2000 Jahre jĂŒdisches Leben am Rhein

Der im Jahr 2018 im Gemeindehaus der Synagoge Köln gegrĂŒndete Verein „321–2021: 1700 Jahre jĂŒdisches Leben in Deutschland e.V.“ hat zum Ziel, die Bedeutung der jĂŒdischen Kultur und Geschichte fĂŒr Deutschland und Europa wachzuhalten. Der Verein leistet wertvolle Arbeit und ich bin sehr dankbar dafĂŒr. Allerdings befinden sich im Namen des Vereins zwei Fehler:

Erstens: Es gibt nicht seit 1700 Jahren jĂŒdisches Leben in Deutschland. Das ist sogar unmöglich, weil Deutschland noch gar nicht so lange existiert. Juden leben am Rhein lĂ€nger als Deutsche.

Zweitens: Juden leben am Rhein schon lĂ€nger als 1700 Jahre. Im Jahr 321 wird die jĂŒdische Gemeinde in Köln lediglich erstmals schriftlich nachweisbar erwĂ€hnt.

Lange bevor in Europa das deutsche Volk in Erscheinung trat, lebten bereits Juden in den StÀdten, die heute zu Deutschland gehören, zum Beispiel Köln, Bonn, Worms, Speyer, Trier und Augsburg, um nur ein paar zu nennen.

Völker kommen und gehen. Sie entstehen, bestehen, verwehen. Nicht selten werden Völker von außen bestimmt. Das beste Beispiel dafĂŒr ist das deutsche Volk, das in den verschiedenen Sprachen verschieden bezeichnet wird. Die Finnen nennen Deutsche „Saks“, weil sie die Sachsen in ihrer direkten Nachbarschaft haben. Die Sachsen treten erstmals ab dem 3. Jahrhundert in Erscheinung. Die Franzosen wiederum nennen die Deutschen Alemannen, eine Volksbezeichnung, die ebenfalls erstmals im dritten Jahrhundert auftaucht. Die Polen nennen die Deutschen Niemieckis und die EnglĂ€nder Germanen. Kaum ein Deutscher wĂŒrde sich jedoch Germane nennen und nur wenige bezeichnen sich als Sachsen oder Alemannen. Die Deutschen nennen sich „deutsch“. Woher kommt jedoch das Wort „deutsch“?

„Deutsch“ komm von dem Wort „diutisc“ und bedeutet so viel wie „zum Volk gehörig“. Mit diesem Begriff wurde die nicht-romanischsprechende Bevölkerung jenseits der nördlichen Grenze des Römischen Reichs bezeichnet. Der erste wichtige Beleg fĂŒr den Begriff ist eine Textstelle aus dem 4. Jahrhundert, eine Passage in der gotischen BibelĂŒbersetzung des Bischofs Wulfila. In seiner griechischen Vorlage fand er als Gegenbegriff zu jĂŒdisch den Begriff „ጐΞΜÎčÎșός“ (zum Heiden-Volk gehörig). Die nichtjĂŒdischen Völker, die noch christlich bekehrt werden sollten, wurden mit diesem Wort zusammengefasst. Wulfila ĂŒbersetzt den Begriff ins Gotische und verwendete dazu das Wort â€žĂŸiudisko“.

Mit diesem Begriff wurden alle nicht Latein sprechenden StĂ€mme jenseits der römischen Grenze zu einem Volk subsumiert. Diese StĂ€mme zeichneten sich dadurch aus, dass ihre Frageworte mit einen W-Laut anfingen. Das ist ĂŒbrigens noch heute so. Die Frageworte der deutschen Sprachfamilie lauten: Wer, Wie, Was, Who, Why, Where, Waarom, Wat, Waar. Die romanischen Sprachen zeichnen sich durch Frageworte aus, die mit Q anfangen: Quand, Que, Qui, Quando, Quoi.

Diese Lautverschiebung wird in der Sprachwissenschaft „Erste Deutsche Lautverschiebung“ genannt und geschah ungefĂ€hr fĂŒnfhundert Jahre vor moderner Zeitrechnung. In dieser Zeit entstand ein neuer Sprachraum, der spĂ€ter der „deutsche“ Raum genannt wurde.

Dieser sprachliche Vorstellungsraum wurde zu einer Zeit erfunden, als bereits eine Synagoge in Köln stand, jedoch verstanden sich die unter diesem Begriff zusammengefassten StÀmme nicht als ein Volk mit einer gemeinsamen IdentitÀt. Nicht wenige StÀmme lagen im Krieg miteinander.

Nach dem Zusammenbruch des Antiken Römischen Reichs war Mitteleuropa fĂŒr Jahrhunderte ein chaotisches Gebiet der Völkerwanderung mit ScharmĂŒtzeln an jeder Ecke. Erst die Karolinger brachten wieder Ordnung in die Region, indem Karl der Große von der römisch-katholischen Kirche wieder zum CĂ€sar (Kaiser) gekrönt wurde. So entstand das karolingische Ostfrankenreich. Aus dem Westfrankenreich sollte sich spĂ€ter Frankreich entwickeln.

Aus dem Ostfrankenreich bildete sich im 10. Jahrhundert unter der Dynastie der Ottonen das Heilige Römische Reich heraus. Der Name „Sacrum Imperium“ ist fĂŒr 1157 und der Titel „Sacrum Romanum Imperium“ fĂŒr 1254 erstmals urkundlich belegt. Ab dem 15. Jahrhundert kam dann der Zusatz „Deutscher Nation“ hinzu, um das Reich vom Antiken Rom zu unterscheiden.

Als dieses Reich im frĂŒhen 19. Jahrhunderte aufhörte zu existieren, war Mitteleuropa wieder ein Flickenteppich mit dutzenden LandesvĂ€tern. „Deutschland“ war lediglich ein Vorstellungsraum. Der Traum einer deutschen Republik zerplatze in der gescheiterten Revolution 1848/49. Den Vorstellungsraum Deutschland dominierten stattdessen das Kaisertum Österreich, das Königreich Preußen, der Rheinbund und der Deutsche Bund unter der FĂŒhrung Österreichs, der sich im Jahr 1815 gegrĂŒndet hatte.

Der Deutsche Bund war ein Staatenbund, den die „souverĂ€nen FĂŒrsten und freien StĂ€dte Deutschlands“ schlossen. Die Mitgliedes des Deutschen Bunds waren auch der Kaiser von Österreich und die Könige von Preußen, DĂ€nemark und der Niederlande. In diesem Bund gĂ€rte der Wunsch nach einer deutschen Nation. Die Konkurrenz zwischen Österreich und Preußen um die Vorherrschaft im Bund spitzte sich zum deutschen Dualismus zu. Mit dem Deutschen Krieg und der Schlacht bei KöniggrĂ€tz entschied Preußen 1866 die Vorherrschaft zu seinen Gunsten, fĂŒhrte die diversen LĂ€nder zu einem Reich zusammen und gab ihm den Namen „Deutsches Reich“, in Anlehnung an das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, um so eine jahrhundertlange Tradition der vermeintlichen Deutschen vorzugaukeln.

So wurde das deutsche Volk im Jahr 1871 erfunden.

FĂŒr das „Deutsche Reich“ wurde sogar ein Denkmal errichtet – oder besser gesagt: fertiggestellt. Um die Macht des neuen Deutschen Reiches zu dokumentieren, wurde eine ĂŒber sechshundertjĂ€hrige Baustelle fertiggestellt. Das GebĂ€ude sollte daraufhin vier Jahre lang das höchstes GebĂ€ude der Welt sein. Es ist der Kölner Dom.

Köln wurde somit 1871 deutsch. Davor war die Stadt mal römisch, mal französisch, mal preußisch. Kein Volk jedoch lebt lĂ€nger in Köln als Juden. Die Ă€lteste Schrift, die jĂŒdisches Leben in Köln dokumentiert, ist ein Dekret Kaiser Konstantins aus dem Jahre 321. In diesem Dekret heißt es:

„Allen StadtrĂ€ten gestatten Wir durch allgemeines Gesetz, Juden in die Kurie zu berufen.“

In einer weiteren Urkunde von 341 ist vermerkt, dass die Synagoge mit kaiserlichen Privilegien ausgestattet wurde. Der Bau einer jĂŒdischen VersammlungsstĂ€tte zeigt, dass zu dieser Zeit schon eine grĂ¶ĂŸere Gemeinde vorhanden war. Das Judentum gehört zu Köln, bevor das Christentum Teil der Stadt wurde. Das Judentum brachte die Geschichten von Noah, Abraham, Sarah, Rebecca, Moses, Adam und Eva an den Rhein.

