Der Missbrauch der Opfer muss aufhören!

In der Nähe des Reichstagsgebäude in Berlin hat das Künstlerkollektiv Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) eine Stahlsäule errichtet, die nach Angaben der Gruppe Asche von Opfern der Massenmorde der Nazis enthalten soll.

An über zwanzig Orten in Deutschland, Polen und der Ukraine, an denen die Nazis gemordet haben, will das ZPS nach Asche gesucht haben und behauptet nun, die Überreste nach Berlin gebracht zu haben, weil dort, so erklärt es das Kollektiv, der Konservatismus die deutsche Demokratie in die Hände der Mörder legte: „Wir dürfen nie vergessen: Freiwillig wurde ihnen die Macht ausgehändigt. Bis heute erinnert nichts an diesen Verrat.“

Die Säule sei eine „Gedenkstätte gegen den Verrat an der Demokratie“, um den deutschen Konservatismus an seine historische Schuld zu erinnern, sich mit den Faschisten eingelassen zu haben. Heute streckten wieder Konservative die Hand nach den Faschisten aus, sagte das ZPS in Hinblick auf die AfD: „Es nicht mit ihnen zu versuchen, nicht mit ihnen zu paktieren – das ist das Gebot der Stunde.“

Ich fasse mal zusammen: Um eine Partei im Deutschen Bundestag des Jahres 2019 zu kritisieren, hat das Zentrum für Politische Schönheit die Totenruhe von Opfern des Nationalsozialismus gestört und die Asche der Ermordeten als öffentliches Spektakel für ihre politische Agenda missbraucht. Sieht so politische Schönheit in Deutschland?

Selbst wenn das ZPS irgendwann erklärt, alles sei nur eine Kunstaktion und es sei nicht wirklich Asche von Ermordeten in der Säule, so ist diese Instrumentalisierung des Holocaust mehr als geschmacklos.

Das ZPS erklärt, unter anderem einen Damm bei Auschwitz geöffnet zu haben, der von Häftlingen aus Asche aufgeschüttet wurde. In dem Vernichtungslager Auschwitz wurden von den Nationalsozialisten europaweit gefangen genommene Menschen vernichtet. Etwa neunzig Prozent der Opfer waren Juden. Das Zentrum für Politische Schönheit hat die Asche der Ermordeten im Jahr 2019 nach Berlin deportiert, um mit den sterblichen Überresten Politik zu machen. Ob das ZPS dafür wieder die Bahn genutzt hat?

Natürlich ist es wichtig, das unfassbare Verbrechen nicht zu vergessen, aber nicht indem man Menschen auf den Moment ihrer Ermordung reduziert und ihre Asche dann als Attraktion missbraucht.

Der Missbrauch der Opfer muss aufhören!

Besonders das jüdische Leben in Deutschland leidet unter dem Missbrauch der Opfer. In Deutschland findet Judentum fast nur noch in Gedenkstunden statt. Juden sind Gespenster von damals. In Schulen taucht das Judentum deutlich öfter im Geschichtsunterricht auf, als im Philosophie-, Ethik-, Religions- oder Gesellschaftskundeunterricht.

Wenn man in New York sagt: „Heute gehen wir in ein jüdischen Stück“, dann freuen sich alle. Jüdisches Theater, das steht in Amerika für spritzige Dialoge, humorvoller Tiefgang, für Woody Allen und Neil Simon. Wenn man aber in Deutschland sagt: „Heute gehen wir in ein jüdisches Theaterstück“, dann kommen deprimierte Gesichter. In Deutschland steht jüdisches Theater für Auschwitz, Holocaust und Anne Frank. Juden sind für viele Deutsche nur die Opfer von damals, nicht die Lebenden von heute. Genau da ist das Problem.

In Deutschland haben mehr Juden Denkmäler dafür bekommen, ermordet worden zu sein, als dafür, etwas geschaffen zu haben. Solange in Deutschland mehr Denkmäler für ermordete Juden stehen als für Juden, die aus ihrer eigenen Schöpfungskraft etwas erreicht haben, werden es lebendige Juden in diesem Land schwer haben.

