Jesus loves Pussy Riot!

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Im Evangelium des Johannes 2, 13-17 heißt es:

„Und im Tempel traf Jesus auf die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und auf die Wechsler, die dasaßen. Da machte er eine Peitsche aus Stricken und trieb alle aus dem Tempel hinaus, auch die Schafe und die Rinder, und das Geld der Wechsler schüttete er aus, die Tische stieß er um; und zu den Taubenverkäufern sprach er: Schafft das fort von hier!“

Jesus griff vor gut zweitausend Jahren im Tempel zur Peitsche aus Stricken! Pussy Riot setzten sich am 21. Februar 2012 gestrickte Masken auf und gingen in die Christ-Erlöser-Kathedrale, um vor dem Altar ein „Punk-Gebet“ gegen die Vertreter der Russisch-Orthodoxen Kirche zu singen. Nicht selten wird behauptet, Pussy Riot hätte mit dieser Aktion, das Gefühl gläubiger Christen verletzt. Aber was bitte verletzt einen Christen mehr?

Die Frauen von Pussy Riot sind mit gestrickten Masken in eine Kirche gegangen und haben dort in Form eines lautstarken Gebets an die heilige Mutter Maria die unschöne Verbindung zwischen der Kirche und einem räuberischen Regime angeprangert. In Russland werden kritische Journalisten ermordet und Homosexuelle festgenommen, weil sie homosexuell sind. Die Mehrheit des russischen Volkes unterstützt diese Politik auch noch und wirft mit Steinen der Selbstgerechtigkeit um sich, ganz so als seien sie vollkommen frei von Sünde. Und wie verhält sich die russisch-orthodoxe Kirche? Sie paktiert mit dem repressiven, demokratieverachtenden Präsidenten!

Es gibt Situationen, die sind so unerträglich, dass selbst Jesus wütend wird. In Russland ist dieser Moment meiner Meinung nach gekommen! Nicht die Frauen von Pussy Riot haben mit ihrer Aktion das Gefühle christlicher Menschen verletzt, sondern die russisch-orthodoxe Amtskirche mit ihrer blinden Unterstützung Putins. Nicht Pussy Riot hat die Kirche in eine Räuberhöhle verwandelt, sondern jene Geistlichen, die sich dem Räuber Putin an den Hals werfen. Pussy Riot hat nichts weiter getan, als sich an Jesus ein Beispiel zu nehmen.

Ich bin erschüttert, mit welcher Selbstverständlichkeit Pussy Riot von einigen Seiten vorgeworfen wird, gottlose Stänkerinnen zu sein. Sie haben gebetet! Wer unkritisch davon ausgeht, die hohen Geistlichen der russisch-orthodoxen Kirche seien gottgefällig und die Frauen von Pussy Riot Gotteslästerinnen, sollte sich mal überlegen, auf welcher Seite er gestanden hätte, als Jesus mit der Peitsche in den Tempel ging. Jesus hat sich einst unter Huren und Ehebrecherinnen aufgehalten und nicht unter Herrschern.

Heinrich Heine schrieb einst:

Mit Wehmut erfüllt mich jedesmal
Dein Anblick, mein armer Vetter,
Der du die Welt erlösen gewollt,
Du Narr, du Menschheitsretter!

Sie haben dir übel mitgespielt,
Die Herren vom hohen Rate.
Wer hieß dich auch reden so rücksichtslos
Von der Kirche und vom Staate!

Zu deinem Malheur war die Buchdruckerei
Noch nicht in jenen Tagen
Erfunden; du hättest geschrieben ein Buch
Über die Himmelsfragen.

Der Zensor hätte gestrichen darin,
Was etwa anzüglich auf Erden,
Und liebend bewahrte dich die Zensur
Vor dem Gekreuzigtwerden!

Ach! hättest du nur einen andern Text
Zu deiner Bergpredigt genommen,
Besaßest ja Geist und Talent genug,
Und konntest schonen die Frommen!

Geldwechsler, Bankiers, hast du sogar
Mit der Peitsche gejagt aus dem Tempel –
Unglücklicher Schwärmer, jetzt hängst du am Kreuz
Als warnendes Exempel!

Jesus hing am Ende am Kreuz. Auf Pussy Riot wartet das Straflager als warnendes Exempel. Ich bin mir aber sicher, egal was so viele andere hohe Würdentrager behauptet:

Jesus loves Pussy Riot!

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