Warum der Reformationstag kein Tag (nur) zum Feiern ist

Am 31. Oktober 2017 jährt sich der Reformationstag zum fünfhundertsten Mal. In ganz Deutschland wird dieser Tag als Feiertag begangen. Die Reformation eignet sich jedoch nicht nur zum Feiern. Es waren nämlich oft Reformatoren, die den Judenhass brutalisierten.

Martin Luther hat die abscheulichsten Sachen über Juden geschrieben. Er führte den Judenhass seiner Zeit sogar auf eine ganz neue Ebene. In seiner Abhandlung „Über die Jüden und ihre Lügen“ erklärte er:

„Die Juden sind ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen.“

In seinem „Handbuch über die Judenfrage“ forderte er:

„Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich …“

Über dreihundert Jahre später war es wieder ein Reformator, der den Judenhass brutalisierte. Konnten Juden ihrer Vernichtung unter Luther noch durch Konversion zum Christentum entgehen, wurden Juden im 19. Jahrhundert zu einer Rasse erklärt. Als „Endlösung“ für dieses Problem kam dann nur noch die physische Vernichtung der Juden in Frage. Diese neue Form des Judenhasses wurde Antisemitismus genannt.

Die Ideologie des Antisemitismus’ geht zu einem nicht unerheblichen Teil auf den Journalisten Wilhelm Marr (1819-1904) zurück. Er gehörte dem extrem linken Flügel der radikal-demokratischen Partei um 1848 an und war erklärter Atheist. Wilhelm Marr war links, demokratisch und er hasste Juden!

In Marrs reformierter Überzeugung waren die Juden schuld am Liberalismus, weil sie sich den jüdisch konnotierten Kapitalinteressen verschrieben hätten. In Berlin erschien im Februar 1879 seine Propagandaschrift “Der Sieg des Germanenthums über das Judenthum – Vom nichtconfessionellen Standpunkt aus betrachtet”, die noch im selben Jahr zwölf Auflagen erlebte. In dieser Schrift grenzt sich Marr deutlich von der traditionellen religiösen Judenfeindschaft ab und behauptet stattdessen, dass die Juden eine fremde Rasse von „Parasiten“ seien, die erfolgreich die Ausbeutung Deutschlands betreiben. Diesen Paradigmenwechsel von Religion zu Rasse verdeutlichte er durch die Benutzung des Begriffs „Antisemitismus“. Marr prägte wesentliche Klischees und Schlagworte. Er legte 1880 mit seiner Schrift “Goldene Ratten und rothe Mäuse” die Basis für die verschwörungstheoretische Gleichsetzung von Judentum, Kapitalismus und Kommunismus.

Die beiden Reformatoren Martin Luther und Wilhelm Marr prägten mit ihren Schriften die Gedankenwelt der Nationalsozialisten. Beim Nürnberger Prozeß erklärte Julius Streicher:

„Antisemitische Presseerzeugnisse gab es in Deutschland durch Jahrhunderte. Es wurde bei mir zum Beispiel ein Buch beschlagnahmt von Dr. Martin Luther. Dr. Martin Luther säße heute sicher an meiner Stelle auf der Anklagebank. In dem Buch ‚Die Juden und ihre Lügen‘ schreibt Dr. Martin Luther, die Juden seien ein Schlangengezücht, man solle ihre Synagogen niederbrennen, man soll sie vernichten.“

Auch im 21. Jahrhundert sind es wieder sogenannte Reformatoren, die den Judenhass befeuern. Während der Wahl im Iran im Jahr 2013 zum Beispiel wurde der Kleriker Hassan Rohani in vielen deutschen Medien als Reform-Kandidat bezeichnet, obwohl er loyaler Anhänger des politischen und geistlichen Oberhaupts des Irans war, dessen Hass auf Juden und Israel bekannt war.

Für viele deutsche Medienvertreter gilt sogar Mahmoud Abbas von der Fatah als Reformator. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel bezeichnet Abbas sogar öffentlich als „Freund“. Abbas sagte eins:

„In einer endgültigen Lösung können wir nicht mal die Existenz eines einzelnen Israelis in unserem Land sehen, seien es nun Zivilisten oder Soldaten.“

Am Tag der 47-Jahr-Feier der Fatah sprach Mufti Muhammad Hussein, den Abbas persönlich zum “geistigen Führer der palästinensischen Autonomie” ernannt hat, folgende Worte in die jubelnde Menge:

„Die Stunde der Auferstehung wird nicht kommen, solange wir die Juden nicht vernichtet haben.“

Im Jahr 2015 bezeichnete Abbas den Mord an einem israelischen Ehepaar durch palästinensische Terroristen als „heldenhaft“. Nicht wenige Judenmörder und deren Familien bekommen von Abbas‘ Fatah stattliche Renten für ihre terroristischen Bluttaten. Diese Renten wiederum werden durch europäische Gelder finanziert, da die Fatah von Deutschland und der Europäischen Union unterstützt wird. Es sind schließlich die gemäßigten Reformatoren.

