Schrecklicher Verdacht

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Nehmen Sie meine Herausforderung an, Herr Journalist?

Eine öffentliche Richtigstellung von Yonatan Shay.

Sehr geehrter Herr Andreas Zumach,

in Folge Ihrer fortdauernden, zahlreichen Beleidigungen, Vorwürfen und Lügen, bekam ich von der Jewish Agency die Genehmigung, auf diese Lügen und die unfassbare Hetze gegen mich zu reagieren. Als offizieller israelischer Gesandter soll ich stets diplomatisch bleiben, auch angesichts fortlaufender Hetze und Lügen, aber in diesem Fall kann ich Ihre Anfeindungen und Lügen nicht unkommentiert stehen lassen.

Ich möchte diese nachweislichen Unwahrheiten in Bezug auf meine Person offiziell und offen widerlegen. Durch diesen Brief sollen die Leser selbst entscheiden, ob Sie ein Antisemit sind oder nicht.

Vor ein paar Wochen hat Mathias Döpfner, Geschäftsführer des Axel-Springer Verlags, offenbart, dass sich zahlreiche deutsche Journalisten unjournalistisch verhalten. Bei Ihrer Zeitung, der taz, heißt es im Artikel „Im Kern getroffen“ von Susanne Knaul am 26.03.2019:

„Zwischen Tel Aviv, dem Herzstück Israels, und Sderot unweit der Grenze zu Gaza bestehe kein Unterschied, sagt Netanjahu. Doch das ist eine glatte Lüge. Mit den Raketen auf die grenznahen israelischen Ortschaften kann man sich arrangieren. Öffentliche Gebäude sind sicher konstruiert, die Bevölkerung ist geschützt, erhält Steuervergünstigungen und ist die seit Jahren regelmäßig aufheulende Sirenen gewohnt.“

Man soll sich als Jude damit arrangieren, dass eine terroristische Gruppierung einen aus purem Hass und Antisemitismus umbringen will? So etwas zu schreiben, hat nichts mit seriösem Journalismus zu tun. Das ist ein Akt des Antisemitismus!

Und diesem nicht genug, haben Sie es geschafft, dem noch eins drauf zu setzen: Ein neues Tief im Niveau an niederer Hetze und schäbiger Kampagne, die auf mich persönlich abzielt.

Es begann am 7. November 2018, fast auf den Tag genau achtzig Jahre nach der Reichspogromnacht, als Sie ihren Israelhass an der LMU München öffentlich zur Schau stellten. Anstatt etwas Sensibilität gegenüber den Juden in München und den Opfern von damals walten zu lassen, entschieden Sie sich gemeinsam mit Prof. Michael Meyen eine von Einseitigkeit strotzende Hetzveranstaltung gegen den einzigen Jüdischen Staat, gegen Israel, abzuhalten. Ihr Recht auf „Redefreiheit“ über die Gefühle der Opfer und die der Münchner Juden zu stellen, ist unentschuldbar. (Dabei macht es auch keinen Unterschied, dass Prof. Meyen, in der DDR aufgewachsen ist, wo es keine Aufarbeitung der Vergangenheit gab und Hetze gegen Israel an der politischen Tagesordnung stand).

Und selbstverständlich geht es hier nicht um das unbestreitbare Recht, Israel zu kritisieren, doch gibt es einen großen Unterschied zwischen Dämonisierung, Delegitimierung, Doppelstandards und einer sachlichen Kritik. Doch selbst dabei beließen Sie es nicht. Ihre Diffamierungen erreichten ein höchst persönliches Niveau und waren dabei zutiefst antisemitisch verankert.

Bei dieser Veranstaltung haben Sie mich vor dem gesamten Publikum als „eingefleischten rechtsextremistischen-Agitator“ beschimpft. Ich finde es komisch, dass ausgerechnet der einzige erkennbar religiöse und die Kippa tragender Jude im Raum, nämlich ich, von Ihnen beleidigt wurde, obwohl andere Personen im Raum waren, die Sie tatsächlich lautstark angegriffen hatten und Sie gar als „Nazi“, „Goebbels“ und „Judenhasser“ bezeichnet hatten, wobei ich betonen möchte, dass ich keiner von diesen Leuten war!

Auch wenn ich innerlich über Ihren Vortrag kochte, verhielt ich mich zu jedem Zeitpunkt diplomatisch. Das hinderte Sie jedoch nicht daran, Ihre Attacken auf mich alleine zu fokussieren. Soll das ein Zufall oder ein Versehen gewesen sein?

Nein, das war purer Antisemitismus und passte zu der Gesamtausrichtung Ihres Vortrags und Ihrer Haltung!

Sie mögen mir vorwerfen, dass ich eine der Personen war, die zusammen mit jüdischen Organisationen wie dem Verband jüdischer Studenten Bayern (VJSB), der DIG München usw., einen öffentlichen Aufruf zur Absage Ihrer Veranstaltung unterschrieben hatte, damit der 80. Gedenktag an die widerliche Pogromnacht nicht für Israelhass missbraucht würde, doch entschuldigt auch dies nicht Ihre Angriffe gegen mich. So wie Sie das Recht auf „Redefreiheit“ verlangen, so habe ich das Recht, mich gegen Hass und Einseitigkeit zur Wehr zu setzen. Dabei habe ich Sie weder persönlich angegriffen, noch diffamiert!

