„Nacht mit Bär“

„Nacht mit Bär“
Ein Stück von Viktoria Burkert
mit Gerd Buurmann als Martin Kern
am Sonntag, 17. September 2017 um 20 Uhr im ARTHEATER, Ehrenfeldgürtel 127, 50823 Köln-Ehrenfeld.
Eintritt: 16 / 12 € ermäßigt

Kartenreservierung per SMS unter:
0171 758 92 74

Inhalt:

Eine junge Künstlerin bricht erst zusammen und dann auf. Eine Bibliothekarin sieht ihren Lebenstraum in Gefahr. Ein Mann möchte mehr als das, was ist. Ein Kriegsfotograf baut Gebilde aus Ästen und Nägeln. Willy Brandt läuft weg. Und Hans Meiser beißt. Und ein Bär versucht, jemandem das Leben zu retten. Ein Stück über die Suche nach dem Glück und den einen großen Aufbruch im Leben, der möglich ist oder wäre.

„Nacht mit Bär“
Ein Stück von Viktoria Burkert
mit Gerd Buurmann, Hanne Hartmann, Patricia Fanroth und Thorsten-Kai Botenbender. Text und Regie: Viktoria Burkert. Musik: Markus Schimpp. Fotos und Installation: Antonio Ruiz Tamayo. Bühne: Boris Siuda.

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Jens Riewa ist schwul!

Der Nachrichtensprecher der ARDTagesschau, Jens Riewa, ist schwul, aber so richtig schwul. Ich kenne zur Zeit nur wenige Menschen, die so schwul sind wie Jens Riewa!

Der Begriff „schwul“ hat viele Bedeutungen. Im 17. Jahrhundert wurde das niederdeutsche Wort „schwul“ für „drückend heiß“ benutzt und später ins Hochdeutsche übernommen. Später bekam dieses Wort ebenfalls die Bedeutung „homosexueller Mann“, weil homosexuelle Männer untereinander nicht kühl sondern warm verkehrten. Im späten 20. Jahrhundert wiederum zog das Wort in die deutsche Jugendsprache ein. Dort wird es allerdings wieder im Sinne von „warm“ benutzt, allerdings als Gegenteil von „kühl“ (cool). „Schwul“ bedeutet in diesem Fall „uncool“. In diesem Sinne benutze ich das Wort „schwul“, wenn ich von Jens Riewa spreche.

Der Nachrichtensprecher der ARDTagesschau, Jens Riewa, ist uncool, aber so richtig uncool. Ich kenne zur Zeit nur wenige Menschen, die so uncool sind wie Jens Riewa!

Seit nunmehr knapp zwanzig Jahren ist Jens Riewa schwul, also uncool. Im Jahr 1998 nämlich wurde er in der Februarausgabe der Schwulenzeitschrift „Adam“ des Foerster Verlages als „schwuler Moderator“ bezeichnet. Der Verlag nutzte das Wort „schwul“ im Sinne von „homosexuell“. Das erwärmte Jens Riewa so sehr, dass er dagegen ganz uncool rechtlich vorging. Vor einer Zivilkammer des Hamburger Landgerichts wurde ihm im Rahmen eines Vergleichs ein Schmerzensgeld von 15.000 Mark zuerkannt. Zusätzlich musste der Verlag seine Behauptung als unwahr widerrufen. Vor derselben Kammer begann zugleich auch ein Schadensersatzprozess gegen den Berliner Querverlag, von dem Riewas Anwälte 50.000 Mark Schmerzensgeld forderten. In einem Interview mit dem Focus erklärte Jens Riewa.

„Der Autor des Buchs hat nie mit mir persönlich gesprochen. Er hat wissentlich die Unwahrheit gesprochen und damit mein Persönlichkeitsrecht verletzt. Irgendwann schreibt der nächste, ich wäre pädophil oder rechtsextrem. Es muss eine Grenze geben.“

Ja, das hat Jens Riewa wirklich so gesagt. Schwul, pädophil, rechtsextrem! Das war 1998 die uncoole Dreifaltigkeit des Jens Riewa.

Knapp zwanzig Jahre später spielten Jan Böhmermann und der ARD-Nachrichtensprecher Ingo Zamperoni „Wer bin ich“ in der ZDF-Show „Neo Magazin Royale“. Jan Böhmermann musste raten, dass er Jens Riewa ist und fragte: „Weiß man nicht so ganz genau, ob ich hetero oder homo bin?“ Zamperoni erklärte nach einigem Zögern: „Ich glaub‘, man weiß es eigentlich.“

Am 20. Mai 2017 berichtete das Internet-Magazin queer.de über diese Show und titelte: „Outen Böhmermann und Zamperoni Jens Riewa?“

Diese Überschrift erwärmte Jens Riewa so sehr, dass er ganz uncool der Redaktion von seinen Anwälten eine Unterlassung zusenden ließ:

„Sie geben insofern in ihrer Berichterstattung haltlose Gerüchte über das Privatleben unseres Mandanten wieder. Dies muss unser Mandant nicht hinnehmen.“

Dem Verlag ist es jetzt tatsächlich untersagt, folgenden Satz zu drucken:

„Outen Böhmermann und Zamperoni Jens Riewa?“

Bei Nichtbeachtung wurde vom Landgericht Hamburg in einem Beschluss vom 29. Juni 2017 ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro oder eine Ordnungshaft von höchstens zwei Jahren angeordnet. Ich frage mich, was passieren würde, wenn der Verlag die Überschrift nicht mit einem Fragezeichen versehen würde, sondern mit einem Ausrufezeichen? Dann sähe die Überschrift so aus:

„Outen Böhmermann und Zamperoni Jens Riewa!“

Von dieser Variante steht in der Unterlassung nichts. Gäbe es dafür Knast in Deutschland? Wären wenigstens die Zelleninnenwände rosa?

