Weihnukka in Köln am 9. Dezember 2018

Kippa Colonia präsentiert:

Weihnukka – Latkes on Rievkooche
am So, 9. Dezember 2018 um 15:00 Uhr auf der Bühne des Hafenweihnachtsmarktes vor dem Schokoladenmuseum in Köln.

Unwissenheit ist die Mutter von Misstrauen und Angst. Meister Yoda sagte einst in einer weit, weit entfernten Galaxis:

„Furcht ist der Pfad zur dunklen Seite. Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid.“

Juden und Christen verbindet mehr, als es Trennendes gibt. Genau hier setzt Kippa Colonia an.

Juden und Christen feiern in der dunklen Jahreszeit Lichterfeste. Christen zünden in der Vorweihnachtszeit Adventskerzen an, Juden Lichter des Chanukkaleuchters. Beides bringt Licht in die Welt, Wärme und Mitmenschlichkeit. Auf den Weihnachtsmärkten sind Rievkooche in dieser Zeit ein Muss, in jüdischen Haushalten kommen während des Chanukafestes Latkes auf den Teller. Beides sind – Kartoffelpuffer! Schokoladentaler gehören auf den Weihnachtsteller genauso wie neben den Chanukkakreisel.

Deshalb feiert Kippa Colonia die Gemeinsamkeiten. Wir werden deshalb am
9. Dezember 2018 um 15 Uhr auf der Bühne des Hafenweihnachtsmarktes
vor dem Schokomuseum mit einem Reibekuchenverkäufer und einem Angehörigen der Synagogengemeinde über Advent und Chanukka, über Latkes und Rievkooche sprechen und gemeinsam Lieder singen.

„Mit Latkes on Rievkooche wollen wir zeigen, dass Juden und Christen viel mehr verbindet, als dass es Trennendes gibt“, sagt Angelika Hünerbein von Kippa Colonia und fügt hinzu: „Das lässt sich schön zeigen, dass während des Chanukkafestes und in der Vorweihnachtszeit Latkes gegessen werden. Beziehungsweise im Rheinland Rievkooche. Beides sind letztlich Kartoffelpuffer. Und in beiden Fällen gehört Apfelmus drauf.“

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Kritik an AfD an Kölner Universität zerstört

Ein Bericht von Tobias Pastoors.

Gestern wurde ich angebrüllt, bedroht und angegriffen, weil ich mich für Meinungsfreiheit an der Universität zu Köln eingesetzt habe.

Aber langsam. Was war passiert? Max Otte, ein Ökonom, der offen die AfD unterstützt, wollte einen Vortrag an der Uni Köln halten. Zahlreiche linke Gruppen hatten Protest angekündigt und es war absehbar, dass sie versuchen würden, die Veranstaltung zu blockieren. Das wollte ich nicht schweigend hinnehmen. Ich packte also mein Schild mit der Aufschrift „Auch Rechte haben Rechte, Ja zum Protest, nein zu Blockaden“ ein und fuhr zum Hörsaalgebäude. Dort war es wie erwartet: Etwa 150 junge Leute riefen „Alerta Antifascista“ und blockierten die Eingänge zum Hörsaal, in dem Otte sprechen wollte.

Ich habe dort mein Plakat hochgehalten. Ein Plakat, mit dem ich bereits gegen die AfD auf die Straße gegangen bin. Ich bin alles andere als ein AfD-Sympathisant und ich schaue auch nicht schweigend zu, wenn Rechte und Rechtsextreme die Grundpfeiler unserer Gesellschaft angreifen. Ich schaue auch nicht schweigend zu, wenn gegen Flüchtlinge oder Migrant*innen gehetzt wird. Ich schaue aber eben auch nicht schweigend zu, wenn Linke im Namen des Antifaschismus die Meinungsfreiheit für rechte Denker*innen abschaffen.

Es hat nur wenige Minuten gedauert, dann stürmte ein Aktivist aus der Menge auf mich zu. Er brüllte mir direkt ins Gesicht und schlug gegen mein Plakat. Wenn ich einen Meter zurückging, ging er einen Meter vor. Neben seinem Geschrei flog mir sein Speichel ins Gesicht. Ich rechnete jeden Moment damit, dass er zuschlagen würde. Augenscheinlich störte sich von den blockierenden Demonstrant*innen niemand daran, dass ich von einem Aktivist aus ihren Reihen, bedroht wurde.

Wenig später riss mir ein anderer Aktivist mein Plakat aus der Hand. Er zerlegte es in zwei Teile und warf es auf den Betonsockel über dem Eingang des Hörsaalgebäudes. Sein Angriff auf mich wurde von den Demonstrant*innen mit Applaus honoriert.