Die Römer glaubten an an ihre Götter. Die Juden glauben an ihren einzigen Gott. In keiner deutschen Stadt steht mehr ein Tempel fĂŒr die Götter Roms, aber ĂŒberall stehen Synagogen. Das Judentum ist somit das Ă€lteste Volk und die Ă€lteste Gemeinde Deutschlands.

Wir feiern im Jahr 2021 also nicht 1700 Jahre jĂŒdisches Leben in Deutschland, sondern knapp 2000 Jahre jĂŒdisches Leben am Rhein.

Als sich das Christentum mit der Macht der römischen Kaiser ĂŒber Europa ausbreitete und sich einige Jahrhunderte spĂ€ter unter diesem Teppich das deutsche Volk erfand, wurden Juden schnell zu den Erzfeinden des neuen Volks erklĂ€rt. Im Jahr 1096 kam es im Verlauf des Ersten Kreuzzuges zu mehreren Pogromen. Am 27. Mai 1096 fielen in Mainz Hunderte von Juden Gewaltexzessen zum Opfer.

Ähnliches geschah im Juli desselben Jahres in Köln. Im Jahre 1146 wurden mehrere Juden bei Königswinter von einem aufgebrachten christlichen Mob erschlagen, kurz vor Beginn des Zweiten Kreuzzuges. Nach dem Vierten Laterankonzil im Jahr 1215 waren alle Juden dazu angehalten, sich durch ihre Kleidung deutlich als Nichtchristen auszuweisen. Besonders die Farbe Gelb wurde genutzt, um Juden in Europa diskriminierend zu kennzeichnen. Juden wurden gezwungen, einen gelben Ring in Brusthöhe auf ihrer Kleidung zu tragen.

Aus dieser Stigmatisierung entwickelte sich spĂ€ter der gelbe Judenstern der Nazis. Ähnliche Kleiderordnungen waren im Islam schon seit dem frĂŒhen 8. Jahrhundert fĂŒr Juden ĂŒblich. Ihre Kennzeichnungspflicht begann 717 mit einem Befehl von Kalif Umar II. Die Art des Kennzeichens war anfangs nicht festgelegt und variierte. 807 befahl Kalif HārĆ«n ar-RaschÄ«d in Persien fĂŒr Juden dann einen gelben GĂŒrtel.

In den Jahren 1287 und 1288 kam es im Rheinland zu einer Verfolgungswelle gegen Juden. In Andernach, Altenahr, Bonn und Lechenich wurden Juden getötet und ihre HĂ€user geplĂŒndert. In den zwanziger Jahren des 14. Jahrhunderts wurde im Kölner Dom die sogenannte „Judensau“ auf einer der Stuhlwangen des Domchores angebracht. Sie befindet sich noch heute dort!

Trotz der Verfolgung prĂ€gten Juden das Gesicht Europas. Die bedeutsamste PrĂ€gung dĂŒrfte die GrĂŒndung der SchUM (hebrĂ€isch Ś©Ś•ŚŽŚ) sein. SchUM war eine Art jĂŒdische Hanse, nĂ€mlich ein Bund der jĂŒdischen Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz. Das Wort SchUM ist ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben ihrer mittelalterlichen, auf das Latein zurĂŒckgehenden hebrĂ€ischen Namen: Schin (Sch) fĂŒr Schpira (Speyer), Waw (U) fĂŒr Warmaisa (Worms) und Mem (M) fĂŒr Magenza (Mainz).

Die SchUM-StĂ€dte vertraten neben Handelsangelegenheiten auch eine gemeinsame Richtlinie bei der Auslegung der Religionsgesetze, die als Takkanot Schum (ŚȘŚ§Ś Ś•ŚȘ Ś©Ś•ŚŽŚ) bekannt sind. Mit diesen Erlassen und den Talmudschulen, die unter den Juden in ganz Europa hohes Ansehen genossen, erlangten die SchUM-StĂ€dte Anfang des 13. Jahrhunderts eine fĂŒhrende Rolle im aschkenasischen Judentum. Aufgrund ihrer zentralen Bedeutung fĂŒr die jĂŒdischen Gemeinden in Zentraleuropa gelten sie sogar als GeburtsstĂ€tte der aschkenasischen religiösen Kultur.

Nach vier Jahrhunderten endete die große Zeit von SchUM um 1350, als diese Gemeinden infolge der Großen Pest und von Massakern ausgelöscht wurden. In der Folgezeit entstanden zwar wieder kleine Gemeinden, die jedoch nie mehr jene Bedeutung erlangten, die sie vorher hatten.

Aus Köln wurden im Jahr 1424 alle Juden vertrieben. Das Volk, das in Köln lĂ€nger gesiedelt hatte als Christen, wurde zu illegalen Siedlern erklĂ€rt und vertrieben! Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit Napoleon und dem Code Civil, in dem das aufklĂ€rerische Ideal der Religionsfreiheit festgehalten wurde, kehrten Juden nach Köln zurĂŒck. Ein Jahrhundert spĂ€ter sollten sie jedoch wieder zu illegalen Siedlern erklĂ€rt werden, diesmal von den Nazis.

In der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts gab es viele jĂŒdische Siedlungen in Europa. Sie wurden Schtetl genannt. FĂŒr die Nazis waren diese Schtetl jedoch illegale jĂŒdische Siedlungen, die sie vernichteten und mit ihnen einen Großteil der jĂŒdischen Bevölkerung Europas. Die Nazis erklĂ€rten, Juden könnten keine Deutsche sein, eine nationale IdentitĂ€t, die erfunden wurde, lange nachdem Juden bereits in deutsche Lande gesiedelt hatten.

Wenn man sich die Geschichte Kölns anschaut, so war das Leben dort unter den Römern, Franzosen und Amerikanern deutlich besser als unter den Preußen und Deutschen. Vielleicht hĂ€tte dieses Volk gar nicht erfunden werden mĂŒssen. Deutsche waren viel zu oft Besatzer und andere Völker viel öfter Befreier. Erst mit den Alliierten kehrte die Religionsfreiheit nach Deutschland zurĂŒck und Juden wurden nicht lĂ€nger als illegal bezeichnet.

Juden und Deutsche sind keine GegensĂ€tze. Juden gehören vielmehr zu den MitbegrĂŒndern des deutschen Volkes. Das Judentum ist die Ă€lteste noch heute praktizierte Religion Deutschlands.

Deutsch ist, wer Deutsch spricht, denkt und trĂ€umt. Juden gehören sogar zu den ersten Schrift-Deutschen. Die diversen deutschen Sprachen hatten nĂ€mlich lange kein eigenes Alphabet. Die deutsch Sprachen wurden gesprochen, nicht geschrieben. Es gibt aber zwei Alphabete, in denen die diversen deutschen Sprachen erstmals schriftlich niedergelegt wurden. Diese beiden Alphabete sind heute noch gebrĂ€uchlich fĂŒr das Deutsche. Das ĂŒberwiegend benutze Alphabet fast aller heute noch gesprochenen deutschen Sprachen ist Latein. Es gibt aber auch eine deutsche Sprache, die auf HebrĂ€isch geschrieben wird: Jiddish.

„Warum ist es am Rhein so schön?“

Juden wissen es lĂ€nger als Christen und Deutsche. Juden tranken ihren Wein auf die Schönheit des Rheins bereits, bevor es Christen und Deutsche taten. Dennoch wurden sie spĂ€ter von Deutschen und Christen vertrieben und ihre Bedeutung fĂŒr die Kultur Europas negiert. 

Juden haben Europa geprÀgt und das schon seit 2000 Jahren.

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Honest Abe

In der TV-Debatte mit Mike Pence behauptete Kamala Harris folgendes:

„Im Jahr 1864 stand Abraham Lincoln zur Wiederwahl. Es waren 27 Tage vor der Wahl, als ein Sitz am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten offen wurde. Abraham Lincolns Partei war nicht nur fĂŒr das Weiße Haus, sondern auch fĂŒr den Senat verantwortlich. Aber der ehrliche Abe sagte: „Das ist nicht das Richtige. Das amerikanische Volk hat es verdient, die Entscheidung darĂŒber zu treffen, wer der nĂ€chste PrĂ€sident der Vereinigten Staaten sein wird, und dann kann diese Person auswĂ€hlen, wer am höchsten Gericht des Landes den Rest seines Lebens dienen wird.“

“In 1864 Abraham Lincoln was up for reelection. And it was 27 days before the election. And a seat became open on the United States Supreme Court. Abraham Lincoln’s party was in charge not only of the White House but the Senate. But Honest Abe said, ‘It’s not the right thing to do. The American people deserve to make the decision about who will be the next president of the United States, and then that person will be able to select who will serve for a life time on the highest court of the land.”

