Gedanken eines Taxifahrers

Ein paar Gedanken vom Taxiphilosophen Tom Wolff.

Meine lieben Freunde und FahrgÀste,

seit weit mehr als zwanzig Jahren bin ich nachts mit dem Taxi und sehr viel Freude an meiner Arbeit auf den Kölner Straßen unterwegs gewesen, um Euch sicher von A nach B und manchmal sogar ĂŒber M nach Z zu bringen, doch das ist nun erstmal vorbei!

Seit fast zwei Wochen fahre ich nicht mehr mit dem Taxi, und zwar aus dem ganz einfachen Grund, weil es fĂŒr mich da draußen nachts nichts mehr zu tun gibt 
 und das ist ja auch gut so, wie wir alle wissen!

Stattdessen bin ich „aufs Land“ gezogen und kĂŒmmere mich seitdem um das Wohlergehen meiner Eltern, die beide ĂŒber 80 Jahre alt sind, und das ist eine wunderbare Erfahrung!

Dabei bemerke ich auch, dass sich mein Körper langsam auf „Tagleben“ umstellt, was ich vorher niemals fĂŒr möglich gehalten habe, und fange allmĂ€hlich an, mir Gedanken zu machen, wie ich mein Leben in der nĂ€heren Zukunft gestalten könnte.

WĂ€hrend dieser ganzen Zeit stand das Taxi geduldig vor meiner HaustĂŒre und hat sich auch nicht weiter ĂŒber diesen Zustand beschwert. Wie auch? Wir sind ja nicht in einem Trickfilm, wo Autos reden können!

Da aber so ein Taxi von der Grundidee her nicht zum Rumstehen gebaut wurde und ich als Taxifahrer auch Teil der DaseinsfĂŒrsorge in unserem Gemeinschaftsleben bin, werde ich meine Dienste bis auf Weiteres auch tagsĂŒber anbieten. Wie das im Detail aussehen wird, das kann ich bisher noch nicht sagen, denn das hektische Tagleben aus der Vor-Corona-Zeit war stets ein Grund fĂŒr mich, nicht vor dem Abend loszufahren.

Ich möchte mir deswegen in den nĂ€chsten Tagen ĂŒberlegen, wie ich diese Idee am besten umsetzen kann, was nicht ganz so einfach ist, weil ich keiner Vermittlung durch eine Funkzentrale angeschlossen bin und auch keine Taxi-App nutze, woran sich auch in Zukunft nichts Ă€ndern wird. Wer mich und meine Taxi-Philosophie kennt, der weiß auch, warum.

Wenn Du eine Idee fĂŒr mich hast oder Dich an die eine oder andere Begebenheit in meinem rollenden Wohnzimmer erinnern kannst, dann wĂŒrde ich mich sehr ĂŒber einen Kommentar oder eine Anregung freuen!

Hab vielen Dank fĂŒr Deine Aufmerksamkeit und bitte bleib gesund❣🍀

Dein Taxitom đŸ€ 

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Alles Scheiße, Deine Elli!

Eine Trauerrede fĂŒr Johannes van Aaken gehalten am 21. MĂ€rz 2020:

Johannes van Aaken
15. Februar 1964 bis 2. MĂ€rz 2020

Zwei Ă€ltere Damen in einem Erholungsheim unterhalten sich und die eine sagt: »GrĂ€sslich dieses Essen hier!« – Darauf die andere: »Genau, und dann diese kleinen Portionen!« Tja, genau so kommt mir das Leben vor: voller Einsamkeit und Elend und Leid und Traurigkeit, und dann geht es so schnell vorbei.“

Mit diesen Worten beginnt der Film „Annie Hall“ von Woody Allen. Diese Worte fielen mir als erstes ein, als ich ĂŒberlegte, wie ich die Trauerrede fĂŒr Johannes beginnen soll. NatĂŒrlich mit einem Witz. Das passt zu Johannes.

„Alles Scheiße, Deine Elli!“

Das hat Johannes gerne spaßeshalber gesagt, immer dann wenn Dinge nicht ganz so liefen, wie er sie geplant hatte. Er hatte diesen Satz sogar zu dem Palliativarzt gesagt, als er fragte, wie es ihm denn ginge. Na, wie sollte es ihm schon gehen?

