Kommentar zum „Aufruf gegen den Gender-Unfug“

Eine beeindruckende Allianz hat sich formiert. Dieter Hallervorden, Dieter Nuhr, Bastian Sick und Prinz Asfa-Wossen Asserate gehören zu den vielen Unterzeichnenden der Petition „Aufruf gegen den Gender-Unfug“ der Arbeitsgemeinschaft „Gendersprache im Verein Deutsche Sprache e.V.“, in der es heißt:

„Wir wollen uns nicht an den Gender-Neusprech gewöhnen. Deshalb fordern wir alle Mitbürger auf, aktiv dagegen zu protestieren und entsprechende Richtlinien, Verordnungen und Vorschriften scharf zurückzuweisen.“

Wenn schon alle Mitbürger aufgefordert sind, aktiv zu protestieren, dann möchte ich dem Aufruf folgen und fragen: Sind die Mitbürgerinnen auch dazu aufgefordert? Wie auch immer die Antwort auf meine Frage ausfallen mag, stelle ich fest, dass ich der Petition in dem folgenden Punkt entschieden zustimme:

„Sprache macht uns Menschen einzigartig. Sie ist Ausdruck des Denkens und Fühlens, stiftet Identität, unterscheidet und verbindet uns. Sie ist ein historisch gewachsenes Ausdrucksmedium, das stetig verwandelt wird — durch unser aller Gebrauch: Wir denken und dichten, schreiben und schäkern, verhöhnen und versöhnen uns in diesem Medium.“

Niemals darf es einer Politik gestattet werden, den Bürgerinnen und Bürgern zu befehlen, wie sie zu sprechen haben. Identität, Denken und Fühlen lassen sich nicht widerstandslos verordnen. Jede Ideologie, die es versucht hat, ist letztendlich gescheitert. Deshalb sollte auch in der heutigen Republik das Gewaltmonopol des Staates nicht dazu missbraucht werden, die Sprache des Souveräns und der Souveränin zu diktieren. Sprache darf nicht befohlen werden. Sie muss frei sein, um sich entwickeln zu können. Die Petition irrt jedoch in diesem Punkt:

„Die deutsche Sprache ist nicht „ungerecht“. Sie benachteiligt niemanden.“

Wenn Sprache Ausdruck des Denkens und Fühlens der Gesellschaft ist, wie in der Petition korrekt konstatiert wird, dann ist sie auch Ausdruck all der negativen Aspekte der Gesellschaft. Dazu gehört auch die lange Zeit der politischen und gesellschaftlichen, institutionalisierten Diskriminierung der Frau aufgrund ihres Geschlechts. In der Petition steht:

„Wir haben die Faxen dicke! Gendersprache spaltet Worte, Gemüter, unser Sprachhandeln, und letztlich die Gesellschaft (…) Das ist ein tiefer Eingriff in Köpfe, Körper, Persönlichkeitsrechte und gewachsene soziale Kommunikationsstrukturen!“

Ich kann es nur zu gut verstehen, die Faxen dicke zu haben. Es waren Frauen, die die Faxen dicke hatten, die dafür gekämpft haben, dass Frauen studieren dürfen (ab 1908 in Preußen), wählen können (erstmals 1919 in der Weimar Republik), ohne Erlaubnis ihres Mannes arbeiten dürfen (seit 1977) und ihren Ehemann wegen Vergewaltigung anzeigen können (seit 1997). Die Sprache spaltet nicht, die Sprache zeigt, dass wir gespaltet sind.

Es ist unfassbar, wieviele No-go-Areas für Frauen in Deutschland existieren. So wie sich Ausländer in manchen Gebieten der Republik nicht sicher bewegen können, so wie es für Juden Stadtviertel gibt, in denen sie jüdische Symbole lieber nicht offen zeigen, so kennen Frauen in allen Gemeinen und Städten dieses Landes Angsträume. Fragen Sie mal eine Frau aus Ihrem Bekanntenkreis, welche Sicherheitsvorkehrungen sie täglich unternimmt, um sich vor sexistischen Anschlägen zu schützen. Sie parken nur in gut beleuchteten Bereichen, schauen auf den Rücksitz, bevor sie in ihr Auto einsteigen, halten ihre Schlüssel als mögliche Waffe in der Hand, variieren ihren Weg von der Arbeit nach Hause, gehen nicht nachts joggen, tragen beim Laufen keine Kopfhörer, vermeiden Wälder, auch tagsüber, passen auf, dass sie nicht zu viel trinken, gehen nicht mit einem fremden Mann in einen Aufzug, setzen ihre Getränke nicht ab, tragen Pfefferspray mit sich und schauen stets nach Fluchtmöglichkeiten.

Das ist die traurige Realität in Deutschland. Es brauchte keine Gendersprache dazu. Die Sprache ist lediglich Ausdruck dieser Spaltung. Auch in der Petition wird auf die Spaltung innerhalb der Gesellschaft hingewiesen.

„Wer sich dagegen verwehrt, wird von den Aposteln der Vielfalt reflexartig als rechtsradikal, antifeministisch, homophob, rassistisch, antisozial, antidemokratisch, fremdenfeindlich und ewig gestrig verleumdet. Das nehmen wir nicht länger hin.“

Zurecht. Das Verleumden des politischen Gegners und der politischen Gegnerin ist mittlerweile zur erbärmlichen Routine geworden. Nicht selten werden die oben genannten negativen Zuschreibungen benutzt, nicht etwa, um auf tatsächliche Missstände aufmerksam zu machen, sondern um andere Menschen zu entmenschlichen, um ihnen so dann das Menschenrecht auf Meinungsfreiheit absprechen zu können.

Es gibt Menschen, die fühlen sich so frei von jedem Zweifel und so sicher, auf der richtigen Seite zu stehen, dass sie sogar Gewalt rechtfertigen oder billigend in Kauf nehmen, um ihre Gewissheit zu manifestieren. „Wehret den Anfängen“ brüllen diese gerechten Putztruppen und meinen damit doch nur die Anfänge einer Zukunft, die sie aus Panikmache konstruieren. Mit den Mitteln der Angst nehmen sie andere Menschen als Geisel ihrer Vermutung. Diese Angst ist die Wurzel des totalitären Denkens, die Gewalt über Gedanken als Präventivschlag ermöglicht. Wer einmal einen Menschen erfolgreich aus dem Diskurs entfernt hat, weil er ihn ihn diffamiert hat, wird diese Strategie weiterverfolgen.