Diese Behauptung stimmt so nicht!

Am 12. Oktober 1864 starb der Oberste Richter Roger B. Taney im Alter von 87 Jahren. Damit wurde sein Sitz vier Wochen vor den PrĂ€sidentschaftswahlen mitten im BĂŒrgerkrieg frei.

TatsÀchlich nominierte Lincoln den Nachfolger nicht sofort, sondern wartete bis nach der Wahl. Der Grund jedoch ist nicht der, den Kamala Harris behauptet.

Lincoln konnte den offenen Sitz am Obersten Gerichtshofs gar nicht vor der Wahl besetzen, da sich der Kongress seit dem 4. Juli des Jahres in einer Pause befand und erst am 5. Dezember wieder zusammen traf. Lincoln hatte schlicht keine Gelegenheit, einen Nachfolger zu benennen und diese Person vor der PrÀsidentschaftswahl vom 8. November 1864 vom Senat bestÀtigen zu lassen.

Zudem befand sich der republikanische PrĂ€sident Lincoln mitten in einem BĂŒrgerkrieg gegen die rebellischen konföderierten Staaten unter der PrĂ€sidentschaft des Demokraten Jefferson Davis. WĂ€hrend die Republikaner fĂŒr eine Abschaffung der Sklaverei kĂ€mpften, verteidigten die Demokraten die Sklaverei.

Lincoln versuchte, die UnterstĂŒtzung von Demokraten zu finden, um so die Teilung des Landes zu beenden. Er erklĂ€rte daher einen Demokraten aus den SĂŒdstaaten zu seinem VizeprĂ€sidenten. Sein Name war Andrew Johnson.

Dieser politische Schachzug löste verstĂ€ndlicherweise einige Tumulte aus. Unter anderem verließ Finanzminister Salmon P. Chase aufgrund dieser Entscheidung das Kabinett Lincolns. Chase war ein sehr bekannter und beliebter Republikaner und hatte selbst Interesse am PrĂ€sidentschaftsamt. Lincoln konnte daher einen Konkurrenten wie Chase im Wahlkampf nicht gebrauchen.

Daher ist es sehr interessant, dass Lincoln nach der Wahl eben diesen Chase umgehend als seinen Kandidaten fĂŒr das Oberste Gericht an den Senat schickte. Es kann angenommen werden, dass Lincoln seinen innerparteilichen Konkurrenten Chase dadurch auf seine Seite zog, dass er ihm garantierte, ihn als Obersten Richter vorzuschlagen.

Chase wurde bestÀtigt und war bis zu seinem Tod im Jahr 1873 Oberster Richter der Vereinigten Staaten.

Honest Abe hat nicht gesagt: „Das ist nicht das Richtige. Das amerikanische Volk hat es verdient, die Entscheidung darĂŒber zu treffen, wer der nĂ€chste PrĂ€sident der Vereinigten Staaten sein wird, und dann kann diese Person auswĂ€hlen, wer am höchsten Gericht des Landes den Rest seines Lebens dienen wird.“

Das hat Kamala Harris schlicht erfunden.

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Wir wollen nur unsere Arbeit tun!

Seit einigen Monaten dĂŒrfen die Theater in Deutschland wieder öffnen, wenn sie ein akzeptables Hygienekonzept vorweisen können. Ich spiele seit Juli wieder Theater.

Meine AuffĂŒhrungen von Kunst gegen Bares im Kölner ARTheater fanden seit dem unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt. Es wurden lediglich die HĂ€lfte der PlĂ€tze angeboten. Platzanweiser sorgten dafĂŒr, dass bei Ein- und Auslass die MindestabstĂ€nde eingehalten wurden. Die RĂŒckverfolgbarkeit jedes einzelnen Gastes wurde sichergestellt. Das Personal des ARTheaters wurde somit verdoppelt, das Publikum jedoch halbiert.

Dies war finanziell fĂŒr mich nur möglich, weil es gelang, unter den UmstĂ€nden mindestens neunzig Prozent der angebotenen StĂŒhle besetzt zu bekommen. Oft waren wir den UmstĂ€nden entsprechend sogar ausverkauft. Das Publikum lechzt nach Kultur.

Es kam bei keinem der AuffĂŒhrungen zu einer Infektionen. Nach meiner Kenntnis hat es bisher noch in keinem Theater in Deutschland eine Infektion gegeben.

Da die Neuinfektionen aber in Deutschland jetzt dennoch steigen, wird das Theater zur Rechenschaft gezogen. In der aktuellen Änderung der AllgemeinverfĂŒgung vom 2. Oktober 2020 zur regionalen Anpassung der Coronaschutzverordnung an das Infektionsgeschehen in der Stadt Köln vom 9. Oktober 2020 steht, dass die zulĂ€ssige Anzahl an gleichzeitig anwesenden Besucherinnen und Besuchern in Theatern auf ein Drittel begrenzt wird. FĂŒr Kulturveranstaltungen gilt zudem, dass auch bei Sicherstellung der besonderen RĂŒckverfolgbarkeit ein Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten sei und das maximal fĂŒnf Personen zusammensitzen dĂŒrfen, wenn sie aus einem Haushalt sind.

Mit diesen Auflagen macht ein kleines freies Theater mehr Verlust, wenn es öffnet, als wenn es geschlossen bleibt.

Die Bundesliga kann Geisterspiele veranstalten, die Infrastruktur dafĂŒr ist gegeben. Fernsehshows können ohne Publikum realisiert werden, denn das eigentliche Publikum sitzt vor der Mattscheibe. Subventionierte Theater können durch die UnterstĂŒtzung von Kommunen und LĂ€nder mit diesen Auflagen unter schweren UmstĂ€nden einigermaßen den Spielbetrieb wieder aufnehmen. Freie Theater jedoch werden durch diese Auflagen zerstört.

Ich spĂŒre in der Politik eine geradezu schmerzhafte Ignoranz gegenĂŒber freien Theatern und eine krasse Missachtung all jener Theaterleiterinnen und Theaterleiter, die sich unabhĂ€ngig und selbststĂ€ndig finanzieren und innerhalb der Krise verantwortungsbewusst kleine Leuchtfeuer der Kultur entfacht haben.

Die momentane Situation ist fĂŒr alle schwer, aber als freier Theatermensch fĂŒhle ich mich in dieser Krisensituation besonders hilflos und allein gelassen.

Ein Theater finanziert sich nicht nur ĂŒber Eintrittsgelder, sondern auch darĂŒber, dass die Menschen das Theater als Ort des Schauens gemeinsam erleben, sowohl im Zuschauerraum als auch an der Bar, wo besonders in den Pausen und nach der AuffĂŒhrung ordentlich Umsatz gemacht wird.

Die momentanen Auflagen zerstören die freie Theaterszene, denn selbst bei vollkommener Auslastung macht ein kleines Theater durch diese Auflagen Verlust.

Bei diesen Auflagen fallen ausgerechnet jene freue KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler durchs Netz, die bisher erfolgreich und ohne große Subventionen dieses Land mit Kultur bereichert haben.

Aber nicht nur Theater sind betroffen. Die neuen Auflagen greifen auch in andere Freiheiten ein. In Köln ist mit der neuen VerfĂŒgung das Konsumieren von Alkohol im öffentlichen Raum zwischen 22 Uhr und 6 Uhr. Desweiteren ist an vielen Orten in Köln, wie zum Beispiel der Altstadt und dem Kwartier LatĂ€ng, der Verkauf von Alkohol außer Haus an Wochenenden von Freitag Abend bis Montag Morgen untersagt. Zudem muss in sĂ€mtlichen FußgĂ€ngerzonen der Stadt Köln, in den Einkaufsstraßen, in der Altstadt, auf den Kölner Ringen, auf dem linksrheinischen Rheinufer zwischen MĂŒlheimer BrĂŒcke und SĂŒdbrĂŒcke und auf der rechtsrheinischen Rheinpromenade Mund-Nase-Bedeckung getragen werden. Ein gemeinsames Singen ist verboten. Außerdem gilt:

„Sofern Kontaktdaten zu erfassen sind, hat die fĂŒr die Erfassung verantwortliche Person die gemachten Angaben unverzĂŒglich auf VollstĂ€ndigkeit und insbesondere auf offensichtlich missbrĂ€uchliche Angaben (pseudonyme Angaben) zu kontrollieren.“

Unter diesen UmstÀnden werden viele Theater und andere VeranstaltungsrÀume nicht öffnen können.

