Die Burka des Westens

Manchmal frage ich mich, warum so viele Menschen im Westen die Burka des Islams kritisieren können, obwohl im Westen selbst immer mehr Leute eine Burka tragen.


(aus: „Burka „von Eva Schwingenheuer, mit freundlicher Genehmigung der Zeichnerin)

Die Burka des Westens ist allerdings kein großer Fetzen Stoff, der den kompletten menschlichen Körper verschleiert und dafür sorgt, dass das Antlitz des Menschen verborgen wird, in dem laut Levinas Gott erfahrbar ist, sondern eine Geisteshaltung, die durch Relativismus und Beliebigkeit die eigene Überzeugung verschleiert.

Es ist ein Zeichen des Respekts, dem Anderen sein Gesicht zu zeigen, deutlich zu machen, wofür und vor allem wo man steht. Wer sich ständig weigert, Stellung zu beziehen, der nimmt seinem Gegenüber die Möglichkeit des Gesprächs und der Auseinandersetzung und opfert dadurch den Dialog für eine Kakophonie der Monologe, bei der niemand mehr zuhören kann und letztendlich nur der  gewinnt, der am lautesten schreit.

Wenn sich Menschen des Westens nicht mehr dazu aufraffen können, zu ihren Werten zu stehen, wenn sie davon überzeugt sind, dass es manchmal besser sein könnte, eine Burka über die Gleichberechtigung der Geschlechter, Religionen, Hautfarben und sexuellen Orientierungen zu legen, weil sie befürchten, ihr Gegenüber könnte von dem Gesicht der Freiheit verführt werden und sich am Ende sogar in die Aufklärung verlieben, dann verlieren sie nicht nur den Glauben an sich selbst, sondern auch den Respekt vor ihrem Gegenüber, der darin besteht, dem Anderen jenseits seiner Kultur und Erziehung die Fähigkeit zu unterstellen, den Blick auf das Gesicht der Freiheit und der Gleichberechtigung zu ertragen.

Wer glaubt, es gäbe Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft und Biologie nicht in der Lage seien, die Moderne zu ertragen, ist ein Rassist! Jeder Mensch kann das Antlitz des Westens ertragen. Wer jedoch glaubt, man müsse manchmal eine Burka darüber werfen, um Menschen aus anderen Kulturkreisen nicht zu verstören oder zu verführen, reduziert mit dieser falschverstandenen Nachsichtigkeit sein Gegenüber auf ein hilfbedürftiges Wesen, das nicht in der Lage ist, selbst zu entscheiden, ob er das Gesicht nun schön finden möchte oder nicht.

Wovor haben diese Menschen eigentlich Angst? Wäre es nicht wunderschön,  jeder Mensch zeigte sein Gesich, damit jeder selbst entscheiden kann, welche Lippen er küssen möchte? Und wäre es letztendlich wirklich so schlimm, wenn der Westen sogar den Schönheitswettbwerb der Werte gewinnen würde, trotz manch einer Narbe?

Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke („Gehirne am Strand“), sowie Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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