Das war keine Heldentat!

Ein Bericht von Brigitta Biehl.

Zum dritten Mal fand „Birlikte“ in Köln statt. Das Fest wurde erstmals im Juni 2014 anlässlich des zehnten Jahrestages des Nagelbombenattentates, das vermutlich auch auf das Konto des NSU geht, in der Kölner Keupstraße gefeiert. Man wollte ein Zeichen setzen gegen Rechtsradikale und für Toleranz und ein Miteinander aller, die in unserer Stadt leben. 2014 war das Motto „Birlikte – Zusammenstehen“; 2015 „Zusammenleben“, 2016 nun „Birlikte – Zusammenreden“.

Diesen konkreten Hintergrund sollte man kennen und nicht nur abstrakt von einem „Kunst- und Kulturfest gegen rechte Gewalt“ sprechen.

„Zusammen reden“ sollte also diesmal das Motto sein, und man hatte, offenbar zumindest auch auf Wunsch der Vorsitzenden der IG Keupstraße, Meral Sahin, zu einem der Dialoge Konrad Adam, einen der Mitbegründer der AfD, eingeladen. Er sollte mit Naika Fouroutan, Professorin für Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik, den Dialog zum Thema „Was gilt es zu verteidigen“ führen.

Ich selber hörte noch das Ende des vorangegangenen Dialoges (Oberbürgermeisterin Henriette Reker und der Politikwissenschaftler Claus Leggewie zum Thema „Wem gehört die Stadt? – Wer gestaltet die Stadt?“), bei dem die Moderatoren abschließend Claus Leggewie die Frage stellten, ob er Bedenken gegen den Auftritt des AfD-Mannes Adam bei dieser Veranstaltung anzumelden hätte, als Trillerpfeifen und lautes Gegröle von draußen zu hören waren, so dass Leggewie nur noch sagen konnte, dass man mit einem derartigen störenden Verhalten, mit dem man die Veranstaltung wohl sprengen wolle, Konrad Adam eine Position zuweise, für die er zu klein sei und mit der man die AfD wieder in die Opferrolle, die sie so mag, drängt.

Leggewie konnte dann nur noch fluchtartig die Bühne verlassen, weil eine Menge von vielleicht fünzig Menschen an den Ordnern vorbei die Bühne des Schauspielhauses stürmte, rote Karten schwenkte (die auch im Publikum verteilt wurden) und dabei skandierte „Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda“. Dabei wurden Transparente enthüllt („Keine Bühne der AfD“).

Jeglicher Versuch, die Demonstranten zum Rückzug zu bewegen, ging im Lärm unter. Es ergriff schließlich Meral Sahin das Mikrophon und sagte laut und deutlich, dass sie als Vorsitzende der IG Keupstraße diese Veranstaltung auch mit einem Vertreter der AfD gewünscht habe, denn sie wollte ihn gern fragen, was ihn an ihr stört. Selbst Meral Sahin wurde daraufhin niedergebrüllt. Zunächst wollte der Intendant den „Dialog“ dann nur mit Frau Fouroutan fortführen; die Veranstaltung wurde dann aber vollständig abgesagt, was die Demonstranten offenbar schwer begeisterte.

Birlikte 2016 hatte seinen Eklat, und ich weiß nicht, wie es nun weitergehen soll. Sogenannte Antifaschisten kapern eine geplante Veranstaltung und brüllen eine der Vertreterinnen der IG Keupstraße nieder, weil sie offenbar besser wissen, was für die Menschen dort gut ist. Ich finde dieses Verhalten nur noch empörend. Der AfD hat man dadurch die Chance gegeben, sich wieder als Opfer zu gerieren, anstatt sie zu entlarven. Traut man einer Naika Fouroutan nicht zu, genau diese Entlarvung zu ermöglichen? Warum nehmen sich diese Leute heraus, gegen die Vertreter der Opfer des Nagelbombenanschlags zu agieren? Die Bewohner der Keupstraße haben das Recht, die Meinungshoheit über ihr Leben zurückzuerobern. Meral Sahin macht nicht den Eindruck, als sei sie auf die „Hilfe“ der Antifa angewiesen.

Es ist dies das unerträglich paternalistische Gehabe, mit dem Menschen mit Migrationshintergrund zu unmündigen Menschen erklärt werden, die ihre Interessen nicht selber wahrnehmen können.

In den sozialen Netzwerken wird von Antifa-Gruppen der Abbruch wie eine Heldentat gefeiert. Nein, war es nicht:

Ihr habt Betroffenen des NSU-Terrors in der Keupstraße die Möglichkeit verweigert, einen Vertreter einer zumindest latent fremdenfeindlichen Partei mit den Parolen seiner Partei zu konfrontieren. Das Publikum bestand mit Sicherheit nicht aus AfD-Anhängern, sondern aus Menschen, die zusammenstehen, zusammen leben und auch zusammen reden wollen.

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