Frauen kennen diese Strategie der Diffamierung durch Sprache nur zu gut. Sie werden entweder mit Begriffen wie „Schlampe“ oder „Fotze“ beleidigt, ganz so, als sei selbst ein derber Ausdruck für das weibliche Geschlecht eine Beleidigung oder Begriffe des weiblichen Stolzes werden verächtlich gemacht. Es ist schlicht unverständlich, dass die Begriffe „Emanze“ und „Feministin“ heute einen negativen Ruf haben, obwohl sie lediglich für den heroischen Kampf stehen, der auf diese einfache Formel von Hedwig Dohm gebracht werden kann: „Die Menschenrechte haben kein Geschlecht!“

„Wir stehen für eine lebendige, menschliche, Sprache ein, in der wir ausdrücken, was wir denken und klar benennen was wir wollen“, heißt es in der Petition. Dann möchte ich mal eine kleine Geschichte in dieser Sprache erzählen:

Ein Vater und sein Sohn haben einen schrecklichen Unfall auf einer Autobahn. Der Vater ist sofort tot. Der Sohn jedoch wird lebensgefährlich verletzt in eine nahe gelegene Ambulanz gebracht. Ein Team von Ärzten nimmt sich des schwer verletzten Jungen an. Plötzlich ruft jemand von den Ärzten: „Ich kann ihn nicht operieren. Er ist mein Sohn!“

Wie ist das möglich?

Die Antwort ist vollkommen simpel und doch gibt es viele Menschen, die nicht darauf kommen. Probieren Sie es einfach selber einmal aus. Der Arzt ist die Mutter des Sohnes. Mit dem Begriff „Team von Ärzten“ wurde schließlich nichts über das Geschlecht der Ärzte gesagt. Dennoch stellt sich in den Köpfen der meisten Menschen, die diesen Begriff hören, nicht die Möglichkeit ein, die Ärzte könnten weiblich sein. Hätte ich von einem Team von Ärztinnen und Ärzten gesprochen, hätte sich dieses Verständnisproblem nicht gegeben.

Allerdings hat die Silbe „-in“ auch einen Nachteil. Diese kleine Silbe betont das Geschlecht einer Person in einem Umfeld, wo das Geschlecht nicht von Bedeutung ist. Ich muss nicht wissen, welches Geschlecht ein Bäcker hat, um herauszufinden, ob sie gute Brötchen backt. Wenn sie gute Brötchen backt, dann ist sie meine Bäcker! So einfach ist das.

Ein Bäcker ist eine Person, die backt. Eine Bäckerin jedoch ist eine Person, die backt und weiblich ist. Während es für einen Bäcker irrelevant ist, was er oder sie zwischen den Beinen hat, wird die Weiblichkeit für die Bäckerin sprachlich konstitutiv. Der Mann ist Mensch, die Frau aber ist ein weiblicher Mensch. Simone de Beauvoir hat es in ihrem Meisterinnenwerk „Das Andere Geschlecht“ treffend analysiert. „On ne naît pas femme: on le devient.“ Der Mann ist Mensch (homme) die Frau ist Frau (femme).

Mit der Silbe „-in“ wird genau dieses Dilemma verstärkt. Stellen wir uns mal vor, es gäbe die Silbe „-on“, mit der betont wird, dass jemand männlich ist. Männer wären dann Lehreronnen, Juristonnen, Klemptneronnen und Zahnarzthelferonnen. Wie würden Männer wohl darauf regieren? Ich würde denken: Was genau tut jetzt mein Geschlecht hier zur Sache? Ich schreibe Texte. Was hat mein Penis damit zu tun? Ich tippe nicht mit meinem Penis, wirklich nicht. (Nicht, dass ich es nicht mal versucht habe.)

Ich bin ein Mann. Ich kenne das Gefühl nicht, über mein Geschlecht als das Andere vom Eigentlichen definiert zu werden. Es gibt keine extra Silbe für mich. Mannsein ist keine Abweichung von der Norm. Frausein jedoch schon und es wird sogar sprachlich über eine Derivation manifestiert. Eine Ärztin ist ein Arzt mit der Abweichung, Frau zu sein. Da soll noch mal wer sagen, die Sprache sei nicht ungerecht. Ein anderes gutes Beispiel ist folgender Dialog:

„Hast Du gehört? Herta Müller ist Schriftstellerin des Jahres geworden!“

„Und wer ist Schriftsteller des Jahres geworden?“

Wäre gesagt worden, Herta Müller sei Schriftsteller des Jahres geworden, hätte es dieses Problem nicht gegeben. Wird aber gesagt, „Morgen findet ein Treffen der Schriftsteller des Jahres statt“, dann denken wieder viele nicht an Frauen.

Es ist ein Dilemma, für das es keine einfache Lösung gibt. Auf der einen Seite kann die konsequente Weigerung der Nutzung der Silbe „-in“ dazu führen, dass Frauen ausgespart und verschwiegen werden, so dass sich jede Frau ständig fragen muss, ob sie auch (mit-)gemeint ist; auf der anderer Seite kann die konsequente Nutzung der Silbe dazu führen, dass Frauen in einer Art über ihr Geschlecht definiert werden, wie es bei Männer nicht der Fall ist.

Es gibt noch eine andere Variante der oben zitierten Geschichte:

Drei Bauarbeiter sind in der Pause. Zwei trinken Bier. Die beiden Biertrinker fragen die dritte Person: „Was ist denn los?“ Da sagt sie: „Ich bin schwanger!“

Auch diese Version zeigt, dass bei dem Begriff „Bauarbeiter“ nicht automatische die Möglichkeit des Frauseins mitgedacht wurde. Es gibt allerdings auch Variation auf diese Geschichte:

Drei Bauarbeiter sind in der Pause. Zwei trinken Bier. Die beiden Biertrinker fragen die dritte Person: „Was ist denn los?“ Da sagt sie: „Ich bin Moslem!“

Diese Version zeigt, dass bei dem Begriff „Bauarbeiter“ auch die religiöse Zugehörigkeit nicht mitgedacht wird. Es wäre jetzt jedoch mehr als befremdlich, wenn wir anfangen würden, Silben, Sternchen, Gaps und andere grammatikalische Derivationen für religiöse Zugehörigkeiten, Hautfarben oder Nationalitäten einzuführen. Bei Geschlechtern ist eine solche Grammatik jedoch Realität. Durch die Existenz des grammatikalischen Geschlechts und der Silbe „-in“ wird die deutsche Sprache bereits gegendert.

Ich kann es als Mann nicht nachempfinden, was es bedeutet, in einer Sprache denken zu müssen, die mich ständig vor Identitätskrisen stellt. Die Sprache lässt sich aber nicht per Dekret ändern. Sprache ändert sich durch Gebrauch und vor allem über Jahrhunderte. Unsere Sprache ist älter als wir alle. Sie wird uns alle überleben und sich dabei ständig ändern. Das ist unser Schicksal aber auch unsere Chance.

