Gerade wir als Deutsche

Am 27. Januar 2011, am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus hielt Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes eine Rede vor der Kindergedenkstätte Löwenbrunnen an der Lern- und Gedenkstätte Jawne in Köln. Die Jawne war ein jüdisches Gymnasium in Köln, das von den Nationalsozialisten geschlossen wurde und deren Schülerinnen und Schüler zum größten Teil ermordet wurden. Daher finden sich an diesem Tag auch immer wieder einige Schulklassen vor dem Löwenbrunnen ein, um den verfolgten und ermordeten jüdischen Kindern von Köln zu gedenken.

Auch Elfi Scho-Antwerpes richtete sich an diesem Tag mit ihrer Rede ganz besonders an die anwesenden Schulklassen. In ihrer Rede nutze sie Vergleiche zur Verdeutlichung der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten, die so albern waren, dass ich mich zusammenreißen musste, um nicht laut in die gedämpfte Stimmung zu lachen.

Es wäre einer Katastrophe gleichgekommen, hätte ich mich mit meinem Lachen nicht zurückhalten können. Wenn es um Vergangenheitsbewältigung geht, dann versteht man in Deutschland keinen Spass. In Deutschland nimmt man die Vergangenheitsbewältigung sehr ernst und liebt es, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen: Hier ist Deutschland und da die böse dunkele Vergangenheit – schön weit auseinander.

Die deutsche Vergangenheitsbewältigung ist ein wahres Wirtschaftswunder und dürfte neben Autos und Bier zum wichtigsten Wirtschaftsgut des Exportweltmeisters Deutschland gehören. Man überlege sich einmal, wie dramatisch die Arbeitslosenzahlen in Deutschland aussehen würden, wenn es all die Arbeitsplätze in den Lern-, Gedenk- und Dokumenationsstätten, in den Holocaustforschungsinstituten und Universitäten der Antisemitismusforschung nicht geben würde. Man überlege sich einmal wie leer manche Seiten meines Blogs Tapfer im Nirgendwo wären! Die Stadt Berlin wäre um eines ihrer beliebstesten Sehenswürdigkeiten ärmer: dem Holocaust Mahnmal. Von diesem Stelenfeld hat Altkanzler Gerhard Schröder einst gesagt, es sei ein Mahnmal, „wo man gerne hingeht“. Der Historiker Ebehard Jäckel brachte es sogar fertig, zu sagen: „Es gibt Länder in Europa, die uns um dieses Denkmal beneiden.“ Beneiden! Eine wahrhaft deutsche Neid-Debatte.

Die deutsche Vergangenheitsbewältigung hat es geschafft, dass man in Deutschland wieder stolz sein kann auf den Holocaust; natürlich nicht auf die Perfektionierung des Massenmordes selbst, aber schon irgendwie auf die Perfektionierung der Bewältigung des Massenmordes.

Hätte es den Holocaust nicht geben, dann hätte das ehemalige Waffen-SS-Mitglied Günter Grass niemals „Die Blechtrommel“ geschrieben und somit vermutlich auch nie den Nobelpreis für Literatur erhalten. In 55 Jahren von der SS zum Nobelpreis, das schafft nur Günter! Volker Schlöndorff hätte somit auch niemals „Die Blechtrommel“ verfilmen können und daher nie den Oscar für diesen Film erhalten.

So gut wie alle Oscars für den deutschsprachigen Raum sind Resultate der Vergangenheitsbewältigung: Volker Schlöndorffs „Die Blechtrommel“, Caroline Links „Nirgendwo in Afrika“ und Christoph Waltz Oscar für die Rolle eines Nazis. Obwohl sie somit alle dem Holocaust ihren Oscar zu verdanken haben, haben sie sich nie bei dem Holocaust bedankt. Der dritte aller Oscar-Filme aus Deutschland, nämlich Florian Henckel von Donnersmarcks „Das Leben der Anderen“ bewältigt ebenfalls eine deutsche Diktatur, in diesem Fall allerdings die DDR-Diktaur.