Das größte Denkmal für Juden in Deutschland ist ein Mahnmal des Todes, das Holocaust Mahnmal in Berlin. Warum gibt es in Deutschland nicht ein Denkmal, das mindestens ebenso groß ist, wie das Holocaustmahnmal und das all die herausragenden und erhabenen Errungenschaften ehrt, die Juden in und für Deutschland geleistet haben? Ich würde gerne zu einem solchen Denkmal gehen. Altkanzler Gerhard Schröder aber sagte, das Holocaust-Mahnmal sei ein Ort, „wo man gerne hingeht“. Der Historiker Eberhard Jäckel brachte es sogar fertig, zu sagen: „Es gibt Länder in Europa, die uns um dieses Denkmal beneiden.“

Das Zentrum für Politische Schönheit ist vermutlich auch stolz auf seine Art der Vergangenheitsbewältigung. Die Vergangenheitsbewältigung gäbe es ohne die Vergangenheit jedoch nicht.

Das ZPS instrumentalisiert die Opfer des Nationalsozialismus und deportiert sie für die Kunst und die eigene politische Idee.

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14 Antworten zu Der Missbrauch der Opfer muss aufhören!

  1. wayakauri schreibt:

    Selbstverständlich kann man diese Aktion kritisch sehen und sie ablehnen.
    Aber dass das ZPS in die Fußstapfen des hässlichen Deutschen tritt und ähnliches, halte ich für ein Missverständnis. Im Gegenteil prangert es die Gleichgültigkeit der Geschichte gegenüber an.
    Es gibt einen Artikel in der Frankfurter Rundschau, den man lesen sollte, bevor man sich ein Urteil bildet. Hier ist ein Teil daraus:

    Das Zentrum für Politische Schönheit hat sich jetzt erstmals systematisch um die Frage gekümmert: Was geschah nach der Verbrennung mit der Asche? Das Ergebnis ist nicht nur das Denkmal und die es begleitende Aktion, sondern auch eine knapp siebzigseitige Broschüre, die über den Umgang mit der Asche der vernichteten Juden und anderer Naziopfer informiert. Den Umgang der Nazis damit und den heutigen Umgang.
    „Auf den 37 Quadratkilometern des Interessengebiets Auschwitz befinden sich bis heute die Überreste von dort ermordeten Menschen. Dabei handelt es sich um hunderte Tonnen menschlicher Überreste, auf denen die Besucher der Gedenkstätte Auschwitz täglich umherschreiten, die heutigen Anwohner auf den ehemaligen Wirtschaftshöfen des Interessengebiets spazieren gehen und in denen sie in den Flüssen Sola und Weichsel sowie in den Schwimmteichen bei Harmense baden.“
    Zentrum für politische Schönheit – schmerzhafte Symbole
    Das Zentrum erklärt: „An 23 Orten in Deutschland, Polen und der Ukraine wurden über 200 Proben genommen. Laboruntersuchungen ergaben in über 70 Prozent Hinweise auf menschliche Überreste. Mitunter lagen Knochen direkt unter der Grasnarbe und ragten metertief in einen Abgrund. Wir fanden Knochenkohle, sedimentierte Asche und menschliche Fragmente in den Flussläufen der Weichsel, Zähne direkt auf Feldern, Knochenreste in allen erdenklichen Körnungsgrößen. Es gibt dort kein Grab, keine letzte Ruhestätte.“
    Der in Berlin zu besichtigende „Bohrkern“ führt uns vor Augen, was wir hätten sehen oder uns hätten denken können. Auschwitz, die systematische Vernichtung, hat Spuren hinterlassen. Oft muss nicht einmal gegraben werden. Die Asche mit Knochenüberresten darin lag und liegt vielerorts vor uns auf dem Boden. Die Nazis benutzten sie zum Dammbau, zur Düngung, als Isolierungs- und Frostschutzmittel und sie warfen sie in die Flüsse.
    Warum bleibt das ZfP-Denkmal nicht?
    Wir atmen die Asche der Verbrannten ein. Nein, wir hier in Berlin tun das nicht. Die Verbrennungsöfen standen nicht hier. Die Nazis schafften die Asche nicht nach Berlin. Das hat jetzt das Zentrum für Politische Schönheit getan. Es konfrontiert uns mit den Taten unserer Großväter und mit unserem gar zu lässigen Umgang mit ihnen. Die Asche der Vernichteten in der Nähe des Reichstages konfrontiert die Politik und uns mit den Folgen unserer Handlungen oder den Folgen unseres Nichthandelns.
    Die Krolloper, auf deren ehemaligem Gelände die Installation steht, war der Ort, in den das Parlament nach dem Reichstagsbrand verlegt wurde. Hier wurde der Übergang in die rassistische Diktatur vollzogen. Das Zentrum für Politische Schönheit hilft uns mit meist schmerzhaften Symbolen. Die Künstler tun das, weil sie uns in Bewegung setzen wollen. Es geht ihnen darum, dass wir es nicht beim Nachdenken, nicht beim Gedenken belassen. „Nie wieder Auschwitz“ sollte, daran erinnern sie uns – diesmal mit der Asche der von unseren Großvätern Verbrannten – die Maxime unseres Handelns sein.