„Alles Scheiße, Deine Elli!“

Es gibt da einen anderen Witz, der mir einfÀllt, wenn ich an Johannes denke. Er ist ganz kurz und doch so vielsagend: Wie bringt man Gott zum lachen? Mach einen Plan!

Es lief nicht alles nach Plan in Johannes Leben, aber darum geht es nicht. Es geht nicht immer darum, alles strikt nach Plan und Anweisung zu machen. Johannes wusste das auch. Von frĂŒhster Kindheit an war er ein Bastler. Wenn er sich was anschaffte, war es ein Auto oder eine Musikanlage, dann bastelte er daran herum.

Johannes schraubte auf, schaute nach, verbesserte hier und manchmal verschlimmbesserte er dort. Wenn etwas mal nicht so funktionierte, wie er sich das gedacht hatte, blieb immer noch sein Spruch:

„Alles Scheiße, Deine Elli!“

Johannes hat nie aufgegeben, wenn etwas nicht nach Plan lief. Er hat weiter gebastelt. Er hat immer wieder neuen Mut gefasst.

Auch im Angesicht seiner Krankheit hatte Johannes nie aufgehört, Dinge auszuprobieren und an bestimmte Heilverfahren zu glauben. Manchmal hat er mit seiner festen Überzeugung an die WirkmĂ€chtigkeit seiner Verfahren genervt, aber er hat sich damit stets selbst gestĂ€rkt.

Mir fĂ€llt daher noch ein weiterer Witz ein. Er ist ebenfalls sehr kurz. Karl Valentin hat einmal gesagt: „Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“

Kurz war auch Johannes Leben, viel zu kurz. Aber in diesem kurzen Leben hat Johannes gezeigt, wie tief der kurze Witz von Karl Valentin ist. Johannes hat diesen Witz gelebt: „Ich habe Hoffnung, wenn ich im Sterben liege, denn wenn ich keine Hoffnung habe, sterbe ich trotzdem.“

„Alles Scheiße, Deine Elli!“

Johannes hat gekÀmpft, bis zum Schluss. Als er aber ging, da ging er leise. Mit einem letzten ruhigen Ausatmen ist er gegangen, in Anwesenheit seiner Frau.

Talishja, Du hast mir gesagt, wie unglaublich Du diesen Mann geliebt hast und wie sehr er Dich geliebt hat. Die Trauer, die Du gerade spĂŒrst, der Schmerz muss unendlich sein, aber er ist ein Beweis fĂŒr die Wahrhaftigkeit Eurer Liebe. Von Viktoria Burkert kommt der Satz: „Wer lacht, hat meistens Wunden und wer fĂŒhlt, was wirklich ist, fĂŒhlt sofort, dass es weh tut, denn was schön ist und weh tut, ist wahr.“

Trauer ist Freude ĂŒber das, was einmal war. Eine der besten Definitionen von Witzen lautet. Witz ist Schmerz plus Zeit.

„Alles Scheiße, Deine Elli!“

Johannes wollte nicht, dass wir TrĂŒbsal blasen. In den letzten Wochen seines Lebens hatte er darum gebeten, zu einem Weinabend zu laden, sobald er gestorben sei, um in Anwesenheit seines Leichnams das Leben zu feiern. Dieser Plan sollte aufgehen.

Als Johannes gestorben war, kamen ein paar seiner Freundinnen und Freunden zusammen und wir tranken in seiner Erinnerung ein paar GlĂ€ser Wein. Ich erfuhr in der Zeit viel ĂŒber Johannes.

Von Adrienne erfuhr ich, dass Johannes manchmal aufbrausend sein konnte, aber auch kein Problem damit hatte, um Verzeihung zu bitten, wenn er einen Schritt zu weit gegangen war. Sie sagt ĂŒber ihn: „Johannes war ehrlich und gerade heraus. Und wenn er von etwas ĂŒberzeugt war, hat er dafĂŒr gekĂ€mpft. So auch in der langen Phase seiner Erkrankung.“

Patricia und Markus haben mir gesagt: „Johannes war ein sehr warmherziger Mensch, der die Kunst liebte. Wir sind sehr dankbar fĂŒr die gemeinsame Zeit mit ihm. Wir haben ihn immer im Herzen.“

