Das wird ein großartiges Viertelfinale

Am Donnerstag, 9. Mai 2019, findet im Bürgerhaus Stollwerck auf der Dreikönigenstraße 23 in Köln das erste Viertelfinale des Kölner Bühnenkunstpreis‘ Viertakt applaus! 2019 statt. Der Abend wird moderiert von Gudrun Höpker und Gerd Buurmann. Karten gibt es hier: Köln Ticket

Der „Viertakt Applaus“, Kölns neuer Bühnenkunstpreis, ist schon im zweiten Jahr in den namhaften Kölner Theatern angekommen. Nach einem fulminanten ersten Jahr, in dem der Verein Viertakt e.V. rund 20.000 Euro an Künstlerinnen und Künstler ausschüttete (u.a. den mit insgesamt 11.250 Euro dotierten Bühnenkunstpreis Viertakt-applaus! am 17.11.2018), startet der von Gerd Buurmann mitbegründete Verein in die nächste Runde.

Gemeinsam mit dem Atelier Theater, Bürgerhaus Stollwerck, Senftöpfchen und der Comedia bildet der Verein im Jahr 2019 ein noch nie dagewesenes Netzwerk in Köln, bei dem sich vier unterschiedliche Theater solidarisch zusammenschließen, um die Bühnenkunst in all ihren Spielarten zu fördern.

Im Jahr 2017 haben Bühnenschaffende, Kreative und Förderer den gemeinnützigen Verein Viertakt e.V. gegründet, der dafür sorgt, dass Künstlerinnen und Künstler sowohl ideell als auch materiell unterstützt werden, denn leider können heute die wenigsten Menschen in Deutschland von ihrer Kunst leben.

Der Verein wird durch Spenden finanziert und von ehrenamtlich tätigen Menschen getragen. Viertakt hat es sich zur Aufgabe gemacht, den vielfältigen Querschnitt künstlerischer Ausdrucksformen der Kleinkunst zu bewahren.

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Boris Palmer und die Quote

„Ich finde es nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die Deutsche Bahn die Personen auf dieser Eingangsseite ausgewählt hat. Welche Gesellschaft soll das abbilden?“

Mit diesen Worten kritisierte der Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, im April 2019 eine Werbekampagne der Deutschen Bahn, weil er der Ansicht war, dass die in der Kampagne abgebildeten Personen nicht die bundesdeutsche Gesellschaft widerspiegeln würden. In der Werbung stellten Menschen mit sogenannter weißer Hautfarbe eine deutliche Minderheit dar.

Viel ist über die Kritik Palmers geäußert worden. Ein wichtiger Aspekt wurde jedoch viel zu wenig beleuchtet. Boris Palmer bedient mit seiner Kritik eine bei der Partei Bündnis 90/ Die Grünen weit verbreiteten Meinung, nämlich dass die Mitglieder eines gewählten Gremiums, Images, Komitees oder einer wie auch immer zusammengekommenen Gruppe die Gesellschaft, aus der die Gruppe entstanden ist oder die sie repräsentiert, paritätisch im genetischen Erscheinungsbild oder in ihrer Herkunft repräsentieren müssen. Das beste Beispiel für diese Art der Politik ist die Frauenquote.

Die Forderung nach der Frauenquote ist Resultat einer real stattgefunden Diskrimierung. Schauen wir uns nur mal die Liste aller Menschen an, die bisher das Amt des Oberbürgermeisters in Tübingen inne hatten. Von allen bisherigen Amtsinhabern war bisher nur eine weiblich.

Dieses offensichtliche Ungleichgewicht ist darauf zurückzuführen, dass von allen Oberbürgermeistern Tübingens bisher nur zehn nach einer Wahl ernannt wurden, bei der Frauen überhaupt mitmachen durften. Nur zwei Oberbürgermeister Tübingens wurden nach einer Wahl ernannt, die zu einer Zeit stattfand, in der Frauen das Arbeiten nicht mehr von ihren Ehemännern verboten bekommen konnten, wenn die Männer der Meinung waren, dass die Erwerbstätigkeit ihrer Ehefrau nicht „mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist“. So stand es im §1356 des Bürgerlichen Gesetzbuchs.

Erst am 1. Juli 1977 wurde dieses Gesetz modifiziert. Achtzehn Monate vor der Änderung war in Tübingen Eugen Schmidt zum Oberbürgermeister gewählt worden. Er hielt das Amt bis ins Jahr 1999 inne. Als dann der erste Oberbürgermeister nach der Änderung von §1356 BGB ernannt wurde, ging das Amt direkt an die erste Frau. Ihr Name war Brigitte Russ-Scherer.

Die Forderung nach der Frauenquote ist somit verständlich. Sie birgt jedoch einige Gefahren. Die größte Gefahr zeigt Boris Palmer mit seiner Kritik.

Boris Palmer will, dass die Kriterien der Individuen einer Gruppe so ausgewählt werden, dass sie paritätisch die Kriterien der Gesellschaft widerspiegeln, die die Gruppe repräsentiert. So wie die Frauenquote dafür sorgt, dass Parität bei den Geschlechtern besteht, so fordert er Parität für die Hautfarben.

