Eine Villa mit Geschichte

Kennen Sie die Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe? Sie war als eingetragener Verein eine Forschungseinrichtung der SS und wurde am 1. Juli 1935 unter anderem von Heinrich Himmler als „Studiengesellschaft für Geistesurgeschichte“ gegründet. Im Jahr 1945 wurde sie aufgelöst. Bis dahin gehörten zum Tätigkeitsfeld der „Forschungsgemeinschaft“ Menschenversuche und Kunstraub.

In der Zeit des Nationalsozialismus befand sich die „Reichshauptstelle“ der „Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe“ in einer Villa auf dem Grundstück Pücklerstraße 14 in Berlin. Im Jahr 1912 wurde das Haus in Auftrag des Fabrikanten Julius Wurmbach gebaut. Durch den Ersten Weltkrieg und die Deutsche Inflation erlitt Wurmbach derart große wirtschaftliche Verluste, dass er im Oktober 1926 in der Villa zunächst einen nahen Verwandten und dann sich selbst tötete.

Danach erwarb der Kaufmann Hugo Heymann die Villa. Hugo Heymann war ein deutscher Jude, der nur ein paar Jahre nach dem Erwerb der Villa erkennen musste, dass sich judenfeindliche Übergriffe in Berlin ausbreiteten. Da die Situation immer unerträgliche wurde, beschloss er mit seiner Frau Maria, Berlin zu verlassen und beauftragte zum Ende des Jahres 1932 einen Makler, der eruieren sollte, ob für das Haus Käufer zu finden seien. Nur ein paar Wochen später, am 30. Januar 1933, mitten in den Verkaufsverhandlungen wurde Hitler Reichskanzler. Maria Heymann erinnert sich später, ihr Mann sei nach der Verhandlung an dem Tag, als Hitler Reichskanzler wurde, „schweißgebadet“ nach Hause gekommen.

Am 7. Februar 1933 wurde der Kaufvertrag geschlossen. Der beurkundende Notar, der den ursprünglich verlangten Preis für zu hoch hielt und daher einen Preis „aushandelte“, der weit unter dem Preis lag, für den Heymann die Villa erworben hatte, wanderte nach dem Nationalsozialismus nach Argentinien aus.

Nach der Verkauf zogen die Heymanns in eine Mietwohnung in der Berkaer Straße in Wilmersdorf. Nach und nach veräußerten sie ihr Eigentum, um auswandern zu können, aber die Emigration verschob sich immer wieder, da die Nationalsozialisten immer mehr bürokratische Schranken errichteten, um Juden so viel Vermögen wie möglich abzunehmen, bevor sie das Land verlassen durften.

Hugo Heymann starb am 5. Juni 1938, ein paar Tage nachdem er bei einer Vernehmung durch die Gestapo brutal misshandelt worden war.

Drei Jahre später, am 23. November 1941, zur Eröffnung der „Reichsuniversität Straßburg“ traf Wolfram Sievers, der Reichsgeschäftsführer der „Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe“, die sich in der ehemaligen Villa von Hugo und Maria Heymann breit gemacht hatte, den Anatomen August Hirt. Sievers war von einem Referenten Heinrich Himmlers beauftragt worden, Hirt die Möglichkeit zu geben, „mit Gefangenen und mit Berufsverbrechern, die sowieso nicht mehr in Freiheit kommen und mit den für eine Hinrichtung vorgesehenen Personen, Versuche jeder Art anzustellen.“

Für die Menschenversuche schlug Wolfram Sievers das Konzentrationslager Dachau vor, ausgewählt wurde aber das Konzentrationslager Natzweiler-Struthof. Im Juli 1942 wurde das Institut für „wehrwissenschaftliche Zweckforschung“ im „Ahnenerbe“ begründet. Hirt wurde zum Leiter der Abteilung H (Hirt) ernannt, in der dann Menschenversuche durchgeführt wurden. In einem Bericht vom 9. Februar 1942 steht:

„Nahezu von allen Rassen und Völkern sind umfangreiche Schädelsammlungen vorhanden. Nur von den Juden stehen der Wissenschaft so wenig Schädel zur Verfügung, daß ihre Bearbeitung keine gesicherten Ergebnisse zuläßt. Der Krieg im Osten bietet uns jetzt die Gelegenheit, diesem Mangel abzuhelfen. In den jüdisch-bolschewistischen Kommissaren, die ein widerliches, aber charakteristisches Untermenschentum verkörpern, haben wir die Möglichkeit, ein greifbares wissenschaftliches Dokument zu erwerben, indem wir ihre Schädel sichern.“