Wie berechtigt unsere Kritik im Vorfeld war, belegt auch die Teilnahme von bekannten Aktivisten der antisemitischen BDS-Bewegung, wie z.B. der Linksextremist Kerem Schamberger, der wohlgemerkt sogar vom Verfassungsschutz beobachtet wurde, und anderen Befürwortern dieser Bewegung an Ihrer Veranstaltung. Einige werden sogar als Mitorganisatoren aufgeführt, was uns u.a. darin bekräftigt hatte gegen diese Veranstaltung zu protestieren. Zur Erinnerung, die antisemitische BDS-Bewegung fordert einen Boykott jeglicher Waren aus Israel und erinnert daher an die Nazi Rhetorik “Kauft nicht beim Juden“. Deswegen wurde auch von den städtischen Einrichtungen und Organisationen in Frankfurt am Main, Berlin und München eine Zusammenarbeit mit BDS ausgeschlossen.

Am Ende hat das Präsidium der Universität die Veranstaltung im Namen von Pluralismus und Redefreiheit erlaubt und bedauert es bis heute. Viele Leute im Publikum, darunter Uni-Mitarbeiter, waren dabei und verwiesen darauf, dass es eine hasserfüllte, einseitige Hetzveranstaltung voller Verdrehungen und Lügen gegen den Staat Israel und die dort lebenden Juden war.

Zwei namhafte Personen, mit denen ich gesprochen hatte, der Büroleiter des Antisemitismusbeauftragen Dr. Spaenle, Herr Fritz, wie auch Dr. Matthias Fahrmeier von der LMU gaben an, dass alle Versprechen von Prof. Meyen an die Leitung der Universität, von vor der Veranstaltung, gebrochen wurden. Eine politisch-einseitige Veranstaltung wie diese wird nicht mehr in den Räumen der Universität stattfinden. Prof. Meyen wurde wegen Ihrer Worte von der Leitung getadelt.

Die Juden riefen warnend, aber keiner reagierte auf die Warnungen. Die Veranstaltung fand statt und diejenigen, die protestiert hatten, wurden bitter im Stich gelassen. Wie bitter zeigt der Verlauf dieser Veranstaltung.

Herr Zumach, Sie zitierten den unsäglichen „Goldstone-Report“ über den Gaza-Krieg 2009. Sie nutzen den Report, um Israel mutmaßliche Kriegsverbrechen vorzuwerfen. Dabei haben Sie aber gänzlich ausgelassen, dass sich Richter Richard Goldstone zwei Jahre nach dem Report öffentlich dafür entschuldigt hat und diesen als falsch zurückzog! Ist diese Verdrehung der Tatsachen nicht ein Akt von vorsätzlichem Antisemitismus?

Solche Verdrehungen sind reine Hetze. Außerdem meinten Sie auch, dass die israelische Regierung Elemente eines „Apartheidregimes“ gegen die arabische Minderheit in Israel aufweisen würde. Für diese abstruse Aussage lieferten Sie kein einziges Beispiel! Wie auch, sieht es in der Realität doch so aus, dass im demokratisch von allen Staatsbürgern (egal welcher Religion oder Herkunft) gewählten Parlament Israels, der Knesset, mehr als 16 arabische Abgeordnete sind, eine Vielzahl arabischer Offiziere in der israelischen Armee Führungsrollen haben, arabische Ärzte in israelischen Krankenhäusern Seite an Seite mit ihren jüdischen Kollegen arbeiten und arabische Richter an Israels Oberstem Gerichtshof mit über das Land richten. Sie sind volle Staatsbürger Israels mit allen Rechten. Wenn es darum geht, Israel zu diffamieren, scheinen Ihnen alle Mittel „koscher“ zu sein. Mit seriösem Journalismus für eine renommierten Zeitung im demokratischen Deutschland hat das was Sie so von sich geben nichts mehr zu tun!

Was mir während Ihres Auftritts auch auffiel, war Ihre Vorliebe, Juden zu zitieren. Tatsächlich handelt es sich bei den von Ihnen zitierten Personen um marginale Randpersonen der israelischen Demokratie, linksextremistische Stimmen, die keinen nennenswerten Rückhalt irgendeiner Art haben. Bei Personen wie Noam Chomsky, Norman Finkelstein, Moshe Zuckermann, oder Moshe Zimmermann handelt es sich um selbsthassende, anti-zionistische Juden, die dem Staat Israel zumeist das Existenzrecht absprechen, BDS unterstützen und in ihrer Rolle als „Alibi-Juden“ oft von den Feinden des Jüdischen Staates als Kronzeugen angeführt werden. Am besten kann man diese mit einem sehr radikalen Teil der anti-deutschen Szene vergleichen, welche Deutschland weiterhin als einen judenhassenden Nazi-Staat bezeichnet. Ein paar von ihnen haben auch zu einer Wiederbesatzung Deutschlands durch die Alliierten aufgerufen, da Deutschland sich nicht selbst verwalten kann. Einige von ihnen schreiben als Journalisten für die Jungle World und das Vice.

Nie würde ich solche Leute zitieren, da ich weiß, dass Deutschland kein Nazi-Staat ist und ich die Intelligenz der Menschen hier nicht beleidigen möchte. Warum zitieren Sie aber solche extremen, lächerlichen Stimmen, die keiner ernst nimmt Herr Zumach?