Mir ist es gleichgültig, ob in einer Gruppe achtzig Prozent weiblich oder siebzig Prozent schwarz sind, selbst wenn die Mehrheit weiß und die Hälfte männlich ist. Mich regen Quotenmänner auf, die nur aufgrund ihres Geschlechts einen Posten bekommen, so wie es bei der 100%-Männerquote beimkatholischen Priesteramt der Fall ist. Die Männerquote gehört abgeschafft!

Menschen machen ganz individuelle Erfahrungen. Es gibt Erfahrungen der Diskriminierung, die machen besonders Frauen. Andere wiederum werden eher von Männern gemacht. Sexismus trifft alle Geschlechter, so wie Rassismus jede Farbe treffen kann. Trotzdem sind wir unserer Herkunft nicht ausgeliefert.

Das Gegenteil von Herkunft ist Zukunft und den Weg, den wir für unsere Zukunft einschlagen, bestimmen wir selbst.

Jede Entscheidung treffen wir durch unsere Vernuft und die Vernunft kennt kein Geschlecht und keine Hautfarbe. Es ist mir egal, welche Hautfarbe, welches Geschlecht und welche sexuelle Orientierung in einer Gruppe überwiegt, denn ich teile mit jedem Mitglied die alles entscheidende Gemeinsamkeit, nämlich die Fähigkeit, mich meines eigenen Verstandes ohne Anleitung eines Dritten zu bedienen.

Es ist nicht wichtig, dass ein Wahlergebnis paritätisch ist, es ist wichtig, dass ein Mensch nicht aufgrund seiner Herkunft diskriminiert wird. Wenn alles paritätisch verteilt werden würde, dürfte nur jeder vierhunderte Nobelpreis an einen Juden gehen. Jeder fünfte Nobelpreis müsste stattdessen an einen Moslem gehen. Außerdem müssten fünfzig Prozent der Gefängnisinsassen Frauen sein.

Wenn alle Menschen die gleichen Rechte haben, braucht es keine Quote. Ganz ohne Quote haben Juden die meisten Nobelpreise bekommen. Statt Quoten zu erstellen, sollten wir lieber von erfolgreichen Menschen lernen. Nach einer Knastquote für Frauen ruft schließlich auch niemand.

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Are Muslims the new Jews?

„What did my grandparents do during the Holocaust? What would I have done?“

These two questions torture many Germans. The second question is particularly tormenting when the answer to the first question is that the grandparents looked the other way or even actively participated in the extermination of the Jews. That’s why many Germans don’t want to know the answer to the first question. But, then they’re all the more certain when answering the second question: „I would have stood up for the Jews!“

There’s only one problem. It’s difficult to prove that one would stand up for Jews when there are so few of them left. How can you stand up for Jews if you’ve never met even one?

Over eighty million people live in Germany. Of these, less than two hundred thousand are Jews, which is a mere one quarter of one percent. Among a group of four hundred Germans you’ll find perhaps one Jew. In many villages and many smaller towns in Germany there aren’t any Jewish residents. How can you show that you have nothing against Jews? Well, you need replacement Jews!

Four and a half million Muslims live in Germany. That makes 5.5 percent of the population in Germany. When twenty Germans meet, there is certainly a Muslim among them. Islam belongs quite naturally to Germany. Islam is a part of Germany. If a German is not a Muslim himself, he certainly has neighbours, friends or colleagues who are German Muslims.

Muslims in Germany are indeed a minority, like Judaism, but not so small that one could not know any Muslims. So why not take Muslims as substitute Jews to show that you have nothing against Jews? Islam is a religion like Judaism and there are many people who don’t like Muslims. So, it’s quite logical that Muslims are the new Jews, right?

Certainly not!

The Germans who once persecuted Jews were Christians or came from a Christian environment. Their Christian faith did not stop them from hating Jews. In many cases the Christian faith even promoted hatred of the Jews. Martin Luther was a fervent Jew-hater. In the churches of Germany Jews were denigrated as murderers of Christ. The credo was: „Extra ecclesiam nulla salus“ („Outside the church there is no salvation“).

Over the centuries Christianity was a brutal and coercive missionary religion. Missionary Christians believed their religion was the only path to salvation. Non-Christians were seen as adversaries to truth. Through their very existence, Jews were considered a provocation because of their refusal to recognize Jesus as the true Messiah. Two choices were made clear: accept the Christian faith or face extermination. It was the Enlightenment that put an end to this fundamentalism.

After the Holocaust, Pope John XIII redefined the Catholic Church’s attitude in 1965 to non-Christian religions in the declaration „Nostra aetate“ („In our time“). It was recognized that truth and holiness could be found in the other religions. Judaism, in which Christianity is rooted, was reaffirmed as legitimate religion. The declaration softened the extreme „Extra ecclesiam nulla salus“ and stated instead: There are also religious truths outside the Catholic Church.

Islam is also a missionary religion. There are also many anti-Jewish passages in Muslim traditions. There are countries where Islam rules and all Jews have been expelled. There are Islamic children’s programs where funny cartoon-like figures teach children to hate Jews in the name of Allah. The word „Jew“ is often used as a curse word on school playgrounds. In recent years a clear majority of all terrorist acts committed against Jews in Jewish schools, museums, shops and homes in Europe are Islamist motivated.

