Ein historischer Tag

Am 21. Juni 2019 trat ich zusammen mit Isabel Rohner und Nikola Müller als Hedwig Dohm Trio in Mainz auf. Dort fand die Bundesversammlung der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) statt.

Es war ein historischer Tag! 92 Delegierte aus den zwanzig kfd-Diözesanverbänden und dem Landesverband Oldenburg stimmten individuell und ohne „diözesanen Fraktionszwang“ einstimmig für die offizielle Forderung der Öffnung aller Weiheämter für Frauen.

Ich bin froh, dabei gewesen zu sein.

Die zentrale Forderung aus dem neuen Positionspapier der kfd unter dem Titel „gleich und berechtigt. Alle Dienste und Ämter für Frauen in der Kirche“ lautet:

Daher fordert die kfd mit Nachdruck die volle Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Kirche und den Zugang von Frauen zu allen Diensten und Ämtern in der Kirche.

Bundesvorsitzende Mechthild Heil erklärt dazu:

„Wir sind stolz auf dieses starke Votum, das schwarz auf weiß bestätigt, wofür wir uns seit Jahrzehnten einsetzen. Das Papier zeigt auf, wie sehr die Kirche durch die Zulassung von Frauen zu allen Ämtern gewinnen könnte. Gleichzeitig steht es für die Kraft, den Willen und die Zuversicht von uns Frauen, endlich gleichberechtigt unsere Kirche zu gestalten und zu führen.“

In dem Positionspapier steht:

Alle Christinnen und Christen sind aufgrund ihrer Taufe dazu berufen, Zeugnis für das Evangelium zu geben, ihre Charismen einzusetzen und ihre Berufung zu leben. Nur wenn alle Charismen gelebt werden, kann die Kirche sich erneuern und zu dem werden, wozu sie bestimmt ist: Der Wirksamkeit und Liebe Gottes in der Welt Raum zu geben und sie zu gestalten.

Heil kommentiert:

„Die Amtskirche spricht auch noch im 21. Jahrhundert Frauen per se die Berufung zum Weiheamt ab. Ein Vorgehen, das ich nicht akzeptiere, weil ich der tiefen Überzeugung bin, dass Frauen wie Männer gleichermaßen mit gottgegebenen Talenten gesegnet sind. Jede katholische Christin und jeder katholische Christ sollte ihrer und seiner Berufung folgen können.“

Das Positionspapier kritisiert:

Seelsorge bedeutet, die Menschenfreundlichkeit Gottes auf vielfältige Weise spürbar und greifbar werden zu lassen. Das wird im Miteinander auf allen verbandlichen Ebenen gelebt und erlebt. (…) Es schmerzt die kfd sehr, dass Seelsorgerinnen keine Sakramente spenden dürfen.

Dazu Heil:

„Frauen bleiben in unserer Kirche von Leitungsfunktionen, Diensten und Ämtern ausgeschlossen – nur weil sie Frauen sind. Das gehört endlich korrigiert.“

Wollen wir hoffen, dass die Forderungen der kfd bald umgesetzt werden. Für Hedwig Dohm jedenfalls stand fest:

„Ihr Brüder und Gegner der Frauenfreiheit, gewiss, es ist euer recht, als Vertreter eurer Wahrheiten, als Kommentatoren eurer Weltordnung euren Schwestern den Kreidestrich zu ziehen. Aber bitte, seid fein und vornehmen und schickt eure Warnungsrufe erst in die Welt hinaus, nachdem alle Arbeitsschranken für die Frauen gefallen sind, nachdem man ihnen Universität und Akademie, Kanzel und Werkstatt bedingungslos geöffnet hat. Tut ihr es vorher, so setzt ihr euch, liebe Brüder, dem Verdacht aus, dass der Menschenhort, den ihr hüten wollt, eure Privilegien sind.“

Bildernachweis: (c) kfd / Kay Herschelmann

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