Die Petition jedoch unterschreibe ich nicht, denn so sehr ich auch verstehen kann, dass die Unterzeichnenden der Petition die Faxen dicke haben, weil sie das Gefühl haben, gezwungen zu werden, ihre geliebte Sprache neu zu gendern, so sehr kann ich verstehen, dass es für einige Frauen nicht leicht ist, in einer Sprache zu denken und zu kommunizieren, die bereits gendert und das im Zweifel zu Ungunsten der Frau.

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„Die Menschenrechte haben kein Geschlecht!“

Der Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter ist die größte Revolution, die die Menschheit je erlebt hat. Diese Revolution hat die ganze Bevölkerung befreit. Die Frauen, die in dieser Revolution kämpft haben, sind Heldinnen, die nicht selten staatlicher Repression und sogar politischer Verfolgung ausgesetzt waren.

Die Aufklärung beginnt mit der Gewissheit, dass alle Menschen in ihren Rechten gleich geschaffen sind. Die großartige Schriftstellerin Hedwig Dohm, die ihr Leben lang für das Frauenwahlrecht gekämpft hatte und am 19. Januar 1919 in hohen Jahren und kurz vor ihrem Tod das erste Mal wählen durfte, hat es auf folgende einfache Formel gebracht:

“Die Menschenrechte haben kein Geschlecht!“ 

Am 19. Januar 1919 konnten Frauen zum ersten Mal in Deutschland wählen und gewählt werden. Dieser Tag ist somit die Geburtsstunde der Demokratie in Deutschland, denn von einer Demokratie kann nicht gesprochen werden, wenn über die Hälfte der Bevölkerung nicht wählen darf.

In Frankreich wird die französische Revolution am 14. Juli gefeiert. In den Vereinigten Staaten von Amerika wird die Unabhängigkeit am 4. Juli gefeiert. Beide Revolutionen befreiten nicht die Frauen. Die feministische Revolution jedoch befreite alle Menschen. Diese Revolution wird am 8. März gefeiert.

Zum Internationalen Frauentag präsentiert Tapfer im Nirgendwo ein paar feministische Texte der letzten Jahre von Gerd Buurmann:

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Ärzte in Grenzen – 14. August 2010:

Tankred Stöbe, der Präsident des deutschen Zweigs der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ hat in einem Gespräch über das Engagement seines Hilfswerk in den Überschwemmungsgebieten im islamischen Pakistan gesagt, es sei selbstverständlich, dass seine Kolleginnen in Pakistan Kopftücher trügen, um auch von der Bevölkerung akzeptiert zu werden. Zudem würden Frauen in Pakistan nur von Ärztinnen behandelt. Der Respekt vor der Kultur gehe sogar soweit, dass eine Frau gar nicht behandelt werde, so dies der Ehemann wünscht.

Mein „Nein“ zur Quote – 3. Februar 2011

„Die überwiegende Mehrheit der Männer in Spitzenpositionen scheint sich damit abgefunden zu haben, dass sie ihre Stellung allein ihrem Geschlecht verdanken. Ich finde eine solche Haltung mehr als unmännlich. Diese Männerquote ist eine Infragestellung der Qualifaktionen des Mannes schlechthin. Daher muss diese Quote einfach weg!“

Frauenparkplätze – 28. September 2011

Warum diskutieren wir eigentlich das Für und Wider der Frauenquote, wenn es doch Gesellschaften auf der Welt gibt, in denen nur die Männerquote herrscht? Solange ich in einer Welt lebe, in der Frauen das Wirken in gewissen Bereichen verboten wird, ist nicht die Existenz der Frauenquote (50% den Männern) das Problem, sondern die Existenz der Männerquote (100% den Männern).

An die Frauen des arabischen Frühlings – 2. Februar 2012

„Frauen der Arabischen Revolution, hier beginnt die Verhüllung des Grausigen durch wohl klingende Worte, wie wir sie aus allen Gewaltregimen kennen. Sie reden von schnellen Prozessen, aber meinen den kurzen Prozeß! Sie reden von Tugend, aber meinen das Schafott! Sie reden von Demokratie, aber meinen den Terror. Auf die Französische Revolution folgte eine Schreckensherrschaft wie auf die Iranische Revolution Ende des 20. Jahrhunderts die Islamische Diktatur folgte. Robespierre verpackte seine Grausamkeiten in schöne Worte. Die Schreckensherrschaften Eurer Revolution süßen ihre Grausamkeiten mit der Natur und Allah. Sie verhüllen Ihre Absichten, so wie sie Euch unter Stoff zu verhüllen suchen.“

Ein olympischer Vorschlag – 29. Juli 1012

Selbst wenn es nur eine Frau gibt, die besser sein kann als der beste Mann, so hat sie dennoch das Recht, gegen Männer anzutreten und, statt auf ihre vermeintliche Natur reduziert, auf ihr offensichtliches Talent konzentriert zu werden. Wenn Frauen wirklich nicht so gute Leistung bringen können sollen wie Männer, dann gibt es keinen Grund, dass gemeinsame Kräftemessen zu verbieten. Etwas das nicht gebrochen werden kann, braucht nicht verboten werden. Nur Machbares wird verboten! Keiner Frau darf es verboten werden, gegen Männer anzutreten.“

Frauen unerwünscht – 7. Juni 2013

„Für eine gewisse Menschengruppe gibt es in Deutschland überall No-Go-Areas: Frauen! In jeder Stadt gibt es Parks, Straßen, Viertel, wo eine Frau, die dort alleine spazieren geht, Ängste verspürt, die ich als Mann nicht kenne. Übergriffe gegen Frauen passieren täglich und reichen von Beleidigungen über Missbrauch bis Vergewaltigung und Mord. Was manchen Menschen in Deutschland an Hass entgegengebracht wird wegen ihrer Hautfarbe kennt jede Frau. Bei ihr ist es nur das Geschlecht.

Menschenrechte nicht für Frauen – 19. Juni 2013

Man mag mich für radikal halten, aber ein Kandidat, der als gemäßigt bezeichnet wird, sollte doch bitte nicht über 50 Prozent des erwachsenen Volkes elementare Menschenrechte verweigern. Ein Kandidat, der das Wort „Reform“ verdient, muss allen Menschen Menschenrechte garantieren. Auch für JournalistInnen sollte diese Sprachregelung gelten.

