Aufklärung und Beleidigung

Als ich heute einen Mann, der auf Facebook wieder einmal behauptet hatte, Henryk M. Broder sei ein Rassist, darum bat, mir doch Zitate und Quellen zu zeigen, wo sich Broder eindeutig rassisitisch geäußert hätte, da wurde mir folgendes Zitat präsentiert:

„So führt eine direkte Linie von der Al Kaida im Irak und der Intifada in Palästina zu den Jugendlichen mit ‚Migrationshintergrund‘ in Neukölln und Moabit.“

Auch Ayaan Hirsi Ali soll eine Rassistin sein, weil sie gesagt hat, der Islam sei „ein destruktiver, nihilistischer Todeskult.“

Was bitte soll daran rassistisch sein? In der kritischen Auseinandersetzung mit dem Christentum gibt es eine Menge Beispiele von Autorinnen und Autoren, die behaupten, dass es eine direkte Linie von Martin Luther zur Wannseekonferenz des Holocausts gibt. Andere sagen, dass es eine klare Linie von der christlichen Kirche nach Auschwitz gibt. Uta Ranke-Heinemann nennt die Katholische Kirche einen lustfeindlichen Kult und Karl-Heinz Deschner eine Religion mit brutaler Kriminalgeschichte. Der Philosoph Friedrich Nietzsche möchte das Christentum mit einem Hammer zertrümmern und Bertrand Russel erklärt offen, warum er kein Christ ist. Spätestens seit Voltaire sieht sich das Christentum schwerster Kritik ausgesetzt. Wir nennen diese neue Zeit der Kritik Aufklärung!

Warum also sollen wir die Aufklärung eine Beleidigung nennen, wenn es um den Islam geht?

Es gibt keinen Grund! Auch wenn die beleidigte Leberwurst die Lieblingsspeise nicht weniger Muslime ist, Kritik am Islam ist keine Beleidigung sondern Aufklärung und der Versuch, aus Broder einen Rassisten zu machen, nichts weiter als der moderne Versuch zur Verhinderung eines kritischen Diskurs durch Verurteilung der Kritiker als Häretiker des wahren Glaubens.

Bei dem Versuch aus Broder einen Rassisten zu machen, schrecken die Gegener nicht einmal vor brutalen Lügen zurück. Ein Gegner schrieb sogar auf Facebook:

„Henry M. Broder ist ein geistiger Brandstifter und daher für mich ein lebensgefährlicher Rassist.“

„Es war kein Zufall, dass der Massenmörder Breivik leidenschaftlich Henryk M. Broder zitierte. Zuerst kommt der Gedanke, dann das Wort und am Ende die Tat. Insofern ist Broder in der Tat ein geistiger Brandstifter.“

Interessant, Breivik soll also leidenschaftlich Broder zitiert haben. In Wirklichkeit aber zitiert Breivik einen norwegischen Blogger, der wiederum Broder zitiert hat. Wir haben es also nur mit einem einzigen indirekten Zitat zu tun. Breivik zitiert nicht Broder sondern Breivik zitiert einen Mann, der Broder zitiert. Leidenschaft sieht anders aus.

Zum Schluss möchte ich einfach Henryk M. Broder selbst zu Wort kommen lassen:

„Ich habe in der Islam-Debatte ziemlich vorne mitgewirkt, bislang gab es keine Möglichkeit, mir was anzuhängen. Jetzt zitiert dieser irre Attentäter den norwegischen Blogger Fjordman, der seinerseits mich zitiert. Keiner der Leute, die jetzt über mich herfallen, macht sich die Mühe, auch nur einen einzigen Beleg dafür anzuführen, dass ich irgendwas gesagt habe, das inhaltlich mit dem Blogger übereinstimmt. Ich habe nichts gegen Moscheen und ich habe nichts gegen gleiche Rechte für Immigranten. Ich hätte in der Schweiz auch gegen das Minarett-Verbot gestimmt. Dass sich jetzt alle an mir austoben, sind irgendwelche kollektiven Psychosen. Ein Teil der Öffentlichkeit ist einfach ausgerastet. Da hat jede Ratio ausgesetzt.“

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