Zum Schluss, Herr Zumach, haben Sie auch wiederholt über die „Notwendigkeit“ gewaltfreier Aktionen, wie eines ökonomischen Boykott Israels – BDS – aufgerufen, um so die „Befreiung Palästinas“ durchzusetzen. Doch wie weit her ist es mit Ihrem Sinn für „Gewaltfreiheit“, wenn Sie mit keinem Wort auf die Menschenrechtsverbrechen von Hamas und Fatah an der eigenen Bevölkerung eingehen; wenn Sie mit keinem Wort den täglich gegen Israel gerichteten Terrorismus und die ständigen Raketenangriffe verurteilen; die Finanzierung von Mord und Totschlag in Form von lebenslangen Gehältern für Terroristen erwähnen, geschweige denn Israels legitimes Recht auf Selbstverteidigung, erst recht nachdem man den Gazastreifen schon vor Jahren komplett geräumt hatte?

Herr Zumach, Ihr ganzer Auftritt war gefüllt voller Hass und Hetze, ohne wahre Bezüge zur Realität und voller Lügen.

Mir ist klar, dass Sie diese Dämonisierungskampagne gegen Israel und die dort lebenden Juden, welche um ihr Überleben kämpfen, als Alibi für ihre eigenen antisemitische Grundhaltung nutzen. So verwundert mich auch nicht, dass Sie ihre Hetzkampagne gegen mich persönlich, als offiziellen Vertreter des Staates Israel, richten. Das passt in das Bild des modernen Antisemiten, zumindest wenn man nach den anerkannten Definitionen dessen geht, egal ob nach der von der Bundesregierung anerkannten Definition der Internationalen Allianz für Holocaust-Gedenken (IHRA), der EUMC „Arbeitsdefinition Antisemitismus“, der 3-D Definition von Natan Sharansky oder sonstigen anerkannten modernen Definitionen.

In dem Blog Der Semit haben Sie mich als „rechtsextremen RadikalNationalisten“, der die 2000-jährige Besiedlung Samarias und Judäas legitimiert, bezeichnet. Herr Zumach, ein Yonatan Shay kann nachweislich nicht legitimieren, was bereits seit 3000 (sic!) Jahren Realität und Faktum ist! Der Aufbau Jerusalems durch David, die zwei jüdischen Tempel, die Königreiche Juda und Israel, das Hasmonäer Reich, all das ist historisch belegt. In Judäa und Samaria gab es immer Juden, ganz gleich ob vor tausend oder siebzig Jahren, mit Ausnahme der jordanischen Besatzung von 1948-1967, in der das Gebiet genauso „judenrein“ war, wie der Großteil der gesamten arabischen Welt.

Offensichtlich haben Sie kein Problem mit judenfreien arabischen Ländern. Aber die arabische Minderheit in Israel, welche die einzigen 1.5 Millionen Araber im Nahen Osten umfasst, die wahlberechtigt sind, sollen unter einem israelischen „Apartheitsregime“ leben. Ihre Logik, Herr Zumach, ist ziemlich krank.

Mit dieser Aussage offenbaren Sie ganz klar Ihre wahren Absichten, wonach Sie es nicht ertragen können, dass Juden in ihrer historischen Heimat leben können. Dies hat absolut nichts mit dem Staat Israel oder dessen Politik zu tun, sondern mit purem Hass auf Juden.

Wenn ich auf historische Tatsachen verweise, dann bin ich ein rechtsextremer, die Kippa tragender „RadikalNationalist“? Zeigen diese Aussagen nicht eher, dass Sie ein Antisemit sind?

Ich habe im Mai 2016 in einem Artikel für Channel 20 über meine Erfahrungen als Praktikant im Bundestag (bei einer Abgeordneten der Linkspartei!) und als Jude in Berlin geschrieben. Der antisemitische Hass, den ich persönlich erlebt hatte, kam nicht nur von Salafisten und Neonazis, sondern auch von antizionistischen, linksextremistischen Juden und ehemaligen Israelis. Das steht schwarz auf weiß im Artikel und nicht so, wie Sie es formuliert haben, wonach die in Berlin lebenden Israelis angeblich schlimmer wären als Salafisten und Neonazis.

Kann es sein, dass Sie einfach kein Hebräisch können und daher den Artikel gar nicht gelesen, bzw. verstanden haben? Wie dem auch sei, für die taz ist so ein Verhalten ein pures Armutszeugnis! Wissen Sie überhaupt, dass der angeblich rechtsextreme Kanal Channel 20 regelmäßig linken Aktivisten wie Yariv Oppenheimer von Shalom Achschav, Ori Zaki oder mehreren arabischen Abgeordneten, welche Terror gegen Juden gutheißen und Israels jüdischen Charakter bekämpfen, eine Plattform bietet? Ist so ein pluralistischer Kanal etwa für Sie rechtsextrem? Haben Sie ihn überhaupt mal auf Hebräisch geschaut? Diese Lügen entspringen nichts anderem als antisemitischer Hetze.

Zuallerletzt Herr Zumach, gibt es eine weitere große Lüge, die ich gerne aufklären möchte. 2017 habe ich Solidarität mit dem Soldaten Elol Azaria gezeigt, der einen Terroristen, aus meiner Sicht in Notwehr, erschossen hat. Und es stimmt, dass dieser Fall innerhalb der israelischen Gesellschaft stark diskutiert wurde. Im Endeffekt wies die größte Onlineplattform in Israel, Y-Net, durch eine Umfrage auf, dass mehr als 75% der Israelis Elol Azaria für unschuldig hielten. Ist somit die große Mehrheit der Israelis Mordsympathisanten?