Es interessiert mich nicht, dass Jens Riewa erklärt, nicht homosexuell zu sein. Mich interessiert es viel mehr, dass es einen ARD-Nachrichtensprecher gibt, der glaubt, die Frage, ob er homosexuell sein könne, sei in irgendeiner Form so ehrrührig, dass eine viertel Million Euro Ordnungsgeld für die Ehre seiner Heterosexualität ausgerufen werden muss. Der taz-Redakteur Jan Feddersen schrieb einst:

„Kann sich ein Mann im Zaum halten, der vor nicht so sehr Angst zu haben scheint wie davor, für schwul gehalten zu werden?“

Darum sage ich ganz eindeutig: Jens Riewa ist kein Hinterlader. Er ist kein Analprinz, kein Arschäologe und kein Torfstecher. Er ist schwul! Schwul im Sinne von uncool! Es ist nämlich mehr als uncool, einem Verlag, der sich seit Jahren für die Rechte von Menschen einsetzt, die noch heute mit erheblichen Diskriminierungen zu kämpfen haben, eine haushohe Unterlassungserklärung in die Redaktion zu senden, die dafür sorgen kann, dass der Verlag in den finanziellen Ruin gerät, nur weil er die Frage gestellt hat, ob Jens Riewa als das geoutet wurde, was jene Menschen sind, für die der Verlag kämpft und die für dieses pure so sein, diskriminiert, unterdrückt, geschlagen, vergewaltigt und ermordet werden. Das Jens Riewa ist uncool!

„Es geht mir um den Respekt voreinander, und übrigens klage ich auch, weil ich der Frauenwelt nicht verlorengehen will“, sagte Jens Riewa einst.

Ich habe ja die Erfahrung gemacht, dass es nicht wenige Frauen gibt, die Männer sehr anziehend finden, wenn sie schwul im Sinne von homosexuell sind. Ich habe allerdings auch die Erfahrung gemacht, dass kaum etwas die meisten Frauen mehr abturned, als ein Mann, der schwul im Sinne von uncool ist.

Einem Magazin, dass für die Menschenrechte für homosexuellen Männern und Frauen kämpft, in den Rücken zu fallen, (kicher, kicher, „in den Rücken fallen“, kleiner warmer Schäker), ist uncool, aber im allerhöchsten Sinne des Wortes. So ein Verhalten ist eiskalt! Es offenbart eine erschreckende Empathielosigkeit! Jens Riewa glaubt, ihm stünde Schmerzensgeld zu, weil ihn jemand als homosexuell bezeichnet hat und geht dabei gegen ein Magazin vor, das Menschen hilft, denen unsäglich Schmerzen zugefügt wurden, weil sie homosexuell sind.

„Ich bin schwul, wenn Du was gegen Schwule hast!“

Das sagte einst Jörg Thadeusz. Er ist Journalist und Kollege von Jens Riewa. So geht ein Mann, auf den die geilen Frauen stehen, mit dem Thema Homosexualität um, wenn er cool ist! Ich jedenfalls kann mir nicht mehr vorstellen, Jens Riewa als Nachrichtensprecher zu sehen, ohne dass es mir dabei eiskalt den Rücken runter läuft.

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Wenn ARD-Experten in die Politik gehen

Kennen Sie Christoph Hörstel? Er war von 1985 bis 1999 als Sonderkorrespondent, Moderator und leitender Redakteur für die ARD tätig. Im Jahr 2013 gründete er die Partei Deutsche Mitte. Am 24. September 2017 tritt er als Bundesvorsitzender dieser Partei bei der Bundestagswahl an. Hier sein Wahlwerbespot:

In diesem Wahlwerbespot erklärt Christoph Hörstel, dass „die Mächtigen dieser Welt“ einen „Weltkrieg an sieben Schauplätzen“ planen sollen. Zu diesen sieben Schauplätzen sollen Nord- und Südkorea gehören. Im Hintergrund ist eine Weltkarte eingeblendet, auf der Nord- und Südkorea rot markiert sind.

Fällt Ihnen was auf? Richtig, die markierten Gebiete sind nicht Nord- und Südkorea!

Was hinter Christoph Hörstel als Nordkorea markiert ist, ist in Wirklichkeit ein östlicher Teil Indiens und was als Südkorea markiert ist, ist in Wirklichkeit Myanmar. Das ist ungefähr dreitausend Kilometer daneben und schon ein wenig peinlich für einen Mann, der uns eineinhalb Jahrzehnte lang bei der ARD teilweise in leitender Funktion die Welt erklären durfte. Christoph Hörstel erinnert mich ein wenig an diese Experten:

Christoph Hörstel hat aber noch andere Themenfelder, wo er glänzt. Durch seine Kontakte zu Islamisten wirkte er zum Beispiel im Jahr 2006 daran mit, ein Gespräch zwischen Bundestagsabgeordneten der SPD und FDP und dem Hamas-Minister für Flüchtlingsangelegenheiten einzuleiten. Die Hamas fordert in ihrer Gründungscharta die Vernichtung aller Juden weltweit (Artikel 7). Minister der Hamas erklären Juden zu „fremdartigen Bakterien“ und verurteilen „jeden, der glaubt, eine normale Beziehung mit Juden sei möglich, jeden, der sich mit Juden zusammensetzt, jeden, der glaubt, Juden seien Menschen.“ Für die Hamas steht fest: „Juden sind keine Menschen!“

Es wundert daher nicht, dass Christoph Hörstel erklärt:

