Werden bald auch Journalistinnen mit Kopftuch abgeführt?

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am 28. September 2018 in Berlin wurde ein Fotograf von Sicherheitsbeamten abgeführt, weil er ein T-Shirt trug, auf dem geschrieben stand: „Gazetecilere Özgürlük – Freiheit für Journalisten in der Türkei“.

Der Regierungssprecher der deutschen Bundesregierung und Chef des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung, Steffen Seibert, kommentierte das Abführen des Fotografen später mit den Worten:

Wir halten es bei Pressekonferenzen im Kanzleramt wie der Deutsche Bundestag: keine Demonstrationen oder Kundgebungen politischer Anliegen. Das gilt völlig unabhängig davon, ob es sich um ein berechtigtes Anliegen handelt oder nicht.

Sehr geehrter Steffen Seibert,

wenn schon das Tragen eines T-Shirts zur Entfernung durch Sicherheitsbeamte führen kann, werden dann demnächst auch Fotografinnen und Journalistinnen mit Kopftuch abgeführt?

Ein islamisches Kopftuch ist ein mindestens ebenso deutliches politisches Zeichen wie ein T-Shirt, auf dem eine Freiheit eingefordert wird, die in dem Land, für dessen Regierung Sie sprechen, durch das Grundgesetz garantiert wird.

Ich denke, ein T-Shirt mit einer Forderung, die selbstverständlicher Teil unseres Grundgesetzes ist, muss auf einer deutschen Pressekonferenz ebenso ausgehalten werden können wie ein Kopftuch, das für eine Ideologie steht, die in gewissen und leider nicht wenigen Strömungen deutlich konträr zu unserem Grundgesetz steht.

Mit freundlichen Grüßen,
Gerd Buurmann

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