Die Blutwurst gehört zu Deutschland wie der Islam

Ende November 2018 fand in Berlin die zwölfte Auflage der Islamkonferenz unter der Leitung des von Horst Seehofer geführten Bundesinnenministerium statt. Absicht der Konferenz ist die Beförderung des Dialogs zwischen der Bundesrepublik und den in Deutschland lebenden Muslimen. Im Anschluss der Konferenz schrieb der WDR-Journalisten Tuncay Özdamar:

„Auf der Islamkonferenz gestern in Berlin gab es wieder Schweinefleisch auf dem Buffet. Es wurde Blutwurst serviert. Inşallah halal. Welches Zeichen will Seehofers Innenministerium damit setzen? Ein wenig Respekt von Muslimen, die kein Schweinefleisch essen, wäre angebracht.“

Lieber Tuncay Özdamar,

Die Blutwurst gehört zu Deutschland wie der Islam. Wer in Deutschland zu einer Veranstaltung eines Ministeriums geht, muss damit rechnen, dass es dort Schweinefleisch zu essen gibt, vor allem wenn der leitende Minister ein Christ aus Bayern ist. Auf der Islamkonferenz wurde auch Wein ausgeschenkt und es gab sogar Muslime, die sich daran gelabt haben, auch wenn Mohamed, würde er heute noch leben, das gewiss nicht ganz so töfte gefunden hätte.

Wenn Sie an einem Ort sein wollen, wo es ganz sicher kein Schweinefleisch gibt, dann gehen Sie in eine Synagoge. Aber Vorsicht, dort wird Wein angeboten. Bitte unterlassen Sie daher die Unverschämtheit, einen Juden aufzufordern, nach muslimischen Prinzipien zu leben. Das nennt sich Missionierung und ist in diesem Land nicht mehr so gern gesehen wie einst zu Zeiten Martin Luthers.

Das Innenministerium erklärt, bei der Islamkonferenz sei ein ausgewogenes Angebot aus dreizehn verschiedenen Häppchen bereitgestellt worden, das „mit Blick auf die religiös-plurale Zusammensetzung“ der Konferenz zusammengestellt worden war. Dennoch veröffentlichte das Ministerium später auf Nachfrage eine Entschuldigung auf Twitter:

„Sollten sich einzelne Personen dennoch in ihren religiösen Gefühlen gekränkt gesehen haben, bedauern wir dies.“

Liebes Innenministerium,

ich finde es höchst bedenklich, wenn sich ein deutsches Ministerium für die kulinarische Abbildung von Vielfalt entschuldigt. In Deutschland leben die unterschiedlichsten Menschen mit unterschiedlichsten Lebensstilen. Einen Lebensstil zu diskriminieren, weil er Mitgliedern eines anderen Lebensstils nicht gefällt, ist für ein deutsches Ministerium im höchsten Grade undemokratisch, intolerant und in einer offen und pluralen Gesellschaft inakzeptabel.

Wenn ich Menschen in mein Haus einlade und das kommt nicht selten vor, sind unter meinen Gästen die unterschiedlichsten Menschen. Christen, Juden, Muslime, Buddhisten, Atheisten, Sozialisten, Liberale, Grüne, Vegetarier, Antialkoholiker, Veganer und viele andere Personen finden sich ab und an in meiner kleinen Wohnung ein. Niemals hat auch nur eine dieser Personen bemängelt, dass es bei mir diverse Fleischsorten und Alkohol angeboten wurden.

Es ist unverschämt bei jemandem zu Gast zu sein und ihm vorzuschreiben, was er in seiner Wohnung zu servieren hat. Wenn ich keinen Alkohol trinke, ist es unverschämt, wenn ich am Schabbat zu einer jüdischen Familie gehe und mich dort darüber aufrege, dass Wein getrunken wird. Es ist so unanständig wie in eine Moschee zu gehen, um einer dort befindlichen Frau zu sagen, sie möge doch bitte das Kopftuch ablegen, weil sie dadurch manche Feministinnen beleidigen könne.

Die Islamkonferenz soll helfen, die Integration der hier lebenden Muslime zu verbessern. Zu den wichtigen Säulen unserer heutigen Gesellschaft gehören die Vielfalt und die Freiheit. Muslime in Deutschland werden lernen müssen, die Blutwurst zu tolerieren. Sie müssen sie nicht essen, aber das Existenzrecht der Blutwurst steht nicht zur Debatte.

Bei eine Konferenz, wo Muslime und Nicht-Muslime sich näher kommen sollen, muss sich auch die nicht-muslimische Seite wohl fühlen können. Die Blutwurst gehört zu Deutschland wie der Islam und die Kartoffel.

Die Kartoffel ist sogar ein Beispiel vorbildlicher Integration. Ja, die Kartoffel hat einen Migrationshintergrund. Sie wanderte im 17. Jahrhundert nach Europa ein und wurde in Preußen am 24. März 1756 durch einen sogenannten „Kartoffelbefehl“ von Friedrich II integriert. Es ist daher besonders lustig, wenn ein Migrant einen Deutschen „Kartoffel“ nennt.

Zum Schluss noch eine Frage: Mehrere Teilnehmende der Islamkonferenz leben in ständiger Lebensgefahr durch islamische Fundamentalisten, weil sie den Islam kritisieren, darunter Seyran Ateş, Hamed Abdel-Samad und Ahmad Mansour. Sollte diese brutale Gewalt nicht viel mehr ein Thema sein als eine harmlose Blutwurst?

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