Es waren nicht Flüchtlinge!

Immer wieder lese ich, die Kölner Polizei sei von der „völlig neuen Dimension der Gewalt“ vor dem Kölner Dom in der Nacht zu Neujahr 2016 überrascht. Nein! Was dort geschehen ist, ist keine völlig neue Dimension der Gewalt. Es ist sogar eines der ältesten Verbrechen der Welt: Sexismus! Sexismus ist Rassismus gegen Menschen aufgrund ihres Geschlechts und eine extrem verharmloste Gewalt. Es ist schockierend, wie unfähig die Kölner Polizei in der Silvesternacht im Umgang mit der wohl ältesten Form der Gewalt war. Sie hat die Gewalt nicht mal angemessen zur Kenntnis genommen.

Mehrere hundert Männern rotteten sich vor dem Kölner Dom und Hauptbahnhof zusammen, begingen Verbrechen an Frauen und die Kölner Polizei bekam davon nichts mit, faselte später zunächst was von „entspannter“ und „friedlicher“ Situation und war dann ganz „überrrascht“, als fast hundert Anzeigen eintrudelten, davon ein großer Teil Anzeigen von sexueller Nötigung und Vergewaltigung. Die Kölner Polizei ist offensichtlich blind auf dem sexistischen Auge.

143 Polizeibeamte waren vor Ort. Es waren Beamte von der Kölner Polizei und der Bundespolizei, schließlich gab es in ganz Europa Terrorwarnungen und Hauptbahnhof und Dom gelten als besonders gefährdet. Der Terror kam! Es war der Terror gegen Frauen!

Die Kölner Polizei hat diesen Terror jedoch nicht bekämpft, sie hat ihn nicht mal als solche erkannt. Es ist eine Schande, wie unsensibel die Kölner Polizei dadurch mit den Opfern dieser Verbrechen umgegangen ist! Für Opfer sexueller Gewalt ist es wie eine zweite Vergewaltigung, wenn sie erkennen müssen, dass die Gewalt verharmlost oder nicht mal erkannt wird. Es folgt dann oft die typische Rhetorik der Verharmlosung. Sie startet mit Sätzen wie „Tu doch nicht so“ und „War doch nicht so schlimm“, geht über „Es hat Dir doch gefallen“ und endet bei „Du wolltest es doch auch!“

Einige betonen jetzt, die Täter in Köln seien Flüchtlinge gewesen. Nein! Auch Frauen können Flüchtlinge sein. In einer sexistischen Welt sind sogar alle Frauen Flüchtlinge. Frauen waren aber nicht die Täter. Frauen waren die Opfer. Männer waren die Täter! Männer, die aus autoritären, patriachalen und zum Teil zerbrochenen Clanstrukturen kommen, mit einer Religion im Nacken, die, um es höflich auszudrücken, sich nicht gerade dadurch auszeichnet, dass sie in den letzten Jahrenzehnten eine feministische und sexuelle Revolution erfahren hat. Wir wissen alle, welche Religion gemeint ist. Es sind nicht die Amisch!

Es ist diese Religion, die in ihrer extremen Form Frauen zu Freiwild erklärt, wenn sie ihren Körper nicht komplett verhüllen. Es hat in Europa viele Kämpfe gebraucht, um das Christentum in die Ideen der Aufklärung zu integrieren. Es hat bei weitem noch nicht überall geklappt. Die katholische Kirche zum Beispiel hat bis heute ein Problem mit ihrer religiösen Sexualethik, was nicht selten in Missbrauchsfälle mündet, die selbstverständlich etwas mit dem Katholizismus zu tun haben. Religionen gehören allesamt in ihre Schranken verwiesen, wenn sie Frauen zu diskriminieren trachten. Hediwg Dohm sagte einst: „Die Menschenrechte haben kein Geschlecht!“

Es wird Zeit, das Problem klar zu benennen: Männer, an denen die Aufklärung vorbei gegangen ist und die eher in Gruppen und Clans denken als in Individuen; Männer, die die Ehre eines im siebten Jahrhundert verstorbenen Soldaten aus Mekka, den sie als Propheten verherrlichen, höher schätzen als die Würde einer lebendigen Frau; Männer, die wegen einer pervertierten Idee von Ehre eher eine Frau töten, als ihre eigene Religion zu hinterfragen; Männer, die Frauen eher in ein Gefängnis aus Stoff zwängen, als männlichen Sexualverbrechern Handschellen anzulegen; Männer, die Frauen als Schlampen bezeichnen, wenn sie ihr Recht auf einen Orgasmus einfordern; Männer, für die Frauen nichts weiter sind als Ware auf dem Markt der Macht.

Was Neujahr auf offener Straße in Köln passiert ist, ist keine völlig neue Dimension der Gewalt. Die Gewalt ist jetzt lediglich öffentlich geworden!

Ein nicht geringer Teil der Männer, die jetzt vorgeben, die Ehre der Frauen zu verteidigen, indem sie nicht im Sinne der Aufklärung die Ideologie der Täter kritisieren, zum Beispiel ihre religiösen und politischen Fanatismen, sondern vielmehr rassistisch das Aussehen der Täter als Erklärung für ihre Verbrechen benennen, sind Rassisten, genauso wie die Sexisten, die sie vorgeben zu bekämpfen. Nicht die Hautfarbe entscheidet darüber, ob ein Mensch Verbrechen begeht, sondern sein Wille zur Tat. Der Wille des Menschen ist unter anderem geprägt von seinen politischen und religiösen Überzeugungen. Daher dürfen sie kritisiert werden! Einen Menschen zu kritisieren, weil er einer gewissen Partei angehört ist ebenso legitim, wie einen Menschen ob seiner Religionszugehörigkeit zu kritisieren, vor allem wenn sie sich an längst überholte Prinzipien festklammert.

Es wird höchste Zeit, dass der Zusammenhang zwischen Tat und Überzeugung der Täter, wozu auch Religionen gehören, deutlich benannt wird.

Einige der Männer, die das Aussehen der Täter als Erklärung bemühen, gehen gewiss öfter mal in Bordelle, wo sie dann auf Flatratebasis mit Frauen, die nicht selten auf den Menschen- und Sklavenmärkten der Welt verkauft wurden, all das machen, was die Männer Neujahr vor dem Kölner Dom mit den dortigen Frauen gemacht haben. Die Männer dort waren aufgrund ihrer gesellschaltichen Stellung einfach nicht in der Lage, die gesellschaftlich tolerierten Institutionen der Gewalt an Frauen zu nutzen. Nicht wenige der in manchen Bordellen gefangengehaltenen Zwangsprostituierten sind Flüchtlinge. Ein Grund mehr, die Bezeichnung der Täter vor dem Dom als Flüchtlinge scharf zu kritisieren!

Diese Form der institutionalisieren Gewalt gegen Frauen wird immer wieder verharmlost. Kein Wunder also, dass viele Männer der Kölner Polizei einfach kein Gespür für den Terror haben, der sich täglich gegen Frauen richtet. Es muss sich dringend etwas ändern. Der Satz „Menschenrechte haben kein Geschlecht“ muss endlich das deutlich vernehmbare Credo jeder freien Gesellschaft werden, damit Sexismus und Frauenverachtung nicht mehr als kulturelle Eigenart toleriert wird. Keine Religion und keine Partei hat das Recht, Artikel 3 des Grundgesetzes zu missachten!

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