It is irrelevant to Jews what percentage of all Muslims hate Jews. With over 1.6 billion Muslims and 15 million Jews worldwide, a mere one percent of fanatical Muslims adds up to more than all Jews in existence. Major studies show that far more than one percent of all Muslims have fanatical beliefs.

After Christianity, Islam is the second strongest religious force in Germany. The Jewish community has never been as strong as the Muslim community in Germany. Islam is the second largest religion in the world after Christianity. Several countries have Islam as their state religion. Muslims are as little „the new Jews“ as Christians are, although Christians in many Islamic countries are massively oppressed, expelled and murdered.

Christianity is currently the most persecuted religion in the world. According to estimates of the International Society for Human Rights, over seventy percent of all people who are currently persecuted for their faith profess Christianity. The Christian relief organization Open Doors estimates that more than 200 million Christians worldwide are persecuted or discriminated against. According to its global persecution index of 2019, the strongest persecutions of Christians takes place in Islamic countries.

Nevertheless, it is inappropriate to describe these Christians as „the new Jews“. Hatred of Jews is not only hatred of a religion, but also racist hatred. Hatred is not only directed against beliefs, but against the very physical existence. This racist hatred of Jews is found among Christians and Muslims. Therefore, neither group can be considered „the Jews of today“.

Nevertheless, this doesn’t prevent many Germans from declaring Muslims their very own substitute Jews in order to prove they are not like their grandparents. This leads to an attitude that sees any criticism of Islam, however justified, as Islamophobic. But here, people forget that sharply expressed criticism of Christianity was essential in combating hatred of Jews.

Criticism of Islam is not Islamophobic, but necessary in order to counter Islam’s hostility towards Jews!

Many Germans who have chosen Muslims as substitute Jews have quite a different opinion. They are particularly angry when Jews – of all people – dare to tell them that Muslims are not „the new Jews“, but rather that for many Jews today they are as dangerous as Christians were a few hundred years ago. Some go so far as to declare Jews to be the „new Nazis“, especially when it comes to Israel whereby the “substitute Jews” join hands with non-Muslim Germans to condemn the country as a Nazi state that persecutes Palestinians as the Nazis had done to the Jews during World War Two.

It all falls into place so wonderfully: Muslims are the new Jews, Jews are the new Nazis and the Germans are all heroes in a film of their own making. They defend the Jews! The newly defined ones of course; the attitude towards the old ones remains the same.

But Muslims are not „the new Jews“. They are rather the new medieval Christians. They should also be treated like them, with the necessary criticism and ridicule. But, where they are persecuted today merely because of their religion, we should fight for their basic rights. A new Enlightenment is needed!

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Translation: William Wires
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„Kein Bezug zum Nachrichtenkern“

Die Tagesschau hat auf meinen Brief geantwortet, in dem ich die Frage gestellt habe, ob die Tagesschau in einem Bericht über die Hamas nicht wenigstens kurz erwähnen sollte, dass die Hamas zur Vernichtung aller Juden aufruft. Hier die Antwort der Tagesschau:

Vorab einige Erläuterungen zum Grundverständnis: Die Tagesschau ist eine tagesaktuelle Nachrichtensendung, die die wichtigsten Nachrichten des Tages zusammenfasst. Sie ist kein politisches Magazin und auch keine Enzyklopädie. Wir können nicht zu jedem Thema in unserer Sendung alle Hintergrundinformationen liefern. Dazu reicht der Platz nicht aus. Wir liefern aber die Hintergründe, die zum Verständnis der Nachricht notwendig sind.

Dies haben wir auch am 13.4. so gehalten, als wir über das Scheitern einer palästinensischen Einheitsregierung berichtet haben. Es ging uns darum, kurz die beiden Palästinenserfraktionen zu charakterisieren. Dies geschah jeweils in drei Stichworten. Die von Ihnen angeführten Punkte sind für das Verständnis der Nachricht selbst nicht notwendig und stehen auch in keinem Bezug zum Nachrichtenkern.

Es ist für das Verständnis einer Partei also nicht wichtig, wenn sie zur Vernichtung aller Juden aufruft.

Der Aufruf zum totalen Krieg gegen den Staat Israel und zur kompletten Vernichtung des jüdischen Volkes durch die Hamas, die sich im Krieg gegen Israel befindet und immer wieder Raketen auf das Land abfeuert, gehört für die Tagesschau nicht zum Nachrichtenkern einer Nachricht, die sich mit der Hamas beschäftigt.

Man kann auch nicht jede Kleinigkeit erwähnen!

Ich habe einen Vorschlag zur Güte: Kurze attributive Beschreibungen nehmen nicht viel Zeit in Anspruch. Typische Attribute sind „der sogenannte Islamische Staat“ oder „der rechts-populistische Politiker“. Wie wäre es, wenn die Tagesschau einfach folgendes Attribut benutzen würde „die zur Vernichtung aller Juden aufrufende Hamas“.

