Schmetterlinggemachter Klimawandel

Lange Zeit dachte der Mensch, die Erde stünde im Zentrum des Universums und Mond, Sonne und Planeten würden die Erde umkreisen. Dann kam die kopernikanische Revolution und plötzlich war nicht mehr die Erde im Mittelpunkt des Universums, sondern die Sonne. Für viele Menschen war damals die kopernikanische Wende ein Schlag ins Gesicht. Sie wollten nicht akzeptierten, dass die Erde nicht im Mittelpunkt des Universums steht.

Lange Zeit glaubten die Menschen, die Krone der Schöpfung zu sein. Dann kam Charles Darwin und erklärte mit seiner Theorie der Evolution, dass der Mensch nur das Resultat einer zufälligen Entwicklung ohne schöpferische Absicht ist. Für viele Menschen war dies wieder ein Schlag ins Gesicht. Der Mensch hat ein Problem damit zu akzeptieren, dass er nicht so wichtig ist und wehrt sich händeringend gegen die eigene Ohnmacht.

So wie der Mensch einst die Erde im Mittelpunkt des Universums verortete und den Menschen zur Krone der Schöpfung erklärte, so will er heute im Zentrum des Klimawandels stehen.

Dabei hat sich das Klima schon immer gewandelt, auch in Abwesenheit des Menschen. Das Klima zeichnet sich dadurch aus, dass es sich stetig wandelt. Seit einigen Jahren aber will der Mensch die Hoheit über den Klimawandel erlangen und erklärt neben seiner Hauptschuld am Klimawandel auch seine Macht, den Wandel steuern und vorhersagen zu können.

Der Mensch liebt es, schuldig und mächtig zugleich zu sein. Schuld, das klingt nach Adam, Eva und Sündenfall. Da kann der Mensch endlich wieder mächtig nach der Krone der Schöpfung greifen, die ihm von Darwin aus der Hand geschleudert wurde.

Wäre es nicht wunderbar, wenn der Mensch wieder so richtig schön wichtig wäre, wenn er sogar der Erde gefährlich werden könnte? Nun, er ist es nicht!

Der Mensch ist nur eine kurze Epoche in der Geschichte der Erde, die schon deutlich größere Gefahren als den Menschen überstanden hat. Der Mensch ist höchstens sich selbst gefährlich. Mittlerweile kann der Mensch sogar die ganze Menschheit ausrotten.

Natürlich nimmt der Mensch mit seinem Verhalten Einfluss auf das Klima, so wie jede Pflanze, jedes Tier, jeder Vulkan Teil des chaotischen Komplexes ist, das wir Klima nennen. Das Klima ist ein komplexes, nichtlineares dynamisches System. Solche Systeme zeichnen sich durch eine große Empfindlichkeit selbst auf kleine Abweichungen aus. Geringfügig veränderte Bedingungen können im langfristigen Verlauf zu einer völlig anderen Entwicklung führen. Es gibt hierzu eine bildhafte Veranschaulichung dieses Effekts. Er wird Schmetterlingseffekt genannt:

„Der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien kann einen Tornado in Texas auslösen.“

Der Mensch kann das Klima nicht bewusst steuern.

Immer wenn Menschen um ihre Bedeutung und Wichtigkeit beraubt wurden, waren es vornehmlich die Mächtigen, die sich gegen die Idee sträubten, dass der Mensch nicht im Mittelpunkt des Universums steht. Sie wollten, dass der Mensch schuldig bleibt; Schuld ist schließlich die beste Waffe in der Hand des Mächtigen. Nur, wer sich schuldig fühlt, unterwirft sich einem Seelenretter und ist bereit, Steuern für das Seelenheil zu zahlen. Die Schuld ist das Öl im Getriebe des Ablasshandels.

Im Mittelalter wurden immer dann Hexen verbrannt, wenn schlechtes Wetter eine Missernte nach sich gezogen hatte. Heute ist das nicht anders. Jeder Sturm ist gleich der schlimmste Sturm ever, jede Flut sofort eine Jahrhunderflut und jeder Sommer gleich eine Hitzekatastrophe. Schuld daran ist natürlich immer der Mensch. Es darf einfach nicht anders sein.

Wenn der Mensch sich nicht schuldig fühlen kann, ist er hilflos. Dann muss er erkennen, dass er die Natur nie vollkommen verstehen und bestimmen kann. Es ist aber so! Manche Dinge passieren einfach, egal was der Mensch macht!