„Deutschland hat seit 2007 durch Frau Merkel – aufgrund amerikanischer Interessen – Israels Sicherheit zur Staatsräson Deutschlands erklärt. Das kann man nur als eine Politik des Hochverrats bezeichnen. So sieht es eine ziemliche große Anzahl Deutscher. Wir haben überhaupt keine Verantwortung für die Sicherheit Israels, auch nicht für das Existenzrecht Israels. So ein kompletter politischer Unsinn.“

Im Juli 2014 erklärte er in Berlin auf einer Demonstration gegen Israel:

„Dieser Staat ist ein Un-Staat. Und wenn ein Staat ein Problem ist, dann kann er nicht Teil der Lösung sein.“

So denkt ein Mann, der vierzehn Jahre lang bei der ARD in hohen Funktionen tätig war. Es sind solche Experten, die dafür sorgen, dass die Berichterstattung der ARD über Israel oft einseitig und manchmal sogar hetzerisch ist, wie diese Artikel zeigen:

„ARD – Antisemitische Rundfunkanstalt Deutschland?“

„Ein beispielloser Skandal“

„Das Schweigen“

„Ein gebührenfinanzierter Wiederholungstäter“

„Ich klage an“

„Da steckt Absicht dahinter“

Wenn es um Israel geht, hat die ARD wiederholt so peinliche Fehler begangen wie ihr ehemaliger Sonderkorrespondent Christoph Hörstel in Sachen Nord- und Südkorea.

Die anderen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten stehen der ARD in mangelhafter Berichterstattung in nichts nach. Dank der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten wurden wiederholt falsche Zahlen, Daten und Informationen über Israel verbreitet. Sie stehen auf der Peinlichkeitsskala auf einer Ebene mit Christoph Hörstels Koreafauxpas.

Ich kann es kaum erwarten, wenn die Zuschauerinnen und Zuschauer dieser Sender wählen gehen.

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Jan Böhmermann, Sarah Rambatz und der Mob

„Legion heiße ich; denn wir sind unser viele.“

So stellt sich der Teufel im 5. Kapitel des Buchs Markus im Evangelium vor. Das Böse ist dort, wo sich der Mensch einer kollektiven Ideologie unterwirft, wo das Individuum in einem Mob verschmilzt, wo sich das Ich in der Legion der Vielen auflöst.

Es ist nahezu unmöglich, mit einem Menschen zu reden, der von einer Ideologie besessen ist. Darum fürchte ich kaum etwas mehr als die Dynamik des Mobs, vor allem, wenn der Mob in der Gewissheit der moralischen Überlegenheit daherkommt.

Im September 2017 fragte die Bundestagswahlkandidatin Sarah Rambatz (Die Linke) auf Facebook nach „antideutschen Filmempfehlungen“ und konkretisierte ihr Interesse mit der Formulierung „grundsätzlich alles, wo Deutsche sterben“. Es dauerte nicht lange, da erhob sich ein Shitstorm der moralischen Entrüstung gegen Sarah Rambatz.

Ich kann sehr gut verstehen, dass die Kandidatin nach dem Posting von ihrem Listenplatz in Hamburg zurücktreten musste und sich Menschen von diesen Worten verletzt fühlen. Ich teile manch eine Kritik an dieser Äußerung. Sie ist jedoch von der Meinungsfreiheit gedeckt und niemand hat gesagt, dass nur die Meinung frei sein darf, die keine Gefühle verletzt.

Ich kann es daher überhaupt nicht gutheißen, dass dieser selten dumme und geschmacklose Beitrag von Sarah Rambatz dazu geführt hat, dass sie und ihre Familie Morddrohungen erhalten und ihr Vergewaltigungen angedroht werden.

Wer austeilt, muss auch einstecken können, werden jetzt einige sagen, aber dem möchte ich vehement widersprechen. Keine Aussage, keine Meinung und kein Beitrag rechtfertigten Morddrohungen. Statt mit Gewalt kann man auf polemische Worte auch einfach nur mit Polemik reagieren. Das ist zivilisiert.

Ich hätte auf den Beitrag von Sarah Rambatz mit einer Polemik reagiert, in der ich aufgezeigt hätte, dass fünf Prozent der deutschen Bevölkerung Muslime sind, um daraus dann den vollkommen logischen und gerechtfertigten Schluss zu ziehen, dass sie Filme sehen möchte, in denen Muslime sterben. Den Artikel hätte ich dann mit der Überschrift versehen: „Sarah Rambatz will Muslime sterben sehen!“

Diese polemische Dekonstruktion des Begriffs „Deutsch“ wäre meine Erwiderung gewesen und ich hätte meine Reaktion mindestens ebenso lustig gefunden wie ihr Ausgangsstatement. Allerdings habe ich mich dazu entschieden, eine solche polemische Antwort nicht zu verfassen, da Sarah Rambatz Opfer eines selbstgerechten Mobs geworden ist.

Ich möchte mich nicht zu einer Torenmenge gesellen, die nach Scheine wählt, nur lernend, was ein blödes Auge lehrt. Ich möchte nichts mit einem Mob zu tun haben, der mit Mord und Vergewaltigung droht, weil ich nicht bei gemeinen Geistern hausen, noch mich zu rohen Haufen stellen will.

Stattdessen erkläre ich, obwohl ich den Beitrag von Sarah Rambatz geschmacklos und dumm finde, dass ich mich, statt eine Polemik zu verfassen, mit ihr solidarisiere, da das, was sie gerade erleben muss, unendlich viel schlimmer ist als alles, was sie geschrieben hat. Die Art, wie sie von einem Mob fertig gemacht wird, ist verabscheuungswürdig. Diese Legion der moralisch Besserwissenden ist das Böse.

