Mehr so viel mehr

Tapfer im Nirgendwo präsentiert „Mehr so viel mehr“ von Viktoria Burkert.

Der Obdachlose am Zülpicher Platz sagt, er kontrolliert das Wetter, er heißt Jürgen und hatte mal alles, Job, Familie, trotzdem geht es ihm jetzt besser, sagt er. Sein Hund heißt Whiskey und er fragt nach einem Euro für Whiskey, und lächelt ohne Zähne und wünscht ohne Vorwurf einen schönen Tag.

Nachts vorm Café, die Straße dampft vom Sommerregen, es war schön, die Musik, die Menschen, niemand war dagegen, dass man lebt. Wir stehn noch zusammen, du weichst einem schweren Tropfen aus, und sagst: hoffentlich hab ich diese Nacht keine Angst, und dann tanzt du nach Haus.

Vielleicht sind’s diese Nächte, in denen alles so einfach ist, in denen dir klar wird, alles was du suchst, ist längst da! In denen du spürst, dass dein Weglaufen vergebens war, denn alles, was wahr war, ist noch wahr.

Und wer lacht, hat meistens Wunden, und wer singt, kann meistens singen,
und wer nicht singen kann und es trotzdem tut, hat Mut! Wer die Töne nicht trifft, weiß zumindest, dass es Töne gibt, und mehr so viel mehr als die Stille und das Schweigen und die Lügen.

Und wer fühlt, was wirklich ist, fühlt sofort, dass es weh tut, denn was schön ist und weh tut ist wahr. Ich bin sicher nicht für immer da,
aber jetzt gerade ganz bestimmt, und jetzt auch noch und zumindest solange dieses Lied erklingt.

Simone wurde wieder verlassen und kauft sich drei Kilo Erdnusseis, sie sagt, das hilft zwar nicht gegen die Einsamkeit, aber für heute Nacht reicht’s. Sie gibt Jürgen zwei Euro für Whiskey und grinst, ach, wir sind mehr so viel mehr als das, was man uns nimmt.

Nachts am großen Fluss, die Brücke bebt, die Möwen schrein, es war schön wie ein Anfang schön ist, und hey, so schön kann’s immer wieder sein. Du sagtest, schau in den Himmel, ich glaube, gleich geht der große Regen los,
und zum Glück haben wir weder Schirme noch ein Zuhause und ich lass dich nicht los.

Vielleicht sind’s diese Nächte, in denen alles wieder möglich ist, in denen du nass bist und glücklich und froh, dass es dich hier noch gibt, weil das Leben dich mehr liebt, als du das Leben immer lieben konntest und das ist völlig okay.

Und wer lacht, hat meistens Wunden, und wer singt, kann meistens singen,
und wer nicht singen kann und es trotzdem tut, hat Mut. Wer die Melodie vergeigt, schafft vielleicht nichts, was gleich bleibt, aber versuchen und scheitern gehörn am Anfang und überhaupt dazu.

Und wer fühlt, was wirklich ist, fühlt sofort, dass es weh tut, denn was schön ist und weh tut ist wahr. Du bist sicher nicht für immer da,
aber jetzt gerade ganz bestimmt, und jetzt auch noch und zumindest solange dieses Lied erklingt.

Und wer lacht, hat meistens Wunden, und wer singt, kann meistens singen,
und wer nicht singen kann und es trotzdem tut, hat Mut. Wer das Tempo übertreibt, weiß vielleicht mehr über Zeit wie jemand, der perfekt im Tempo bleiben kann, denn die Momente, in denen dein Herz schneller schlägt als sonst, auf die kommt es vielleicht an.


Musik und Text: Viktoria Burkert * Arrangement: Markus Schimpp * Produktion: Gerd Buurmann * Copyright: Viktoria Burkert

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(TINVB)

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Was existierte vor Israel?

Bevor Israel im Jahr 1948 die Unabhängigkeit erklärte, gab es für die Region ein britisches Mandat.

Vor dem britischen Mandat herrschte dort das Osmanische Reich.

Vor dem Osmanischen Reich regierten dort mameluckische Dynastien.

Vor den Mamelucken existierte dort das kurdischstämmige Ayyubidenreich.

Vor dem Ayyubidenreich herrschte dort das fränkische und christliche Königreich Jerusalem.

Vor dem Königreich Jerusalem herrschten dort der arabischstämmig Familienclan der Umayyaden und das Kalifat der Fatimiden.

Vor den Umayyaden und Fatimiden gab es das Byzantinische Reich.

Vor dem Byzantinischen Reich herrschte dort die persische Dynastie der Sassaniden.

Vor dem Sassanidenreich herrschte bereits das Byzantinische Reich.

Vor dem Byzantinischen Reich herrschte dort das Römische Reich.

Vor dem Römischen Reich regierten dort die israelitischen Hasmonäer.

Vor dem hasmonäischen Staat gab es die griechischen Seleukiden.

Vor dem Seleukidenreich herrschte das Alexanderreich.

Vor Alexander dem Großen herrschte dort das Perserreich.

