Halloween oder Reformationstag?

Was soll ich am 31. Oktober feiern? Halloween oder Reformationstag?

Lass mich nachdenken.

Halloween wurde in den USA groß, der Reformationstag in Deutschland. An Halloween treiben Menschen albernen Schabernack und Kinder bekommen Süßigkeiten. Der Reformationstag ehrt einen Mann, der forderte, man möge Synagogen niederbrennen, Toras schänden und Juden verfolgen.

Puh.

Am 27. August 2015 fand ein äußerst kurioser Vortrag in der Kölner Melanchthon-Akademie in Zusammenarbeit mit der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit statt. Prof. Dietz Bering referierte zu dem Thema: „War Luther Antisemit?“

Mich erinnerte die Veranstaltung ein wenig an ein Titelbild der Titanic. Eigentlich hätte der ganze Vortrag nur zwei Buchstaben lang sein müssen, „Ja“, aber die Einladung zum Vortrag versprach mehr:

„Sind die großen Verdienste Luthers unbestritten, so sind seine Beziehungen zu den Juden zweifelhaft. War er nun Antisemit oder nur – wie damals geradezu alle – ein schlichter Judenfeind? Diese Frage wird von Dietz Bering aufgearbeitet, indem er als erster eine tief gestaffelte Definition des Antisemitismus vorlegt und Luther an ihr systematisch misst.“

Entwarnung! Luther war kein Antisemit. Er war nur ein „schlichter Judenfeind“. Um genau zu sein, seine Beziehung zu Juden war lediglich „zweifelhaft“. Glück gehabt. Dann zitiere ich einfach mal ein paar schlichte Passage aus dem zweifelhaften Werk „Von den Juden und ihren Lügen“ von Dr. Martin Luther, erstmals gedruckt zu Wittenberg im Jahr 1543:

„Wisse du, lieber Christ, und zweifle nicht daran, dass du nächst dem Teufel keinen bittereren, giftigeren, heftigeren Feind hast als einen rechten Juden, der mit Ernst ein Jude sein will.“

„Tun sie aber etwas Gutes, so wisse, dass es nicht aus Liebe, noch dir zugute geschieht, sondern weil sie Raum haben müssen, bei uns zu wohnen, müssen sie aus Not etwas tun, aber das Herz bleibt und ist, wie ich gesagt habe.“

„Sie sind eitel Diebe und Räuber, die täglich nicht einen Bissen essen noch einen Faden am Leibe tragen, den sie uns nicht gestohlen und geraubt hätten durch ihren verdammten Wucher, leben also täglich von eitel Diebstahl und Raub mit Weib und Kind, als Erzdiebe und Landräuber, in aller unbussfertigen Selbstsicherheit. Denn ein Wucherer ist ein Erzdieb und Landräuber, der billig am Galgen siebenmal höher als andere Diebe hängen sollte.“

„Sie sind uns eine schwere Last, wie eine Plage, Pestilenz und eitel Unglück in unserm Lande.“

„Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagogen oder Schulen mit Feuer anstecke und, was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke sehe ewiglich (…) Zum zweiten: dass man ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre, denn sie treiben ebendasselbe darin, das sie in ihren Schulen treiben. Dafür mag man sie etwa unter ein Dach oder Stall tun wie die Zigeuner, auf dass sie wissen, sie seien nicht Herren in unserm Lande, wie sie rühmen, sondern in der Verbannung und gefangen, wie die ohne Unterlass vor Gott über uns Zeter schreien und klagen. Zum dritten: dass man ihnen alle Betbüchlein und Talmudisten nehme, worin solche Abgötterei, Lügen, Fluch und Lästerung gelehrt wird. Zum vierten: dass man ihren Rabbinen bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren, denn solches Amt haben sie mit allem Recht verloren (…) Zum fünften: dass man den Juden das Geleit und Straße ganz und gar aufhebe, denn sie haben nichts auf dem Lande zu schaffen, weil sie nicht Herrn noch Amtleute noch Händler noch desgleichen sind; sie sollen daheim bleiben (…) Zum sechsten: dass man ihnen den Wucher verbiete und ihnen alle Barschaft und Kleinod an Silber und Gold nehme und zur Verwahrung beiseitelege. Und dies ist die Ursache: alles, was sie haben, haben sie uns gestohlen und geraubt durch ihren Wucher, weil sie sonst kein andres Gewerbe haben. Solches Geld sollte man dazu brauchen (und nicht anders), wenn ein Jude sich ernstlich bekehrte, dass man ihm davon vor die Hand hundert, zweihundert, dreihundert Gulden je nach der Person gebe, womit er ein Gewerbe für sein arm Weib und Kindlein anfangen möge und die Alten und Gebrechlichen damit unterhalte, denn solch böse gewonnenes Gut ist verflucht, wenn man’s nicht mit Gottes Segen zu gutem nötigem Gebrauche wendet. Zum siebenten: dass man den jungen starken Juden und Jüdinnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel und lasse sie ihr Brot verdienen im Schweiß der Nase. Denn es taugt nicht, dass sie uns verfluchte Gojim im Schweiß unseres Angesichts wollten arbeiten lassen, und sie, die heiligen Leute, wolltens hinter dem Ofen mit faulen Tagen und Feisten verzehren und darauf lästerlich rühmen, dass sie der Christen Herrn wären von unserm Schweiß, sondern man müsste ihnen das faule Schelmenbein aus dem Rücken vertreiben.“

„Man möge sie, wie gesagt, zum Lande austreiben und ihnen sagen, dass sie in ihre Lande und Güter gen Jerusalem hinziehen und daselbst Lügen, Fluchen, Lästern, Speien, Morden, Stehlen, Rauben, Wuchern, Spotten und alle solche lästerliche Greuel treiben, wie sie bei uns tun, und uns unsre Herrschaft, Land, Leib und Gut lassen.“

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