Mechthild wiederum hat mir die Geschichte erzĂ€hlt, wie sie im Januar ĂŒber Nacht bei Talishja blieb, um sie zu unterstĂŒtzen. In der Nacht ging sie zu Johannes, weil er wach wurde und etwas zu trinken wollte. Sie erzĂ€hlte mir, dass sein GetrĂ€nkewunsch sehr spezifisch war. Er sagte: „Ich möchte eine Pina Colada!“

„Alles Scheiße, Deine Elli!“

Als Johannes starb, war neben seiner Frau auch sein LogopĂ€de Winfried Emmbach anwesend. Auch gegenĂŒber ihm hat Johannes immer wieder seine Witze rausgehauen. Einmal, als der LogopĂ€de mit ihm Übungen machen wollte, sagte Johannes: „QuĂ€l mich nicht oder ich rufe Amnesty International an!“

In Namen von Talishja möchte ich Ihnen, Herr Emmbach, einen tiefen Dank aussprechen fĂŒr alles, was Sie fĂŒr Johannes getan haben. Ich möchte auch noch einen anderen Mann erwĂ€hnen. Er war Johannes Seelenverwandter: Peter! Es tut mir so unendlich leid, dass Du Deinen Freund viel zu frĂŒh verloren hast.

„Alles Scheiße, Deine Elli!“

Es war Johannes’ Wunsch, dass ich einen besonderen Dank sage an Thomas OchsĂ© vom Hospiz Verein. Vielen Dank fĂŒr die wichtige Arbeit, die Sie fĂŒr Johannes und fĂŒr die vielen anderen Menschen vollfĂŒhren.

Diese Trauerfeier ist nicht so, wie sie geplant war. Eigentlich hĂ€tten hier deutlich mehr Menschen sein sollen. Hinterher hĂ€tten wir gut gegessen und wir hĂ€tten uns gepflegt an Johannes erinnert. Danke Jan Bons fĂŒr Deine Organisation.

Der Coronavirus hat uns jedoch einen Strich durch diesen Plan gemacht. Von Bertolt Brecht kommt der Satz: „Ja, mach nur einen Plan! Sei nur ein großes Licht! Und mach dann noch ’nen zweiten Plan. Gehn tun sie beide nicht.“

Jetzt sind wir hier, gerade mal acht Personen, alle mit zwei Meter Abstand voneinander, weil die aktuellen NotstandsverfĂŒgungen im Umfeld des Coronavirus‘ dies von uns verlangen. Acht Menschen waren auch auf der Arche Noah. Es ist die ganze Menschheit.

Wenn es einen Himmel geben sollte, dann sitzt Johannes da nun bestimmt mit Gott und sie lachen und lachen und lachen ĂŒber uns. Wie bringt man Gott zum lachen? Mach einen Plan!

In Johannes Leben ist nicht alles so gelaufen wie geplant. Er musste viel basteln, oft friemeln und einiges reparieren. Manchmal war sein Leben ein heißer Ritt in einem getunten Auto auf einem abgeernteten Acker. Dass er solche Fahrten als Teenager unternommen hatte, erzĂ€hlte mir sein Bruder Benedikt auf dem Leichenumtrunk.

Ich habe an diesem Abend viel ĂŒber Johannes erfahren. Ich weiß jetzt, warum er unbedingt wollte, dass dieser Umtrunk stattfindet.

Johannes Leben war eine wunderbare Improvisation. Wenn auch nicht jeder Plan aufging, manch ein Plan ging auf. Heute zum Beispiel wird Johannes‘ Plan aufgehen, dass sein letztes Lied vor seiner Beisetzung „Fly“ von Celine Dion ist, so Gott will. Die kanadische Lady hat zwar noch nicht gesungen, aber hey, was soll schon schief gehen. 😉

Catherine de la Roche wird heute fĂŒr Johannes singen und lesen, wie geplant und Johannes wird seine letzte Ruhe an einem Baum finden, wie geplant. Talishja hat sich bereits einen Platz an seiner Seite reserviert, ebenfalls wie geplant.

Alles andere aber, was hier heute passiert, war deutlich anders geplant. Vielleicht aber ist das die Erkenntnis aus dieser Veranstaltung. Dass es nicht darum geht, immer alles zu planen, sondern dass man manchmal die Dinge nur so nehmen kann, wie sie sich gerade offenbaren.