Im deutschen Bundestag sind es ebenfalls die sich selbst als ganz reformiert verstehenden Abgeordneten von der Partei Die Linke, die den Judenhass unterstützen. Am 31. Mai 2010 befand sich die Bundestagsabgeordnete Annette Groth auf dem untersten Deck des Schiffs Mavi Marmara, um die israelische Sicherheit und den Frieden zu gefährden. Die Mavi Marmara versuchte eine Blockade zu durchbrechen, die errichtet wurde, um die Terrororganisation Hamas zu schwächen. Die Hamas fordert in ihrer Charta nicht nur die Zerstörung Israels, sondern auch die Vernichtung des gesamten jüdischen Volks weltweit. Politiker der Hamas erklären Juden zu Bakterien, die vernichtet werden müssen.

Annette Groth befand sich übrigens deshalb auf dem untersten Deck der Mavi Marmara, weil es eine strikte Geschlechtertrennung auf dem fundamentalistischen Schiff gab. Wenn es um Judenhass geht, akzeptiert die reformierte Annette Groth eben auch Geschlechterdiskriminierung. Ihr Parteikollege Diether Dehm scheut sich ebenfalls nicht vor einer reformierten Definition des Judenhass:

“Der Antisemitismus wurde das, was er wirklich ist: Eine massenmordende Bestie. Und deswegen dürfen wir nicht zulassen, dass man den Begriff des Antisemitismus für Alles und Jeden inflationiert. Antisemitismus, das ist Massenmord! Und es gibt überhaupt keinen Anlass, wenn mein Kollege und Freund Rolf Becker hier spricht, wenn von irgendeiner Seite dazwischengepöbelt wird Antisemitismus. Antisemitismus ist Massenmord und muss dem Massenmord vorbehalten bleiben!”

In Deutschland beginnt Antisemitismus laut Diether Dehm also erst mit der Vergasung von 6 Millionen Juden. Alles darunter ist vermutlich eine Ordnungswidrigkeit! Das ist eine Reformation!

Zu den in Sachen Judenhass reformierten Denkern gehört auch der Publizist Jakob Augstein, der immer wieder betont, „im Zweifel links“ zu sein. Bei seinen Analysen internationaler Politik bringt er schon mal gerne jüdische Strippenzieher ins Spiel:

„Wenn Jerusalem anruft, beugt sich Berlin dessen Willen.“ (Spiegel)

So denkt es im reformierten Augstein: Der Jude kommandiert, der Deutsche beugt sich. Und was am schlimmsten ist:

„Israel bekommt das, was es will. Und dafür muss Israel nicht einmal zahlen.“ (Spiegel)

Mit diesem linken Herz am rechten Fleck wundert es nicht, dass Jakob Augstein den Schriftsteller Günter Grass zum Heiligen erklärt. Grass ist der Reformator. Wie Jesus hat er die Last der Israelkritik für uns alle auf sich genommen hat:

„Es ist dieser eine Satz, hinter den wir künftig nicht mehr zurückkommen: „Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden.“ Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst. Weil er richtig ist. Und weil ein Deutscher ihn sagt, ein Schriftsteller, ein Nobelpreisträger, weil Günter Grass ihn sagt. Darin liegt ein Einschnitt. Dafür muss man Grass danken. Er hat es auf sich genommen, diesen Satz für uns alle auszusprechen.“ (Spiegel)

Für Jakob Augstein steht fest, dass Israel Krieg will und sich dazu ständig der jüdischen Lobby in Amerika bedient und sogar das deutsche schlechte Gewissen wegen des Holocausts instrumentalisiert:

„Mit der ganzen Rückendeckung aus den USA, wo ein Präsident sich vor den Wahlen immer noch die Unterstützung der jüdischen Lobbygruppen sichern muss, und aus Deutschland, wo Geschichtsbewältigung inzwischen eine militärische Komponente hat, führt die Regierung Netanjahu die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs.“ (Spiegel)

Die Überzeugung vieler reformierter Linker von heute lässt sich auf diese einfache Formel bringen: Israel ist unser Unglück! Es war ein langer Weg von Luthers Judenhass bis zum heutigen Israelhass, aber der Weg wurde konsequent gegangen.

Die Reformation von Martin Luther war eine Buchdruck-Revolution. Es war die damals neue Erfindung des Buchdrucks, die es nicht nur den Reformatoren ermöglichte, ihre Schriften zu vervielfältigen. Auch die Judenhasser konnten ihren Hass massenhaft unter die Leute bringen. Martin Luther war beides.

So wie die Reformation eine Buchdruck-Revolution war, so sind die Aufstände im arabischen Raum, die vor einigen Jahren begangen, eine Internet-Revolution. So wie der Buchdruck die Spaltung der christlichen Kirche zur Folge hatte und im Dreißigjährigen Krieg einen brutalen Höhepunkt erreichte, so sorgt heute das Internet dafür, dass sich im arabischen Raum die Gläubigen spalten. Heute haben alle Muslime den gleichen Zugang zum Internet, mögen sie nun Reformmuslime oder Angehörige des Islamischen Staates sein. Und so wie damals bei den Christen sind die Reformatoren des Islams teilweise ebenso jundenfeindlich wie die Konservativen, teilweise sogar noch judenfeindlicher!

Ich bekomme daher regelmäßig ein ungutes Gefühl, wenn ich höre, wie jemand ganz unkritisch und positiv einen Reformator feiert.

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