Klar, ich hatte mit kontroversen Reaktionen auf meinem Protest gerechnet. Ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass ich Sorge um meine körperliche Unversehrtheit haben würde. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass meine Meinungsäußerung durch Gewalt beendet werden würde.

Ich habe weder versucht, die Blockade zu brechen, noch habe ich in irgendeiner Weise inhaltlich Partei für Herrn Otte ergriffen. Ich habe die Blockade der Demonstrant*innen kritisiert, indem ich ein Schild hochgehalten habe. Zu meiner Kritik stehe ich. Denn Meinungen verschwinden nicht, nur weil man sie blockiert. Was aber verschwindet ist die Freiheit. Denn Meinungsfreiheit nur für die „richtigen“ Meinungen ist keine Meinungsfreiheit. Und freie Meinungsäußerung ist ein zentraler Eckpfeiler unserer liberalen Demokratie. Man kann unsere freie Gesellschaft nicht gegen die Angriffe von Rechtsaußen verteidigen, indem man die Grundwerte freiwillig als Kollateralschaden opfert.

Meine Kritik konnten die Demonstrant*innen nicht ertragen. Aber sie werden sie wieder ertragen müssen: Plakate kann man kleben.

Das ist die Rückseite meines Plakates, mit dem ich, wie erwähnt, bereits gegen die AfD demonstriert habe. Ein Teil der Kritik an der AfD wurde gestern leider an der Universität zu Köln zerstört.

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Weihnachtsmannfreie Zone

Für manche Christen ist es heutzutage gar nicht so leicht, alte Traditionen der christlichen Kirche neu zu beleben. Vorbei sind die Zeiten, in denen Scheiterhaufen wohlige Wärme unter Christen verbreiteten und die Inquisition liebevoll das Wort Gottes interpretierte. Selbst die christlichen Kinder können sich heute nicht mehr im Namen des Herrn auf den Spielplätzen der Kinderkreuzzüge austoben. Stattdessen blicken manche Christen mit Neid auf jene Religionen, die im 21. Jahrhundert eine bessere Corporate Identity haben und weder vor Steinigungen, noch vor Sprengstoffgürteln und Witwenverbrennungen zurückschrecken.

Da kann das Christentum nur zuschauen. So macht Christentum einfach keinen Spaß mehr!

Für Christen, die derart zweifeln an ihrem Glauben, halten Maite Kelly, Nina Ruge und Peter Hahne einen ersten Schritt der Befreiung bereit, denn sie haben ihren Namen für die Aktion „Weihnachtsmannfreie Zone“ des Bonifatiuswerks der deutschen Katholiken hergegeben. Mit kleinen Schritten wagen sie sich zur verloren geglaubten inquisitio haereticae pravitatis (Inquisition gegen ketzerische Verderbtheit) zurück. Es muss nicht immer gleich der Scheiterhaufen sein.

Seit Jahren schon veranstaltet Maite Kelly regelmäßig eine Art Kinderkreuzzug. Im November 2018 erklärte sie in Aachen eine „weihnachtsmannfreie Zone“. Bei der Aktion ist unter anderem dieses Bild im Einsatz:

Maite Kelly wirbt mit durchgestrichenen Weihnachtsmann für die Diskriminierung eines winterlichen Symbols der Liebe, das nicht wenigen Menschen (z.B. mir) durchaus etwas bedeutet. Mich erinnert das Bild daran:

Natürlich ist es das Recht eines jeden Menschen, nicht nach den Regeln des Islams zu leben (wie ich). Niemand darf gezwungen werden, in eine Moschee zu gehen. Das heißt aber noch lange nicht, dass es angemessen ist, mit durchgestrichener Moschee eine Aktion gegen all jene Menschen zu fahren, die lieber in eine Moschee gehen statt in eine Kirche, eine Synagoge, ein Theater oder in einen Zoo.

Maite Kelly darf mit ihren katholischen Leichtinquisitoren selbstverständlich ihrem Heiligen Nikolaus von Myra huldigen. (Auch ich putze jeden 5. Dezember die Stiefel und stelle sie vor die Tür.) Niemand zwingt Maite Kelly, den Weihnachtsmann in ihr Wohnzimmer zu lassen oder Socken an den Kamin zu hängen. Den Weihnachtsmann jedoch durchzustreichen und damit dann auch noch dummdreist durch deutsche Städte zu marschieren, das nehme ich persönlich! Eine Freundin von mir hat es schön auf den Punkt gebracht:

