Gebt mir ein freies Palästina!

Folgenden Brüller las ich einst bei Henning Mankell:

„Israel wird es genauso ergehen wie Südafrika unter der Apartheidzeit. Die Frage ist nur, ob die Israelis Vernunft annehmen werden und freiwillig einer Abwicklung des Apartheidstaates zustimmen werden. Oder ob es zwangsweise geschehen wird […] Wenn Veränderungen kommen, wird es von dem einzelnen Israeli abhängen, ob er oder sie bereit ist, auf seine Privilegien zu verzichten und in einem palästinensischen Staat zu leben.“

Was für Privilegien meint Henning Mankell eigentlich? Ein palästinensischer Staat ist nicht bereit, Juden auf seinem Gebiet zu akzeptieren. Ich höre sowohl von palästinensischen Organisationen, als auch aus vielen europäischen und amerikanischen Mündern die Forderung, erst einmal mögen alle jüdischen Siedler verschwinden, bevor ein palästinensischer Staat gegründet werden könne. Mit anderen Worten: Für viele Menschen scheint nur ein „judenreines“ Palästina ein wahres Palästina zu sein.

Man stelle sich mal vor, in Europa würde ein Staat, der deutsche gar, fordern, alle Jüdinnen und Juden mögen ihre Häuser, Immobilien und Grundstücke aufgeben. Diese Forderung würde einen Aufschrei auslösen (hoffe ich wenigstens). Einem palästinensischen Staat jedoch möchte eine nicht zu unterschätzende Gruppe von Menschen genau dieses Recht zusprechen.

Welche Privilegien meint Henning Mankell?

Meint er vielleicht das Privileg eines Juden, Jude zu sein? Oder geht er noch einen Schritt weiter und meint damit das Privileg, überhaupt als Jude in Palästina leben zu dürfen? Oder meint er das Privileg schwul sein zu dürfen. In den palästinensischen Autonomiegebieten gibt es dieses Privileg jedenfalls nicht. Oder meint er das Privileg, eine selbstbestimmte, ja emanzipierte Frau zu sein? Auch dieses Privileg würde es in Palästina nach vorliegendem Verfassungsentwurf nicht geben.

Wenn Henning Mankell diese Privilegien meinen sollte, dann fällt er damit jedem schwulen Palästinenser in den Rücken. Für einen schwulen Palästinenser ist Israel nämlich die einzige Oase im Nahen Osten, in der er sich frei und vor allem schwul bewegen kann.

Solange die vorliegende palästinensische Verfassung nicht vorsieht, dass alle Juden, Schwule und Frauen, ob nun jüdisch, lesbisch oder nicht mit einer Menschenwürde gleich an Rechten und Pflichten versehen sind, kann ich es sehr gut verstehen, wenn aufgeklärte Menschen, ob nun palästinensisch, arabisch oder jüdisch keinen Zentimeter Boden an eine unaufgeklärte Verfassung abgeben möchten.

Israel würde sofort einen palästinensischen Staat akzeptieren, wenn dieser Staat friedlich mit Juden und Jüdinnen in Israel und Palästina zusammenleben würde. Friede mit Israel mehr fordert die israelische Regierung nicht. Henning Mankell aber ist bereit, diese selbstverständliche Forderung auf dem Altar der „Toleranz“ zu opfern.

Ich persönlich gehe mit meinen Forderungen sogar noch einen Schritt weiter als die israelische Regierung:

Ich werde erst dann wirklich ein freies Palästina akzeptieren, wenn dort ein lesbisches Regierungsoberhaupt ihr Leben und Bett mit einer Jüdin teilen kann.

In diesem Sinne: Ich freue mich auf ein freies Palästina, lieber heute als morgen!

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