Das Attribut kostet die Tagesschau nur eine Sekunde, trifft aber den Kern der Hamas und darum geht es der Tagesschau doch, den Kern der Nachricht zu übermitteln, oder?

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Sind Muslime die neuen Juden?

„Was haben meine Vorfahren während des Holocausts gemacht? Was hätte ich gemacht?“

Diese zwei Fragen quälen viele Deutsche. Die zweite Frage quält besonders, wenn die Antwort auf die erste Frage lautet, dass die Vorfahren weggesehen oder sie gar aktiv an der Vernichtung der Juden mitgewirkt haben. Daher wollen viele Deutsche die Antwort auf die erste Frage gar nicht wissen. Dafür sind sie sich dann aber bei der Beantwortung der zweiten Frage umso sicherer: „Ich hätte mich für die Juden eingesetzt!“

Es gibt da nur ein Problem. Es lässt sich so schwer beweisen, dass man sich für Juden einsetzt, wenn es nur noch so wenige davon gibt. Wie soll man sich für Juden einsetzen, wenn man persönlich keine kennt?

Über achtzig Millionen Menschen leben in Deutschland. Davon sind weniger als zweihunderttausend Menschen Juden. 0,25 Prozent aller Deutschen sind Juden. Unter vierhundert Deutschen ist vielleicht ein Jude dabei. In den meisten Dörfern und in vielen kleineren Städten Deutschlands wohnt kein einziger Deutscher, der Jude ist. Wie kann man da zeigen, dass man nichts gegen Juden hat? Man braucht Ersatzjuden!

4,5 Millionen Muslime leben in Deutschland. Das sind 5,5 Prozent. Wenn sich zwanzig Deutsche treffen, ist gewiss ein Moslem dabei. Der Islam gehört ganz selbstverständlich zu Deutschland. Der Islam ist ein Teil Deutschlands. Wenn ein Deutscher selbst kein Moslem ist, hat er gewiss Nachbarn, Freunde oder Kollegen, die deutsche Muslime sind.

Muslime sind in Deutschland zwar eine Minderheit, wie das Judentum, allerdings nicht so klein, als dass man keine Muslime kennen könnte. Warum also nicht Muslime als Ersatzjuden nehmen, um zu zeigen, dass man nichts gegen Juden hat? Der Islam ist eine Religion wie das Judentum und es gibt viele Menschen, die mögen Muslime nicht. Da ist es doch nur logisch, dass Muslime die neue Juden sind, oder?

Nein!

Die Deutschen, die einst Juden verfolgt haben, waren Christen oder kamen aus einem christlichen Umfeld. Ihr christlicher Glaube hielt sie nicht davon ab, Juden zu hassen. In vielen Fällen befeuerte der christliche Glaube diesen Hass auf Juden sogar. Martin Luther war ein glühender Judenhasser. In den Kirchen Deutschlands wurden Juden als Christusmörder verunglimpft. Es galt das Credo: „Extra ecclesiam nulla salus“ („Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil“).

Das Christentum war über die Jahrhunderte eine brutale und mit Zwang missionierende Religion. Es wurde missioniert, weil die Christen glaubten, im Besitz der allein seligmachenden Wahrheit zu sein. Wer nicht Teil der christlichen Gemeinde war, stellte sich gegen die Wahrheit. Juden war somit für diese Christen schon durch ihre pure Existenz eine Provokation, da sie sich weigerten, Jesus als Messias anzuerkennen. Es gab nur zwei Möglichkeiten: Annahme des christlichen Glaubens oder Vernichtung. Beide Möglichkeiten wurden als Akt der Gnade verstanden. Es war die Aufklärung, die diesem Fundamentalismus ein Ende setzte.

Nach dem Holocaust war es Papst Johannes XIII. der im Jahr 1965 in der Erklärung „Nostra aetate“ („In unserer Zeit“) die Haltung der Katholischen Kirche zu den nichtchristlichen Religionen neu definierte. Es wurde anerkannt, dass Wahres und Heiliges in den anderen Religionen zu finden sei und die bleibende Erwählung des Judentums, in dem das Christentum wurzelt, wurde bestätigt. Die Erklärung relativierte „Extra ecclesiam nulla salus“ und stellte stattdessen fest: Auch in Religionen außerhalb der Kirche gebe es Wahrheiten.

Der Islam ist ebenfalls eine missionierende Religion. In der muslimischen Tradition finden sich ebenfalls viele judenfeindliche Passagen. Es gibt Länder, in denen der Islam herrscht und alle Juden vertrieben wurden. Es gibt islamische Kindersendungen, wo lustige Puppen Kindern im Namen Gottes den Hass auf Juden beibringen. Das Wort „Jude“ wird von diesen Kindern als Schimpfwort auf den Schulhöfen benutzt. Die deutliche Mehrheit aller terroristischen Morde an Juden, die in den letzten Jahren in Europa in jüdischen Schulen, Museen, Geschäften und Wohnungen verübt wurden, waren islamistisch motiviert.

Dabei ist es für Juden irrelevant, wieviel Prozent aller Muslime Juden hassen. Bei über 1,6 Milliarden Muslime und 15 Millionen Juden weltweit reicht schon ein Prozent fanatischer Muslime, die Juden hassen, um mehr zu sein als alle Juden der Welt zusammen und sämtliche Studien zeigen, dass weit mehr als ein Prozent aller Muslime fanatische Überzeugungen hegen.

