Christlicher Fundamentalismus

Religiöser Fundamentalismus ist einer aktuellen Studie zufolge unter Christen in Westeuropa ein Randphänomen. Dies geht aus einer repräsentativen Befragung in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Österreich und Schweden hervor, deren Auswertung das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) am Montag vorstellte.

Zwanzig Prozent der befragten Christen geben an, „zurück zu den Wurzeln“ zu wollen. Etwas mehr als zehn Prozent erachten religiöse Rechte für bindender als weltliche Gesetze. Zehn Prozent möchten keine homosexuellen Freunde haben und etwas weniger als zehn Prozent geben an, Juden nicht trauen zu können. Über zwanzig Prozent der befragten Christen glauben, Muslime wollten die Welt zerstören.

Man kann die Zahlen als ein Randphänomen bezeichnen, für mich sind sie dennoch zu hoch!

Ich bin in einer Nachbarschaft groß geworden, in der es überwiegend Christen gab. Ich selbst bin christlich groß geworden. Noch heute ist das Christentum die am stärksten vertretende Religion in meinem Bekanntenkreis. Daher erhebe ich immer wieder meine Stimme, wenn ich auf die zehn Prozent Christen stoße, die keine homosexuellen Freunde haben wollen oder einen der knapp zehn Prozent Christen treffe, der keinem Juden trauen kann. Ich knalle gerne jedem Christen seinen Fundamentalismus um die Ohren. Niemals werde ich mich von Spott, Ironie oder Polemik abhalten lassen, schon gar nicht von den zwanzig Prozent Christen, die zurück zu den Wurzeln möchten und sich beleidigt fühlen, wenn jemand Witze über das Christentum macht. Ich nehme es nicht unwidersprochen hin, wenn ein christlicher Freund erklärt, ein Muslim wolle wegen seiner Konfession die Welt zerstören. Ich habe einige muslimische Freunde. Ich weiß, das schwul und muslimisch zusammengehen können.

Allerdings kenne ich weitaus mehr Christen als Muslime, und die Muslime, die ich kenne, habe ich in der Kunst- und Kulturszene kennengelernt. Dort finden sich bekanntlich eher wenige religiöse Fundamentalisten. Ich weiß nicht, wie es in einer mehrheitlich muslimischen Nachbarschaft zugeht.

Daher ist es aufschlussreich, dass die Studie nicht nur Christen befragt hat, sondern auch Muslime. Dabei kam heraus, dass zwei Drittel der befragten Muslime religiöse Gesetze für wichtiger halten als weltliche Gesetze. Über fünfundfünfzig Prozent wollen keine homosexuellen Freunde. Knappe fünfundvierzig Prozent können Juden nicht trauen und über fünfzig Prozent sind der Meinung, der Westen wolle die Welt zerstören. Bei diesen Zahlen ist es alles andere als beruhigend, dass knappe sechzig Prozent der befragten Muslime erklären, „zurück zu den Wurzeln“ zu wollen.

Religiöser Fundamentalismus ist unter Muslimen in Westeuropa folglich kein Randphänomen. Ich treffe diese fundamentalistischen Muslime allerdings nicht oft. Ich kann ihnen ihren Fundamentalismus daher leider nicht oft genug um die Ohren hauen. Aber es gibt immerhin noch ein paar Prozent Muslime, die sagen und zeigen, dass es auch anders geht. Auf diese Muslime baue ich. Sie werde ich unterstützen. Sie werden letztendlich siegen, إن شاء الله

Bis es soweit ist, zitiere ich einfach mal Dieter Nuhr, رضوان الله عليه:

“Die rufen Tod bis … Krieg. Das ist für mich … hat einen Grad von Lächerlichkeit, dem dürfen wir uns nicht anpassen. Und wir passen uns reihenweise da an. Mich macht das wütend. Islam ist ausschließend dann tolerant, wenn er keine Macht hat und da müssen wir unbedingt für sorgen, dass das bei uns so bleibt.”

Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke, Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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