Danke, Du Arschloch!

Bernd Matthies war sicher nicht in Höchstform, als er vor einem Jahr im Tagesspiegel erklärte, an dem Vorwurf, gerichtet an den getöteten Chefredakteur von Charlie Hebdo, Stéphane Charbonnier, er sei ein sturer Dickkopf gewesen, der seine Redaktion in den Tod getrieben habe, sei „irgendwie was dran“. Frisch zum neuen Jahr, am 2. Januar 2016 um 17:37 Uhr, knapp ein Jahr nach dem Morden, hat der Tagesspiegel den Artikel erneut herausgebracht. Wie geschmackvoll. Grund genug, erneut zu antworten.

Bernd Matthies erklärt, die Redaktion Charbonniers habe „zur Eskalation beigetragen“, indem sie „auf jeden Protest, jede Drohung und schließlich den Brandanschlag 2011 mit neuem, schärferem Spott“ geantwortet habe.

Dieser Vorwurf streift den Charme eines Drecksacks, das einer vergewaltigten Frau vorwirft, sie habe mit ihrer Kleidung zur Vergewaltigung beigetragen. So jedenfalls sehen es die Mörder von Charlie Hebdo, die daher ihre Frauen, wenn überhaupt, nur verhüllt gehen lassen! Den Höhepunkt erreicht Bernd Matthies jedoch mit dieser Aussage:

„Sehr wahrscheinlich hätte es den brutalen Anschlag nicht gegeben, wenn Charbonnier rechtzeitig beschlossen hätte, seine satirischen Attacken mehr auf die französische Regierung, auf Marine Le Pen oder andere mächtige Schlüsselgestalten der Politik zu fokussieren.“

Mal ganz abgesehen davon, dass Marine von Charlie Hebdo verspottet wurde, wie Mohammed nie verspottet wurde, was dieses Bild beweist, behauptet Bernd Matthies, wer Marine Le Pen kritisiert, lebe nicht so gefährlich wie jemand, der Mohammed kritisiert. Er erklärt somit, der Islam sei gefährlicher als die Front National. Ich sag mal so, Charlie Hebdo wurde von Tugendterroristen für weniger abgeschlachtet. Bernd Matthies gibt zu bedenken, wer „beschließt, ein offensichtlich vorhandenes religiöses Gefühl einmal nicht zu verletzen, der ist damit noch lange kein Feind der Pressefreiheit. Sondern er kann durchaus ein Freund der Vernunft sein.“

Wer vor Mördern kuscht, ist vernünftig. Das hören die Faschisten, die gerade Flüchtlingsheime anzünden sicher gerne. Ein Neonazi aus Heidenau hätte es nicht besser formulieren können:

„Wer beschließt, ein offensichtlich vorhandenes deutschnationales Gefühl einmal nicht zu verletzen, der ist damit noch lange kein Feind der Pressefreiheit. Sondern er kann durchaus ein Freund der Vernunft sein.“

Das Recht auf Spott ist ein Menschenrecht, vor allem, wenn sich der Hohn gegen Herrschende richtete. Mit über 1,6 Milliarden Muslimen auf der Welt und diversen Ländern, die nach der Scharia leben, ist der Islam eine der mächtigsten Ideologien der Welt! Diese Religion zu kritisieren, vor allem in Anbertacht der brutalen und unmenschlichen Verbrechen, die im Namen dieser Religion zum Teil sogar von Staats wegen begangen werden, ist beißender Spott geradezu aufklärerische Pflicht! Kurt Tucholsky schrieb einst:

„Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist: er will die Welt gut haben, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen das Schlechte an.“

Bernd Matthies erklärt knapp hundert Jahre später, dass dieser Idealismus Grund ist für den Mord an Idealisten und behauptet, dieser Idealismus sei, „was Charlie Hebdo falsch gemacht haben könnte.“ Um es mit Kurt Tucholsky zu sagen:

Wenn Charlie Hebdo einen guten politischen Witz macht, dann sitzt Bernd Matthies mit halb Deutschland und nicht weniger Islam auf dem Sofa und nimmt übel. Satire scheint eine durchaus negative Sache. Sie sagt: „Nein!“ Eine Satire, die zur Zeichnung einer Kriegsanleihe auffordert, ist keine. Das gilt auch, wenn es eine Kriegsanleihe der Scharia ist! Die Satire beißt, lacht, pfeift und trommelt die große, bunte Landsknechtstrommel gegen alles, was stockt und träge ist. Übertreibt Charlie Hebdo? Charlie Hebdo muss übertreiben und ist seinem tiefsten Wesen nach ungerecht. Er bläst die Wahrheit auf. Aber nun sitzt zutiefst im Deutschen die leidige Angewohnheit, nicht in Individuen, sondern in Ständen, in Korporationen, zu denken und aufzutreten, und wehe, wenn du einer dieser zu nahe trittst. schwillt ständischer Dünkel zum Größenwahn an. Der deutsche Satiriker tanzt lieber zwischen Konfessionen und Lokaleinrichtungen einen ständigen Eiertanz. Das ist gewiß recht graziös, aber auf die Dauer etwas ermüdend. Die echte Satire ist blutreinigend: und wer gesundes Blut hat, der hat auch einen reinen Teint. Was darf die Satire? Alles.

Darum zitiere ich nun Stéphane Charbonnier, der am 7. Januar 2015 zusammen mit vielen anderen Journalisten von Charlie Hebdo ermordet wurde, weil er laut Bernd Matthies ein unvernünftiger Idealist war:

LACHEN. Um Gottes Willen

Male einen prächtigen Mohammed, so stirbst du.

Zeichne einen lustigen Mohammed, so stirbst du.

Schmiere einen widerlichen Mohammed hin, so stirbst du.

Mache einen beschissenen Film über Mohammed, so stirbst du.

Wehrst du dich gegen religiösen Terror, so stirbst du.

Leckst du den Fundamentalisten den Arsch, so stirbst du.

Halte einen Feind der Aufklärung für einen Idioten, so stirbst du.

Versuche, mit einem Feind der Aufklärung zu diskutieren, so stirbst du.

Es gibt nichts zu verhandeln mit den Faschisten.

Die Freiheit, hemmungslos zu lachen, wurde uns bereits vom Gesetz gegeben, die systematische Gewalt der Extremisten gibt sie uns auch.

Danke, ihr Arschlöcher.

***

Lieber Charb, Danke für Deinen Idealismus, Deinen Mut und Deinen Humor. Ach, wärest Du doch noch hier. Ruhe in Frieden, Du Arschloch!

Dieser Beitrag wurde unter Kunst, Liberalismus veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.