Schluss mit links und rechts!

Wer glaubt, die Gegner der Demokratie stünden nur links, ist selbst zu rechts und wer glaubt, sie stünden nur rechts, ist zu links. Die eigene Position bestimmt, was man sieht. Wer sagt, jemand sei links oder rechts, sagt damit viel mehr über seine eigene Position aus. Ich jedenfalls bin Tapfer im Nirgendwo.

Die Zuschreibungen „links“ und „rechts“ dienen seit langer Zeit nur noch als Beleidigungen des politischen Gegners. Für einen Rechtsextremen ist jeder Mensch mit Verstand links und für einen Linksextremen rechts. Woher kommen die beiden Begriffe eigentlich?

Vor vielen, vielen Jahren, irgendwann im Jahre Achtzehnhundertnochwas in der Julimonarchie Frankreichs saß die Regierung rechts im Parlament und die Opposition links. Als links wurde somit die Opposition bezeichnet, was bedeutet, dass unter der rot-grünen Regierung Gerhard Schröders eigentlich die CDU und die FDP links waren. Allerdings hat es sich festgesetzt, dass die konkrete Sitzverteilung aus der Julimonarchie übernommen wurde und da saßen die Monarchiegetreuen rechts und die Sozialisten und Liberalen links. Warum jedoch wird im 21. Jahrhunderts immer noch diese Sprachreglung zur Verortung einer politischen Orientierung genutzt?

Fragen Sie mal einen Linken, was rechts bedeutet und Sie werden die schroffesten Urteile hören. Fragen Sie mal einen Rechten, was links bedeutet und das Ergebnis wird ähnlich vernichtend ausfallen. Deshalb bin ich dazu übergangen, den Zuschreibungen „rechtspopulistisch“ und „linksdeutsch“ kritisch zu begegnen. Ich bewerte Menschen nicht danach, wie andere sie politisch verorten, sondern danach, was sie tun.

Ich habe Respekt vor Menschen, nicht aber vor ihren Ideologien, Religionen und Überzeugungen. Respekt gebührt Menschen, nicht Ideen! Wenn jemand glaubt, ich beleidigte ihn, nur weil ich hart über den Koran, das Evangelium, ein Manifest, Marx, Mohammed oder Jesus spreche, so soll er sich beleidigt fühlen. Ich werde nie auf das Lachen, Zweifeln, Kritisieren und Verarschen von Ideen verzichten. Wer glaubt, ich verachte ihn, nur weil ich Witze über seinen Glauben mache, verwechselt sich mit seinen Überzeugungen. Der Mensch aber ist mehr als die Summe seiner Ideen!

Wenn ein Mensch aufgrund seiner Herkunft kritisiert wird, nennt man das Rassismus. Wenn ein Mensch jedoch für seine Überzeugung kritisiert wird, nennt man das Aufklärung. Für die Herkunft kann niemand was, für seine Überzeugungen jedoch schon! Das Gegenteil von Herkunft ist nämlich Zukunft! Mit jedem Schritt, den ich gehe, entscheide ich die weitere Richtung. Religionen und Ideologien sind Überzeugungen. Sie dürfen jederzeit verarscht werden!

Wenn zwei Menschen eine Beziehung miteinander eingehen, mag sie privater oder geschäftlicher Natur sein, sollten sie es so frei und unabhängig wie möglich tun können, ohne das ihre Beziehung einer anderen Beziehung gegenüber bevorzugt wird. Wenn Peter und Achmed sich lieben, warum sollte ihre Liebe staatlich anders behandelt werden als die Beziehung von Peter und Maria? Wenn ein Franzose und eine Deutsche miteinander geschäftlich handeln, warum sollten sie es schwerer haben als wenn ein Franzose mit einer Französin handelt? Wenn Kim etwas anbaut und Ill-Young auch, warum sollte Kim Geld vom Staat bekommen, Ill-Young aber nicht? Jede Freiheit eines Individuums, die eingeschränkt wird, muss gut begründet sein.