Deutschlands heutiger Erfolg beruht somit zum großen Teil auf Vergangenheitsbewältigung. Wenn es eine Holocaust-Industrie gibt, dann ist der Hauptaktionär Deutschland! Wer einmal in Berlin war und sich in den Hotels die Reiseführer angeschaut hat, erkennt sofort, woran Berlin verdient: Third Reich Tour und Hitler’s Berlin sind die wohl beliebtesten Stadtführungen.

In Deutschland wurde die Vergangenheitsbewältigung so sehr perfektioniert, dass sie mittlweile sogar zum offensiv-aggressiven Imperialismus avanciert ist. Großzügig geben viele Deutsche der ganzen Welt Nachhilfe in Sachen Vergangenheitsbewältigung: Da wird die USA getadelt, weil sie mit „den Indianern“ nicht so vorbildlich umgeht, wie „die Deutschen“ mit „den Juden“ und auch Israel bekommt Nachhilfe in Sachen völkische Aussöhnung mit den Palästinensern, denn „gerade die Juden müssten es doch besser wissen.“ Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. So avanciert Auschwitz vom Ort der industriellen Massenvernichtung von Menschen zu einer sittlich-bildenden Lehranstalt für Juden.

Aber was bitte gibt es aus Auschwitz zu lernen? Dass man Menschen nicht millionenfach vergast? Dass Juden auch Menschen sind? Dass man lieb zueinander sein sollte? Dass man sich wehren darf, wenn man verfolgt wird? Dass man Menschen, die andere Menschen vergasen, den Krieg erklärt? Dass man wahnsinnige Menschen mit allen Mitteln entwaffnet? All dies sollte man auch ohne Auschwitz wissen. Auschwitz ist keine Nachhilfe für moralisch Sitzengebliebene, sondern schlicht ein unvergessbares und unverzeiliches Verbrechen, aus dem es nichts zu lernen gibt! Auschwitz eignet sich nicht als moralischer Ausgangspunkt.

Mir ist manchmal als hörte ich einen Rumor, ganz leise, aber immer stärker hervortretend, wenn Joschka Fischer einmal sagt, ein Krieg müsse unterstützt werden, weil uns Auschwitz dies lehre und dann ein anderes Mal sagt, ein Krieg müsse kritisiert werden, weil uns Auschwitz dies lehre. Der Rumor flüstert: Gott ist tot, es lebe Auschwitz! Für viele ist Auschwitz zur Begründungsmatrize für allerlei Überzeugungen und Ideologien verkommen, immer bereit, hervorgeholt zu werden, wenn ein besonders wirkmächtiger Vergleich benötigt wird.

Am 27. Januar 2011 machte Elfi Scho-Antwerpes einen Vergleich auf, der wahrlich saukomisch war. Am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus musste Elfi Scho-Antwerpes auch an all die unzähligen Mobbing-Opfer denken. I’m not making this up! Aber der Reihe nach:

Zunächst überdramatisierte sie ein wenig und hielt selbstergriffen inne, als ein Rettungshubschrauber vorbeiflog, um dann nach wenigen Sekunden in ihr Mikrophon zu hauchen: „Auch das lässt Erinnerungen hochkommen!“ Dann erzählte sie ein wenig von der Progromnacht am 9. November 1938 und sprach dann folgende bemerkenswerte Sätze:

„Was heißt das eigentlich Diskriminierung? Da wird eine Gruppe von Menschen ausgegrenzt, manchmal auch nur ein einzelner Mensch benachteiligt, ja zum Teil herabgewürdig. Es wird über jemand schlecht gesprochen, wird über jemand gehetzt. Heute kennt man ja das Modewort Mobbing; auch das ist eine schlimme Form von Diskriminierung. Wir wissen alle, dass es immer mehr Menschen gibt, die darüber krank werden, und das dürfen wir nicht zulassen. Diesen Dingen müssen wir eine klare Absage erteilen!“

In 5 Minuten von Auschwitz zum Mobbing. Das schafft nur Elfi!