„Ich möchte mit meiner Tochter nicht an Maite Kelly vorbeigehen und mich dann Fragen anhören müssen, wie :’Mama, warum mag Frau Kelly den Weihnachtsmann nicht? Der tut doch viel Gutes und beschenkt alle Menschen.’“

Maite Kelly sagt:

„Ich muss meinen Kindern keine Lügen vom Weihnachtsmann erzählen.“

Ich aber sage:

Nein, Maite, es gibt einen Weihnachtsmann. Er existiert so zweifellos wie Liebe und Großzügigkeit und Zuneigung bestehen. Wie öde wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe. Sie wäre so öde, als wenn es dort keine Kinder gäbe. Es gäbe dann keinen kindlichen Glauben, keine Poesie, keine Romantik, die diese Existenz erträglich machen. Wir hätten keine Freude außer durch Gefühl und Anblick. Das ewige Licht, mit dem die Kindheit die Welt erfüllt, wäre ausgelöscht.

Ich verstehe nicht, warum man als Christ, der an den Heiligen Nikolaus oder an das Christkind glaubt, unbedingt den Weihnachtsmann verunglimpfen muss. Liegt es vielleicht daran, dass mein Weihnachtsmann seinen Elfen Mindestlohn zahlt, während der Gehilfe vom Nikolaus, Knecht Ruprecht, vermutlich nur Frondienste leistet? Oder liegt es daran, dass im Vorstand des Weihnachtsmannes Mrs. Claus sitzt, was eine Frauenquote von 50 Prozent bedeutet, etwas wovon die katholischen Vorstände nur träumen können? Oder liegt es daran, dass der Weihnachtsmann alle menschlichen Züge besitzt, unter anderem asiatisch, schwarz und jüdisch?

Das Domradio erklärte am 27. November 2018:

„Der Weihnachtsmann und der heilige Nikolaus sehen sich äußerlich ziemlich ähnlich. Sie verkörpern aber sehr unterschiedliche Werte: Während der heilige Nikolaus für christliche Werte steht, symbolisiert der Weihnachtsmann eher Kommerz und Kitsch.“

Echt? So einfach wollen wir die Unterscheidung zwischen den beiden Männern machen? Wenn die Latte so niedrig hängt, dann habe ich auch einen Vergleich parat: Wenn man eine Mutter fragt, ob sie ihren kleinen Jungen lieber für ein paar Stunden in die Obhut eines christlichen Priesters oder eines Spielzeugherstellers vom Nordpol geben würde, käme der christliche Priester gewiss nicht sehr gut dabei weg und daran ist nicht der Weihnachtsmann schuld.

Warum können die Anhänger des Nikolaus und des Christkindes nicht einfach als Vorbilder glänzen, statt zu versuchen, den Weihnachtsmann zu diskreditieren? Brauchen Christkind und Nikolaus wirklich ein Feindbild?

Der Weihnachtsmann würde nie das Christenkind durchstreichen oder den Nikolaus. Dafür ist er viel zu respektvoll. Er würde auch nie ein Kind zwingen, sich auf seinen Schoß zu setzen, was man von einigen katholischen Geistlichen nicht behaupten kann. Der Weihnachtsmann glänzt geradezu von Nächstenliebe, Toleranz und Respekt. Ihm das abzusprechen ist eine Unverschämtheit. Im Evangelium des Lukas steht:

Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden! Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden! Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden!“ (Lk, 6,37)

Diesen Vers hat Maite Kelly sich leider nicht zu Herzen genommen. Sie richtet über der Weihnachtsmann und verurteilt jene, die an ihn glauben. Dabei ist eines der erfolgreichsten Weihnachtslieder der Kelly Family ausgerechnet „Rudolph, the Red-Nosed Reindeer“. Maite Kelly hat lange in dieser Band gesungen und somit den Kindern eine Geschichte des Weihnachtsmanns erzählt. Der rotnasige Rudolph wurde nämlich 1939 von der Kaufhauskette Montgomery Ward in Chicago entwickelt und dann als Malbuch für Kinder und später als Lied herausgegeben. Rudolph ist ein Helfer des Weihnachtsmanns!

Es ist schon sehr bemerkenswert, dass Maite Kelly auf der einen Seite den Weihnachtsmann verunglimpft, aber auf der anderen Seite gut Geld mit ihm verdient. Im Christentum wird sowas Häresie genannt. Ich hol‘ schon mal das Holz!