Die Sicherheitsbehörden und das Militärgericht in Israel sahen das anders und er wurde wegen Totschlags verurteilt. Als er verurteilt wurde, akzeptierten ich und die große Mehrheit der Israelis dieses Urteil. Zu keinem Zeitpunkt stellte ich das Urteil in Frage und forderte seine Freilassung! Eine jede solche Behauptung ist nachweislich falsch oder haben Sie einen Screenshot von dieser mutmaßlichen Forderung? Bei Gericht werden Sie eben dies beweisen müssen!

Herr Zumach, ich warte schon auf den Anruf von Ihrem Anwalt, genauso wie Sie es immer tun. Wenn Sie mich verklagen wollen, dann machen Sie es, aber hören Sie endlich auf zu drohen und Lügen zu verbreiten! Wie heißt es so schön: „If you want to shoot, shoot, don’t talk!”

Mein Anwalt wartet schon.

Den ganzen Tag hinter der Tastatur zu sitzen, Lügen zu verbreiten und mit Anwälten zu drohen, das kann jeder! Wie ich Ihre Lügen in diesem Brief entlarve, so kann ich das auf jeder Bühne und an jedem Ort tun. Sogar in einer mir fremden Sprache (Deutsch).

Falls Sie den Mumm haben, so treffen Sie mich beim Streitgespräch zum Thema Nahostkonflikt. Nehmen Sie meine Herausforderung an, Herr Journalist?

Mit freundlichen Grüßen,
Yonatan Shay,
Gesandter der Jewish Agency für Israel in Deutschland und Enkelkind von Mosche Sauber, Sonderkommando und Hälftig in Mauthausen, Holocaust-Überlebender und von Lea Sauber, Underground- Kämpferin in Ghetto Budapest, Holocaust-Überlebende, die all ihre Familie verloren haben wegen willkürlichem Judenhass.

(Sämtlicher Inhalt dieses Briefes wurde von der Privatperson Yonatan Shay vorgetragen und nicht im Auftrag der Jewish Agency)

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Heute wählen auch Palästinenser!

6.339.729 Israelis wählen heute die künftigen 120 Mitglieder der 21. Knesset. Darunter sind auch viele Palästinser. Man kann sogar sagen 6.339.729.

Es leben über 8 Millionen Bürgerinnen und Bürger in Israel. 1,6 Millionen von ihnen sind muslimische Araber und laut einer Studie aus dem Jahr 2015 wollen 77 Prozent dieser Araber nirgendwo lieber leben als in Israel!

In Israel machen Muslime zwanzig Prozent der Bevölkerung aus. Moscheen stehen an jeder Ecke. Muezzine singen von den Minaretten. Es gibt reiche, belebte und lebenswerte muslimische Viertel überall in Israel. Muslime sind selbstverständlich im israelischen Parlament vertreten. Sogar im höchsten Gericht Israels finden sich Muslime. Israel ist das einzige Land im Nahen Osten, wo Muslime den Staat verklagen und gewinnen können.

Die israelischen Araber haben einen Regierungschef, der innerhalb einer Demokratie gewählt wurde. Wer immer heute in Israel gewählt wird, er ist ein von Palästinensern gewählte Vertreter, im Gegensatz zu Mahmud Abbas.

Mahmud Abbas wurde zwar 2005 als Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde, aber seine Legislaturperiode endete am 9. Januar 2009. Seitdem hält er sich ohne Legitimation an der Macht. In Jordanien ist eine Monarchie mit dem Islam als Staatsreligion und der Scharia als Gesetz. In Syrien herrscht Krieg. Im Januar 2014 kesselt die syrische Armee Palästinenser in einem Lager ein und lies sie dort verhungern. In Gaza herrscht die Hamas. Sie wurde zwar gewählt, aber nach der Wahl tauschte sie Demokratie sofort gegen Staatsterror aus. Seit dem herrscht die Hamas in Gaza ohne Legitimation. In kaum einem Gebiet der Erde werden Palästinenser brutaler unterdrückt als in Gaza.

In Israel sind die Menschen frei. Wenn es einen Regierungschef gibt, der von sich beanspruchen kann, in freien Wahlen von einem palästinensischen Volk gewählt worden zu sein, so ist es der Premierminister von Israel!

Israel ist das einzige Land im Nahen Osten, in dem das Volk seine Regierung wählen und vor allem abwählen kann. Zu genau diesem freien Volk gehören auch Palästinenser. Es gab sogar schon eine Palästinenserin als Premierministerin. Golda Meir, Ministerpräsidentin des Staates Israel von 1969 bis 1974, erklärte einst: „Ich bin eine Palästinenserin!“ In diesem Interview fällt der Satz in Minute 7:15:

Der Begriff „Palästina“ hat einen hebräischen Ursprung. Die erste bekannte Schriftquelle zu „Palästina“ ist die Septuaginta. Hier wird der Begriff als Ableitung von dem hebräischen Begriff „Pleschet“ verwendet. Der Begriff Palästina ist somit lediglich eine Gebietsbeschreibung und keine Volksbeschreibung. Nach der Zerschlagung des jüdischen Volkes im Jahr 135, nannten die Römer das Gebiet Palästina, um jeglichen Bezug zum jüdischen Volk zu verwischen.

Heute gibt es eine Menge Menschen verschiedenster Glaubensrichtungen und Nationalitäten, die durch den Umstand vereint werden, dass sie in einem Gebiet leben, das von Römern einst Palästina genannt wurde. Das Wort „Palästina“ ist lediglich eine Gebietsbeschreibung, ähnlich wie das Wort „Rheinland“. Rheinländer ist, wer im Rheinland lebt. Palästinenserin ist, wer in Palästina lebt. Willy Millowitsch war ein Rheinländer und Golda Meir war eine Palästinenserin.

