Ficken in Köln-Mülheim

Heute ging ich am Rhein in Köln-Mülheim spazieren und fand dort folgende Slogans in gelber und schwarzer Farbe an die Hochwassermauer und die dahinter befindliche Gesamtschule gesprüht:

„Kindermörder Israel“
„Fick Israel“
„Fick Zionismus, NATO, TTIP, UNO, PKK“
„Fick USA“
„Fick Politiker alles Lügner“
„Free Palestine“
„AFD Verbot“
„Killuminati“

In Mülheim fickt man offensichtlich gerne, allerdings scheint dort ficken schlimm und beleidigend zu sein. Außerdem dürfen alle ficken, nur Palästina nicht. Wenn da nicht wieder mal die Juden hinter stecken!

All diese offen hasserfüllten Parolen befinden sich auf der Höhe zwischen Mülheimer Freiheit 78 und und Krahnenstraße 1. An der Mülheimer Freiheit 78 stand einst eine Synagoge mit kleiner Religionsschule. Sie wurde allerdings am 9. November 1938 von Nazis zerstört. Eine Gedenktafel erinnert an diese Synagoge.

Auf der Kranenstraße 1 wiederum befindet sich ein Gebäude, das einst die Pferdestation von Mülheim war. Zwei Pferdeköpfe erinnern an diese Zeit. Von dieser Pferdestation konnte man im Jahr 1843 für fünf Taler und sechs Groschen bis nach Hagen fahren, so steht es jedenfalls in Heinrich Heines Reisebericht „Deutschland. Ein Wintermärchen“.

Ausgerechnet in dieser Umgebung wurden die Hassparolen gesprüht! Ich rief sofort die Polizei an und bat, jemand möge vorbei kommen, um die Parolen aufzunehmen. Nur ein paar Minuten später, rief mich die Polizei zurück und erklärte, ich bräuchte nicht vor Ort zu warten. Die Polizei käme nicht, da eine Anzeige der Parolen bereits „vor einigen Tagen“ eingegangen sei. Als ich fragte, warum die Parolen dann noch dort stünden, bekam ich als Antwort, dass für die Hochwassermauer der Bund zuständig sei, nämlich das Bundesministerium für Verkehr, um genau zu sein, das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Köln. Ich rief also dort an, aber niemand nahm ab. Es war schon 16:09 Uhr und das an einem Mittwoch! Ich rief also die Stadt Köln an. Die Stadt Köln wiederum verwies mich an das Amt für öffentliche Ordnung. Dort erklärte ich alles. Dann ging ich noch zur Schule und informierte dort einen Mann, über die Parole „Fick Zionismus, NATO, TTIP, UNO, PKK“ an der Schulmauer.

Jetzt bin ich mal gespannt, was passiert, ob sich wer zuständig fühlt und ob es irgendjemandem peinlich ist, dass in der Nachbarschaft in großen Buchstaben der Hass gepredigt wird und zwar für jeden sichtbar, der am Rhein spazieren geht oder von Düsseldorf kommend mit dem Schiff nach Köln reist.

Mal schauen, wie lange die Bürgerinnen und Bürger von Köln-Mülheim den Hass in Großbuchstaben in ihrem Stadtteil tolerien werden. Vielleicht erklären sie es zu ihrer Meinung und lassen es stehen. Dann wäre es vermutlich durch Meinungsfreiheit deckt. Wie also sind die Mülheimerinnen und Mülheimer drauf?

Heinrich Heine jedenfalls beschrieb Mülheim vor über 160 Jahren wie folgt:

„Wir fuhren durch Mühlheim. Die Stadt ist nett,
Die Menschen still und fleißig.
War dort zuletzt im Monat Mai
Des Jahres einunddreißig.

Damals stand alles im Blütenschmuck,
Und die Sonnenlichter lachten,
Die Vögel sangen sehnsuchtvoll,
Und die Menschen hofften und dachten.“

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