Vor ein paar Tagen allerdings habe ich die Methode der polemischen Antwort bei dem Comedian Jan Böhmermann angewendet. In der Gewissheit seiner moralischen Überlegenheit hatte er folgendes auf Twitter erklärt:

„Nur noch 3 Wochen, 21 Tage, bis zum ersten Mal seit Kriegsende wieder die Nazis im deutschen Parlament sitzen. Eine unverzeihliche Schande.“

Ich zeigt daraufhin, dass nach 1949 sehr wohl nicht nur eine stramm rechtsgerichtete Partei im Parlament gesessen hatte, sondern sogar eine Menge (ehemaliger) Nazis. Den Artikel überschrieb ich mit der Schlagzeile: „Jan Böhmermann leugnet Nazi-Vergangenheit Deutschlands“

Ich ließ Jan Böhmermann ganz bewusst das Aroma seiner eigenen Polemik schmecken, denn wer glaubt, Menschen zu Nazis erklären zu können, sollte sich davor hüten, selber die Nazivergangenheit der Bundesrepublik zu relativieren. Nachdem ich meine Polemik veröffentlicht hatte, blockierte mich Jan Böhmermann. Der Mann der deutlichen und polemischen Worte, der Herr der „Ziegenficker“, war angepisst.

Es gibt viele Menschen, bei denen ich große Lust verspüre, ihre Doppelmoral zu entlarven, es aber nicht kann, da ich nicht in das Gebell des wutschnaubenden Mobs einstimmen möchte.

Es ist irrelevant, ob das Ziel des heiligen Zorns berechtigterweise kritisiert wird oder nicht. Die Methode des Mobs, die Schreckensherrschaft der Tugend, ist immer verabscheuungswürdig. In dem Moment, da Hass identitätsstiftend wird, wenn sich eine Gruppe von Menschen, die sonst wenig gemeinsam hat, sich in der gemeinsamen Herabwürdigung einer anderen Person vereint, wird es gefährlich, möge diese Person nun Sarah Rambatz oder Alice Weidel heißen.

Vor ein paar Monaten war ein Vortrag von einem Unterstützer Donald Trumps an der Universität Berkeley im US-Bundesstaat Kalifornien geplant, der allerdings aufgrund gewaltsamer Studentenproteste nicht stattfinden konnte. Der Hass gutmeinender Studentinnen und Studenten war so groß, dass sie Feuer legten, die Augen ihrer Gegnerinnen mit Pfefferspray verätzten und auf Menschen einprügelten.

Der Mob ließ die andere Meinung nicht zu und erklärte, die Worte des Redners könnten Gewalt ausüben, nur um so ihre eigene und tatsächlich physische Gewalt gegen den Redner zu rechtfertigen. Es sind Hochmut und Überheblichkeit, die den Mob dazu treiben, anderen vorzuschreiben, was sie hören dürfen.

„Wehret den Anfängen“ brüllt die selbstgerechte Putztruppe und meint damit doch nur die Anfänge einer Zukunft, die sie aus ihrer eigenen Angst heraus konstruiert. Aus Angst nimmt der Mob andere Menschen als Geisel seiner Vermutung. Diese Angst ist jedoch die Wurzel des totalitären Denkens, die Gewalt über Gedanken als Präventivschlag ermöglicht. Der Mob ist immer böse, möge er sich nun in Berkeley oder in Charlottesville formieren. Bei der Verleihung des Böll-Preises sagte Herta Müller einst:

„Wenn Hassparolen spazieren gehen, dann geht auch irgendwann ein Messer spazieren.“

Wer mit diesem Satz Meinungen verbieten möchte, muss auch für ein Verbot des Korans plädieren, denn unzählige Terroristen sind mit den Parolen des Korans spazieren gegangen, bevor sie zum Messer griffen. Das Messer in der Hose eines Menschen verschwindet nicht, wenn ihm der Mund verboten wird! Gedanken verschwinden nicht, nur weil sie nicht mehr gesprochen werden. Nur wer die brutalen Gedanken hört, kann sich wehren. Das Verbieten von Worten bringt daher rein gar nichts!

Angst machen mir nicht Worte und Meinungen. Angst macht mir eine Legion, die sich so im Recht fühlt, dass sie Feuer legt. In Deutschland geschah das einst im Jahr 1817. Damals waren es Studenten auf der Wartburg, die sich genau jener Mittel bedienten, die exakt 200 Jahre später in Kalifornien zum Einsatz kamen. Der Dichter Heinrich Heine beschrieb das Ereignis wie folgt:

“Auf der Wartburg krächzte die Vergangenheit ihren obskuren Rabengesang, und bei Fackellicht wurden Dummheiten gesagt und getan, die des blödsinnigsten Mittelalters würdig waren! (…) Auf der Wartburg herrschte jener beschränkte Teutomanismus, der viel von Liebe und Glaube greinte, dessen Liebe aber nichts anderes war als Haß des Fremden und dessen Glaube nur in der Unvernunft bestand, und der in seiner Unwissenheit nichts Besseres zu erfinden wusste als Bücher zu verbrennen!”

Wer alles verbannt und verbrennt, was ihm nicht gefällt, wird blind für das, was in der Gesellschaft vor sich geht und wird entsetzt aus dem Sessel fallen, wenn bei der nächsten Wahl die Bürgerinnen und Bürger in der geheimen Wahlkabine ihre Meinung in ein definitives Kreuz verwandeln. Dann behaupten sie, sie hätten all das nicht kommen sehen. Natürlich haben sie es nicht kommen sehen! Sie haben ja auch all die Menschen verbannt, die anderer Meinung waren und konnten sich daher nicht mit ihnen auseinandersetzen.

