Welche Partei kämpfte in den USA vorwiegend für das Frauenwahlrecht?

Vor kurzem feierte Tapfer im Nirgendwo 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland. Nächstes Jahr feiern auch die Vereinigten Staaten von Amerika 100 Jahre Frauenwahlrecht.

Im Jahr 1920 wurde der 19. Verfassungszusatz der Vereinigten Staaten von Amerika ratifiziert, in dem das Frauenwahlrecht festgesetzt wurde. Welche Partei hat sich für das Frauenwahlrecht stark gemacht und welche Partei hat mehrheitlich dagegen gestimmt, die Republikaner oder die Demokraten?

Die Antwort fügt sich in die Geschichte der Demokraten und der Republikaner ein.

Im 19. Jahrhundert kämpften die Demokraten für den Erhalt der Sklaverei, während sich die Republikaner unter Abraham Lincoln massiv für die Abschaffung der Sklaverei einsetzten. Über diese grundlegende Angelegenheit der Freiheit und des Menschenrechts wurde sogar ein Bürgerkrieg geführt.

Die ersten schwarzen Abgeordneten der USA waren allesamt Republikaner: Hiram Revels, Benjamin S. Turner, Robert DeLarge, Josiah Walls, Jefferson Long, Joseph Rainey und Robert B. Elliott.

Ja, ehemalige männliche Sklaven durften fünfzig Jahre vor Frauen in den USA wählen und gewählt werden.

Nachdem die Sklaverei abgeschafft war, setzten sich in den USA die sogenannten Jim Crow Gesetze durch. Sie waren staatliche Gesetze, die in den Südstaaten eine „Rassentrennung“ erzwangen. Sie wurden bis 1965 durchgesetzt. Schwarze und Weiße mussten unterschiedliche öffentliche Toiletten benutzen und Schwarze mussten im Bus hinten sitzen. Das Motto der rassistischen Gesetzgebung lautete: „Gleichberechtigt aber getrennt“.

Die Jim Crow Gesetze wurden von Abgeordneten der Demokraten und in mehrheitlicher Opposition der Republikaner eingeführt.

Auch beim Thema Frauenwahlrecht leistete die Republikanische Partei Pionierarbeit. Sie war die erste große Partei der USA, die sich für gleiche Rechte für Frauen und den Grundsatz der kompletten ökonomischen und gesellschaftlichen Gleichstellung der Frauen einsetzte.

Die Frauenrechtskonvention, die 1848 in Seneca Falls, New York, abgehalten wurde, stellt den Beginn der Frauenwahlbewegung in den Vereinigten Staaten dar. Zwei Jahre später fand in Worcester, Massachusetts, ein landesweites Treffen statt. Die ersten weiblichen Delegierten bei einem Parteitag der Republikaner des Staats Massachusetts waren Lucy Stone und Mary A. Livermore. Im Jahr 1892 sandte Wyoming zwei Frauen zum bundesweiten Parteitag in Minneapolis: Therese A. Jenkins und Cora G. Carleton. Sie waren die ersten Frauen, die in einem republikanischen Nationalkongress saßen. Es war auch der erste Parteitag, an dem eine Frau eine offizielle Rede an die Angeordneten richtete. Ihr Name war J. Ellen Foster, Vorsitzende der Republikanischen Frauenvereinigung der Vereinigten Staaten. Sie erklärte: „Wir sind hier, um zu bleiben!“

Auf Antrag von Susan B. Anthony brachte der republikanische Senator A.A. Sargent aus Kalifornien im Jahr 1878 den 19. Verfassungszusatz ein. Er wurde schnell als Susan B. Anthony-Verfassungszusatz bekannt.

Viermal wurde dieser Verfassungszusatz von einem demokratisch kontrollierten Senat abgelehnt. Als die Republikanische Partei 1919 die Kontrolle über den Kongress zurückerlangte, wurde die Änderung des Wahlrechts noch im selben Jahr verabschiedet.

Als die Änderung den Staaten vorgelegt wurde, ratifizierten 26 der 36 Staaten die Änderung. Von den neun Staaten, die gegen die Ratifizierung stimmten, waren acht demokratisch geführt. Sämtliche zwölf Staaten, die bereits vor der Verfassungsänderung Frauen das volle Wahlrecht eingeräumt hatten, waren republikanisch geführt.

Am 18. August 1920 war Tennessee der 36. und letzte Staat, der per Verfassung zur Einführung des Frauenwahlrechts gezwungen wurde. Der US-Außenminister bestätigte die Änderung am 26. August 1920.

Ich bin mir sicher, viele hätten nicht gedacht, dass die Geschichte der beiden großen Partei der Vereinigten Staaten von Amerika so aussieht.

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5 Antworten zu Welche Partei kämpfte in den USA vorwiegend für das Frauenwahlrecht?

  1. Nestor Machno schreibt:

    In Deutschland hat man ein grundsaetzlich falsches Verstaendnis von Parteien in den USA. Anders als in Deutschland ist man hier wesentlich personenbezogener als in Deutschland, wo die Partei und weniger die Person gewaehlt wird. Hier in den USA gibt es vollkommen gegensaetzliche Meinungen auch innerhalb einer Partei und mal gewinnen diese Einsichten die Oberhand und mal jene. Republikaner sind also nicht per se konservativ („rechts“) und Demokraten nicht progressiv („links“).

    • besucher schreibt:

      Leider sind die Republikaner in dieser Zeit großflächig zur Beute des rechtsradikalen Mobs geworden.

  2. Mag. Hans-Werner Schöggl schreibt:

    Diesen Blog von „Tapfer im Nirgendwo“ halte ich für aufschlussreich und erhellend im besten Sinne dieser Worte. Und selbstverständlich stehen heutige Parteifunktionäre der Demokraten in der Verantwortung für das, was demokratische Politiker (Damen waren von diesen Männern als Poltikerinnen nicht erwünscht) vor 100, 80 oder auch vor 50 Jahren als ihre politische Meinung auch in Entscheidungen des Senats und des Repräsentantenhauses vertreten haben.

    Gangbare Wege wären bisher schon die Neugründung einer Partei mit humanistischem Gedankengut gewesen oder zumindest die Fassung von Partei(tags)-Beschlüssen, die öffentlich erkennbar gemacht hätten, dass frühere Beschlüsse der demokratischen Partei die Menschenwürde und die Gleichberechtigung von damals lebenden Mitmenschen verletzt haben und dieser zynische und rücksichtslose Ungeist bis zum heutigen Tag Verständnis von Mitmenschen abfordert.

  3. bobyleff schreibt:

    Es führt leicht in die Irre, wenn man die Parteinamen fortschreibt, und unzutreffend, wenn man die Reps und Dems von heute verantwortlich macht oder lobt für Richtung und Entscheidungen von vor 100, 80, sogar vor 50 Jahren!!

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