Der Bericht erklärt auch genau, wie diese Schädel zu sich sicher sein. Der zur „Sicherstellung des Materials Beauftragte“ habe „eine vorher festgelegte Reihe photographischer Aufnahmen und anthropologischer Messungen zu machen und, soweit möglich, Herkunft, Geburtsdaten und andere Personalangaben festzustellen. Nach dem danach herbeigeführten Tode des Juden, dessen Kopf nicht verletzt werden darf, trennt er den Kopf vom Rumpf und sendet ihn in eine Konservierungsflüssigkeit gebettet in eigens zu diesem Zwecke geschaffenen und gut verschließbaren Blechbehältern zum Bestimmungsort.“

Im Juni 1943 wurden im Konzentrationslager Auschwitz 115 jüdische Häftlinge selektiert, vermessen, ins Konzentrationslager Natzweiler-Struthof deportiert und dort in Gaskammern ermordet. Das benötigte Blausäuresalz kam von August Hirt persönlich. Die Skelette wurden dann in die „Reichsuniversität Straßburg“ gebracht, um sie dort für eine Sammlung zu präparieren.

Nach der Befreiung Straßburgs wurden die meisten Leichen auf dem örtlichen jüdischen Friedhof beigesetzt, aber ein paar Leichenteile blieben allerdings an der Universität und wurden erst im Jahr 2015 im Gerichtsmedizinischen Institut der heutigen Universität Straßburg gefunden, als einem Mitarbeiter auffiel, dass zwei Behälter im Anatomischen Institut, in denen sich in Formalin aufbewahrte Leichenteile befanden, mit der KZ-Nummer 107969 beschriftet waren. Auch diese Leichenteile wurde daraufhin neben den anderen Opfern auf dem jüdischen Friedhof in Straßburg bestattet. Ob es an der Universität noch weitere sterbliche Überreste ermordeter Juden gibt, ist bis heute ungewiss.

Gewiss ist jedoch, was aus der Villa geworden ist, die Hugo und Maria in der Not verkauften mussten und in der sich dann später die „Reichshauptstelle“ der „Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe“ befand. Nach dem Zweiten Weltkrieg bezog der AEG-Manager Hans Constantin Boden die Villa. Dort empfing er unter anderem mehrfach Bundeskanzler Konrad Adenauer.

Im Jahr versuchte Maria Heymann, die Villa wiederzubekommen. Vor Gericht sagten ihre Haushälterin und der SPD-Politiker Friedrich Wilhelm Sollmann, der vor dem 30. Januar 1933 Reichsinnenminister war für Maria Heymann aus und erklärten, der Verkauf habe unter Druck und in der Not des ansteigenden Judenhasses stattgefunden. Das Berliner Landgericht lehnte die Klage jedoch ab. Der Notar, der mittlerweile wie viele Nazis in Argentinien lebte, hatte schließlich ausgesagt, der Verkauf sei normal vonstattengegangen.

Im Jahr 1962 kauft die Bundesrepublik Deutschland die Villa und nutzte sie als Gästehaus. Im Jahr 1998 wurde die Villa renoviert und von 1999 bis 2001 war sie Wohnsitz des Bundeskanzlers Gerhard Schröder. Seit 2004 wird die Villa als Wohnsitzt der Bundespräsidenten genutzt.

Noch in diesem Jahr soll Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in die Villa einziehen, an dessen Außenseite keine Gedenktafel an Hugo und Maria Heymann erinnert, da das Bundespräsidialamt nach wie vor erklärt, der Verkauf sei „freiwillig“ geschehen.

Dieser Beitrag wurde unter Antisemitismus, Deutschland, Politik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Antworten zu Eine Villa mit Geschichte

  1. Aristobulus schreibt:

    Der Bundespräsident Steinmeier soll da nicht einziehen.
    Der Bundespräsident Steinmeier hat am Grab eines der miesesten Terroristenbosse (Arafat) qua Staat einen deutschen Staats-Kranz niedergelegt und hat einen nazistischen Massenmörder und Judenschlächter von Staats wegen gefeiert. Der Bundespräsident Steinmeier hat währenddessen sein Frettchengesicht noch frettchenhafter aussehen lassen, da am Grab mit Arafats Kadaver drin. Jeder hat da gesehen, wie der Bundespräsident Steinmeier tickt.
    Der Bundespräsident Steinmeier soll gefälligst hausen, wo der Pfeffer wächst.

    Wenn der Bundespräsident Steinmeier die Unverschämtheit besitzt, in die jüdische Villa einzuziehen, die sich der deutsche Staat billig unter den Nagel gerissen hat!, dann soll der Bundespräsident Steinmeier die Krätze und Lues und Arafats Krankheit kriegen.

  2. „Im Jahr versuchte Maria Heymann, die Villa wiederzubekommen.“ Die Jahreszahl fehlt.

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