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„Ein großes Wunder geschah dort!“

„An einem Freitagnachmittag kurz vor dem Schabbat wurde dieses Foto aufgenommen. Meine Großmutter erkannte, dass es sich um ein historisches Foto handelte und so sie schrieb auf die Rückseite des Fotos:

Chanukkah
5692
(1932)

„Juda verrecke“
die Fahne spricht –
„Juda lebt ewig!“
erwidert das Licht.“

Mein Großvater, der Rabbiner der Kieler Gemeinde war, hielt viele Reden, sowohl vor Juden als auch vor Deutschen. Er warnte die Deutschen, dass der Weg, den sie eingeschlagen hatten, weder für Juden noch für Deutsche gut sei, und die Juden warnte er, dass sich etwas Schreckliches zusammenbrauen würde und sie gut daran täten, Deutschland zu verlassen. Mein Großvater floh 1933 aus Deutschland und zog nach Israel. Seine Gemeinde kam zum Bahnhof, um ihn zu verabschieden. Bevor er abreiste, drängte er sein Volk dazu, Deutschland zu verlassen, solange noch Zeit sei.“

Diese Worte stammen von Yehudah Mansbuch. Er ist der Enkel der Frau, die dieses Foto machte. Ihr Name ist Rachel (Rosi) Posner. Ihr Mann, Akiva Baruch Posner, war der letzte Rabbiner Kiels.

Im Jahr 1932 fiel der erste Tag von Chanukka auf den Heiligen Abend. Das Bild wurde somit einen Monat vor dem 30. Januar 1933 gemacht, dem Tag der Ernennung Adolf Hitlers in die Reichskanzlei durch das Kabinett.

Chanukka erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem im jüdischen Jahr 3597 (164 v.u.Z.) nach dem erfolgreichen Makkabäeraufstand der Juden Judäas, wie er im Ersten Buch der Makkabäer, bei Flavius Josephus und im Talmud überliefert ist. Hellenisierte Juden und makedonische Seleukiden hatten damals eine Zeus-Statue im jüdischen Tempel aufgestellt, um den jüdischen Gott auf griechische Art zu verehren. Die Makkabäer beendeten dieses Treiben, bekämpften die Fremdherrschaft und führten den traditionellen jüdischen Tempeldienst wieder ein.

An Channukka feiern Juden somit die Wiedergewinnung der Souveränität über ihre Hauptstadt Jerusalem. Vielleicht wäre dieser Feiertag, über zwei Jahrtausende später, für Deutschland der passende Moment, Jerusalem endlich als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Das wäre wirklich ein schönes, wenn auch vespätetes Geschenk zu Channuka und deutlich mehr als nur leere Worte. Es wäre zudem ein Wunder und Channuka ist das Fest der Wunder. Der Sieg der Makkabäer gilt als Wunder, da die gegnerische Seite militärisch weit überlegen war. Es gibt jedoch noch ein weiteres Channuka-Wunder:

Als die Menora, der siebenarmige Leuchter im Tempel, wieder entzündet werden sollte, war aufgrund der Kämpfe mit den Seleukiden nur noch ein Krug geweihtes Öl vorzufinden, das gerade mal für nur einen Tag reichte. Für die Herstellung neuen geweihten Öls wurden allerdings acht Tage benötigt. Durch ein Wunder brannte das Licht jedoch acht Tage, bis neues geweihtes Öl hergestellt worden war.

„Ein großes Wunder geschah dort!“

Mit diesen Worten wird das Wunder von Channuka acht Tage lang gefeiert. Jeden Tag wird eine weitere Kerze angezündet, bis alle acht Kerzen am Leuchter brennen. Die neunte Kerze ist der Diener (Schamasch). Nur mit diesem Diener dürfen die anderen Kerzen angezündet werden, nachdem die notwendigen Segen (Brachot) gesprochen wurden. Chanukka ist das Fest der Wunder. Auf Hebräisch wird gesagt:

„nes gadol haja scham“

Diese vier Worte stehen auf einem Kreisel, den Kinder in der Zeit nutzen, um damit um Schokoladentaler zu spielen.

Ein weiterer Brauch an Channukah besteht darin, das Öl zu ehren, indem acht Tage lang alles frittiert wird, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Je öliger eine Speise ist, umso besser. Zu den zwei bekanntesten Channuka-Speisen gehören Latkes und Sufganiyot. Latkes sind gebratene Reibekuchen und Sufganiyot frittierte Gebäckteilchen, mit Marmelade oder Vanillecreme gefüllt und mit Puderzucker bestreut.

Channuka hat einen großen Einfluss auf Deutschland ausgeübt. Gerade die Weihnachtszeit ist voll von Traditionen, die es auch im Judentum gibt. Sufganiyot sind in Deutschland als Berliner bekannt. In Köln wiederum gehören Latkes auf jeden Weihnachtsmarkt und sind dort als Rievkooche bekannt. Auf vielen deutschen Weihnachtstellern liegen Schokotaler, die jedes jüdische Kind kennt, wenn es mit dem Kreisel spielt. Das Anzünden der Kerzen auf dem Adventskranz ist auch nicht zufällig wie das Anzünden des Channuka-Leuchters.

