Titten der Vernunft

Es gibt Worte, die sorgen dafür, dass die Zugriffzahlen eines Blogs in die Höhe schnellen. Vernunft gehört nicht dazu. Titten schon! Man möge mir daher den reißerischen Titel verzeihen, aber die folgende Widerstandsgruppe hat eine große Aufmerksamkeit verdient. Die Gruppe heißt Femen (Frauen).

Femen sind Frauen rund um die Gründerin Anna Hustol, die sich erstmals im April 2008 in Kiew zusammengeschlossen haben. Femen sind Feministinnen, die durch mutige Aktionen des Widerstannds internationale Beachtung gewonnen haben. Sie treten für die Selbstbestimmung des Menschen, insbesondere der Frauen ein und haben schon gegen Sextourismus und Sexismus demonstriert, aber auch gegen Wahlfälschung, Kinderhandel und die geplanten staatlichen Verhaltensvorschriften während der Fußball-Europameisterschaft 2012. Tapfer im Nirgendwo präsentiert eine Auswahl ihrer bekanntesten Aktionen:

Februar 2011: Femen demonstrieren vor der italienischen Botschaft in Kiew gegen das von Silvio Berlusconi vermittelte Frauenbild in Italien.

Oktober 2011: Drei Femen demonstrieren als Hausmädchen verkleidet in Paris vor dem Haus von Dominique Strauss-Kahn, um ihn als Sexisten zu brandmarken.

Dezember 2011: Femen demonstrieren in der weißrussischen Hauptstadt Minsk bei einem Protest gegen Präsident Aljaksandr Lukaschenka. Drei Femen wurden daraufhin von Geheimdienstleuten entführt und in einem Wald nackt ausgesetzt.

Januar 2012: Femen demonstrieren in Davos gegen das Weltwirtschaftsforum.

März 2012: Femen denonstrieren in Istanbul gegen häusliche Gewalt in der Türkei und werden festgenommen.

Heute musste ich wieder an Femen denken, als ich las, dass Frau Kraft, ihres Zeichens Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Mitgliedern von ProNRW das öffentliche Zeigen von Mohammedkarikaturen verbieten will. Nun haben ProNRW und Femen so gut wie nichts gemein, Femen ist eine Gruppe kluger und schöner Frauen und ProNRW eine Gruppe mit viel zu vielen dummen und häßlichen Männern, aber das angestrebte Verbot von Frau Kraft, mit einer Karikatur zu demonstrieren, ist mindestens genauso fragwürdig wie das Verbot von Herrn Lukaschenka, mit blanken Brüsten zu demonstrieren.

Frau Kraft will das Zeigen von Karikaturen vor einer Moschee verbieten, weil es Muslime gibt, die sich davon provoziert fühlen. In dieser Logik kann Frau Kraft auch gleich das Tragen von Miniröcken mit der Begründung verbieten, es gäbe Männer, die sich dadurch so provoziert fühlen, dass ihnen gar nichts anderes mehr übrig bleibt, als Frauen zu vergewaltigen. Wenn ein Minirockverbot dann eines Tages nicht mehr reicht, kann Frau Kraft ja zur Sicherheit der Frauen in NRW ein lokal beschränktes Burkagebot erlassen, als Deeskalationsstrategie quasi.

Vor ein paar Tagen wurde in Siegen der Israeltag angegriffen. Ein paar Randalierer fühlten sich von dem Anblick eines Israelstandes so provoziert, dass sie es angriffen und zerstörten. Wie wäre es also in Zukunft mit einem Verbot von Israeltagen in NRW, Frau Kraft? In Ihrem Bundesland wurde ja schon öfter mal das Zeigen von Israelfahne verboten. In Bochum zum Beispiel wurde das Zeigen einer Israelfahne mit einer Geldbuße von dreihundert Euro bestraft und in Duisburg hat sogar einmal die Polizei eine Privatwohnung gestürmt, um dort eine Israelfahne zu entfernen, da ein radikaler Mob von Fundamentalisten auf der Straße den Anblick des Sterns nicht ertragen konnte.

Mit ihrer Forderung nach einem lokalen Verbot von Mohammedkarikaturen vor Moscheen rät Frau Kraft im Grunde jenen Christen, die sich von tanzenden Demonstranten vor kirchlichen Einrichtungen an Karfreitag provoziert fühlen, zur Gewalt zu greifen, da dies zum gewünschten Ziel führt, auch im weltlichen Umfeld eines Gotteshauses, die religiösen Gesetze zur Staatsräson zu erklären.

Es wird offenkundig langsam Zeit, dass Femen auch in Deutschland demonstrieren. Ich schlage vor, sie demonstrieren mit Mohammed auf den blanken Brüsten vor einer Moschee, mit Jesus auf den nackten Brüsten vor einem Dom und mit Abraham auf den entblößten Brüsten vor einer Synagoge. Und dann schauen wir mal, was passiert.

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