Seit Monaten machen KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler des freien Theaters wie ich Überstunden, um Kultur sicher und verantwortungsvoll bereitzustellen und jetzt bekommen ausgerechnet wir eine Faust in die Fresse. Theaterspielleiter Torsten Schlosser vom Atelier Theater in Köln erklĂ€rt:

„Irgendwie fĂŒhle ich mich gerade viel zu rechtschaffen fĂŒr diese Zeit. Denn wĂ€hrend es in den letzten Wochen das junge Partyvolk auf den Ringen und der ZĂŒlpicher Straße und die Kölner Lokalpolitiker auf den Wahlpartys ordentlich haben krachen lassen, wollte ich nur meine Arbeit tun. Und mich dabei eigentlich an alle Regeln halten. Und jetzt kommt dieser Moment, wo in meinem Kopf dieser Ton zu hören ist, den wir alle von frĂŒher kennen, als Tor 3 aufging und der Zonk zum Vorschein kam. Oder eine EinbaukĂŒche.“

Wir wollen alle nur unsere Arbeit tun und Theaterarbeit ist systemrelevant!

Essen, trinken, atmen, all das tun Tiere auch. Wenn es etwas gibt, dass uns Menschen vom Tier unterscheidet, dann unsere FÀhigkeit, Geschichten zu erzÀhlen und Welten zu erdichten. Wenn es etwas gibt, dass uns Menschen als Menschen relevant macht, dann unsere FÀhigkeit, Kunst zu schaffen.

Wenn wir diese Relevanz auf dem Altar der Angst opfern, dann sind wir keine Menschen mehr.

Wir dĂŒrfen einfach nicht aufhören, Menschen zu sein, nur weil wir voreinander Angst haben, da wir uns gegenseitig anstecken können. Wir mĂŒssen verantwortungsvoll sein fĂŒreinander und miteinander, aber wir dĂŒrfen uns gegenseitig nicht als zu vermeidende Bedrohungen wahrnehmen. Wir mĂŒssen einander zugewandt bleiben, neugierig und mutig. Menschen sind soziale Wesen. Wenn wir das aufgeben, dann hat die Pandemie gesiegt und wir sind keine Menschen mehr.

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Party im BĂŒro

Tapfer im Nirgendwo prĂ€sentiert „Party im BĂŒro“ von Viktoria Burkert.

Plötzlich sind alle jĂŒnger als du
und haben auch noch deine TrÀume erreicht.
Du sitzt vor dem Scherbehaufen Leben
und fragst dich: Wer war ich doch gleich?

Du hast jetzt ne Katze und achtest auf dein Gewicht,
du googelst dich selber und findest dich nicht,
irgendwas lĂ€uft hier ganz schön schief 


Warum bist du nicht froh?
Morgen ist Party im BĂŒro,
da freun sich doch alle alle alle drauf seit Wochen,
der Jochen wird vierzig, das ist was zum Fröhlichsein,
jetzt schau doch nicht immer so traurig drein,
sei froh, dass du eine Stelle hast,
denn in der heutigen Zeit heißt das Sicherheit,
unbefristete Sicherheit.

Und wer ne Stelle hat,
macht nen Nudelsalat.
FĂŒr den Jochen und die Gisela,
die findet den Salat ganz wunderbar,
deinen unbefristeten Nudelsalat.

FrĂŒher, da warst du anders als jetzt,
den Kopf voll Konfetti, die Nase im Wind.
Du saßt kirchenessend in riesigen BĂ€umen,
die Zeit war, was kommt, noch nicht das, was zerrinnt. 

Du bist schon lang Single
und sagst, dir sei das ganz recht,
bist heimlich bei Tinder, doch hast nie ein Match,
irgendwie ist das nicht gerecht 


Warum bist du nicht froh?
Morgen ist Party im BĂŒro,
da freun sich doch alle alle alle drauf seit Tagen,
der Hagen backt extra nen Kuchen fĂŒr Jochens Fest,
das geht nicht, dass du dich jetzt hÀngen lÀsst,
traurig sein geht hier ĂŒberhaupt nie,
denn das passt nicht zur Corporate Identity,
wenigstens gibt’s hier Identity.

Und wer Identity hat,
macht nen Nudelsalat.
FĂŒr den Jochen mit GĂŒrkchen
und schneidet ein paar PutenbockwĂŒrsten,
in den identitÀren Nudelsalat.

Morgens im Starbucks, da fragt man dich nett:
Wie heißt du, ich schreib’s auf den Becher hier drauf?
Du sagst einen Namen, der ist gar nicht deiner
und setzt ein verwegenes LĂ€cheln auf.

Du fĂ€hrst mit der Bahn und dem Nudelsalat ins BĂŒro,
am Eingang steht Jochen und sagt: Hallo,
stell den Salat auf den Tisch, du weißt wo, denn 


heute sind wir hier froh,
heute ist Party im BĂŒro,
da freun wir uns alle, alle, alle riesig drauf,
der Haufen an Arbeit, der bleibt heute unberĂŒhrt,
nicht dass da sonst jemand nen Drang verspĂŒrt,
nur heute ist alles anders hier,
wir feiern Jochen und uns von acht bis vier,
tanzen und lachen von acht bis vier.

Wir haben heute Spaß. Und heben das Glas
auf den Jochen und das Leben.
Du musst mir mal das Rezept geben
von deinem lebensbejahenden Nudelsalat.

Abends zu Hause putzt du dir die ZĂ€hne
und denkst: Ach, das Leben war doch gut bisher,
man muss seine TrÀume nicht unbedingt leben,
denn dann sind es ja keine TrÀume mehr.
 
Du gehst kurz ins Netz, schaust die Fotos von heute an,
der Jochen hat alles auf Facebook getan,
du klickst ‚gefĂ€llt mir‘ und fragst dich dann 


Warum bin ich nicht froh?
Heute war Party im BĂŒro,
da hatten doch alle, alle, alle nen riesen Spaß,
jetzt lass doch das GrĂŒbeln es ist alles halb so wild,
du siehst fröhlich aus auf dem Partybild,
dann fehlt der Geschichte hier eben der Held,
dafĂŒr gibt es Urlaub und Weihnachtsgeld,
bezahlten Urlaub und Weihnachtsgeld,
das ist es, was dich hier hÀlt,
und im Urlaub siehst du die Welt,
die Kollegen sind alle lieb,
spÀter die Rente vom Betrieb,
vielleicht wirst du ein HĂ€uschen baun,
siehste das ist doch auch ein Traum,
und es sind nur acht Stunden am Tag
und immer wieder der Nudelsalat,
immer wieder der Nudelsalat,
immer wieder der Nudelsalat,
immer wieder der Nudelsalat 


Musik und Text: Viktoria Burkert * Arrangement: Markus Schimpp * Produktion: Gerd Buurmann * Copyright: Viktoria Burkert

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(TINVB)

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Friedensnobelpreis fĂŒr das WelternĂ€hrungsprogramm der Vereinten Nationen

Der Friedensnobelpreis 2020 geht an das WelternÀhrungsprogramm der Vereinten Nationen. Es wurde im Jahr 1961 von der UN-Generalversammlung und der UN-ErnÀhrungs- und Landwirtschaftsorganisation beschlossen, um die Nahrungsmittelversorgung in Kriegs- und Katastrophengebieten zu sichern. Ein Kommentar zu dieser Preisverleihung von Heinrich Heine.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glĂŒcklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige HĂ€nde erwarben.

Es wÀchst hienieden Brot genug
FĂŒr alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Ja, Zuckererbsen fĂŒr jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel ĂŒberlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.

Und wachsen uns FlĂŒgel nach dem Tod,
So wollen wir euch besuchen
Dort oben, und wir, wir essen mit euch
Die seligsten Torten und Kuchen.

***
(TINHH)

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Die Chose muss weitergehen

Ein Blick von Aviel Tromm auf die Lage ein Jahr nach dem Anschlag in Halle.

Es ist nun ein Jahr her, dass ein wahnsinniger Rechtsextremer versucht hat, in Halle die Synagoge zu stĂŒrmen, dabei scheiterte und dann zwei zufĂ€llig in der NĂ€he befindlichen Passanten kaltblĂŒtig ermordete. Seit diesem Terrorakt habe ich mich wohl ĂŒberlegt zurĂŒckgehalten und mir angeschaut, was in Deutschland passiert.

NatĂŒrlich waren alle BĂŒrger der Bundesrepublik geschockt. FĂŒr einen Besuch bei den vielen Kundgebungen gegen Antisemitismus hat es fĂŒr die Mehrheitsbevölkerung aber dann doch nicht gereicht. Viele begnĂŒgten sich mit wohlfeilen Bildern auf Twitter und Facebook, ist im Herbst auch sicherlich gemĂŒtlicher.