Nach der Definition, dass alle, die in dem Gebiet leben, das von den Römern einst Palästina genannt wurde, sind alle Israelis Palästinenser.

Nach dem 1. Weltkrieg und durch den Untergang des Osmanischen Reiches wurde das Gebiet Palästina herrschaftslos. Ab 1922 verwaltete dann der Völkerbund das Gebiet. Alle Menschen, die zwischen 1923-1948 im britischen Mandat Palästina geboren wurden, hatten damals „Palästina“ in ihre Pässe gestempelt. Wenn man damals allerdings Araber als Palästinenser bezeichnete, waren sie beleidigt und erklärten: „Wir sind keine Palästinenser, wir sind Araber. Die Palästinenser sind die Juden!“

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff „Palästinenser“ als Synonym für „Jude“ benutzt! In den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts zum Beispiel gab es in Jerusalem ein sogenanntes palästinensisches Orchester.

Der mit Abstand größte Teil Palästinas liegt im heutigen Jordanien. Weitere Gebiete Palästinas sind der Golan, der Gazastreifen, das Westjordanland und Gebiete von Ägypten und Saudi-Arabien. Nur ein sehr kleiner Teil Palästinas befindet sich im heutigen Israel. Alle, die in dem Gebiet Palästina leben, mögen es nun Jordanier, Israelis, Araber, Juden, Christen oder Moslems sein, sind Palästinenser im Sinne dieser Gebietsbeschreibung!

Aber nur die israelischen Palästinenser dürfen wählen. Israelis sind somit die freiesten Palästinenser der Welt! Mohammed Zoabi sagt:

„Ich bin ein stolzer israelischer, zionistischer, arabischer Moslem. Israel ist die Hoffnung für Demokratie für den gesamten Nahen Osten ist. Ich fordere die Welt auf, endlich aufzuwachen. Ich sage das als Mensch! Ich besuche Juden. Juden besuchen mich. In Israel leben alle Menschen zusammen. Ich gehe in eine jüdische Schule. Ich besuche meine jüdischen Freunde. Ich telefoniere mit meinen jüdischen Freunden. Meine Mutter arbeitet im israelischen Verkehrsministerium. Wir leben alle friedlich zusammen, deshalb entschuldigt meine Ausdrucksweise: Hört mit dem Scheiß auf! Israel ist kein Apartheidsstaat.“

Kothar sagt:

„Es gibt viele andere Araber wie mich, die in Israel leben und arbeiten. Sie haben Freude am Leben, arbeiten, passen sich an und haben keine Probleme hier. Wenn Menschen Israel boykottieren, dann boykottieren Sie mich und alle anderen Araber, die hier leben und arbeiten. Ich lebe seit sechs Jahren in Be’er Sheva in einem Apartment zusammen mit zwei jüdischen Mitbewohnerinnen. Wir sind sehr glücklich hier und es wäre wirklich hart für mich zu gehen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, irgendwann einmal zu gehen. Boykotts werden uns nur trennen und verletzen. Nur wenn wir zusammenarbeiten, können wir Frieden in unsere Zeit bringen.“

Jeder Israeli kann in Israel seine Meinung frei äußern. Das ist Demokratie!

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Herzensbildung

„Gerd Buurmann ist ein exzellenter Schauspieler, der es versteht, selbst alte, vielleicht sogar antiquierte Texte so zu präsentieren, dass man das Heutige erkennt und die zutiefst menschliche Figur des Dargestellten mitfühlt. Darüber hinaus ist Buurmann aber auch ein scharfsinniger Beobachter des Homo Politicus. So erkennt er, wie tief in jedem westlichen Menschen der Antisemitismus steckt, ja geradezu stecken muss, und er erklärt dies so logisch und schlüssig, dass es einen wunder nimmt, warum dieses Wissen nicht längst schon Allgemeinplatz ist. Das alles, klassische Texte, politische innere Erdbeben und logische Erkenntnis daraus präsentiert er noch dazu mit Humor und Leichtigkeit. So muss Herzensbildung, so muss Wahrheit sein.“

Dies schrieb Sandra Kreisler, nachdem sie meinen „Nathan-Komplex“ in Konstanz gesehen hatte. Sollten Sie Interesse an dem Vortrag haben, erreichen Sie Gerd Buurmann per Mail: gerdbuurmann@hotmail.de

Der Nathan-Komplex
Ein Theater-Vortrag und Kammerspiel von Gerd Buurmann

„Mit Humor und viel Einfühlungsvermögen versteht es Gerd Buurmann, die Dinge auf den Punkt zu bringen, den Menschen zu vermitteln, sie zum Denken anzuregen. Wir schätzen seine Arbeit, sein Engagement sehr.“ (Abraham Lehrer und Chana Bennett im Namen der Synagogen-Gemeinde Köln)

Mit seinem Vortrag „Der Nathankomplex“ nähert sich Gerd Buurmann auf kultur-historische Weise der Frage nach den Gründen für das schwierige christlich-jüdische und das nicht minder schwierige deutsch-israelische Verhältnis. Marc Neugröschel von der Hebrew University in Jerusalem schreibt:

„Gerd Buurmann ist es mit seiner gewinnenden Art gelungen, die Menschen im Publikum für die antisemitische Doppelmoral zu sensibilisieren, die zu einseitigen Verurteilungen des Staates Israel führt. Rhetorisch gut strukturiert und mit Hilfe schauspielerischer Einlagen, schaffte er es, dieses komplizierte Thema auf eine so eingängige und anschauliche Art und Weise darzulegen, dass man in den Gesichtern seiner Zuhörer förmlich sehen konnte, wie sie von Buurmanns Worten zum Nachdenken angeregt wurden.“

Gerd Buurmann untersucht dabei besonders drei jüdische Charaktere, die die abendländische Kultur besonders geprägt haben: Jesus, Shakespeares Shylock und Lessings Nathan der Weise. Dr. Karl Thönnissen von der VHS Aachen erklärt:

„Gerd Buurmann eröffnet in seinem Vortrag über den „Nathankomplex“ neue und erhellende Perspektiven auf das schwierige deutsch-jüdische Verhältnis: Er konfrontiert das Publikum aber nicht nur mit triftigen Argumentationen und wenig bekannten Fakten, er zieht es auch emotional in seinen Bann, wenn er sich binnen Sekunden und ohne Kostümwechsel in Shakespeares Shylock verwandelt und so die Zuschauer schmerzlich nah an einem jüdischen Schicksal teilnehmen lässt.“

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Befreit euch von dem Hass

Ein Beitrag von Amed Sherwan.

Ich bin mit vielen Feindbildern aufgewachsen. Eins davon waren die Araber als ständige und konkrete Bedrohung. Aber auch die Juden und natürlich der Staat Israel waren für mich böse, obgleich ich gar keine Berührung damit hatte. Für Muslime gilt die Solidarität mit Palästina quasi als Teil der DNA.

Im Zuge der zunehmenden Islamisierung war das auch in meiner Heimat im Nordirak so geworden. Jemanden als Juden zu beschimpfen, war daher in meiner Kindheit fast so furchtbar, wie ihn als Ungläubigen zu beleidigen, obwohl beides nicht ganz so schlimm war wie die Bezeichnung als schwul.

Obwohl ich selbst als Ungläubiger verfolgt wurde und daher aus meiner Heimat nach Deutschland flüchten musste, nahm ich meine Feindbilder erst mal mit. Ich ekelte mich auch hier in Deutschland vor Schwulen und sah auf Juden herab. Ich bezeichnete mich als Freidenker und Atheisten, aber ich hatte mich von der Religion abgewendet, ohne mich wirklich von den damit verbundenen Denkmustern zu befreien.

Ich war noch immer voller Feindbilder. Das größte davon waren nun die Muslime. Doch ich war umgeben von Muslimen und Menschen, die den Islam spannend fanden, auf der einen Seite andere Geflüchtete und auf der anderen Seite Menschen, die alle Geflüchteten willkommen hießen und dem Islam total unkritisch gegenüber standen. Das frustrierte mich sehr und ich suchte Kontakt zu Leuten, mit denen ich mein neues Feindbild teilen konnte.

Ich war deshalb total begeistert, als ich Menschen traf, die meinen Hass teilten. Leider musste ich schnell danach feststellen, dass es sie sich nicht wirklich kritisch mit dem Islam beschäftigten, sondern die vielen Probleme unter Muslimen nur nutzten, um ihr Feindbild vom bösen Ausländer zu legitimieren. Und in diesen Erlebnissen mit AfD und Co. merkte ich plötzlich, dass ich mit meinem Flüchtlingsgesicht eigentlich auch immer mitgemeint war.

Anders war es bei den Leuten, die aus Solidarität mit Israel zur Islamkritik gekommen waren. Hier fühlte ich mich zum ersten Mal richtig verstanden und erlebte eine komplett neue Sicht auf den Nahostkonflikt. Ich war so euphorisch, dass ich meine Wohnung am liebsten mit Israelfahnen geschmückt hätte und von dem Traum besessen war, irgendwann nach Israel auszuwandern. Doch dann befreundete ich mich mit einem jungen Palästinenser und hörte die Geschichte seiner Familie. Da verstand ich, dass auch hier nichts schwarz-weiß war.

Seither weiß ich, dass Feindbilder nie eine Lösung für Probleme sind. Und ich versuche, mich wirklich zu befreien, nicht nur vom Glauben, sondern von dem Hass, den angeblichen Wahrheiten und schlichten Weltbildern. Die Komplexität der Welt erschlägt mich manchmal. Es ist nicht immer einfach, auszuhalten, dass die Welt nicht aus Bösen und Guten besteht. Und es ist schade, dass es keine einfachen Lösungen gibt. Und trotzdem lebt es sich so einfach besser.

Ich kann muslimische Traditionen genießen, ohne an die spirituellen Konzepte dahinter zu glauben. Ich kann meine Eltern lieben und muslimische Freunde haben, obwohl ich ihre Weltsicht furchtbar finde. Aber sie müssen im Gegenzug lernen zu akzeptieren, dass ich die Welt anders sehe als sie. Es wäre sicherlich einfacher, den Kontakt abzubrechen und den Dialog aufzugeben. Aber ich glaube daran, dass ich etwas bewegen kann. Auch wenn ich manchmal zu drastischen Mitteln greifen muss.
Inspiriert hat mich dabei insbesondere der Kontakt zur LGBTTIQ*-Szene. Es nutzt nichts, sich zu verstecken und auf eine Veränderung der Welt zu hoffen. Toleranz und Offenheit muss laut und bunt und provokativ erkämpft werden.