Küssen verboten – 16. Dezember 2013

„Die Prinzessin hat den Frosch nicht geküsst! Sie hat den Frosch an die Wand geworfen! Eine Frau muss nämlich nie und nimmer und unter keinen Umständen mit jemandem ins Bett, wenn sie nicht will. Ein Widerling ändert sich nicht, wenn man ihn küsst. Ein Widerling gehört an die Wand geklatscht!“

Gegen die Natur – 24. November 2014

„Recep Tayyip Erdogan hält die Gleichberechtigung von Mann und Frau für keine gute Idee. Er sagt: Man kann Frauen und Männer nicht gleichstellen. Das ist gegen die Natur!“

Schlag Sie! – 14. Februar 2015

„Die Jungs nehmen das Mädchen nicht ernst! Sie haben schlicht keinen Respekt und keine Furcht vor Martina, weil sie ein Mädchen ist! Männer, die Frauen nicht schlagen, weil sie Frauen sind, tendieren eher dazu, Frauen zu schlagen! Die Abneigung dieser Männer, Frauen zu schlagen, entspringt lediglich ihrem verqueren Bild von Frauen als Objekt, als schönes Etwas, das man nicht einfach so ohne Grund kaputt machen darf. Was aber, wenn ein Mann plötzlich Gründe sieht?“ 

Wie lange noch? – 13. April 2015

„Fünfzig Jahre liegen somit zwischen dem ersten schwarzen Mann, der in Amerika wählen durfte und der ersten Frau, die in Amerika wählen durfte. Frauen wurden in den USA deutlich länger ihrer Rechte beraubt als schwarze Männer.“

Die ungehaltene Rede – 6. Februar 2016

„Oft bin ich für meinen Ausspruch mit der Armlänge gescholten worden. Jetzt aber weiß ich, wie wir das Problem mit der Gewalt gegen Frauen am besten lösen können. Wir machen es einfach wie die Roten Funken und lassen keine Frauen rein! Wo keine Frauen, da auch kein Angriff auf Frauen!

Bauer wird Frau – 10. Februar 2016

„Der Bauer im Kölner Dreigestirn soll fürderhin von einer Frau dargestellt werden. Das ist Emanzipation, wie man sie von Köln erwartet und ist eine würdige und überfällige Anerkennung der Frauen in der Geschichte Kölns!“

4 Stunden und 38 Minuten – 11 März 2016

„In der schwedischen Stadt Östersund rät die Polizei Frauen, nach Einbruch der Dunkelheit nicht alleine auf die Straße zu gehen, um nicht von einer „Welle der Gewalt gegen Frauen“ erfasst zu werden. Am 21. Dezember wird die Sonne in Östersund um 9:40 Uhr aufgehen und um 14:18 Uhr schon wieder untergehen. Das sind also nur 4 Stunden und 38 Minuten, in denen die Frauen von Östersund relativ sicher sind.“

Frauenhass beim Frauenmarsch – 5. Februar 2017

„Ayaan Hirsi Ali ist eine amerikanische Politikwissenschaftlerin und Feministin somalischer Herkunft. Sie ist eine der bekanntesten Kritikerinnen des Islams. Im Alter von fünf Jahren wurde ihre Vagina auf Veranlassung ihrer Großmutter verstümmelt. Knapp vierzig Jahre nach dieser Barbarei wurde am 8. März 2011 der Wunsch ausgesprochen, ihre ganze Vagina möge entfernt werden.“

Verfickt nochmal, ich hab‘ Respekt vor Pilz – 13. April 2017

„Ich kann gar nicht in Worte fassen, was für einen Respekt ich vor Pilz habe. Ich kannte diese Frau bis gestern nicht. Das hat sich jetzt geändert. Aber massiv! An alle, die wie ich mit Worten arbeiten, mögt Ihr nun Slam Poeten, Stand up Comedians, Rapperinnen, Schriftsteller oder Dichterinnen sein: Diese Frau killt uns alle!“

Gedanken zum Kopftuch – 9. August 2017

Es gibt viele Gründe, ein Kopftuch zu tragen. Bei gewissen Wetterlagen zum Beispiel kann ein Kopftuch sehr hilfreich sein. Es ist nicht wichtig, was auf dem Kopf ist, sondern was in dem Kopf ist. Wenn sich aber eine Frau verhüllt und dies mit einem unsichtbaren Freund begründet, der einem männlichen Feldherren vor eineinhalb Jahrtausenden gesagt haben soll, wie sich Frauen von heute anzuziehen haben, dann ist meiner bescheidenen Meinung nach noch viel Platz in diesem Kopf frei.

Ohne Frauen für Deutschland – 11. Oktober 2017

Ohne Frauen für Deutschland! Eine patriotische Geschlechtertrennung! Das ist mal ein klares und bedingungsloses Bekenntnis für Deutschlands Grundwerte. Bravourös! Lediglich ein feierliches Verbrennen des Grundgesetzes wäre ein noch deutlicheres Zeichen gewesen!

#metoo – 17. Oktober 2017

„Oft werde ich gefragt, woher ich die Zeit und Kraft nehme, über all die Dinge zu sprechen, die hier auf Tapfer im Nirgendwo Thema sind. Die Antwort ist ganz einfach: Es bedarf deutlich mehr Zeit und Kraft, um zu schweigen!

Ein kleines Rätsel – 14. März 2018

Ich als Mann kann nicht nachempfinden, was es bedeutet, in einer Sprache denken zu müssen, die mich ständig vor Identitätskrisen stellt. 

Die Wa(h)re Frau – 19. Mai 2018

„Es gibt nur einen Weg heraus aus diesem Dilemma. Bedingungslose Emanzipation der Frau! Eine Frau im Westen darf so natürlich ein Kopftuch tragen, wie eine Frau in der islamischen Welt sagen können muss: „Fick Dich Mohamed, ich zieh mich an, wie es mir gefällt. Dein islamischer Scheiß geht mir am Arsch vorbei!“ Und ja, jede Frau darf so reden!“

Sexistische Terroranschläge – 15. Juni 2018

„Zu der größten Opfergruppe religiöser Extremisten gehören Frauen. Immer wieder werden Frauen Opfer religiöser Extremisten, so wie Ausländer Opfer von Rassisten werden. Es wird Zeit, dass wir Morde an Frauen, die von Menschen begangen werden, die glauben, dadurch einer religiös definierten Ehre zu genügen, als das bezeichnen, was sie sind: Sexistische Terroranschläge!“

Runter damit, heute tue ich, was ich will! – 5. August 2018

„Im 18. und 19. Jahrhundert skandierten Frauen an Wieverfastelovend, dem letzten Donnerstag vor Aschermittwoch, um genau zwölf Uhr mittags auf dem Alter Markt den Schlachtruf „Mötzenbestot“, was in etwa soviel bedeutete wie: „Runter damit, heute tue ich, was ich will.“ Dabei rissen sie sich ihre Bedeckungen vom Kopf. Der Brauch rührt daher, dass am Rhein noch bis ins 19. Jahrhundert für Frauen ein Zwang zur Kopfbedeckung bestand.

