Ich bin nicht pro-israelisch!

Ein wohlmeinender Freund schenkte mir jüngst den Film „Paradise Now“ mit diesen Worten: „Damit Du auch mal was von der anderen Seite kennenlernst. Du bist ja so pro-israelisch!“

„Danke“, sagte ich „aber ich kenne den Film schon. Ich muss gestehen, er hat mir sogar recht gut gefallen, vor allem die Szene, wo das Bekennervideo eines Selbstmordattentäters aufgenommen wird und es Probleme mit der Kamera gibt, aber der Streifen ist hoffnungslos pro-palästinensisch. Israelis tauchen in diesem Film nur als Gefahr auf. Das mag ja aus der Sicht des Protagonisten stimmig sein, aber der Film hat schließlich einen Autoren und einen Regisseuren. Dieser Film tut so als sei er keine Fiktion, sondern eine Dokumentation. Eine selbstkritische Haltung geht diesem Film vollkommen ab. Er ist teilweise nur weinerlich.“

Ich ging zu meinem Regal und holte einen anderen Film zum Nahost-Konflik heraus: „The Bubble“.

„In diesem Film hier ist es ganz anders. Hier werden nicht nur beide Seiten gezeigt, sondern beide Seiten beider Seiten. Hier stehen sich Israelis und Palästinenser nicht als monolithische Blöcke gegenüber, sondern sie sind in sich gespalten. Der Film spielt mit der Unmöglichkeit, Partei zu ergreifen und zeigt individuelle Schicksale, die an den großen politischen Gesamtzusammenhängen verzweifeln. Woran „Paradise Now“ gescheitert ist, nämlich gewitzt und sexy zu erzählen, gelingt „The Bubble“ mit Leichtigkeit. Kennst Du den Film?“

Mein wohlwollender Freund verneinte.

„Tja,“ sagte ich, „kann es sein, dass nicht ich pro-israelisch bin, sondern Du pro-palästinensisch bist? Immer wieder treten Menschen an mich heran mit Buch- und Filmempfehlungen, die ich bereits kenne, während sie dann meine Empfehlungen nicht kennen.“

Schon waren wir mitten im Streit, der in dem Ausspruch mündete: „Aber Du bist doch bedingungslos für das Exitenzrecht Israels!“

„Ja“, sagte ich „aber was bitteschön ist daran pro-israelisch? Ist es neuerdings pro-israelisch, wenn ich die Vernichtung des Staates Israel akzeptiere?“

Es ist nicht pro-israelisch, für das Existenzrecht Israels zu streiten! Es ist nicht pro-israelisch, gegen die Vernichtung des Staates Israels zu sein! Es ist nicht pro-israelisch, auf das Recht Israels zur Selbstverteidigung zu pochen! Es ist kein besonderes Zeichen der Zuneigung, wenn ich einem Land das Recht auf Existenz und Verteidigung zuspreche. Ich spreche jedem Land diese Selbstverständlichkeit zu.

In der Verteidigung des Existenzrechts Israels einen pro-israelischen Akt zu vermuten, ist so absurd, wie zu behaupten, man sei pro-jüdisch, wenn man gegen den Holocaust ist. Israel ist allerdings zur Zeit das einzige Land auf der ganzen Welt, das um seine Existenz fürchten muss, da es von verschiedenen Seiten der Landkarte mit der Auslöschung bedroht wird. Keines der vielen islamofaschistischen Länder, in denen Homosexuelle gehängt, freizügige Frauen gesteinigt, Juden verfolgt und kritische Muslime getötet werden, wird in seiner puren Existenz bedroht.

Ach, wie schön wäre diese Welt, könnte Israel mir egal sein, aber leider kann mir dieses winzige Land, das kleiner ist als Hessen, dieser einzige jüdische Staat in einer Welt voller christlicher, muslimischer und kommunistischer Nationen nicht egal sein, weil dem Land und somit seinen Bürgerinnen und Bürgern täglich mit der Vernichtung gedroht wird. Seit Jahren wird Israel fast täglich bombardiert.

Nicht wenige Regierungen dieser Welt wollen Israel von den Seiten der Geschichte tilgen, so wie einst Hitler alle Juden von den Seiten der europäischen Geschichte streichen wollte. Woran Hitler vor 70 Jahren gescheitert ist, nämlich ein „judenfreies“ Deutschland zu schaffen, ist anderen Diktatoren in anderen Ländern gelungen: Algerien, Saudi-Arabien, Jordanien und Libyen erklären stolz, „judenrein“ zu sein und stellen zudem das Existenzrecht Israels in Frage, ganz so als wäre es nicht schon schlimm genug, dass in ihren Ländern Juden verfolgt werden, die ganze Welt muss ein Hort der Unsicherheit und der Verfolgung für Juden werden. Nicht mal diesen Ländern spreche ich das Existenzrecht ab!

Manche „Freunde Palästinas“ sind alles andere als Freunde. In ihrem Hass auf Israel haben sie keine Skrupel davor, selbst die größten Feinden der freien Palästinenser zu verharmlosen. Kaum eine Organisation hat mehr Palästinenser auf dem Gewissen als die Hamas. Demokraten, Liberale, emanzipierte Frauen, Konvertiten, Homosexuelle, sie alle werden von der Hamas verfolgt, gefoltert und ermordet. Die wahren Freunde Palästinas sind jene, die von den falschen Freunden Palästinas als pro-israelisch diffamiert werden.

Am 13. Juni 2010 war ich auf einer sogenannten pro-israelischen Demo in Köln und hörte über tausend Menschen vor dem Kölner Dom rufen: „Freiheit für Gaza! Freiheit für Gaza von Krieg und Terrorismus! Freiheit für Gaza von Gewalt gegen Homosexuelle und Andersgläubige! Freiheit für Gaza von der Hamas!“ Die Demonstration fand unter dem TitelFairplay für Israel – für Wahrheit und Solidarität“ statt.

Ich muss gestehen, an jenem Tag im Juni sind mir die Tränen gekommen. Ich hätte nie gedacht, dass sich über tausend Menschen in Köln zusammen finden würden, um gegen die einseitige Verurteilung Israels zu demonstrieren, aber noch viel weniger hatte ich damit gerechnet, dass die Anwesenden trotz der weltweiten anti-israelischen und antisemitischen Hetzkampagne gegen Israel an den Prinzipien Hoffnung und Vernunft festhalten und gemeinsam für den Frieden und die Freiheit Palästinas eintreten würden. Ich fühlte mich spontan an den Spruch von Golda Meir erinnert.

„Wir können den Araber vergeben, dass sie unsere Kinder töten. Wir können ihnen nicht vergeben, dass sie uns zwingen, ihre Kinder zu töten. Wir werden erst Frieden mit den Arabern haben, wenn sie ihre Kinder mehr lieben als sie uns hassen.“

Solange Israel mit der Vernichtung bedroht wird, solange verteidige ich Israel. Ich würde es mit jedem Land so machen! Deshalb bin ich nicht pro-israelisch, sondern schlicht konsequent. Ich mache einfach keine Ausnahmen. Nicht ich bin einseitig, sondern jene, die mich zu ihrem Feind machen, die mich brauchen, um ihre eigene vermeintliche pro-palästinensische Seite zu stärken. Ich bin der pro-israelische Andri, den sie brauchen, um sich selbst ihrer guten Haltung zu versichern, aber dabei nichts anderes tun, als die Verbrechen der Hamas und der Hisbollah zu weißeln.

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