Vor dem Persischen Reich herrschte das Neubabylonische Reich.

Vor dem Neubabylonischen Reich gab es dort das Königreich Juda und das Königreich Israel.

Vor dem Königreich Israel herrschten dort die Zwölf Stämme Israels.

Vor den zwölf Stämmen gab es dort einen Fünf-Städte-Bund der Philister.

Davor waren die Städte unter der Verwaltung des Alten Ägypten.

Unter der Verwaltung des Alten Ägypten lebten dort die Kanaaniter, die ältesten bekannten sesshaften Einwohner der Region.

Was es in dem ganzen Gebiet bisher noch niemals gab, ist ein unabhängiges Palästina.

Was ist überhaupt Palästina?

Eine der ältesten schriftlichen Nachweis des Wortes „Palästina“ findet sich bei dem antiken griechischen Geschichtsschreiber und Völkerkundler Herodot. Im 5. Jahrhundert vor moderner Zeitrechnung benannte er das Gebiet „Syria palaistinē“ und zwar in Anlehnung an das Volk der Philister, das da einst gelebt hatte.

Wer waren die Philister?

Die Philister lebten in dem oben erwähnten Fünf-Städte-Bund, der heute auch öfters als „Palästina“ bezeichnet wird. Der Fünf-Städte-Bund bestand aus den Städten Aschdod und Aschkelon, die sich heute in dem Staat Israel befinden, der verschwundenen Stadt Gat, die sich auf dem Hügel Tell es-Safi befunden haben soll, der ebenso verschwundenen Stadt Ekron, auf dessen Gebiet sich heute der Kibbuz Revadim befindet und Gaza im heutigen Gazastreifen, der Teil der Palästinensischen Autonomiegebiete ist.

Die Philister waren Seevölker. Wie sich diese Völker selber nannten, ist nicht gewiss. Wir wissen jedoch, wie sie genannt wurden, nämlich von den Hebräern. In den biblischen Texten werden sie auf hebräisch פְלִשְתִּים (pelischtim) genannt, was auf deutsch als „Philister“ übersetzt wurde. Aus der Bibel kennen wir auch den berühmtesten Philister der Welt: Goliat. Über ihn berichtet das Buch Samuel:

„Da trat aus dem Heer der Philister ein einzelner Soldat heraus: Goliat aus der Stadt Gat. Er war über drei Meter groß. Gerüstet war er mit einem Helm, einem schweren Schuppenpanzer und mit Beinschienen, alles aus Bronze. Dazu hatte er sich noch eine bronzene Lanze auf den Rücken geschnallt. Sein Brustpanzer wog sechzig Kilogramm, sein Speer war so dick wie ein kleiner Baum, und allein die Eisenspitze des Speeres war über sieben Kilogramm schwer.“

Der Begriff „Palästina“ hat mit dem Wort „Philister“ somit einen hebräischen Ursprung.

Als im Jahr 135 das Jüdische Volk vom Römischen Reich zerschlagen wurde, nachdem der jüdische Tempel bereits im Jahr 70 zerstört worden war, entschlossen sich die Römer, das Gebiet neu zu benennen. Um jeglichen Anspruch des Jüdischen Volks auf das Gebiet zu negieren, benannten sie es nach dem Volk, das in der Bibel gegen das Königreich Israels gekämpft hatte. Zu der Zeit gab es das Volk der Philister jedoch schon lange nicht mehr.

Der Begriff Palästina ist somit lediglich eine Gebietsbeschreibung und keine Volksbeschreibung. Es gibt keine palästinensische Sprache und keine unabhängige palästinensische Kultur, dafür aber eine Menge Menschen verschiedenster Glaubensrichtungen und Nationalitäten, die in dem Gebiet lebten und leben, das Palästina genannt wird. Der mit Abstand größte Teil Palästinas liegt im heutigen Jordanien.

Weitere Gebiete Palästinas sind die Golanhöhen, der Gazastreifen, das Westjordanland und Gebiete von Ägypten und Saudi-Arabien. Nur ein sehr kleiner Teil Palästinas befindet sich in Israel, aber alle, die in dem Gebiet Palästina leben, mögen es nun Jordanier, Israelis, Araber, Juden, Christen oder Moslems sein, sind Palästinenser.

Nach dem 1. Weltkrieg und durch den Untergang des Osmanischen Reiches wurde der überwiegende Teil des Gebiets Palästina herrschaftslos. Ab 1922 verwaltete der Völkerbund das Gebiet. Alle Menschen, die zwischen 1923-1948 im britischen Mandat Palästina geboren wurden, bekamen damals „Palästina“ in ihre Pässe gestempelt. Wenn man damals allerdings Araber als Palästinenser bezeichnete, waren sie beleidigt und erklärten: „Wir sind keine Palästinenser. Wir sind Araber. Juden sind die Palästinenser!“

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff „Palästinenser“ als Synonym für „Jude“ benutzt. In den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts gab es in Jerusalem ein sogenanntes palästinensisches Orchester. Es bestand ausnahmslos aus Juden. Die Fahne der Region Palästina sah damals so aus:

Das Palästinensische Volk, so wie es heute mehrheitlich verstanden wird, entstand in den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Der PLO-Führer Zuheir Mohsen erklärte im März 1977 in einem Interview mit der niederländischen Zeitung Trouw:

„Das palästinensische Volk existiert nicht. Die Schaffung eines palästinensischen Staates ist nur ein Mittel, um unseren Kampf gegen den Staat Israel für unsere arabische Einheit fortzusetzen. In Wirklichkeit gibt es heute keinen Unterschied mehr zwischen Jordaniern, Palästinensern, Syrern und Libanesen. Nur aus politischen und taktischen Gründen sprechen wir heute von der Existenz eines palästinensischen Volkes, denn die arabischen nationalen Interessen verlangen, dass wir die Existenz eines eigenen palästinensischen Volkes als Gegenpol zum Zionismus postulieren (…) Aus taktischen Gründen kann Jordanien, ein souveräner Staat mit definierten Grenzen, keine Forderungen auf Haifa und Jaffa aufstellen, während ich als Palästinenser zweifellos Haifa, Jaffa, Beer-Sheva und Jerusalem fordern kann. Doch in dem Moment, in dem wir unser Recht auf ganz Palästina zurückfordern, werden wir nicht eine Minute warten, Palästina und Jordanien zu vereinen.“

Nach dieser Definition ist das palästinensische Volk lediglich eine Erfindung, um Israel zu zerstören. Dieses Palästina ist nur eine Massenvernichtungswaffe, die gegen Israel geschaffen wurde, um das jüdische Volk zu diffamieren, Israel zu dämonisieren und dem Judenhass eine neue Ausdrucksform zu geben.

Es ist purer Hass auf Israel, der diese Definition von Palästina zulässt. Es ist zudem uralter Hass auf das Jüdische Volk, der es möglich macht, das Leute heute ernsthaft den Blödsinn behaupten und glauben können, die heutigen Palästinenser, die von den israelfeindlichen Partei Fatah und der Hamas regiert werden, hätten irgendeine historische oder kulturelle Beziehung zu den biblischen Philistern.

Dieses aus Hass erfundene palästinensische Volk ist nichts weiter als ein gegen Israel aufgebauter Riese. Es ist jedoch ein Riese, der auf einem so historisch wackeligen Boden gestellt wurde, dass schon eine einfache Steinschleuder ausreicht, um diesen Humbug umzustürzen.

„Im Laufen nahm David einen Stein aus seiner Tasche, legte ihn in die Steinschleuder und schleuderte ihn mit aller Wucht gegen den Feind. Der Stein traf Goliat am Kopf und bohrte sich tief in seine Stirn. Sofort fiel der Riese zu Boden auf sein Gesicht. So überwältigte David den mächtigen Philister mit einer einfachen Steinschleuder und einem Kieselstein.“

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„Ich bin kein Militärtyp“

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Joe Biden und der Präsident von Afghanistan, Ashraf Ghani, haben am 23. Juli 2021 telefoniert. Das Gespräch zeigt, Ghani warnte Biden vor einer möglichen, baldigen Übernahme des Landes durch die Taliban und Biden empfahl Ghani nachdrücklich eine stärkere Ermächtigung des Militärs. Tapfer im Nirgendwo hat Auszüge aus diesem Gespräch übersetzt.

BIDEN: Herr Präsident, Joe Biden.

GHANI: Natürlich, Herr Präsident, es ist eine Freude, Ihre Stimme zu hören.

BIDEN: Wissen Sie, ich bin etwas zu spät, aber ich meine es aufrichtig. Hey, sehen Sie, ich möchte klarstellen, dass ich kein militärischer Typ bin, genauso wenig wie Sie, aber ich habe mich mit unseren Leuten vom Pentagon und mit unseren nationalen Sicherheitsleuten getroffen, wie Sie es mit unseren und Ihren getan haben, und wie Sie wissen, dass muss ich Ihnen nicht sagen, es gibt, glaube ich, auf der ganzen Welt und in Teilen Afghanistans, die Wahrnehmung, dass es nicht gut läuft im Kampf gegen die Taliban. Und es besteht die Notwendigkeit, ob es nun wahr ist oder nicht, die Notwendigkeit, ein anderes Bild zu schaffen.

(…)

BIDEN: Wenn Sie Bismillah (Verteidigungsminister von Afghanistan, Bismillah Khan Mohammadi) ermächtigen, eine Strategie auszuführen, die sich auf wichtige Teile der Bevölkerungszentren konzentriert, aber ich kein Militärtyp, daher sage ich Ihnen nicht, wie dieser Plan genau aussehen sollte, aber Sie werden nicht nur mehr Hilfe bekommen, sondern auch eine Wahrnehmung, die sich in Bezug darauf ändern wird, wie, ähm, (… unklar), unsere Verbündeten und Leute hier in den Staaten und an anderen Orten denken, was sie tun.