All diese Bräuche sind jüdisch und christlich. Die Nazis wollten das jüdische Volk vernichten. Das Volk Israel aber lebt! Ein großen Wunder geschah dort!

Zurück ins Jahr, als Rachel Posner das Bild des Leuchters in Kiel machte. Ihr Enkel Yehudah Mansbuch erzählt heute:

„Der jüdische Brauch sagt, dass man die Chanukkia ins Fenster stellen muss, damit man sie von außen sehen kann. In dieser Zeit haben viele Juden das noch so gemacht, aber doch die Gardinen zugezogen, weil sie Angst hatten. Unsere Großeltern hatten keine Angst, und man sieht auf dem Bild zwar die Vorhänge, aber sie sind nicht zugezogen, so dass man die Chanukkia gut von außen sehen konnte.“

Tapfer im Nirgendwo wünscht allen, die es feiern, ein frohes und glückliches Lichterfest. Ich bedanke mich für all die Wunder, die Ihr täglich in diesem Land vollbringt.

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Selbst als Palästinenser

Selbst als Palästinenser ohne israelische Staatsbürgerschaft oder einer anderen Staatsbürgerschaft habe ich mehr Rechte in Israel als an dem Ort, an dem ich geboren und aufgewachsen bin.

Selbst als Palästinenser habe ich mehr Rechte in Israel als in jedem anderen arabischen Staat.

Selbst als Palästinenser muss ich nicht befürchten, von Israelis getötet zu werden, sondern von meinem eigenen Volk.

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Die Blutwurst gehört zu Deutschland wie der Islam

Ende November 2018 fand in Berlin die zwölfte Auflage der Islamkonferenz unter der Leitung des von Horst Seehofer geführten Bundesinnenministerium statt. Absicht der Konferenz ist die Beförderung des Dialogs zwischen der Bundesrepublik und den in Deutschland lebenden Muslimen. Im Anschluss der Konferenz schrieb der WDR-Journalisten Tuncay Özdamar:

„Auf der Islamkonferenz gestern in Berlin gab es wieder Schweinefleisch auf dem Buffet. Es wurde Blutwurst serviert. Inşallah halal. Welches Zeichen will Seehofers Innenministerium damit setzen? Ein wenig Respekt von Muslimen, die kein Schweinefleisch essen, wäre angebracht.“

Lieber Tuncay Özdamar,

Die Blutwurst gehört zu Deutschland wie der Islam. Wer in Deutschland zu einer Veranstaltung eines Ministeriums geht, muss damit rechnen, dass es dort Schweinefleisch zu essen gibt, vor allem wenn der leitende Minister ein Christ aus Bayern ist. Auf der Islamkonferenz wurde auch Wein ausgeschenkt und es gab sogar Muslime, die sich daran gelabt haben, auch wenn Mohamed, würde er heute noch leben, das gewiss nicht ganz so töfte gefunden hätte.

Wenn Sie an einem Ort sein wollen, wo es ganz sicher kein Schweinefleisch gibt, dann gehen Sie in eine Synagoge. Aber Vorsicht, dort wird Wein angeboten. Bitte unterlassen Sie daher die Unverschämtheit, einen Juden aufzufordern, nach muslimischen Prinzipien zu leben. Das nennt sich Missionierung und ist in diesem Land nicht mehr so gern gesehen wie einst zu Zeiten Martin Luthers.

Das Innenministerium erklärt, bei der Islamkonferenz sei ein ausgewogenes Angebot aus dreizehn verschiedenen Häppchen bereitgestellt worden, das „mit Blick auf die religiös-plurale Zusammensetzung“ der Konferenz zusammengestellt worden war. Dennoch veröffentlichte das Ministerium später auf Nachfrage eine Entschuldigung auf Twitter:

„Sollten sich einzelne Personen dennoch in ihren religiösen Gefühlen gekränkt gesehen haben, bedauern wir dies.“

Liebes Innenministerium,

ich finde es höchst bedenklich, wenn sich ein deutsches Ministerium für die kulinarische Abbildung von Vielfalt entschuldigt. In Deutschland leben die unterschiedlichsten Menschen mit unterschiedlichsten Lebensstilen. Einen Lebensstil zu diskriminieren, weil er Mitgliedern eines anderen Lebensstils nicht gefällt, ist für ein deutsches Ministerium im höchsten Grade undemokratisch, intolerant und in einer offen und pluralen Gesellschaft inakzeptabel.