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„Mehr Stolz, Ihr Frauen! Der Stolze kann missfallen, aber man verachtet ihn nicht. Nur auf den Nacken, der sich beugt, tritt der Fuß des vermeintlichen Herrn.“ (Hedwig Dohm)

Am 11. Februar 2006 standen Isabel Rohner, Nikola Müller und ich erstmals mit unserem Programm „Mehr Stolz, Ihr Frauen!“ auf einer Bühne. Es war das Theater La Carina von Burkhard Schmiester in Köln. Das Programm ist eine Mischung aus Lesung, Kabarett und Show, in dem die wunderbare Hedwig Dohm geehrt und gefeiert wird.

Das Programm entwickelte sich schnell zu einem wahren Erfolgsformat. Mittlerweile touren wir ununterbrochen durch ganz Deutschland. Die Presse schreibt:

„Wenn das Nummerngirl ein Mann ist: Emanzipatorische Literatur muss keineswegs staubtrocken und klagend sein, sie kann vor Humor und Ironie nur so triefen. Nikola Müller, Isabel Rohner und Gerd Buurmann lasen unter dem Titel „Mehr Stolz, ihr Frauen!“ aus Texten von Hedwig Dohm, die bereits 1873 das Stimmrecht für Frauen forderte – und für die völlige rechtliche, soziale und ökonomische Gleichberechtigung der Geschlechter eintrat.“ (Pinneberger Tageblatt)

„Nikola Müller und Isabel Rohner, die Herausgeberinnen des Buchs „Hedwig Dohm – Ausgewählte Texte“, zelebrieren mit dem Schauspieler Gerd Buurmann die intellektuellen Spitzen einer großen Denkerin.“ (Hamburger Abendblatt)

„In einer hervorragend inszenierten und zum Teil irrsinnig komischen Lesung gab das Dohm-Trio (…) Kostproben der Dohm’schen Texte zum Besten. Das Trio erntete immer wieder Szenenapplaus – der einerseits den großartigen polemischen Textpassagen Hedwig Dohms galt, andererseits aber auch der beeindruckenden Vortragsweise.“ (Kreiszeitung Wesermarsch)

„Nikola Müller, Isabel Rohner und Schauspieler Gerd Buurmann setzten das Leben der Querdenkerin in Szene. Von einer „trockenen Geschichtsstunde“ konnte hier aber keinesfalls die Rede sein. Besonders der oft polemische Schreibstil von Hedwig Dohm wurde in den szenischen Einlagen des fröhlichen Trios deutlich.“ (WAZ)

„Leidenschaftlich bieten Buurmann, Müller und Rohner mit ihrer Femmage ein wunderbares „Best of“ der Dohm dar. Zitate und Ausschnitte der Dohmschen Werke, mal mit Biographischem unterbaut, mal mit Historischem, werden mal leise, mal laut in Szene gesetzt, mal präsentieren sich die drei im Stile eines literarischen Terzetts, bei dem Buurmann die Herausgeberinnen charmant befragt, mal echauffiert sich Buurmann in der Rolle eines Antifeministen im Gespräch mit der Dohm.“ (Neon)

„Gelungener Feldzug für eine Visionärin.“ (Nordwestzeitung)

„Mit dem Schauspieler Gerd Buurmann touren die beiden Expertinnen mit ihrer geistreichen «Femmage» durch die Lande, um der 1831 geborenen Großmutter von Thomas-Mann-Gattin Katja 90 Jahre nach ihrem Tod zur Wiederentdeckung zu verhelfen. Wirksamstes Mittel: Dohms eigene Essays, Feuilletons und Romane, die den Antifeminismus der bürgerlichen Gesellschaft im 19. und frühen 20. Jahrhundert mit spitzester Feder – und teilweise auch selbstironisch – aufs Korn nehmen.“ (Frankfurter Neue Presse)

Die nächsten Termine finden Sie hier: TERMINE

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Unisex-Toiletten – Die liberale Antwort

Als Unisex-Toilette wird eine Toilette außerhalb privater Räume bezeichnet, die von allen Personen, unabhängig von ihrer geschlechtlichen Identität, genutzt werden kann. Unisex-Toiletten finden sich an vielen Orten und werden regelmäßig von vielen Menschen genutzt, zum Beispiel bei der Deutschen Bahn oder in vielen Flugzeugen, wo ausnahmslos Unisex-Toiletten angeboten werden. Für Menschen mit Behinderung sind Unisex-Toiletten sogar Standard, da Behindertentoiletten in der Regel nicht nach Geschlechtern getrennt angeboten werden.

Seit Jahren gibt es eine Debatte über Unisex-Toiletten in Gaststätten. Dabei ist die Lösung des Problems ganz einfach. Es ist eine liberale Lösung.

Viele Ländergesetze in Deutschlands verbieten es privaten Lokalen und Versammlungsorten, ihren Gästen ausschließlich Unisex-Toiletten anzubieten. Sie werden gesetzlich dazu gezwungen, ihre Toiletten geschlechtergetrennt anzubieten. Als liberaler Mensch frage ich da:

Ist dieses Verbot von ausschließlichen Unisextoiletten und der Zwang zur Geschlechtertrennung auf Toiletten notwendig?

Eines der ersten Theater in Köln, an denen ich gespielt habe, war das Piccolo-Theater von Ingund Mewes und Töchter. Ich spielte dort Richard in einem Gastspiel der Uraufführung des Stücks „Wir Drei“ von Elsa Bernstein in einer Inszenierung von Viktoria Burkert für das Solana Theater.

Dieses kleine, feministische Theater hatte genau zwei Toilettenräume und wollte diese Räume eigentlich ohne Geschlechertrennung anbieten, aber es wurde ihnen untersagt. Sie mussten selbst an Abenden, an denen kein Mann im Theater war, da sich für einige Stücke des Hauses das Interesse beim männlichen Publikum leider arg in Genzen hielt, Herren- und Damentoiletten bereitstellen. Ich habe das schon damals nicht verstanden.

Warum kann es nicht jedem Unternehmer und jeder Unternehmerin frei gestellt werden, wie in dem jeweilen Unternehmen die Toiletten bereitgestellt werden, solange es ausreichend Möglichkeiten gibt, die Notdurft zu verrichten?

Es gibt gewissen Dinge, die können freie Menschen auf dem freien Markt ohne Bevormundung frei und selbstbestimmt untereinander regeln. Das Gestalten von Orten zum Urinieren und Defäkieren gehört meines Erachtens definitiv dazu.

Wenn mir die gestalterische Einrichtung eines Aborts nicht gefällt oder ich mich daran störe, wen ich am Waschbecken treffen kann, dann steht es mir frei, die Lokalität zu wechseln.