Ich musste spontan an Sedika Weingärtner denken. Sie hatte einst die Firma Siemens auf zwei Millionen Euro Schadensersatz verklagt, weil sie dort angeblich „schlimmer behandelt wurde als Juden im 3. Reich.“ Sie klagte: „Kein Jude in diesem Land musste jemals solche seelischen Qualen erleiden wie ich.“

Für Elfi Scho-Antwerpes und Sedika Weingärtner ist Mobbing somit irgendwie total Auschwitz und auch die anwesenden Schülerinnen und Schüler vor dem Löwenbrunnen werden vielleicht verstanden haben, dass Mobbing auch voll der Holocaust ist, einfach voll holo, ey!

Elfi Scho-Antwerpes war an diesem Tag eine typische „Gerade wir als Deutsche“-Deutsche. Sie hatte die Vergangenheit bewältigt, toten Juden ihre Ehre erwiesen und daraus dann das ihre gelernt.

Dabei fiel es an diesem Tag wieder besonders auf, wie leicht es den „Gerade wir als Deutsche“-Deutschen fällt, tote Juden zu betrauern und wie unfähig sie sind, lebenden Juden zur Seite zu stehen. Mit toten Juden haben sie keine Problem, sie können betrauert werden. Nur mit lebendigen Juden, da gibt es noch Schwierigkeiten. Aber das Beispiel und der Vergleich ist schließlich Auschwitz und Auschwitz hat nichts mit lebenden Juden zu tun!

(Mein Dank gilt Tilman Tarach und Henryk M. Broder für die vielen guten Inspirationen.)

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32 Antworten zu Gerade wir als Deutsche

  1. Aristobulus schreibt:

    Gerd, hat er behauptet, dass türkische Migranten in Deutschland (nicht als Rasse, denn sie sind keine, und nicht, weil sie Moslems sind, denn es gibt keine muslimische Rasse) dümmer seien als Andere? Er hat, nicht? Es sei denn, dass alle die lögen, die es behaupten.

    Jedenfalls sagt er, dass Juden intelligenter seien als Andere. Habe selber gehört, als er es sagte.
    Dazu gibt’s ein Buch: Sander L. Gilman, Die schlauen Juden. Über ein dummes Vorurteil

    http://www.amazon.de/Die-schlauen-Juden-dummes-Vorurteil/dp/3546001273/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1327867829&sr=1-1

  2. Ilva Sara Ndoni schreibt:

    Mein Kommentar drückt deutlich klar aus, was ich damit meine. Entweder sind Sie schwer von Begriff, oder Sie stellen sich zumindest so an. Es geht weder um einen historischen Quatsch noch um die Notwendigkeit einer Definitionsauslegung.
    Ich finde es nicht gerade nett von Ihnen, dass Sie die Reihenfolge der Kommentare hier nicht respektieren. Eigenglich war mein Kommentar eine Antwort auf Herrn/Frau Yael. Der Rest ist nur Bla, Bla, Bla unter dem Deckmantel eines angeblich schwer gekränkten Moralapostels. Schließlich handeln Sie tapfer aber im Nirgendwo…klingt so gut wie….. Sonnenbrille tragen in der Nacht!

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Liebe Ilva Sara Ndoni,

      es geht hier nicht darum, was Sie meinen, Ihre Meinung sei Ihnen gegönnt, es geht hier auch nicht um einen Moralapostel, sondern schlicht darum, dass Sie eine Tatsache behauptet haben! Das ist eben keine Meinung, sondern eine Tatsachenbehauptung. Und diese Tatsache müssen Sie beweisen! Sie sagen:

      „Wer die Unverschämtheit hat (wie Th. Sarrazin) zu behaupten dass die Türken aus Anatolien von Rasse her „dumm und nicht intellektuell“ sind, …“

      Also, Sie müssen eine Stelle von Sarrazin anbringen, die ihre Behauptung stützt! Ansonsten kann man mich als Blogbetreiber für ihre Behauptung belangen. Das kränkt mich nicht, wie sie behaupten, sondern das stört mich ganz einfach. Aber so ist nun mal die deutsche Rechtsprechung.

      Also, her mit dem Zitat, das Ihre Behauptung stützt.

