Weihnachtsmannfreie Zone

Für manche Christen ist es heutzutage gar nicht so leicht, alte Traditionen der christlichen Kirche neu zu beleben. Vorbei sind die Zeiten, in denen Scheiterhaufen wohlige Wärme unter Christen verbreiteten und die Inquisition liebevoll das Wort Gottes interpretierte. Selbst die christlichen Kinder können sich heute nicht mehr im Namen des Herrn auf den Spielplätzen der Kinderkreuzzüge austoben. Stattdessen blicken manche Christen mit Neid auf jene Religionen, die im 21. Jahrhundert eine bessere Corporate Identity haben und weder vor Steinigungen, noch vor Sprengstoffgürteln und Witwenverbrennungen zurückschrecken.

Da kann das Christentum nur zuschauen. So macht Christentum einfach keinen Spaß mehr!

Für Christen, die derart zweifeln an ihrem Glauben, halten Maite Kelly, Nina Ruge und Peter Hahne einen ersten Schritt der Befreiung bereit, denn sie haben ihren Namen für die Aktion „Weihnachtsmannfreie Zone“ des Bonifatiuswerks der deutschen Katholiken hergegeben. Mit kleinen Schritten wagen sie sich zur verloren geglaubten inquisitio haereticae pravitatis (Inquisition gegen ketzerische Verderbtheit) zurück. Es muss nicht immer gleich der Scheiterhaufen sein.

Seit Jahren schon veranstaltet Maite Kelly regelmäßig eine Art Kinderkreuzzug. Im November 2018 erklärte sie in Aachen eine „weihnachtsmannfreie Zone“. Bei der Aktion ist unter anderem dieses Bild im Einsatz:

Maite Kelly wirbt mit durchgestrichenen Weihnachtsmann für die Diskriminierung eines winterlichen Symbols der Liebe, das nicht wenigen Menschen (z.B. mir) durchaus etwas bedeutet. Mich erinnert das Bild daran:

Natürlich ist es das Recht eines jeden Menschen, nicht nach den Regeln des Islams zu leben (wie ich). Niemand darf gezwungen werden, in eine Moschee zu gehen. Das heißt aber noch lange nicht, dass es angemessen ist, mit durchgestrichener Moschee eine Aktion gegen all jene Menschen zu fahren, die lieber in eine Moschee gehen statt in eine Kirche, eine Synagoge, ein Theater oder in einen Zoo.

Maite Kelly darf mit ihren katholischen Leichtinquisitoren selbstverständlich ihrem Heiligen Nikolaus von Myra huldigen. (Auch ich putze jeden 5. Dezember die Stiefel und stelle sie vor die Tür.) Niemand zwingt Maite Kelly, den Weihnachtsmann in ihr Wohnzimmer zu lassen oder Socken an den Kamin zu hängen. Den Weihnachtsmann jedoch durchzustreichen und damit dann auch noch dummdreist durch deutsche Städte zu marschieren, das nehme ich persönlich! Eine Freundin von mir hat es schön auf den Punkt gebracht:

„Ich möchte mit meiner Tochter nicht an Maite Kelly vorbeigehen und mich dann Fragen anhören müssen, wie :’Mama, warum mag Frau Kelly den Weihnachtsmann nicht? Der tut doch viel Gutes und beschenkt alle Menschen.’“

Maite Kelly sagt:

„Ich muss meinen Kindern keine Lügen vom Weihnachtsmann erzählen.“

Ich aber sage:

Nein, Maite, es gibt einen Weihnachtsmann. Er existiert so zweifellos wie Liebe und Großzügigkeit und Zuneigung bestehen. Wie öde wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe. Sie wäre so öde, als wenn es dort keine Kinder gäbe. Es gäbe dann keinen kindlichen Glauben, keine Poesie, keine Romantik, die diese Existenz erträglich machen. Wir hätten keine Freude außer durch Gefühl und Anblick. Das ewige Licht, mit dem die Kindheit die Welt erfüllt, wäre ausgelöscht.

Ich verstehe nicht, warum man als Christ, der an den Heiligen Nikolaus oder an das Christkind glaubt, unbedingt den Weihnachtsmann verunglimpfen muss. Liegt es vielleicht daran, dass mein Weihnachtsmann seinen Elfen Mindestlohn zahlt, während der Gehilfe vom Nikolaus, Knecht Ruprecht, vermutlich nur Frondienste leistet? Oder liegt es daran, dass im Vorstand des Weihnachtsmannes Mrs. Claus sitzt, was eine Frauenquote von 50 Prozent bedeutet, etwas wovon die katholischen Vorstände nur träumen können? Oder liegt es daran, dass der Weihnachtsmann alle menschlichen Züge besitzt, unter anderem asiatisch, schwarz und jüdisch?