Sie haben eindeutig das beste Militär. Sie haben dreihunderttausend gut bewaffnete Kräfte gegenüber siebzig- bis achtzigtausend und sie sind eindeutig in der Lage, gut zu kämpfen. Wir werden weiterhin Unterstützung aus der Luft leisten, wenn wir wissen, was der Plan ist und was wir tun. Und das bis Ende August. Wer weiß, was danach noch passiert.

Wir werden auch weiterhin sicherstellen, dass Ihre Luftwaffe in der Lage ist, weiterhin zu fliegen und Luftunterstützung zu leisten. Darüber hinaus werden wir weiterhin hart kämpfen, diplomatisch, politisch, wirtschaftlich, um sicherzustellen, dass Ihre Regierung nicht nur überlebt, sondern auch erhalten bleibt und wächst. Denn es liegt eindeutig im Interesse des afghanischen Volkes, dass Sie erfolgreich sind und führen. Und obwohl ich weiß, dass es einerseits anmaßend ist, Ihnen solche Dinge so direkt zu sagen, ich kenne Sie schon lange und ich finde, Sie sind ein brillanter und ehrenhafter Mann.

Aber ich denke tatsächlich, ich weiß nicht, ob Sie sich darüber bewusst sind, wie sehr die Wahrnehmung auf der ganzen Welt ist, dass dies nach einem verlorenen Unterfangen aussieht, was es nicht ist, was es nicht unbedingt ist, aber so ist die Schlussfolgerung: Ich bitte Sie zu überlegen, ob Sie alle zusammenbringen, von Dostum (ehemaliger Vizepräsident Abdul Rashid Dostum) bis Karzai (ehemaliger Präsident Hamid Karzai) und allen dazwischen, wenn Sie stehen und die von Ihnen zusammengestellte Strategie unterstützen und dann einen Kämpfer aufstellen. Sie kennen einen Militärtypen: Khan (Verteidigungsminister Bismillah Khan Mohammadi) kann für die Umsetzung dieser Strategie verantwortlich sein. Das wird die Wahrnehmung verändern. Das wird meiner Meinung nach sehr viel ändern.

(…)

GHANI: Herr Präsident, wir stehen vor einer umfassenden Invasion, die sich zusammensetzt aus der Taliban, mit voller logistischer Unterstützung und Planung aus Pakistan, mindestens zehn- bis fünfzehntausend internationalen Terroristen, überwiegend Pakistanern. Dieser Dimension muss Rechnung getragen werden.

Zweitens ist die Unterstützung aus der Luft entscheidend, und wenn ich eine Bitte formulieren darf, Sie wären sehr großzügig, wenn Ihre Unterstützung, besonders unserer Luftwaffe, frühzeitig erfolgen könnte, denn was wir im Moment brauchen, wir haben uns sehr stark auf die Luftwaffe verlassen. Wir haben uns darauf konzentriert, dass wir es sehr zu schätzen wissen, sollte es möglich sein, die Unterstützung vorzuziehen.

Und drittens, was das Verfahren für den Rest der Hilfe anbelangt, so ist beispielsweise der Militärlohn über ein Jahrzehnt lang nicht erhöht. Wir müssen einige Anstalten machen, um alle zusammenzubringen. Wenn Sie also den nationalen Sicherheitsberater oder das Pentagon beauftragen könnten, jeden, von dem Sie wünschen, dass er mit uns an den Details arbeiten möchten, also an unseren Erwartungen insbesondere in Bezug auf Ihre Unterstützung durch die Luft. Es gibt Vereinbarungen mit den Taliban, von denen (…) bisher nicht wussten. Wegen Ihrer Luftwaffe war sie bei Angriffen äußerst vorsichtig.

Und der letzte Punkt, ich habe gerade noch einmal mit Dr. Abdullah gesprochen. Er ist zu Verhandlungen mit den Taliban gegangen. Die Taliban haben kein Interesse gezeigt. Wir können nur Frieden finden, wenn wir die militärische Lage neu ausbalancieren. Und ich kann Ihnen versichern (…)

BIDEN: (Überschneidungen im Gespräch)

GHANI: Und ich kann Ihnen versichern, ich war in vier von unseren wichtigsten Städten. Ich bin ständig mit dem Vizepräsidenten und anderen unterwegs, wir werden uns sammeln können. Ihre Unterstützungszusage trägt wesentlich dazu bei, dass wir wirklich ernsthaft mobilisieren können. Der städtische Widerstand, Herr Präsident, war außergewöhnlich, es gibt Städte, die fünfundfünfzig Tage lang belagert wurden und die sich nicht ergeben haben. Nochmals vielen Dank und ich bin immer nur einen Anruf entfernt. Das ist es, was ein Freund einem Freund erzählt, also glauben Sie bitte nie, dass Sie sich aufdrängen.

BIDEN: Nein, hören Sie mal, ich danke Ihnen. Sehen Sie, Luftnahunterstützung funktioniert nur, wenn es eine militärische Strategie vor Ort gibt, die Sie unterstützen können.

