Religiöse Gefühle

Ich habe nichts gegen religiöse Gefühle, sie sind nur so unglaublich schnell zu verletzten! Dabei kommt es gar nicht darauf an, ob eine Person überhaupt religiöse Gefühle verletzten wollte. Religiöse Gefühle sind immer erst nach begangener Tat verletzt, und verletzt ist verletzt!

Daher kommt es immer wieder dazu, dass religiöse Menschen ihrer (in ihren Augen) heidnischen Umwelt nicht nur sagen, was sie zu tun haben, sondern auch, was sie unterlassen sollen!

„Zeichne und veröffentliche keinen Mohammed!“

Das ist der Ruf einiger Muslime an nicht-muslimische Künstler und Journalisten. Es gibt immer wieder religiöse Menschen, die auf das Äußerste provoziert sind, wenn es Menschen gibt, die sich nicht an ihre religiösen Gesetze halten und stattdessen die aufgeklärte Verfassung mit der verankerten Kunstfreiheit vorziehen.

Ich werde nie verstehen, wie sich eine Gemeinschaft von Menschen in ihre religiösen Gefühlen verletzt fühlen kann, wenn Menschen außerhalb der Gemeinschaft nach anderen Regeln leben. Stellen wir uns mal vor, Tischtennisspieler würden sich beleidigt fühlen, weil Tennisspieler die Punkte nicht „1 2 3 4“ zählen, wie beim Tischtennis, sondern „15 30 40 45“. Die deutsche Politik würde vermutlich sofort eine Deutsche Tischtennis-Tennis-Konferenz einberufen, um die Situation zu schlichten. Das Ergebnis der Konferenz wäre vermutlich: „Die Deutsche Tischtennis-Tennis-Konferenz ist nach intensiven Gesprächen zu der Erkenntnis gelangt, dass es mehr Dinge gibt, die Tischtennis und Tennis einen als trennen. Im Grunde ist Tennis wie Tischtennis, nur dass der Tisch größer ist und die Spieler auf dem Tisch spielen.“

Ich frage mich manchmal bei all den religiösen Gefühlen um mich herum, wenn religiöse Menschen von nicht-religiösen Menschen erwarten, ihren Geboten zu folgen, sollte ich dann nicht auch anfangen, meine Überzeugen mit gleicher Vehemenz zu verteidigen? Ab heute erkläre ich einfach meine Überzeugungen zu meiner Religion und ich bin fürderhin beleidigt!

Es beleidigt meine religiösen Gefühle, wenn es keine Gleichberechtigung der Geschlechter gibt.

Es beleidigt meine religiösen Gefühle, wenn es keine Presse-, Meinungs-, Religions- und Kunstfreiheit gibt.

Es beleidigt meine religiösen Gefühle, wenn Homosexuelle hingerichtet werden.

Wenn ich aber jetzt anfangen wollte, deshalb Botschaften und Flaggen anzuzünden, dann bräuchte ich eine Menge Öl.

Ein Wort, das religiöse Menschen besonders gerne auf ihre Lippen tragen, ist „Respekt“. Immer wieder versuchen sie, die Freiheit der Kunst, Presse und Meinung dadurch zu beschränken, dass sie ganz schnell die Forderung nach Respekt aus der Kiste zaubern. Wer vom Respekt vor religiösen Gefühlen spricht, holt einen Trumpf gegen Bürger- und Freiheitsrechte hervor. Mir jedoch kann diese Form von Respekt gestohlen bleiben! Wissen Sie, was ich respektlos finde?

Es ist respektlos Männern oder Frauen das Tragen von Kopftüchern, Burkas, Anzügen, Bärten oder Häschenkostümen zu verbieten oder zu befehlen!

Es ist respektlos Menschen zu verbieten, sich darüber lustig zu machen, wenn Männer oder Frauen Kopftücher, Burkas, Anzüge, Bärte oder Häschenkostüme tragen!

Es ist respektlos Menschen zu verbieten, ihre Moscheen, Kirchen, Synagogen oder Tempel zu bauen!

Es ist respektlos Menschen zu verbieten, sich darüber zu beschweren, dass es schon genug Moscheen, Kirchen, Synagogen oder Tempel gibt!

Es ist respektlos Menschen vorzuschreiben, sich an die religiöse Pflichten der Anderen zu halten.

Es ist respektlos von einem Nicht-Muslimen zu erwarten, Mohammed nicht zu malen.

Es ist respektlos von einem Nicht-Christen zu erwarten, an Karfreitag nicht zu tanzen.

Es ist einfach respektlos die eigenen religiösen Gefühle vorzuschieben, um von dem Gegenüber zu verlangen, so zu werden wie man selbst oder damit aufzuhören, man selbst zu sein!

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