So bleibt mir nur die Hoffnung, dass sich die aufrechten Politiker innerhalb der liberalen Bundestagsfraktion durchsetzen können, sonst werde ich politisch heimatlos.

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