***

Übersetzung von Gerd Buurmann. Das Original findet sich hier. Wenn Sie einen besseren Vorschlag für eine Übersetzung haben oder wenn Sie finden, dass ich an einer Stelle nicht genau übersetzt habe, senden Sie mir gerne Ihre Verbesserung an: gerdbuurmann@hotmail.de

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„Unsere Brüder, die Taliban“

„Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um mit unseren Brüdern, den Taliban, zu sprechen. Wir fordern Sie auf, für die sichere Ausreise jeder Person in Afghanistan aus dem Land zu sorgen.“

Die Frau, die die Taliban „unsere Brüder“ nennt, heißt Maryam Monsef und ist Mitglied im Unterhaus von Kanada.

Raten Sie mal, welchen Ministerinnenposten sie in Kanada hat. Sie kommen nicht drauf. Ich sage es Ihnen: Am 10. Januar 2017 wurde sie als Ministerin für Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter vereidigt. Seit 2019 ist sie zudem Ministerin für Ländliche Wirtschaftsentwicklung.

Wer hätte gedacht, dass die Taliban die Brüder der kanadischen Ministerin für Frauen ist.

Also, wenn die Taliban was kann, dann Geschlechter gleich stellen, aber so richtig gleich. Alle Männer lassen sich gleich einen Bart wachsen und alle Frauen werden gleich in die Burka gesteckt. Wer sich weigert, wird gleichgestellt und zwar an die Wand.

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Hohle Floskeln der Betroffenheit reichen nicht mehr aus

Ein Artikel von C.J. aus Köln.

Gerd Buurmann fragt in seinem Artikel über einen judenfeindlichen Angriff in Köln vom 20. August 2021, bei dem ein achtzehn Jahre junger Mann von ungefähr zehn Menschen umringt, beleidigt und geschlagen wurde, so dass sein Jochbein brach:

„Was hat die jungen Menschen so sehr vergiftet? Wo kommt ihr Judenhass her? Was hat dafür gesorgt, daß sie einen Menschen aus einer Gruppe heraus zusammenschlagen konnten?“

Als Antwort würde ich mal blind darauf tippen, dass hier keine Rechtsradikalen gewütet haben. Die Polizei hat zwar keine Einzelheiten über die Täter veröffentlicht, aber ich wette, wären es rechtsextreme Jugendliche, sähen wir schon längst die Versuche, politisches Kapital daraus zu schlagen.

Hohle Floskeln der Betroffenheit reichen schon lange nicht mehr aus.

Ich werde zunehmend wütender wenn ich lese, dass jüdische Bürger bereits darüber nachdenken, dieses Land zu verlassen, weil sie sich nicht mehr sicher fühlen und nicht mehr auf die Straße trauen. Wohin soll das alles noch führen und wie weit will unsere Politik und die sie leider blauäugig stützende Bevölkerung, die sich in ihrer eingebideten Toleranz und Offenheit suhlt, diese Zustände noch treiben? Muss es erst zu Straßenschlachten wie in Frankreich oder Schweden kommen?

Hätte ich privat die Mittel und die Möglichkeit, würde ich mittlerweile auch so schnell wie möglich meine Koffer packen und das Weite suchen.

Die Einzelheiten kommen mir in diesem Zusammenhang nur allzu vertraut vor. Es handelt sich um eine „Gruppe von zehn jungen Männern“ und das Opfer wurde „antisemitisch beleidigt“. Aus der Neuen Zürcher Zeitung habe ich jetzt erfahren, ein Sprecher habe der NZZ gesagt: „Dabei handelt es sich um einen Deutschen und einen Deutschtürken.“

Die oberste Devise scheint zu lauten: Nur nicht den großen Elefanten beachten, der mitten im Raum steht. Man umgeht das immer größer werdende Problem geflissentlich. Es ist wie beim undichten Dach: Irgendwann sind die Balken durchgefault und das Haus stürzt ein. Leugnen und Wegsehen hilft hier nicht weiter. Das Problem bleibt und fällt einem früher oder später umso schmerzhafter auf die Füße.

Man kann auch einem Alkoholiker nur dann helfen, wenn er bereit ist zu erkennen, dass er ein Problem mit dem Alkohol hat. Vorher bringt es nichts. Die standardisierte Antwort von Frau Reker ist leider auch nur allzu typisch und beispielhaft für unsere politische Klasse. Aber bei weitem nicht nur für sie.

Den einen Tag tönen sie „Toleranz und Offenheit“, den nächsten Tag dann „Tiefes Bedauern und Anteilnahme“, wenn solche Straftaten passieren. Natürlich darf dann auch der Spruch nicht fehlen, dass man mit aller gebotenen Härte gegen die Täter vorgehen wird.

Die beiden festgenommenen „mutmaßlichen“ Prügel-Bubis, vermutlich psychisch gestört und Einzelfälle, wenn nichts mehr hilft, sind schon wieder auf freiem Fuß, wie ich lese. Passt doch genau ins Bild von Härte und Entschlossenheit. Morgen wird es wieder tönen: „Toleranz und Offenheit“. Dass das alles nicht zusammenpasst, sei’s drum. Hauptsache, es hört sich toll an und man bekommt allseits Beifall.