      Alles Liebe,
      gerd buurmann

  3. tapferimnirgendwo schreibt:

    Wer islamfeindlich ist, soll auch Antisemit sein?
    Was für ein historischer Quatsch.
    Auch wenn das Wort es suggeriert, aber Antisemitismus ist nicht der Hass auf Semiten, was immer Semiten sein mögen, sondern auf Juden!
    Bitte im Geschichtsbuch mal den Begründer des Begriffes Antisemitismus nachschlagen:
    Der Erfinder des Antisemitismus war ein radikaler Linker und er meinte damit nur Juden.

    https://tapferimnirgendwo.wordpress.com/2011/01/08/antisemitismus-und-antizionismus/

  4. Ilva Sara Ndoni schreibt:

    Was haben den die Nazis damit zu tun? Sie verstehen mich nicht was ich damit meine. Wer Abneigung gegen eine bestimmte Religion hat, kann natürlich tausende weitere Religionen hassen. Der Weg des Hasses ist somit frei…. Wer die Unverschämtheit hat (wie Th. Sarrazin) zu behaupten dass die Türken aus Anatolien von Rasse her „dumm und nicht intellektuell“ sind, kann genauso gut behaupten dass Juden von Rasse her ein Ausbeutervolk sind. Denn die Deutschen reden gern über Rasse. Haben sie mich jetzt verstanden Herr…Yael (wie Sie auch heißen mögen…)?

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Sollten Sie Thilo Sarrazin meinen, so bitte ich um eine Angabe einer Quelle, in der Sarrazin sagt, die Menschen in Anatolien seien der Rasse nach dumm! Ich kann diese Quelle nicht finden und gleich wie ich sonst zu Thilo Sarrazin stehe, solange Sie keine Stelle anführen können, die ihre Unterstellung unterstreicht, begehen Sie hier eine Rufschädigung, für die ich mich als Blogbetreiber schlimmstenfalls verantworten muss. Ja, bescheuerte deutsche Rechtsprechung macht mich für das verantwortlich, was Sie hier schreiben.
      Also, beweisen Sie ihre Aussage oder Herr Sarrazin kann mich verklagen.
      Sollten Sie es nicht beweisen können, dann:
      Vielen Dank für die Probleme, die sie anderen bereiten, in diesem Falle mir.

      • yael1 schreibt:

        Juden wird aber nicht (nur) wegen der Religion gehasst. Vom Antijudaismus reden wir hier ja nicht.
        Ich wüsste auch nicht, dass Sarrazin von einer muslimischen Rasse (ob Türken oder nicht) spricht. Dazu hätte ich auch gern Belege.

        Sie haben geschrieben, „Wer islamfeindlich ist, ist schließlich auch ein Antisemit!“. Es gibt soviele Antisemiten, die den Islam oder Moslems nicht hassen. Ausnahmen gibt es naürlich immer, aber die Zwangsläufigkeit, die Sie aufstellen, ist weder belegbar noch richtig. Deswegen mein Beispiel der Nazis, die mit dem Mufti zusammengearbeitet haben.

        Vielleicht verstehen Sie besser was ich meine, wenn Sie das folgende lesen:

        Deutsche Zustände
        im Kontext von Antisemitismus und „Islamophobie“
        Über zwei Begriffe, eine falsche Gleichsetzung und deren Folgen

        http://www.kritiknetz.de/images/stories/texte/Deutsche%20Zustaende-%20Martin%20Grote.pdf

        Ich heiße Yael (weiblich).

  5. yael1 schreibt:

    „Wer islamfeindlich ist, ist schließlich auch ein Antisemit!“

    Komisch nur, dass die Nazis eben das nicht waren. Ts…

  6. A.mOr schreibt:

    Guten Abend ricwin!
    Mein „Einschreiten“ von oben, als „rational denkender Mensch“, das habe ich nicht nur von Dir zitiert, sondern Dir gleich zurückgebracht, wie Du es ja auch bemerktest, gewissermaßen.
    Aber wem sage ich das?

