Die Päpstin ist die Abseitsregel

„Warum betreibt man eine Sportart, wenn einem deren Regeln nicht passen? Warum macht man nicht einfach was anderes? Wozu muss man in der katholischen Kirche bleiben? Macht doch Eure eigene Kirche! Eine feministische zum Beispiel. Da duerfen dann nur Frauen ran.“

Diese Frage stellte ein Leser auf Tapfer im Nirgendwo, nachdem ich darüber berichtet hatte, dass die Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands bei der Bundesversammlung einstimmig für die offizielle Forderung der Öffnung aller Weiheämter für Frauen gestimmt hatte. Hier meine Erwiderung:

Um bei der Sportmetapher zu bleiben: Natürlich hätte man damals, als beim Fußballspiel die Abseitsregel eingeführt wurde, sagen können: „Was soll diese dämliche Abseitsregel? Wer das möchte, soll doch eine eigene Sportart machen.“ Stattdessen aber wurde die Abseitsregel eingeführt, weil sie Sinn macht und vor allem das Spiel verbessert.

Die Regelung, Frauen in alle Weihämter der Katholischen Kirche zuzulassen, ist wie die Abseitsregel im Fußball: Sie macht Sinn und vor allem die ganze Sache besser, auch wenn es schwer ist, manch einer Person, die nichts von der ganzen Sache versteht, die Regel zu erklären.

Was den Rest des Kommentars des Lesers anbelangt, da stimme ich vollkommen mit ihm überein. Die Kirchensteuer gehört abgeschafft und die Trennung von Staat und Kirche muss in Deutschland viel deutlicher vollzogen werden.

Ein anderes Argument, das ernsthaft an mich herangetragen wurde lautete: „Jesus hat nur Männer als Jünger aufgenommen, daher sollten auch bei der Katholischen Kirche die priesterlichen Weihämter männlich sein.“

Dazu sage ich nur: Die Jünger waren nicht nur alle männlich sondern auch allesamt Juden. In dieser Logik dürfen somit ausschließlich Juden Päpste und Priester werden.

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8 Antworten zu Die Päpstin ist die Abseitsregel

  1. George schreibt:

    Wieso wird das nur immer vergessen bzw. verdrängt, daß die ersten Christen (fast?) ausschließlich Juden waren?

  2. Bernard Cremer schreibt:

    „“Die Jünger Jesu waren alle männlich sondern auch allesamt Juden““… Tja, und bei den religioesen Juden dürfen inzwischen auch Frauen Rabbiner sein, also Rabbinerin, egal ob der eine oder andere Oberrabbiner das nicht so gut findet…

  3. Nestor Machno schreibt:

    Da habe ich zu schnell geantwortet. Daher wiederhole ich hier nochmal meinen Antwortkommentar:

    Das ist allerdings richtig. Ich bin kein grosser Freund der Kirchen (wohl aber des Christentums!), folglich interessiere ich mich auch nicht so sehr dafuer, verstehe also auch nicht viel davon. Trotzdem: ob Frauen auf katholischen Kanzeln stehen oder nicht, ist gesellschaftlich irrelevant, wie die Abseitsregel. Das war zu Zeiten Dohms anders! Damals hatten Kirchen Macht und haben sie auch schamlos und hoechst unchristlich missbraucht. Dagegen anzugehen war richtig und notwendig und die Forderung nach Frauen auf den Kanzeln eine nachvollziehbare Forderung nach Machtbeteiligung. Heute ist eine solche Forderung nur noch politkorrekter Kokolores. Heute demonstrieren ganz andere Religionen ihren Herrschaftsanspruch, mal mit, mal ohne Frauen, aber immer autoritaer und bedrohlich. Was den Katholizismus anbelangt: Was wohl die katholische Frauengemeinschaft davon haelt, die Gehaelter zukuenftiger Bischoefinnen nicht mehr aus dem Steuersaeckel zu bezahlen? Eine Frage, die naemlich alle betrifft, ob nun katholisch oder nicht.

  4. caruso schreibt:

    Lieber Gerd, als ich Deine letzten Zeilen gelesen habe, habe ich laut lachen müssen. Denn wenn man die Tradition ernst und wörtlich nimmt, ist es tatsächlich so. – Auf was für Ideen Du kommst?!
    Nicht das erste Mal. Fantastisch! Ich bewundere Dich!
    lg
    caruso
    die urzeitliche Hexe

    • Nestor Machno schreibt:

      Das ging mir zunaechst auch so. Nach etwas Nachdenken kam ich aber auf den Gedanken, dass Buurmanns Argument leicht zu widerlegen ist: Weil alle Juenger Jesu Maenner und Juden waren, muessen auch alle katholischen Wuerdentraeger Maenner und Juden sein, Und so ist es ja auch! Und zwar Juden von der Sorte, die fest daran glauben, dass der Messias nicht im Anflug, sondern bereits gelandet sei. Genau so, wie die Juenger das dachten.
      Das Problem an dem Argument des Kommentators ist nicht ein Fehler in der inneren Logik. Er ignoriert nur einfach, dass die Zusammensetzung von Jesu erster Gefolgschaft nirgends Gegenstand der christlichen Lehre ist. Das ist zum Verstaendnis der christlichen Botschaft grad wurscht, ob die Juenger Maenner, Juden oder vom Mars waren, ob sie Plattfuesse hatten oder am 1. April geboren waren!
      Und darum ist das Argument des Kommentators so himmelschreiend bloede: als vermutlich frommer Katholik hat er von der christlichen Botschaft nix mitgekriegt!

      • caruso schreibt:

        „Er ignoriert nur einfach, daß die Zusammensetzung von Jesu erster Gefolgschaft nirgends Gegenstand der christlichen Lehre ist.“ Stimmt, und das ist kein Zufall. So konnten sich Christen (Jesus-gläubiger) vom Ursprung leichter abgrenzen. Was sie nicht daran hinderte zu verkünden, daß sie das neue Israel wären, das neue auserwählte Volk. Das nennt man heute (seit wann genau, weiß ich nicht) Identitätsraub. Nicht mein Gedanke, ich erfuhr ihn im 2012 von Yehuda Blum, der einen Vortrag hielt an einer deutschen Universität, deren Namen ich leider vergessen habe. Aber man kann es sicher ergoogeln.
        lg
        caruso
        die urzetliche Hexe

    • Giessel Roland schreibt:

      Ging mir exakt auch so und meine Einschätzung des Gerd B. ist die allerselbe.
      Gruß aus Unterfranken

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