Auf welchen Rücken die Probleme abgeladen werden und mit welchen Opfern das erkauft wird, spielt anscheinend nicht die geringste Rolle mehr.

Nein, die politisch Verantwortlichen tun nicht nur nichts dagegen, sie befördern und vergrößern das Problem mit jedem weiteren Tag, an dem sie in Amt und Würden sind; und das ohne die geringste Ahnung, wie sie aus dem Karussell wieder aussteigen wollen.

Wir hatten vor achtzig Jahren die Barbarei schon einmal hier. Anscheinend hat dieses Land daraus nicht viel gelernt. Will man dorthin wirklich zurück? Der Eindruck drängt sich auf, denn man tut wirklich alles dafür. Leider ist der große Kölner Ralph Giordano nicht mehr unter uns. Seine mahnende Stimme wäre heute nötiger denn je.

„Was hat die jungen Menschen so sehr vergiftet ? Wo kommt ihr Judenhass her? Was hat dafür gesorgt, daß sie einen Menschen aus einer Gruppe heraus zusammenschlagen konnten?“

Ich möchte eine Antwort wagen und tippe mal darauf, dass hier ein Blick in gewisse nicht kleine Ecken der Umma sehr schnell weiterhelfen würde.

Bitte entschuldigen Sie die Härte meiner Worte, aber ich bin so wütend und verzweifle immer mehr an diesen ganzen Zuständen. Die Zerstörung ist in vollem Gange. Ich bin Jahrgang 1966 und kenne noch andere Zeiten. Die Väter und Mütter unseres Grundgesetzes drehen sich nicht nur in ihren Gräbern um, sie rotieren.

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Judenfeindlicher Angriff in Köln

Am Schabbat, 20. August 2021 wurde in Köln gegen 23:30 Uhr ein 18-jähriger Mann, der eine Kippa trug, durch einen judenfeindlichen Angriff schwer verletzt.

Nach Angaben der Polizei wurde dem jungen Mann in einem Park am Kaiser-Wilhelm-Ring von einer Gruppe, bestehend aus ungefähr zehn jungen Männern, die Kippa vom Kopf gerissen. Laut Angaben wurde das Opfer antisemitisch beleidigt, geschlagen und getreten. Bei dem Angriff wurde ihm ein Gesichtsknochen gebrochen. Zwei mutmaßliche Täter im Alter von 18 und 19 Jahren konnten aufgrund von Aufnahmen einer Videoüberwachung festgenommen werden. „Dabei handelt es sich um einen Deutschen und einen Deutschtürken“, sagte ein Sprecher der Kölner Polizei. Weitere Details zu den Verdächtigten nannte die Polizei nicht.

Die Verdächtigten wurden vernommen und dann wieder freigelassen.

Was hat die jungen Menschen so sehr vergiftet? Wo kommt ihr Judenhass her? Was hat dafür gesorgt, dass sie einen Menschen aus einer Gruppe heraus zusammenschlagen konnten?

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Henryk M. Broder – Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag

Heute, am 20. August 2021 wird Henryk M. Broder 75 Jahre alt.

Mein lieber Henryk,

ich wünsche Dir alles Gute zu Deinem 75. Geburtstag. Auf 120! Ich möchte Dir zu Deinem Geburtstag ein paar Zeilen von Heinrich Heine schenken, einfach nur, weil ich Heine so sehr schätze wie Dich.

Lieber Henryk,

wie Du verzweifelte auch Heine immer wieder an der Unerbittlichkeit, mit der die Deutschen ihre Träume, Ideen und besseren Welten zu verwirklichen suchten. Aber wie Du begegnete Heine seiner Verzweiflung mit Ironie. Seine ironische Kritik brachte Heine zu seinen Lebenszeiten sehr viel Ärger ein.

Ich bin mir sicher, an dem Tag, da zukünftige Generationen Deinen 175. Geburtstag begehen, werden sie auf jene, die Dich heute so unanständig diffamieren, mit so viel Unverständnis blicken wie wir heute auf jene blicken, die einst nur Gemeinheiten über Heinrich Heine von sich gaben.

Heute wissen wir, was der Hauptgrund für das Heine-Bashing war. Heine war immer klar und direkt. Er war ein spöttischer Denker, ein humorvoller Philosoph, ein Reisender mit Witz. Oft lüftete er das Mieder der deutschen Sprache. Er kritisierte Religionen und Majestäten auf das Schärfste. Seine Kritik traf Rechte wie Linke.

Henryk, Du bist wie Heine. Du bist ein Charakter, der sich selbst keinen Maulkorb verpasst, aus Angst, die Falschen könnten ihn zitieren. Du schreibst aus Liebe und Lust zum Leben. Du musst Dich nicht rechtfertigen, denn Deine Haltung ist so klar wie die von Heinrich Heine. Wie sagte er einst:

“Selten habt ihr mich verstanden, selten auch verstand ich euch, nur wenn wir im Kot uns fanden, so verstanden wir uns gleich.”