Der Islam ist in Deutschland nach dem Christentum die zweitstärkste religiöse Kraft. So stark, wie die muslimische Gemeinschaft heute in Deutschland ist, war die jüdische Gemeinschaft nie. Der Islam ist die zweitgrößte Religion der Welt nach dem Christentum. Mehrere Länder haben den Islam als Staatsreligion. Muslime sind so wenig „die neuen Juden“, wie es Christen sind, obwohl Christen in vielen islamischen Ländern massiv unterdrückt, vertrieben und ermordet werden. Das Christentum ist zur Zeit die am meisten verfolgte Religion der Welt. Nach Schätzungen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte bekennen sich über siebzig Prozent aller Menschen, die derzeit wegen ihres Glaubens verfolgt werden, zum Christentum. Das christliche Hilfswerk Open Doors schätzt, dass mehr als 200 Millionen Christen weltweit verfolgt oder diskriminiert werden. Seinem Weltverfolgungsindex von 2019 zufolge finden die stärksten Christenverfolgungen in islamisch geprägten Ländern statt.

Dennoch ist es unangebracht, diese Christen als „die neuen Juden“ zu bezeichnen. Der Hass auf Juden ist nämlich nicht nur ein Hass auf eine Religion, sondern auch ein rassistischer Hass. Der Hass richtet sich nicht nur gegen die Überzeugungen, sondern gegen die pure physische Existenz. Dieser rassistische Hass auf Juden findet sich bei Christen und Muslimen. Daher sind beide Gruppen nicht „die Juden von heute“.

Das hält viele Deutsche nicht davon ab, Muslime zu ihren Ersatzjuden zu erklären, um zu zeigen, dass sie nicht so sind wie ihre Vorfahren. Dies führt teilweise so weit, dass jede noch so berechtigte Kritik am Islam als islamfeindlich bezeichnet wird, die ebenso zu ächten sei wie der nationalsozialistische Rassenwahn. Dabei wird übersehen, dass gerade eine notwendige und zum Teil scharf vorgetragene Kritik an Christen die Grundlage dafür war, dass der Judenhass im Christentum überhaupt bekämpft werden konnte.

Kritik am Islam ist nicht islamfeindlich, sondern notwendig, um etwas gegen die Judenfeindlichkeit im Islam zu unternehmen!

Das sehen viele Deutsche, die Muslime zu Ersatzjuden erwählt haben, jedoch ganz anders. Und sie werden besonders ungehalten, wenn es ausgerechnet Juden wagen, ihnen zu erklären, dass Muslime nicht „die neuen Juden“ sind, sondern vielmehr für manche Juden heute so gefährlich sind wie Christen vor ein paar hundert Jahren. Dann werden diese Juden zu den „neuen Nazis“ erklärt, so wie es die muslimischen Ersatzjuden auch gerne tun, besonders, wenn es um Israel geht, wo, so sind sich die Deutschen und ihre Ersatzjuden in der Mehrheit sicher, die Israelis mit den Palästinensern im Grunde auch nichts anderes machen als die Nazis mit den Juden damals.

Und auf einmal passt alles so wunderbar zusammen: Muslime sind die neuen Juden, Juden sind die neuen Nazis und die Deutschen sind alle im Widerstand. Sie verteidigen die Juden! Die neuen natürlich, bei den alten bleibt alles beim Alten.

Muslime sind jedoch nicht „die neuen Juden“. Sie sind vielmehr die neuen mittelalterlichen Christen und sollten auch so behandelt werden, und zwar mit viel Kritik, Spott und der nötigen Deutlichkeit. Dort aber, wo sie heute aufgrund ihrer Religion verfolgt werden, sollten wir für ihre Rechte kämpfen. Es braucht eine neue Aufklärung!

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Whom does the Central Council of Muslims really represent?

When a representative of the Muslim community is called upon in Germany, the decision often falls on the chairman of the Central Council of Muslims in Germany. But, who does he actually represent?

Central Council of Muslims!

The organization’s name sounds serious and significant, perhaps because it resembles Central Council of Jews in Germany. But is the comparison admissible?

The Central Council of Jews in Germany has over 100,000 members. About 200,000 Jews live in Germany. The Central Council of Jews thus represents over 50% of all Jews in Germany. The Central Council of Muslims has not more than 20,000 members, although more than four and a half million Muslims live in Germany. The Central Council of Muslims in Germany represents actually less than 0.5% of all Muslims in Germany.

These numbers illustrate the fact that the organization, Central Council of Muslims, is nothing more than a brilliant marketing trick. Thus, this tiny and for the majority of Muslims completely insignificant association insinuates a competence, which is supposedly comparable with the Central Council of Jews. This is not the case.