    • Nestor Machno schreibt:

      Das Zentrum für Politische Schönheit hat sich jetzt erstmals systematisch um die Frage gekümmert: Was geschah nach der Verbrennung mit der Asche?

      Als haette das noch nie jemand zuvor getan.

      Im Gegenteil prangert es die Gleichgültigkeit der Geschichte gegenüber an.

      Im Gegenteil: Nichts wird in Deutschland so penetrant (und verlogen, siehe Zentrum fuer politischen Bloedsinn) zelebriert, wie der Holocaust, i.d.R. zur Selbstdarstellung und moralischen Selbsterhoehung oder um dem politischen Gegner eins reinzuwuergen.

      Dazu gibt’s auch noch einen 70-seitige Sermon, damit man diesen pietaetlosen Quatsch auch ja nicht falsch versteht.

      Vielleicht sollte dieses famose Zentrum mal auf 70 Seiten darlegen, was es denn so von Israel haelt. Ich kann mir schon denken, was.

      Dazu mal wieder Broder wie immer treffend:

      https://www.achgut.com/artikel/der_zentralrat_der_juden_verweigert_die_zusammenarbeit

    • A.S. schreibt:

      Es steht diesen Typen frei, Geld zu sammeln und sich an jüdische Verbände zu wenden und gemeinsam den Toten ein anständiges Begräbnis zu verschaffen.

      Das tun die aber nicht, statt dessen basteln sie Souveniers aus den Toten, die verkauft werden sollten. VERKAUFT!! Erinnert das an etwas? Schon einmal wurden die Überreste „verwertet“, das ZFP macht exakt das jetzt wieder. Zwar mit einem neuen Anstrisch, aber wieder mal mit pathologisch reinem Gewissen, so rein, dass der Moralkompass ausgeschaltet wird.
      Wieder einmal ist Hass die Triebfeder. Es erzähle mir niemand, die Leute des ZFP würden aus Anstand handeln.
      Wieder einmal sind tote Juden das Mittel zum Zweck, um ein besseres Deutschland zu schaffen.

      Ich weiß nicht was mich mehr stört. Die Pietätlosigkeit, oder das diese Nazi-Enkel (auch geistig !!) sich ernsthaft für die Guten halten.

  2. A.S. schreibt:

    Diese Typen vom Zentrum für politischen Unanstand haben schön öfter gezeigt was sie sind. Aber diese Pietätlosigkeit ist ein neuer Tiefpunkt.
    Wiedereinmal erhebt sich die Fratze des hässlichen Deutschen, der ohne jeden moralischen Zweifel den Tod von Juden für politisch nutzbar hält. Ekelhaft.
    Nebenbei haben diese Typen auch eine weitere deutsche Diktatur unterschlagen wenn sie die Nazizeit als „die letzte deutsche Diktatur“ bezeichnen.

