Antisemitismus in Freiburg – Kippa vom Kopf geschlagen und reingespuckt

In einem Fitnessstudio in Freiburg wurde ein 19-jähriger jüdischer Student angegriffen.

Auf Facebook schreibt Samuel K.:

Ich wurde im Fitnessstudio angegriffen, weil ich Jude bin! Heute abend (4. November 2019) gegen 21:15 Uhr schlich sich ein Typ von hinten an mich heran, packte meinen Kopf und riss meine Kippa herunter! Er schrie „Du schmutziger Jude“ und „Freiheit für Palästina“, spuckte in meine Kippa und warf sie in den Müll!

Ich war schockiert! Er sah mich an und fragte mich: „Willst Du, dass ich Dich erst verprügel? Verpiss Dich Du stinkender Jude!“ Ich war von dieser Situation völlig überfordert und fragte ihn (aus welchem Grund auch immer): „Hier, vor allen Leuten?“

Irgendwie hoffte ich, dass sich jemand in der Umkleidekabine, die voller Männer war, einmischen würde. Ich drehte mich um. Ich schaute allen in die Augen! Niemand reagierte. Alle schauten nur zu.

Ich hatte buchstäblich Angst um mein Leben und begriff, dass mir niemand helfen würde, dass alle nur zuzusehen!

Gott sei Dank stand dann ein alter Mann auf und versuchte, die Situation zu beruhigen. Der Angreifer ging einfach weg, als wäre nichts geschehen! Dem Mitarbeiter, der ihn zu befragen versuchte, sagte er, dass nichts passiert sei und selbst wenn etwas passiert sei, es niemand beweisen könne!

Die Polizei kam und jetzt ermittelt die deutsche Staatssicherheit.

Danke Polizei Freiburg, dass Sie diesen ekelhaften Fall von Antisemitismus ernst nehmen und mir geholfen haben!

Vermutlich fragen sich jetzt einige von Euch, warum ich das hier öffentlich mache. Ich möchte wirklich keine unnötige Aufmerksamkeit erregen, aber ich habe es satt, dass Leute denken, Antisemitismus sei keine große Sache oder noch schlimmer, dass Leute Dinge sagen wie: „Trag doch die Kippa einfach nicht, um nicht zu provozieren.“

Ich habe diesem Kerl nichts getan, außer jüdisch zu sein!

Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen und sehe mich als Teil dieses Landes und seiner Menschen! Warum kann ich nicht offen jüdisch sein und ins Fitnessstudio gehen, wie jeder andere sich, ohne um mein Leben zu fürchten?

In Freiburg gibt es die allgemeine Wahrnehmung, Antisemitismus gäbe es nur im Fernsehen oder in Berlin. Das war’s! Die Wahrheit sieht ganz anders aus!

Zum Schluss möchte ich betonen, es ist äußerst wichtig, das Bewusstsein über Antisemitismus zu schärfen, denn vor achtzig Jahren wurden in diesem Land Juden schikaniert und öffentlich gemobbt und wir alle wissen, wie diese Geschichte endete!

Ich möchte endlich sehen, dass die Leute weniger das Klischee „#neveragain“ schreien und vielmehr damit anfangen, danach zu handeln! Erinnert Euch nicht nur ein- oder zweimal im Jahr an die ermordeten Juden, sondern beginnt zu handeln!

Steht auf gegen Antisemitismus! Bitte helft Euren Mitmenschen, wenn Ihr so etwas oder andere Formen von Antisemitismus seht!

Auf Twitter wurde von Antonia Yamin fogende Nachricht gepostet:

In einem Gespräch mit mir erklärte der junge jüdische Mann: „Der Raum war voller junger starker Männer, aber niemand mischte sich ein. Mir wurde klar, dass ich alleine war. Bis zum heutigen Tag dachte ich, es sei nicht wirklich gefährlich als Jude und ich könnte mich in Freiburg frei fühlen, aber jetzt wird mir klar, dass ich mich geirrt habe und dass mir niemand helfen wird, wenn mir auf der Straße etwas passiert.“

Auch in Köln gibt es einen Bericht von einer ähnlichen Tat. Sie liegt allerdings schon zwei Jahre zurück. Lior schreibt auf Facebook:

Mir hat auch im Fitnessstudio (McFit in Köln-Ehrenfeld) jemand mal vor die Füße gespuckt und mich als „Scheiß Yahud“ beschimpft. Die Studioleitung hat sich dafür nur halbherzig interessiert.

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13 Antworten zu Antisemitismus in Freiburg – Kippa vom Kopf geschlagen und reingespuckt

  1. In Kölle bekam auch schon mal ein Afrikaner eine Hantel ins Gesicht.Der Grund?Ein Jesus T-Shirt…Lichterketten gab es keine…

  2. ceterum censeo schreibt:

    Noch war es nur die Kippa, die ihm vom Kopf geschlagen wurde. Man könnte sagen, Glück gehabt, wenn man sich das Klientel in so einem Studio besieht. Der andere Bursche ist ja gleich strunznaiv, in Ehrenfeld so einen Schuppen zu besuchen.
    Fast 90 Prozent haben diese Zustände bewußt gewählt; die Knoblochs und Kramers kriechen in die Moscheen und verunglimpfen die Warner vor dem Islam mit seinem Judenhaß und selbst der betroffene junge Mann benennt nicht Roß und Reiter. Nachdem man jahrelang auf taube Ohren gestoßen ist und als „rechts“ beschimpft wurde, wenn man sich gegen die Multikultigrütze ausgesprochen hat, ist man das Gejammer langsam leid.
    Wer nicht hören will, muß fühlen. Die Zeit des Zurücklehnens und Popcornessens ist wohl angebrochen.
    Ich bedauere das !

  3. Kein Antisemitismus, sondern freundliche Israel-Kritik. Unsere muslimischen Mitbürger sind eben etwas temperamentvoller. Ist für uns manchmal noch ein bißchen ungewohnt, aber wir wollen doch bunt sein. Hass gegen Juden gibt es nur von rechts und der Islam ist eine Religion des Friedens. Also bitte!
    S. auch:
    https://tinyurl.com/y3bsexk9
    +
    https://tinyurl.com/y2xvo8ks
    +
    http://tinyurl.com/yyrc4tyv

  4. Nestor Machno schreibt:

    Nicht der Angriff selbst ist das Entsetzlichste, sondern die Reaktionen der Umstehenden. Ich lebe in den USA, hier gibt es das liberale Waffenrecht. Hier haette das A****loch ernstlich damit rechnen muessen, den Raum mit den Fuessen voran verlassen zu muessen. Man mag mich dafuer verurteilen, aber: ich haette das gut gefunden.

    Da der was von Palaestina gefaselt hat, liegt die Vermutung nahe, dass der aus einem sehr gewaltaffinen Kulturkreis mit besonderem Hang zu Stichwaffen kommt. Ich denke, das hat den Mut der Umstehenden nicht gerade befluegelt. Vielleicht entschuldigt das ein bisschen das Verhalten. Wenn es denn ueberhaupt entschuldbar ist.

    @anti3anti: Ihr Beitrag laesst mich ein bisschen ratlos zurueck…

  5. anti3anti schreibt:

    In Deutschland gibt es Antisemitismus. Freiburg liegt in Deutschland. Es gibt kein jüdisches Gesetz, dass den Juden verpflichtet, sich in feindlicher Umgebung zu outen.
    Verständlich, dass der Täter nicht verurteilt wird.

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