Dennoch gibt es Menschen, die behaupten, beweisen zu können, das sich das Klima nur deshalb wandelt, weil der Mensch zu viel CO2 produziert. Es ist interessant, welche Lobby zuerst diese Behauptung propagiert hat. Es war die Lobby der Atomenergie! Im Jahr 1998 schrieb der britische Wissenschaftsjournalist Nigel Calder:

„Am Anfang war die CO2- und Erderwärmungstheorie eine angelsächsische Erfindung, die nicht zuletzt von der Nuklearindustrie gefördert wurde, die für sich eine Wiederbelebung erhoffte. Aber dann wurde daraus mehr und mehr ein Szenarium für den Weltuntergang und das widerstrebt den nüchternen Angelsachsen. Da erinnerte man sich im IPCC: The Germans are best for doomsday theories!“

Die Haltung von Nigel Calder gegenüber den Propheten des Weltuntergangs, die behaupten, das Ende sei nah, weil der Mensch in Sünde lebt, ist eindeutig: Weder Glühbirnenverbot noch die gigantischen Subventionen für die so genannte erneuerbare Energie würden einen Sinn machen. Statt mit Steuern den Klimawandel zu beeinflussen, müssten sie sich mit den Folgen des natürlichen Klimawandels beschäftigen.

Ich finde es immer wieder hoch amüsant, wenn sich Menschen aufmachen, das Große zu retten, obwohl sie schon am Kleinen verzweifeln. Die Liste dieser Menschen ist lang:

Es gibt Menschen, die nicht einmal ihre Familie zusammenhalten können, die aber die europäische Gemeinschaft retten wollen.

Es gibt Menschen, denen die Blumen auf dem Balkon verwelken, die aber den Regenwald retten wollen.

Es gibt Menschen, die über einen Handyvertrag verzweifeln, aber glauben, die Weltwirtschaft durchschaut zu haben.

Für mich haben diese Menschen die Glaubwürdigkeit von zölibatären Priestern, die mir was von der Ehe erzählen wollen.

Ich sage nicht, dass der Mensch keine Verantwortung trägt. Eine Stadt, die im Smog erstickt, tut gut daran, weniger Abgase in die Luft zu pumpen. Wenn es aber um das Weltklima geht, ist kein Mensch so klug, einen Computer zu bauen, der so exakt ist, dass er vorausberechnen kann, was mit dem Klima passiert, wenn die Grünen im Bundestag beschließen, mehr Windräder in Deutschland zu bauen. Das Klima ist einfach zu komplex für eine Politik in Deutschland, die schon am Bau eines Flughafens in Berlin scheitert.

Jede Mathematikerin weiß, dass schon eine Gleichung mit vier Unbekannten unendlich ist und das Klima hat deutlich mehr Unbekannte. Eine Vielzahl der auftretenden physikalischen Phänomene (Wolkenbildung, Wolkenalbedo, Sonneneinfluß, Aerolsoleinflüsse, Rückkopplungseffekte) sind noch nicht zureichend modelliert.

Es braucht nur ein Vulkan in Island ausbrechen und schon steht alles, was der Mensch getan oder unterlassen hat, unter anderen Bedingungen.

Der Mensch kann nicht vorhersagen, was geschieht, wenn er etwas tut oder unterlässt. Dafür ist das System Klima viel zu komplex und so chaotisch, dass es nicht mal einen Vulkanausbruch braucht, um alle Berechnungen überflüssig zu machen. Manchmal reicht auch schon ein Schmetterling.

Wie wie schwer sich der Mensch manchmal damit tut, alte Überzeugungen abzulegen, obwohl sie wissenschaftlich widerlegt wurden, kann man an diesem kleinen Selbstversuch testen: Was würden Sie sagen, wenn Ihnen sage, dass sich die Erde nicht um die Sonne als Mittelpunkt des Sonnensystems dreht? Sie würden vermutlich sagen: „Jetzt ist er völlig übergeschnappt!“ Aber es ist so. Die Erde dreht sich nicht um die Sonne als Mittelpunkt. Der Mittelpunkt ist das Baryzentrum.

Als Baryzentrum bezeichnet man in der Himmelsmechanik den Massenmittelpunkt eines Systems von zwei oder mehreren Himmelskörpern. Es ist der Ruhepunkt des Systems, um den die Körper sich bewegen und mit dem das System an der Bewegung in einem größeren System teilnimmt. Das Baryzentrum des Sonnensystems liegt meistens knapp außerhalb der Sonne und hängt vor allem von der Stellung des Jupiters und des Saturns ab. Die beiden Riesenplaneten besitzen 0,10 beziehungsweise 0,03 Prozent der Sonnenmasse, sodass sie das Baryzentrum um dieses Maß ihrer Bahnachsen beeinflussen, was ungefähr 740.000 und 410.000 Kilometer ausmacht. Da der Sonnenradius 696.000 Kilometer beträgt, kann das Baryzentrum langperiodisch sowohl innerhalb als auch außerhalb der Sonnenoberfläche liegen. Die meiste Zeit jedoch befindet sich der Mittelpunkt außerhalb der Sonnenfläche.

Wissenschaft ist eine komplexe Sache. Deshalb sollte man immer kritisch bleiben, wenn sich Propheten aus der Wissenschaft erheben, die behaupten, über alle Zweifel erhaben zu sein. Der Zweifel ist das Öl im Getriebe der Wissenschaft. Wer es weglässt, wird einen quietschen Motor bekommen und irgendwann sogar endgültig stehenbleiben.

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