  3. bernardcremer schreibt:

    Bin einfach fassungslos. Und: wie blöd kann man sein bei der ZPS ? Denn: mal ganz rational betrachtet, stellt sich die Frage, wie kann man wissen, ob da überhaupt Asche oder egal sonstwas in einem Gegenstand aus Stahl vorhanden ist ?

  4. Ziel dieser Linken ist die Zerstörung der eigenen Kultur und jedweder Moral um danach den „Neuen Menschen“ zu formen.
    Was sagte schon Mao zu den zig Millionen Hungertoten?Guter Dünger…

    • Nestor Machno schreibt:

      Was sagte schon Mao zu den zig Millionen Hungertoten? Guter Dünger…

      In dem Zusammenhang ein sehr gutes Zitat. Die sog. „Linken“ unterschalgen ja gerne, dass es noch andere furchtbare Genozide gegeben hat, die aber leider auf ihrem ideologischen Mist gewachsen sind. Daher ja auch der Mythos von der „Singularitaet“ des Holocaust zur Abgrenzung. Singular war nur die organisatorische Umsetzung. Fuer das einzelne Opfer war es dagegen egal, ob ihr Moerder einen roten Stern oder ein Hakenkreuz am Aermel trug, ebenso ob sie aus rassistischen Gruenden oder einer „falschen“ Meinung wegen oder auch ohne jeden Grund ermordet wurden.

      Genauso tickt auch das famose Zentrum. A.S. hat es in seinem Kommentar weiter oben richtig erkannt: „Nebenbei haben diese Typen auch eine weitere deutsche Diktatur unterschlagen wenn sie die Nazizeit als „die letzte deutsche Diktatur“ bezeichnen.“

      Semper eadem. Aus genau diesem Grund.

  5. Emma schreibt:

    Das sindNationalsozialisten im geiste.
    Für die selbst erkorene „gute Sache“ ist jedes, aber auch jedes Mittel recht. Und sie verstehen nicht einmal was sie da tun und in welchen Fußstapfen sie unterwegs sind.
    Was hat die AFD mit den ermordeten Juden der Shoa zu tun?

  6. Peter Thurau schreibt:

    Weihnachten vor der Tür, die Spenden sollen wieder fließen. Also drängt Philipp der RUCHlose erneut ins Rampenlicht. Die Pseudomoral linksgrüner “Antifaschisten” kennt keine Grenzen. “Zentrum für politische Schönheit”? Zentrum für politische Idiotie!

    • Leopard schreibt:

      Vor allem: Wer sagt uns das Philipp Ruch(los) und Konsorten mit dieser Aktion nicht bloß ihr persönliches Geltungsbedürfnis befriedigen wollen? Kann es sein, das ihnen vielleicht sogar die Opfer des NS-Regimes gleichgültig sind, es sei denn sie können sie (aus)nutzen um sich im Rampenlicht zu positionieren?

  7. anti3anti schreibt:

    Die ausgestellte Asche stammt nicht aus Polen, sondern aus Berlin: die Asche von Hitler. Ein Mitglied der ZPS, einst (weiterhin?) Nazi, will sie für viel Geld vermarkten.

  8. AxBa schreibt:

    Diese sogenannten Künstler sind in Wirklichkeit geistig verwahrloste „AgitProp“ (Agitation u. Propaganda) Darsteller, die auch noch mit Steuergeldern gepampert werden.

  9. Georg B. Mrozek schreibt:

    Ein solcher Missbrauch der Opfer macht mich schlicht sprachlos. In ihrem Hass auf politisch Andersdenkende gehen sie wortwörtlich über Leichen. Fanatiker und Irre, Aufmerksamkeit um jeden Preis – rational ist so etwas nicht mehr fassbar. Die Welt, in der wir leben, wird einfach immer verrückter.

  10. Giessel Roland schreibt:

    Oh man, du hast so recht.

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