Statt also noch mehr Verordnungen, Regelungen, Verbote und Zwänge zu schaffen für etwas, das nun wirklich nicht scheißkompliziert ist, wie wäre es einfach mal mit der liberalen Lösung: Freiheit.

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Dear people of Iceland

There are a lot of people in Iceland who have a wrong perception of Israel.

Let me tell you something about Israel.

Over 1.6 million Muslims live peacefully with Jews in Israel. In Israel, Muslims and Jews are neighbors. They are work colleagues, teachers, lawyers, judges, politicians, policewomen, firemen, soldiers, cooks, sexual partners and much, much more. They laugh, live, eat, cry and argue with each other. They share the same country. They are connected to the trees, rivers, mountains, seas, lakes, towns, villages and deserts of their homeland, which they often include in their prayers. They are one family! Some are distant relatives, others trusted friends.

Israel is the only country in the Middle East where Jews, Muslims and Christians live safely in a democracy that allows them to be gay or lesbian and perform any kind of consesual sex practice involving bondage, discipline, sadomasochism, dominance and submission. Every citizen has the same rights, regardless of gender or skin color. Israel is the only country in the Middle East where citizens can elect and, above all, change their government. The Israeli government is therefore the only government in the Middle East which is democratically elected by Muslims and Arabs.

Israel may not be perfect, but there is no country in the world that has performed better under similar circumstances.

The founding charter of Hamas demands the annihilation of the entire Jewish people (Article 7) and the destruction of Israel (Article 13). In mosques and on television Hamas ministers call Jews bacteria which should be exterminated and vermin whose throats should be cut and whose families should be murdered. Thousands of rockets were fired against Israel in the last years. Some countries don’t allow Jews or Israelis to live within their borders.

Criticism of Israel and Judaism is certainly allowed. Much criticism of the Israeli government comes from within Israel itself. In many countries Israel is certainly the most criticized nation, be it from free or unfree countries, be it from Germany or Iran. The United Nations has criticized Israel more often than all the other countries combined: from North Korea to America, from Russia to Afghanistan.

Only 0.1% of the total world population consists of Israelis. In these 0.1% the United Nations sees a people that must be given special attention. The other 99.9% of the world are basically given clemency. So either Israel is a state more vicious than North Korea, Russia, China, Venezuela, Germany, Hungary, Afghanistan, Saudi Arabia, Qatar, Iran, the USA and all other countries of the world combined or the United Nations has a problem with the Jew among nations.

If anything is superfluous, then even more criticism in the direction of Israel. What needs more attention are those regimes where criticism can be and is punished with violence and death.

There’s already enough criticism of Israel which is merely repetitive. However, there is a lack of criticism of the behavior and actions of Israel’s enemies. Indeed, that criticism can result in violence and even death in some parts of the world.

I am for Israel, not because I believe that somebody first set his foot in the sand somewhere, or because some God invited some bearded man for a coffee to discuss dividing up the world, but because Israel is the only country in the Middle East in which women and men have equal rights; homosexuality is recognized by the state; opinion, art, sexual preferences and science are free; no religion is discriminated against, and Jews neither have to be better nor worse than all other people.

Every square meter in the Middle East that takes Israel as an example is one square meter of humanity gained.

Sincerely,
Gerd Buurmann, Cologne, Germany

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Isländische BDSM-Band fordert Netanjahu zum Ringkampf

Die isländische BDSM-Band Hatari (Die Hasser), die im Mai 2019 in Tel Aviv beim Eurovision Song Contest mit dem Lied „Hass wird siegen“ teilnehmen wird, fordert Benjamin Netanjahu in einem offiziellen Statement zum Ringkampf.

Wir richten unsere Erklärung an Benjamin Netanjahu, Premierminister von Israel und Vorsitzender der nationalliberalen Bewegung Likud.

Wir, die Mitglieder von Hatari, fordern Sie hiermit zu einem Freundschaftsspiel im traditionellen isländischen Freistilringen Glíma heraus. Der Ringkampf findet am 19. Mai zu einem Zeitpunkt Ihrer Wahl auf dem Magen-David-Platz in Tel Aviv statt.

Wir werden die traditionellen isländischen Glíma-Regeln anwenden. Illegales Festhalten und unsportliches Verhalten führen zur Disqualifikation und stellen sicher, dass der Ehrenkodex Drengskapur eingehalten wird. Ein neutraler, von den Vereinten Nationen finanzierter Schiedsrichter wird anwesend sein.

Wenn der ausgesuchte Hatari-Freistilringen diesen fairen Glíma-Kampf gewinnt, behalten sich die Mitglieder von Hatari das Recht vor, sich innerhalb Ihrer Grenzen niederzulassen, um dort die erste von Hatari finanzierte liberale BDSM-Kolonie an der Mittelmeerküste zu gründen. Wenn Ministerpräsident Benjamin Netanyahu den Glíma-Kampf gewinnt, erhält die israelische Regierung die umfassende politische und wirtschaftliche Kontrolle über die südisländischen Westmännerinseln. Mitglieder von Hatari werden für die erfolgreiche Beseitigung der aktuellen Inselbewohner sorgen.

Wir erwarten Ihre schnelle Antwort an unsere E-Mail-Adresse.

Hatrið mun sigra,
Hass wird siegen.

Bei der Lektüre des Statements kam mir die Vermutung, dass die Band Hatari es darauf anlegt, disqualifiziert zu werden, um so dafür zu sorgen, dass Island nicht beim Eurovision Song Contest in Israel teilnimmt. Die Vermutung ist nicht weit hergeholt, denn die Band erklärt:

„Vielleicht werden wir vom Wettbewerb ausgeschlossen, aber das wäre genauso aufschlussreich wie alles, was wir auf der Bühne tun könnten. Wenn Island aus dem Wettbewerb ausgeschlossen wird, ist das gut für uns.“

Über den Eurovision Song Contest sagt die Band:

„Der Wettbewerb ist eine der größten internationalen Veranstaltungen, die jemals in Israel veranstaltet wurden. Der Wettbewerb ist ein Bild von Glanz, Lüge, Reinwaschen, Propagandamaschine und Verrat. Unser Ziel ist es, diese Mühle des Verrats aufzudecken.“

Ja, so tickt es in der Band Hatari, die in ihrem Lied für den Eurovision Song Contest im Mai 2019 in Tel Aviv folgende Dinge auf isländisch singen wollen:

Gegenseitiger Betrug, einseitige Strafen, leichtgläubige Versager, die Flucht findet ein Ende, die Leere sucht alle heim.

Der Hass wird siegen. Europa wird zusammenbrechen. Ein Netz aus Lügen steigt aus der Asche empor, zu einem vereint.