Die Politik wiederholte ihr Credo, dass Antisemitismus in unserer Gesellschaft keinen Platz habe genauso redundant, wie die Matrazenwerbung im Fernsehen wiederholt wird. Am Ende der Empörungs- und Schockiertheitsarien wurden dann mehr Polizisten vor jĂŒdischen Einrichtungen gestellt. Damit glaubte man wohl, den Antisemitismus in Schach halten zu können. Zumindest dachte man dies so lange, bis ein Jahr spĂ€ter ein weiterer Wahnsinniger in Hamburg mit einem Spaten auf einen Juden losging, der gerade aus der Synagoge kam.

Zwischen diesen Ereignissen war die Welt, in Bezug auf Juden, fĂŒr fast alle in Deutschland in Ordnung. Doch war das wirklich so?

FĂŒr Demonstrationen gegen Antisemitismus wegen beschmierten Grabsteinen und ein paar Beleidigungen gegen Juden holt man niemanden vom gemĂŒtlichen Sofa runter. Doch womit dann? Ganz einfach mit der guten alten „Brunnenvergifterlegende“, denn fĂŒr Juden sein, ist zu anstrengend, aber gegen Juden sein, immer gerne.

Man muss schon sehr naiv sein, um zu glauben, dass hier die Mehrheit der Deutschen aufsteht und vor Empörung gegen judenfeindlichen Wahnsinn vorgeht. Nein, nein, es sind die Antisemiten, die die Massen mitreißen, ob nun in sozialen Netzwerken, in Chatgruppen oder auf der Straße. Egal, ob in Berlin, Köln, Stuttgart oder Kiel, das Coronavirus macht es möglich.

Auf einmal ist es fĂŒr Zehntausende völlig in Ordnung, laut auszusprechen, dass es die Juden sind, die den Virus in die Welt gesetzt haben, dass es ebenso die Juden sind, die alle zwangsimpfen und chippen wollen. Die Menschen glauben tatsĂ€chlich, dass hinter dem COVID-19-Erreger monetĂ€re Interessen stehen und dass eben Juden, welche natĂŒrlich heimlich die Welt regieren, diese Interessen vertreten. Und mit ihren Marionetten an den Spitzen der großen Wirtschaftsnationen wird ihnen das auch gelingen, so die GlĂ€ubigen.

Erschreckend ist nicht, dass Menschen an so einen Mist glauben, erschreckend ist die Masse und die politische Heimat derer, die deshalb auf die Straße gehen. Darunter sind ganz klar ReichsbĂŒrger und Neonazis, aber auch Liberale, GrĂŒne, Schwarze und auch Rote bis Dunkelrote. So hat ein kleines Virus es geschafft, dass Menschen aller politischen Farben sich vereinen und jede Woche gemeinsam demonstrieren.

Ist es nicht erschreckend oder auch ernĂŒchternd, dass sich fĂŒr so einen Unsinn reichlich Volk mobilisieren lĂ€sst, man aber auf einer Kundgebung fĂŒr WĂŒrde, Anstand und friedliches Miteinander GlĂŒck hat, wenn man zweihundert Menschen zusammenbekommt. Was sagt uns das ĂŒber ein Land, welches Anfang der 90er Jahre noch dafĂŒr gesorgt hat, dass zweihunderttausend Juden nach Deutschland kommen? Was sagt uns das ĂŒber ein Land, dass permanent in Erinnerungssymbolik und Klezmer-Mollakkorden seufzend seine Vergangenheit betrauert und von sich selbst glaubt, wieder gut geworden zu sein, moralisch ĂŒberlegen und natĂŒrlich durch die Vergangenheit belehrt?

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(TINAVT)

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Ein Wunsch zum Tag der Deutschen Einheit

Vielen Dank, Ihr mutigen Demonstranten von 1989,
Ihr FlĂŒchtlinge in der Prager Botschaft,
Ihr mutigen KĂ€mpferinnen und KĂ€mpfer fĂŒr die Freiheit!

Vor dreißig Jahren schenkten uns die Demonstrantinnen und Demonstranten im Osten unseres gemeinsamen Landes, was es so lange hat vermissen lassen, obwohl es so unendlich wichtig ist fĂŒr eine friedliche und prosperierende Nation. Sie gaben uns, was fĂŒr Amerikaner und Franzosen seit ĂŒber zwei Jahrhunderten eine SelbstverstĂ€ndlichkeit ist. Sie erstritten uns eine Revolution der Freiheit.

Jede Nation, die sich weder völkisch noch rassistisch definiert, sondern die sich als HĂŒterin der AufklĂ€rung versteht, braucht einen Moment, wo Menschen sich zusammengefunden haben, nicht weil sie die gleiche Hautfarbe haben oder an den selben Gott glauben, sondern weil sie frei sein wollen. Diesen Moment haben uns die mutigen Frauen und MĂ€nner Ostdeutschlands geschenkt.

In den Jahren 1988/89 gingen sie auf die Straßen, um fĂŒr die Freiheit zu demonstrieren. Sie kehrten dem Regime der UnterdrĂŒckung den RĂŒcken. Sie taten dies unter Einsatz ihres Lebens. Niemand wusste, wie die Staatsmacht reagieren wĂŒrde.

Sie gingen nicht auf die Straße, weil sie physisch gehungert haben. Sie gingen auf die Straßen, weil sie nach Freiheit hungerte. Sie wollten sagen können, was sie wollen, auch wenn es den MĂ€chtigen nicht gefĂ€llt. Sie wollten reisen können, wohin sie wollten. Sie wollten schlicht und ergreifend Freiheit. Diesen Ruf der Freiheit verbanden sie mit dem Spruch: „Wir sind das Volk!“

Diese Revolution war der Beginn der Nation, die seit dem 3. Oktober 1990 als wiedervereinigtes Deutschland existiert.

Heute ist Deutschland eine Nation, die wie alle aufgeklÀrten Nationen von der Idee der Freiheit und von den Prinzipien der Menschenrechte beseelt ist.

In einem freien und aufgeklÀrten Land geben sich politische Gegnerinnen und Gegner die Klinke der Macht in die Hand, weil niemand Angst haben muss, wenn der politische Gegner an die Schalthebel der Macht kommt. Ein aufgeklÀrtes Land wird nicht von der Angst vor dem Anderen gelenkt, sondern von einer Verfassung getragen, in der jeder dem Anderen ein anderer sein kann.

Mit dem 3. Oktober 1990 wurde das Grundgesetz der BRD zum Grundgesetz fĂŒr das vereinte Deutschland. Dank der Revolution der mutigen Frauen und MĂ€nner im Osten Deutschlands unterzeichneten die USA, Frankreich, Großbritannien und die Sowjetunion mit dem Osten und dem Westen Deutschlands den eigentlichen Friedensvertrag nach dem Zweiten Weltkrieg, der als Zwei-plus-Vier-Vertrag in die Geschichte eingegangen ist.

Das dreißigjĂ€hrige JubilĂ€um des Tags der Deutschen Einheit ist ĂŒberschattet von Corona. Diese Bedrohung nimmt mir aber nicht das Vertrauen in unser Grundgesetz. Bei all dem Streit um die Frage nach dem VerhĂ€ltnis zwischen Freiheit und Sicherheit, der teilweise sehr hart und bitter gefĂŒhrt wird, spĂŒre ich dennoch, dass die Revolution der Freiheit uns geimpft hat gegen einen Ausbruch von Totalitarismus. Wir sind das Volk!

Unsere Verfassung ehrt die WĂŒrde des Einzelnen und verteidigt die Freiheit. Jede Partei, die nicht verboten wurde, kann mal in Regierungsverantwortung kommen. Nur, wer nicht an unser Grundgesetz glaubt, kann Angst haben vor dem Ergebnis einer Wahl.

Heute kann es in Deutschland eine grĂŒne Bundeskanzlerin oder eine MinisterprĂ€sidentin der AfD geben. All dies ist so selbstverstĂ€ndlich wie es bereits einen MinisterprĂ€sidenten der Linken gibt. Egal, wie eine Wahl ausfĂ€llt, am Ende steht die Verfassung. Sie erlaubt es, dass jede Partei mal an die Macht kommen kann, auch der politische Gegner. Wer davor Angst hat, vertraut dem Grundgesetz nicht.

Ich habe Vertrauen in das Grundgesetz unseres Landes und sie wurde durch mutige Menschen erstritten und bekrĂ€ftigt. DafĂŒr sage ich: Danke!

