Damm, Damm

Ich habe eine Schwäche für Sylt. Es vergeht kein Jahr, in dem ich nicht mindestens einmal in den Denghoog krieche, um die Borig laufe, in der Kirche St. Severin sitze und von dem Tipkenhoog auf die Nordsee winke.

Ich liebe Sylt und fahre jedes Jahr über den Hindenburgdamm zur Insel. Aus den Nachrichten habe ich jetzt erfahren, dass sich einige Personen dafür stark machen, dass der Hindenburgdamm einen neuen Namen bekommt.

Der Historiker Nils Hinrichsen zum Beispiel vom Nordfriesischen Institut plädiert für eine Umbenennung des Damms und lud gemeinsam mit der Söl’ring Foriining, bei der ich selbstverständlich auch Mitglied bin, zu einem Gespräch über eine mögliche Umbenennung des Damms. Rund 30 interessierte Bürger vom Festland und Sylt folgten dem Ruf.

Nils Hinrichsen verteidigte seinen Wunsch, den Hindenburgdamm umzubenennen, mit dem Verweis auf den Menschen Hindenburg, der allgemein als „Hitlers Steigbügelhalter“ bezeichnet wird. Laut Hinrichsen sei Hindenburg ein „entrückter Übervater im Dienste der NS-Diktatur“ und stehe für eine unwürdige Vergangenheit.

Als langjähriger Fan des SV Meppens, ein Verein, der sich eine beträchtliche Zeit in der Zweiten Liga behaupten konnte, ist mir das Problem mit dem Namen Hindenburg nur allzu gut vertraut. Das Stadion des SV Meppens hieß auch eine lange Zeit Hindenburgstadion, bevor es 1992 in Emslandstadion und 2011 in MEP-Arena umgetauft wurde. Irgendwie war Hindenburg doch kein Name, mit dem sich der SV Meppen schmücken wollte.

Auch Sylt sollte sich stark dafür machen, den Hindenburgdamm umzubenennen. Ich habe da auch schon einen Vorschlag:

Statt den Damm nach einem Mann zu benennen, der als „Hitlers Steigbügelhalter“ bezeichnet wird, sollte der Damm nach einem Sylter Original benannt werden. Vor über 70 Jahren lebte ein Mann auf Sylt, der nicht nur Mitglied im Sylter Heimatverein war, sondern sogar im Vorstand saß und in seiner Funktion als Sparkassendirektor dem Verein seine finanzielle Sicherheit bescherte. Er bemalte zudem in seiner Funktion als Maler und Zeichner die Decke der Kirche St. Severin sowie die Decke des Altfriesischen Hauses. Beide Sehenswürdigkeiten gehören heute zu den Highlights der Insel. Kaum ein Mann hat die Insel so sehr geprägt wie er und im Gegensatz zu vielen anderen Deutschen war er kein Anhänger Hitlers, sondern wurde im Gegenteil unter Hitler verfolgt, da er ein gebürtiger Jude war. 1940 wurde er in ein französisches Lager deportiert, wo er zwei Jahre später starb. Seine Name war Franz Korwan. Seine Galerie hatte er in Westerland. Heute beherbergt das Haus einen kleinen Laden.

Ein Stolperstein vor der ehemaligen Galerie zeugt heute vom Wirken Korwans. Im Sylter Heimatmuseum ist auch ein Gemälde Korwans zu sehen. Es zeigt eine typisch Sylter Szene:

Den Namen Franz Korwan gab sich der Sylter übrigens in späteren Jahren selbst. Seine Eltern gaben ihm den wunderbar klingenden Namen Salli Katzenstein.

Katzensteindamm

Das wäre doch ein wunderschöner Name für die Verbindung des Festlandes mit der Insel. Ich jedenfalls würde mich freuen, wenn ich eines Tages über den Katzensteindamm nach Sylt reisen könnte, denn der Grund, warum Franz Korwan in Vergessenheit geraten ist, statt zu einem der bekanntesten Männer der Insel zu werden, liegt einzig und allein in der Verfolgung durch die Nazis und der späteren Verdrängung der Insulaner begründet.

Es wird Zeit, dem Vergessen ein Ende zu bereiten. Franz Korwan gehört zu Sylt wie Pidder Lüng und Uwe Jens Lornsen.

Her also mir dem Katzensteindamm!

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