Andere Meinungen auszuklammern, ist so effektiv wie das kleine Kind, das sich die Hände vor die Augen hält und glaubt, so sei die Gefahr verschwunden. Internetseiten zu löschen, im Glauben, man würde dadurch etwas verhindern, ist so produktiv, wie Bücher zu verbrennen!

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Offener Brief der Deutsch-Israelischen Gesellschaft AG Köln an die Stadt Köln

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Reker, sehr geehrte Damen und Herren,

in Deutschland sind israelbezogene Ressentiments weit verbreitet. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft arbeitet daran, solchen Ressentiments mit einer zielgerichteten politischen Bildungsarbeit und sachlicher Aufklärung entgegenzuwirken. Sie stützt sich auf historische und gesellschaftswissenschaftliche Expertise. Nicht jede Form politischer Bildungsarbeit muss immer und in jedem Fall ausgewogen sein, eine gewisse Parteilichkeit bei der Auswahl an Experten ist zulässig und sogar gewünscht.

Antizionismus jedoch ist kein Ausweis von Parteilichkeit für eine Sache, sondern das Ressentiment, das Gerücht über die Juden und den Staat Israel. Das Einladungsschreiben zur Veranstaltung „50 Jahre Besatzung in Palästina – und kein Ende?“ ist ein solches von Gerüchten und Unsachlichkeiten geprägtes Dokument, das einseitig gegen Israel Stellung bezieht.

Wir zitieren es hier in voller Länge:

„Im Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzte die israelische Armee die Westbank, den Gazastreifen und weitere Gebiete und annektierte Ostjerusalem und die Golanhöhen. Seit dieser Zeit wird der Alltag für die Palästinenser und Palästinenserinnen bestimmt durch Checkpoints, Sperranlagen, Landnahme und israelisches Militärrecht. Es wird immer deutlicher: Ohne ein Ende der israelischen Besatzung kann es keinen Frieden geben – weder für die Palästinenser noch für die Israelis. Aber wie kann ein Ende der Besatzung erreicht werden, und was braucht ein dauerhafter Frieden?


Es diskutieren u.a. Riad Othman, Nahostreferent von medico international e.V., Gad Lior, Chefredakteur der israelischen Tageszeitung Yedioth Ahronoth, sowie Frieder Wolf, Leiter des Referates für Internationale Angelegenheiten der Stadt Köln. Moderator ist der Berliner Journalist Thomas Nehls. Die VHS Köln kooperiert mit dem Städtepartnerschaftsverein Köln – Bethlehem und der Deutschen Initiative für den Nahen Osten (DINO).“

Der Text der Einladung ist geschichtsklitternd, weil er nicht nach Ursachen und Wirkungen fragt. Die Einladung verleugnet ganz allgemein, dass Israel im Sechs-Tage-Krieg einem koordinierten, militärischen Angriff aus den benachbarten arabischen Staaten in drei Achsen präventiv begegnet ist. Anlass für die militärische Aktion war neben der breiten Mobilisierung militärischer Kräfte auf arabischer Seite, die von antisemitischer Propaganda begleitet wurde, die dem Ziel der Auslöschung Israels das Wort redete. Grenznah fand ein beispielloser Aufmarsch in den benachbarten arabischen Staaten statt. Die von Nassers Ägypten initiierte Sperrung der Straße von Tiran, die Israel von der Versorgung mit strategischen Gütern wie Erdöl abgeschnitten hätte, und der von Nasser erzwungene Abzug der UNEF-Truppen vom Sinai stellten eine akute Bedrohung Israels dar. Israel hat mit dem völkerrechtlich legitimierten Präventivschlag sein Recht auf Selbstverteidigung wahrgenommen und für sich schlimmeres verhütet. Die Kriegsfolgen haben sich die arabischen Staaten selbst zuzuschreiben.

Dennoch hat Israel umfassende Angebote für Friedensgespräche unterbreitet, die von arabischer Seite kategorisch abgelehnt wurden. Die Behauptung, von Israel gehe eine „Besatzung“ der umstrittenen Gebiete in der Westbank aus, ist sachlich nicht zutreffend. Die illegitime Hoheit Jordaniens über die Westbank nach dem Krieg von 1948 fand im Ergebnis des Sechstagekrieges ihr Ende. Die Gebiete bleiben seitdem umstritten. Das ist richtig.

Nicht jedoch die Ausübung von Hoheitsrechten über die Gebiete ist ein Friedenshindernis, sondern die fortwährende Weigerung der palästinensischen Seite, sich auf Verhandlungen einzulassen. Naheliegende Fragen, die andere Antworten als das Drama der fünf Jahrzehnte währenden „Besatzung“ der Westbank aufwerfen würden, umgeht die Einladung komplett. So wird nicht nach der Besetzung des Sinai gefragt und dem friedenspolitisch wichtigen Austausch, der dem Grundsatz „Land für Frieden“ mit Ägypten folgte. Die strategische Bedeutung der Eroberung der Golanhöhen und die Feindseligkeit Syriens findet keine Erwähnung. Rückzug hat Israel aus den im Jahr 1967 oder später eroberten Gebieten wiederholt praktiziert.

Warum sind die Palästinenser nicht in der Lage, einen Frieden auszuhandeln? Welche Bewertung erfährt der seit den Friedensverträgen von Oslo fortwährende Terror von palästinensischer Seite, der sich in der zweiten Intifada verstärkte und zuspitzte? Die Einladung erwähnt lediglich Checkpoints, Sperranlangen und israelisches Militärrecht, vermeidet aber, sie in Reaktion auf den palästinensischen Terror zu erklären. Hier seien die unzähligen Selbstmordattentate erwähnt, die aktuelle Stabbing-Welle und die Autoattentate, die in Israel bereits Alltag wurden, bevor gleichgeartete Attentate von islamistischer Seite Nizza, Berlin und Barcelona heimsuchten.

