Warum nicht vergasen?

Diese Frage darf man sich in Deutschland wieder ungestraft stellen, wenn man ein Problem mit Juden hat. Man muss nur dafür sorgen, dass durch den Aufruf zum Mord an Juden der öffentliche Friede nicht gestört wird.

In Stuttgart hatte jüngst ein Bürger Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt, weil er im Internet auf folgenden Eintrag gestoßen war: „Die gehören alle VERGAST! Hitler hat damals nichts Falsches gemacht! Nur mit den falschen MITTELN! …“

§ 130 StGB sagt dazu: „Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.“

Die Staatsanwaltschaft wies die Anzeige des Bürgers mit der Begründung zurück, es bestehe „kein hinreichender Tatbestand der Volksverhetzung nach §130 Abs. 3 StGB“. Eine „konkrete Gefährdung des öffentlichen Friedens“ sei „nicht feststellbar“, denn: „Der verständige Leser, so er Internetforen und Pinnboards überhaupt besucht und derartige Einträge zu lesen sich zumutet, wird derartige Einträge auch so verstehen“, nämlich als „Entäußerung des eigenen Unmuts und die Entsorgung der eigenen Gedanken.“

Als Entsorgung der eigenen Gedanken ist der Ruf nach Judenvergasung also akzeptabel. Dann braucht man sich wohl auch keine Gedanken mehr über den widerlichen Judenhass im Internet zu machen. Auf Facebook gibt es zum Beispiel öffentliche Aufrufe wie diese: „Juden und Moskitos sind eine Plage, von der sich die Menschheit auf die eine oder andere Weise befreien muß. Ich glaube, das beste wäre Gas“

Kein Problem! Es ist nur die Entsorgung eines eigenen Gedankens. Wenn jemand brüllt, „ADOLF HITLER DER MANN HATT ALLES RICHTIG GEMACHT EINZIG FALSCHE WAR DASS PAAR VERFICKTEN JUDEN ÜBERLEBT HABEN !!!! HITLER <3″, dann ist das auch nur eine gedankliche Entsorgung und kein Grund zur Beunruhigung. Alles im grünen Bereich! Der öffentliche Friede ist nicht gestört.

Warum sollte auch der öffentliche Friede in Deutschland gestört sein, wenn Juden beleidigt und zu ihrer Ermordung aufgerufen wird? Wer stört sich denn schon daran? Wenn es etwas gibt, dass den öffentlichen Frieden in Deutschland stört, dann das öffentliche Zeigen einer israelischen Fahne! Jawohl!

In Duisburg wurde jüngst unter massiver Polizeigewalt eine Israelfahne entfernt, weil sie den öffentlichen Frieden störte; auch in Berlin wurde die Polizei gegen eine Israelfahne aktiv. In Bochum musste sogar eine Frau Strafe zahlen, weil sie eine israelische Fahne öffentlich gezeigt hatte.  Das stört in Deutschland den öffentlichen Frieden!

Wenn in Wuppertal gegen Israel gehetzt wird, dann sieht der Bürgermeister der Stadt darin eine legitime Ausübung der Meinungsfreiheit, aber wenn in Essen ein Vortrag über Judenhass im Islam stattfindet, dann sieht der Bürgermeister der Stadt darin eine Beleidigung. Ja, richtig gelesen: Als in der Alten Synagoge in Essen im Rahmen der dort stattfindenden „Donnerstagsgespräche“ der Antisemitismus im Islam thematisiert werden sollte, da sah der Chef des Integrationsbeirats, Muhammet Balaban, darin eine Herabsetzung des Islams und bekam Unterstützung vom Oberbürgermeister Reinhard Paß, der forderte „dass die neue Leitung der Alten Synagoge sich den Integrationsgedanken deutlich mehr zu eigen macht als dies bisher der Fall war.“

Wenn in Wuppertal also über die Endlösung nachgedacht wird, wie es in der Ankündigung der Palästinenserkonferenz hieß, dann sieht ein deutscher Bürgermeister das voll und ganz von dem Recht auf freie Meinung geschützt, wenn aber in Essen über den Judenhass im Islam nachgedacht wird, dann ist das für einen deutschen Bürgermeister grenzwertig.