Wenn ich Menschen in mein Haus einlade und das kommt nicht selten vor, sind unter meinen Gästen die unterschiedlichsten Menschen. Christen, Juden, Muslime, Buddhisten, Atheisten, Sozialisten, Liberale, Grüne, Vegetarier, Antialkoholiker, Veganer und viele andere Personen finden sich ab und an in meiner kleinen Wohnung ein. Niemals hat auch nur eine dieser Personen bemängelt, dass es bei mir diverse Fleischsorten und Alkohol angeboten wurden.

Es ist unverschämt bei jemandem zu Gast zu sein und ihm vorzuschreiben, was er in seiner Wohnung zu servieren hat. Wenn ich keinen Alkohol trinke, ist es unverschämt, wenn ich am Schabbat zu einer jüdischen Familie gehe und mich dort darüber aufrege, dass Wein getrunken wird. Es ist so unanständig wie in eine Moschee zu gehen, um einer dort befindlichen Frau zu sagen, sie möge doch bitte das Kopftuch ablegen, weil sie dadurch manche Feministinnen beleidigen könne.

Die Islamkonferenz soll helfen, die Integration der hier lebenden Muslime zu verbessern. Zu den wichtigen Säulen unserer heutigen Gesellschaft gehören die Vielfalt und die Freiheit. Muslime in Deutschland werden lernen müssen, die Blutwurst zu tolerieren. Sie müssen sie nicht essen, aber das Existenzrecht der Blutwurst steht nicht zur Debatte.

Bei eine Konferenz, wo Muslime und Nicht-Muslime sich näher kommen sollen, muss sich auch die nicht-muslimische Seite wohl fühlen können. Die Blutwurst gehört zu Deutschland wie der Islam und die Kartoffel.

Die Kartoffel ist sogar ein Beispiel vorbildlicher Integration. Ja, die Kartoffel hat einen Migrationshintergrund. Sie wanderte im 17. Jahrhundert nach Europa ein und wurde in Preußen am 24. März 1756 durch einen sogenannten „Kartoffelbefehl“ von Friedrich II integriert. Es ist daher besonders lustig, wenn ein Migrant einen Deutschen „Kartoffel“ nennt.

Zum Schluss noch eine Frage: Mehrere Teilnehmende der Islamkonferenz leben in ständiger Lebensgefahr durch islamische Fundamentalisten, weil sie den Islam kritisieren, darunter Seyran Ateş, Hamed Abdel-Samad und Ahmad Mansour. Sollte diese brutale Gewalt nicht viel mehr ein Thema sein als eine harmlose Blutwurst?

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Facebook sperrt Hamed Abdel-Samad

Für diesen Text wurde Hamed Abdel-Samad von Facebook gesperrt.

Ihr Feiglinge! Viele junge Muslime/Muslimas leben im Westen und genießen die Vorzüge der Freiheit, sie setzen sich aber für diese Freiheit kaum ein. Viele sind gut gebildet und haben einen guten Job, bleiben aber in den Zwängen der Religion und der eigenen Community verhaftet. Ihre Bildung und Engagement stellen sie selten im Dienste der Aufklärung und des Gemeinwesens, sondern eher im Dienste des Islam oder der Parallelgesellschaft. Sie kritisieren die rechte Ideologie, solange sie von Bio-Deutschen kommt, aber wir hören von ihnen kaum Kritik gegen die reaktionären Islamverbände, die nationalistischen Grauen Wölfe oder die patriarchalischen Strukturen in den eigenen Familien. Im Gegenteil, viele von ihnen sind Krawatten-Islamisten, die Erdogan, die Grauen Wölfe und die Muslimbruderschaft unterstützen und das Patriarchat verteidigen. Sie zitieren Kant und Adorno, um die Aufklärung zu relativieren und den Islamismus zu verniedlichen. Sie verlangen Sonderrechte für Muslime in Deutschland, lehnen aber die Minderheitenrechte für Kurden in der Türkei oder für Christen in der arabischen Welt ab. Selbst viele muslimische Intellektuelle und Journalisten sind in diesen Sippen verhaftet und werben ständig um Verständnis für den Islam und die Parallelgesellschaft, statt ihre Leute mit Kritik herauszufordern. Selbst wenn diese Kritik manchmal kommt, ist sie oft leise und relativiert sich nach zwei Sätzen, indem die Debatte in Richtung Kampf gegen Islamophobie driftet.