Die Einladung verliert weiterhin kein Wort darüber, dass für die Unfreiheit in den Palästinensischen Autonomiegebieten, unter denen politisch Oppositionelle, Frauen und Homosexuelle besonders zu leiden haben, zunächst und zu allererst die palästinensische Führung verantwortlich ist. Eine Führung, die korrupt und terroristisch ist oder zumindest den Terrorismus fördert, in Gaza und in der Westbank.

Den VeranstalterInnen geht es nicht um historische Wahrheit, es geht ihnen nicht um sachliche Information, es geht ihnen einzig und allein darum, ein palästinensisches Narrativ zu bedienen. Die Zusammensetzung des Podiums spiegelt das wieder. Unter den Podiumsteilnehmern steht das Verhältnis Israel zu Palästina 1:2, der Moderator steht zudem der veranstaltenden DINO nahe und bringt einen weiteren Bias in die Veranstaltung. Augenscheinlich ist, dass die Veranstalterinnen und Veranstalter mit allen diskutieren wollen, außer mit Juden. Ansonsten hätten sie die Veranstaltung nicht auf den Beginn des Schabbat gelegt.

Wir fragen uns, wie die Stadt Köln eine solch propagandistische Veranstaltung in ihren städtischen Räumen ein Forum geben kann. Wir fragen uns auch, was der Leiter des Referates für Internationale Angelegenheiten zu dieser Diskussion beitragen kann und wie er die Stadt Köln repräsentieren wird. Diese Frage ist für uns um so dringender, als Städte wie München und Frankfurt eindeutige Erklärungen abgegeben haben, antiisraelischen Veranstaltungen keinen Raum zu bieten. In Köln ist das Gegenteil der Fall.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Johannes Platz
Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft AG Köln

Unterstützende Organisationen:
Vorstand der Deutsch-Israelischen Gesellschaft AG Köln, Dr. Johannes Platz, Vorsitzender
Vorstand der Deutsch-Israelischen Gesellschaft AG Bonn, Hanna Liever, Vorsitzende
Bündnis gegen Antisemitismus – BgA Köln

EinzelunterzeichnerInnen:
Monika Wartenberg
Heribert Schüller
Tal Kaizman
Dr. Ulrich Soénius
Gerd Buurmann

***

Die Antwort:

Sehr geehrter Herr Dr. Johannes Platz,
sehr geehrte Mitglieder des Vorstandes der DIG AG Köln,

mit großer Verwunderung habe ich Ihren Offenen Brief zu der Podiumsveranstaltung des Städtepartnerschaftsvereins Köln-Bethlehem am 8. September dieses Jahres „50 Jahre Besatzung in Palästina – und kein Ende?“ gelesen. Sie werfen uns und unseren Kooperationspartnern „israelbezogene“ Ressentiments, Antizionismus, Unsachlichkeit, Einseitigkeit und Geschichtsklitterung vor. Das sind heftige Vorwürfe.

Darf ich Sie fragen: Was ist an dem Einladungstext ein „Gerücht über die Juden“? Gab es keinen „Sechs-Tage-Krieg“ 1967? Gibt es keine Sperranlagen, keine Landnahme in Palästina und herrscht hier nicht das israelische Militärrecht? Es ist richtig: wir beleuchten in unserem Text nur die eine – die palästinensische Seite. Das ist genauso legitim, wie Sie in Ihrem Brief die israelische Seite beleuchten. Es gibt nun mal zwei Narrative, und jeder Seite sei es gestattet, ihr Narrativ in den Vordergrund zu stellen. Nur so können wir zu einem ehrlichen und offenen Dialog kommen.

Sie können dem Text der Einladung zur Podiumsveranstaltung entnehmen, dass das Thema der Veranstaltung nicht eine historische und analytische Aufarbeitung der Beziehungen zwischen Israel und Palästina ist, auch nicht die Darstellung des israelischen Narrativs, sondern die Situation der Palästinenser und Palästinenserinnen unter Besatzung und die Frage, „wie ein Ende der Besatzung erreicht werden (kann) und was ein dauerhafter Frieden (braucht)“. Dass Sie lieber etwas anderes diskutiert haben wollen, kann ich nachvollziehen, aber wir haben nun mal dieses Thema für die Podiumsdiskussion gewählt. Es erübrigt sich deshalb an dieser Stelle, auf Punkte in Ihrem Brief einzugehen, die das Thema unserer Veranstaltung nicht berühren.

Sie nennen Palästina „Gebiete“, die „seitdem umstritten“ sind. Der Internationale Gerichtshof der UNO spricht eindeutig von „besetzten Gebieten“. Wenn wir diese Bezeichnung gebrauchen, kann das nicht falsch sein. Außerdem nennen Sie die Besatzung „Ausübung von Hoheitsrechten“. Es fällt mir sehr schwer zu glauben, dass Sie mit der „Ausübung von Hoheitsrecht“ den Abriss von Eigentum, die Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Palästinenser und den Bau von israelischen Siedlungen auf palästinensischem Gebiet meinen. Sowohl die Bundesregierung, die internationale Gemeinschaft als auch der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilen einmütig den Siedlungsbau als einen Verstoß gegen das Völkerrecht.

