„Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau!“

Die Mädchen vom WDR Kinderchor Dortmund haben ein Lied zum Jahreswechsel eingesungen. Das Lied fand sich bei Veröffentlichung dieses Artikels in der WDR Mediathek.

Der Text lautet wie folgt:

„Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad. Das sind tausend Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau!

Meine Oma sagt: „Motorradfahren ist voll cool.“ Sie benutzt das Ding im Altersheim als Rollstuhl. Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau!

Meine Oma fährt im SUV beim Arzt vor, überfährt dabei zwei Opis mit Rollator. Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau!

Meine Oma brät sich jeden Tag ’n Kotelett, weil Discounterfleisch so gut wie gar nichts kostet. Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau!

Meine Oma fliegt nicht mehr, sie ist geläutert. Stattdessen macht sie jetzt zehn Mal im Jahr ’ne Kreuzfahrt. Meine Oma ist doch keine Umweltsau!

We will not let you get away with this!”

Es gibt viel, was an diesem Video gruselig ist, zum Beispiel das konformistische Rebellentum, aber besonders hervor stechen die letzten Sekunden, wenn die Kinder drohend auf englisch in die Kamera sagen: „Wir werden Euch damit nicht davon kommen lassen!“

Dieser gesungene Kinderkreuzzug wurde von Erwachsenen geschrieben, inszeniert und produziert. Erwachsene Menschen haben Kinder benutzt, um eine politische Botschaft zu produzieren, die von staatlich eingetriebenen Beiträgen finanziert wurde.

Mir fehlen die Worte.

Statt eines Kommentars zeige ich einfach ein paar weitere Videos von Kindern, die ganz in der Tradition des WDR ihre Seelen für die Ideen erwachsener Menschen im Takt und Gleichklang entblößen mussten.

Im Takt und Gleichschritt die Welt verbessern wollen. Da ist der Weg zur Diffamierung des Anderen als Feind nicht mehr weit.

Erwachsene Menschen schreiben Protestparolen und legen sie in die Münder von Kindern. Seid bereit!

Nachtrag: Etwa eine Stunde nach Veröffentlichung dieses Artikels löschte der WDR das Video aus seiner Mediathek und erklärte via Facebook, dass „die Mutmaßung, WDR 2 hätte die Kinder des Chores instrumentalisiert, für die Redaktion unerträglich ist.“

Ein paar Stunden später erklärte WDR-Intendant Tom Buhrow: „Das Video war ein Fehler. Ich entschuldige mich ohne Wenn und Aber dafür.“

Der freie WDR-Mitarbeiter Danny Hollek von der Aktuellen Stunde erklärt auf seinem privaten Twitter-Account, Oma sei zwar keine Umweltsau aber dafür eine „Nazisau“.

Die Redaktion von WDR aktuell stellte danach umgehend klar, Danny Hollek habe „den Tweet von seinem privaten Twitter-Account abgesetzt. Wir distanzieren uns scharf von Form und Inhalt.“

Hollek erhielt nach seinem Posting Morddrohungen und wurde sogar im Privatleben belästigt. Solidarität mit Journalisten, die bedroht werden, ist eine Selbstverständlichkeit. Tapfer im Nirgendwo verteidigt selbstverständlich das Recht auf freie Meinung für alle Menschen. Die Drohungen gegen Danny Hollek sind inakzeptabel. Der WDR sollte zu ähnlicher Deutlichkeit in der Lage sein, auch bei inhaltlichen Differenzen. Werde Mitglied im Artikel 5 Club.

Eigentlich dürfte es keine Probleme geben. Der WDR darf alles sagen und alle dürfen frei entscheiden, ob sie das finanzieren wollen. Die Realität sieht leider anders aus.

Keine vierundzwanzig Stunden nachdem sich Tom Buhrow zu Wort gemeldet hatte, wurde in Köln zum Thema Umweltsau auf dem Appellhofplatz vor dem WDR demonstriert. Die Polizei erklärte: „Zeitweise kam es zwischen linken und rechten Meinungsgegnern zu verbalen Provokationen.“

Nicht anwesend waren die „Meinungsgegner“ Saskia Esken (SPD) und Armin Laschet (CDU). Sie meldeten sich via Twitter zu Wort:

Spätestes jetzt müssen alle zugeben, es handelt sich hier um atemberaubende Satire. Es bleibt jedoch bedenklich, dass dafür Kinder instrumentalisiert wurden.

Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke („Gehirne am Strand“), sowie Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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