Im Antlitz des Anderen

Mir ist klar, dass ich mit meinen Texten provoziere, daher kommt es in den Kommentarspalten auch immer wieder zu Streitereien. Erst vor ein paar Tagen erhielt ich eine bitterböse Mail von Abraham Melzer, der mich fragte, ob es sein könne, dass ich ein Nazi sei. Ich schrieb zurück:

„Herr Melzer, kann es sein, dass Sie ein Nazi sind?“

Abraham Melzer schrieb zurück, dass er gedacht habe, ich sei origineller und dass ich ein antisemitischer Idiot sei, weil ein Idiot eben ein Idiot bleibe und der Philosemitismus genau so schlimm sei wie der Antisemitismus. Außerdem schrieb er, dass er sich wünschte, ich sei ein „lupenreiner Antisemit“, da er auf „Judenfreunde“ wie mich verzichten könne. Ich schrieb sinngemäß zurück:

„Keine Angst, Herr Melzer, an Originalität sind Sie kaum zu überbieten. die Kunst des lupenreinen Antisemitismus und Philosemitismus beherrschen Sie schon meisterhaft selbst.

Ich soll ein „Judenfreund“ sein? Was ist das überhaupt ein „Judenfreund“? Jemand der Juden mag, weil sie Juden sind? Nun, bei mir ist das ganz gewiß nicht der Fall. Sie, zum Beispiel, kann ich nicht besonders leiden und das dürfte mich als „Judenfreund“ wohl disqualifizieren, oder?

Aber interessant, dass sie das Wort „Judenfreund“ benutzt haben. Der Begriff „Judenknecht“ war Ihnen wohl zu Nazi, oder?

Dass Philosemitismus und Antisemitismus im Grunde Schwestern sind, da haben Sie vollkommen recht. Ja, auch Sie haben manchmal recht. Ist das nicht schön? Wenn Sie möchten, stoßen wir mit einem Kölsch darauf an, dass wir einmal einer Meinung sind. Ich lade Sie auch ein. Ich schaue Menschen im Streit gerne mal in die Augen.“

Melzer antwortete, dass er lieber kotzen würde, als mit mir anzustoßen. Daraufhin schrieb ich sinngemäß zurück:

„Also ich stoße lieber mit Ihnen an, als zu kotzen – aber wir Menschen sind halt unterschiedlich.

Darf ich jedoch anmerken, dass wenn Sie nicht einmal fähig sind, mit mir ein Glas zu trinken, Sie in Sachen Versöhnung (gerade im Palästina-Israel-Konflikt) ein denkbar ungeeigneter Ansprechpartner sind. Wie können Sie vorgeben, mit Ihrem Melzer Verlag und Ihrer Zeitung Der Semit für einen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern zu schreiben und zu verlegen, wenn Sie selbst nicht einmal in der Lage sind, mit einen Menschen anzustoßen, der sich lediglich verbal mit Ihnen streitet?

Sie wünschen sich einen Frieden zwischen Kriegsparteien, die sich bisher nur im Schatten von Bomben, Raketen, Propaganda und Antisemitismus begegnen konnten und können selbst nicht mal einen politischen Opponenten ertragen. Sie verlangen, dass Israel und Palästina an einen Tisch kommen sollen, obwohl es erklärtes Ziel der Hamas ist, nicht nur Israel sondern alle Juden zu töten (Artikel 7 der Hamas Charta) und können selbst nicht mal mit mir an einem Tisch sitzen, obwohl uns weder Krieg noch Terror, sondern nur eine Meinung trennt?

Frieden heißt nicht, einer Meinung zu sein, Frieden heißt auch nicht, sich nicht beleidigen zu dürfen, Frieden heißt, sich ertragen zu können. Nur wer sich respektiert kann streiten! Ich kann Sie ertragen, sehr gut sogar. Streiten Sie sich also ruhig weiter mit mir, beleidigen Sie mich, wenn Sie mögen, ich bin dabei und mache mit. Mein Angebot aber, mit Ihnen einen Blickkontakt zu wagen, wird von meiner Seite nicht aufgekündigt.

„Im Antlitz des Anderes erkennst du Gott“
heißt es bei Emmanuel Lévinas, der die bedingungslose Hinwendung zum „Anderen“ lehrte. Nach dem Grauen von Auschwitz plädierte Lévinas, der zwischen jüdischer Tradition und griechischer Philosophie stand, für einen „extremen Humanismus“ und eine Philosophie der Begegnung.

Allein schon aus dieser Philosophie heraus bleibt mein Angebot auf Blickkontakt bestehen.

Für immer.“

Es ist wirklich spannend, wie sehr genau jene Menschen, die vorgeben, sich für einen Frieden im Nahen Osten einzusetzen, daran scheitern, hier in Deutschland die einfachsten Prinzipien des Friedens zu leben. Ist es denn so schwer? Man kann sich streiten und beleidigen, sich ignorieren und kritisieren, aber man muss dabei immer den Anstand wahren, sich ab und an in die Augen zu schauen und wenn auch nur aus dem einzigen Grund, weil wir Menschen sind.

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