Ein akT der Einseitigkeit!

In der Kölner Theaterzeitung aKT hat Chefredakteurin Dorothea Marcus eine Inszenierung von William Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“ in meinem Theater kritisiert, in dem ich die Rolle des Shylocks übernommen habe. Ihre Kritik beginnt mit den Worten:

„Während Israel den Gaza-Streifen in Schutt und Asche legt, wird im Severins-Burg-Theater einer der beliebtesten Shakespeare-Abende gezeigt.“

Der Pressesprecher der Hamas hätte diese Worte nicht besser formulieren können. Die herrschende Partei im Gaza-Streifen, Hamas, fordert laut Gründungscharta Artikel 7 nicht nur die Vernichtung Israels und aller Juden, sondern verfolgt, foltert und mordet auch das eigene palästinensische Volk. Dorothea Marcus hätte also durchaus auch mit diesen Worten beginnen können:

„Während die Hamas jüdische und palästinensische Menschen zum Wohle ihrer Ideologie mordet, wird im Severins-Burg-Theater einer der beliebtesten Shakespeare-Abende gezeigt.“

Sie hat es nicht getan. Sie hätte auch neutral sein können:

„Während sich der Gaza-Streifen und Israel im Krieg befinden, wird im Severins-Burg-Theater einer der beliebtesten Shakespeare-Abende gezeigt.“

Neutralität zu den Konflikten im Nahen Osten bringt keine Leser. Dorothea bedient lieber die „Israelkritik“ und stellt Israel als vernichtendes Etwas dar. Über den im Anschluss der Aufführung gehaltenen Vortrag von Alex Feuerherdt erklärt sie, Feuerherdt habe argumentiert, Israelkritik sei grundsätzlich antisemitisch, „egal, wie viele Zivilisten im Gaza-Streifen getötet und illegale Siedlungen im Westjordanland errichtet werden.“

Dorothea Marcus bezeichnet das Severins-Burg-Theater als einen Ort, an dem sich eine verschworene Gruppe an dem Leiden der Palästinenser ergötzt. Sie unterstellt dem Theater eine „Brandmanier“, wissend, dass derzeit Brandsätze auf europäische Synagogen und Menschen abgefeuert werden. Sie unterstellt dem Severins-Burg-Theater, es würde sich unverbrüchlich für das Recht Israels einsetzen, „brutal zurückzuschlagen“ und zeichnet so nicht nur das Bild eines brutal agierenden Israels, sondern nennt auch das Severins-Burg-Theater brutal. Das ist Dorotheas Kritik an mein Theater und Israel. Wie mutig!

Dorothea Marcus muss mit dieser Kritik nichts weiter befürchten, als Widerspruch von mir. Während manch ein selbsternannter Verteidiger der Rechte der Palästinenser in Europa Synogogen und Menschen angreift und den Tod Israels fordert, greife ich lediglich auf Worte zurück. Wer es jedoch wagt, sich kritische gegen die Hamas zu stellen, der muss um seine Gesundheit und sein Leben fürchten. In München wurden erst jüngst Demonstranten mit Eisenstangen angegriffen und die Polizei hatte es sichtlich schwer, diesem Angriff zu begegnen und die Unversehrtheit der Hamas-Gegner zu garantieren.

Das Severins-Burg-Theater hat lediglich darauf hingewiesen, dass im allgemeinen Diskurs Israel als brutal abgestempelt wird, während bei anderen Menschen und Staaten eben dieses Verhalten und vor allem noch extremere Brutalität toleriert wird. Das Severins-Burg-Theater kritisiert die Doppelmoral, die Gewalt nur dann zur Kenntnis nimmt, wenn sie von Juden ausgeht. Das ist antisemitisch!

Es ist genau diese Doppelmoral, die Shakespeares Jude Shylock in „Der Kaufmann von Venedig“ zum Verhängnis wird. Shylock ist ein Mensch, der sich irgendwann schlicht weigert, die Schmach der Unterdrückung hinzunehmen. Sämtliche Christen in diesem Stück sind nicht in der Lage, ihre eigenen christlichen Prinzipien zu leben, dennoch fordern sie von dem Juden eben diese Verhaltensweise und bestrafen ihn, als sich herausstellt, dass er den Geboten der Christen nicht besser folgen möchte und kann als die Christen selbst. Shylock kann nicht besser sein als alle anderen Menschen. Er ist kein Übermensch. Er ist ein Mensch und erklärt:

Hat nicht ein Jude Augen? Hat nicht ein Jude Hände, Gliedmaßen, Werkzeuge, Sinne, Neigungen, Leidenschaften? Mit derselben Speise genährt, mit denselben Waffen verletzt, denselben Krankheiten unterworfen, mit denselben Mitteln geheilt, gewärmt und gekältet von eben dem Winter und Sommer als ein Christ? Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen? Sind wir euch in allen Dingen ähnlich, so wollen wir’s euch auch darin gleich tun. Wenn ein Jude einen Christen beleidigt, was ist seine Demut? Rache. Wenn ein Christ einen Juden beleidigt, was muss seine Geduld sein nach christlichem Vorbild? Nu, Rache.

Wie jeder Mensch, der bedroht und angegriffen wird, verteidigt Shylock sich, schützt sein Leben und versetzt zur Not auch seine Umwelt in Angst und Schrecken, so dies die einzige Möglichkeit ist, das eigene Leben zu bewahren. Natürlich ist Shylocks Rache zuweilen unmenschlich, aber warum fällt vielen diese Unmenschlichkeit erst auf, wenn Sie von einem Juden ausgeht? Warum wurde diese Unmenschlichkeit nicht mit der gleichen Vehemenz bekämpft, als Shylock das Opfer war?

Um diese Frage dreht sich die Inszenierung und ist somit kein Plädoyer für eine angebliche Nibelungentreue gegenüber Israel, die Dorothea Marcus in dieser Inszenierung mit verzerrtem Blick zu entdecken glaubt und behauptet, Israel lege den Gaza-Streifen in Schutt und Asche und ein kleines Kölner Theater unterstütze es auch noch dabei.

Dieser Beitrag wurde unter Antisemitismus, Theater veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Sämtliche Kommentare und Daten, die Ihr beim Absenden übermittelt, sind nur wenige Tage sichtbar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s