The largest Muslim organisation in Germany is the Turkish-Islamic Union of the Institute for Religion. (DİTİB). Among the goals of the DİTİB rank the religious support and instruction of Turkish Muslims living in Germany. DİTİB builds and maintains mosques and educational facilities, trains imams and organizes cultural events. DİTİB is under the permanent direction, control and supervision of the Turkish State Presidium for Religious Affairs, which is affiliated to the Turkish Prime Minister’s Office. The chairman of DİTİB is also the Turkish embassy counsellor for religious and social affairs. In addition, the imams of DİTİB trained at state theological universities in Turkey are sent to Germany for five years and are de facto civil servants of the Turkish state from which they are also paid.

If there is an organisation that has the competence to speak for Muslims in Germany like the Central of Jews for Jews in Germany, then DİTİB. Many may not like that, but it is so.

DİTİB has definitely had a positive effect. Under the presidency of Çakırs, DİTİB paid special attention to integration and was involved in the demonstration „Together for Peace and Against Terror“ in Cologne on 21 November 2004, in which more than 20,000 people took part. But those times are long gone. Darkness has descended.

The Frankfurter Allgemeine Zeitung and the TV program Report München reported in 2015 that radical Islamists were also active in DİTİB-Moscheen. Thus a photo became known, in which a member of the board of DİTİB Dinslaken (Germany) posed with outstretched index finger, a gesture in Salafist circles. The responsible member of the Executive Board resigned immediately. In the same year, the homepage of the DİTİB community in Melsungen near Kassel was used to spew hate against Jews in Turkish. On the website Jews were defamed as „stingy, greedy and mean“ and claimed: „Jews are evil (…) They lie and steal“.

Tobias Huch then filed a complaint for incitement. The proceedings were thrown out of court, however, on the grounds that the statements were quotations from the Quran and therefore represent no ill intent.
The DİTİB denies the genocide of the Armenians. Along with other Turkish associations and organisations DİTİB called for protests in the run-up to the Bundestag vote of 2 June 2016 in order to prevent official recognition of the genocide in the German Bundestag. In April 2018 it was exposed that in various DİTİB mosques in Germany per-schoolers were encouraged to act out war scenes in soldier uniforms and with Turkish flags.

The Free and Hanseatic City of Hamburg was the first federal state to sign an official state treaty with DİTİB. Green Party leader Cem Özdemir criticized this decision:

„If we open our schools for Muslim religious education via DİTİB, we will allow Erdoğan to spread his ideology in our country. That’s intolerable.“

As much as I can understand Cem Özdemir, it’s undeniable that DİTİB speaks for the largest number of Muslims in Germany. That fact can’t be ignored. It can’t be allowed that the representative of a tiny minority speak for the majority of Muslims just because they’re more agreeable. DİTİB explains on their homepage:

„According to surveys, the DITIB represents more than 70% of Muslims living in Germany.”

The Central Council of Muslims in Germany does not even represent 0.5 percent of all Muslims. So I wonder why the chairman of the Central Council of Muslims is still invited to talk shows? One could just as well invite a German Monarchist to represent Germany.

Unfortunately, it is part of everyday journalistic life in Germany to let people speak for Islam who have no support at all in the community. Another typical example is Khola Maryam Hübsch. She is always invited when a woman with a headscarf is needed to represent Islam. The problem is, she doesn’t speak for Islam. The majority of Muslims don’t even consider Khola Maryam Hübsch to be a Muslim at all. She is a member of the Ahmadiyya community and most Muslims worldwide are of the opinion that Ahmadiyya teachings are heretical.

The Ahmadiyya community was founded by Mirza Ghulam Ahmad in the 1880s in British India. Mirza Ghulam Ahmad (1835 to 1908) claimed to be the „innovator of the 14th Islamic century“, the „promised Messiah“, the „Mahdi of the Last Days“. He also claimed that Jesus had survived the crucifixion and then emigrated to India, and that, Ahmad himself operated in the spirit and authority of Jesus.

Also, in the 19th century there was another man active as a self-proclaimed prophet. He lived in the United States. His name was Joseph Smith (1805-1844). He declared that he had the ability to find hidden treasures with the help of a „seer stone“. He claimed that God and Jesus appeared to him in the spring of 1820, and that on September 21, 1823, an angel named Moroni instructed him, by authority of God, to translate several gold plates containing „the fullness of the everlasting gospel“, which became the Book of Mormon. These gold plates were located in a hill called Cumorah near Manchester, in New York state. Smith then founded the Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, better known as the Mormons.
The Mormons see themselves as Christians, just as the Ahmadiyya see themselves as Muslims. But to invite a member of the Ahmadiyya to speak for Islam is as serious as inviting a Mormon to speak for all of Christianity.

It’s simply outrageous to let Khola Maryam Hübsch or Aiman A. Mazyek speak for Islam. Whoever believes that these two personalities speak for Islam also believes that Cherry Coke speaks for cherries.

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Translation: William Wires
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Schwule steinigen, um Frauen zu schützen

Das Sultanat Brunei in Südostasien hat die Todesstrafe für Homosexualität eingeführt. Am 15. April 2019 schrieb die Gesandtschaft von Brunei einen Brief der Erläuterung an die Mitglieder des Europäischen Parlaments in Straßburg. Tapfer im Nirgendwo präsentiert diesen Brief in Übersetzung. Was Sie gleich lesen werden, wird Ihnen die Sprache verschlagen. Was immer Sie bisher über den Islam, die Vereinten Nationen oder die Menschenrechte geglaubt haben, dieser Brief wird Sie erschüttern.