Das ist nichts anders als eine deutsche Sonderbehandlung von Juden! Der Jude hat in Deutschland ein Nathan der Weise zu sein, ein aufgeklärter, guter Jude, der jenseits aller menschlichen Eigenarten und Schwächen Sinnbild für den verständnisvollen, vergebenden Menschen ist. Juden haben besser zu sein als alle andere Menschen. Für sie gilt das Grundgesetz ganz, ganz besonders!

Solange Juden in Ablehnung von Gewalt zu Opfern werden, solange sie wie Nathan der Weise höchstens ihre Rhetorik als Waffe einsetzen, wenn Ihnen die Worte „Tut nichts! Der Jude wird verbrannt!“ entgegengeschmettert werden, solange sie eben ganz friedlich bleiben, solange sind sie den christlichen Mitmenschen in Deutschland Willkommen. Sobald sie aber beginnen, sich zu wehren, schlägt die angebliche Sympathie schnell in bittere Antipathie um.

Der Jude in Deutschland hat verständnisvoll und vor allem vergebend zu sein, um von seiner Umwelt geliebt zu werden. Für Jude in Deutschland gilt das Grundgesetzt in Deutschland in einer Radikalität, wie sonst für keinen Bürger. Es ist genau diese Sonderbehandlung, die  Shakespeares Shylock in „Der Kaufmann von Venedig“ zum Verhängnis wird. In dieser Komödie, die 150 Jahre vor „Nathan der Weise“ verfasst wurde, finden wir einen Juden, der wie alle anderen Figuren ein ganz gewöhnlicher Mensch ist, der sich schlicht weigert, die Schmach der Unterdrückung einfach so hinzunehmen. Während sämtliche Christen in dieser Komödie nicht in der Lage sind, ihre eigenen Prinzipien zu leben, fordern sie von dem Juden die radikale Einhaltung der Gesetze und bestrafen ihn umso heftiger, als sich herausstellt, dass er den Geboten nur soweit folgen kann, wie jeder andere Mensch auch. Shylock will und kann nicht besser sein als alle anderen Menschen und bringt dies auch mit folgenden Worten auf den Punkt:

Hat nicht ein Jude Augen? Hat nicht ein Jude Hände, Gliedmaßen, Werkzeuge, Sinne, Neigungen, Leidenschaften? Mit derselben Speise genährt, mit denselben Waffen verletzt, denselben Krankheiten unterworfen, mit denselben Mitteln geheilt, gewärmt und gekältet von eben dem Winter und Sommer als ein Christ? Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen? Sind wir euch in allen Dingen ähnlich, so wollen wir’s euch auch darin gleich tun. Wenn ein Jude einen Christen beleidigt, was ist seine Demut? Rache. Wenn ein Christ einen Juden beleidigt, was muss seine Geduld sein nach christlichem Vorbild? Nu, Rache.

Shylock ist im Gegensatz zu Nathan ein Mensch, der nicht besser sein möchte als der Rest der Welt. Dennoch wird immer wird immer wieder von Juden erwartet, es besser zu machen. Es reicht schon ein Blick in die Organisation der Vereinten Nationen, um zu sehen, wie die Sonderbehandlung funktioniert:

Ein Drittel aller Resolutionen und Entscheidungen, die der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen seit seinem Bestehen verabschiedet hat, richtet sich gegen Israel. In einer geradezu manischen Fixiertheit auf nur 0,1089% der gesamten Weltbevölkerung, denn dies ist der prozentuelle Anteil der Israelis auf der Erde, sieht die UN ein Volk, dem ganz besondere Aufmerksamkeit zu Teil werden muss. Während also 99,9% der Welt mit geradezu christlicher Milde beäugt werden, müssen die restlichen 0,1% den vollen Zorn der Aufklärung auf ihre Schultern laden. Die Vereinten Nationen beteiligen sich somit auch an der Sonderbehandlung von Juden.

Juden haben eben bessere Menschen zu sein und wenn es ihnen nicht gelingt, dann kann man schon mal fragen, ob es nicht besser wäre, sie zu vergasen? Ist ja nur eine Meinung, eine Entsorgung von Gedanken quasi. Das wird man doch wohl noch sagen dürfen! Wozu haben wir schließlich das Grundgesetz?

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