Daher werde ich Johannes heute einen ganz besonderen letzten Respekt erweisen und ihn so verabschieden, wie es sich fĂŒr Johannes gehört, wenn ein Plan nicht ganz so aufgegangen ist, wie er sich das gedacht hat. In tiefstem Respekt vor Johannes und in Anerkennung seiner Lebensleistung verneige ich mich vor seiner Urne und erklĂ€re:

„Alles Scheiße, Deine Elli!“

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Der italienische Patient

Mit Entsetzen nehmen wir die Nachricht zur Kenntnis, dass in italienischen KrankenhĂ€usern aufgrund von Alter darĂŒber entschieden wird, wem geholfen werden kann.

In Deutschland ist man darum bemĂŒht, alles dafĂŒr zu tun, dass solch grausame Entscheidungen bei uns nicht gefĂ€llt werden mĂŒssen. Dabei werden ebenso grausame Entscheidungen in Deutschland bereits gefĂ€llt und zwar tĂ€glich.

In Italien geschieht es, dass wenn ein 70-JĂ€hriger und ein 40-JĂ€hriger dringende Pflege benötigen, dem 70-jĂ€hrigen Patienten nicht geholfen wird, da nicht genĂŒgend Mittel vorhanden sind. Das der alte und der junge Mensch beide Italiener sind, zĂ€hlt nicht mehr.

In Deutschland ist nicht das Alter der Grund der Diskriminierung, es ist die NationalitÀt.

Obwohl Italien gerade dringend Hilfe braucht, weil zur Zeit in Italien die meisten Menschen weltweit an dem Coronavirus sterben, wird der Nation von Deutschland aus nicht geholfen, weil die Mittel fĂŒr potentielle deutsche Patienten gebraucht werden.

Italien ist der 70-jÀhrige und Deutschland der 40-jÀhrige Patient. Das beide EuropÀer sind, zÀhlt nicht mehr.

Wir sind in der Grausamkeit der Pandemie lÀngst angelangt.

„Aber die Mittel werden hier gebraucht! Wir mĂŒssen doch jetzt schauen, dass den Menschen, die hier leben, geholfen wird. Ich finde den Vergleich schwierig, gerade jetzt in dieser schweren Zeit. Ich glaube, wir sind das letzte Land, das Hilfe verweigert. Nur dieses Mal geht es einfach nicht.“

Ja, das stimmt. Das ist allerdings genau der Grund, warum jetzt auch manch einem alten Patienten nicht mehr geholfen werden kann. Es ist die Grausamkeit der Pandemie.

Wir mĂŒssen alles dafĂŒr tun, dass diese Grausamkeit aufhört.

Bild: Antonio Ruiz Tamayo

Netzfund: „Von europĂ€ischer SolidaritĂ€t war in den vergangenen Wochen wenig bis nichts zu spĂŒren. In der Corona-Ansprache der Bundeskanzlerin fiel das Wort Europa am Mittwoch kein einziges Mal. Wie nah, darf man fragen, sind sich denn die angeblich so dicken Freunde Deutschland und Frankreich im Angesicht einer existenziellen Bedrohung? Wie nah sind sich Deutsche und Italiener, wenn es um mehr geht als um die Planung des Toskanaurlaubs? Was bleibt von der Italienliebe, wenn der Nachbar wirklich Hilfe braucht? Die Italiener werden jedenfalls so schnell nicht vergessen, dass von den deutschen und französischen Nachbarn wenig bis keine Hilfe kam, als das Coronavirus bei ihnen lĂ€ngst wĂŒtete.“

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#CoronaKunst

Liebe Leserinnen und Leser,

Die momentane Situation rund um COVID-19 trifft freischaffende KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler mitten ins Mark. Daher habe ich eine persönliche Bitte an Sie.

Auf alle selbststĂ€ndig arbeitenden KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler kommen jetzt harte Zeiten zu. Das in vielen FĂ€llen eh schon am Existenzminimum gefĂŒhrte Leben wird durch die AusfĂ€lle im Theaterbereich auf eine harte Probe gestellt.

Kunst und die Arbeit von kunstschaffenden Menschen ist wertvoll.

Aufgrund des Virus werden Sie in den nĂ€chsten Tagen weniger ausgehen und vermutlich kein Theater besuchen. Sie wĂŒrden mich sehr glĂŒcklich machen, wenn Sie die so freigewordene Zeit nutzen, um im Internet zu schauen, ob Sie dort Kontakt zu einem KĂŒnstler oder einer KĂŒnstlerin ihrer Vorliebe aufnehmen können.