„Seit mehreren Jahrhunderten ist der Islam die offizielle Religion von Brunei, Heimat des Friedens, und der Lebensstil seines Volkes. Brunei ist ein kleines Land, mit einer kleinen Bevölkerung. Starke religiöse Werte formen mit einem reichhaltigen Erbe von Tradition und Kultur die Grundlage der einzigartigen Identität Bruneis – eine liebende, friedfertige und respektvolle Gemeinschaft – die es wert ist, erhalten zu werden. Daher ist unser Land liebevoll als Heimat des Friedens bekannt.

Brunei, Heimat des Friedens, ist stolz auf seine eigene Souveränität, und wie alle anderen unabhängigen Länder, setzt es seine eigene Gesetzgebung mit Besinnung auf die eigenen kulturellen und religiösen Werte durch. Dementsprechend muss die Verwirklichung der internationalen Menschenrechte im nationalen Kontext bedacht werden und dabei die Vielfältigkeit der verschiedenen politischen, wirtschaftlichen, juristischen, sozialen, kulturellen, geschichtlichen und religiösen Hintergründe der Welt, die wir teilen, mitgedacht werden.

Es muss gewürdigt werden, dass die Vielfalt der kulturellen, traditionellen und religiösen Werte auf dieser Welt verlangt, dass es keinen Standard geben kann, der für alle gilt. Es erfordert Toleranz, Respekt, Verständnis und die Einräumung politischer Sphären, die es besonders kleinen Staaten wie Brunei, Heimat des Friedens, ermöglichen, danach zu streben, die eigenen traditionellen, religiösen und kulturellen Werte zu bewahren.

Wir bekräftigen unseren Glauben und unser Vertrauen, dass die Vereinten Nationen die gleichwertige Souveränität aller Mitgliedsstaaten aufrechterhalten werden, so wie es im Artikel 2 der Charta der Vereinten Nationen festgelegt ist.

Es scheint ein Missverständnis zu geben bezüglich der Anwendung und/oder Interpretation des Scharia Gerichtsbeschluss‘ aus dem Jahre 2001 und seiner Fortschreibung aus dem Jahr 2018, das wir klären möchten.

Unsere Verfassung sieht vor, dass der Islam die offizielle Religion ist, erkennt aber auch ausdrücklich das Recht von Nicht-Muslimen an, ihre Religionen in Frieden und Harmonie zu praktizieren.

Brunei, Heimat des Friedens, praktiziert ein duales Rechtsystem, basierend auf dem Gesetz der Scharia und dem Common Law (Anmerkung von Tapfer im Nirgendwo: Ein Rechtskreis, der sich auf maßgebliche richterliche Urteile der Vergangenheit, also auf Präzedenzfälle, stützt). Mit dem Inkrafttreten des Scharia Gerichtsbeschlusses werden beide Systeme weiterhin gemeinsam wirken, um Frieden und Ordnung, unsere Religion, das Leben, die Familie und den Einzelnen zu bewahren, unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Herkunft und Glaube.

Die Zielsetzung der Scharia ist es, eine Gesellschaft zu schaffen, in der Religion, Leben, Vernunft, Eigentum und Abstammung bewahrt und beschützt werden. Der Scharia Gerichtsbeschluss zielt darauf, dass legitime Recht aller zu schützen und zu respektieren, aller Individuen, aus allen Gesellschaften und Nationen, jeglichen Glaubens und Herkunft.

Die Scharia konzentriert sich mehr auf Prävention denn auf Bestrafung. Ihr Ziel ist es eher zu bilden, abzuschrecken, zu rehabilitieren, zu hegen und zu pflegen, denn zu bestrafen. Die Scharia strebt danach, das richtige Gleichgewicht zu halten zwischen dem Schutz des Rechts der angeklagten Person und dem Recht des Opfers und seiner Familie. Ähnlich wie im Common Law, wird die Unschuldsvermutung und das Recht auf einen angemessenen Prozess streng befolgt, um einen gerechten und fairen Prozess zu garantieren. Tätern wird der Prozess vor einem ordentlichen Gericht gemacht, über das ein qualifizierter und ausgebildeter Richter sitzt, der nicht nur in der Scharia sondern auch in den Prinzipien des Common Law ausgebildet ist.

Der Scharia Gerichtsbeschluss kriminalisiert keine Person aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, noch hat er irgendeine Absicht den Stellenwert einer solchen Person in Frage zu stellen oder sie zu schikanieren. Die Kriminalisierung von Ehebruch und Homosexualität dient dazu, die Heiligkeit der Familienlinie und der Ehe mit einzelnen Muslimen zu gewährleisten, insbesondere der Frauen. Die Vergehen gelten daher nicht für Nicht-Muslime, es sei denn, die Taten des Ehebruchs und der Homosexualität wurden mit einem Moslem begangen.