Migrantenkinder der zweiten und dritten Generationen wissen ganz genau, was schief läuft in der Erziehung und in den Communities, und haben selbst oft darunter gelitten, nehmen aber ihre Leute sippenhaft in Schutz, wenn Kritik von außen kommt. Statt Selbstkritik zu üben, geben sie den Anderen die Schuld für die Misere. Die Frauenhäuser sind voll von entrechteten muslimischen Frauen, aber viele gebildete Muslimas machen eher Kampagnen für das Kopftuch und Burkini. Statt sich vom Joch der patriarchalischen Tradition zu emanzipieren, starten sie Initiativen und Projekte, um einen Propheten, der Frauen als Kriegsbeute nahm und ein sechs-jähriges Mädchen heiratete, als Vorbild für den modernen Menschen zu rehabilitieren!

Ich sage Euch, Ihr seid Feiglinge und Heuchler! Ihr seid keine freien mündigen Bürger, sondern Untertanen Eurer Religion und Eurer Community! Und wenn Ihr genauso vehement gegen die Missstände in Euren eigenen Reihen vorgehen würdet wie gegen Islamkritik, wäre diese Kritik überflüssig! Wenn Ihr mehr Mut zeigen würdet statt Opferhaltung, wäre die Gesellschaft reicher. Wenn Ihr Euch für die Freiheit aller einsetzen würdet, statt nur Sonderbehandlung für Euch zu verlangen, wäre viel gewonnen!

Hamed Abdel-Samad kann nur mit Personenschützern sein Haus verlassen. Seine Freunde kann er nur geheim treffen. Sein unbeschwertes Leben wurde ihm genommen, weil er die Freiheit der Meinung lebt und den Islam kritisiert. Er lebt unter ständiger Lebensgefahr, weil er Homosexuelle nicht verurteilt, für Frauenrechte streitet, das Kopftuch für Frauen nicht fordert, Juden nicht hasst und den Islam an seinen fundamentalistischen Stellen kritisiert. Das ziehen viele Muslime in Europa als Grund heran, Hamed Abdel-Samad umbringen zu wollen.

Seine wichtigste Waffe im Kampf gegen die Fundamentalisten, die ihn töten wollen, ist das freie Wort und die Möglichkeit, seine Worte zu veröffentlichen.

Das Unternehmen Facebook ist ein Kind unserer aufgeklärten Gesellschaft. Für diese Freiheit sind viele Männer und Frauen gestorben, die für das freie Wort gestritten haben, wie Hamed Abdel-Samad. Ausgerechnet diesem Mann entzog Facebook nun eine seiner wichtigsten Selbstverteidigungswaffen und sperrte ihn.

Es ist nicht das erste Mal, das Hamed Abdel-Samad gesperrt wurde. Vor genau einem Jahr wurde er von Twitter gesperrt. Er kommentierte damals:

„Nachdem ich Bilder und Posts eines algerischen Islamisten veröffentlicht habe, der in seiner Heimat für Gewalt gegen religiöse Minderheiten im Gefängnis war und nun in Deutschland Asyl beantragt, hetzte er und seine Freunde gegen mich im Netz und verlangten meine Seite zu attackieren. Facebook reagierte nicht, Twitter aber wohl. Islamisten werden in Schutz genommen und sie dürfen weiterhin gegen den Westen hetzen, aber Kritiker des Islamismus werden gesperrt. Wir bewegen uns definitiv in die falsche Richtung!“

Hamed Abdel-Samad sieht sich einem Zermürbungskrieg ausgesetzt, bei dem ein Meldemob in der virtuellen Welt gegen einen Mann vorgeht, der in der realen Welt ständig auf der Flucht ist vor Fundamentalisten, die ihn töten wollen. Ein Meldemob beherrscht die Netzwerke. Heute gilt, bringe nur genug Menschen gegen Dich auf und eine Sperrung wird sehr wahrscheinlich.

Die Art und Weise wie Facebook seine Seiten verwalten, ist ein Angriff auf den liberalen Geist der Individualität, wo der Gedanke der Freiheit und die persönliche Entfaltung zählen und nicht der Mob.

Einige mögen nun einwenden, Hamed Abdel-Samad habe zu viel Kritik geübt. Es gibt aber kein Zuviel an Kritik. Es gibt nur ein Zuviel an Beleidigtsein. Gegen Kritik, die schmerzt, möge sie nun schmerzen, weil sie wahr ist oder schmerzen, weil sie unwahr ist, hilft nicht mehr hinhören als Sofortmaßnahme und Gegenrede als zivilisierte Form der Verteidigung. Eine Rede jedoch zu verbieten, weil man glaubt, sie könne Gewalt befördern, ist ein Präventivschlag. Ein solcher Schlag sollte, wenn überhaupt, nur in ganz engen Grenzen gestattet sein, nämlich wenn ein physischer Angriff sicher und unmittelbar bevorsteht. Niemand aber ist in Gefahr, weil Hamed Abdel-Samad redet. Hamed Abdel-Samad aber ist in Gefahr, weil er redet!