    Wenn Du „vernünftig belegte Argumente“ von Politikern erwartest (?), dann bist Du -so leid es mir tut, auch für mich als Deinen Mitbürger!- wohl auf dem Holzweg.
    Politik ist doch wohl eher eine Scharade, nur daß diese Leute wesentlich mehr Eintritt nehmen als tapferimnirgendwo, wie ich annehmen darf.
    Schätze, im Theater bekommt man eher „vernünftig belegte Argumente“ als auf der Bühne der V.V.V.i.P.oliticians.

    Bei der Frau Meister vom Bürger Elfi könnte man, sagen wir, eine angemessene Vorbereitung zum Thema erwarten. Ich war nicht bei der Veranstaltung, aber bald habe ich das Gefühl, als wenn ich diese Frau sogar verstehen kann. Die Beseitigung von „Schädlingen fürs Ariervolk“ (also Juden, Behinderte, ich glaube Affen hat man leben lassen, Rotwelsche und rotpolitische, …) kann man wohl als ‚Extremst-Mobbing‘ bezeichnen.

    Wenn tapferimnirgendwo es also korrekt wiedergibt, dann stolpert diese Frau von „deutschaffektierter Betroffenheit“ zum Auszwitz-Befreiungs-Tag via Rettungshubschrauber zum Mobbing.
    Wenn tapferimnirgendwo dann noch das Beispiel Sedika Weingärtner liefert: („Kein Jude in diesem Land musste jemals solche seelischen Qualen erleiden wie ich.“) also mir bleiben da die Worte weg.
    (Falls Du es nicht gelesen hast, es lohnt. Mach es und verstumme.)

    Und „seine Denkweise auf vernünftig belegte Argumente stützen“, wie meinst Du das?
    Der Nazi-Krieg ist wohl das am ausführlichsten historisch belegte Spektakel, das die Menschheit bislang kennt. (ich glaube noch ausführlicher, als die Ereignisse von Mittelerde!)

    Und dann kommt noch Sedika daher und erzählt uns, daß „kein Jude in diesem Land jemals so gelitten hätte wie Sedika“.
    Eine „gebürtige Afghanin“ kommt nach Deutschland um hier so zu leiden „wie kein Jude vor ihr“.
    Deutschland schäm Dich!
    Das ist doch wohl auch ein schwaches Bild unserer Soldaten am Hindukusch, wenn die Afghanen zum Leiden erst übersiedeln müssen.
    Mann, Mann, diese Weicheier! Da sind bestimmt zuviel Deutsch-Russ-Juden im Feld. Die kriegen es einfach nicht gebacken!

    Wer ist das eigentlich mit den Schuldzuweisungen, von denen Du schreibst? Wen oder was meinst Du mit Massenmedien?
    Hat es doch noch irgend ein Jude in DSDS geschafft und schreit „Dieter knie nieder und heul doch, du Schuldlappen!“?
    Oder Steven Spielberg mit zB. „Jeeews!“ (deutsch: „Der arische Hai“ http://www.colbertnation.com/the-colbert-report-videos/368130/december-09-2010/israel-shark-conspiracy )?

    Was bedeutet: „Verbohrtheit im beenden schwelender Konflikte“ ?

    Aber „selbstverständlich nicht erwähnenswert“, daß „man Lehren aus dem Geschehen zieht und so etwas niemals noch einmal dort passieren darf wo Menschen exisitieren um es zu verhindern.“
    Selbstverständlich! …Ööh, was noch mal? Bedeutet das: nichts ist selbstverständlich?

  7. ricwin schreibt:

    Ein wirklich ausgesprochen unterhaltsam geschriebener Betrag, zu dem ja fast schon tragisch, wenn denn nicht ebenfalls immens satirisch komisch, zu nennendem Büßeprogramm das wir uns als Deutsche seltsamerweise selbst auferlegen und auflegen lassen.

    Jahrzente nach einem Supergau der Unmenschlichkeit, bekennen sich Generationen von Menschen zudem Schuldgefühl, Schandtaten, die sie selbst niemals begangen haben, zugelassen zu haben, selbst wenn sie zu dieser Zeit nicht einmal geboren waren.