Was Sie zur Zusammensetzung des Podiums schreiben, ist für die Podiumsteilnehmer ausgesprochen verletzend. Sie werfen alle Podiumsteilnehmer außer dem Chefredakteur von Yedioth Ahronoth, Gad Lior, in einen Topf. Ist Ihnen nicht bekannt, dass sich Frieder Wolf, Leiter des Referates für Internationale Angelegenheiten in Köln, sowohl für die Städtepartnerschaft Köln-Bethlehem wie auch für die Städtepartnerschaft Köln-Tel Aviv engagiert? Ich erinnere nur an die Kontroverse gegen die „Nakba-Ausstellung“ in Köln, die u.a. unser Verein vor Jahren unterstützt hat. Frieder Wolf war damals ganz auf Ihrer Seite.

Die Deutsche Initiative für den Nahen Osten (DINO) kennen Sie offenbar wenig. Mitglieder sind u.a. Avi Primor, ehemaliger Botschafter Israels in Deutschland, und Paul Spiegel (+), ehemaliger Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland. Sie alle zählen Sie so einfach dem palästinensischen Narrativ zu, damit Ihre Gleichung „Verhältnis Israel zu Palästina 1:2“ auf dem Podium aufgeht. An dieser Stelle gebe ich das Wort „propagandistisch“ an Sie zurück.

Was Ihre Kritik am Termin (Beginn des Schabbat) betrifft, gebe ich Ihnen recht, da sollten wir in Zukunft bei derartigen Veranstaltungen eher darauf achten. Aber uns daraus den Strick zu drehen, als wollten wir „mit allen diskutieren, nur nicht mit Juden“, ist schon bösartig. Im übrigen wissen Sie selbst sicher auch, wie schwierig es ist, einen großen und guten Saal zu unseren Bedingungen für eine Veranstaltung zu bekommen.

Sollten Sie an einem Gespräch mit uns interessiert sein, stehen wir gerne zur Verfügung.

Freundliche Grüße,
Michael Kellner
Geschäftsführung Städtepartnerschaft Köln-Bethlehem

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Jan Böhmermann blockiert Gerd Buurmann

Der Herr der „Ziegenficker“, der nie um ein deutliches Wort verlegen ist, ist selbst aber sehr schnell beleidigt, wenn man ihn mal kritisiert. Nachdem ich einen kritischen Artikel von mir über ihn einmal unter einem seiner Tweets auf Twitter geteilt hatte, wurde ich sogleich von ihm blockiert.

Wenn Sie mich nicht kennen, was mehr als verständlich ist, aber wissen möchten, wer ich bin, wozu ich nicht bedingungslos raten kann, finden Sie hier ein paar Informationen über mich und hier ein paar der schönsten Beleidigungen gegen mich.

Und hier nochmal ein paar Artikel, die ich über Jan Böhmermann verfasst habe:

Jan Böhmermann leugnet Nazi-Vergangenheit

Böhmermanns wahre Deutsche

Kommen Jan Böhmermann, Jürgen Todenhöfer und Serdar Somuncu in den selben Knast?

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Jan Böhmermann leugnet Nazi-Vergangenheit Deutschlands


„Nur noch 3 Wochen, 21 Tage, bis zum ersten Mal seit Kriegsende wieder die Nazis im deutschen Parlament sitzen.

Eine unverzeihliche Schande.“

Diesen Ausspruch hat Jan Böhmermann am 3. September 2017 tatsächlich so auf Twitter gepostet. Ich weiß zwar nicht, welche Nazis er meint, aber sie müssen deutlich schlimmer sein, als all die ehemaligen NSDAP-Mitglieder, die ab 1949 in den Deutschen Bundestag eingezogen sind.

Von 1949 bis 1960 war die rechtsgerichtete Deutsche Partei (DP) an der Bundesregierung beteiligt. Viele Mitglieder der DP waren vorher Mitglieder der NSDAP, zum Beispiel Richard Langeheine.

Hans-Christoph Seebohm war von 1949 bis 1966 Bundesminister für Verkehr und bis 1960 Mitglied der DP, bevor er zur CDU wechselte. Im Jahr 1941 wurde er Vorsitzender des von ihm mitbegründeten Aufsichtsrats Egerländer Bergbau AG, die als „Auffanggesellschaft“ eigens zur Übernahme „arisierten“ Eigentums gegründet wurde und sich bis zu deren Verkauf in Reichsbesitz befand. Ab 1949 äußerte sich Seebohm in Reden über Ehrfurcht vor Fahnen der NS-Zeit, erklärte, das Grundgesetz sei den Deutschen von den Alliierten aufgezwungen und sprach von einer Sozialdemokratie mit asiatischen Wurzeln, die nicht zum Deutschtum führen könnten. Der Historiker Thomas Vogtherr beschreibt Hans-Christoph Seebohm als Politiker, der die Integration von Vertretern „extrem rechter Positionen in die Politik der jungen Bundesrepublik Deutschland“ angestrebt und bewirkt hat.

Auch in anderen Parteien gab es ehemalige Mitglieder der NSDAP. Der CDU-Politiker Kurt Georg Kiesinger wurde im Jahr 1966 von der CDU und der SPD zum dritten Bundeskanzler der Bundesrepublik gewählt. Im Jahr 1933 trat er der NSDAP bei und arbeitete ab 1940 als Angestellter im Auswärtigen Amt der Nazis. In dieser Funktion war er für das Reichspropagandaministerium direkt für die Beeinflussung des ausländischen Rundfunks verantwortlich. Um auf diese nationalsozialistische Vergangenheit hinzuweisen, initiierte die Journalistin Beate Klarsfeld damals eine Kampagne mit verschiedenen öffentlichen Aktionen. Am 2. April 1968 rief sie im Bonner Bundestag von der Besuchertribüne „Nazi, tritt zurück!“ Während des CDU-Parteitags in Berlin am 7. November 1968 bestieg Klarsfeld das Podium der Berliner Kongresshalle, ohrfeigte Kiesinger und rief: „Nazi, Nazi, Nazi!“

Dann gab es noch Hasso Eccard von Manteuffel. Er war ein Mitglied des Deutschen Bundestages und gehörte ab 1949 erst der FDP und später der DP an. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war er Oberstleutnant und wurde noch vor dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion Bataillonskommandeur in der 7. Panzer-Division. Am 31. Dezember 1941 wurde er mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Nach Angaben des britischen Geheimdienstes nahm er 1950 Kontakte zu einer Vereinigung von Altnazis rund um den ehemaligen Gauleiter Karl Kaufmann auf, die die Bundesrepublik Deutschland unterwandern wollte.