Der Staat schenkt mir Freiheit nicht! Ich habe die Freiheit in mir, wie jeder Mensch! Ich erlaube dem Staat lediglich Einschränkungen in meine Freiheit. Wenn die Einschränkung keinen Sinn (mehr) macht, sage ich: Fort damit! Freiheit ist eine stete Kritik an herrschenden Konventionen. Leider wird viel zu oft die Autorität der Freiheit vorgezogen. Dabei kamen Veränderungen immer, weil jemand damit angefangen hatte, anders zu denken und zu sprechen. Das Recht auf eine eigene, freie Meinung hat daher jeder! Dummheit muss nicht verboten werden. Dummheit entlarvt sich von selbst. Im Grunde bin ich ein Romantiker. Ich glaube an das Gute im Menschen. Ich glaube, der Mensch ist besser als sein Ruf!

Der Staat ist dafür da, ein Netz zu spannen, das jene auffängt, die vom Seil fallen. Der Staat ist aber nicht dafür da, sich darum zu kümmern, dass man gar nicht erst vom Seil herunter fallen kann. Ich will nicht festgebunden werden. Ich will tanzen! Die Möglichkeit des Fallens gehört zum Seiltanz des Lebens!

Ich brauche keinen Staat, der mir vorschreibt zu welcher Musik ich zu tanzen habe. Ich brauche keine Vorschriften über die Geschwindigkeit meines Tanzes. Ich brauche keine Gesetze über die Abstände meiner Schritte. Ich will nicht, dass der Staat mir die Mindestlänge meiner Balancierstange vorschreibt. Ich brauche keine Einmischung in die Wahl meiner Mitartisten. Ich kann selber entscheiden, an welchen Tagen und zu welchen Stunden ich tanze. Lasst mich einfach nur tanzen wann ich will, mit all den Gefahren und spannt ein Netz für den Notfall. Sollte ich das Netz jedoch als Hängematte missbrauchen, so schmeißt mich raus! Das Netz wird schließlich von der Gemeinschaft bezahlt.

Wer Steuern zahlt, wird dadurch jedoch nicht gleich solidarisch. Steuern zahlen hat nichts mit Solidarität zu tun, sonst wäre ja jeder durch Robin Hood Beraubte, im Moment des Raubs solidarisch geworden. Solidarität kann nur freiwillig als Geschenk gespendet werden. Steuern jedoch sind ein Zwang! Robin Hood hat den Reichen genommen und es den Armen gegeben. Robin Hood war eine Privatisierung des Sozialstaats – und er nahm mit Gewalt, wie der deutsche Staat heute, der jetzt ein Monopol auf die Gewalt hat.

Mit jedem Euro, den der Sozialstaat nimmt, sagt er: „Ich halte Dich für zu egoistisch, um anderen zu helfen. Ich mache das für Dich!“ Im Grunde ist ein Armutszeugnis für eine Gemeinschaft, wenn ein Staat das Teilen erzwingen muss wie Robin Hood! Wer sich zudem zu sehr auf Robin Hood verlässt, hört irgendwann auf, selber solidarisch zu sein und sagt: „Was willst Du von mir? Geh‘ zu Robin Hood, der hat mein Geld!“

Sowohl linke als auch rechte Extreme zeichen sich dadurch aus, dass sie glauben, der Mensch sei so schlecht, dass er Führung braucht, einen starken Mann, einen Vater Staat oder einen dreibeinigen Herrscher!

In den 80er Jahren verfilmte die BBC die Geschichte „Die dreibeinigen Herrscher“. Sie spielt in einer Zukunft, in der es keinen Krieg und keine Umweltverschmutzung mehr auf der Welt gibt. Die Menschen leben mit sich und der Natur in Frieden. Ein grünes Paradies.