    Klingt fast nach neuem Stoff für einen Science-Fiction Film, ist nur leider keine Spekulation, sondern Tatsache.
    Und was ich an diesem Ganzen vielleicht reu- oder edelmütig zu nennendem Spektakel vermisse, ist das rationell denkende Menschen einschreiten und endlich einmal klar machen das die jungen Genrationen unseres Landes an nichts von dem was Geschehen ist die Schuld tragen, und auch in keinster Art und Weiße dafür büßen sollten!
    Es gehört langsam ein Deckel auf den Topf voller überbordener prestige fördernden Anteilnahme, um Freiraum dafür zu schaffen neue positive Landesgeschichte zu schaffen!

    • yael1 schreibt:

      Büßen? Leider können Menschen, die Ihre Meinung vertreten, nie zwischen Schuld und Verantwortung unterscheiden. Ist die deutsche Sprache wirklich so schwer für Deutsche?? 😀

      • A.mOr schreibt:

        Treffer!

      • ricwin schreibt:

        Die auswahl des Wortes Schuld geschah absichtlich, und mit genau der Absicht darzulegen, dass viele nämlich nicht nur die Verantwortung übernehmen den Holocaust niemals in Vergessenheit geraten zu lassen, sondern sich tatsächlich schuldig fühlen.

        Meine Zeichensetzung ist katastrophal, da stimme ich zu 😉

        • yael1 schreibt:

          Aber genau das ist doch deren Problem, wobei ich eben aber denke, dass sie den Unterschied genau wissen, es aber schön als Ausrede, sich nicht damit beschäftigen zu müssen, nutzen. Schuld ist immer individuell und nie kollektiv.

        • A.mOr schreibt:

          Ein „Einschreiten“ dazu, ricwin,…

          als „rational denkender Mensch“ sage ich Dir, daß niemand schuldig ist, der sich nicht schuldig gemacht hat.
          „…neue positive Landesgeschichte zu schaffen.“, ist ein guter Plan, aber „Deckel drauf“ nicht die passende Strategie dafür.
          „Nicht vergessen“ und mindestens genausowichtig (Yael:) „Verantwortung“ sind der Boden für alles Gute, Landesgeschichte, Kekse backen, Operationen am offenen Herzen etc, da kommt was zusammen…
          „Nicht vergessen“, um aus der Erfahrung und dem Erlernten zu schöpfen, „Verantwortung“, um zu begreifen, daß das eigene Handeln wirkt/Konsequenzen hat.
          Um etwas gutes zu schaffen sollte man auch gutes wollen.
          Verantwortlich dabei ist, wer nicht nur darauf achtet, was für einen selbst gut ist, oder nur darauf, was für andere gut scheint.
          Dabei wiederum kann Erfahrung und Erlerntes (das „nicht vergessen“) hilfreich sein.

          Erwartest Du bestimmte „rational denkende Menschen“? Und noch dieses: selbst denken lohnt!
          Aber wem sage ich das?

          • ricwin schreibt:

            Ich beginne mal mit den einfacher zu beantwortenden Fragen.
            Ich erwarte gar nicht, dass irgendjemand es schaffen wird in Hinsicht auf dieses Thema etwas zu verändern, aber wenn doch, so erhoffe ich mir, dass es jemand ist der eben genau das tut was du als abschliessenden Rat gibs, selber denken! Und seine Denkweise auf vernünftig belegte Argumente stützen, nicht auf ein von den Massenmedien gesteuertes Schuldgefühl. Wer auch immer das sein mag ist mir vollkommen egal.
            Derjenige an den du deinen letzen Satzn gerichtet hast bin dann wohl ich.
            Und „Deckel drauf“ bezog sich lediglich auf den von mir kritisierten bitteren Beigeschmack des Gedenkens, wie Schuldzuweisungen und Verbohrtheit im beenden schwelender Konflikte.
            Das man Lehren aus dem Geschehen zieht und so etwas niemals noch einmal dort passieren darf wo Menschen exisitieren um es zu verhindern, ist für mich wahrscheinlich einfach schon zu selbstverständlich gewesen, um es zu erwähnen.

