Deutschlandradio wird präzise

In einem Kommentar vom 21. Juni 2019 auf Deutschlandradio erklärt Christiane Habermalz, der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu habe bei Angela Merkel angerufen und sie aufgefordert, dem Jüdischen Museum in Berlin die Förderung zu entziehen. Da ich über diese Information sehr überrascht war, fragte ich bei der Redaktion nach:

„Sehr geehrte Redaktion,

In einem Bericht vom 21. Juni 2019 erklärt Christiane Habermalz:

„Dass der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu bei Angela Merkel anruft und fordert, dem Museum müsse die Förderung entzogen werden, weil eine Ausstellung über Jerusalem der palästinensischen Sichtweise zu viel Raum einräume, ist das eine – und hochproblematisch.“

Auf welches Telefonat bezieht sich Frau Habermalz und wann genau hat dieses Telefonat stattgefunden?

Mit freundlichen Grüßen,
Gerd Buurmann“

Die Antwort lautete:

„Sehr geehrter Herr Buurmann,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Die Redaktion hat den Kommentar zur Debatte über den Rücktritt von Peter Schäfer als Direktor des Jüdischen Museums vom 21. Juni 2019 korrigiert und präzisiert.“

Unter dem Kommentar des Deutschlandradio stand:

[*] Anmerkung der Redaktion: In einer älteren Version dieses Beitrages stand, dass der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Bundeskanzlerin Angela Merkel angerufen habe. Er hat ihr jedoch geschrieben. Wir haben diesen Fehler korrigiert.

Benjamin Netanjahu hatte Angela Merkel also geschrieben und nicht angerufen. Es müsste also ein Brief von Netanjahu an Merkel geben. Allerdings konnte das Deutschlandradio auch diesen Brief nicht vorzeigen und legte stattdessen eine Präzision nach:

Präzision: Es handelte sich um ein mehrseitiges Papier, das der Bundesregierung übergeben wurde, und in dem „Anti-Israel-Aktivitäten“ des Jüdischen Museums und verschiedener Stiftungen und Menschenrechtsorganisationen beklagt wurden. Der israelische Botschafter beschreibt diese Intervention in einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur am 22.12.2018 wie folgt:

„Als sich die israelische und die deutsche Regierung Anfang Oktober in Jerusalem trafen, wurde dieses Thema verhandelt, und wir haben der deutschen Seite ein sogenanntes ‚non-paper‘ übergeben. Wir haben über verschiedene Institutionen gesprochen, die gegen den Staat Israel und seine Legitimität vorgehen – in einer ungebührlichen Weise, die den Ministerpräsidenten, die Legitimität Israels und auch den Status als demokratischer Staat verletzt. Ich ziehe es vor, in dieser Sache nicht in die Einzelheiten zu gehen. Wir haben ein Papier übergeben. Die deutsche Seite hat erklärt, sie werde die Sache prüfen, und ich ziehe es vor, diesen Dialog auf der Regierungsebene zu behandeln.“

Wie wäre es, einfach präzise zuzugeben, dass in dem Kommentar eine Falschmeldung verbreitet wurde, was vermutlich der Tatsache geschuldet ist, dass die Kommentatorin die aktuelle israelischen Regierung so sehr nicht mag, dass sie bei negativen Gerüchten über die Regierung nicht so genau ist und schon mal ein Gerücht über Israel unkontrolliert weitergibt?

Im Audio-Format des Kommentars behauptet Christiane Habermalz übrigens weiterhin, Netanjahu habe bei Merkel angerufen.

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6 Antworten zu Deutschlandradio wird präzise

  1. davboe schreibt:

    Hat dies auf Im Erziehungswunderland. rebloggt und kommentierte:

    Fürs Sammelalbum „Die fettesten Mausrutscher bei ARD, ZDF & DLF“ …

  2. Paul Möllers schreibt:

    Danke für Deine Nachfrage! Ich habe heute Nachmittag im Dlf gehört, wie die Assmanns zitiert wurden, sinngemäß: Das Gespenst des Antisemitismusvorwurfs gehe um. Sie solidarisierten sich mit 60 (?) Wissenschaftlern und protestieren gegen den Abgang Schäfers beim Jüdischen Museum. Die Ankündigung des „Interviews mit dem Publizisten Micha Brumlik“ habe ich noch gehört, dann musste ich weg. Sollte ich mir das heut‘ noch geben? Die Laune ist eh‘ im Keller..

  3. American Viewer schreibt:

    Wenn es das Non-Paper wirklich gibt, dann haben wir den allgemeinen Punkt leider und ausnahmsweise verloren. So viel Ehrlichkeit sollte schon sein.

  4. Was Sie schon immer über das „Jüdische Museum Berlin“ wissen wollten, aber nie zu fragen gewagt haben:
    https://justpaste.it/7r81s
    Und der Israel-feindliche Pseudojournalismus mal wieder nach dem bewährten Motto: Fuck the facts, enjoy the ride!

  5. anti3anti schreibt:

    Es ehrt Dich, dass Du den Medien vertraust.

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