Der Grund für dieses Paradies ist eine außerirdische Zivilisation, die von den Menschen „die Dreibeiner“ genannt wird. Sie herrschen über die Menschheit und sorgen dafür, dass jeder Mensch, wenn er erwachsen wird, eine Weihe erhält, die daraus besteht, dass jeder Mensch eine Kappe am Gehirn installiert bekommt, die ihm jegliche Inspiration, Neugier, Kreativität und damit auch die Möglichkeit zu Revolution und Gewalt nimmt. Frei ist der Mensch nicht mehr! Dafür herrscht Frieden auf Erden. Die Welt, die die Dreibeiner geschaffen haben, ist das Paradies, wie es sich die Grünen vorstellen. Keine Kriege, keine Atomkraftwerke, keine Waffen und nur Bio-Landwirtschaft.

Die Dreibeiner kümmern und sorgen sich um die Menschheit! Sie lassen den Menschen jedoch keine Wahl. Wer nicht friedlich ist, wird vernichtet. Die Dreibeiner lassen sich als Option sogar die totale Vernichtung der Menschen offen, denn eins ist klar: Wo kein menschlicher Freiheitsdrang ist, da ist auch kein Krieg!

Meine Oma hat immer gesagt: „Ratschläge sind auch Schläge!“ Das Kümmern geht solange klar, wie dem Menschen, um den sich gekümmert wird, die Möglichkeit der Wahl gelassen wird, ob er bekümmert werden möchte oder nicht. Die Dreibeiner lassen der Menschheit aber keine Wahl.

Laut Bibel soll Eva den Mut gehabt haben, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen. Bis dahin hatte Gott wie die Dreibeiner geherrscht. Mit Menschen kommunizierte Gott nur in der Form von Befehlen: Adam und Eva hielten sich an Gottes Wort. Sie konnten zwar zwischen Richtig und Falsch unterscheiden, aber die Fähigkeit zur Unterscheidung von Gut und Böse fehlte ihnen. Diese Fähigkeit lag uneingeschränkt in Gottes Hand. Die Möglichkeit zur Erlangung der Fähigkeit zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, hing als Frucht an einem Baum mit den Namen עץ הדעת טוב ורע (Baum der Erkenntnis von Gut und Böse). Von dieser Frucht aß Eva. Seitdem ist Gott nicht mehr Alleinherrscher in Moralfragen.

In der Trilogie „Die dreibeinigen Herrscher“ haben die Dreibeiner das Paradies wieder eingeführt. Der Garten Eden war schließlich das schönste aller bekannten Gefängnisse. Viele Menschen wollen im dieses Gefängnis zurück!

Totalitarismus beginnt dort, wo das Paradies nicht mehr nur als eine Phantasie in der Vergangenheit liegt, die uns motiviert, bessere Menschen zu sein, sondern wenn das Paradies als Ideologie in der Zukunft verortet wird, die uns zwingt, dem Paradies liniengetreu entgegen zu marschieren. Alles wird in diesem Fall dieser Zukunft untergeordnet. Wer es wagt, sich der geplanten Zukunft in den Weg zu stellen, wird entsorgt oder bestraft!

Von der BBC wurden nur die ersten beiden Teile der Serie „Die dreibeinigen Herrscher“ verfilmt. Wer den dritten Band gelesen hat, weiß, wie es weiter geht: Eine Gruppe Menschen, die sich der Weihe verweigert haben, beginnen einen Krieg, den die Dreibeiner letztendlich verlieren. Am Ende sind die Menschen wieder frei. Kaum aber sind die Dreibeiner weg, führen die Menschen wieder untereinander Kriege. Der totale Friede ist dahin, aber die Freiheit ist wieder da. Freiheit ist nicht ohne Konflikte möglich. Vermutlich werden es daher liberale Menschen, die für die Freiheit streiten, immer schwer haben, weil sie nicht für den totalen Frieden auf Erden sein können. Der totale Friede ist nämlich nur in Gefangenschaft und Unterdrückung möglich. Deshalb war der Garten Eden auch ein Gefängnis. Ich aber bin ein Flüchtling aus diesem Gefängnis. Ich bin Tapfer im Nirgendwo!

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