  8. Simon Otterbein schreibt:

    Ein außerordentlich hervorragender, anregungsreicher Beitrag, der den Bogen vom „perfektionierten Massenmord“ zur „perfektionierter Vergangenheisbewältigung“ eindrucksvoll spannt. Dem ist im Grunde nichts mehr hinzuzufügen. Was jedoch zusätzlich erschreckend zu der bereits perfiden gängigen Praxis ist, aus dem Holocaust Kapital zu schlagen, ist die Tatsache, dass deutsche Filme meistens die Perspektive der Täter betrachten, und sogar Sympathien für diese wecken wollen. Siehe z.B. das „Drama“ in den letzten Kriegstagen im Führerbunker in „Der Untergang“ oder den unmenschlichen Taten, zu denen die junge Nazielite in „Napola“ „gezwungen“ wird. Man könnte diese Beispiele noch um eine ganze Reihe weiterer ergänzen.

    Zu der Kölner Klagemauer kann ich nur sagen, da wundert einen gar nichts mehr, wenn die Kölner selbst gegen sowas einfach nichts unternehmen. Aber bloß nur nicht den Eindruck erwecken, man sei auf der Seite der „Kinderfresser“, und was solls wenn das nicht stimmt, das einzige was zählt ist schließlich, wie es aussehen würde!

  9. sporti1304 schreibt:

    Schon seltsam das die bekanntesten Deutschen Filme, alle was mit dem 3.Reich und meistens auch was mit dem Holocoust zu tun hat, die Filmindustrie macht damit ein Riesengeld. Wir sollten uns eigentlich demütigt zeigen, doch eigentlich beuten wir es fast nur aus…

    Und zum Herren von der Hasswand, mir ist es ein Rätsel wie der Mann noch frei herumlaufen darf, eigentlich ist doch der Begriff „Kinderfresser“ angewant auf ein bestimmtes Volk Volksverhetzung, es wird Zeit das dem mal jemand Einhalt gebietet!

  10. tageswahn schreibt:

    Toller Artikel mit vielen, vielen richtigen Bemerkungen.

  11. Stefanie schreibt:

    MSM ist das Kürzel für mainstream medien, also die etablierten Medien; auch Massenmedien genannt.

  12. Monika schreibt:

    Ich hatte es aus privaten Gründen doch nicht geschafft an der Gedenkfeier teilzunehmen. Nicht schlimm.
    Manchmal gehe ich alleine an diesen denkwürdigen Ort. Er liegt etwas versteckt und ist schwer zu finden. Fragt man Kölner Bürger, wo denn der „Löwenbrunen“ liege, so merkt man schnell, dass er nahezu unbekannt ist. Zu dem jüdischen Viertel gehörten übrigens auch eine Real- und eine Volksschule.
    Das Projekt liegt in privater Hand und erhält kaum Untersützung, seine Zukunft ist ungesichert.
    Gedenkveranstaltungen werden leider oft für politische Statements genutzt. Auch während der Gedenkfeier am 9. November in der Synagogengemeinde war es so, als der Vertreter der Christlich-Jüdischen-Gesellschaft das Thema Sarrazin sehr heftig thematisierte. Man kann von Sarrazin denken was man will, eins ist sicher, er ist weder eine Gefahr für das Judentum, noch ist er Antisemit. Deshalb ist ein Bezug zu ihm auf einer Gedenkveranstaltung für die Kölner Juden vollkommen überflüssig.
    Es ist wohl sinnvoller zukünftig im stillen Kämmerlein zu gedenken.
    Monika Schmitz
    Autorin: Die Hasswand in Köln – europarloir.de
    (Etwas Werbung und Selbstdarstellung, ich lerne lediglich von Kölner Politikern)