Die Regierung von Brunei, Heimat des Friedens, wird weiterhin das Recht der Frauen schützen. Frauen in Brunei, Heimat des Friedens, besitzen die gleichen Chancen in Bildung, Ausbildung, Gesundheitswesen, sowie Arbeitsanstellung, Besitzvermögen, Sozialleistungen und Staatsbürgerschaft. Der Scharia Gesichtsbeschluss schützt Frauen auch vor verleumderischen Anschuldigungen des Ehebruchs’, da solche Anschuldigungen als ernstes Verbrechen angesehen werden. Es muss erwähnt werden, dass Frauen in Brunei, Heimat des Friedens, bedeutende Errungenschaften gemacht haben, nicht nur in der Bildung und der Wirtschaft, sondern auch im Berufsleben.

Die Hadd-Strafen – Steinigung und Amputationen, die für Diebstahl, Raub, Ehebruch und Homosexualität verhängt werden, haben eine extrem hohe Beweisschwelle, da nicht weniger als zwei oder vier Männer hoher moralischer Stellung und Frömmigkeit als Zeugen benötigt werden – die jede Form von Indizienbeweisen ausschließen, sind verbunden mit einem sehr hohen Nachweisniveau, „ohne jeden Zweifel“, was über den Standard des Common Law hinausgeht, wo ein „ohne begründete Zweifel“ reicht. Der Anspruch an Frömmigkeit ist so hoch, dass es extrem schwer ist, einen solch frommen Mann in der heutigen Zeit noch zu finden, so dass die Verurteilung zu einer Hadd-Strafe nur durch Geständnis des Täters erwirkt werden kann. Im Gegensatz zum Common Law wird jedoch dazu angeregt, Geständnisse zurückzuziehen und sie können auch zu jeder Zeit zurückgezogen werden, sogar während der Vollstreckung der Strafe.

Unter dem Scharia Gerichtsbeschluss muss die Strafe des Auspeitschens durch das gleiche Geschlecht des Täters vollstreckt werden. Der Täter muss bekleidet sein. Die Hiebe müssen mit einer gemäßigten Kraft ausgeführt werden, die Hand darf beim Schwung nicht über den Kopf gehoben werden. Die Haut sollte nicht aufgerissen und die Knochen nicht gebrochen werden. Die Hiebe sollten nicht das Gesicht, den Kopf, den Bauch, die Brust oder die Geschlechtsteile treffen.

Die Verhängung der Todesstrafe für Mord unter Beachtung einer extrem hohen Beweisschwelle kann durch eine Vergebung eines nahen Verwandten des Opfers ausgesetzt werden oder durch das Zahlen von Blutgeld, wenn es von einem nahen Verwandten gewünscht wird.

Hadd-Strafen und Vergeltungen nach dem Scharia Gerichtsbeschluss sind keine menschengemachten Gesetze sondern wurden von Gott verordnet im Koran und in den Überlieferungen des Propheten Mohammed, möge der Frieden mit Ihm sein. Sie dürfen nicht als irgendeine Form der Radikalisierung missverstanden werden.

Brunei, Heimat des Friedens, bekräftigt sein Zusage zu den internationalen Verpflichtungen, die Menschenrechte zu fördern und zu schützen, wo wie sie in der Charta der Vereinten Nationen und in der universellen Erklärung der Menschenrechte verankert sind. Als ein verantwortungsbewusstes Mitglied der internationalen Gemeinschaft wird Brunei, Heimat des Friedens, weiterhin an seinen Verpflichtungen festhalten und sich an die internationale Abkommen zu Menschenrechten halten, an denen Brunei, Heimat des Friedens, Anteil hat. Dies beinhaltet das Abkommen zur Abschaffung jeglicher Form von Diskriminierung gegen Frauen. Die Unterschrift von Brunei, Heimat des Friedens, unter dem Abkommen der Vereinten Nationen gegen Folter und anderen brutalen, unmenschlichen und entwürdigenden Behandlungen und Bestrafungen aus dem Jahre 2015 ist Zeichen unserer starken Ablehnung von Taten der Folter. Schließlich, in unserer Anstrengung, unseren Einsatz zu demonstrieren, arbeitet Brunei, Heimat des Friedens, zur Zeit daran, die nötigen Schritte voranzutreiben, um eine schnelle Realisierung des Abkommens aus dem Jahre 2015 zu ermöglichen.“

Ich lese das und bin fassungslos. Da wird gesteinigt, gefoltert und amputiert, aber gleichzeitig Brutalität gegeißelt. Da werden Frauen ausgepeitscht, aber bei den Vereinten Nationen für Frauenrechte argumentiert. Da ist der Islam die Religion der Heimat des Friedens, aber alle Länder, in denen Homosexuelle hingerichtet werden, haben den Islam als offizielle Religion.

Und was die Religionsfreiheit in Brunei anbelangt: Anhängern nicht-islamischer Religionen ist die Verbreitung des eigenen Glaubens verboten. Die Einfuhr von nicht-islamischen Texten wie Bibeln und bestimmtem islamischem Lehrmaterial ist zollrechtlich eingeschränkt. Zudem darf Weihnachten nicht öffentlich gefeiert und ein anderer Glaube in Schulen nicht unterrichtet werden.

Was kann ich da noch sagen? Mir bleibt nur noch das Wort von Max Liebermann: „Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte.“

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