Alles was ich sah, es rollten Tränen. Alles was ich gab, einmal gab, ich gab alles dir.

Der Hass wird siegen. Die Liebe wird sterben. Der Hass wird siegen. Die Freude wird enden, weil sie Betrug ist, ein verräterisches Hirngespinst.

Wenn es um Israel geht, scheint der Hass auch bei Hatari gesiegt zu haben, denn wenn die Band über das kleine Land spricht, kommen nur hasserfüllte Vorwürfe. Bevor die Hassenden die Qualifikation in Island gewonnen hatten, erklärten sie:

„Es ist wirklich absurd, einem Staat, der wiederholt gegen die Menschenrechte verstößt, die Teilnahme an einem solchen Wettbewerb zu ermöglichen. Wenn Islands Kandidat nicht seinen Einfluss nutzt, um auf das Offensichtliche hinzuweisen, die Absurdität des Tobend und Tanzens, während Millionen nur wenige Kilometer entfernt mit eingeschränkter Freiheit und ständiger Ungewissheit hinsichtlich ihres eigenen Wohlbefindens und ihrer Sicherheit leben, dann haben wir versagt. Wenn der isländische Teilnehmer die Tatsache ignoriert, dass der Eurovision Song Contest von Natur aus politisch ist, tut er wenig, um die Notwendigkeit eines kritischen Gesprächs über Israel zu verringern.“

Ich kann mir nicht erklären, woher all dieser Hass kommt, aber ich habe das Gefühl, dass die Band lediglich ein uninformiertes Bild von Israel hat und der Hass aus Vorurteilen, Betrug, Leichtgläubigkeit, einseitigen Verurteilungen und Gerüchten über das Land gestrickt ist.

Hatari scheint wirklich nicht zu wissen, dass Israel das einzige Land im Nahen Osten ist, wo die Mitglieder der Band, aufgrund ihrer offen Art und Weise ihr Leben und ihre Sexualität zu leben, nicht verfolgt, eingekerkert und schlimmstenfalls hingerichtet werden.

Ich hoffe daher, dass Hatari in Israel auftreten wird, damit die Bandmitglieder erkennen, dass alles, wofür sie stehen, ihre Kunst, Kritik, Meinung und Sexualität in Israel geschützt und verteidigt wird, mag es auch noch so krass oder hanebüchen sein.

Ich war daher so frei, Hatari folgende Mail senden (Übersetzung unten):

Dear Hatari,

it seems you have a wrong perception of Israel. Let me tell you something about the country you’re going to explore soon.

Over 1.6 million Muslims live peacefully with Jews in Israel. In Israel, Muslims and Jews are neighbors. They are work colleagues, teachers, lawyers, judges, politicians, policewomen, firemen, soldiers, cooks, sexual partners and much, much more. They laugh, live, eat, cry and argue with each other. They share the same country. They are connected to the trees, rivers, mountains, seas, lakes, towns, villages and deserts of their homeland, which they often include in their prayers. They are one family! Some are distant relatives, others trusted friends.

Israel is the only country in the Middle East where Jews, Muslims and Christians live safely in a democracy that allows them to be gay or lesbian and perform any kind of consesual sex practice involving bondage, discipline, sadomasochism, dominance and submission. Every citizen has the same rights, regardless of gender or skin color. Israel is the only country in the Middle East where citizens can elect and, above all, change their government. The Israeli government is therefore the only government in the Middle East which is democratically elected by Muslims and Arabs.

Israel may not be perfect, but there is no country in the world that has performed better under similar circumstances.

The founding charter of Hamas demands the annihilation of the entire Jewish people (Article 7) and the destruction of Israel (Article 13). In mosques and on television Hamas ministers call Jews bacteria which should be exterminated and vermin whose throats should be cut and whose families should be murdered. Thousands of rockets were fired against Israel in the last years. Some countries don’t allow Jews or Israelis to live within their borders.

Criticism of Israel and Judaism is certainly allowed. Much criticism of the Israeli government comes from within Israel itself. In many countries Israel is certainly the most criticized nation, be it from free or unfree countries, be it from Germany or Iran. The United Nations has criticized Israel more often than all the other countries combined: from North Korea to America, from Russia to Afghanistan.

Only 0.1% of the total world population consists of Israelis. In these 0.1% the United Nations sees a people that must be given special attention. The other 99.9% of the world are basically given clemency. So either Israel is a state more vicious than North Korea, Russia, China, Venezuela, Germany, Hungary, Afghanistan, Saudi Arabia, Qatar, Iran, the USA and all other countries of the world combined or the United Nations has a problem with the Jew among nations.

If anything is superfluous, then even more criticism in the direction of Israel. What needs more attention are those regimes where criticism can be and is punished with violence and death.

There’s already enough criticism of Israel which is merely repetitive. However, there is a lack of criticism of the behavior and actions of Israel’s enemies. Indeed, that criticism can result in violence and even death in some parts of the world.

I am for Israel, not because I believe that somebody first set his foot in the sand somewhere, or because some God invited some bearded man for a coffee to discuss dividing up the world, but because Israel is the only country in the Middle East in which women and men have equal rights; homosexuality is recognized by the state; opinion, art, sexual preferences and science are free; no religion is discriminated against, and Jews neither have to be better nor worse than all other people.

Every square meter in the Middle East that takes Israel as an example is one square meter of humanity gained.

Sincerely,
Gerd Buurmann, Cologne, Germany

Deutsche Übersetzung:

Liebe Hatari,

es scheint, dass Ihr ein falsches Bild von Israel habt. Lasst mich Euch etwas über das Land erzählen, das Ihr bals erforschen werdet.

In Israel leben über 1,6 Millionen Muslime, die friedlich mit Juden zusammenleben. In Israel sind Muslime die Nachbarn von Juden. Sie lachen, leben, essen, weinen und streiten zusammen. Sie leben miteinander und teilen sich die selbe Heimat. Sie sind gemeinsam in Treue verbunden mit den Bäumen, Flüssen, Bergen, Meeren, Seen, Städten, Dörfern und Wüsten ihrer Heimat, die sie oft in ihre Gebete einschließen. Sie sind eine Familie! Manche sind entfernte Verwandte, andere wiederum frisch nah Vertraute.

Israel ist das einzige Land im Nahen Osten, in dem Muslime sicher in einer Demokratie leben, die es ihnen erlaubt, schwul oder lesbisch zu sein und jede Form einvernehmlichen Sexes zu haben. Alle haben die gleichen Rechte, unabhängig von ihrem Geschlecht und ihrer Hautfarbe. Israel ist das einzige Land im ganzen Nahen Osten, in dem das Volk seine Regierung wählen und vor allem abwählen kann. Die israelische Regierung ist somit die einzige auch von Muslimen und Arabern demokratisch gewählte Vertretung eines Landes im Nahes Osten.