Wenn es eine Dichterin, einen Musiker, eine Kabarettistin, einen Stand-Up-Comedian, eine Schauspielerin, einen TĂ€nzer, eine Slam Poetin oder irgendeine andere Person gibt, deren Kunst sie wertschĂ€tzen, weil die Kunst etwas bei Ihnen bewegt hat und sei es auch nur ein Lachen oder eine TrĂ€ne gewesen, dann kontaktieren Sie diesen Menschen und bitten ihn um die Möglichkeit, ihm einen kleinen Beitrag zu ĂŒberweisen.

Wen es auch nur 10,- Euro sind, oder vielleicht 20,-, 50,- oder 100,- Euro, diese Geste wird unglaublich viel bewegen. Die Kunst ist eh schon ein hartes Brot, aber die kommenden finanziellen AusfĂ€lle werden viele freie KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler vor große Herausforderungen stellen.

Wenn Sie immer schon mal Danke sagen wollte fĂŒr die Kunst, die sie bewegt hat, so ist jetzt der richtige Augenblick gekommen.

Ich bin auch KĂŒnstler. Selbst wenn ich nur von einem Menschen angeschrieben werde, der mir etwas Geld ĂŒberweisen möchte, so wird mir damit schon geholfen sein. In Zeiten der Ungewissheit ist schon ein kleines Pflaster der Zuversicht und SolidaritĂ€t sehr wirksam.

UnterstĂŒtzen Sie einen KĂŒnstler oder eine eine KĂŒnstlerin Ihrer Wahl.

Sollten Sie diese Aktion unterstĂŒtzen, teilen Sie diesen Text gerne mit dem Hashtag #CoronaKunst

Sollten Sie eine KĂŒnstlerin oder ein KĂŒnstler sein, der oder die etwas Hilfe gebrauchen kann, nutzen Sie diesen Hashtag: #CoronaKĂŒnstler oder #CoronaKĂŒnstlerin

So weiß jeder, dass Sie von dieser Aktion wissen und muss Sie nur noch fragen, wie auf auf welches Konto er oder sie die Überweisung tĂ€tigen soll. Es ist keine Schande, um Hilfe zu bitten, wenn Sie gebraucht wird.

Lassen Sie diese Aktion ein Virus fĂŒr die Kunst und fĂŒr das Leben werden.

#CoronaKunst soll sich grĂ¶ĂŸtmöglich verbreiten, damit es so viel Hilfe wie möglich geben kann.

Lassen Sie sich infizieren von der Hilfsbereitschaft.

Alles Liebe und bleiben Sie gesund,
Gerd Buurmann

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Erdoğan ist kein Gastarbeiter fĂŒr Europa

Wie schmutzig muss die Arbeit gewesen sein, die die tĂŒrkische Regierung fĂŒr Deutschland gemacht hat? Sehr schmutzig, wie wir jetzt sehen.

Jeder selbstverliebte Wolkenkuckucksprinz, der sicher in seinem ökologisch artgerechten Garten lustwandeln möchte, bevor er abends bei Bio-Wein und lokalem Walnussbrot darĂŒber philosophiert, was es bedeutet, ein gutes und gerechtes Leben zu fĂŒhren, muss die schmutzige Arbeit zur Sicherung seines Ökosystems delegieren.

In der TĂŒrkei hatte Europa und vor allem Deutschland einen willigen Gastarbeiter fĂŒr das schmutzige StaatsgeschĂ€ft der Grenzsicherung gefunden. Der deutsche Prinz sagte, es gĂ€be keine Obergrenze in der FlĂŒchtlingsfrage und der tĂŒrkische Gastarbeiter sorgte dafĂŒr, dass der deutsche Prinz das weiter glauben konnte. Jetzt hat Erdoğan beschlossen, diese Arbeit nicht mehr zu vollrichten und die Öffnung der Grenzen seines Landes zu Griechenland angekĂŒndigt: „Wir werden unsere Tore nicht fĂŒr FlĂŒchtlinge schließen.“

Jetzt muss Europa die Arbeit wieder selber tun und das bedeutet, dass die Frage erneut aufkommen wird: Was ist die Obergrenze?