Als die Grünen 1983 in den Bundestag einzogen, wurde Werner Vogel über die Landesliste Nordrhein-Westfalen gewählt. In der Zeit des Nationalsozialismus war er bereits sehr früh ein aktives Mitglied der SA und wurde 1938 auch Mitglied der NSDAP, deren Mitgliedschaft er 1933 beantragt hatte. 1938 kam er als Beamter ins Berliner Reichsministerium des Inneren.

Hans Georg Schachtschabel wiederum war ein deutscher Politiker der SPD. Er gehörte von 1969 bis 1983 dem Deutschen Bundestag an. Im Jahr 1933 trat er der SA, 1935 der SS und 1937 der NSDAP bei. Der SPD-Politiker Karl August Fritz Schiller war von 1966 bis 1972 Bundesminister für Wirtschaft und von 1971 bis 1972 zusätzlich Bundesminister der Finanzen. Von 1933 bis 1938 war er Mitglied der SA. Am 1. Mai 1937 trat er in die NSDAP ein, in der er 1938 Leiter einer Kieler Ortsgruppe wurde. Im Rahmen seines Studiums und seiner Lehrtätigkeit war Schiller zusätzlich Mitglied des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbunds, des NS-Rechtswahrerbunds und des NS-Dozentenbunds.

Einer der letzten ehemaligen Mitglieder der NSDAP, der ebenfalls Mitglied des Deutschen Bundestags war, war Friedrich Zimmermann, der bis 1991 für die CSU Bundesminister für Verkehr war.

Dies sind nur ein paar Beispiele der vielen, vielen (ehemaligen) Nazis, die nach 1949 im Bundestag saßen. Der erste Bundestag, dem nachweislich kein ehemaliges Mitglied der NSDAP mehr angehörte, war der 14. Deutsche Bundestag, der sich durch die Bundestagswahl am 27. September 1998 konstituierte.

Jan Böhmermann hat somit die Unwahrheit gesagt und so wurde die Nazivergangenheit des Deutschen Bundestags geleugnet. In der FDP, CDU, SPD, ja sogar bei den Grünen waren (ehemalige) Nazis aktiv. Viele von ihnen wurden in den Deutschen Bundestag gewählt.

Welche Nazis aber meint Jan Böhmermann, die in den 19. Deutschen Bundestag einziehen sollen?

Ich habe mir alle Parteien, die am 24. September 2017 zur Wahl stehen, angeschaut. Ich habe in jeder Partei mehr oder weniger unappetitliche Kandidatinnen und Kandidaten gefunden, manche davon sogar sehr unappetitlich, weil sie mit völkischen Begrifflichkeiten um sich werfen, die mir zuwider sind. Es gibt Kandidaten, die distanzieren sich nicht von rechtsradikalen Ideologien und Verbrechern, andere Kandidaten wiederun verehren linke Schlächter. Wir haben zur Zeit sogar einen Außenminister, der einen erklärten Judenhasser als „Freund“ bezeichnet. Alles finde ich ekelerregend, aber ich würde dennoch keine der Parteien, die laut aktuellen Umfragen eine Chance hat, in den 19. Deutschen Bundestag einzuziehen, als „Nazi-Partei“ bezeichnen, weil ich dadurch die barbarischen Taten der Nazis relativieren und verharmlosen würde und zudem erklären würde, dass unser Rechtssystem bankrott und die freiheitlich-demokratische Grundordnung abgeschafft sind, weil eine Nazi-Partei laut unserer Verfassung verständlicherweise verboten sein müsste.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mir über das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung versichert, NS-Vergleiche seien immer „absurd und deplatziert, denn sie führen nur zu einem, nämlich dazu, die Menschheitsverbrechen des Nationalsozialismus zu verharmlosen. Das disqualifiziert sich von selbst.“

Ich stimme ihr in dieser Angelegenheit ausdrücklich zu. Laut Angela Merkel hat sich Jan Böhmermann disqualifiziert. Besonders bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, dass er ausgerechnet das Wort „Schande“ benutzt, denn es gab da eine Partei, die das Wort „Schande“ in der Politik inflationär gebraucht hat. Es war die NSDAP.

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Für weitere Einblicke in die Gedankenwelt von Jan Böhmermann lesen Sie ebenfalls: „Böhmermanns wahre Deutsche“

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Nachtrag: Einige Apologeten führen an, da auf Twitter in einem Tweet nur 140 Zeichen genutzt werden können, Jan Böhmermann zu seiner Verkürzung gezwungen worden sei. Das ist allerdings vollkommener Quatsch, denn ohne Verleugnung wäre der Tweet noch kürzer gewesen. Jan Böhmermann hätte schreiben können:

„Nur noch 3 Wochen, 21 Tage, bis die Nazis im deutschen Parlament sitzen.

Eine unverzeihliche Schande.“

Das wäre zwar immer noch ein streibarer Post gewesen, der sich laut Bundeskanzlerin von selbst disqualifiziert, aber wenigstens ein Tweet ohne Verleugnung der deutschen Nazi-Vergangenheit.

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