Leider breitet sich dreißig Jahre spĂ€ter neben Corona auch wieder die Angst in Deutschland aus. Sie tritt teilweise brutal und manchmal sogar mörderisch zu Tage. Wenn ich mir daher etwas wĂŒnschen darf, dann dies: Ich wĂŒnsche mir weniger Hass. Angela Merkel ist keine „VolksverrĂ€terin“, Renate KĂŒnast ist keine „Drecksfotze“, Alice Weidel ist keine „Nazischlampe“ und Christian Lindner ist manchmal nur ein Mann im Unterhemd.

NatĂŒrlich gibt es Dinge, die auch ich hasse. Ich hasse es, wenn Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts diskriminiert werden. Ich hasse Rassismus, Sexismus und Antisemitismus. Aber Hass ist kein guter Treibstoff der Politik. Selbst Proteste mit den besten Absichten können entgleisen, wenn sich zu sehr dem Hass hingegeben wird. Das zeigen manche Corona-Proteste, ebenso wie Ausschreitungen bei Wirtschaftsgipfeln und RĂŒcken, die der Gewalt gegen Politikerinnen und Politiker gekehrt werden.

Ich gehöre zu den Menschen, die die Demokratie feiern. Ich engagiere mich leidenschaftlich in WahlkĂ€mpfen und zelebriere Wahltage wie religiöse Menschen hochheilige Tage feiern. Nach jeder Wahl gratuliere ich selbstverstĂ€ndlich den politischen Gewinnerinnen und Gewinner. Ich freue mich, wenn meine Parteien, Kandidatinnen und Kandidaten gewinnen und halte mich mit HĂ€me gegenĂŒber Verlusten bei meinen politischen Gegnern zurĂŒck. Nichts schreckt mich mehr ab als tosende Beifallsbekundungen, wenn ein politischer Gegner schlecht abschneidet. Ich liebe viel mehr den Jubel ĂŒber eigene Siege.

Seit einiger Zeit erlebe ich es leider, dass ich auf sozialen Netzwerken wĂŒst angegangen und beschimpft werde, wenn ich dem Sieger oder der Siegerin einer Wahl gratuliere. Das letzte Mal passierte es mir mit der Wahl Henriette Rekers zur OberbĂŒrgermeisterin von Köln. Nachdem ich ihr zum Wahlsieg gratuliert hatte, brach ein Sturm der EntrĂŒstung los. Ebenso erging es mir, als ich Thomas Kemmerich zur Wahl als ThĂŒringens MinisterprĂ€sidenten gratuliert hatte.

Ich werde nicht aufhören, dem Sieger oder der Siegerin einer demokratischen Wahl zu gratulieren, nicht nur, weil es politisch anstĂ€ndig ist, sondern weil ich weiß, dass die Siegreichen von einer guten Verfassung getragen, gefordert und gezĂŒgelt werden. Es ist ihre Aufgabe, ihre Kraft dem Wohle des deutschen Volkes zu widmen, seinen Nutzen zu mehren, Schaden von ihm zu wenden, das Grundgesetz zu wahren und zu verteidigen und Gerechtigkeit gegen jedermann zu ĂŒben.

In Deutschland hat jede Bewegung das Recht, diese Aufgabe mal zu ĂŒbernehmen, egal ob links oder rechts, ob glĂ€ubig oder atheistisch, ob schwul oder hetero, ob Mann oder Frau. Ich wĂŒnsche mir daher fĂŒr die kommenden Jahre mehr dafĂŒr und weniger dagegen.

Ich bin nicht gegen, sondern fĂŒr eine Partei. Ich bin nicht gegen eine Religion, sondern fĂŒr eine Gleichberechtigung aller Religionen. Vor allem aber bin ich fĂŒr das Recht, jede Religion, Partei und Bewegung gleichermaßen verballhornen zu dĂŒrfen.

Ich muss nicht erklĂ€ren, gegen irgendetwas zu sein. Sobald ich mich nur klar und deutlich positioniere und sage, wofĂŒr ich bin, lebe, liebe und kĂ€mpfe, wird es genug Menschen geben, die erklĂ€ren, dass sie gegen mich sind. Sie werden die ĂŒbelsten Dinge ĂŒber mich verbreiten. Sie werden sagen, ich sei voller Hass, so voller Hass, wie sie es selber sind. Sie werden mich anprangern fĂŒr die Dinge, gegen die ich angeblich sein soll, weil ich erklĂ€rt habe, wofĂŒr ich bin. Sie werden Mauern hochziehen, um mich auszugrenzen. Warum soll ich ihnen dabei helfen? Warum soll ich meine Kraft vergeuden und Mauern bauen, die eh gebaut werden?

Lasst uns dreißig Jahre nach dem Mauerfall keine neuen Mauern hochziehen.

Wenn sich eine Masse von Menschen gegen etwas formiert, dann ist der gemeinsame Nenner dieser Menschen nicht etwas konstruktives, sondern etwas destruktives. Es ist immer Vorsicht geboten, wenn sich eine Gruppe von Menschen gegen ein Feindbild formiert, möge das Feindbild auch noch so schlecht sein. Sehr schnell entsteht in solchen Gruppen eine Eigendynamik, die Menschen mit anderen Meinungen zu „Abweichlern“ und „VerrĂ€tern“ erklĂ€rt.

„Wer nicht fĂŒr uns ist, ist gegen uns“, ist die Rhetorik der Fundamentlisten und die Aufforderung zur Distanzierung ist ihr Mittel der UnterdrĂŒckung. „Wehret den AnfĂ€ngen“ brĂŒllen die gerechten Putztruppen und meinen damit doch nur die AnfĂ€nge einer Zukunft, die sie aus ihrer eigenen Angst hinter Mauern konstruieren. Aus dieser Angst nehmen sie andere Menschen als Geisel ihrer BefĂŒrchtung. Diese Angst ist die Wurzel des totalitĂ€ren Denkens. Sie ermöglicht Gewalt ĂŒber Gedanken als PrĂ€ventivschlag.

Andere Meinungen auszugrenzen ist so effektiv wie das kleine Kind, das sich die HĂ€nde vor die Augen hĂ€lt und glaubt, so sei die Gefahr verschwunden. Internetseiten zu löschen, im Glauben, man wĂŒrde dadurch etwas verhindern, ist so produktiv, wie BĂŒcher zu verbrennen!

Lasst uns nicht mehr in alte Reflexe verfallen. Lasst uns mehr Freiheit wagen.

Der 3. Oktober steht dafĂŒr, dass Menschen frei sein wollen. Einheit bedeutet nicht, eine Einheitspartei, Einheitsmeinung oder Einheitskultur zu etablieren. Wir mĂŒssen jeden Tag dafĂŒr kĂ€mpfen, dass wir uns im Bewusstsein vereinen können, unterschiedlich zu sein.

KĂ€mpfen wir weiter fĂŒr ein Land, in dem wir gut und gerne leben können, selbst wenn mal unsere politischen Gegnerinnen und Gegner an der Macht sind. KĂ€mpfen wir fĂŒr ein Land, in dem wir die Freiheit nicht opfern, auch nicht wenn Pandemien wĂŒten. Vorsicht ist selbstverstĂ€ndlich geboten. Das Recht auf die Unversehrtheit des Lebens ist Teil der Verfassung wie die Freiheit.

FĂŒr diese Rechte haben Menschen gekĂ€mpft. In der Geschichte der Menschheit sind Millionen Menschen fĂŒr unsere aufgeklĂ€rte, freie Gesellschaft gestorben. Millionen anderer Menschen sehnen sich nach unserer Freiheit und Sicherheit. Angst ist keine Option. Bangemachen gilt nicht. Wir sind das Volk!

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Ein LehrstĂŒck deutscher Berichterstattung ĂŒber Israel

„Der heilige, umkĂ€mpfte Felsen: Mitten im Wahlkampf marschierte OppositionsfĂŒhrer Ariel Scharon vor genau 20 Jahren martialisch auf Jerusalems Tempelberg – und löste die zweite Intifada aus. Ein LehrstĂŒck ĂŒber den politischen Missbrauch religiöser Symbole.“

Das schrieb Jochen Leffers von Spiegel Online am 28. September 2020 auf Twitter.

Als Intifada werden die gewalttĂ€tigen AufstĂ€nde und Pogrome gegen Israel bezeichnet. Der Begriff kommt aus dem Arabischen und bedeutet: „sich erheben“. Die Intifada begann kurz bevor sich die Hamas grĂŒndete. In der GrĂŒndungscharta der Hamas vom 18. August 1988 steht, dass alle Juden weltweit vernichten werden sollen (Artikel 7) und dass es keinen Frieden mit Israel geben darf (Artikel 13).

