Kermit will kein Frosch sein

von Miriam Trappmann (erstmals erschienen in kleine zeitung (Nr. 4/ Dezember 2012) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)

20121208-082620.jpg Der KGB-Chef als lupenreine Rampensau: Gerd Buurmann macht gerne „Kunst gegen Bares“. Foto Tom Wolff Köln

Leute strömen aus den Türen der drei Hausflügel des Uni-Centers in Köln Sülz. Sie eilen zur Arbeit, wollen ihren Hund ausführen oder gehen ihren sonstigen Verpflichtungen nach. Das Bild, das die Halle des größten Wohnhauses Europas bietet, befindet sich in ständigem Wandel. Nur Eines ändert sich nie: Die 24-stündige Anwesenheit eines Rezeptionärs, wie Gerd Buurmann einer ist.

Nähert man sich dem Rezeptionshäusschen innerhalb seiner Schicht, findet man den kinderlos verheirateten 35-Jährigen mit der Vollglatze fast immer in einem regen Gespräche. Geboren in der Kleinstadt Haren an der Ems, wusste Buurmann schon immer, was er in seinem späteren Leben machen wollte: nämlich Theater. „Leute gehen in die Kirche, in die Synagoge oder die Moschee um Gott zu ehren und sie kommen ins Theater, um den Menschen zu ehren“, sagt er andächtig. Nachdem er den Entschluss gefasst hatte, sein weiteres Leben dem Theater zu widmen, gründete Buurmann eine kleine Theatergruppe in seinem Geburtsort. Anschließend zog er nach Osnabrück und von dort aus weiter nach Chicago und landete schließlich in Köln, wo er Philosophie, Soziologie und Englisch studierte.

In Köln kam ihm dann die Idee zu seiner Theater-Show „Kunst gegen Bares“, die er jeden Montagabend zusammen mit seiner Kollegin Hildegart Scholten im ausverkauften ArtTheater moderiert.

Die Idee zu dieser Show schwirrte ihm durch den Kopf, seit er das erste Mal Kermit den Frosch und die berühmte Muppet Show in einem Theater in London gesehen hatte. „Kunst gegen Bares basiert auf der Grundidee der Muppet Show, nur eben mit Menschen statt mit Tieren.“ Buurmann ist sozusagen der „Kermit der Frosch“ seiner Show, er moderiert die Show mit seiner Kollegin ebenso aufgedreht. Dabei wird er auch manchmal von seinen teils sehr schrägen Gästen überrascht, genauso wie der einst sehr bekannte, sympathische grüne Frosch. In solchen Fällen müssen die beiden Moderatoren schnell improvisieren, was ihnen, im Gegensatz zu Kermit dem Frosch, (fast) immer gelingt. „Außerdem oder gerade deshalb sind die beiden Shows unglaublich multikulturell, denn in der Muppet Show können Schweine, Bären, Vögel und Hunde nebeneinander leben und sich zu einer großen Familie vereinen, ohne dass sie ihre Identität aufgeben. Dies funktioniert in der Kunst gegen Bares Show genauso, denn auch da können sich viele einzigartige Persönlichkeiten und Nationalitäten zu etwas Großem vereinen“.

Jeder, der möchte und denkt, er könne etwas Besonderes, kann spontan auf der Bühne vor Publikum auftreten und sein Talent präsentieren. Das Publikum ist sozusagen die „Jury“, es hat danach die Möglichkeit zu zeigen, wie viel ihm die jeweilige Kunst der Personen Wert ist, indem es (egal wie viel) Geld in aufgestellte und den Künstlern zugeordnete Sparschweine wirft. Am Ende des Abends werden dann das sogenannte „Kapitalistenschwein“ des Abends, sowie der 2. und 3. Platz gekürt. Einen festen Eintrittspreis von 4 Euro müssen die Zuschauer dennoch zahlen.

Die Kunst gegen Bares Show findet mittlerweile schon in 10 Städten Deutschlands, unter anderem in Hamburg, Bonn, Stuttgart und Lübeck, sowie auf Palma de Mallorca statt. Auf die Frage wie sich seine Show so weitläufig und erfolgreich verbreiten konnte findet Buurmann eine simple aber dennoch einleuchtende Antwort: „Ganz einfach, durch Begeisterung!“ Der Stolz in seinen Augen ist unübersehbar.

An der Rezeption hat Buurmann während seines Studiums angefangen zu arbeiten. „Warum ich da hängengeblieben bin?“ Buurmann schmunzelt „Tja, die Arbeit macht erst einmal großen Spaß, die Kollegen sind sehr nett und meine reguläre Arbeitszeit, nämlich Nachts, ist super. Wunderbare Stunden zum Nachdenken und um Menschen zu treffen. Aber das Wichtigste ist Folgendes: Es ist das Beste was einem passieren kann, wenn man auch noch dafür bezahlt wird, wenn man Leute trifft, wo man denkt, ah! Diese Geschichte könnte ja eigentlich auch nochmal erzählt werden.“

Später fügt Buurmann dann doch noch leise hinzu, dass ihm der Job an der Rezeption natürlich auch eine willkommene Einnahmequelle neben dem Theatergehalt biete, Letzteres so Buurmann sei „phasenweise auch nicht Genug zum Leben“.

Die Inspirationen, die Buurmann durch seine Arbeit als Rezeptionär bekommt, enden meistens in Ideen für Theaterstücke die Buurmann neben seiner „Kunst gegen Bares“ Show inszeniert. Buurmann ist nicht nur Moderator und Schauspieler, sondern auch Regisseur, früher leitete er sogar ein Theater.

Auf die Frage ob er sich denn vorstellen könne mal im Film zu arbeiten, reagiert er nachdenklich: „Nein ich denke nicht, ich habe zwar schon ein paar kleinere Rollen gespielt, aber es sind eben nur Rollen, ich möchte dabei den persönlichen Kontakt zum Publikum haben, das krieg´ ich so nur im Theater.“

Er zieht sein enges Jackett enger um den Bauch und lächelt versonnen „Auch die Arbeit als Theaterbesitzer hat mich nicht erfüllt, zu viel Bürokratie. Da konzentrier´ ich mich doch lieber auf das Wesentliche.“ Draußen fängt es an zu regnen, obwohl die Sonne scheint. Wenn man Buurmann nach lustigen und besonderen Erlebnissen, vor allem innerhalb seiner KGB Show fragt, muss er lachen.

Ja, es hätte mehrere lustige Erlebnisse in seiner Show gegeben. Einmal hätte ein junger Mann auf der Bühne ein Liebesgedicht für seine Angebetete, die im Publikum saß, vorgetragen. Die Stimmung im Theater war ausgelassen, nur in der Ecke, in der die Frau saß, herrschte Stille. Im Laufe des Abends kam dann ein anderer Mann, mit dem die Frau im Publikum saß, auf die Bühne und gestand, dass er eigentlich auch vorgehabt hatte, ihr seine Liebe zu gestehen. Das Publikum fasste die ganze Situation als wunderbare komödiantische Performance auf. Der Abend endete jedoch in einer Schlägerei zwischen den zwei Männern, die durch die Polizei beendet werden musste.

Aber es habe auch Erlebnisse zum Nachdenken gegeben. Eines Abends zum Beispiel hätte sich ein stinkender Obdachloser auf die Bühne gestellt und sich nackt ausgezogen und gesagt, seine Kunst wäre es zu überleben. Am Ende des Abends belegte dieser Mann den 3. Platz.

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