Israel ist zwar nicht perfekt, aber es gibt kein Land auf der Welt, das es bei vergleichbarer Gefahr besser macht oder gemacht hast.

Die Gründungscharta der Hamas fordert die Vernichtung des ganzen jüdischen Volkes (Artikel 7) und die Zerstörung Israels (Artikel 13). Minister der Hamas rufen zur Vernichtung aller Juden auf, die sie öffentlich, auf Plätzen, in Moscheen und im Fernsehen, als Ungeziefer und Bakterien bezeichnen, deren Kehlen durchgeschnitten und Familien ermordet gehören. Tausende Raketen wurden in den letzten Jahren auf Israel abgefeuert. Einige Länder lassen Juden nicht innerhalb ihrer Grenzen leben.

Auf der ganzen Welt ist Kritik an Israel und am Judentum erlaubt. Manch deutliche Kritik an der israelischen Regierung kommt aus Israel selbst. In vielen Ländern ist Israel die am meisten kritisierte Nation, seien es nun freie oder unfreie Ländern, sei es nun Deutschland oder der Iran. Die Vereinten Nationen haben Israel öfter kritisiert als alle übrigen Länder der Welt zusammen. Von Nordkorea bis zu den USA, von Russland bis Afghanistan haben alle Länder zusammen weniger internationale Kritik einstecken müssen als Israel.

Nur 0,1% der gesamten Weltbevölkerung besteht aus Israelis. In diesen 0,1% sehen die Vereinten Nationen ein Volk, dem ganz besondere Aufmerksamkeit zu Teil werden muss. Die anderen 99,9% der Welt werden mit Milde beäugt. Also entweder ist Israel ein Staat, boshafter als Nordkorea, Russland, China, Venezuela, Deutschland, Ungarn, Afghanistan, Saudi-Arabien, Katar, der Iran, die USA und alle anderen Länder der Welt zusammen oder die Vereinten Nationen haben ein Problem mit dem Juden unter den Staaten.

Wenn es etwas nicht braucht, dann noch mehr Kritik in Richtung Israel. Was es jedoch sehr wohl braucht, ist deutlich mehr Kritik an jene Regime, wo Menschen, die es wagen, Kritik zu üben, diese Kritik mit dem Tod bezahlen.

Wenn etwas unsere Solidarität braucht, dann nicht Kritik an Israel. Diese Kritik ist eh überall zu hören. Es mangelt an Kritik am Verhalten und Handeln der Feinde Israels. Diese Kritik ist nämlich an manchen Orten der Welt lebensgefährlich.

Ich bin für Israel, nicht weil ich glaube, irgendwer habe irgendwo zuerst seinen Fuß in den Sand gesetzt, oder irgendein Gott habe irgendeinen bärtigen Mann zum Kaffeeklatsch eingeladen, um dabei die Welt aufzuteilen, sondern weil Israel das einzige Land im Nahen Osten ist, in dem Frauen und Männer gleichberechtigt sind, Homosexualität staatlich anerkannt ist, die Meinung, Kunst und Wissenschaft frei sind, keine Religion diskriminiert wird und Juden weder besser noch schlechter sein müssen als alle andere Menschen.

Jeder Quadratmeter im Nahen Osten, der sich ein Beispiel an Israel nimmt, ist ein gewonnener Quadratmeter.

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„Der Hass wird siegen. Europa wird zusammenbrechen.“

Die Orgie war zügellos. Der Katarrh war endlos. Das Leben ist sinnlos. Die Leere sucht alle heim. Der Hass wird siegen. Die Freude wird enden, weil sie Betrug ist, ein verräterisches Hirngespinst.

Alles was ich sah, es rollten Tränen. Alles was ich gab, einmal gab, ich gab alles dir.

Gegenseitiger Betrug, einseitige Strafen, leichtgläubige Versager, die Flucht findet ein Ende, die Leere sucht alle heim.

Der Hass wird siegen. Europa wird zusammenbrechen. Ein Netz aus Lügen steigt aus der Asche empor, zu einem vereint.

Alles was ich sah, es rollten Tränen. Alles was ich gab, einmal gab, ich gab alles dir. Alles was ich sah, es rollten Tränen. Alles was ich gab, einmal gab, ich gab alles dir.

Der Hass wird siegen. Die Liebe wird sterben. Der Hass wird siegen. Die Freude wird enden, weil sie Betrug ist, ein verräterisches Hirngespinst.

Der Hass wird siegen!

Diese Worte stammen aus dem Lied „Hatrið mun sigra“ von Einar Hrafn Stefánsson, Klemens Nikulásson Hannigan und Matthías Tryggvi Haraldsson. Zusammen sind sie Hatari.

Mit dem Lied „Der Hass wird siegen“ wird Hatari dieses Jahr Island beim Eurovision Song Contest in Israel vertreten.

Ich kann mir vorstellen, dass Island mit dieser Performance dieses Jahr ganz oben mitspielen wird, wie Italien. Aber noch stehen nicht alle Lieder des Wettbewerbs fest. Über fünfzehn Länder müssen ihre Lieder noch wählen.

Wir dürfen gespannt sein.

***

Ich bedanke mich bei Ása Ástardóttir für die Hilfe bei der Übersetzung.

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Ist Karneval laut Kölner Stadtordnung überhaupt erlaubt?

Die Kölner Stadtordnung ist laut Stadtdirektor Guido Kahlen „ein echter Beitrag zum Bürokratieabbau: Weniger und einfachere Regelungen machen den Kölnerinnen und Kölnern übersichtlicher und deutlicher klar, was in Köln erlaubt ist und was aus gutem Grund eben nicht.“

Zu den Dingen, die den Kölnerinnen und Kölnern klargemacht werden müssen, gehören, dass man Hundescheiße nicht auf dem Gehweg liegen lässt (§ 4) und das Autofahren auf Spielplätzen unterlassen werden sollte (§ 22).

Zu den interessantesten Paragrafen aber gehören Paragraf 3, der besagt, dass Abfall nicht auf die Straße gehört und Paragraf 11, der besagt, dass nicht an Häuserwände gepinkelt werden darf und Störungen in Verbindung mit Alkoholkonsum geahndet werden, vor allem „Verunreinigungen, Grölen, Belästigung von Personen, Gefährdung Anderer durch Herumliegenlassen von Flaschen„.

Das all dies in Paragraf 11 thematisiert wird, kann kein Zufall sein, denn das, was dort untersagt wird, ist in Köln auch auch als Karneval bekannt. Ist Karneval in Köln somit überhaupt erlaubt?

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