Die meisten anderen Ex-Muslime in meinem Freundeskreis outen sich nicht. Sie leben in Parallelwelten und verstellen sich vor der Familie und der muslimischen Community. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass oft viele Ex-Muslime zusammen sitzen, ohne es zu merken, weil alle die muslimische Etikette wahren. Und einige wenige haben sich komplett von ihrem bisherigen Umgangskreis entfernt und hocken nur noch unter Gleichgesinnten. Das will ich nicht.

Ich will mich weder verstellen, noch alle meine bisherigen Bezüge aufgeben. Ich diskutiere im Freundeskreis und agiere in muslimischen Zusammenhängen. Ich möchte Probleme aufzeigen, aufwecken und zum Nachdenken anregen. Und dafür muss ich manchmal dahin gehen, wo es weh tut.

Ende März 2019 haben Palästinenser in meiner jetzigen Heimatstadt im Norden Deutschlands am „Tag des Bodens“ demonstriert und sind dabei traditionell von vielen anderen Muslimen unterstützt worden. Ich verstehe das Leid der Palästinenser und wünsche mir auch ein Ende des Nahostkonflikts. Aber ich glaube an friedliche Lösungen statt an Eskalation. Daher habe ich ein Plakat gemacht, auf dem sich ein Jude und ein Palästinenser küssen, versehen mit dem Spruch: „Make Love not War“. Das Plakat nahm ich mit auf die Demo.

Nein, ich bin nicht naiv. Ich habe gewusst, dass sich einige der Demonstrierenden daran stören könnten. Doch wie kann man besser an eingefahren Vorstellungen rütteln als mit diesem Bild.

Befreit euch von dem Hass.
Befreit euch von den Feindbildern.
Befreit euch von den religiösen Tabus.

Ich habe mich alles andere als konfrontativ verhalten und war auf Diskussionen eingestellt. Aber es war gar nicht an Dialog zu denken. Ich bin nicht nur verbal, sondern auch körperlich attackiert worden. Am Ende dieses Videos sind die Übergriffe dokumentiert.

Seither erreichen mich Drohungen und einige meiner besten Freunde, trauen sich nicht mehr, sich öffentlich mit mir zu zeigen. Ich werde sie dafür aber nicht hassen. Doch ein bisschen leid tun sie mir schon. Denn ist der Ruf erst ruiniert, lebt‘s sich völlig ungeniert!

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Nachtrag: Zur Zeit hat Facebook Amed Sherwan für 30 Tage gesperrt. Auf Anfragen über Messenger kann er daher nicht antworten.

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Die alte Frau

Tapfer im Nirgendwo präsentiert eine gekürzte Fassung des Artikels „Die alte Frau“ von Hedwig Dohm, erstmals erschienen im Jahr 1903 in Die Zukunft. Der ungekürzte Text findet sich heute in dem Buch „Hedwig Dohm. Ausgewählte Texte“ herausgegeben von Isabel Rohner und Nikola Müller.

Ich wünsche mir, dass dieser Text auch heute noch bei vielen Geburtstagen alter Frauen gelesen wird.

Ich liebe dich, alte Frau.

Ich möchte, dass die alte Frau sich weiß kleide. Ich meine, ihr gebührt die Farbe, die dem Licht verwandt ist. Etwas Priesterliches, Erdentrücktes, Lichtsuchendes möchte ich an ihr sehen. Man sagt, dass die alte Frau den Spott herausfordert, wenn sie Dinge tut, die ihrem Alter nicht angemessen sind. Nicht angemessen sind oder nicht für angemessen gelten? Dieser Unterschied ist wichtig.

Von dem, was für unangemessen gilt, beruht das meiste auf Gewohnheit und Zeitvorurteil. Ein Beweis dafür ist, dass ein Tun, das die alte Frau lächerlich macht, bei dem gleichaltrigen Mann Beifall, oft den allerlebhaftesten, findet. Eine alte Frau mit Schlittschuhen an den Füßen, auf dem Fahrrad, auf dem Pferd, – lächerlich; der achtzigjährige Moltke auf dem Pferd wurde als eine bewundernswerte Erscheinung angestaunt; dem weißbärtigen Schlittschuhläufer folgen nur wohlwollende Blicke.

Höre, alte Frau, was eine andere alte Frau dir sagt: Stemme dich an! Habe Mut zum Leben! Denke keinen Augenblick an dein Alter. Die Jüngsten können vor dir ins Grab steigen. Den Tod vorausdenken, vorausfühlen, heißt ihm entgegeneilen, heißt die Gegenwart entrechten. Wenn du nur noch einen einzigen Tag lebst, hast du eine Zukunft vor dir.

Tu, was dir Freude ist, soweit deine Geistes- und Körperkräfte reichen. Gerade, weil du nicht mehr lange Zeit vor dir hast, schöpfe jede Minute aus.

Spotte des Spottes, mit dem man dich einschüchtern, dir die Türen zur Freude sperren will. Das Recht zu leben hat das Kind wie die Greisin. Werde immerhin alt für die anderen: nicht aber für dich.

Was habt ihr Alten denn nach der Gesellschaft – die längst über euch hinweg gegangen ist – zu fragen? Wer von der Gesellschaft nichts mehr will, hat nichts mehr von ihr zu fürchten. Das Grab gönnt jeder uns. Duckmäuser ihr! Was horcht ihr noch immer auf Beifall und Zischen dieser Gesellschaft?

Wenn ihr Lust und Kraft dazu habt, so radelt, reitet, schwimmt, entdeckt auf Reisen neue Schönheiten, neue Welten.

