Erzengel Gabriel

Sigmar Gabriel stellt klar:

„Segmentierungen in den Städten und Stadtteilen, Bildungsprobleme, fehlende gleiche Teilhabe und Partizipation, kulturelle, politische und religiöse Differenzen und auch Überfremdungsängste muss und darf man nicht verschweigen. Aber eines ist sicher: es gibt weitaus mehr Beispiele für gelingendes und gelungenes Zusammenleben von Türken oder Türkischstämmigen in und mit der Mehrheitsgesellschaft als schlechte Beispiele. Und wer das Zusammenleben in Deutschland weiter verbessern will, muss über diese guten Beispiele reden, denn an ihnen lernt man mehr als an den schwierigen oder schlechten.“

So sehr Sigmar Gabriel recht hat, dass es weitaus mehr gute als schlechte Beispiele im Zusammenleben gibt, so sehr irrt er, wenn er behauptet, man könne aus den guten Beispielen mehr lernen als aus den schlechten. Nein, mein lieber Erzengel Gabriel, was Sie da sagen klingt zwar schön, aber das Gegenteil ist der Fall. Es tut mir leid, aber nicht immer ist schön auch richtig.

Herr Gabriel, wenn ein Flugzeug abgestürzt ist, welche Black Box untersuchen Sie dann? Die des abgestürzten Flugzeuges oder die der tausend tadellos gelandeten Flugzeuge? Von welchem Flugschreiber erhoffen Sie sich nötige Informationen für eine Verbesserung in der Sicherheit des Flugverkehrs?

Herr Gabriel, wenn Sie Krebs heilen wollen, welche Personen untersuchen sie dann? Die von Krebs befallenen Patienten oder die gesunden Menschen? Wo glauben sie, nötige Informationen zur Heilung der Krankheit zu finden?

Herr Gabriel, wenn Sie Rechtsradikalismus bekämpfen wollen, auf welche Deutsche konzentrieren Sie sich dann? Auf die Glatzköpfe mit Springerstiefeln und NPD Buttons auf dem Consdaple T-Shirt oder auf die Gewinner des Wettbewerbs Jugend Forscht?

Ich sage es Ihnen: Wer das Zusammenleben in Deutschland weiter verbessern will, muss über die schlechten Beispiele reden, denn an ihnen lernt man mehr als an den guten oder gelungenen.

Das Gute und Gelungene braucht keine besondere Beachtung, es glänzt aus sich selbst heraus, es genügt sich selbst. Das glückliche Haus braucht keine besondere Beachtung der Feuerwehr, das brennende Haus schon.

Es ist wie beim Sex. Nur nach schlechtem Sex kommt die ätzende Frage: „Und Schatz, wie war’s?“ 

Zudem mag ich den versteckten Rassismus hinter Sigmar Gabriels Aussage nicht. Wenn er sagt, man müsse die guten Beispiele für gelingendes und gelungenes Zusammenleben von Türken oder Türkischstämmigen in den Mittelpunkt rücken, so tut er gerade so, als sei es für Türken etwas besonderes, sich zu benehmen. Also für mich gibt es keine genetischen oder rassischen Unterschiede zwischen Türken und dem Rest der Menschheit. Für mich sind Türken genauso in der Lage, friedlich zusammenzuleben, wie Koreaner, Chinesen, Spanier, Bolivianer, Deutsche und Südafrikaner. Für mich ist jeder Menschenschlag gleich dazu befähigt, Menschlichkeit zu leben. Deshalb breche ich auch bei keiner Gruppe mehr in Euphorie aus, wenn sich Mitglieder dieser Gruppe benehmen. Anstand ist für mich keine besondere Erwähnung wert. Anstand ist normal!

Wer jedoch behauptet, man müsse bei gewissen Volksgruppen schon froh darüber sein, wenn sie sich nicht daneben benehmen, kann auch gleich verlangen, dass jedem Deutschen ein Orden verliehen wird, wenn er ein Jahr keinen Juden vergast hat.

In diesem Sinne, lieber Erzengel Gabriel, lassen Sie Ihre übertriebene Milde gegenüber Türken stecken und nehmen Sie sie lieber genauso ernst, wie alle anderen Menschen auch.

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