Danke WDR – Danke für des Hass!

In Anbetracht von Tuvia Tenenboms frisch bei Suhrkamp erschienen Buchs „Allein unter Deutschen“, wo er von einer schier unglaublichen Zusammenarbeit des WDR mit einem Mann berichtet, der in einer Resolution, die vom Oberbürgermeister Kölns und allen Parteien im Kölner Stadtrat bis auf die LINKE unterzeichnet wurde, als Verbreiter einer „Botschaft des Hasses“ bezeichnet wird, habe ich mich mal auf den Herrmannsweg begeben.

Nach meinem kurzen Film ließ der WDR die Steine entfernen, allerdings nicht ohne Drohung:

„Das Befestigungsmaterial für den Stand der sogenannten „Kölner Klagemauer“ – hier insbesondere das Tragwerk der Mauer, die Barken, – wird bzw. wurde weder in den Räumen noch auf dem Grundstück des WDR gelagert.

Nach Prüfung des durch den WDR beauftragten Sicherheitsdienstleisters wurden bzw. werden zum Teil noch Barken der Klagemauer neben dem Gebäude Funkhaus auf dem Grundstück der Stadt Köln gelagert. Diese Fläche ist für jeden öffentlich zugänglich und von der Domplatte in weniger als einer Minute erreichbar.

Gegen die Verbreitung von anderslautenden falschen Behauptungen werden wir gerichtlich vorgehen.“

Ich schrieb zurück:

„Meine lieben Damen und Herren vom WDR,

geht man so verantwortungsvoll mit der ganzen Angelegenheit um? In Ihrem Eingangsbereich lagern Steine, die für eine judenfeindliche „Botschaft des Hasses“ gebraucht werden, eine Botschaft, die gefährlicher ist, als es ein rutschiger Gehweg im Winter jemals sein kann, und was machen Sie? Sie wollen gerichtlich gegen jene Menschen vorgehen, die über diese Angelegenheit berichten!

Laut deutscher Rechtsprechung von 2009 sind Hauseigentümer dazu verpflichtet, den Schnee auf den Wegen vor dem Haus und auf dem Grundstück zu räumen. Aber auch andere Gefahren müssen Hausbesitzer das ganze Jahr über im Blick haben. Dazu gehören morsche Bäume im Garten, lose Dachziegel oder eine lockere Fernsehantenne.

Lieber WDR,

verklagen Sie einfach die Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner, weil sie in dem Buch von Tuvia Tenenbom bestätigt, dass der WDR der Gruppe um Walter Herrmann helfe, „die antisemitische Propaganda zu verbreiten.“ Nutzen Sie die Gelder der Zwangsgebühren dazu, dass eine Heerschar von Juristen dafür sorgt, dass in dem Buch „Allein unter Deutschen“ alle kritischen Passagen über den staatsnahen Sender WDR geschwärzt werden. Und zu guter Letzt: Nutzen Sie Ihre von Zwangsgebühren finanzierten Juristen auch dazu, mich vor Gericht zu zerren, weil ich es gewagt habe, in meinem Blog Tapfer im Nirgendwo über die Passagen in dem Buch zu berichten, über die Sie so nachhaltig geschwiegen haben.

Sie könnten natürlich auch Ihren Hausmeister beauftragen, die Schandsteine an Ihrem Eingangsbereich einfach wegzuräumen oder das Ordnungsamt beauftragen, dies zu tun, falls Ihr Hausmeister nicht befugt oder befähigt genug ist, aber das ist Ihnen wohl zu viel Arbeit. Sie verschwenden lieber die Zwangsgebühren dafür, Gerichte entscheiden zu lassen, was in Zukunft mit jenen Menschen geschehen soll, die es wagen, darüber zu berichten, dass es an Ihrem Eingangsbereich heftigen Antisemitismus geschneit hat.

Lieber WDR,

das nächste Mal, wenn es wieder einmal schneit in Köln und Ihr Eingangsbereich vereist und voller Schnee ist, sparen Sie sich einfach das Schneefegen und verklagen Sie stattdessen die Damen und Herren vom Wetterbericht!“

Nachdem der Betreiber der judenfeindlichen Installation seine Steine nicht mehr beim WDR lagern konnte, lagerte er sie einfach woanders:

Nach diesem Film ließ die Stadt Köln die Steine entfernen. Das Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln schrieb mir zudem diese Mail:

Sehr geehrter Herr Buurmann,

das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) hat die Fußplatten – so lautet nach meinen Recherchen die offizielle Bezeichnung – entfernt und lässt sie vom städtischen Bauhof abholen. Die „Hausmannschaft“ des MAKK wird den Außenbereich des Hauses künftig regelmäßig kontrollieren.

Das Problem wäre also für den Augenblick gelöst. Das schließt allerdings nicht aus, dass der Initiator der Klagemauer Fußplatten künftig an anderer Stelle lagert. Die Teile sind nicht teuer, Einzelpreis 16 Euro, bei größeren Mengen deutlich weniger. Außerdem stehen sie in so großer Zahl ungesichert im gesamten Stadtgebiet, dass es leicht fällt, sie zu „organisieren“. Allein an einer ganz einfachen Beschilderung, die lediglich das Abbiegen von der Aachener in die Oskar-Jäger-Straße verbietet, habe ich schätzungsweise 100 Exemplare gesehen

Ein paar Tage später waren die Steine wieder da. Im Juli 2015 war ich um 2 Uhr morgens wieder am Kölner Dom unterwegs. Es war kurz nach einem Gespräch mit Tuvia Tenenbom in Bonn. Er hatte mich gebeten, doch mal nachzuschauen, wo die Steine jetzt, da der WDR seine Mithilfe verweigert, lagern. Unglaublich, aber wahr. Sie standen vor dem Kölner Dom, einsam, verlassen, traurig und unbewacht.

Am nächsten Morgen fragte ich beim Ordnungsamt der Stadt Köln nach, warum der Mann, der in den Worten der Stadt Köln eine „Botschaft des Hasses“ betreibe, seine Befestigungssteine für diese Botschaft vor dem Kölner Dom lagern dürfe. Noch am selben Tag wurde die Stadt Köln tätig. Am 10. Juli 2015 stand im Express:

WAS SOLLTEN SIE DORT ÜBERHAUPT?
Stadt beschlagnahmt Klagemauer-Füße am Kölner Dom

Der Autor des Artikels, Robert Baumanns, bezeichnet die Installation vor dem Kölner Dom als „Parolenwand, mit der der Demonstrant „seit Jahren auf der Domplatte ganz Köln nervt.“

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Gute Nacht Köln!

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