Wer eine solche Charta hat, braucht keinen Grund fĂŒr eine Intifada. Der Grund ist Judenhass. Wer eine solche Charta hat, braucht einen Vorwand, um seinen Hass zu aktivieren, damit er Juden verfolgen, angreifen und töten kann. Dieser Vorwand wird stets in dem Verhalten von Juden gesucht. FĂŒr einen Judenhasser ist ein Jude stets selbst Schuld daran, dass er gehasst wird.

Der letzte große Vorwand fĂŒr gewaltige Ausschreitungen gegen Juden und Israelis war ein Besuch des israelischen Politikers Ariel Scharons am 28. September 2000 auf dem Tempelberg. Jochen Leffers bezeichnet diesen Besuch als „martialisch“.

Sie werden sich jetzt vielleicht fragen, was so schlimm und martialisch daran ist, dass Ariel Scharon den Tempelberg besuchte. Die Antwort ist so schlicht wie erschreckend: Weil er Jude ist!

Der Tempelberg steht unter arabischer Verwaltung. Alle Tore zum Tempelberg werden von Angestellten einer sogenannten Frommen Stiftung des Islams (Waqf) ĂŒberwacht und die lassen oft keine Juden rein. Der Tempelberg ist zwar die heiligste StĂ€dte der Juden, aber der Ort wird von Muslimen bewacht. Das ist in etwa so, als wĂŒrde Medina von Christen, Mekka von Juden und der Vatikan von Muslimen ĂŒberwacht.

Unter der Verwaltung der Frommen Stiftung des Islams ist der Tempelberg heute wie eine Parkbank oder eine GrĂŒnanlage unter den Nationalsozialisten. Es gilt: „Juden unerwĂŒnscht!“ Stellen wir uns mal vor einen Pogrom vor, der von Nazis ausgerufen wurde, weil es ein jĂŒdischer Politiker gewagt hatte, einen Park zu betreten, der nicht fĂŒr Juden gestatten war. Was wĂŒrden wir heute ĂŒber einen Menschen sagen, der sagen wĂŒrde, der Jude habe damit den Pogrom provoziert? Nichts anderes geschah als Ariel Scharon im Jahr 2000 den Tempelberg besuchte. Arabische Politiker riefen zu Pogromen auf, weil es ein Jude gewagt hatte, einen Platz zu betreten, der fĂŒr Juden verboten war. Diese Pogrome sind heute unter dem Begriff „Zweite Intifada“ bekannt.

Einst hingen diese Schilder in Deutschland:

Stellen wir uns vor, ein Jude hĂ€tte diese Schilder ignoriert und einen Platz betreten, den er nicht hĂ€tte betreten dĂŒrfen. Ein Jochen Leffers der dreißiger Jahre hĂ€tte vielleicht geschrieben: „Mitten in Berlin marschierte ein Jude martialisch auf dem arischen Rasen.“

Jochen Leffers liefert ein LehrstĂŒck deutscher Berichterstattung ĂŒber den jĂŒdischen Staat.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich die unglaublich einseitige Berichterstattung des Spiegels ĂŒber Israel zurechtrĂŒcken musste. Es seien hier nur ein paar Artikel von mir erwĂ€hnt:

„Der Spiegel holt sich einen runter“

„Die (r)echte Hardlinerin vom Spiegel“

„Der Goldene Orwell“

„Jeder nur einen Holocaust!“

Ich schlage vor, sollten Sie noch zu den Menschen gehören, die den Spiegel regelmĂ€ĂŸig kaufen, lassen Sie einfach mal eine Woche aus und geben Sie das Geld, dass Sie eingespart haben, mir, dasSpiegel hat mittlerweile genug meiner Zeit gefressen und ist durchaus gerechtfertigt, dass ich ein wenig von dem Geld bekomme, das eigentlich dem Spiegel zugedacht war.

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Twitter hĂ€lt Kritik an Antisemitismus zurĂŒck

Auf Twitter wurde von einem Menschen, der sich Kairo nennt, ein Bild gepostet, auf dem gezeigt wird, wie in nur einen Zwischenschritt aus Adolf Hitler der israelische MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu wird. Tapfer im Nirgendwo prÀsentiert einen als Dokument kenntlich gemachten Screenshot dieses Bilds:

Der Vergleich des Regierungschefs des jĂŒdischen Staates Israel mit dem FĂŒhrer der deutschen Partei, unter deren Regierung sechs Millionen Juden europaweit vernichtet wurden, gehört zu den ganz ekeligen AuswĂŒchsen antijĂŒdischer Beleidigungen. Die Organisation Mena-Watch teilte daraufhin dieses Bild mit einer deutlichen Kritik: „Wir wĂŒrden es eher antisemitische Fotocollage nennen.“

Mena-Watch ist ein unabhÀngiger Nahost-Thinktank mit Sitz in Wien und publiziert vor allem Analysen und Kommentare erfahrener Historiker und Politikwissenschaftler zu aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten und Nordafrika.

Twitter hat nun beschlossen, die Kritik von Mena Watch den deutschen Nutzerinnen und Nutzern vorzuenthalten und erklÀrt zu der Entscheidung:

“This tweet from @MENA_WATCH has been withheld in Germany based on local law(s).”

(Dieser Tweet von @MENA_WATCH wurde in Deutschland aufgrund lokaler Gesetze zurĂŒckgehalten.)

Das originale Bild, das Mena Watch kritisiert hatte, konnte zu der Zeit, da Twitter die Kritik bereits zurĂŒckgezogen hatte, in Deutschland nach wie vor abgerufen werden.

Wenn die Beleidigung von Juden oder dem jĂŒdischen Staat in Deutschland via Twitter abrufbar ist, wĂ€hrend die Kritik an eben dieser Beleidigung von Twitter mit einem Verweis auf das deutsche Gesetz dem deutschen Publikum vorenthalten wird, dann ist das Gesetz, das dies ermöglicht, ein Problem.

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SolidaritÀt mit Israel ist in Deutschland nicht immer durch die Meinungsfreiheit gedeckt

Am 1. Juli 2020 stieß eine junge israelische Musikerin, die momentan in Deutschland lebt, in Frankfurt auf eine hasserfĂŒllte Anti-Israel-Demonstration. Um ihre Liebe zu Israel zu dokumentieren, holte sie eine Israel-Fahne aus ihrer nahegelegenen Wohnung und stellte sich damit ruhig auf den Platz, wo die Demonstration stattfand. Daraufhin nĂ€herten sich ihr mehrere Personen, die sich von der Fahne provoziert fĂŒhlten und brĂŒllten aggressiv auf sie ein.

Wer sich von der Fahne Israels provoziert fĂŒhlt, hat ein Problem mit der puren Existenz des Landes, das stolz ein jĂŒdisches Symbol auf seiner Flagge trĂ€gt.

Sexisten fĂŒhlen sich durch Frauen provoziert. Frauen sind aber nicht das Problem, sondern die Sexisten. Schwarze erzeugen bei Rassisten erheblichen Unmut. Schwarze sind aber nicht das Problem, sondern die Rassisten. Judenhasser hassen Juden. Juden sind aber nicht das Problem, sondern die Judenhasser. Nicht die Israelin ist das Problem, sondern die Israelhasser.

Die Frau mit der Israelfahne in Frankfurt erhielt schließlich von der Polizei einen Platzverweis, weil sie, laut Angabe der Frankfurter Polizei, in Richtung der Demonstration ihren Mittelfinger gezeigt haben soll. Es ist schon spannend fĂŒr welche vergleichbaren Nichtigkeiten eine JĂŒdin in Deutschland polizeilich entfernt wird, wenn man sieht, was in der jungen Vergangenheit auf deutschen Straßen alles gegen Juden toleriert wurde.

In den letzten Jahren wurden diese Parolen auf deutschen Straßen skandiert: „Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kĂ€mpf allein“, „Hamas, Hamas, Juden ins Gas!“, und immer wieder „Kindermörder Israel“. Aber wehe, eine JĂŒdin zeigt den Mittelfinger.

Im Jahr 2014 erschallte in Frankreich die Parole „Kindermörder Israel“ aus einem Lautsprecher auf einem Polizeiauto. Die Beamten hatten in ihrer NaivitĂ€t dem Protestzug ihr Equipment geliehen.

