Unanständiges Benehmen in Dubai

Marte Deborah Dalelv ist Norwegerin und sitzt zur Zeit ohne Pass und mit wenig Geld in Dubai fest und wartet auf ein Revisionsverfahren. Erst jüngst war sie zu 16 Monaten Haft wegen „Sex außerhalb der Ehe“ verurteilt worden. Ihr Arbeitgeber sprach ihr die Kündigung wegen „unanständigem Benehmen“ aus.

„Unanständiges Verhalten“ in Dubai, was bedeutet das?

Am 5. März 2013 wollte sich Marte Deborah Dalelv nach einer Party von einem Kollegen in ihr Zimmer bringen lassen, aber es kam anders:

„Er brachte mich zu seinem Zimmer. Als ich nicht mit hinein wollte, packte er mich hart an. Er beruhigte mich aber auch und meinte, ich könne im Bett schlafen. Er nehme das Sofa.“

Am nächsten Morgen wachte sie durch eine Vergewaltigung auf.

„Meine Kleider waren weg, ich lag auf dem Bauch. Ich wollte mich freikämpfen, aber er drückte meinen Kopf am Nacken nach unten.“

Dann klopfte es an der Tür.

„Er sagte noch, als er zur Tür ging, ich soll den Mund halten, aber ich packte meine Klamotten und lief davon. In der Tür rief er: ‚Vergiss nicht: Du wolltest es so!“

Marte Deborah Dalelv verständigte sofort die Polizei.

„Ich sagte nur: ‚Ich bin vergewaltigt worden‘. Für mich war es normal, mich sofort an die Polizei zu wenden.“

In den Vereinigten Arabischen Emiraten ist das aber nicht normal! Im Dezember 2012 war eine britische Frau in Dubai, die drei Männer der Vergewaltigung angezeigt hatte, die die Tat auch noch gefilmt hatten, wegen unerlaubten Trinkens von Alkohol verurteilt worden. Vor drei Jahren wiederum verurteilte ein Gericht in Abu Dhabi eine 18-jährige Frau Emirate zu einem Jahr Gefängnis für illegalen Sex nachdem sie sechs Männer wegen Vergewaltigung angezeigt hatte. Im Jahr 2008 brachte eine australische Frau eine Vergewaltigung zur Anzeige und gab an die unter Drogen gesetzt worden zu sein. Auch sie wurde zunächst wegen illegalem Sex außerhalb der Ehe zu 11 Monaten Gefängnis verurteilt. Nach acht Monaten wurde sie jedoch begnadigt und die drei Männer der Vergewaltigung verurteilt.

Marte Deborah Dalelv wollte bei Polizei niemand glauben.

„Einer fragte mich zwei Stunden nach der Vergewaltigung, ob ich zur Polizei gegangen bin, weil es mir nicht gefallen hat.“

Sie wurde untersucht. Der Arzt stellte Verletzungen fest, wollte sich aber auf eine Vergewaltigung nicht festlegen. Die Polizei nahm ihr Handy, Pass und Geld ab und sperrte sie ein. Erst nach einigen Tagen lieh ihr eine Mitgefangene ihr Telefon, so dass sie zu Hause anrufen konnte. Die Botschaft wurde sofort alarmiert und Marte Deborah Dalelv kam frei. Allerdings kann sie ohne Pass nicht das Land verlassen.

Der nächste Prozesstermin ist am 6. September.

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