Im Jahr 2016 wurde Abdel-Samad angezeigt und von der Berliner Staatsanwaltschaft verhört, weil er Mohamed als „Massenmörder und krankhaften Tyrann“ bezeichnet hatte. Das Verhör war ein eklatanter Verstoß gegen die Meinungsfreiheit und ich schäme mich, in einem Land zu leben, wo es Gesetze gibt, die so ein Verhör ermöglicht haben. Hamed Abdel-Samad schrieb damals:

„Wie kann man eigentlich Volksverhetzung messen? Zählt man die Köpfe, die wegen meines Buches abgetrennt wurden, kommt man auf die Zahl Null. Auch wurden deshalb keine Menschen vertrieben oder von ihrer Arbeit entlassen. Wie viele Menschen sind aber seit dem Erscheinen meines Buches im Namen von Mohamed und dem Koran getötet worden?

Wie viele Menschen wurden vertrieben, versklavt oder vergewaltigt? Wer soll wen eigentlich anklagen? Islamkritiker in der islamischen Welt müssen mit Todesstrafe, Gefängnis oder Auspeitschung rechnen. Auch in Europa werden sie von radikalen Islamisten bedroht. Für Politiker sind sie unerwünscht oder mindestens ‚nicht hilfreich‘. Von Linken und Dialog-Profis werden sie schikaniert, diffamiert und kritisiert. Dass auch die deutsche Justiz sich an dieser Sanktionierung beteiligt, ist für mich ein Skandal!“

Auf die Frage, ob Hamed Abdel-Samad die Konfrontation suche, sagt er:

„Nein, ich suche das Gespräch und daraus wird eine Konfrontation. Hab ich irgendjemanden beleidigt? Habe ich irgendjemanden angeschrieen? Nein! Die Leute kommen auf mich zu und schreien.“

Hamed Abdel-Samad beleidigt und provoziert nicht. Menschen fühlen sich durch Hamed Abdel-Samed beleidigt. Deshalb aber seine Worte zu sperren, ist genauso falsch wie eine vergewaltigte Frau zu kriminalisieren, weil sie einen zu kurzen Rock getragen haben soll.

Der Mantel des Schweigens ist für die Redefreiheit das, was der Schleier und das Kopftuch für die Rechte der Frau ist. Jede Frau darf selbst entscheiden, ob sie einen Schleier tragen möchte und jeder Mensch darf selbst entscheiden, ob und zu was er schweigen und reden will. Es darf keinen Zwang geben, weder für den Schleier noch für den Mantel des Schweigens!

Hamed Abdel-Samad ist ein anständiger Mensch der Aufklärung. Er macht auf Missstände aufmerksam und zeigt mit dem Finger auf den Sumpf, aus dem immer wieder Blasen des Hasses aufsteigen. Er gibt einfach nicht auf, auch wenn es manchmal weh tut und er unter Tränen erklärt (Ab Minute 49:30):

„Ich mag Orte, wo Menschen mit dem Herzen dabei sind, auch wenn ich nicht mehr religiös bin, aber ich mag sehnsuchtgeladene Orte, wo die Menschen weinen, wo die Menschen ihre Sehnsüchte aussprechen. Das Letzte, was ich will, ist letzten Endes Gefühle von irgendjemanden zu verletzen, ich meine, dass er sagt, ich hätte dann …“

Hier überkamen ihm die Gefühle. Er weinte.

„Wenn ich jedes Mal immer darauf achten muss, dass der oder der oder die verletzt sein könnte oder das wäre zu viel, hör da auf, das ist eine Selbstzensur, die sehr gefährlich ist für einen Schriftsteller. Ein Schriftsteller lebt davon, dass er einfach seine Meinung sagt und sich darauf verletzt, dass die Anderen …“

Hier überkamen ihm erneut die Tränen.

„Glaubst Du, dass ich das aus Spaß mache. Glaubst du, dass ich so leben will?“

Lieber Hamed Abdel-Samad,

Du kämpfst für mich. Du kämpfst für uns. Du bezahlst einen hohen Preis dafür. Ich glaube nicht an Helden, aber ich glaube an heldenhafte Taten. Du vollbringst sie jeden Tag. Danke dafür, vielen, vielen Dank! Und den Damen und Herren bei Facebook sei gesagt: Schämt Euch!

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