Ein paar Jahre spĂ€ter verwies eben diese Frankfurter Polizei eine JĂŒdin vom Platz, weil sie den Mittelfinger gezeigt haben soll. Die Musikerin erklĂ€rt dazu auf Nachfrage: „Mir wurden ebenfalls Mittelfinger von vielen Demonstranten gezeigt, aber der Polizist nahm eine Anzeige von mir nicht auf.“

Was im Jahr 2020 in Frankfurt geschehen ist, stellt leider keinen Einzelfall in Deutschland dar.

Am 17. Januar 2009 zum Beispiel fand in Bochum eine Demonstration gegen Israel statt. Über 1500 Personen waren anwesend. Vier Moscheen hatte zu der Demonstration gegen Israel aufgerufen. Im Zuge dieser Demonstration wurden Parolen wie „Kindermörder Israel“, „Stoppt den Holocaust in Gaza“ und „Terrorist Israel“ skandiert. Alles schien darauf hinaus zu laufen, dass jemand eine Israel-Flagge herausholt, um sie zu verbrennen. Eine Studentin holte die Israel-Flagge heraus, verbrannte sie jedoch nicht, sondern schwenkte sie stolz als Zeichen der SolidaritĂ€t mit Israel. Aufgrund dieser Aktion leitete die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren gegen die Studentin ein, die eine Geldstrafe von € 300,- gegen die Studentin zur Folge hatte. Die ErklĂ€rung lautete: „Das war keine ungefĂ€hrliche Situation, die Sie geschaffen haben.“

Vermutlich hatten sich Juden vor der Pogromnacht am 9. November 1938 auch in eine nicht ungefĂ€hrliche Situation begeben, weil sie sich dafĂŒr entschieden hatten, sich auf deutschem Boden nieder zu lassen, um dort GebĂ€ude mit Davidsternen zu errichten. Damals jedenfalls mussten die deutschen Juden nach der Nacht, in der jĂŒdische Einrichtungen in Brand gesetzt wurden, fĂŒr die entstanden Kosten der FeuerwehreinsĂ€tze selbst aufkommen.

So wie fĂŒr Nazis eine Synagoge eine Provokation darstellt, so stellt fĂŒr manche die Fahne Israels eine Provokation dar. Wenn sich Judenhasser in Deutschland durch einen Davidstern provoziert fĂŒhlen und bereit sind, ihre Aggression in Gewalt umschlagen zu lassen, sind nicht etwa die GewalttĂ€ter Verbrecher, sondern jene Menschen, gegen die sich der Hass richtet.

Im Januar 2009 stĂŒrmten deutsche EinsatzkrĂ€fte in Duisburg eine private Wohnung in Abwesenheit der Mieter, um eine Israel-Flagge aus dem Fenster zu entfernen. Vor der Wohnung hatte eine aufgeputschte Meute in alter Tradition deutscher Pogrome damit begonnen, Steine auf das Fenster mit dem Davidstern zu werfen. Die Polizei sorgte jedoch nicht dafĂŒr, dass der Mob mit seiner Gewalt aufhört, sondern stĂŒrmte stattdessen die Wohnung und machte somit die Mieter der Wohnung zu Opfern der Judenhassern. Die deutsche Polizei kapitulierte vor dem Terror der Sturmtruppen auf der Strasse.

Auch im deutschen Fußball ist die Fahne Israels nicht immer gern gesehen. Almog Cohen ist ein israelischer Fußballspieler und stand beim FC Ingolstadt 04 unter Vertrag. Am 26. April 2015 trennten sich im Stadion an der Alten Försterei die Union Berlin und der FC Ingolstadt mit einem 2:2. Almog Cohen saß das ganze Spiel ĂŒber auf der Bank und twitterte kurz nach Abpfiff auf hebrĂ€isch: â€žHeute wurde beim Spiel eine Israel-Fahne entfernt. Eine Fahne, die deutsche Fans mitgebracht haben, wurde von einem Ordner entfernt. ‚Keine Juden-Fahnen‘, sagte er.“

Der stellvertretende Polizeisprecher Berlins, Thomas Neuendorf, erklĂ€rte daraufhin: â€žDas Einsammeln der Israel-Flagge war eine Entscheidung des PolizeifĂŒhrers.“

An selben Wochenende wie das Spiel fand in Berlin auch eine große palĂ€stinensische Konferenz in der â€žArena“ in Treptow statt. Aufgrund dieses Konferenz bat sich die Polizei ein besonnenes Verhalten aus und dazu gehörte wohl auch, nicht mit jĂŒdischen Symbolen zu provozieren. Die Organisatoren der Konferenz, die nicht provoziert werden sollten, waren die PalĂ€stinensische Gemeinschaft in Deutschland (PGD) und das Palestine Return Center (PRC). Beide unterhalten laut Verfassungsschutz Verbindungen zur Hamas. Die Hamas fordert in ihrer GrĂŒndungscharta den Tod aller Juden (Artikel 7) und die Vernichtung Israels (Artikel 13). Mit solchen Leuten sollte man wahrlich sehr besonnen umgehen und sie nicht auch mit Symbolen lebender Juden provozieren.

Wann wer wo einen Judenstern trÀgt, das entscheidet in Deutschland immer noch die Polizei!

Bei einer Demonstration vor dem Berliner Hauptbahnhof am 27. MÀrz 2011, auf der zu einem Boykott gegen Israel aufgerufen wurde, entfernte die Polizei eine Israelfahne und nahm zwei Menschen in Gewahrsam, weil sie sich weigerten, Ihre friedliche SolidaritÀtsbekundung mit Israel zu unterlassen.

Am 24. Juli 2006 fand in der SaarbrĂŒcker Innenstadt eine Demonstration gegen Israel statt, bei der Parolen wie „Israel – Kindermörder“ gerufen und Pappschilder mit antisemitischen Stereotypen gezeigt wurden. Drei Menschen demonstrierten dagegen, indem sie Fahnen des Staates Israel zeigten. Sie wurden unmittelbar von etwa fĂŒnfzig Demonstranten angegriffen. Dabei raubten die Angreifer eine Israel-Fahne, zerrissen sie und verletzten einen Menschen durch SchlĂ€ge im Gesicht. Das Landeskriminalamt ermittelte spĂ€ter gegen die drei mutmaßlichen „Provokateure“ wegen „Verstoß gegen das Versammlungsgesetz“.

Wenn sich Rassisten bei einer Demonstration durch Menschen mit gut sichtbarer dunkler Hautfarbe provoziert fĂŒhlen, werden die Menschen mit der Ă€ußerst provokanten Hautfarbe dann auch abgefĂŒhrt? Wenn ein Mann, der eine Kippa auf dem Kopf trĂ€gt und dabei erheblichen Unmut bei Judenhassern auslöst, muss die Polizei diesem Mann dann die Kippa vom Kopf reißen, zur Wahrung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit? Wenn eine Frau ihr Aussehen in Ă€ußerst provokanter und rĂŒcksichtsloser Art und Weise zur Schau stellt, muss sie ihren Körper dann unter einem Ganzkörperschleier verstecken? Ist es eine Provokation, wenn Sie unverhĂŒllt das Haus verlĂ€sst?

Nicht nur Israelfahnen stellen in Deutschland eine Provokation dar, auch Synagogen können fĂŒr Unmut sorgen. Im Sommer 2014 verĂŒbten drei junge MĂ€nner einen Brandanschlag auf eine Synagoge in Wuppertal. Das Gericht sprach jedoch ein mildes Urteil ĂŒber die AttentĂ€ter, da es â€žkeine Anhaltspunkte fĂŒr eine antisemitische Tat“ erkennen konnte. Das Gericht folgte der Logik der AttentĂ€ter, die erklĂ€rt hatten, sie hĂ€tten mit dem Anschlag Aufmerksamkeit auf den Gaza-Konflikt lenken wollen.

Ein Anschlag auf deutsche Synagogen gilt als â€žIsraelkritik“.

WĂŒrde ein Anschlag auf eine Moschee als ĂŒberzogene Kritik am Iran oder ein Brandanschlag auf ein FlĂŒchtlingsheim als ĂŒberzogene Kritik an der deutschen FlĂŒchtlingspolitik bezeichnet werden, es gĂ€be gewiss einen Aufschrei in Deutschland, aber wenn es um Juden und Israel geht, gelten andere Regeln. Wenn in Deutschland ein Anschlag auf eine jĂŒdische Einrichtung verĂŒbt wird, weil jemandem die Politik Israels nicht gefĂ€llt, dann ist das kein Judenhass, sondern Israelkritik, die etwas zu weit gegangen ist.

Es gelten in Deutschland zwei Faustregeln.

1. Hass auf Israel ist durch die Meinungsfreiheit gedeckt.

2. SolidaritÀt mit Israel ist nicht immer durch die Meinungsfreiheit gedeckt.

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