Grüne für Studiengebühren?

Eine neue Kampagne der Grünen macht deutlich, dass Studiengebühren aus moralischen Gründen geboten sind. In einem Plakat, das am 12. September von Volker Beck auf Facebook gepostet wurde, heißt es nämlich:

„Ich will so leben wie ich will, aber nicht auf dem Rücken anderer.“

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Es gibt Menschen, die studieren wollen. Dafür gibt es Universitäten. An diesen Universitäten arbeiten Professorinnen, Putzmänner, Bibliothekare, Hausmeisterinnen und Wissenschaftler, die allesamt dafür sorgen, dass Studentinnen und Studenten ihr Wissen mehren können. An der Universität wird somit von arbeitenden Menschen ein Mehrwert für Studierende erwirtschaftet. Dafür sollten die Studierenden eigentlich zahlen! Tun sie aber nicht. Bezahlt werden die Arbeiter der Studierenden von Steuerzahlern, die zum nicht geringen Teil selbst nicht studieren dürfen, da sie die allgemeine Hochschulreife nicht besitzen.

Der Mehrwert der Studierenden lastet somit auf dem Rücken vieler Steuerzahler, die selbst nicht studieren dürfen, selbst wenn sie es wollten. Das ist so ziemlich genau ein Leben auf dem Rücken Anderer, wenn es nicht sogar das altmodische Wort Ausbeutung noch besser trifft.

In kaum einem anderen Land entscheidet die Herkunft der Eltern so sehr über die Zukunftschancen eines Kindes wie in Deutschland. In Deutschland gibt es keine Studiengebühren! In Deutschland lässt sich somit eine verhältnismäßige große Elite ihre gehobene Ausbildung überdurchschnittlich stark von einer deutlich weniger privilegierten Gemeinschaft bezahlen. Fair ist das nicht!

Fair ist es, wenn jene, die von der elitären Ausbildung profitieren und sie sich leisten können, diese auch selbst bezahlen. Fair ist es, wenn jene Menschen, die sich Studiengebühren nicht leisten können, in ihrer Absicht zu studieren, unterstützt werden.

Ein Vergleich mit der Schule hinkt. Natürlich gibt es keine Schulgebühr. In Deutschland gibt es die Schulpflicht! Die Universität ist jedoch eine Option. Allerdings nicht für alle! Nur Privilegierte, jene mit der allgemeinen Hochschulreife, dürfen zur Universität. Es sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dass sich diese Privilegierten in irgendeiner Form an den Kosten beteiligen, die die Orte verursachen, an denen ihre elitäre Stellung produziert wird.

Warum sollen eigentlich die Universitäten kostenlos sein, wenn sogar die Krankenhäuser kosten? Im Jahr zahlen allen Bürgerinnen und Bürger Tausende von Euros für das Gesundheitssystem! Krankenkassenbeiträge sind im Grunde nichts anderes als Gesundheitsgebühren! Irgendwo muss das Geld für die Ärztinnen und Pfleger schließlich herkommen. Warum also soll es dann keine Bildungsgebühren geben? Wer bezahlt die Professorinnen, Putzmänner, Bibliothekare, Hausmeisterinnen und Wissenschaftler? Essen gibt es auch nicht für umsonst, und ohne Essen stirbt der Mensch!

Wer Universitäten für umsonst will, ist ein Schnäppchenjäger wie jene, die Klamotten und Essen für billig wollen und sich einen Dreck darum kümmern, wie die Klamotten und das Essen produziert werden. Geiz ist geil! Die Zeche sollen Andere zahlen!

Deshalb müssen jene Grüne, die den folgenden Satz ernst nehmen, für Studiengebühren sein:

„Ich will so leben wie ich will, aber nicht auf dem Rücken anderer.“

Die Grünen sind aber nicht für Studiengebühren. Sie haben schlicht und einfach den eigenen Grundsatz nicht verstanden. Das passiert schon mal. Es gibt ja auch dicke Ernährungsberater!

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