Kein Raum hat unendliche KapazitĂ€t. Die Obergrenze fĂŒr FlĂŒchtlinge liegt dort, wo ein Land nicht mehr in der Lage ist, sich um die FlĂŒchtlinge zu kĂŒmmern. Nur wer weiß, wieviel Hilfe er geben kann, kann auch helfen.

Als Ende 2015 am MĂŒnchener Hauptbahnhof eine ungewohnt hohe Zahl von FlĂŒchtlingen ankam und sie von applaudierenden Deutschen empfangen wurden, da fielen ĂŒberall die SĂ€tze: â€žJetzt zeigt Deutschland sein freundliches Gesicht“ und â€žAuf dieses Deutschland bin ich stolz!“

Mir waren die Deutschen, die das selbstergriffen patriotisch und trĂ€nengerĂŒhrt stolz in die Kameras sagten, von Anfang an suspekt. Ich hatte nĂ€mlich das GefĂŒhl, dass es ihnen gar nicht um die FlĂŒchtlinge ging, sondern nur um ihr eigenes Image! Sie benutzten die FlĂŒchtlinge, um ihr eigenes schlechtes Gewissen zu beruhigen. WĂ€re es ihnen um die FlĂŒchtlinge gegangen, sie hĂ€tten sich der Verantwortung stellen mĂŒssen, die mit der Hilfsbereitschaft einhergeht: Die Frage nach der Grenze der eigenen KapazitĂ€t.

Es herrschte in Deutschland von Anfang an eine grenzenlose NaivitĂ€t im Umgang mit der FlĂŒchtlingssituation. Die FlĂŒchtlinge, die aus Syrien und anderen Kriegsgebieten kamen, waren durch Krieg traumatisierte und brutalisierte Menschen, die aus zerbrochenen Clanstrukturen stammten, zusammengehalten von einer autoritĂ€ren Religion, gegrĂŒndet von einem patriarchalen Feldherren. Sie in ĂŒberfĂŒllte, enge RĂ€ume und Zelte zu zwĂ€ngen, nicht selten zusammen mit Menschen aus LĂ€ndern und Kreisen, mit denen sie in der Heimat im Krieg lagen, ist das Gegenteil von Hilfe. Es ist ein FortfĂŒhren des Kriegs mit anderen Mitteln. In einer Gemeinde, in der hoch traumatisierte und brutalisierte FlĂŒchtlinge in Lager gepfercht werden, ist die Obergrenze erreicht.

Idealisten handeln nach dem Motto: „Ich will morgens in den Spiegel schauen können!“ Menschen aber, die wirklich helfen wollen, leben nach dem Motto: „Ich will morgens aus dem Fenster schauen können!“

Europa ist eine Figur der griechischen Mythologie. Eine weitere bekannte Figur ist Ikarus! Er war der Sohn des DĂ€dalus und wurde zusammen mit seinem Vater von König Minos im Labyrinth des Minotauros auf Kreta gefangen gehalten. Zur Flucht erfand DĂ€dalus FlĂŒgel fĂŒr sich und seinen Sohn, indem er Federn mit Wachs an einem GestĂ€nge befestigte. Vor dem Start schĂ€rfte er Ikarus ein, nicht zu hoch und nicht zu tief zu fliegen, da sonst die Hitze der Sonne beziehungsweise die Feuchte des Meeres zum Absturz fĂŒhren wĂŒrde. Zuerst ging alles gut, aber dann wurde Ikarus ĂŒbermĂŒtig und stieg so hoch hinauf, dass die Sonne das Wachs seiner FlĂŒgel schmolz, woraufhin sich die Federn lösten und er ins Meer stĂŒrzte. Der verzweifelte DĂ€dalus benannte die Insel, auf der er seinen Sohn beigesetzt hatte, zur Erinnerung an sein Kind Ikaria.

All die Bilder, die uns jetzt schockieren, hat es vorher auch schon gegeben. Sie haben uns damals jedoch einfach nicht interessiert, weil die schmutzige Arbeit der Grenzsicherung von tĂŒrkischen Gastarbeitern verrichtet wurde.