Henryk, Du bist ein wunderbarer Mensch und ein guter Freund. Mein Leben wäre ärmer ohne Dich.

Bitte schreibe weiter über alles, was Dir auf der Seele brennt, über die Linken und die Rechten, über die Hybris der Deutschen, im Luftreich des Traums die Herrschaft zu behaupten. Lass Dir nicht einreden, deutliche Worte über Majestäten und Religionen seien Beleidigungen. Schreibe noch viele, viele gesunde Jahre weiter über Dein persönliches Wintermärchen.

Und wenn Dich die Wut zu sehr packt, denke einfach an diese Worte von Heinrich Heine:

„Ich habe die friedlichste Gesinnung. Meine Wünsche sind: eine bescheidene Hütte, ein Strohdach, aber ein gutes Beet, gutes Essen, Milch und Butter, sehr frisch, vor dem Fenster Blumen, vor der Tür einige schöne Bäume, und wenn der liebe Gott mich ganz glücklich machen will, lässt er mich die Freude erleben, dass an diesen Bäumen etwa sechs bis sieben meiner Feinde aufgehängt werden.“

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Taliban, Katar und WM

Hochrangige Beamte der Taliban wurden von der katarischen Luftwaffe nach Kandahar geflogen.

Wenn nicht augenblicklich die deutsche Fußballnationalmannschaft die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Katar absagt, dann kann sie sich ihre Regenbogenflagge sonstwo hinstecken.

Ernsthaft, kommt mir jetzt nicht mit Ungarn. In Katar wird Homosexualität nach Artikel 201 des Strafgesetzbuchs aus dem Jahr 1971 als „Sodomie“ mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft.

In der von den Taliban angestrebten radikalen Form der Scharia wird Homosexualität entweder mit der Steinigung bestraft oder durch das Fallenlassen einer etwa drei Meter hohen Mauer auf die Verurteilten.

Dies ist nicht mehr nur eine Frage der Haltung. Sollte Deutschland bei der Weltmeisterschaft in Katar mitmachen, dann sind die deutschen Spieler, Funktionäre und Fans aktiv an der Verfolgung und Ermordung von Homosexuellen, aber auch von Frauen und Andersgläubigen beteiligt.

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Tapfer im Nirgendwo auf YouTube

Seit einiger Zeit veröffentliche ich auf YouTube in unregelmäßigen Abständen Monologe zu Themen, die mir am Herzen liegen. Die Monologe habe ich hier gesammelt: Monologe

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Wenn Sie finden, ein Monolog von mir hat sie so wach gemacht wie eine Tasse Kaffee oder so munter wie ein Glas Bier, dann geben Sie gerne 2,- Euro. Natürlich können Sie meine Werke auch wie Champagner oder einen edlen Rotwein behandeln und deutlich mehr geben. Zögern Sie jedoch nicht, auch einfach nur den Preis einer Dose Cola zu überweisen. Als Pfand bekommen sie prickelnde Monologe zurück. Versprochen.

Wenn Sie möchten, schreiben Sie bei der Überweisung gerne den Titel des Monologs auf, der ihnen am besten gefallen hat, dann weiß ich, was Ihnen gefällt.

Sollten Sie kein PayPal-Konto besitzen, überweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto. Meine Kontodaten erhalten Sie von mir via Mail oder Telefon. Kontaktieren Sie mich einfach: Kontakt

Ach ja, und abonnieren, teilen und liken Sie gerne meine Seite auf YouTube.

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Köln gibt sich auf

„Gerd, ich kann Dich nicht mehr in Deinem Viertel besuchen kommen. Ich fühle mich nicht mehr sicher. Auf dem Weg zu Dir wurde ich von mehreren jungen Männern bedroht.“

„Ich bin froh, dass ich einen Freund habe. Wenn ich durch das Viertel muss, begleitet er mich, weil ich Angst habe, nachdem ich dort auf offener Straße sexuell belästigt wurde.“

„Heute wurde ich auf dem Weg nach Hause von mehreren arabischen Männern am Mäucherchen rassistisch anti-asiatisch beschimpft.“

„Mit anderen Leuten hier aus dem Viertel lerne ich nun Selbstverteidigung. Die Polizei lässt uns im Stich.“

„Als Homosexueller habe ich Angst. Diese Angst ist neu für mich in diesem Veedel.“

„Die Straße ist absolut heruntergekommen. In den 80er und 90er Jahren war das ganz anders.“

„Absolut finster das Pflaster. Mich wundert es nicht, dass es dort mittlerweile zu einer Messerstecherei gekommen ist.“

All dies sind Stimmen von Anwohnerinnen, Anwohnern und Gästen im Kwartier Latäng in Köln. Das Kwartier Latäng ist ein Viertel, in dem es einst das feministische Piccolo-Theater gab. Jetzt leben Frauen dort gefährlich. Wenn morgens Ruhe einkehrt im Veedel, wirft die aufgehende Sonne ihre Strahlen auf die stinkenden Überreste einer verrohten Nacht.