Lasst euer weißes Haar, wenn ihr es habt und es euch bequem ist, frei um das Haupt wallen. Mischt euch unter die Lernenden. Beinahe kommt es mir lächerlich vor, dass ihr euch schämt, noch nach Wissen zu trachten, als wäre das Absterben ein lieblich ernstes Geschäft, das zu hemmen indezent wäre.

Klagst du, Alte, dass die Menschen nichts mehr von dir wissen wollen?

Man hat dich die Zaubersprüche nicht gelehrt, mit denen man die Schätze des Geistes hebt?

Ja, das ist’s.

Gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen; aber gegen den zu frühen Tod des Weibes sind viele Kräutlein gewachsen. Das kräftigste heißt: bedingungslose Emanzipation der Frau – und damit die Erlösung von dem brutalen Aberglauben, dass ihr Daseinsrecht nur auf ihrem Geschlecht beruhe. Gebt der Frau einen reicheren Lebensinhalt, einen Beruf.

Untätigkeit ist der Schlaftrunk, den man dir, alte Frau, reicht. Trink ihn nicht! Sei etwas! Schaffen ist Freude. Und Freude ist fast Jugend.

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Demonstration in Amsterdam gegen Eurovision Song Contest in Israel

Am 6. April 2019 treten in Amsterdam bei dem Konzert Eurovision in Concert 28 der diesjährigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Eurovision Song Contest in Tel Aviv auf. Vor dem Konzertsaal in Amsterdam wird eifrig gegen Israel demonstriert:

In Israel genießen Schwule und Lesben staatliche Gleichberechtigung. Homosexuelle dienen in der Armee, eine Transsexuelle hat bereits zwei mal das Land beim Eurovision Song Contest vertreten, in Jerusalem fand eine der bisher drei einzigen World Gay Prides statt und Tel Aviv wurde jüngst von einer American Airlines zum besten Reiseziel für Schwule gekürt. Wie sieht es im Vergleich in der Nachbarschaft von Israel aus?

Im Libanon droht auf Homesexualität eine Freiheitsstrafe, In Syrien drohen drei Jahre Haft, in Libyen fünf Jahre, in Kuwait sieben Jahre, in Bahrain zehn Jahre und im Iran, Jemen, in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten steht auf Homosexualität die Todesstrafe. Es gibt also gute Gründe, auf die Straße zu gehen. Allerdings nicht, um gegen Israel zu demonstrieren.

Die Demonstrierenden in Amsterdam jedoch schweigen dazu. Stattdessen werfen sie Israel vor, Schwule und Lesben zu instrumentalisieren. „Pinkwashing“ nennen sie das. Ganz ehrlich, ich lasse mich lieber von Israel instrumentalisieren, als im Iran an einem Baukran zu baumeln!

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde West-Deutschland von den Westmächten als Pufferzone zu den Mächten des Kommunismus‘ instrumentalisiert. Meine Freiheit ist Produkt eben dieser Instrumentalisierung. Instrumentalisierung ist somit nicht an sich schlecht. Es kommt immer darauf an, für wen oder was man sich instrumentalisieren lässt. Wenn es ein Land im Nahen Osten gibt, für das es sich lohnt, sich instrumentalisieren zu lassen, dann Israel.

Israel ist das einzige Land im Nahen Osten, wo ein Araber den Staat verklagen kann und gewinnt! Israel gehört zu den führenden Ländern in der Weltkinderhilfe. Israel ist das einzige Land der Welt, in dem der Wald größer und die Wüste kleiner wird. Israel ist das einzige Land im Nahen Osten mit klarer Presse- und Kunstfreiheit. Israel ist führend im Recyceln von Wasser.

Ich will nicht behaupten, dass Israel frei von Fehlern ist, aber es gibt wahrlich keinen Grund, das Land immer und ständig zu kritisieren. Es gibt sogar viele Gründe für Lob!

Israels ist die einzige Demokratie des Nahen Ostens, und obwohl sich das Land seit über sechzig Jahren in einem Krieg um die Existenz befindet, hat es die rechtsstaatlichen Prinzipien in einer Art und Weise geachtet, wie es einzigartig ist in der ganzen Geschichte der Menschheit. Noch nie in der ganzen Weltenexistenz hat ein Land über sechzig Jahre mit der Bedrohnung der Auslöschung durch seine Nachbarn gelebt und dennoch an die Prinzipien der Bürgerfreiheit festgehalten.

Israel ist somit nicht nur nicht so schlecht, sondern selbst unter Berücksichtung der politischen Fehler immer noch ein staatliches Vorbild, das nicht nur Gay Pride sein kann sondern Human Pride.

Wenn es aber wirklich so etwas gibt wie „pinkwasing“, dann betreiben jene, die sich auf Israels Verfehlungen konzentrieren und dabei die viel schlimmeren Verfehlungen der islamischen Nachbarn des jüdischen Staates ignorieren, brutales „greenwashing“, ganz zu schweigen von dem „brownwashing“, das ständig stattfindet, wenn verschwiegen wird, dass die Hamas und die Muslimbruderschaft überzeugte Freunde des Nazis waren und sind.

Artikel 7 der Gründungscharta der Hamas fordert die Vernichtung aller Juden weltweit. Eine Truppe, die in Amsterdam gegen Israel demonstriert und dabei die Farben Palästinas schwenkt, sollte diese Kleinigkeit wenigstens einmal erwähnen.

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