Sexismus im Strafgesetzbuch

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Ich habe da mal eine Frage an die Juristinnen: Haben Frauen in Deutschland ein Exhibitionistensonderrecht? Der Paragraf 183 StGB spricht schließlich nur von Männern:

㤠183
Exhibitionistische Handlungen

(1) Ein Mann, der eine andere Person durch eine exhibitionistische Handlung belästigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Die Tat wird nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, daß die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält.

(3) Das Gericht kann die Vollstreckung einer Freiheitsstrafe auch dann zur Bewährung aussetzen, wenn zu erwarten ist, daß der Täter erst nach einer längeren Heilbehandlung keine exhibitionistischen Handlungen mehr vornehmen wird.“

Erst im Absatz vier taucht erstmals das Wort Frau auf:

„(4) Absatz 3 gilt auch, wenn ein Mann oder eine Frau wegen einer exhibitionistischen Handlung

1. nach einer anderen Vorschrift, die im Höchstmaß Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe androht, oder

2. nach § 174 Abs. 2 Nr. 1 oder § 176 Abs. 4 Nr. 1

bestraft wird.“

Es ist doch recht komisch, dass Frauen erst im Absatz vier erwähnt werden. In diesem Absatz wird zwar für Männer und Frauen erklärt, was für sie im Falle von Absatz drei gelten kann, aber Absatz eins macht klar, dass Absatz drei nicht für Frauen gilt. Es ist somit nett aber vollkommen egal, was für Frauen im Absatz drei gilt, weil es sie nicht betrifft.

Warum also stellt das deutsche Gesetz nur männlichen Exhibitionismus unter Strafe? Ich könnte aus dem Stand eine Menge sexistische Werbeplakate nennen, auf denen sich halb bis nackte Frauen auf Autos, vor Elektrogeräten und mit Yoghurts räkeln, von denen ich mich durchaus belästigt fühle. Es belästigt mich auch manchmal, ungefragt auf Reeperbahn anzüglich angesprochen zu werden. Allerdings belästigt es mich nicht, wenn eine Frau in der Öffentlichkeit stillt oder Frauen mit ihren nackten Körpern für Selbstbestimmung demonstrieren. Nicht jede Nacktheit ist eine Belästigung, aber es gibt weiblichen Exhibitionismus der nervt, belästigt und nicht selten sexistisch ist. Daher ist es einfach nicht hinnehmbar, dass das Strafgesetz eine Tat nur dann unter Strafe stellt, wenn sie von Männern begangen wird. In einem Beschluss des Oberlandesgerichts Hamm vom 8. November 2012 (Az. III-3 RVs 67/12) heißt es sogar:

„Eine exhibitionistische Handlung im Sinne der vorgenannten Vorschrift liegt nach der höchstrichterlichen und obergerichtlichen Rechtsprechung, der sich der Senat anschließt, sowie der in der Literatur überwiegend vertretenen Auffassung nur dann vor, wenn der (männliche) Täter einem anderen ohne dessen Einverständnis sein entblößtes Glied in der Absicht vorweist, sich allein dadurch oder zusätzlich durch die Reaktion des anderen sexuell zu erregen, seine Erregung zu steigern oder zu befriedigen (BGH, Urteil vom 5. September 1995 – 1 StR 396/95 – ; BGH bei Holtz, MDR 1983, 619 [622]; BayObLG, NJW 1999, 72; OLG Düsseldorf, NStZ 1998, 412; OLG Bamberg, BeckRS 2011, 07219; Laufhütte/Roggenbuck in: Leipziger Kommentar zum StGB, 12. Aufl., § 183 Rdnr. 2; SK-StGB/Wolters, § 183 Rdnr. 2; Fischer, a.a.O., § 183 Rdnr. 5).“

Nur dann liegt eine exhibitionistische Handlung vor? Eine Frau begeht also keine exhibitionistische Handlung, wenn sie ihre entblößte Vagina in der Öffentlichkeit herzeigt, um sich dadurch Erregung zu verschaffen und zu befriedigen? Was ist mit Frauen, die sich einen Schwanz haben machen lassen? Dürfen sie den vorzeigen? Sie sind schließlich keine männlichen Täter!

Das ist purer Sexismus! #aufschrei

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