Unzählige Beschwerden bei der Stadt blieben bisher unbeantwortet. Nachdem aber ein 18-jähriger Junge im Kwartier Latäng ermordet wurde, lud die Stadt am Donnerstag, 12. August 2021, ein paar auserwählte Anwohnerinnen und Anwohnern aus dem Kwartier Latäng zu einem Treffen.

Ich wurde ausgeladen, angeblich, weil aufgrund von Corona die Anzahl der Teilnehmenden reduziert werden musste. Allerdings wurde mir von dem Treffen berichtet. Ich kann nur sagen, es ist besser, dass ich nicht dort war, denn ich wäre ausgerastet. Das Ergebnis des Treffens ist eine einzige Bankrotterklärung.

Von der Stadt anwesend waren die Stadtdirektorin Andrea Blome, Wolfgang Büscher vom Ordnungsamt und Herr Mehlem von der Polizei.

Es wurde mehr als deutlich kommuniziert, dass eine kurzfristige Lösung nicht in Sicht sei. Somit toleriert die Stadt Köln Ruhestörung, Müllablagerung, Drogenhandel, sexuelle Belästigungen und Handgreiflichkeiten, teilweise mit spitzen Gegenständen, wie zerschlagenen Glasflaschen. Es soll sogar argumentiert worden sei, dass all diese Dinge zu den „Freiheiten“ gehörten, die innerhalb einer „quirligen Szene“ zu tolerieren seien.

Auf die Frage, warum das Ordnungsamt nicht einschreiten würde, soll erklärt worden sein, die Stadt Köln könne von ihren Angestellten nicht erwarten, Leib und Leben zu riskieren. Auf die Nachfrage, warum dann nicht die Polizei zur Hilfe gezogen werden würde, soll erwidert worden sein, dass es dafür nicht genug Beamte gäbe.

Wegen Personalmangel ist die Stadt Köln nicht in der Lage, die Sicherheit im Veedel zu gewährleisten. Dabei ist gerade jetzt deutlich mehr Polizei vor Ort nötig.

Die Aufgabe der Politik ist es nicht, die Bürgerinnen und Bürger ins Gespräch zu bringen. Das schaffen die Menschen schon ganz alleine. Die Aufgabe der Politik ist es, ausreichend Polizei zu stellen, damit die grundlegende Sicherheit gewährleistet ist. Dafür zahlt der Souverän Steuer.

Ist Lärmbelästigung durch Verstärker auf offener Straße zwischen 22 Uhr und 5 Uhr morgens erlaubt? Wenn nicht, warum greift die Polizei nicht ein?

Ist der Handel mit Drogen auf offener Straße erlaubt? Wenn nicht, warum greift die Polizei nicht ein?

Ist das Vermüllen der Straße durch gefährlichen Müll, wie Glasscherben und Spritzen erlaubt? Wenn nicht, warum greift die Polizei nicht ein?

Ist ein Angstraum für Frauen hinnehmbar, vor allem wenn es nachweislich in der letzten Zeit zu sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen kam? Wenn nicht, warum greift die Polizei nicht ein?

Die Stadt Köln gibt die Gewährleistung der Sicherheit im Veedel auf. Sie kündigt den Bürgerinnen und Bürger den Gesellschaftsvertrag. Heißt das, dass sich die Menschen im Kwartier Latäng selbst bewaffnen müssen, weil die Stadt Gesetzesbrüche nicht mehr ahnden kann? Muss die Bürgerin selbst zur Polizistin werden?

Das einzig „Konstruktive“ des Treffens ist die Gründung eines Arbeitskreis‘, um sich weiter austauschen zu können. Ein Arbeitskreis hilft jedoch nicht den Menschen, die in dem Veedel leben. Die Anwohnerinnen und Anwohner wollen sich nicht austauschen. Sie wollen nicht gehört werden. Sie wollen auch nicht reden. Sie wollen, dass sich was ändert.

Eine Änderung ist aber nicht in Sicht. Es soll bei dem Treffen sogar kommuniziert worden sein, dass mit einer Veränderung der Situation nicht vor dem Jahr 2025 zu rechnen sei. Auf die Frage, wie viele Menschen überhaupt von der Stadt Köln beim Ordnungsamt beschäftigt seien, verweigerte die Stadt die Auskunft.

Der Hinweis auf den Mord an einen 18-jährigen Jungen im Veedel soll mit den Worten quittiert worden sein, dass es zu Tötungsdelikten in Köln öfter komme, das Kwartier Latäng da statistisch gesehen kein gefährlicher Ort sei. Auf die Artikulation der Befürchtung, dass es vielleicht bald wieder zu einem Toten kommen könnte, soll geantwortet worden sein, dass dies statistisch so gut wie ausgeschlossen sei.

Dann können die Menschen wohl nur noch auf die Statistik hoffen. Die Polizei jedenfalls kann nichts mehr machen. Beim nächsten Mord rufen wir dann einfach einen Statistiker und nicht mehr die Polizei.

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