  13. Geert Aufderhaydn schreibt:

    „… um den Opfern des Nationasozialismus zu gedenken,…“

    Zustimmung inhaltlich zum Artikel, leider aber heißt es „…, um DER Opfer des Nationalsolzialismus zu gedenken,…“ Oder gedenkst Du nach meinem Tod auch „mich“?
    Dieses Deutsch ist mir sonst aus den MSM leidvoll bekannt. Vor zwei Tagen noch in einem Bericht über die Bundeswehr: „…dem Gegner dasFürchten zu lernen…“.
    Nun Du auch?…

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Ja, nun ich auch. Meine Grammatikpatzer sind legendär. Aber Freunde wie Sie sind ja da, mich äh mir stets zur (oder zu?) Hilfe zu eilen. 😉

      Danke.

      alles Liebe,
      gerd buurmann

      PS: es fehlte noch ein l im Satz!
      PPS: Was ist MSM?

  14. aron2201sperber schreibt:

    was der „linke Vordenker“ Jürgen Elsässer zum Thema Auschwitz-Gedenken verzapft:

    http://juergenelsaesser.wordpress.com/2011/01/28/wulff-predigt-in-auschwitz/

    …ein exemplarischer Beitrag, um zu zeigen, wer heute die antisemitische Fackel weiterträgt.

  15. Roithamer schreibt:

    … je länger es vorbei ist.

  16. G.-P. Rosetti schreibt:

    Die Frage, ab man aus Auschwitz lernen kann, hatte Joachim Feast seinerzeit in einem Interview zu den Dreharbeiten des Films „Der Untergang“ sinngemäß dahingehend beantwort, es sei doch selbstverständlich, dass man Menschen anderer Rasse, Religion, Hautfarbe nicht wegen dieser Eigenschaften tötet, diskriminiert usw. Dazu bedurfte es Auschwitz nicht!
    Ich hatte damals den Eindruck gewonnen – und er hat langsam sich verfestigt -, dass viele „Antifaschisten“ und „Anständige“ die Nazis nicht für unendlich Böse halten, weil sie unendlich viel Böses getan haben, sondern weil sie das Böse selbst verkörpern, m.a.W., ihre Taten waren abgrundtief böse, weil sie vom Bösen ausgeführt wurden.
    Als „Antizionismus“ getanter oder offener Antisemitismus von der anderen Seite oder aus der Mitte hingegen ist nur Ausdruck der Sorge engagierter Menschen um den Frieden und die Gerechtigkeit der Welt. Auf diese Weise lässt sich die liebevolle Zuwendung vieler dieser Altruisten zum „gefährdeten“ Iran natürlich begründen.
    Es versteht sich von selbst, das viele antisemitische (und andere rasssitische) Verhaltensweisen eines Teils unserer muslimischen Mitbürger vorwiegend jüngerer Provenienz als Hilferufe zutiefst verunsicherter Jugendlicher gedeutet werden.
    (Ich hatte vor kurzem einem Deutbold dieser Richtung geschrieben, dass A. H. wahrscheinlich ein Trauma erfahren hatte, als er bei der Wiener Kunstakademie abgewiesen worden war und sich in der Aufnahmekommission auch Juden befanden. Der Mensch reagierte empört.)

  17. masada schreibt:

    Habe an Heiko Manteuffel eine Protest-mail geschickt (poststelle@sta-koeln-nrw.de), die leider den Adressaten nach Auskunft meines Computers nicht erreichte. Für die richtige e-mail-Adresse des Herrn Staatsanwalt wäre ich dankbar.
    Mit freundlichem Gruß
    Renate Akhavan

  18. Jonas M. schreibt:

    Im 10. Paragraph die ganzen „Das“ bitte mit Doppel-s 😉

    Aber ansonsten ein guter Blog-Eintrag.
    Ich habe ebenfalls manchmal das Gefühl, dass hierzulande jeder gerade das „aus Auschwitz lernt“, was ihm politisch oder persönlich in den Kram passt.

  19. Wolf.G. schreibt:

    Wie Henryk M. Broder während seiner Safari im KZ Dachau sinngemäss sagte, den lebenden Juden geht’s nicht so gut wie den toten, vor die kann man keine Kränze legen.

Seid gut zueinander!

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