Das Domradio erklärte am 27. November 2018:

„Der Weihnachtsmann und der heilige Nikolaus sehen sich äußerlich ziemlich ähnlich. Sie verkörpern aber sehr unterschiedliche Werte: Während der heilige Nikolaus für christliche Werte steht, symbolisiert der Weihnachtsmann eher Kommerz und Kitsch.“

Echt? So einfach wollen wir die Unterscheidung zwischen den beiden Männern machen? Wenn die Latte so niedrig hängt, dann habe ich auch einen Vergleich parat: Wenn man eine Mutter fragt, ob sie ihren kleinen Jungen lieber für ein paar Stunden in die Obhut eines christlichen Priesters oder eines Spielzeugherstellers vom Nordpol geben würde, käme der christliche Priester gewiss nicht sehr gut dabei weg und daran ist nicht der Weihnachtsmann schuld.

Warum können die Anhänger des Nikolaus und des Christkindes nicht einfach als Vorbilder glänzen, statt zu versuchen, den Weihnachtsmann zu diskreditieren? Brauchen Christkind und Nikolaus wirklich ein Feindbild?

Der Weihnachtsmann würde nie das Christenkind durchstreichen oder den Nikolaus. Dafür ist er viel zu respektvoll. Er würde auch nie ein Kind zwingen, sich auf seinen Schoß zu setzen, was man von einigen katholischen Geistlichen nicht behaupten kann. Der Weihnachtsmann glänzt geradezu von Nächstenliebe, Toleranz und Respekt. Ihm das abzusprechen ist eine Unverschämtheit. Im Evangelium des Lukas steht:

Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden! Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden! Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden!“ (Lk, 6,37)

Diesen Vers hat Maite Kelly sich leider nicht zu Herzen genommen. Sie richtet über der Weihnachtsmann und verurteilt jene, die an ihn glauben. Dabei ist eines der erfolgreichsten Weihnachtslieder der Kelly Family ausgerechnet „Rudolph, the Red-Nosed Reindeer“. Maite Kelly hat lange in dieser Band gesungen und somit den Kindern eine Geschichte des Weihnachtsmanns erzählt. Der rotnasige Rudolph wurde nämlich 1939 von der Kaufhauskette Montgomery Ward in Chicago entwickelt und dann als Malbuch für Kinder und später als Lied herausgegeben. Rudolph ist ein Helfer des Weihnachtsmanns!

Es ist schon sehr bemerkenswert, dass Maite Kelly auf der einen Seite den Weihnachtsmann verunglimpft, aber auf der anderen Seite gut Geld mit ihm verdient. Im Christentum wird sowas Häresie genannt. Ich hol‘ schon mal das Holz!

Dieser Beitrag wurde unter Christentum, Liberalismus, Spaß veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu Weihnachtsmannfreie Zone

  1. Man sollte den Weihnachtsmann nicht verärgern Frau Kelly…

  2. bergstein schreibt:

    Herr Buurmann in Ihrer Argumentation gibt es eine Schwachstelle. Es ist völlig ok, wenn sich Atheisten, für ihre Kinder so eine schöne Person ausdenken. Dann muss man aber wie z.B. in ehemaliger Sowjetunion geschehen, es konsequent machen und dieser Person einen pas-senden Namen ausdenken wie z.B Väterchen Frost. Die Christen haben insoweit das Markenrecht für das Wort Weihnachten. Der Weihnachtsmann heutiger Prägung hat mit Weih-nachten schlichtweg nichts zu tun.

