Die größte Friedensdemo

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Das schöne und unterhaltende an dem Eurovision Song Contest ist die Ungerechtigkeit. Es geht schließlich um Geschmäcker und Vorlieben, und die haben bekanntlich herzlich wenig mit objektiven Maßstäben zu tun. Nicht wenige behaupten, bei dem Eurovision Song Contest gehe es gar nicht um die Musik, sondern um Politik. So ganz falsch ist das nicht, aber genau darin liegt die Kraft des Eurovision Song Contest.

Im Jahr 1955 wurde der Eurovision Song Contest ins Leben gerufen. Es war zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. In dieser Zeit kamen ein paar Menschen auf die Idee, einen Wettbewerb zu veranstalten, bei dem die Länder, die noch vor kurzem im Krieg miteinander lagen, statt Bomben sich nun Lieder um die Ohren hauen sollten. Die Länder, die sich einst spinnefeind waren, schoben sich nun Punkte fürs Singen zu.

Ich verstehe daher nicht, warum Jahr für Jahr die sogenannte Balkan Connection dramatisiert wird. Ja, es gibt sie, diese Connection. Kroatien und Bosnien und Herzegowina tauschen regelmäßig die zwölf Punkte aus. Serbien gibt die zwölf Punkte meistens nach Bosnien und Herzegowina. Montenegro nach Mazedonien, Mazedonien nach Albanien und Albanien nach Griechenland. Griechenland hat generell das beste Netzwerk, denn es bekommt gleich aus sechs Ländern regelmäßig die Höchstpunktzahl. Die Länder San Marino, Malta, Zypern, Bulgarien, Rumänien und Albanien haben bisher am häufigsten Griechenland ihre zwölf Punkte gegeben. Was ist daran so schlimm?

Der Balkan wird nicht selten als brodelnder Konfliktherd beschrieben. Es ist daher doch wunderbar, dass sich beim Eurovision ausgerechnet die Menschen gegenseitig hohe Punkte zuschustern, die eigentlich im Konflikt stehen. Hier wird Musik zur friedensstiftenden Maßnahme.

Der Eurovision Song Contest ist und bleibt die größte regelmäßig stattfindende Friedensdemo der Welt.

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