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Ein (ruhiger) Tag in Dunkerque

Um dem Trubel des Kölner Karnevals zu entfliehen, reiste ich in den Norden Frankreichs nach Dunkerque auf der Suche nach etwas Ruhe. Hier mein Bericht:

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Der Dom und die Moschee

Kölns OberbĂŒrgermeisterin Henriette Reker hat alle Karnevalstermine fĂŒr heute abend abgesagt. Sie nimmt stattdessen an der Demo „Köln gegen Rechts“ vor dem Kölner Dom teil. Sie erklĂ€rt:

„Nach dem furchtbaren rassistischen Mordanschlag in Hanau mit zehn Toten, vielen Verletzten und dem unfassbaren Leid, das ĂŒber Familien und Freunde der Opfer und die ganze Stadt Hanau gebracht wurde, ist es mir wichtig, als OberbĂŒrgermeisterin der Stadt Köln ein Zeichen zu setzen“, begrĂŒndet Henriette Reker ihre Absage. „Ich werde deshalb am Freitagabend um 18 Uhr auf dem Roncalliplatz an der Demo von ‚Köln gegen Rechts‘ teilnehmen. Wir mĂŒssen gemeinsam gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auf die Straße gehen.“

Apropos Kölner Dom. Als das Richter-Fenster von Gerhard Richter im SĂŒdquerhausfenster des Kölnern Doms am 25. August 2007 im Rahmen einer Messfeier eingeweiht wurde, da dauerte es nicht lange, bis sich Kardinal Meisner zu dem neuen Fenster Ă€ußerte.

„Wenn wir schon ein neues Fenster bekommen, soll es auch deutlich unseren Glauben widerspiegeln. Und nicht irgendeinen“, ließ der Kardinal in einem Interview mit der Express verlauten und fand sogar noch deutlichere Worte. Das Fenster passe â€žeher in eine Moschee oder ein anderes Gebetshaus“ als in die gotische Kathedrale. Was Kardinal Meisner bei seinen AusfĂŒhrungen jedoch nicht bedacht hatte: Im Jahr 1965 war der Kölner Dom eine Moschee.

Als in den 1960er Jahren muslimische Gastarbeiter nach Deutschland kamen, gab es in Köln noch kein Haus, wo die GlĂ€ubigen zu Allah beten konnten. Darum stellte der Kölner Dom kurzerhand seine beiden nördlichen Seitenschiffe islamischen Gottesdiensten tĂŒrkischer Arbeitsmigranten zur VerfĂŒgung. Die GebetsbĂ€nke wurden weggerĂ€umt und die Gebetsteppiche ausgerollt!

Am 3. Februar 1965 betraten rund 400 tĂŒrkische Gastarbeiter mit zusammengerollten Gebetsteppichen unter ihren Armen den Kölner Dom, um das Ende des Ramadans zu feiern. Jene Muslime, die sich keinen Teppich leisten konnten, hatten Zeitungen mitgebracht. Auf den Steinfliesen des Kölner Doms breiteten sie ihre Gebetsteppiche und Zeitungen aus und neigten ihr Haupt gen Mekka. Ein Imam leitete den Gottesdienst im Schatten der Kerzen, Kreuze, AltĂ€re, Statuen und in Anwesenheit des Kölner Kardinals Joseph Frings. Am 3. Februar 1965 erschallte erstmals das Gebet „Allahu akbar“ im Kölner Dom. Die ZEIT titelte am 12. Juni 1965:

„Muselmanen beten im Kölner Dom“

Die damalige Dompropstei betonte Journalisten gegenĂŒber, dass das Bereitstellen von Möglichkeiten fĂŒr die Gottesdienste AndersglĂ€ubiger in Kölner Kirchen durchaus „nichts Ungewöhnliches“ sei.

Das Wort Moschee bedeutet „Ort der Niederwerfung“. Der Kölner Dom wurde somit im Jahr 1965 die höchste Moschee Europas mit 157 Metern. Die Muslime nahmen die Moschee dankend an, indem sie nach den Gebeten Geld in den Opferstock warfen. Die Muslime befolgten im Kölner Dom somit vier der fĂŒnf SĂ€ulen des Islams: Glaubensbekenntnis, Gebet, Fasten und Almosen.

Somit war der Kölner Dom mal eine Moschee. Das Richter-Fenster mit einer FlĂ€che von 113 mÂČ auf der 11.263 Farbquadrate in 72 Farben mit den Maßen 9,6 cm x 9,6 cm nach dem Zufallsprinzip angeordnet sind, hĂ€ngt somit durchaus am richtigen Platz.

Es gibt in Köln aber auch eine neue Moschee.

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