  3. David Früh schreibt:

    Eine Frage hätte ich dann doch noch: Sicherlich weiß ich als in christlicher Umgebung aufgewachsener Jude, wer der Weihnachtsmann ist. Aber who the fuck ist Maite Kelly? 😳🤔😆

  4. Bernard Cremer schreibt:

    Ach wie schön, diesen Artikel gerade am 5. Dezember .. Heute feiert man in den Niederlanden
    ‚het Sinterklaas feest‘. Oh mann oh mann .. Wie in den letzten Jahren, vorher nie, vorangegangen durch heftige Diskussion um den Namen ‚Zwarte Piet.‘ Eine kleine Gruppe von Holländern, nicht mal Schwarzafrikaner, ist wütend, daß der Assistent von Sinterklaas immer noch dabei ist..
    Denn sie assoziieren ihn mit dem Sklavenhandel, damals vor Jahrhunderte.. Daran beteiligten sich nicht nur Holländische Kaufleute, sonder auch andere , bis und mit Araber in Ostafrika
    (Und heute ? Es gibt etwa 45 Millionen Sklaven aller Art, aber darüber hoert man die anti-Zwarte Pieten Gruppe nie..)
    Nun ist aber Tatsache, daß uns Kindern früher schon , erklärt wurde, der Zwarte Piet sei deshalb schwarz, weil er durch den . . Schornstein ins Haus gekommen sei um den Wunschzettel aus dem ‚Klomp‘ ( Holzschuh ) oder ‚Schoen‘, sprich Schun, . zu holen und dem Sinterklaas zu übergeben.. Also: diese anti-Zwarte Piet Gruppe hat einfach die Tatsache verdreht um Stimmung zu machen gegen ein Fest, daß fest verwurzelt ist in der Bevölkerung und eine sehr lange Tradition hat. Nun ist es so, daß man im östlichen Teil der Niederlande einfach weiter macht wie gehabt, in Holland wurde aber schon die Farbe etwas verbleicht: zu braun ( äh bah, so eine fiese Nazi Farbe .. ) Und , mit fast Kölchem Humor, erschien als Reaktion darauf, eine Werbetafel bei einigen ‚Uitzendbureaus‘ ( Leihzeit Arbeitsagenturen ) wie Randstadt und Adecco, mit dem
    Titel : ‚Met spoed gezocht: schoorsteenvegers , ook zonder diploma, tot 5 december‘
    ( Dringend gesucht Schornsteinfeger, auch ohne Diplom, bis zum 5. Dezember ). .
    Im übrigen: ich drückte in meiner Jugend so um die 1960er Jahre, die Schulbank auf ein katholisches Gymnasium mit neben mir ein Junge aus West-Afrika. Mit ihm ging ich zB. ins Kino am Sonntagnachmittag. Und: im 5. Schuljahr hat er sich ein Taschengeld dazu verdient, als..
    Zwarte Piet ! Tja..
    Nun passt auf Ihr Deutsche(n) , sag bloss nich mehr : „Jemandem den schwarzen Peter zuschieben “ .. Denn sonst gibt es Ärger, der oder und die nächste Bundeskanzler(in) könnte vor dem EU Gerichtshof geschleppt werden… Denn sogar Premiermister Mark Rutte wurde gezwungen seine , noch freie, Meinung zu äussern… Und die MSM, main stream medien, haben dem Thema unverhältnissmässig viel Aufmarksamkeit geschenkt, ja passend zum Thema, geschenkt, denn sie bekamen nicht bezahlt für die Werbung…
    Zufällig wohl auch, heutemorgen im Deutschlandfunk Ländersache, Diskussion um Aenderung von Strassennamen wegen Kolonialvergangenheit. Das ist ja ganz anders, und nicht an den Haaren herbei gezogen. Aber, viel schlimmer noch, und das kommt wohl auch nie in unseren Medien, ist die Namensvergabe in palästinensich arabischen Gebiete unter Autonomie der PLO / PA / Hamas, mit Namen von sogenannten Martyrer, Terrorsisten also, die willkürlich Zivilisten wie Schulkinder in Maalot oder wo auch immer, ermordet haben…Kein Aufschrei in der UNO noch sonst wo..

  5. Paul schreibt:

    „Ich muss meinen Kindern keine Lügen vom Weihnachtsmann erzählen.“
    Als Atheist ist es eine wundervolle Ironie eine gläubige Person sowas sagen zu hören.

    Der Satz ist nicht von mir: „Liebe Kinder, wenn eure Eltern euch die Wahrheit über den Weihnachtsmann sagen, dann denkt an alles was sie euch über Jesus erzählt haben.“

  6. Richard Grünert schreibt:

    „Vorbei sind die Zeiten, in denen Scheiterhaufen wohlige Wärme unter Christen verbreiteten“. Wenn ich da an Jan Hus und viel andere Protagonisten der Reformation denke, bekommt deine Formulierung einen leicht zynischen Beigeschmack.

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